Posts Tagged ‘Dämonen’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 16)

24. August 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Reichs „Wiener Geschichte“ ist eine einzige große Auseinandersetzung mit LSR:

# „Gott Stirner“ (siehe Leidenschaft der Jugend)

# der triebhafte Charakter: (pseudo-)„Stirnerisch“ frei und gleichzeitig verfolgt von einem sadistischen Über-Ich („FICK mich!“): de Sade, Foucault

# die SPÖ als Vertretung des rigiden Über-Ich, die KPÖ als Vertreterin des rebellischen Lebens, das von Dämonen verfolgt wird („sadistisches Über-Ich“)

# „orgastische Potenz“ als Lösung des Dilemmas der Triebhaftigkeit (der Triebgehemmtheit ja sowieso)

# die Kulturdebatte mit Freud und erste Zweifel an der Sowjetunion

# allererste Anfänge der Orgonomie, d.h. einer Welt „jenseits der Kultur“ (man denke sowohl an Freuds Jenseits des Lustprinzips als auch an sein Unbehagen in der Kultur)

Von vorne bis hinten Bernd Laskas LSR-Projekt (LaMettrie, Stirner, Reich):

# der orgastisch potente LaMettrie gegen den triebhaften Charakter de Sade

# der orgastisch potente Stirner gegen den Moralisten Marx (verkörpert in der austromarxistischen pfaffenhaften SPÖ)

# der orgastisch potente Reich gegen Freud (die sozialdemokratischen Psychoanalytiker a la Federn, die auf die triebhaften kommunistischen Untermenschen hinabblicken)

Verfolgen wir Reichs „LSR-Entwicklung“ weiter über Berlin bis nach Rangeley:

Bereits in der Massenpsychologie des Faschismus von 1933 gab Reich den Nationalsozialisen recht: man dürfe die Bedeutung des „Seelischen und Religiösen“ nicht unterschätzen (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 139), denn die religiöse Erregung ist, wie er einige Jahre später formulierte, „nicht nur antisexuell, sondern in hohem Grade selbst sexuell“ (ebd. S. 144).

Er wollte das wieder auflösen, die „seelischen und religiösen ‘Entitäten’“ wieder zum bioenergetischen Strömen bringen: die Panzerung auflösen, die Sexualität aus ihrer religiösen Perversion befreien. Und genau wie in seiner charakter/vegeto/orgon=orgasmotherapeutischen Arbeit wuchs dabei im Laufe der Jahre Reichs „Respekt“ vor dieser „alten Welt“, die es doch aufzulösen galt. Den gleichen „Respekt“, den man einem räudigen Kampfhund entgegenbringt.

Es gibt kein Weg zurück, wie es auch in der Entpanzerung des Körpers keinen Weg zurück gibt. Es besteht aber eine Gefahr, die Reich seit seiner Arbeit mit dem triebhaften Charakter vor Augen stand, die er aus der eigenen therapeutischen Praxis kannte und die nicht zuletzt das Geschehen in Deutschland und Rußland der 1930er Jahre kennzeichnete: wenn man zu schnell vorgeht, kommt es zum Kollaps und das Über-Ich schlägt im sich „entpanzernden System“ härter zu als jemals zuvor und zwar diesmal auf unberechenbare „triebhafte“ Weise. Wenn dieser Zustand aber erreicht ist, dann ist jede weitere Entpanzerung ausgeschlossen, was den endgültige Sieg der „Reaktion“ bedeutet. Nicht zuletzt sieht man das an den gruseligen „Körperpsychotherapeuten“ und „Reichianern“, die die Orgonomie unrettbar zerstören. Wie Reich gezeigt hat, gibt es als Gegenmittel nur die Sequestration der Pestratten.

Diese Erkenntnis, also die Gefahr, die in der Entpanzerung steckt, ist ein entscheidender Fortschritt. Gewisserweise muß gerade die wahre Aufklärung die „Heiligtümer der alten Welt“ als „heilig“ erachten, einfach weil sie eine Doppel-Funktion haben: sie perpetuieren nicht nur die alte Welt, sie sind auch die einzige Möglichkeit, um die alte Welt zu vernichten. Platt ausgedrückt: man benötigt militärische Disziplin um einer faschistischen Militärmaschinerie entgegentreten zu können. Genauso wie der Orgontherapeut heutzutage (als noch die Zwangscharaktere dominierten, sah das Vorgehen natürlich anders aus) nicht einfach den Panzer auflösen will, sondern erstmal (z.B. beim schizophrenen Charakter) einen Panzer erzeugen (bzw. natürlich verlagern) muß, damit nicht der Organismus aus Orgasmusangst sich endgültig abpanzert.

