Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen (3. Drittel)
Der Mißbrauch der MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS durch sogenannte „Reichianer“
12. Juli 2025Der (verzögerte) Einzug des Todesengels mit den bösen Augen in das oberste Gericht Deutschlands ist ein passendes Beispiel: oberflächlich geht es um Sexualökonomie (Schwangerschaftsabbruch), Rationalität (der Staat als Speerspitze der Wissenschaft gegen die irrationalen Impfverweigerer) und Antifaschismus (Verbot der „Nazis“); Dinge, in denen sich die meisten „Reichianer“ suhlen wie Schweine im Dreck, doch tatsächlich geht es ihnen um die Herrschaft einer „Platonischen“ Elite von vermeintlich Aufgeklärten, d.h. um blanken Roten Faschismus. Das sieht man auch an der zweiten Kandidatin der Kommunistischen Partei Deutschlands (der sogenannten „SPD“), bei der sich alles um die „Klimarettung“, Kollektivismus und um Enteignung („Ent-Eignung“) dreht, d.h. um das Ende von Demokratie und Arbeitsdemokratie, da, wie einst in der Sowjetunion, alles von den Vorgaben der Klimadiktatur bestimmt werden soll. Im übrigen: man schaue sich diese Gestalten an und lasse nicht nur ihre mörderischen Worte, sondern vor allem ihren mörderische Ausstrahlung auf einen wirken!
Es gibt Leute, deren gesamtes „Reichianertum“ um diese linke Agenda kreist und die sich gar nicht wieder einkriegen können in ihrer Begeisterung für derartige „antifaschistische“ Helden. Sie Feiern sogar „den Geist des Tages der Bastille“ vom kommenden 14. Juli und setzen die blutige Französische Revolution, diesem mörderische Ausbruch der Emotionellen Pest, implizit mit der „inneren Revolution“ gleich, die die Orgonomie durch Therapie, vor allem aber durch Prophylaxe erreichen will. Dabei sondern diese Leute ständig „Reichianische“ Doktrin ab, von der Funktion des Orgasmus bis zur Entdeckung des Orgons, vom orgonomischen Funktionalismus bis zu ORANUR und CORE, – nur ein Element ist auffällig unterbelichtet; jenes Element, um das sich beim NACHRICHTENBRIEF wirklich alles dreht: die Rolle von Schuld und Scham.
Die gesamte von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (CDU/CSU/SPD/Grüne/Linke) und den von ihr zu 99% kontrollierten Medien und der gleichgeschalteten „Wissenschaft“ propagierte Agenda dreht sich einzig und allein darum dir Schuldgefühe aufzuoktroyieren, weil du für DEINE Tradition, DEINE Interessen, DEIN Eigentum, kurz für DICH eintrittst. Der Schuldkult ist universell: „deutsche Schuld“, Kolonialismus, Rassismus, Sexismus, Spezieismus, Klassismus, Weißismus, Leckmichamarschduverdammterblöderlinkerwichserismus etc. und wird dir 24 Stunden, Baerbocksche 560 Tage im Jahr eingebleut, bis du dich nicht mehr traust, auch nur piep zu sagen. Tust du es trotzdem, klingeln morgens um 6 Uhr die Schergen der BRD-Stasi und beschlagnahmen deine elektronischen Geräte. Hausdurchsuchungen sind das wuchtigste Schwert der Justiz und nur Kapitalverbrechen vorbehalten! Allein daran sieht man die Prioritäten dieses Regimes. Den rotfaschistischen Staat erkennt man immer daran, daß Verbrecher wie „klassennahe Elemente“ gehätschelt und „Dissidenten“ wie Schwerstkriminelle behandelt werden.
Hinzu kommt die Durchsetzung der sozialen Scham, die natürlich letztendlich immer genitale Scham ist. Es ist kein Problem für dieses Unrechtsregime, wenn Islamisten das Kalifat auf deutschem Boden ausrufen und mit ihren schwarzweißen Fahnen durch die Städte ziehen, aber jedes überalterte Grüppchen von „Reichsbürgern“ wird von ihren Rollatoren gerissen und erfährt die volle Härte der Staatswillkür. Bei entsprechenden Demos von Rechten werden schwarzweißrote Fahnen verboten, wie erst vor einer Woche in Münster geschehen. Du mußt ja schon mit Problemen rechnen, wenn du die schwarzrotgoldenen Farben des Heiligen Reiches Deutscher Nation zeigst! In England werden Massengebete von Mohammedanern, die den Verkehr ganzer Stadtteile lahmlegen, mit einem wohlwollenden Lächeln toleriert, während stille (!) Gebete von einzelnen Christen vor Abtreibungskliniken konsequent verfolgt werden und sie ins Gefängnis bringen können. Mit anderen Worten: die einen dürfen auf der Straße ungeniert ihre Notdurft verrichten, während du dich voller Scham verstecken mußt, wenn du dir mit einem Taschentuch nur die Nase putzen willst!
