Handschriftlicher Zettel [Die Kultur geht vor] (o.J.)

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Man kann gar nicht oft genug hervorheben, daß Stirner und Reich und vor ihnen LaMettrie ihre Hauptfeinde, die sie buchstäblich in einen frühen Tod gehetzt haben unter einer ganz bestimmten Fraktion fanden. Marx und Freud waren Feuerbachianer, d.h. zwar brave Atheisten, aber welche die alle Attribute, vor allem aber Ethik und Moral, „dem Menschen“ zuschrieben, als dessen Priester und Inquisitoren sie sich betrachteten. Bei LaMettrie waren es entsprechend Friedrich II. und seine deistische Entourage aus „Aufklärern“. (Deismus bedeutet, „Gott ist die Vernunft“.)
Ihre Opfer waren jeweils vollkommen konsterniert, welche Feindschaft ihnen entgegenschlug bzw. mit welcher Herablassung und welchem angewiderten Gestus sie von ihren vermeintlichen „Mitaufklärern“ todgeschwiegen wurden. Konsterniert, weil die „Diderots, Marx‘ und Freuds“, also die „progressiven Aufklärer“, doch auf ihrer Seite hätten stehen müssen. Und die, die ihnen sehr oberflächlich betrachtet noch am nächsten kamen, also Rousseau (bei LaMettrie), Nietzsche (bei Stirner) und Erich Fromm (bei Reich), und zwar so nahe, daß es Leute gab und gibt, die sich jeweils nicht entblödeten sich gleichzeitig auf beide zu berufen, schwiegen ihren jeweiligen Vorgänger tot, schlachteten ihn gleichzeitig aus, kastrierten ihn um seine Kernaussage und brachten ihn durch ihre so gewonnene Popularität um den Erfolg seiner Arbeit.
Man mag einwenden, daß Leute wie Freud und insbesondere Nietzsche durch ihren Pessimismus und ihre skeptische Haltung gegen den Fortschritt irgendwie nicht in diese Reihe passen wollen, doch wird ihr wahres Wesen durch ihre Wirkungsgeschichte offenbar. Man betrachte nur den ganzen sozusagen „Neohumanismus“, der uns aus Amerika entgegenschlägt. Er ist das direkte Resultat der verkorksten Kindererziehung, für die nicht zuletzt der nicht zu unterschätzende Einfluß der Psychoanalyse verantwortlich war mit ihrer bizarren Mischung aus Permissivität und Distanziertheit. Nietzsche ist der Urvater der „Dekonstruktion“, die aus der Aufklärung ein Panoptikum des Irrsinns gemacht hat.
Die intellektuelle Landschaft wurde dermaßen zugemüllt, daß es kein Durchkommen mehr gibt und für LSR keine Chance der Entfaltung mehr gibt. Mit der Welt, die der Konservative Burke verteidigt hat und organisch reformieren wollte, hätte sich LSR noch auseinandersetzen können, doch in dem durchgegenderten und multikulturellen Schrotthaufen, zu dem unsere Zivilisation verkommen ist… Ganz praktisch: die geistig minderbemittelten Volldeppen, die heute die Gymnasien verlassen und die Universitäten belagern, fehlt es schlichtweg an den Kategorien, um Bernd A. Laskas Analysen überhaupt folgen zu können. Es ist so, als würde man ihnen einen Text in baskischer Sprache vorlegen. Und, ohnehin, ein Publikum, das schon bald überwiegend aus Negern, Türken und Arabern besteht…
Anmerkung: Das ist, neben der trotzigen Natur Peter Nasselsteins, auch der Grund, warum auf diesem Blog weiter die alte Rechtschreibung fortgeführt wird! Ich lasse mich nicht lobotomieren, indem man mir Kategorien und andere geistige Werkzeuge raubt. Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob ich schreibe „er fühlt sich im recht“ oder „er fühlt sich im Recht“! Im ersteren Fall fühlt er, daß er recht hat, im letzteren fühlt er sich (zugegeben etwas verquer ausgedrückt) als Teil des Rechts. Sei nicht Teil der um sich greifenden Idiokratie!
