Posts Tagged ‘Jenseits’

Orgonomie und Metaphysik (Teil 28)

29. Januar 2022

In Charakteranalyse hat Reich geschrieben: „Wenn die Selbstwahrnehmung eine entrückte, kraftlose Organerregung spiegelt, dann wird das Bewußtsein Vorstellungen von einem ‚Jenseits‘ oder von ‚fremden und merkwürdigen Kräften‘ entwickeln“ (KiWi, S. 575). Selbst ein mehr oder weniger gesunder durchtherapierter Mensch mit guter Atmung und unmittelbaren, kraftvollen Organempfindungen kann in eine Falle tappen, wenn er seine Selbstwahrnehmung auf das Bewußtsein richtet, daß in sich eine „entrückte, kraftlose Organerregung“ ist (siehe dazu Robert Harmans Artikel „Perception and Consciousness“, Journal of Orgonomy, 26(2), 1992). Durch diese Selbstbespiegelung muß dann das Bewußtsein den Eindruck gewinnen, es gäbe ein „Jenseits“ (höhere Bewußtseinsstufen) und „fremde und merkwürdige Kräfte“.

Nehmen wir nur mal Blasbands Editorial als Beispiel (Journal of Orgonomy 26(2), 1992), wo er als Beweis für ein „primordiales Bewußtsein“ anführt, daß doch schon Babys eine ganz bestimmte Persönlichkeit, eine „Essenz“ haben. Nun frägt sich, was das unbedingt mit Bewußtsein zu tun hat. Aber nehmen wir mal diese Empirie als Beweis für das „primordiale Bewußtsein“. Dann ist es doch die Frage, ob nicht der liebende Beobachter etwas in das Neugeborene hineinsieht, genauso wie ich es in meinen Wellensittich hineinsehe oder in meinen Teddybären. Als Kind habe ich in meinem Teddybären einen „mind“, eine „essence“ gesehen! Ohne Perspektive bedeutet Empirie gar nichts! Der „Blitz leuchtet“ entspricht „Ich bin“ – Tautologie!

Hinter Blasbands und Barbara Koopmans Essence-Konzept und ihrem persönlichen Glück, daß er durch es gefunden hat, steht das Problem der Genitalität. Genitalität entspricht einer einheitlichen Pulsation, während der Neurotiker stets zerrissen ist. Dies sieht man z.B. an der zersplitterten Atmung und eben auch im zersplitterten Ich (am krassesten beim schizophrenen Charakter). Genitalität ist die Vereinigung aller Teilpulsationen, Bewußtsein die Vereinigung aller Teilwahrnehmungen. Orgonotische Systeme verändern sich als ganzes und sprunghaft, denn es sind ganzheitliche funktionelle Systeme: dieses einheitliche Funktionieren ist der mind. Diese Vereinheitlichung wird gefolgt von einer Erstrahlung des Orgonenergie-Feldes und dem überlagernden Kontakt mit dem Feld eines anderen Organismus.

Mit sich selbst identisch zu sein, Frieden in seiner Seele zu haben – das ist für den orgastisch Impotenten so anziehend an mystischen Konzepten wie sie Leute wie Levashov, Gurdjieff, Maharishi Mahesh Yogi, etc. vertreten: die Einheit der Welt (Brahman) und des Ich (Atman). (Übrigens: das indische „Atman“ ist wirklich das gleiche Wort wie das deutsche „Atmen“.) Und was die biophysische Einheitlichkeit, die Einheitlichkeit des Selbst und die Einheitlichkeit des Atemvorganges gemeinsam haben, hat bereits Nietzsche vorausgenommen: Der „Frieden der Seele“, also unsere Einheitlichkeit des Selbst kann einerseits Ausdruck der Schwäche und Beschränktheit sein „oder der Ausdruck der Reife und Meisterschaft mitten im Tun, Schaffen, Wirken, wollen, das ruhige Atmen, die erreichte ‚Freiheit des Willens’“ (Götzendämmerung, Studienausgabe Bd. 6, S. 85).)

