Starchild vs. Doyle Wolfgang von Frankenstein: das Schicksal der Orgonomie

26. Juni 2019

Paul Stanley („Starchild“) von Kiss und Doyle Wolfgang von Frankenstein, einst Misfits heute Doyle, vertreten zwei Theorien zwischen denen sich die Zukunft der Orgonomie aufspannt. Kaum ein Interview, in dem Starchild nicht von den Fans schwärmt, die das alles erst möglich gemacht haben und denen er ein wunderbares Leben verdankt. Kiss sei ein Produkt der Fans. Auf der anderen Seite verflucht Doyle Wolfgang von Frankenstein praktisch in jedem Interview seine Fans und behauptet, er habe die Fans gemacht, nicht umgekehrt die Fans ihn. Ist ja auch logisch: ohne Doyle Wolfgang von Frankenstein keine Doyle-Fans! Und wofür soll er sich auch schon groß bedanken, denn, während Starchild ein Vermögen von 150 000 000 Dollar sein eigen nennt und ein entsprechendes Leben führt, muß Doyle Wolfgang von Frankenstein mit Mitte 50 noch immer in einem Campingwagen von einem Gig zum anderen die Provinz abklappern, um am Ende kaum mehr zu haben als jeder Fabrikarbeiter. An jeder Tankstelle wird er von irgendwelchen „Fans“ angequatscht, die zutiefst empört sind, wenn er sagt, sie sollen sich gefälligst verpissen. Imgrunde verbindet Starchild und Doyle Wolfgang von Frankenstein nur eins: beide sind nach eigener Aussage sehr schüchterne Menschen und leiden unter pathologischer Sozialphobie. Ihre Bühnenpersönlichkeit hat ihnen buchstäblich das Leben gerettet:

Und was haben Starchild und Doyle Wolfgang von Frankenstein nun mit der Orgonomie zu tun? Die Frage ist, wie es die Orgonomie schafft, nicht sang- und klanglos unterzugehen. Sollen die Vertreter der Orgonomie sich den Menschen andienen, nach immer neuen Angeboten Ausschau halten, mit denen man das Interesse der Öffentlichkeit weckt? Oder sollen sie, wie es etwa Jerome Eden getan hat, stur ihr Ding durchziehen und schlichtweg warten, bis die Menschen kommen?

Beide Herangehensweisen sind m.E. sozial inkompetent, denn sowohl das Anbiedern, als auch der quasi autistische Rückzug entstammen ein und derselben Angst vor Expansion, d.h. sind Ausdruck von „Sozialangst“. Die Orgonomie wird erst wieder gedeihen, wenn sich dieser Krampf löst. Die sozialphobische Verkrampfung beruht auf der tiefsitzenden Angst sich zu exponieren, wenn man über Genitalität, die Lebensenergie und die Selbststeuerung spricht. Nichts ist tiefer in uns eingebrannt als die Sexualangst, die Angst uns „Gott“ wirklich zu nähern und die Angst davor, das Gesellschaftssystem grundlegend in Frage zu stellen. Das macht die Orgonomen wenn man so will „sozialphobischer“ als alle anderen Menschen.

Es ist wie die Sache mit den Frauen: wenn man frei und „unverfroren“ auftritt, fliegen einem die Herzen im Übermaß zu.

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 22

25. Juni 2019

orgonometrieteil12

22. Induktion und Deduktion

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter (Teil 6)

24. Juni 2019

von David Holbrook, M.D.

Schlußfolgerung

George hat gesagt, daß die emotionalen Ereignisse in seiner oben beschriebenen sexuellen Beziehung die tiefsten „therapieartigen“ Erfahrungen sind, die er jemals gemacht hat. Er hat das Gefühl, daß er in der Liebesbeziehung zu Angela in die Lage versetzt wird, noch tiefer zu gehen, als dies normalerweise in der formalen therapeutischen Situation in meinem Büro möglich ist. Auf der anderen Seite ist es die Therapie und sowohl die tiefe nonverbale als auch die verbale Arbeit, die es ihm ermöglicht hat, diese tiefen Erfahrungen in seiner Liebesbeziehung zu ertragen und mit ihnen in Kontakt zu treten und diese Erfahrungen zu nutzen, um in Richtung Gesundheit zu wachsen.