In unserer Gesellschaft kann das natürlich nicht bedeuten, daß man auf religiöse Gefühle oder die humanistischen Phrasen Rücksicht nimmt und schon gar nicht, daß man irgendwelche Kompromisse, außer denen der praktischen Lebensklugheit, macht. Es geht erstmal um die Vermittlung des Problembewußtseins („Leute, der Panzer hat eine Funktion!“) und zweitens darum, mit welchen Leuten man sich zusammentut. Was nichts anderes bedeutet, als das die „natürlichen Freunde“, etwa die Anarchisten, zu meiden sind als hätten sie die Beulenpest.

Und genau das (die soeben angeführten zwei Handlungsmaximen) hat Reich befolgt, das erstere vor allem im Christusmord und das letztere dadurch, daß er sich sukzessive von seinen „natürlichen Freunden“ abwandte bzw. gar nicht an sich herankommen ließ (etwa die „Beatniks“) und zum „Eisenhower-Fan“ wurde. Zunächst mußten die Linken dran glauben (z.B. die Trennung von seiner sozialistischen Assistentin Gertrud Gaasland) und schließlich sogar die amerikanischen Liberalen (praktisch zwang er die, außer Baker, Duvall und Silvert, durchweg liberalen Orgonomen auf Republikaner-Kurs), von Greenwich Village brauchen wir gar nicht erst zu reden, auch nicht von seiner Reaktion auf Paul Ritter und David Boadella.

Es geht nicht um „Fürsten“ oder ein „Zurück in die alte Welt“, es geht nicht mal um Eisenhower, Reagan und die AfD, sondern um den grundsätzlichen Respekt vor dem Status quo, der durch Eisenhower, Reagan, AfD, etc. archetypisch verkörpert wird. Es muß der Status quo verteidigt werden, um den Status quo zu ändern. Dialektik!

Was auf den ersten Blick wie Reichs Abfall oder zumindest Relativierung von der radikalen Aufklärung aussieht, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Reichs konsequente Zuendeführung seines spezifischen Beitrags, den ich oben („Reich in Wien“) skizziert habe.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 8. Der Kampf der Götter/ Im Reich der Dämonen

6. August 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 8. Der Kampf der Götter / Im Reich der Dämonen

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 7. Der Christusmord nach Markus / Markusevangelium (6,1-11,19) (Teil 1)

14. Juli 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 7. Der Christusmord nach Markus / Markusevangelium (6,1-11,19) (Teil 1)

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 7. Der Christusmord nach Markus / Markusevangelium (1,1-5,43) (Teil 2)

11. Juli 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 7. Der Christusmord nach Markus / Markusevangelium (1,1-5,43) (Teil 2)

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 7. Der Christusmord nach Markus / Markusevangelium (1,1-5,43)

10. Juli 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 7. Der Christusmord nach Markus / Markusevangelium (1,1-5,43)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 58)

7. Mai 2022

Sekten und Kulte funktionieren auf der Grundlage von künstlich induzierter Augenpanzerung, d.h. Panzerung, die nicht aus der Kindheit stammt, sondern im Erwachsenenalter der bereits bestehenden „anerzogenen“ Panzerung hinzugefügt wird.

Beispielsweise konnte sich der Marxismus nur deshalb ausbreiten, weil seine Theorie derartig unbestimmt ist, daß man automatisch „in den Augen weggeht“, wenn man sich mit diesem „dialektischen“ Unsinn beschäftigt, wobei immer das Gefühl bleibt, man habe das ganze nicht wirklich verstanden. Ähnlich sieht es bei christlichen Sekten mit ihren Bibelstudien aus. Es ist schlichtweg unmöglich (außerhalb des kirchlichen Lehramtes) irgendeinen Sinn im „Wort Gottes“ zu finden. Was bleibt ist ein „dissoziativer“ Geisteszustand, in dem man buchstäblich „neben sich selbst steht“. Biophysikalisch ist das die Trennung von Wahrnehmung und Erregung („schizophrene Spaltung“), wie Reich sie im Schlußkapitel der Charakteranalyse beschrieben hat.