Unbedingt auch die Kommentare unter dem Video lesen. Ich werf mich weg…
Warum hat sich Laska nie erklärt? Nie den Kern seines LSR-Projekts mundgerecht und für alle nachvollziehbar in wenigen programmatischen Sätzen zusammengefaßt und seiner Netzseite vorangestellt?
Meines Erachtens ist das so, weil die Geschichte der Stirnerianer und Reichianer gezeigt hat, daß dabei nur Trivialitäten herauskommen würden, die das ganze ins Gegenteil verkehren. Bei Stirner war das der „Egoismus“, dem doch ohnehin jeder frönt, bei Reich, und auch LaMettrie, die Lust, die doch ohnehin jeder anstrebt. Und selbst, wenn man alles ganz im Sinne Laskas formulieren würde, von wegen „Kinder der Zukunft“. „Über-Ich“ etc. Die Antwort seriöser Menschen auf „LSR in 10 Punkten“ wäre ein: „Bitte belästigen Sie mich nicht mit derartig pubertärem Zeugs!“
Aus einem ähnlichen Grund hat Reich die Psychoanalyse zur Charakteranalyse und dann zur Orgontherapie weiterentwickelt: weil inhaltliche Deutungen wie „Sie haben Ihre Mutter geliebt und Ihren Vater als Konkurrenten angesehen!“ verpuffen und mit einem müden Achselzucken goutiert werden: „Bitte belästigen Sie mich nicht mit derartigem Kinderkram!“
Laskas Projekt entspricht eindeutig dem Vorgehen des Orgontherapeuten. Anders als in der Psychoanalyse werden nicht Ideationen („freie Assoziation“, spontane Erinnerungen) benutzt, um Affekte auszulösen, sondern umgekehrt: die Lockerung der Panzerung und die mit ihnen einhergehenden Affekte produzieren spontan Ideationen (Erinnerungen), oder auch nicht, und die sind dann auch reliabel, bringen den Patienten tatsächlich weiter und erzeugen ihrerseits Affekte. Genauso mit dem LSR-Projekt: Laska wollte nicht „herumphilosophieren“, die Welt mit irgendwelchen letztendlich willkürlichen Theorien beglücken (durch Verwirrung noch mehr ins Unglück stürzen), sondern er wollte zu zwingenden Einsichten führen. Also nicht „Einsichten“ präsentieren, denen man sich anschließen kann, sondern zeigen, wie eine bestimmte, nicht genannte Einsicht bisher systematisch verdrängt wurde. Laska wies dabei auf ganz bestimmte historische Vorkommnisse hin.
Seine These war, daß die Aufklärung gescheitert ist und daß es drei, und zwar ausschließlich diese drei, hochspezifischen Schlüsselereignisse gegeben hat, die dieses Scheitern nicht nur exemplifizieren, sondern auch zeigen, wie man die Aufklärung doch noch retten könnte: LaMettries Verdrängung durch die Enzyklopädisten und deren Umfeld, insbesondere Rousseau, Stirners Verdrängung durch Marx und Nietzsche, und Reichs Verdrängung durch Freud und die Freudo-Marxisten. Es ging jeweils um das Über-Ich als unhinterfragbare Instanz und vor allem als eine Instanz, die sich hinter allen möglichen „aufklärerischen“ Masken verbirgt.