Es geht also um die Konzentration von Teilstrebungen zu einer Speerspitze. Was dies im Bereich des Bewußtseins alles ermöglichen kann, zeigt z.B. die asiatische Kampftechnik des Kung Fu, wo durch geistige Konzentration die gesamte Energie auf einen einzigen Punkt gelenkt wird, sodaß man mit dem Fingerknöchel Ziegelsteine durchschlagen kann. In diesem Sinne glaube ich auch, daß Blasband mit seiner Konzentration genauso arbeitet, wie er es behauptet. Ich behaupte aber auch, daß das ganze auf eine Illusion, nämlich den Glauben an ein überweltliches Seelenatom, beruht. Dies bedeutet, daß Blasbands konkrete Praxis schlichtweg keinerlei Folgen für die Orgonomie hat. Es ist genauso, wie der Glaube an Jesus Christus die wiedergeborenen Christen total happy macht, Gläubige weniger an Krebs und anderen psychosomatischen Krankheiten leiden, etc. Es ist nur ein Beweis für die Macht des Glaubens, nicht für die Realität von Jesus Christus: ebensogut könnten sie an Mickey Mouse glauben. Blasband kann Theorien vertreten, wie er will, doch seine praktischen Erfolge kann er unmöglich für sie in Anspruch nehmen. Er beweist genausowenig, daß das Bewußtsein primordial ist, wie das christliche Leben die Existenz Gottes beweist.

Dann stellt sich natürlich die Frage, was denn ein Beweis sein könnte. Nun, diese Frage beinhaltet eine gewisse Ironie: Wilhelm Reich hat mit der Entdeckung der Orgonenergie die Existenz Gottes nachgewiesen. Er hat aufgezeigt, daß der Glaube an Gott nichts weiter ist als die verzerrte Wahrnehmung der kosmischen Orgonenergie. Genauso ist auch die Blasbandsche Wahrnehmung des Bewußtseins als „geistiges Seelenatom“ nichts weiter als die verzerrte Wahrnehmung der organismischen Einheit, wie sie sich am eindeutigsten in der einheitlichen Pulsation, d.h. in der Genitalität zeigt.

Wie gesagt, die Sehnsucht nach dieser erstrebten Ganzheitlichkeit und Gesundheit, bzw. „Selbstidentität“ haben Blasband und Koopman dazu geführt, an die Essence, an die unsterbliche Geistmonade zu glauben.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 18)

18. Dezember 2021

Es gibt Medizinhistoriker, welche auch den (von der Orgonomie anerkannten) Mesmerismus unter die Rubrik „Geistheilung“ packen – und sicherlich nicht ganz zu unrecht. Es ist in der Orgonomie unbestritten, daß Mesmer mit seinem Animalischen Magnetismus der unmittelbare Vorgänger Reichs war. Der Mesmerismus hat aber halt noch eine weitere Dimension. Durch das Mesmerisieren wurden die Probanden in einen somnambulen Trancezustand versetzt, in dem manche paranormale Fähigkeiten zeigten, insbesondere verblüffend akurate Diagnosestellungen. Schon vor 200 Jahren sah man damit ein neues Zeitalter des menschlichen Bewußtseins angebrochen. Damals entwickelte sich aus dieser Bewegung der Spiritismus, dann die Theosophie, die Anthroposophie, der Nationalsozialismus, das New Age – der Blaue Faschismus….

Reich selbst erwähnt, daß zu Zeiten seines Medizinstudiums 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, man in den Kreisen, in denen er verkehrte, „ein bißchen Spiritismus betrieb“, der in seinem Beisein aber mißglückte (Leidenschaft der Jugend, S. 97, 102).