Das ist der Terror der rotfaschistischen Todesengel, die im 20. Jahrhundert 100 000 000 Menschen ermordet haben und deren Blutdurst noch nicht mal annähernd gestillt ist. Ihre Waffen sind seit Rousseau und der Französischen Revolution, seit Marx und der Russischen Revolution und seit Freud und der modernen „freudo-marxistischen“ Unkultur der Schuldkult und die öffentliche Beschämung und Erniedrigung. Die einzige, die EINZIGE, Antwort ist – LSR, die systematische Freilegung und langfristige Beseitigung der individuellen und gesellschaftlichen Panzerung. Liquidar Super-Ego Radicalmente! Julien Offray de La Mettrie! Max Stirner! Wilhelm Reich!
Zum Abschluß noch zwei Punkte:
Die besagten „Reichianer“ erinnern mich an die Christen, die mit Versatzstücken aus dem Neuen Testament, mit „Liebe“ und „Gericht“, nur so um sich werfen, aber vom Kern von „Leben und Lehre Jesu“, wie er von Reich in Christusmord erstmals offengelegt wurde, nicht den blassesten Schimmer haben.
Elsworth F. Baker hat gesagt, daß er als Orgontherapeut an einer entscheidenden Stelle versagt hat, wenn bei Abschluß der Therapie aus einem Liberalen kein Konservativer geworden ist. Die Panzerung (das Über-Ich) ist nicht wirklich besiegt, solange genitale Schuld und Scham, die beim liberalen Charakter wirklich alles bestimmen und wegen seiner sozialen Dominanz die Gesellschaft als ganzes zerstören, nicht restlos ausgemerzt worden sind und stattdessen LaMettries „tugendhafte Lust“ das Leben zu 100% bestimmt.

Nietzsche und die Entwicklung des Menschen (Teil 3)
10. Juli 2025Wenn das Leben seine Instinktsicherheit verliert, hat es, Nietzsche zufolge, die Vernunft als Tyrannen nötig, weil es sonst in der Anarchie seiner widerstreitenden Triebe, die nicht mehr von einem herrschenden Instinkt regiert werden, verloren ist (Götzendämmerung, Das Problem des Sokrates). Freud und Hans Hass teilen diese Meinung mit Nietzsche, während Reich die Diktatur durch eine „Arbeitsdemokratie“ funktionell ersetzen will. Anstelle dem Aufdämmen und der Regelung der Triebe durch geistige Moral und physische Panzerung tritt die sexualökonomische genitalorgastische Funktion. Nicht unsere Moral unterscheidet uns vom Tier (wir haben sie notwendig, wenn wir „regredieren“), sondern unsere Genitalität (die Moral erübrigt).
In seinem 1963 erschienen Buch Das sogenannte Böse, führte Konrad Lorenz den „Aggressionstrieb“ ein (gemeint ist natürlich „Destruktionstrieb“), den der Mensch mit allen höheren Tieren teile, aber zusammen mit seinen anderen atavistischen Trieben steuern, kontrollieren, unterdrücken und sublimieren müsse. So muß sich, Lorenz zufolge, der Mann zusammenreißen, um nicht gleich über jede Frau auf der Straße herzufallen. Die modernen Soziobiologen führen Rassismus und Nationalismus auf unsere „egoistischen Gene“ zurück, die wir zu beherrschen hätten. Dergestalt stellt sich die Frage der soziopathogenen Panzerung erst gar nicht, bzw. sie stellt sich umgekehrt: unsere Steinzeittriebe oder -gene sind für alles Unheil verantwortlich und wir müssen uns gegen sie abpanzern.