LSR ist an die besagten drei Ereignisse gebunden, deren Durchdringung die Aufklärung (d.h. die Aufhebung induzierter Unmündigkeit = die Auflösung des Über-Ich) wieder in Gang setzen könnte. Die Orgonomie hingingen ist weniger eingeschränkt, hat es einfacher, da sie durch Reichs Charakteranalyse über ein Strukturmodell verfügt, das jedem vermittelbar ist. Die Orgonomie kann auf jeder Ebene, zu jeder Zeit, bei jedem Ereignis ansetzen. Dem LSR-Projekt fehlt es vom Grundansatz her an einer solchen „Schablone“. Und überhaupt: wie einem Bäcker, Schreiner, Spezialisten für Quantenchromodynamik, der noch nie von Stirner gehört hat und der nur eine vage Vorstellung von Rousseau hat, – wie dem das LSR-Projekt nahebringen? Laskas Zielgruppe sind die heutigen Entsprechungen zu den „Enzyklopädisten“, „Junghegelianern“, „kritischen Theoretikern“. Die Zielgruppe der Orgonomie hingegen ist eher der „Laie“ als der Spezialist. Das sieht man schon daran, daß sich ab etwa 1928 Reichs Schreibstil drastisch veränderte: von einem mit Fremdworten gespickten „Psychoanalysesprech“ zu einer einfachen Sprache, die wirklich jeder ohne Anstrengung verstehen kann. Bezeichnenderweise ist er zu dieser Zeit auch nie dem typischen „Marxismussprech“ verfallen, den kein Mensch nachvollziehen kann – und der sich in nichts auflöst, wenn man ihn in einfache Sprache überträgt. (Man mache sich mal den Spaß und „übersetze“ auf diese Weise eine Rede Rudi Dutschkes!)
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Daß Burkes Ansichten über die Natur des Menschen sich kaum mit denen Reichs vereinbaren lassen dürften, ist mir durchaus bewußt. Es stört mich auch, daß Robert Harman das in seinem Aufsatz über Burke gar nicht zur Sprache bringt (Edmund Burke and the French Revolution. The Journal of Orgonomy 30(1), Spring/Summer 1996, S. 20-32). Das scheint symptomatisch zu sein, wenn ich etwa an John Bells orgonomische Analyse von Shakespeares Der Sturm denke (Shakespeare’s THE TEMPEST: Cosmic Dimensions, Comedic Transformations. The Journal of Orgonomy 16(2), November 1982, pp. 244-259). Diese ist zwar stimmig und sicherlich richtig, aber Shakespeares Ansichten über die Natur des Menschen… – der verworfene „Caliban“ ist eben nicht der „gepanzerte Mensch“, sondern Shakespeares Vorstellung des Menschen im Naturzustand – der „Kannibale“, der unter zivilisatorische Kontrolle gebracht werden muß. Konkret waren die nordamerikanischen Indianer gemeint (was ganz praktische Folgen hatte…). Genau dasselbe, sogar explizit in Bezug auf die Indianer, findet sich in Burkes Betrachtungen.
Und trotzdem bleibt da bei Shakespeare und Burke ein unaufgelöster Rest: beide berufen sich dann doch ständig und zentral auf die menschliche Natur – auf die imgrunde rationale menschliche Natur, auf das „Gute und Naturwüchsige“. Das ist ein klarer Widerspruch. Man kann ihn übersehen – und hat einen „Reichianisch“ verkürzten Shakespeare und Burke vor sich. Aber immerhin: es ist bemerkenswert, daß diese „Verkürzung“ überhaupt möglich ist.
Was die heutige „Ideologiefeindschaft“ betrifft: mich erinnert der hemdsärmelige Pragmatismus manchmal fatal an ideologiegesteuertes Verhalten. Man hatte das Ziel (etwa die „klassenlose Gesellschaft“) fest im Auge, da man aber keine Beziehung zur Realität besaß, hat man willkürlich und „pragmatisch“ drauflos agiert. Das gemahnt doch fatal an vieles, was heute so abgeht: „Energiewende“, Gentechnik, Euro, etc. Man springt (aus „ideologischen“ Gründen) „pragmatisch“ ins Wasser, ohne zu wissen, wie tief das Wasser ist und ob man mit Bleischuhen und festgebundenen Armen überhaupt schwimmen kann.