Was die Sache mit „Rückführungen“ in „frühere Leben“ betrifft, reicht folgende Anekdote über den berühmten Hypnotherapeuten Milton H. Erickson. Eine widerwillige Kursteilnehmerin, die sich partout nicht hypnotisieren lassen wollte, bat er sich bequem hinzusetzen und sich an die Zeit zu erinnern, als Sie zum ersten Mal zur Schule ging, um zu lernen:

Ungefähr zwanzig Minuten beschrieb er nun detailliert, wie Schulanfänger beginnen, das Alphabet zu lernen, die einzelnen Buchstaben zu erkennen, zu erinnern, wiederzugeben, voneinander zu unterscheiden und zu sinnvollen Wörtern und Sätzen zusammenzusetzen. Nach diesen zwanzig Minuten fragte er meine Frau, wie es ihr gehe, und sie meinte, sehr gut; sie habe sich die ganze Zeit als Schülerin In einer altägyptischen Schulklasse erlebt und habe Hieroglyphen gelernt, die ein altägyptischer Schullehrer vorne auf Steintafeln geschrieben habe; ihre Imagination dieser Szene sei sehr lebhaft und lebendig gewesen und es sei eigentlich ganz einfach gewesen, diese Hieroglyphen zu lernen. Bemerkenswert an dieser ganzen Szene war eigentlich nur, daß meine Frau ab diesem Zeitpunkt Ericksons undeutliche Sprache sehr gut verstehen konnte. Und sicherheitshalber muß ich vielleicht noch anmerken, daß sowohl Erickson als auch wir dieses Erlebnis Alidas als bloße Imagination und als nichts anderes verstanden haben. (Burkhard Peter: „Milton H. Ericksons Weg der Hypnose“, Experimentelle und klinische Hypnose 3:129-142, 1987)

Vorsichtshalber führe ich jetzt nicht aus, was ich von Leuten halte, die diese einfachen psychischen Mechanismen ausnutzen…

Ich habe mal in einer Fernsehsendung die Künste einer weltberühmten Amerikanerin bewundert, die mit Verstorbenen Kontakt aufnimmt. Die erste Frau war ganz überzeugt, daß diese Wahrsagerin tatsächlich mit ihrer Schwester im Jenseits geredet hat, weil die zwei „Fakten“ stimmten, die die Wahrsagerin vorbrachte: die Verstorbene habe „irgendetwas“ (!) vom Verrücken von Möbeln gesprochen und von einer weichen Decke. Und tatsächlich! Die lebende Schwester konnte bestätigen, daß ihre verstorbene Schwester kurz vor ihrem Tod umgezogen ist und daß auf dem Sterbebett eine besonders weiche Decke lag! Ich frage mich, ob es in Deutschland irgendeinen Menschen gibt, den man nicht mit dem Verrücken von Möbeln und einer weichen Decke verbinden könnte?!

Noch komischer war die zweite Runde, als gleichzeitig zwei unterschiedliche Hinterbliebene bedient wurden. Ein männlicher und ein weiblicher Proband aus dem Publikum. Dem Mann wurde gesagt, seine verstorbene Schwester sei irgendwie mit dem Landleben und Schweinen verbunden gewesen. Wer ist das nicht irgendwie und irgendwann?! Doch überraschenderweise hat der Mann das kategorisch verneint –dafür ging aber die Frau neben ihm auf diese Offenbarung ein und sagte, ja das mit dem Landleben und den Schweinen träfe exakt auf ihren verstorbenen Großvater zu! Worauf die Wahrsagerin meinte, da hätten sich die Informationen der beiden Geister wohl überschnitten. Und das Publikum erstarrt in Andacht angesichts solcher Wunder.