Reich hat 1942 in Die Funktion des Orgasmus dargelegt, daß es widersinnig ist, von einem „Aggressionstrieb“ zu sprechen, da er kein Trieb im eigentlichen Sinne sei, „sondern das unerläßliche Mittel jeder Triebregung. Diese ist an sich aggressiv, weil die Spannung zur Befriedigung drängt“. Demgegenüber faßt Hans Hass unter dieser Bezeichnung
sämtliche angeborenen und erworbenen Steuerungen zusammen, welche als Akte von Instinkt und Intelligenz dazu führen, daß der Mensch sich Mitmenschen gegenüber ärgerlich, gegnerisch, bösartig, feindlich, ja sadistisch verhält. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, 1978, S. 252)
Hass wendet sich gegen die Annahme, diese aggressiven Tendenzen des Menschen seien nur eine Antwort auf ihn frustrierende Umwelteinflüsse und daß ohne Frustrationen keine Aggressionen aufträten. Als abschreckendes Beispiel verweist Hass auf das Buch Frustration and Aggression (Yale 1939) der Psychoanalytiker Dollard, Miller, Doob, Mowrer und Sears, wonach durch Frustrationen, die das Kind in seiner Entwicklung erfährt, zur Aggression neigende Menschen entstehen.
In den Vereinigten Staaten empfahlen darum einige Psychologen den Müttern, ihre Kinder ohne Widerspruch und Strafe, also permissiv und möglichst frustrationsfrei zu erziehen. Diese Anregung (…) führte jedoch keineswegs zu einem überzeugenden Resultat. (ebd. S. 253f)
Betrachtet man jedoch extreme Formen von Destruktion, z.B. wenn ein SS-Wachmann in Auschwitz einer Mutter das Kleinkind aus den Armen riß, an den Beinchen packte, um den Schädel des Kindes an einer Betonwand zu zerschmettern, dann sieht man, daß da kaum der Affe durchbricht, sondern die Zivilisation. Freud und Lorenz und andere, die von „bösen Trieben“ reden, sehen mit ihrer „realistischen“ Weltanschauung sofort den angeborenen Aggressions- und Todestrieb am Werk, aber die weit grausigere Wahrheit ist, daß der SS-Mann dies als typischer Moralist tat, dem sein Gewissen befahl, seine natürlichen mitmenschlichen Gefühle mit aller Gewalt zu unterdrücken: „Wenn ich dies tue, zeige ich, daß du kein Mensch bist – und die Moral erlaubt mir, ja, zwingt mich, solch schädliches Ungeziefer auszurotten.“ Moral! Schließlich ist auch die Bibel auf seiner Seite, wenn er beim Religionsunterricht aufgepaßt hat (Ps 137,9)!
Die moderne Neurobiologie zeigt, daß das Mitgefühl ein „Trieb“ ist und damit die gängige Moral schlichtweg überflüssig und schädlich. Mitgefühl beruht schlichtweg darauf, daß wir mitfühlen – Moral kann das nur behindern. Ich zitiere aus David Holbrooks Weltnetzseite:
Ein anderes Thema in der Neurowissenschaft, das in den letzten Jahren sehr populär geworden ist, war die Entdeckung sogenannter „Spiegelneuronen“: „Mitte der 1990er Jahre fand der italienische Neurowissenschaftler Rizzolati … im prämotorischen Kortex von Makaken eine Klasse von Neuronen, die nicht nur bei selbstinitiierten Bewegungen feuerten, sondern auch bei der Beobachtung entsprechender Bewegungen bei anderen Affen …“ (Wallin 2007, S. 76). Mit anderen Worten, dieselben Motoneuronen, die gefeuert haben, als der Affe seinen Körper bewegte, wurden auch ausgelöst, als der betreffende Affe einen anderen Affen beobachtete, der ähnliche Bewegungen machte. Dies hat die 100 Jahre alte Doktrin, daß motorische und sensorische Neuronen zwei völlig getrennte Kategorien von Neuronen in separaten Bereichen des Gehirns sind, umgeworfen. Darüber hinaus „sind es nur beabsichtigte Aktionen, die das Feuern von Spiegelneuronen auslösen…“, d.h. Aktionen, die geplant und absichtlich ausgeführt werden. „Es ist offensichtlich nicht unsere Wahrnehmung von Handlungen per se, die eine mitschwingende Antwort auslöst, sondern vielmehr die Wahrnehmung von Handlungen, die den Eindruck vermitteln, daß eine Absicht dahinter steckt …“. Dies hat zu der Theorie geführt, daß Spiegelneuronen die neuronale Basis für das Phänomen der