Am gefährlichsten sind Sekten, in denen diese „okulare Spaltung“ direkt durch Übungen induziert und verankert wird. Man denke nur an die verschiedenen Techniken (Yantras, Mantras, Evokation von Gottheiten, etc.) im indischen Guruismus oder tibetischen Lamaismus (vgl. Die Massenpsychologie des Buddhismus). Am effektivsten sind aber wohl die Techniken von Scientology, die ganz spezifisch (geradezu explizit) darauf ausgerichtet sind, eine Augenpanzerung zu induzieren. Den Effekt sieht man am durchschnittlichen Scientologen mit seinem charakteristischen Ausgenausdruck.

Hier die „Grundtechniken der Augenpanzerung“ in Scientology:

Bei TR-0 (training routine zero) geht es darum, ohne jede Regung (nicht mal ein Blinken der Augenlieder ist erlaubt!) dem Instrukteur 120 Minuten in die Augen zu starren. Nach jeder Körperregung wird abgebrochen und die Zeit wird von vorne gezählt, bis der Student schließlich nach schier endlosen Sitzungen es schafft, die 120 Minuten in einem Stück durchzustehen. Das kann ein Mensch nur schaffen, wenn er buchstäblich „seinen Körper verläßt“, d.h. sich die Wahrnehmung von der Erregung abspaltet. Man gerät in einen hypnotischen Zustand, den manche Scientologen ihr Leben lang nie wieder verlassen, sondern höchstens noch vertiefen werden! Dieses TR ist die Grundlage der folgenden TRs und wird in diesen fortgeführt. Deshalb steht jeweils ein „0“ vor der Numerierung.

Bei TR-01 liest der Student dem Instrukteur Satz für Satz Stellen aus der krankhaften, wahrscheinlich drogeninduzierten Pädophilengeschichte Alice im Wunderland von Lewis Carroll vor. Es geht darum, trotz der ganzen Absurdität der Sätze, nicht zu lachen oder sonst eine Regung zu zeigen. Damit wird die eigene Kritikfähigkeit lahmgelegt.

Bei TR-02 liest der Instrukteur umgekehrt dem Studenten aus Alice im Wunderland vor und es geht darum, ohne jede Regung diesen Unsinn hinzunehmen. Es wird ein Geisteszustand induziert, in dem man jeden Unsinn L. Ron Hubbards akzeptiert und niemals angesichts des Grotesken lacht. Humor und Lachen würden einen nämlich aus der Trance aufschrecken lassen.

Bei TR-03 frägt der Student seinen Instrukteur immer wieder und wieder zwei Fragen. Entweder „Fliegen Vögel?“ oder „Schwimmen Fische?“ Der Instrukteur gibt alle möglichen Antworten. Kommt schließlich die richtige Antwort, stellt der Student die zweite Frage. Wird die richtig beantwortet, kommt wieder die erste Frage dran. Man darf auf diese blödsinnige eigene Fragerei nicht reagieren, etwa lächeln und unsicher werden, sondern immer wieder und wieder die gleiche Frage stellen. Auf diese Weise wird man selbst zu einem Scientologen, d.h. einem roboter-artigen Menschen, der davon lebt, daß er seine Mitmenschen verunsichert und in einen hypnose-artigen Trancezustand versetzt.

TR-04 ist identisch mit TR-03 mit dem Unterschied, daß der Instrukteur alle möglichen vernünftigen Einwände gegen diese ganze Prozedur vorbringt, die der Student (immer ohne jede emotionale oder körperliche Regung) so beantworten soll, daß das Gegenüber weitermacht. Auf diese Weise soll man lernen, nicht nur die eigenen spontanen Gefühle und den eigenen rationalen Geist zu kontrollieren, sondern auch die des Gegenübers: man wird zum Scientologen.