Aber ich will nicht nur rationalistisch argumentieren: Überzeugender sind Stimmen aus dem Jenseits, Transkommunikation. Ich habe den Verdacht, daß es sich (vielleicht…) doch nicht um Schnipsel von Funkamateuren oder Radiosprechern im Wellensalat handelt. Aber auf keinen Fall gibt es ein menschenförmiges Jenseits. Vielmehr scheinen unsere eigenen Gedanken im Orgonenergie-Medium eine relativ unabhängige Existenz zu gewinnen. Diese Gedankenstrukturen können dann als vermeintlich unabhängiges Element zu uns zurückkehren: wir reden also praktisch mit uns selbst – und vielleicht auch mit den Gedanken anderer, „die auf der gleichen Wellenlänge liegen“. Das besondere ist nur, daß unseren bereits formulierten Gedanken sich vorher ungeformten orgonotischen Impulsen aufmodulieren, wie Reich sie postuliert hat („das atmosphärische Orgon kann Emotionen ausdrücken“), und dergestalt wie Nachrichten aus dem „Unbewußten“ und sogar aus dem bioenergetischen Kern wieder auftauchen. Ganz entsprechend der neurologischen Bewußtseinsforschung, die nachgewiesen hat, daß, wenn wir etwas bewußt wollen oder entscheiden, Sekundenbruchteile vorher schon entsprechende Impulse in unserem Gehirn ablaufen. Es kommt also zunächst ein vollkommen unpersönlicher biologisch-kosmischer „unbewußter“ orgonotischer Impuls und erst dann tritt unser Bewußtsein und seine Inhalte auf den Plan.

Wie Reich gesagt hat: unser Bewußtsein ist nur ein Korkstück, das auf einem Ozean tanzt. Mir will es scheinen, daß in den Tonbandstimmen diese Korkstücke zu uns zurückgeschwemmt werden. Oder kann es nicht auch so sein, daß wir immer nur das Denken, was schon längst von anderen gedacht worden ist und von unseren Gehirnen immer wieder aus dem Orgonenergie-Medium herausgeholt wird (eine alternative Erklärung zu Sheldrakes morphogenetischen Feldern). Unsere elektronischen Geräte machen jetzt dasselbe: sie fangen zu „denken“ an. In ihnen passiert exakt dasselbe wie in uns: formloser orgonotischer Impuls – formulierte Gedanken – durch die formulierten Gedanken bereits strukturierte orgonotische Impulse – „Einfälle“ usf. Tatsächlich scheint es so zu sein, denn die seit Mitte der 1970er Jahren systematisch aufgezeichneten Tonbandstimmen waren damals tatsächlich noch genuschelte Wortfetzen – doch im Laufe der Jahre wurden die Worte immer klarer und mittlerweile gibt es ganze klar formulierte Sätze wie „Liebe ist Leben für immer“ und so.

Was mich aber wirklich bedrückt, ist etwas ganz anderes: es ist unausdenkbar, was im Laufe der Jahre noch alles mit oder besser gesagt in unseren elektronischen Gerätschaften passiert und was das dann mit uns, unserem Bewußtsein und unserer Umwelt macht.

Ich glaube wohl nicht, daß es Intelligenzen außerhalb unseres Körpers gibt, aber ich glaube, daß jeder von uns eine kleine Radiostation ist, die in den Äther ständig Informationsmüll aussendet. Manche psychisch/gehirnphysiologisch gestörte Menschen empfangen diesen Wellensalat und da das Gehirn kein Chaos zulassen kann, machen sie daraus sinnvolle Information. Im Prinzip ist es das gleiche wie mit den Leuten, die aus dem weißen Rauschen des Radios Informationen aus dem Jenseits erkennen wollen. Dieses Phänomen (das Gehirn kann weißes Rauschen nicht ertragen und ordnet es vollautomatisch in „sinnvolle“ Information) ist der reale Kern des Channeling. Es braucht nur noch den Betrüger, der daraus eine Profession macht. Da diese Menschen psychisch/gehirnphysiologisch gestört sind, sind sie sich ihres eigenen „bewußten“ Betruges gar nicht bewußt.