Empathie und für bestimmte Aspekte der Wahrnehmung der Motive oder Absichten der Handlungen anderer darstellen können. Das Interessante ist, daß diese Wahrnehmungen eng mit der Beobachtung somatischer, nonverbaler Ausdrucksbewegungen in anderen verbunden sind: „… Es sind nicht nur die wahrgenommenen beabsichtigten Zustände anderer, sondern auch ihre Emotionen und körperlichen Empfindungen, die unsere Spiegelneuronen dazu bringen können zu feuern …. es wurde theoretisiert (Iacoboni 2005), daß die Insula (ein Bereich des Gehirns) unsere Eindrücke der Affekte [Emotionen] anderer aus dem Kortex, der wahrnimmt, zur Amygdala [einem Kern im Gehirn] übermittelt, die dann im Beobachter körperliche Gefühle auslöst“ (S. 77). Dies ist ein Beispiel dafür, wie die Neurowissenschaft den Weg weist für ein anatomisches und physiologisches Verständnis der Prozesse der nonverbalen, unbewußten, unwillkürlichen Übertragung von Emotionen von einer Person, oder einem Lebewesen, auf eine andere (für eine ausführliche Diskussion über die Entdeckung der Spiegelneuronen und ihre Implikationen siehe Iacoboni 2008).
Nietzsche und die Entwicklung des Menschen (Teil 2)
9. Juli 20251870 notierte sich Nietzsche, daß der Mensch sich den Tieren nicht als zugehörig empfinde (Studienausgabe, Bd. 7, S. 102). Er fügt hinzu, der Mensch müsse sich durch die Illusion des Nichttierseins dem „Gesamtzweck des Weltwillens“ entziehen, denn nur im Wahn seiner Überweltlichkeit könne er Frieden finden. Anders als bei Reich konnte bei ihm also von einer „Rückkehr zur Natur“ nicht die Rede sein.
Zwar gab Nietzsche 18 Jahre später an, auch er rede von „Rückkehr zur Natur“, doch diese sei „eigentlich nicht ein Zurückgehen, sondern ein Hinaufkommen“ (Götzendämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemäßen, A 48). Wie nahe Nietzsche der Vorstellung der Orgonomie kommt und wie gleichzeitig unendlich fern er ihr steht (da er primäre und sekundäre Triebe nicht ausreichend trennt), zeigt folgende Stelle aus Der Antichrist (A 3):
Nicht was die Menschen ablösen soll in der Reihenfolge der Wesen ist das Problem … (– der Mensch ist ein Ende –): sondern welchen Typus Mensch man züchten soll, wollen soll, als den höherwertigeren, lebenswürdigeren, zukunftsgewisseren. Dieser höherwertigere Typus ist oft genug schon dagewesen, aber als ein Glücksfall, als eine Ausnahme, niemals als gewollt. Vielmehr ist er gerade am besten gefürchtet worden, er war bisher beinahe das Furchtbare – und aus der Furcht heraus wurde der umgekehrte Typus gewollt, gezüchtet, erreicht: das Haustier, das Herdentier, das kranke Tier Mensch, – der Christ…
Von Stirner und Nietzsche beeinflußt schrieb Reich 1920, der Mensch müsse sich aus seinen infantilen inzestuösen Bindungen lösen, genauso habe die ganze Menschheit in ihrer „geistigen Phylogenese“ die Reife des Mannes zu erlangen, der „er selbst“ ist, „wie es einzelnen Individuen in der Ontogenese tausendfach gelang“. Die Menschheit befinde sich also noch auf der „infantilen Stufe“ und der Fortschritt liege in der „phylogenetischen Reifung“ der Menschheit hin zur „geistigen Individualität“ (Frühe Schriften, S. 71).
Die Psychoanalyse hat Freuds „Libido“ mit dem platonischen „Eros“ gleichgesetzt (siehe dazu auch Götzendämmerung, A 23). Der Nietzsche-Interpret Walter Kaufmann hat das gleiche mit Nietzsches Willen zur Macht getan. Nietzsche lasse keinen Zweifel daran, „daß dieser Trieb der Eros ist, der sich erst in der Selbstvervollkommnung erfüllen kann“ (Nietzsche, Darmstadt 1988, S. 298). Bei Reich ist diese Erfüllung identisch mit Genitalität, d.h. der liebevollen Selbsthingabe, bei Nietzsche mit dem antiken „hedonistischen“ verfeinerten, andauernden Glück der Selbstüberwindung. Der erste Psychologe Nietzsche spricht hier von der Sublimation, wie sie später auch Freud verstand – die Reich dann durch sein Konzept der Genitalität ersetzte.