George und Angela bemühen sich, ihren eigenen einzigartigen Weg zur tiefsten Liebesbeziehung zu finden, die sie tolerieren können. Dabei folgen sie, soweit es ihnen möglich ist, dem Rat von Reich:

„Es gibt nur eine, allgemein gültige Regel, wie man die eigene, besondere Wahrheit finden kann: Lernen, geduldig in sich hineinzuhorchen und sich so Gelegenheit geben, den eigenen Weg zu finden, der zu einem selbst und zu niemandem sonst gehört. Dies führt nicht ins Chaos oder in wilden Anarchismus, sondern letztendlich in den Bereich, wo die gemeinsame Wahrheit für alle verwurzelt ist. (…) Daher sind auch die grundlegenden Wahrheiten in allen Lehren der Menschheit die gleichen; sie laufen alle auf das Eine hinaus: den eigenen Weg zu finden zu dem, was man fühlt, wenn man liebt oder schöpferisch tätig ist, wenn man sich sein Haus baut, wenn man seine Kinder zur Welt bringt oder nachts zu den Sternen schaut.“ (Reich 1953, S. 311f)

[Weitere Informationen finden sich bei Holbrook 2013.]

 

Literatur

  • Baker EF 1967: Der Mensch in der Falle, München: Kösel, 1980
  • Hamilton AE 1997: My Therapy With Wilhelm Reich (Part I). The Journal of Orgonomy 31(1):3-21
  • Holbrook D 2013: Sex and Love in a Case of a Paranoid Schizophrenic Character. unveröffentlichtes Manuskript
  • Holbrook D 2014: Truth, Countertruth, and the Emotional Plague in the Clinical Situation. unveröffentlichtes Manuskript [erscheint demnächst im NACHRICHTENBRIEF]
  • Holbrook D 2015: Orgonotic Functions in the Clinical Situation: The Bioenergetic Unity of Psyche and Soma. unveröffentlichtes Manuskript
  • Konia C 2000: Orgonotic Contact Part II. The Journal of Orgonomy34(2):50-59
  • Konia C 2004: Applied Orgonometry II: The Origin and Function of Thought. The Journal of Orgonomy 38(1):100-111
  • Reich W 1927: Genitalität, Köln: KiWi, 1982 [Ursprünglich 1927 mit dem Titel Die Funktion des Orgasmus veröffentlicht. Das ist ein komplett anderes Buch als das von 1942 mit dem gleichen Namen.]
  • Reich W 1935: Die sexuelle Revolution, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1971
  • Reich W 1942: Die Funktion des Orgasmus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972
  • Reich W 1949a: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
  • Reich W 1949b: Processes of Integration in the Newborn and the Schizophrenic. Orgonomic Functionalism 6, 1996. Rangeley, Maine: The Wilhelm Reich Infant Trust
  • Reich W 1950: Orgonomic Functionalism, Part II. Orgone Energy Bulletin 2(1):1-15, New York: Orgone Institute Press
  • Reich W 1951: Die kosmische Überlagerung, Frankfurt: Zweitausendeins, 1997
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Frei flottierende Schuldgefühle führen zu politischem Aktivismus

23. Juni 2019

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia befaßt sich mit Politik als Religionsersatz:

Frei flottierende Schuldgefühle führen zu politischem Aktivismus

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter (Teil 5)

22. Juni 2019

von David Holbrook, M.D.

Diskussion (Fortsetzung)

Auf der tiefsten Ebene steht die Orgasmusangst hinter der Unfähigkeit der Menschen sich zu bewegen. In diesem Sinne führt Orgasmusangst zu einer Art „Pulsationsangst“, die den natürlichen Wechsel zwischen Expansion und Kontraktion des Organismus einschränkt, vermittelt durch das autonome Nervensystem (und wahrscheinlich auch eine Art „Kreiselwellen-Angst“). Orgasmusangst verursacht Angst vor der Freiheit der Bewegung, die die Menschen daran hindert, die notwendigen Aufgaben zu erfüllen, die sie zum Überleben bewältigen müssen. Man kann dies sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene sehen, wo es der Welt nicht gelungen ist, sich auf die lebenswichtigen Entdeckungen von Wilhelm Reich und anderen Orgonomen „zuzubewegen“, Entdeckungen, die seit 80 Jahren ignoriert und umgangen werden. Reichs Entdeckung der Orgasmusangst ist ein zentraler Bestandteil des Verständnisses der Wahrheit und der „Gegenwahrheit“ des menschlichen Lebens und der menschlichen Kultur:

„Wahrheit ist voller, unmittelbarer Kontakt zwischen wahrnehmendem und wahrgenommenem Leben. Je besser der Kontakt ist, desto voller ist das wahrheitsgetreue Erleben. Je besser die Funktionen der lebendigen Wahrnehmung koordiniert sind, desto umfassender ist eine jeweilige Wahrheit. Und die lebendige Wahrnehmung ist genau in dem Grade koordiniert, wie die Bewegung des lebendigen Protoplasmas koordiniert ist. So ist die Wahrheit eine natürliche Funktion …“ (Reich 1953, S. 297, kursiv im Original) „Wahrheit ist als Manifestation des vollsten Kontakts des Lebens zu sich selbst und seiner Umgebung unauflöslich mit dem Energiehaushalt des Lebens verbunden. Daher wühlt Wahrheit, wenn sie voll gelebt wird, die tiefsten Emotionen auf und steigert damit den Drang zur genitalen Umarmung. Da nun aber der Kern der Energieentladung des Lebendigen von den Menschen jahrtausendelang ausgeschlossen und geächtet war, mußte man auch der Wahrheit ausweichen. (Reich 1953, S. 300f, kursiv im Original)

„Es muß eine entscheidende Wahrheit unterschiedlicher Art geben, die die Durchsetzung der eigentlichen Wahrheit verhindert. Wir nennen sie die GEGENWAHRHEIT.“ (Reich 1953, S. 354, kursiv im Original.) „…die VOLLE Wahrheit [schließt] immer die Gegenwahrheit mit ein…“ (Reich 1953, S. 258, kursiv im Original.)

„Um zu verstehen, warum ein Organismus nicht freiheitsfähig ist, … muß man verstehen, warum ein Organismus lieber ohne Freiheit und Kontakt lebt. Die Wahrnehmung der Gegenwahrheit kann von daher in einigen Zusammenhängen die Essenz des Kontakts sein.“ (Holbrook 2014).

„Die Menschen weichen der Wahrheit aus, weil schon das erste bißchen Wahrheit, das ausgesprochen oder gelebt würde, weitere Wahrheit hervorriefe; und dies würde sich unberechenbar fortsetzen und die meisten Menschen aus ihrer gewohnten Bahn werfen. … Menschen …. unterstützen die Lüge, weil sie zu einer Krücke geworden ist, ohne die das Leben nicht mehr möglich wäre.“ (Reich 1953, S. 309).

Die emotionelle Pest „…entwickelt bitteren Haß gegen jeden Vorgang, der die eigene orgastische Sehnsucht und mit ihr Orgasmusangst provoziert.“ (Reich 1949a, S. 344, Fettdruck von mir)

„DIE WAHRHEIT ZU BERÜHREN, IST DAS GLEICHE, WIE DIE GENITALIEN ZU BERÜHREN.“ (Reich 1953, S. 339, Hervorhebungen im Original)

Das Verstehen der Orgasmusangst bildet somit die entscheidende Grundlage für das Verständnis der menschlichen Gegenwahrheit.

 

Literatur

  • Holbrook D 2014: Truth, Countertruth, and the Emotional Plague in the Clinical Situation. unveröffentlichtes Manuskript [erscheint demnächst im NACHRICHTENBRIEF]
  • Reich W 1949a: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 21

21. Juni 2019

orgonometrieteil12

21. Wissenschaft und Subjektivität

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter (Teil 4)

20. Juni 2019

von David Holbrook, M.D.