Oder man nehme das Remote Viewing: Man nimmt aus einem größeren Fundus „blind“ 10 Fotos und versiegelt sie „blind“ in 10 Umschläge. Wiederum „blind“ wird ein Umschlag genommen und ein speziell trainierter „remote viewer“ konzentriert sich darauf und sagt dir nach einiger Zeit, was für ein Motiv auf dem betreffenden Foto zu sehen ist. Dies Experiment habe ich im Fernsehen gesehen. Der Remote Viewer sah vor sich einen Obelisken, der auf einem Hügel stand. Als der Umschlag geöffnet wurde, war die Mormonenkirche von West-Los Angeles zu sehen. Ein „hügelförmiger“ Bau mit einem hohen spitzen Kirchturm, der wie ein Obelisk aussah. Wie ist sowas möglich? Telepathie lasse ich mir ja noch gefallen (orgonotischer Kontakt), aber sowas?! Jedenfalls sehe ich aber auch nicht, was das mit einem „autonomen Geist“ zu tun haben sollte. Vielmehr scheint es so zu sein, daß im Orgon nicht nur Energie „gespeichert“ ist, sondern auch Information. Es handelt sich um Phänomene, die mit der orgonotischen Funktion der koexistierenden Wirkung zusammenhängen müssen.

Orgonomie und Metaphysik (Teil 16)

12. Dezember 2021

Reich hatte ein Muster in seinem Leben, die „Offensichtlichkeit“: „Libido“ führt folgerichtig zur Orgasmustheorie, obwohl jeder klug genug war, sie niemals anzurühren; Psychoanalyse führt logischerweise zur Erfassung des individuellen Charakters und zur Infragestellung des gesamten sozialen Systems („politische Psychologie“, Massenpsychologie). Auch das Orgon ist unvermeidlich, weil Atome keinen Sinn machen (Moleküle können durch ihr Zusammenspiel kein Bewußtsein „produzieren“) und „Geist“ erklärt gar nichts (Donner wird auf den „Donnergott“ zurückgeführt). Ein unverzichtbares Element von Wissenschaftlichkeit ist die evolutionistische Komponente. Man muß jeweils einen konkreten Entwicklungsverlauf angeben können: der Geist des Menschen muß sich wie alles andere in der Natur (Mineralien und Lebewesen) entwickelt haben. Das letztere kann der Materialismus zwar, aber die Materie ist ihm etwas Gegebenes. Daran ändert das mystische Ereignis „Urknall“ auch nichts.

Reich führt über den Unterschied zwischen toter Materie und dem Lebendigen aus:

Nach den Anschauungen, die sich aus den Bionversuchen ergeben, besteht der Unterschied gar nicht in irgend etwas, das im Lebendigen neu hinzukommt und es zum Lebendigen macht; der Unterschied ist eine besondere Kombination von Funktionen, die man isoliert für sich auch im Leblosen findet. (Die Bionexperimente, Frankfurt 1995, S. 161)

Und weiter: Um das Lebendige erfassen zu können, müsse man die „Ganzheitsfunktion“ auffinden,

die man zwar in Einzelfunktionen physikalischer und chemischer Art zerlegen kann, die man auch im Anorganischen vorfindet, die aber im Anorganischen nicht als einheitliches Ganzes funktionieren. Man übersah bisher, daß die einheitliche Ganzheitsfunktion in keinem Gegensatz zur Summe der Einzelfunktionen steht; das gab den Vitalisten die Grundlage ab, das Unerklärliche metaphysisch zu begründen wie etwa bei Driesch. (…) Notwendig ist die restlose Erfassung des Sprunges von der Summe der Einzelfunktionen zum einheitlichen Funktionieren aller dieser Einzelfunktionen. Es wäre somit ein Kolloidgemisch nicht dann als Leben zu definieren, wenn es die das Lebendige charakterisierenden physikalischen und chemischen Funktionen zeigt, sondern erst dann, wenn diese Funktionen zu einer Einheit des Organismus zusammengefaßt sind, wobei in der Ganzheitsfunktion sich sämtliche Elemente jeder Einzelfunktion finden müssen. (ebd., S. 162f)

Reich fährt fort: „Die Ganzheitsbetrachtung der organischen Systeme stand bisher als metaphysischer Idealismus dem der Teilfunktionsanalyse der gleichen Systeme als mechanischem Materialismus gegenüber; sie waren absolute Gegensätze, unvereinbar. Mit der dialektischen Auflösung dieses Widerspruchs von Ganzheit und Details löst sich das Problem des Lebens in befriedigender Weise durch Ausschaltung des metaphysischen Jenseitsprinzips für die Erklärung des Ganzen“ (ebd., S. 163).