Nietzsches Meisterung des Chaos durch eine bezwingende Idee („Wille zur Macht“) wird durch Reichs Genitalität („Hingabe“) aufgehoben, die wiederum dem Platonischen „Eros“ entspricht, d.h. dem Hingezogensein aus der Welt der bloßen Schatten zu den perfekten schönen Gestalten der Ideenwelt. Doch hinter der „übersinnlichen Realien“ des Platon verbirgt sich etwas sehr Sinnliches, das als genitale Umarmung identisch ist mit dem allgemeinen Funktionsprinzip der kosmischen Überlagerung und schließlich mit jener Ewigkeit, die sich am Höhepunkt des Tages, dem Platonischen „Großen Mittag“ Nietzsches, wenn die Sonne im Zenit steht und die Schatten verschwinden, aktualisiert. Erst Reich hat das mit Leben erfüllt, was die beiden, jedenfalls nach Kaufmans Einschätzung, größten Denker der Menschheit (Platon und Nietzsche) halbfertig – erdachten. Immerhin kam Nietzsche dem schon sehr nahe (und stand ihm gleichzeitig sehr fern) als er schrieb:
Die eigentlichen Epochen im Leben sind jene kurzen Zeiten des Stillstandes, mitten innen zwischen dem Aufsteigen und Absteigen eines regierenden Gedankens oder Gefühls. Hier ist wieder einmal Sattheit da: alles andere ist Durst und Hunger – oder Überdruß. (Der Wanderer und sein Schatten, A 193)
Was sekundäre Triebe betrifft entspricht die Nietzschesche Sublimation des Willens zur Macht, die zur aristokratischen Noblesse, menschlicher Größe und Gerechtigkeit führt, dem „Erkenne dich selbst“ aus Reichs Rede an den Kleinen Mann. Doch ansonsten steht Nietzsche sicherlich Freud näher als Reich, wie die Kapitelüberschriften des Hauptteils von Kaufmanns Buch zeigen:
Nietzsches Philosophie der Macht: „Moral und Sublimierung“, „Sublimierung, Geist und Eros“ und „Macht gegen Lust“
Nietzsche ging es wie Freud um Bändigung, Sublimierung und (im Sinne Hegels) Auf-Hebung der Natur, was zwar nicht schlichtweg mit der Unterdrückung der Natur gleichzusetzen ist, aber bei einer mangelnden Unterscheidung zwischen primären und sekundären Trieben doch darauf hinausläuft.

Nietzsche und die Entwicklung des Menschen (Teil 1)
8. Juli 2025Nietzsche zufolge konstituiert sich alles Leben durch Perspektiv- und Horizontbildung. Die Schaffung eines „Lebensraumes“ durch den „Willen zur Macht“ = Willen zur Beständigung = Ewige Wiederkehr des gleichen Zustandes = „Sein“. Leben ist die Formung einer Perspektive, ob nun organisch oder geistig. In diesem Sinne beruht, nach Nietzsche, das Leben auf einem Grundirrtum, nämlich dem, daß es im „dionysischen“ Fluß der Zeit etwas „apollinisch“ Beharrendes gäbe. Alles, was existieren will, müsse sich mit einer „perspektivischen Sphäre“ umgeben. Das Prinzip der Individuation, ob es sich nun im biologischen Organismus oder in unserer Gedankenwelt mit ihren Hoffnungen und dem Empfinden der Individualität zeigt, ist nichts weiter als ein lebensnotwendiger Schein – die Illusion des Seins, wo es nur den ewigen Wechsel von Werden und Vergehen gibt. Genauso wie das biologische Leben eine Struktur braucht, benötigt auch jede Form von bewußtem Leben eine geistige Struktur, um nicht im Fluß der Zeit auseinandergerissen zu werden. Es ist wie das Öffnen der Bauchhöhle: die inneren Organe fallen aus dem orgonotischen System heraus und der Mensch vergeht.