Mit TR-05 soll man lernen mit Widerständen fertigzuwerden, etwa wenn das Gegenüber partout nicht kooperieren will. Man sagt dem Instrukteur, der die Session verlassen will, daß er „diesen Körper im Stuhl sitzen lassen soll“. Ein Phrase, die man ständig wiederholt, wenn das Gegenüber aufstehen will. Der Student wird dergestalt trainiert, stets als Herr der Situation aufzutreten, d.h. ein guter Scientologe zu sein: sich von oben kontrollieren zu lassen und nach unten (d.h. die Nicht-Scientologen) zu kontrollieren. Gleichzeitig lernt er das Gegenüber (und damit sich selbst) als „Geistwesen“ zu betrachten, das einen Körper hat: eine weitere Spaltung zwischen Wahrnehmung („Geist“) und Erregung („Körper“).

TR-06 ist die logische Fortsetzung von TR-05: der Student führt den sich wehrenden und protestierenden Instrukteur durch den Raum, hält an, ändert die Richtung, führt den Instrukteur, hält an, ändert die Richtung, etc. Der Student wird buchstäblich zu einem „Führer“ und verinnerlicht dabei gleichzeitig das Grundkonzept der Scientology: der Körper ist das ausführende sterbliche Organ des unsterblichen Geistes.

Bei TR-08 geht es darum, die Spaltung zwischen Geist und Körper zu zementieren, indem man einem unbelebten Objekt, etwa einem Aschenbecher, den Befehl gibt, sich zu erheben. Wenn der Student dann den Aschenbecher mit der eigenen Hand hebt, wird diese Muskelaktion schließlich irrelevant im Vergleich zu der „Tatsache“, daß der Aschenbecher tatsächlich unserem Willen folgt und sich erhebt – der eigene Körper wird irrelevant im Vergleich zum allmächtigen Geist. Jeder Furz wird zu einem übernatürlichen Ereignis!

Schließlich geht es in der Scientology darum, den eigenen Körper ganz zu verlassen, etwa indem man zunächst sich selbst anfaßt, dann die Wand, sich selbst, die Wand, sich selbst, die Wand, etc. Macht man das häufig genug und im Zustand der bereits induzierten Spaltung, hat man schließlich tatsächlich das Gefühl den Körper zu verlassen. Die Depersonalisation und Derealisation ist vollendet!

Im Zustand der induzierten Spaltung kann man „audiert“ werden und selbst „audieren“, d.h. mit Hilfe von Fragebögen zu (meist fiktiven!) traumatischen Ereignissen in diesem Leben und in früheren Leben geführt werden, sogar in zukünftigen Leben, da die „Zeitlinie“ des Geistes eine ganz andere ist als die des materiellen Universums (wieder Spaltung).

In höheren Stufen der Scientology wird deine Seele dann vollends zerschreddert, wenn du lernst, daß du von Myriaden fremder Seelen bevölkert bist, die jede ihre eigenen Probleme hat. Es gibt Leute, die ihr gesamtes Erspartes und das Ersparte von Familie und Freunden für diese Dämonenaustreibung ausgegeben haben.

Nachdem die Scientology-Interessierten dergestalt hergerichtet sind, geht es an das Studium der Schriften von L. Ron Hubbard – die ein normal empfindender und denkender Mensch bereits nach dem ersten Durchblättern gelangweilt zur Seite legte. Es ist eben die ganze Unsinnigkeit dieser Ergüsse, die, wie im Marxismus und evangelikalen Christentum, die okulare Panzerung weiter verschlimmert und aufrechterhält.

Es gehört zur Aufgabe der Orgonomie die Bevölkerung über diese Mechanismen aufzuklären und den Faschismus Schritt für Schritt weiter zurückzudrängen. Vernichtet alle Kulte und Sekten, alle Institutionen, die die Autonomie der Individuen und das klare Fühlen und kritische Denken untergraben!

Bei aller künstlich herbeigeführten Psychose ist Scientology imgrunde nur die verschärfte Version des ganz normalen Wahnsinns. Wir alle arbeiten ein ganzes Leben daran, eine Gesellschaft aufrechtzuerhalten, die uns, unsere Familie und unsere Freunde zerstört. Also macht euch nicht über diese Idioten lustig. Wir sind alle miteinander Idioten. Der zentrale Moment dieser Idiotie ist die Augenpanzerung, die von all dem Schwachsinn um uns herum ständig erzeugt und aufrechterhalten wird. Der alltägliche Wahnwitz!