Burke hat zum Thema folgendes zu sagen:
Sie sehen, mein Freund, daß ich dreist genug bin, um in diesem erleuchteten Jahrhundert frei zu gestehen, daß wir im ganzen eine Nation von naturwüchsigen Gefühlen sind, daß wir, statt alle Vorurteile wegzuwerfen, sie vielmehr mit Zärtlichkeit lieben und, was noch strafbarer sein mag, daß wir sie eben darum lieben, weil sie Vorurteile sind, und nur um so wärmer lieben, je länger sie geherrscht und je allgemeiner sie sich verbreitet haben. (…) Viele unserer denkenden Köpfe, weit entfernt, im ewigen Kriege mit den Vorurteilen zu leben, wenden ihren ganzen Scharfsinn an, um die verborgene Weisheit, die darin liegen mag, zu erforschen. Wenn sie entdecken, was sie suchten (…), dann finden sie es klüger, das Vorurteil beizubehalten mit der Weisheit, der es zur Hülle dient, als das Gewand wegzuwerfen und die nackte Weisheit stehen zu lassen, weil ein Vorurteil, das ein Prinzip der Weisheit enthält, zugleich eine Kraft, um dies Prinzip zu beleben, und ein Gefühl der Zuneigung, um ihm Dauer zu verschaffen, bei sich führt. (Betrachtungen, Suhrkamp 1967, S. 146f)
DMF (Diderot, Marx, Freud) waren Radikalinskis der „nackten Wahrheit“, die für die Burkes nur Verachtung übrig hatten. Siehe Marx‘ Ausfälle gegen Burke in Das Kapital und Freuds Ausfälle gegen das ozeanische Gefühl.
Es wird immer wieder versucht Marx und Nietzsche zu vereinigen und so die Widersprüchlichkeiten der europäischen Aufklärung aufzulösen und auf diese Weise diese zu vollenden. Wohlan:
Was macht das Verständnis von Bernd A. Laskas LSR-Projekt so schwierig? Die vermeintlichen „Mitaufklärer“ insbesondere Stirners, haben praktisch nie mit offenen Visier gefochten, sondern fast ausschließlich hochmanipulativ. Beispielsweise hat Marx den Stirnerschen „Eigner“ nicht frontal angegriffen, sondern sozusagen von hinten rum „ent-eignet“, d.h. zu einem Ensemble klassen-gesellschaftlicher Beziehungen gemacht, während umgekehrt Nietzsche aus dem Eigner einen „Enteigner“ machte, d.h. eine Karikatur dessen, was ohnehin die Klassengesellschaft bestimmt. Bei Marx wird der Eigner zu einem „kleinbürgerlichen“ Naivling, der keine Ahnung hat, an welchen Marionettenschnüren er baumelt. Bei Nietzsche wird der Eigner zur rücksichtslosen „blonden Bestie“, die sich alles gewaltsam aneignet, aus dem angeeigneten eine neue Synthese erzwingt, um dergestalt über den Menschen hinauszuwachsen. Mit anderen Worten: es geht um Zucht und Züchtung und nicht zuletzt um Züchtigung – genauso wie beim vollkommen vergesellschafteten Menschen bei Marx.
Aber genau das ist der Stand der „Aufklärung“, wie sie heute von der meinungsbildenden „antibiologistischen“ Intellektuellenklasse vertreten wird. Es geht schlicht um die Selbstermächtigung einer Nomenklatura, die die Massen „dekonstruiert“, um sie zu einer formbaren „Masse“ zu machen. Man schaue sich doch die moderne Kindererziehung an von der Krippe an aufwärts mit all dem Vegan-, Gender-, Antirassismus- und Klimawahn und der damit einhergehenden kompletten Verblödung von neuen Generationen von „Menschen“, die immer mehr wie leere Hüllen wirken, die sich von einer kleinen Machtelite an der Nase rumführen lassen und schier ausrasten, wenn man es wagt, diese „Elite“ zu kritisieren: dann bist du ein „Schwurbler“ und Schlimmeres.