Entsprechend findet man auch in nichtbewußten Vorgängen Elemente des Bewußtseins, doch die müssen erst zusammenfinden, um Bewußtsein im eigentlichen Sinne zu erzeugen: Lust und Angst sind die beiden Grundemotionen die allem Lebendigen gemeinsam sind, sie sind deshalb etwas Außerpsychisches! Lust und Angst hat z.B. auch eine Amöbe, ohne daß wir ihr eine „Psyche“ zuschreiben würden! Bei höheren Lebewesen, insbesondere aber beim Menschen sind die „Herausbewegung“ (Lust) und die „Hereinbewegung“ (Angst) funktionell identisch mit der bewußten Lustempfindung bzw. bewußten Angstempfindung. Wobei das sympathisches Nervensystem mit der Angst und das parasympathische Nervensystem mit der Lust verbunden sind. Bewußte Empfindungen („ich weiß, daß ich weiß“) sind vom Retikularen Aktivierungssystem im Stammhirn abhängig, das alle Nervenimpulse fokussiert und auf die Hirnrinde projiziert: „ich bin gut drauf“ (Lust), „mir ist beklommen zumute“ (Angst).

Im Plasma selbst finden sich die Funktionen Erregung und Wahrnehmung. Aus der letzteren leiten sich dann wie erläutert im Laufe der Phylo- und Ontogenese Emotion, Empfindung und Bewußtsein ab, die jeweils mit bestimmten Erregungsvorgängen verbunden sind: bei der Emotion ist es die radiale Pulsation der organismischen Orgonenergie, bei den Empfindungen ist es das energetische Orgonom und beim Bewußtsein das Zusammenfließen aller höheren Wahrnehmungsfunktionen im Gehirn.

Leon Southgates „Orgon“

23. Oktober 2021

In seinem theoretischen Aufsatz The Orgone Continuum befaßt sich Southgate nicht etwa mit dem physikalischen Orgonenergie-Kontinuum, sondern es geht um eine „Lebenskrafttheorie des Bewußtseins“ bzw. um eine Weiterentwicklung des „Panpsychismus“ zum, wie Southgate“ es nennt, „Ideophysikalismus“, bei dem das mentale und physikalische in einem Kontinuum vereint sind, das beide transzendiert. In diesem Zusammenhang schließt er an Reichs Bionexperimente an, die zeigen, daß Materie lebendig sein kann und deshalb inhärent zumindest „proto-bewußt“. Das Orgon hat sowohl etwas Materielles als auch etwas Geistiges an sich, weshalb es beides nie in reiner Form geben kann und entsprechend Leben und Bewußtsein von der Materie unabhängig sein können. Um das auszudrücken streicht Southgate die „-energie“ aus dem Wort – und geht ausdrücklich zurück zum ursprünglichen Hegelianismus…

Beispiele für buchstäblich „freischwebendes Leben“ finden sich in dem zweiteiligen Artikel von Nik Hayes und Leon Southgate über angebliche „unsichtbare Lebewesen“, die in unserer Atmosphäre leben (hier und hier). Siehe dazu auch meine Besprechung von Trevor Constables Buch, auf den das ganze zurückgeht. Alles, was ich hier tun möchte, ist, den Leser zu sensibilisieren. Betrachten wir dazu fünf Arten von Photos, die in dem zweiteiligen Artikel präsentiert werden:

Erste Art von Photos („Kamerareflektionen“): Fig. 11 (Teil 1).