Diskussion

Ich fühle mich an Reichs Beschreibung des therapeutischen Prozesses in der medizinischen Orgontherapie erinnert:

„Normalerweise beginnen wir, den Panzer an den vom Genital am weitesten entfernten Stellen aufzulösen. Aus dieser Region wurde die Energie durch die Angst vertrieben, um sich dort niederzulassen, wo immer sie sich binden konnte. Die Schwere jeder Neurose steht in direktem Zusammenhang mit der Schwere der Störung der Genitalität. Wir müssen versuchen herauszufinden, wohin diese gestörte genitale Energie gegangen ist, sich verankert hat … .“ (Hamilton 1997, S. 14)

In Georges Beschreibung seiner Hinterhaupt-Phänomene können wir erkennen, wo sich die gestörte Genitalenergie bei Schizophrenen verankert hat. Diese statische Energie im Hinterhaupt des Schizophrenen muß sich selbst freisetzen, damit sich die gesamte körperliche Erregung der genitalen Umarmung entwickeln und zum Orgasmus übergehen kann:

„Die vollständige organismische Erregung geht der speziellen genitalen Erregung voraus“ (Reich 1953, S. 76, Hervorhebungen von D.H.)

Die Integration von Liebe und Sex in der genitalen Umarmung erfolgt als Endergebnis eines langen Prozesses der Beziehungsentwicklung:

„Leben [läßt] seine Liebesbeziehungen langsam … anwachsen. Leben drängt nicht zur Umarmung zu. Es ist nicht in Eile, ….“ (Reich 1953, S. 71)

Orgasmusangst verursacht „Liebesangst“. Wie die spontane Bewegung der Orgonenergie ist auch die Liebe spontan. Ich sage meinen Patienten oft, daß sie auf Anzeichen von Liebesangst achten müssen. Wenn du mit deiner Angst in Kontakt bleiben kannst und sie nicht in irgendeiner Weise ausagierst, um die Beziehung zu beschädigen, kümmert sich die Beziehung normalerweise um sich selbst und entwickelt sich spontan entsprechend ihren eigenen Funktionsgesetzen.

George und Angela, die mit orgonomischen Schriften vertraut sind, haben gesagt, daß sie sich irgendwie „im selben Orgonstrom“ fühlen und daß dies irgendwie mit der Art und Weise zu tun hat, wie sie dazu gekommen sind einander zu finden. Ihre Liebesbeziehung erleben sie als ein Abenteuer des Entdeckens, einen Prozeß, von dem es viel zu lernen gibt, etwas, das über sie hinausgeht und das sie ehrfürchtig macht. Manchmal zitieren sie scherzhaft die Figuren, die John Belushi und Dan Akroyd in dem Film The Blues Brothers spielten und sagen: „Wir sind auf einer göttlichen Mission.“

Diese Erfahrung der Liebe als etwas, die jenseits von einem selbst steht, wurde von Reich in Die kosmische Überlagerung ausgedrückt: „Die orgastische Sehnsucht, die eine so riesenhafte Rolle im Leben des Tieres spielt, erscheint nunmehr als Ausdruck dieses ‚Über-sich-hinaus-Strebens‘, als ‚Sehnsucht‘, aus dem engen Sack des eigenen Organismus hinauszugelangen. … es ist die orgonotische Überlagerung, die den lebenden Organismus mit der ihn umgebenden Natur verknüpft“ (1951, S. 67f, kursiv im Original).

Das „Mysterium der Liebe“ war über die Jahrtausende hinweg schwer zu verstehen, zum Teil weil Liebe sowohl ein psychisches als auch ein somatisches Phänomen ist und bis zur Entwicklung des orgonometrischen Verständnisses der psychosomatischen Beziehung keine adäquaten Werkzeuge zur Verfügung standen, um sich dem Problem zu nähern:

„…sowohl psychische als auch somatische Prozesse umfassen alle oder fast alle Funktionen, die in der Gleichung für Kontakt dargestellt werden. Dazu gehören nicht nur Funktionen im Bereich der relativen Bewegung, wie etwa Kreiselwelle und Pulsation (einschließlich der Schwankungen der Pulsation: Expansion und Kontraktion), sondern auch im Bereich koexistierender Wirkung, wie etwa Erstrahlung und Anziehung (und die Variationen der Anziehung: Assoziation und Dissoziation)“ (Holbrook, 2015).4

Bei der Liebe müssen die Orgonenergie-Felder eines jeden Individuums auf ganzheitliche und ungepanzerte Weise erregt werden können. Wenn die Energie frei genug ist, um sich zu bewegen, wird das Energiefeld jedes der Individuen angezogen: „Biosexuelle Erregung ist mit der Anziehung zweier orgonotischer Systeme und dem Erstrahlen ihrer Orgonenergie-Felder verbunden“ (Konia 2000, S. 51). In dem Maße, in dem dies möglich ist, bewegen sich die Energiefelder der Individuen in Richtung einer Überlagerung. Dieser Prozeß geht dem endgültigen Vollzug der genitalen Umarmung voraus:

„Die Genitalien sind bloß ausführende Organe der physischen Durchdringung, nachdem die gegenseitige Verschmelzung der Orgonenergiefelder schon einige Zeit vor der schließlichen Erfüllung geschah.“ (Reich 1953, S. 76, kursiv im Original)

Wenn orgastische Potenz vorhanden ist, ist eine uneingeschränkte genitale Umarmung möglich und die Energiesysteme von Mann und Frau können sich vollständig überlagern, was während des Orgasmus zu einem zeitweilig integrierten einzigen Energiesystem führt.

Reich schrieb: „Jede Neurosenform hat die ihr analoge Genitalstörung“ (Reich 1942, S. 126, kursiv im Original). Ich glaube, daß wir bei Georges Beschreibungen die Erfahrung einer Schizophrenie mit Orgasmusangst erkennen können.

 

Anmerkungen

4 Jedes Element dieser Ausführungen basiert auf Zitaten aus den veröffentlichten Arbeiten von Konia im Journal of Orgonomy. Siehe Holbrook 2015 für spezifische Passagen und Referenzen.

 

Literatur

  • Hamilton AE 1997: My Therapy With Wilhelm Reich (Part I). The Journal of Orgonomy 31(1):3-21
  • Holbrook D 2015: Orgonotic Functions in the Clinical Situation: The Bioenergetic Unity of Psyche and Soma. unveröffentlichtes Manuskript
  • Konia C 2000: Orgonotic Contact Part II. The Journal of Orgonomy34(2):50-59
  • Reich W 1942: Die Funktion des Orgasmus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972
  • Reich W 1951: Die kosmische Überlagerung, Frankfurt: Zweitausendeins, 1997
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Die Invasivität der populistischen Bewegung – eine Warnung

19. Juni 2019

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die AfD:

Die Invasivität der populistischen Bewegung – eine Warnung

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter (Teil 3)

18. Juni 2019

von David Holbrook, M.D.

Fallbeispiel (Fortsetzung)

George hat Komponenten eines Gesichtsorgasmus erlebt – Zucken von Lippen und Kinn – während Episoden von verstärktem Schrecken, Sehnsucht und Traurigkeit, die er im Bett mit Angela erlebt hat. Diese okularen und oralen Phänomene gemahnen an Reichs Beschreibung der Schwierigkeit des schizophrenen Charakters, sein okulares und orales Funktionieren biophysisch mit dem Rest seines Organismus zu integrieren:

Es gibt „…eine Störung im Augensegment, von der wir glauben, daß sie etwas mit dem oralen Orgasmus zu tun hat, mit dem Gesichtsorgasmus beim Säugling.“ (Reich 1949b, S. 52) „Ich habe noch keinen Schizophrenen gesehen, der keine schwere traumatische Erfahrung in der Entwicklung seiner oralen Sehnsucht gemacht hat … Der Schizophrene ist energetisch stärker als jeder andere Typ. Da gibt es einen sehr starken Energiepush nach außen. Wenn er draußen auf nichts trifft, einfach nichts. Es gibt keinen Kontakt … [Aber das Kind] kann sich noch nicht panzern … Es könnte Wut entwickeln, schreiende Wut… Nun die Augen … die kommen hier ins Spiel … Wenn es einen derartigen Mangel an Verschmelzung der verschiedenen Funktionen gibt, eine Schwäche, und die Augen beginnen bei einem oralen Orgasmus, einem Gesichtsorgasmus zu zucken …. dann wird die Verbindung zwischen dem Zucken und einer schweren traumatischen Erfahrung in der Entwicklung der oralen Sehnsucht in die spätere orgastische Erfahrung in der Pubertät übertragen …. Schizophrenie tritt hauptsächlich in der Pubertät auf …. Es gibt einen großen Aufschwung, wenn die orgastische Funktion einsetzt … Es gibt einen enormen Schock oder Angst bzw. Schrecken mit Augen und Mund und Zucken aus … dem Säuglingsalter …. Dann kann es in der Pubertät zu einem Zusammenbruch kommen, wenn der gesamte Organismus in orgastische Kontraktionen zu geraten beginnt …. die Augen sind sehr involviert …. Nicht nur in der Krankheit, vor allem aber in den Endphasen [der medizinischen Orgontherapie], wenn die orgastischen Funktionen einsetzten. Dann passiert etwas mit den Augen. Die Augen passen nicht dazu. Der Organismus weigert sich sozusagen, die Augen in die Gesamtfunktion einzubringen, als wäre damit Terror verbunden. Und in den Augen liegt Schrecken. In den Augen setzt ein Terror ein, der die umfassende Funktion der Zuckungen verhindert und ihnen, die angenehm sein sollten, widerspricht. Und das scheint spezifisch für den schizoiden Charakter zu sein … der Schizophrene … ist hervorragend in der Integration. Er ist intelligent. Er weiß so viel. Er integriert sich gut. Aber gerade das ist seine Gefahr … Seine große Intelligenz, seine hochenergetische Funktion, die nach vollständiger orgasmischer Beteiligung verlangt. Nur das stellt die Gefahr dar [kursiv und fett von mir – DH] … Die Basis des Gehirns paßt nicht dazu … Es gibt einen Riß … die schizophrene Spaltung bzw. der Riß ist im Kopf zentriert, vor allem in zwei Regionen. Eines sind die Augen, die mit der Basis des Gehirns verbunden sind, und das andere ist der Mund. Beide, insbesondere die Augen, gehen offenbar zurück auf die ersten zwei oder drei Lebenswochen, in denen das Neugeborene die Welt ergreift und beginnt, die Welt zu integrieren und sich von der Welt zu trennen….Man kann den Schizophrenen an seinem Unwillen erkennen, seine Augen und den gesamten oberen Bereich innerhalb des restlichen Funktionierens schwingen zu lassen.“ (Reich 1949b, S. 67-70)

Über ihre ganze sexuelle Beziehung hinweg erlebte George häufig klare Episoden bewußten Schreckens. Diese treten in der Regel unmittelbar nach dem Beginn des Intimwerdens im Bett auf. Meistens ist er in der Lage, ohne offensichtliche Angst intim zu sein, aber er hat diese Episoden des Schreckens auch häufig. Während dieser Episoden wird er überwältigt und verspürt das Bedürfnis, sich von Angela loszureißen (glücklicherweise ist Angela, eine ziemlich gesunde Hysterikerin, bemerkenswert verständnisvoll, geduldig und empathisch). Er liegt dann mit Angstzuständen auf dem Rücken, meistens stumm, starrt an die Decke und vermeidet vollständig jeglichen Augenkontakt.

Während dieser Episoden ist sein Körper zunächst steif. Er geht in seinen Augen „weg“ und kann Angela nicht ansehen. Er hat das Gefühl, sich in sein Hinterhaupt zurückzuziehen, so als ziehe sich seine Energie zu diesem Ort zurück, um sich irgendwie zu verstecken. Allmählich erlebt er kleine Zuckungen, die in seinem Hinterkopfbereich beginnen und langsam seinen Körper bis zu seinen Füßen hinunterlaufen. Ich habe solche Episoden auch in seiner Therapie miterlebt. Wenn sich dieses Zucken entwickelt, wandelt es sich in ein allgemeines Zittern um. George hat das Gefühl der Zuckungen, die aus seinem Hinterhaupt stammen und sich auf seinen ganzen Körper ausbreiten, mit einem alten zerfallenden Steingebäude verglichen, in dem Teile eines Steinvorsprungs – sein Hinterhaupt – abbrechen und zu Boden prasseln.

Wenn das Zittern voranschreitet, bilden sich gemeinhin Tränen in seinen Augen. Zunächst gibt es kein offenes Weinen. Es ist das Bild von jemandem, der zu sehr Angst davor hat zu weinen und dergestalt nach Hilfe zu rufen – gelähmt. Mentale Bilder und Gedanken beginnen sich George aufzudrängen und er ist dann in der Lage, Angela verbal mitzuteilen, was er sieht und denkt und fühlt. Manchmal ist er mit traurigen Gedanken und Gefühlen über seine gescheiterte Ehe überfordert. Zu anderen Zeiten ist er über seine Kinder tief traurig und wünscht sich, er hätte ihnen ein besseres Familienleben bieten können. Manchmal hat er Gedanken und Gefühle über seine Mutter und seinen Vater und darüber, wie ungeliebt, allein und geschädigt er sich in seiner Herkunftsfamilie fühlte. All dies wird im allgemeinen zu sehr tiefem, quälendem Schluchzen führen, begleitet von einem tiefen kosmischen Gefühl, im Universum verloren und losgelöst zu sein, verzweifelt allein und vernachlässigt. Er ist jedoch in der Lage, diese Gefühle gegenüber Angela auszudrücken, und so wird es ihm möglich, sich emotional wieder mit ihr zu verbinden, was dann zu einem erfolgreichen Neuansatz der genitalen Umarmung führt.

Einmal, im Bett mit Angela, aber in einem dieser ängstlichen, tiefen und einsamen „kosmischen“ Gefühlszustände (die m.E. mit seiner Erfahrung mit der schizophrenen Spaltung zu tun haben), präsentierte sich vor seinem geistigen Auge ein mentales Bild des Seins im Mutterleib. Anstatt sich im Mutterleib warm und verbunden zu fühlen, hatte er ein seltsames Gefühl von Trennung und Kälte, Einsamkeit, Leere und Berührungslosigkeit, etwas ähnlich dem Gefühl, wie oben beschrieben, im Universum losgelöst und verloren zu sein. Diese Erfahrung war sehr unheimlich und fühlte sich für ihn äußerst überzeugend an. Er schluchzte sehr tief, während er neben Angela im Bett lag. Er hatte das Gefühl, daß er eine tatsächliche somatische Erinnerung an den Mutterleib hatte und daß dieses Gefühl der Unverbundenheit, des schizophrenen Autismus, dort im Uterus seiner Mutter begonnen haben könnte. Ich glaube, daß es nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich ist, daß seine Schizophrenie im Mutterleib begann und daß dies in der Tat eine wirkliche somatische Erinnerung an den Mutterleib gewesen sein könnte, obwohl es unmöglich ist, dies mit Sicherheit zu wissen.

Bei einer anderen Gelegenheit, diesmal während einer therapeutischen Sitzung mit mir, während er in einem tiefen Gefühlszustand auf dem Rücken lag, bekam er das Bild und das Gefühl, ein Säugling zu sein und auf einem kalten Edelstahltisch in einem Operationssaal auf dem Rücken zu liegen.3 Bei dieser Gelegenheit hatte er auch den Eindruck, daß er irgendwie eine tatsächliche somatische Erinnerung durchlebt hat und auf irgendeine Art von Operationstisch im OP gelegt wurde nach seiner Geburt durch einen geplanten Kaiserschnitt. Das Datum seiner Geburt wurde vorher gewählt, ohne auf das Einsetzen der Wehen zu warten, um mit dem Kaiserschnitt zu beginnen. Die Wehen werden normalerweise durch Hormone ausgelöst, die vom Fötus abgegeben werden, wenn der Fötus „fertig“ ist. George hat gesagt, er fühle sich im Leben immer als „nicht bereit“, und er fühle ständig Angst und Alleinsein, auch in Gesellschaft anderer.

 

Anmerkungen

2 In seinem alltäglichen Leben ist er sich im Laufe der Jahre sehr bewußt geworden, daß sich sein Hinterkopf zusammenzieht, wenn er sich davon abhält etwas auszudrücken.

3 Diese Art von Bildern und Gedanken „kommen zu ihm“, statt die Eigenschaft eines bewußt gewollten Denkens zu haben. Es ist, als ob das Bild in ihn eindringt. Das Phänomen hat eine abgespaltene Qualität, als ob der Gedanke oder das Bild nicht sein eigen wären.

 

Literatur

  • Reich W 1949b: Processes of Integration in the Newborn and the Schizophrenic. Orgonomic Functionalism 6, 1996. Rangeley, Maine: The Wilhelm Reich Infant Trust

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Die Emotionelle Pest der äußersten Linken und die Massen junger Menschen

17. Juni 2019

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia beschreibt den Mißbrauch der Jugend in Zeiten einer Greta Thunberg:

Die Emotionelle Pest der äußersten Linken und die Massen junger Menschen