Leben ist Werten = Werte bestimmen = Urteilen = Ur-Teilen = etwas aus dem undifferenzierten Chaos herausheben. Nietzsche: „Wenn wir von Werten reden, reden wir unter der Inspiration, unter der Optik des Lebens: das Leben selbst zwingt uns Werte anzusetzen, das Leben selbst wertet durch uns, wenn wir Werte ansetzen…“ (Götzendämmerung, Moral als Widernatur, A [Aphorismus] 5).
Das Leben ist natürlich das Orgon, nicht als „Sein“, als metaphysische Substanz, sondern als Potential für scheinbar „Seiendes“, so wie Reich es in Die kosmische Überlagerung am Beispiel der Formation von Lebensformen aus der primordialen Bewegung des Orgons dargestellt hat (Die kosmische Überlagerung, Frankfurt 1997, S. 40-68).
Es gibt kein „Sein“, da alles nur in der Zeit (nicht) „ist“. Um aber überhaupt existieren zu können, müssen wir „Sein“ simulieren, indem „ganz unten“ die Zelle so tut, als „wäre“ sie (in Wirklichkeit unterliegen aber auch ihre Strukturen dem ständigen Fluß, dem sie früher oder später ganz nachgeben müssen) und indem „ganz oben“ der Mensch sich ein Weltbild errichtet, in dessen Bezugssystem er „sein“ kann. Alles ist Schein, aber, und das ist Nietzsches Punkt, es kommt darauf an, ob es ein dem Leben dienender Schein (z.B. das animistische Weltbild von Ureinwohnern) oder ob es ein dem Leben schadender Schein ist (z.B. der Glauben an Engel und Teufel). Auch das Kind braucht für seine gesunde Entwicklung etwas, woran es glauben kann – es kommt nur darauf an, ihm einen lebenspositiven Schein zu vermitteln. Nietzsche sprach nicht von der Abschaffung aller Werte, sondern von der Umwertung aller Werte (vgl. auch Jerome Edens Auseinandersetzung mit Nietzsche und Reich in The Value of Values, Eden 1980).
Auf den ersten Blick hat die Orgonomie an sich wenig mit Werten gemein, denn die erinnern an das Über-Ich und damit an die Panzerung. Doch man kann ein „Wertesystem“ auch als notwendige orgonotische Struktur betrachten, so wie z.B. Muschelgehäuse lebensnotwendig sind. Ohne die starre Muschelschale kein pulsierendes Muschelfleisch! Die lebenswichtige, ja das Leben erst konstituierende Membran des ursprünglichsten orgonotischen Systems, des Bions, entspricht den Hüllen von Zellen mit ihren Rezeptoren, dem unterschiedlichen Aussehen der Tierarten, bis hin zur „Corporate Identity“ in der Wirtschaft und den Persönlichkeiten von Menschen.

Genauso wie sich aus dem Fluß des Orgons orgonotische Systeme herausbilden, indem sie eine Membran formen, muß auf geistiger Ebene der Mensch „perspektivische“ Glaubenssysteme entwerfen, um „sein“ zu können. Zerstört man z.B. das Weltbild von genitalen Naturvölkern durch die Zivilisation, gehen die betreffenden Völker zugrunde, da die Grundlage ihres „Seins“ unter ihnen weggezogen wurde. Kinder werden neurotisch, wenn sie einerseits ziemlich frei erzogen werden, andererseits aber keine Werte, keinen Glauben vermittelt bekommen. Nimmt man einem Menschen seinen Glauben, stirbt er, was den mörderischen Haß der Gläubigen gegen die Aufklärer erklärt. Es geht buchstäblich um Leben oder Tod. Es gibt so etwas wie „moralischen Krebs“: Menschen mit Werten haben etwas Dynamisches an sich, während anarchische Menschen in ihrer Eigenheit verharren, „sitzen bleiben“, wie Reich es nannte, nicht vom Willen nach vorne getrieben werden, d.h. auch im Prägenitalen hängenbleiben.