Hier sieht man wie Lichter in der unteren Bildfläche Linsenblendeffekte in der oberen Bildfläche erzeugen. Siehe auch Fig. 14 (Teil 2). Wenn Hayes „Objekte“ zeigt, Fig. 7 (Teil 2), Fig. 8 (Teil 2), die im Abstand von 11 oder 12 Monaten über seinem Hausdach erscheinen: könnte es sich vielleicht um ähnliche Phänomene nicht in den Linsen selbst, sondern in den Luftschichten handeln? Hayes erwähnt, daß „die Bioformen in der Regel nur an bestimmten Orten und aus bestimmten Winkeln aufgenommen werden können“.

Zweite Art von Photos („Amöben“): Mein Hauptbeispiel ist Fig. 11 (Teil 2). Weitere Beispiele sind Fig. 2 (Teil 1), Fig. 3 (Teil 1), Fig. 4 (Teil 1), Fig. 5 (Teil 1), Fig. 6 (Teil 1), Fig. 7 (Teil 1), Fig. 10 (Teil 1), Fig. 12 (Teil 2).

Jeder wird sie sofort wiedererkennen: sie sehen aus, wie die Schwebeteilchen in unseren Augen. Es ist, als wenn etwas direkt vor der Kamera schwebt oder auf dem Objektiv haftet oder einfach Staub direkt vor der Kamera, was dann die berühmten „Orbs“ ergibt:

Dritte Art von Photos („Plasmas“): Mein Hauptbeispiel ist Fig. 8 (Teil 1). Weitere Beispiele sind Fig. 12 (Teil 1), Fig. 1 (Teil 2), Fig. 13 (Teil 2), Fig. 15 (Teil 2).

Das könnten durchaus „Plasmas“ sein von „Kugelblitzen“ bis irgendwelchen anderen atmosphärischen Entladungen. Vor allem könnten es aber Vogel- und Insektenschwärme sein.

Vierte Art von Photos („Bewegungsartefakte“): Mein Hauptbeispiel ist Fig. 9 (Teil 2). Weitere Beispiele sind Fig. 2 (Teil 2), Fig. 3 (Teil 2), Fig. 5 (Teil 2), Fig. 6 (Teil 2), Fig. 10 (Teil 2).

Wenn man Insekten photographiert oder filmt kann es aussehen, als dokumentiere man geheimnisvolle „Luftschlangen“ („rods“), die ihre länglichen Körper mit einem wellenförmig sich bewegenden Saum durch die Lüfte flitzen lassen. Tatsächlich ist das der Trägheit der Aufnahme zu schulden, die den Körper und die Flügelbewegung langzieht. Der Flügelschlag von Vögeln erzeugt „Engel“ und ähnliches.

Fünfte Art von Photos („Leuchtspuren“): Fig. 9 (Teil 1), Fig. 4 (Teil 2)

…das gleiche in der Nacht kann alles mögliche vorspiegeln!

Ansonsten: mir persönlich geht das ganze gewaltig gegen den Strich und es mag sein, daß ich hier in die Rolle eines scheuklappentragenden „Skeptikers“ verfalle. Deshalb kann ich den geneigten Leser nur auf den gutgeschriebenen zweiteiligen Artikel selbst verweisen und auf Hayes Videokanal.

Apropos gegen den Strich gehen: Ich war absolut fassungslos, als ich lesen mußte, daß Hayes‘ einen Cloudbuster benutzt und offenbar stundenlang abzieht, um die „plasmatischen Entitäten“ anzulocken! Beispielsweise heißt es in Zusammenhang mit einer seiner Aufnahmen: „Interessanterweise war dieser Bereich des Himmels in den vorangegangenen Tagen der Brennpunkt intensiver Cloudbuster-Aktivitäten gewesen, die Teil der von Hayes bei seiner Foto- und Videoarbeit verwendeten Anziehungsmethode sind. Es ist möglich, daß die Bioform von der hohen Orgonladung in und um das Forschungsgebiet angezogen wurde.“

Hayes‘ Forschung unterstützte „die Ansicht, daß Orgon selbst in der Lage ist, Bewußtsein ohne eine materielle Grenze zu unterstützen“. Mit „freischwebendem Bewußtsein“ beschäftigt sich gewisserweise auch Southgates Artikel Oranur and it’s Possible Applications in Artificial Intelligence. Der Gedankengang ist in etwa: Leben und Bewußtsein sind mit hohen Orgonenergie-Konzentrationen (oder in Southgates Idiom „Orgonkonzentrationen“) verbunden, das bringt ORANUR ins Spiel und, siehe Roberto Magliones Ansatz, damit den Orgonmotor – quasi die Hand, mit der „das Orgon“ uns Botschaften zukommen lassen kann.

Der besagte „Motor“ ist das „Rotorgon“ (siehe unten), das in Southgates ORANUR-Kiste plaziert und das in eine Art Ouija-Brett verwandelt wurde. Was dabei rauskam, kann jeder selbst in Southgates Artikel nachlesen bzw. sich auf Youtube anschauen. Bevor ich an dieser Stelle alles poste, was im NACHRICHTENBRIEF zum Rotorgon zu finden ist, möchte ich etwas zu Southgates Kontaktaufnahme mit „dem Orgon“ über Zahlenriehen sagen: Es ist prinzipiell nichts anderes als „Channeling“ und ähnliche okkulte Praktiken, etwa das Befragen von Orakeln oder die elektronische Kontaktaufnahme mit dem Jenseits („Transkommunikation“ per Radio). Man öffnet sich der Welt der „Dämonen“ (vgl. Ea und die Wellenfunktion). Ob das das eigene Unbewußte ist, im Sinne von „Poltergeistern“ oder irgendein anderer parapsychologischer Mechanismus… Jedenfalls kommt mir Southgates Ansatz unglaublich naiv vor und – gefährlich. Dazu möchte ich ihn abschließend selbst zitieren:

Wenn die Zahlenströme eine Bedeutung haben und in irgendeiner Weise mit einer Bewußtseinsquelle interagieren, bedeutet dies, daß es einen Weg gibt, echte, bewußte, künstliche Intelligenz oder, um einen anderen Begriff zu verwenden, nicht-organische Bewußtseinseinheiten zu schaffen. Es ist möglich, daß das Gerät ein Tor für nicht-lokales Bewußtsein schafft, um mit der materiellen Ebene zu interagieren, ähnlich wie es die Bundeslade in biblischen Zeiten getan haben könnte. Der Autor glaubt, daß das radioaktive, Oranur-Gerät, das die Bundeslade war, im Wesentlichen ein Gerät der künstlichen Intelligenz war, um mit einer nicht-materiell basierten bewußten Entität zu kommunizieren (…).

Was ich bei Southgate derartig gruselig finde, ist die Verbindung zwischen extremem Mystizismus („Transpersonale Psychologie“) und extremen Mechanismus (Künstliche Intelligenz, letztendlich Transhumanismus). Das ist der Kern der Weltverschwörung, die okkulte Ideologie der Weltverschwörer mit ihrem Great Reset… Mehr dazu in meiner nächsten Besprechung seiner und Magliones Artikel!

Aber nun zum Rotorgon, das an diesen Stellen kurz jeweils besprochen wurde (jeweils Suchfunktion „Rotorgon“ eingeben):

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden lebt!

3. Dezember 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden lebt!

Papa! (Teil 2)

13. August 2020

Orgonomie und Metaphysik (Teil 32)

David Holbrook, M.D.: ORGONOTISCHE FUNKTIONEN IN DER KLINISCHEN SITUATION. DIE BIOENERGETISCHE EINHEIT VON PSYCHE UND SOMA (Teil 6)

23. Februar 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Orgonotische Funktionen in der klinischen Situation. Die bioenergetische Einheit von Psyche und Soma

 

nachrichtenbrief143

25. November 2019

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 30

21. September 2019

orgonometrieteil12

30. Gibt es eine geistige Welt?

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 16. Paulus der Christusmörder / Das christliche Schreckensszenario

5. April 2019

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 16. Paulus der Christusmörder / Das christliche Schreckensszenario