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (5,43-12,37) (Teil 3)

5. Mai 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (5,43-12,37) (Teil 3)

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (5,43-12,37) (Teil 2)

1. Mai 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (5,43-12,37) (Teil 2)

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (1,1-5,42) (Teil 2)

26. April 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (1,1-5,42) (Teil 2)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 53)

24. April 2022

„Bewußtsein“ ist nach Reich gleichzusetzen mit „psychischer Struktur“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 37). Daraus wurde später dann die biophysikalische Struktur. Mit anderen Worten ist unser Bewußtsein abhängig von unserer Panzerungsstruktur. Das gilt für alle Arten von Bewußtsein: unsere politische Haltung („Klassenbewußtsein“), unser „Privatleben“ („Liebe“), unser Arbeitsleben (wo es zentral um die Konzentrationsfähigkeit geht) und nicht zuletzt in unserem Kontakt zum Kosmos („Religion“). Was letzteres betrifft, schließt die hier umrissene funktionelle Einheit des Seelischen und Körperlichen „Jenseitigkeit oder auch nur Autonomie des Seelischen völlig und endgültig aus“ (Äther, Gott und Teufel, S. 95).

Das bedeutet aber noch lange nicht, daß man „falsches Bewußtsein“ einfach so wegwischen kann! Es gilt stets die Gegenwahrheit zu sehen! Reich zufolge erfüllt die „Illusion einer freien Willensbestimmung und einer überirdischen Bestimmung des Menschen“ drei Funktionen:

  1. Sie hebt den Menschen über seine Hilflosigkeit gegenüber der Natur, seine eigenen Triebe eingeschlossen, hinweg und übertönt seine Ohnmachtsgefühle und seine Angst mit dem Empfinden der Gottähnlichkeit.
  2. Sie hat die Funktion, den Menschen dort, wo er sich hilflos, klein und ohnmächtig fühlt, wo ihm Wissen um Vorgänge und Prozesse fehlen, mit dem Mut zu erfüllen, seine Existenz durchzusetzen.
  3. Der Mensch muß existieren, auf jeden Fall, mit oder ohne Wissen; dazu braucht er die Emotion der Illusionen. Illusionen sind also nicht nur irrationale Gebilde, sondern auch kraftsteigernde Haltungen. Die Rede vom Glauben, der Berge versetzt, hat hier seine Wurzeln. (Menschen im Staat, Frankfurt: Stroemfeld/Nexus, 1995, S. 79f)

Sicherlich kann man einen Gutteil des Mystizismus auf diese Weise erklären, aber selbst dann bleibt ein Rest. Immerhin hängen viele sehr intelligente und emotional reife Menschen dieser Weltanschauung an.

Spannend finde ich Reichs Aussage, daß die Entdeckung des Orgons nur der erste Schritt hin zur „experimentellen Beherrschung des Bewußtseinsprozesses“ war, die wiederum den organisierten Mystizismus vernichten werde (Jenseits der Psychologie, S. 309).

Anders als der gewöhnliche „Skeptiker“ nahm Reich die mystische Erfahrung sehr ernst und wollte ihr sozusagen auf deren eigenem Boden entgegentreten. Von daher kann man sich keinen größeren Verrat an Reich vorstellen, als von neuem Mystizismus in die Orgonomie einzubringen! Reich ahnte es voraus: „Und vielleicht werden viele gekreuzigt werden, ehe – es einmal ‚Sexualökonomen‘ mit ‚Kirchen‘ und Vereinen geben wird, die das genaue Gegenteil von dem sein werden, was die Sexualökonomie will“ (Jenseits der Psychologie, S. 353).

An sich wurde die experimentelle Beherrschung des Bewußtseinsprozesses bereits über das „Körperbild“ geleistet: in den verschiedenen Formen des Yoga und insbesondere im chinesischen Qi Gong. Man muß es nur den Mystikern (konkret: der okularen Panzerung) entreißen. Einer der Schlüssel zu diesem Geheimnis ist die Schizophrenie.

Im Anschluß an Freud ging es Reich in der Charakteranalyse darum das Ich zu erforschen, das merkwürdigerweise viel unbekannter sei als das Es. Im abschließenden Kapitel über die „schizophrene Spaltung“ ging es Reich dann darum, „die Funktion des Bewußtseins“ zu ergründen, „die weit weniger verstanden ist als die des Unbewußten“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 654).

Die „pure“ Charakteranalyse hat gezeigt, daß das Orgonenergie-Feld des Organismus durch Worte, bzw. Imagination beeinflußt wird. Reich schreibt dazu: „Es würde lohnen, diese eigenartigen Zusammenhänge zwischen der Wahrnehmung der vegetativen Eigenart des anderen und der sprachlichen Formulierung im Detail genau zu studieren“ (Charakteranalyse, S. 440). Und weiter:

Wie ist es nun möglich, daß eine physiologische Funktion im psychischen Apparat derart unmittelbar als Verhalten gegeben und dargestellt sein kann? Ich muß gestehen, daß mir dieser Zusammenhang ebenso rätselhaft wie wichtig erscheint. Seine Klärung wird höchstwahrscheinlich unsere Kenntnis von den Zusammenhängen zwischen den physiologischen und den psychischen Funktionen um ein erhebliches Stück weiterbringen. (Charakteranalyse, S. 442)

Reich schreibt: „In der Wahrnehmung, auch in der Selbstwahrnehmung, fließen Sinneseindruck und Emotion in eine funktionelle Einheit zusammen“ (Charakteranalyse, S. 63). Bewußtsein ist demnach letztlich Wahrnehmung („ich nehme wahr, daß ich wahrnehme“ [vgl. Charakteranalyse, S. 571]). Nach Reich geht Wahrnehmung aus dem Zusammengehen von Empfindung an der Peripherie (z.B. Licht fällt auf eine lichtempfindliche Zelle) und einer Emotion aus dem Zentrum des Körpers hervor. So gibt es ohne Emotion kein Bewußtsein, wie z.B. im Buddhismus (das bewußtseinslose Nirwana), wo alles einseitig auf die Empfindung ausgerichtet ist („das Gewahrsein üben“). Und es gibt ohne Empfindung kein Bewußtsein, wie z.B. in der von der Welt losgelösten religiösen Ekstase (extragenitaler Orgasmus).

Letztendlich lassen sich alle Bewußtseinstechniken auf die künstliche Hervorhebung einer der beiden Ursprünge des Bewußtseins zurückführen. Das läßt sich unmittelbar erfahren, wenn man sich jetzt in einen „buddhistischen Zustand“ versetzt (Konzentration!) und dann in einen Hare-Krishna-Zustand (Hingabe!). Funktionelles Denken bedeutet eine harmonische Ausgeglichenheit der beiden Anteile Empfindung und Emotion. Der nüchterne Buddhismus und religiöse Ekstase sind biopathische Abweichungen, entsprechend festgefahrener Sympathikotonie (Buddhismus) und festgefahrener Parasympathikotonie (Hare-Krishna). Es gibt natürlich auch ein manisch-depressives Hin und Her.

Die Linie über die Empfindung führt zur „Reizempfindlichkeit des rein physikalischen Orgons“ (Charakteranalyse, S. 91), das als objektiver Geist oder „Mind“ mystifiziert wird. Und die zweite Linie zur rein physikalischen Pulsation, die den Emotionen zugrunde liegt, d.h. zum „kosmischen Organismus“, also Gott. Deshalb ist einerseits in Buddhismus, Scientology und Crowleyanity keine Rede von Gott und deshalb legt andererseits das (gängige) Christentum keinen Wert auf Gnosis.

Hinzu kommt als weiteres Element die eigentliche strukturelle Grundlage des Mystizismus: die Mauer zwischen Reiz und Wahrnehmung. Es wäre zunächst die Mauer (okulare Panzerung, die der Mystiker mit dem Schizophrenen gemeinsam hat) zwischen Erregung und Empfindung zu nennen, die zu einem mystischen „jenseitigen“ Erleben führt (man bildet sich etwa ein, in einer „astralen“ Ebene zu existieren). Als zweites Element kommt die Mauer (die generelle Panzerung, die den Mystiker vom Schizophrenen unterscheidet) zwischen Kern und Peripherie, die sadistisch durchbrochen werden muß (man bildet sich etwa ein, in einen „astralen“ Kampf gegen Teufel, Dämonen und „Critters“ verstrickt zu sein). Das einzige, was den Mystiker vom Faschisten unterscheidet, ist die spezifische „schizophrene“ okulare Panzerung. „Im Mystizismus wird ein körpereigener Prozeß als fremd wahrgenommen, so als habe er seinen Ursprung ‚jenseits‘ der eigenen Person oder auch jenseits der Welt“ (Charakteranalyse, S. 617).