Aus diesem Grunde glaubte Nietzsche, daß der Tod Gottes den Untergang der Menschheit bedeuten würde, wenn der Mensch sich nicht selbst Werte setzte. Aber der heutige Mensch sei zu schwach zu glauben („wie Jakob mit einem Gott zu ringen“) oder Werte zu „setzen“ – und einfach nur ein verächtliches unendlich perverses, dekadentes in seiner heillosen Entartung dem sicheren Untergang geweihtes Nichts, dessen „Emanzipation“ gleichbedeutend mit dem Weg in den Tod ist. Wer kennt nicht den typischen Jugendlichen, der an nichts glaubt, mit seinem leeren Blick – er braucht nicht erst Selbstmord begehen – er ist schon tot! Deshalb sind sinnstiftende religiöse und kulturelle Aktivitäten genauso lebensnotwendig wie die Arbeit.
neu auf orgonomie.net
6. Juli 2025Ich habe die Ursprungsseite des NACHRICHTENBRIEFs, die jetzt immerhin 28 Jahre existiert, in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Jetzt fange ich an, sie wieder besser zu pflegen, angefangen mit der Anfangsseite. Im übrigen hier eine wirklich EXAKTE Beschreibung, wie ich beim Umbau der Netzseite den html-Code absolut funktional-orgonisch handhabe:
Zu diesem fettreduzierten Blogeintrag Kunst am Bau: Bild 18.
Ergänzung 3 zu „Nietzsche: MEINE SCHWESTER UND ICH (Besprechung)“
5. Juli 2025Eine der zentralen Fragen unserer Existenz ist die nach der Identität. Was hält uns zusammen? Für Reich war es die orgonotische Pulsation. Hört die auf, zerfallen wir buchstäblich in unsere Einzelteile. Bei der karzinomatösen Schrumpfungsbiopathie steht in dieser Hinsicht unsere Physis im Mittelpunkt, bei der Schizophrenie, ebenfalls eine Schrumpfungsbiopathie, unsere Psyche. Das sind aber nur Extrembeispiele. Bei jeder chronischen Panzerung wird die Pulsation und damit unsere physische und psychische Integrität, unsere „Identität“ kompromittiert.
Sein findet sich nur im zeitlosen, unvergänglichen Jetzt, das in einer zeitlich zerrissenen Welt aber nur als „Ewige Wiederkehr“ des Augenblicks (der dadurch erst dauerhaft wird) denkbar ist. Wir reden hier von Nietzsches Konzept. Es gibt weder ein „Sein“, noch ein „Bewußt-Sein“, beide werden erst durch die Ewige Wiederkehr gesichert. Gemeint ist natürlich die Pulsation mit ihrem ewigen Wechsel von Kontraktion und Expansion.
Zur Rechtfertigung der hier vertretenden Interpretation von Nietzsches Gedanken der Ewigen Wiederkehr vergleiche Karl Löwiths berühmte Ausführungen zu Nietzsches Philosophie der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Nietzsche spricht von einer Pulsation zwischen Bewußtsein und Unbewußtsein:
Wir haben zeitweilig die Blindheit nötig und müssen gewisse Glaubensartikel und Irrtümer unberührt lassen – solange sie uns im Leben erhalten. Wir müssen gewissenlos sein in Betreff von Wahrheit und Irrtum, solange es sich um das Leben handelt – eben damit wir das Leben dann wieder im Dienste der Wahrheit … verbrauchen. Dies ist unsere Ebbe und Flut, die Energie unserer Zusammenziehung und Ausbreitung. (z.n. Löwith, Hamburg 1978, S. 101; Hervorhebungen hinzugefügt)
An anderer Stelle sagt Nietzsche:
„Wir … müssen periodische Wesen werden wollen – gleich dem Dasein“, nämlich der natürlichen Lebewesen der Welt. (ebd. S. 232)
Löwith führt aus:
Zarathustras Tiere wissen früher als er selbst, wer er ist und demnach werden muß, nämlich der Lehrer der ewigen Wiederkehr des sich ewig erneuernden Lebens, weil sie selbst natürliche und periodische Lebewesen sind. Sie „ertragen“ diesen Gedanken, der ihrer Natur entspricht, wogegen er für den Menschen zunächst unerträglich ist. Was das Tier von Geburt aus ist, kann der Mensch nur durch eine Wiedergeburt werden, durch eine Überwindung seiner selbst, wodurch sich der „Weise“ und das „Tier“ nähern und einen neuen Typus ergeben, der sich für alles Lebendige verantwortlich weiß. Weil der Mensch aber weder vollkommen wie ein Weiser, noch heil wie ein Tier ist, bedeutet das Lehren müssen der ewigen Wiederkehr für Zarathustra seine „größte Gefahr und Krankheit“, von der er genesen muß. Daher erfolgt ihre erste Verkündigung durch seine Tiere und in einer Rede, die vom „Genesenden“ spricht. (S. 77, Hervorhebungen hinzugefügt)
In der Götzendämmerung (Was ich den Alten verdanke, A 4 und Moral und Widernatur) hat, so Löwith (S. 117), Nietzsche das, wovon sein gesamtes Denken ausgeht, nämlich das Problem der griechischen Tragödie, mit den „Mysterien der Geschlechtlichkeit“ verbunden. Löwith erklärt dazu quasi orgonomisch:
Die physische Grundlage für eine ewige Wiederkehr „dieses“ Lebens fehlt Nietzsches Philosophie so sehr wie seiner eigenen, unleibhaftigen Existenz, die alles andere als „eine vergöttlichte Form und Selbstrechtfertigung der Natur“ war.