Marx reduzierte den Menschen auf den Klassenkampf, Nietzsche auf den Rassenkampf. Die Synthese aus beidem finden wir heute beispielsweise im „Intersektionalismus“ und seiner vermeintlichen Entlarvung von Klassismus, Sexismus, Rassismus, Spezie-ismus, Able-ismus etc. durch die eine Hierarchie der Opfer konstituiert wird, an deren Spitze die mittellose körperbehinderte schwarze Lesbe steht, die sich als Ozelotweibchen identifiziert und nach einem Schlaganfall nur noch maschinell unterstützt atmen und kommunizieren kann. Dabei sind die wirkliche Elite an der Spitze natürlich jene intersektionalistischen Linken, die die vermeintlich wahren Interessen dieses Transozelotcyberweibchens vertreten!
Es sind diejenigen, die noch vor wenigen Jahren ihr Zucht-, Züchtungs-, Züchtigungsprogramm offenbarten, als sie uns sagten, wir sollen uns auf eine urbanere und buntere Zukunft einstellen, in der das Zusammenleben hart und brutal sein wird und das Miteinander täglich neu ausgehandelt werden muß. Jetzt sagen sie uns ganz offen nicht nur, was wir sagen dürfen, sondern sogar was wir FÜHLEN sollen. Ich höre jetzt auf, weil ich sonst etwas schreibe, was ich bereuen werde. FUCK YOU!
Imgrunde gibt es nur zwei Lager: jene Partei, für die „am Anfang das Chaos stand und der Geist über ihm schwebte, um es zu ordnen“, und die Partei, für die „am Anfang der Logos stand“, d.h. die Ordnung von Anfang an feststand und dann vielleicht später korrumpiert wurde, so daß zeitweilig das Chaos ausbrach.
Die philosophischen und theologischen Zusammenhänge können uns hier gleichgültig lassen. Uns interessiert nur, daß dieses konträre Empfinden auf einer unterschiedlichen bioenergetischen Struktur der Vertreter dieser beiden Lager beruht.
Die erste Partei lebt abgeschnitten vom bioenergetischen Kern nur im Kopf und in der sekundären Schicht. Entsprechend empfindet sie die Welt als ewigen Klassenkampf und den Menschen als vollkommen substanzlos (Marx) oder als polymorph-perverses Tohuwabohu (Freud), in die der Intellekt bzw. natürlich die „Intellektuellen“ ordnend eingreifen müssen, wie es der Kommissar bzw. der Psychoanalytiker tut.
Diese Leute sind die Satanisten, die beispielsweise für die Russische Revolution verantwortlich waren und heute für den grün-roten Great Reset verantwortlich sind („aus der Krise in eine neue Ordnung“). Sie zeigen eine merkwürdige Faszination für DeSade und wirklich alles, was für Chaos und Zerfall steht. Das ist Reich sofort aufgefallen, als er sich der Psychoanalyse zuwandte: dieses Insistieren, daß „am Grunde“ immer das „polymorph-perverse, sado-masochistische Chaos“ herrscht, es keine natürliche Ordnung gibt – jedenfalls keine natürliche Ordnung, die mit einem gedeihlichen Zusammenleben vereinbar wäre.
Die zweite Partei hat den Kontakt mit dem bioenergetischen Kern nicht verloren und glaubt deshalb instinktiv, „daß sich alles von selbst regelt, wenn man es nur sich selbst überläßt“. Die Genitalität ist das Primäre und Normale (Reich), ich bin auf eine fundamentale Weise „in Ordnung“ (Stirner), die Tugend geht organisch aus der Wollust hervor, aus der willkürlich gesetzten Tugend folgt nur Leid, Chaos und Untugend (LaMettrie).