Das ist sicherlich in sich alles stimmig, doch geht es an Nietzsches Vorstellung der Ewigen Wiederkehr vorbei, nach der ohne eigenes Zutun alles wiederkehrt und zwar ohne jede Variation (da alles, nicht zuletzt aber unser Bewußtsein, mit allem anderen sozusagen „superdeterministisch“ verbunden ist). Das einzige, was man tun kann, ist so zu leben, daß man die Ewige Wiederkehr wirklich bejahen kann. Es geht schlicht um Lebensbejahung, um einen Sinn des Lebens in einem vollkommen sinnlosen Universum. Das Leben hier und jetzt ist ewig und wer in einem Jenseits nach dem „ewigen Leben“ sucht und deshalb dieses Hier und Jetzt hintanstellt, der verurteilt sich selbst zu ewiger Verdammnis, d.h. einem schlechten Leben ohne Kompensation.
In einer Hinsicht hat Löwith natürlich recht: Nietzsche hat in Hinsicht auf die Ewige Wiederkehr sein Leben verfehlt.
Ergänzung 2 zu „Nietzsche: MEINE SCHWESTER UND ICH (Besprechung)“
4. Juli 2025Reich ging in seiner Studentenzeit zwischen in etwa 1919 und 1922 von vier Punkten aus, die sein gesamtes späteres Lebenswerk prägten:
- angefangen von seinen Eltern, die als Sprosse von jeweils langen Rabbiner-Dynastien vorgaben gläubige Juden zu sein, aber tatsächlich deutschnationale Atheisten waren, war ihm aufgefallen, daß es einen Unterschied gibt, zwischen dem, was Menschen sagen und dem wie sie handeln;
- war er bei seiner naturphilosophischen Lektüre irgendwo zwischen Lehrbüchern zum Medizinstudium, F.A. Lange, Bergson, Schopenhauer, Paul Kammerer, Richard Semon etc., nicht zuletzt Nietzsche, auf die Grundidee verfallen, daß es eine psychische Energie gibt und einen Grundgegensatz zwischen Energie und Materie;
- war ihm 1919/20 im Studentenseminar, über das er Freud kennenlernte, aufgefallen, daß ihm das, was andere als „Sexualität“ bezeichneten, fremd war und umgekehrt;
- durch Freuds Libidotheorie lernte er die Vorstellung einer psycho-physischen („bioenergetischen“) Entwicklung und ihrer Störungen kennen.
Zusammengefaßt ist das die Theorie von der Lebensenergie und ihrer Sperrung durch die Panzerung (Über-Ich). Sie entfaltet sich aus sich heraus „von innen“ auf natürliche Weise, wird aber „von außen“ gestört und entartet entsprechend, d.h. wird selbst zu einem Störfaktor. Das, was er später als „seelische Pest“ bzw. „emotionelle Pest“ bezeichnen sollte, breitet sich entsprechend aus. Die Menschen versuchen das entstehende Chaos mit „Moral“ in den Griff zu bekommen, doch verschlimmert dies die Situation noch mehr.
Nietzsche hatte wie kaum ein anderer ein Gefühl für diese Dynamik, nur kam dieser „Sado-Masochist an sich selber“ (so Lou Salome über Nietzsche) zu der – sadomasochistischen Vorstellung, daß der Mensch an diesem Konflikt zu wachsen habe. Aus dem Krampf soll virtuose Eleganz und aus der Lüge die Wahrheit erwachsen, aus der Überspanntheit eine neue Leichtigkeit. Aus sekundären Trieben soll etwas Authentisches und Wertvolles werden. My Sister and I enttarnt das alles als Perversion und Flucht vor dem Leben.




