Reichs Die kosmische Überlagerung ist eine einzige große Denkschrift für den Logos im Sinne Heraklits, das gleiche gilt für seine Orgonometrie. Die Ordnung war von Anfang an da. Man kann sich deshalb fallenlassen, da das Leben stets seine eigenen Voraussetzungen aus sich selbst heraus schafft. Reichs Gegner (Freud, Marx und die gesamte „Intellektuellenschaft“) können eine „derartige Naivität“ nur verächtlich vom Tisch wischen. Für sie ist, frei nach Mephistopheles, nichts Bestehendes Wert zu existieren. Alles muß ständig in seine Einzelteile zerschlagen, neu gemischt und mit titanischem Willen neu geordnet werden. Aber letztendlich ist ihr quasi „buddhistisches“ Ideal die komplette Entropie. „Ordnung“ ist dann erreicht, wenn alles gleichmäßig verteilt ist. Natürliche Strukturen sind für sie ein Widerspruch in sich selbst. Es sind Nihilisten im ordinärsten Sinne des Wortes!
Sie haben die Weltherrschaft übernommen und werden nicht eher ruhen, bis IHRE „natürliche Ordnung“ hergestellt ist, das absolute Chaos „über dem sie schweben können“. Wir, die andere Partei, werden unsererseits nicht eher ruhen, als bis wir unsere NATÜRLICHE ORDNUNG hergestellt haben. Das ist die Grundlage, die, um auf Peter Töpfers neustes Buch zurückzukommen, „uns“ und die Christen in einer Partei vereinigt – bei allen unaufhebbaren Gegensätzen…
Mir wird manchmal vorgehalten, daß ich ab und an wie ein ultrafanatischer Fundamental-Katholik klinge. Das hat einen Grund – nämlich DEM „Grund“ von allem was ist!
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Jung Chang und Jon Halliday haben in ihrem Buch Mao: Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes über mehr als 900 Seiten hinweg den wohl größten Egomanen dargestellt, der je gelebt hat. 70 Millionen seiner Landsleute schickte er in den Tod, den Rest verdammte er zu Elend und Armut, er zerstörte eine der großen Kulturen der Menschheit und starb verbittert, weil er China nicht zu einer dominierenden Weltmacht machen konnte. Ohne Zweifel war er der mit Abstand größte Verbrecher und Massenmörder, den die Menschheit hervorgebracht hat. Und dabei ging es immer nur um ihn selbst und nicht etwa irgendeine Ideologie (Marx und Engels hat er nie gelesen). Er war ein Außerirdischer vollkommen losgelöst von jedweder Tradition und verachtete die Moral und das Gewissen. Ist er damit nicht eine perfekte Verkörperung von Stirners Einzigem? Oder man schaue sich Klaus Schwab oder Bill Gates an, die „Maoisten“ der Jetztzeit, die nach dem Motto leben: Tu, was du willst!
Ja, denn nichts stand Stirner ferner, als das Diktum, daß meine Freiheit bei der Freiheit der anderen, mein Glück beim dadurch vielleicht verursachten Unglück der anderen aufhört. Mein Freiheits- und Glückstreben ist einzig vom Ausmaß meiner Macht abhängig! Das heißt aber noch lange nicht, daß ein Mensch wie Mao ein Eigner seiner Selbst ist, denn zur Macht gehört auch der Wille. Warum sollte ich diese Verrücktheiten verüben? Welches total verkorkste Interesse sollte ich daran haben, andere unglücklich zu sehen? Wenn ich meine eigene Impotenz kompensieren müßte, dann wäre ich ein Besessener, ein Neurotiker, ein vom Über-Ich tyrannisierter und verkrüppelter, also das genaue Gegenteil eines Eigners meiner Selbst.
Und man komme mir nicht mit den Heiligen, die in allem das vermeintliche Gegenteil von Mao verkörpern. Sie machen sich klein, um „im Himmelreich“ die Ersten und Größten zu sein. Sie sind auf ihre Weise ebenso verkrüppelte Egomanen wie Mao. Man schaue sich das Leben von Mutter Theresa an: