Posts Tagged ‘Gesundheit’

Rationalität und Irrationalität des Religiösen

11. April 2025

Charles Konia befaßt sich in seinem Artikel „Applied Orgonometry IV: Mysticism“ (The Journal of Orgonomy, Vol. 39, No. 2, Fall/Winter 2005, S. 60-69) u.a. mit einem recht überzeugenden Argument gegen die von Elsworth F. Baker entwickelte „sozio-politische Charakterologie“, derzufolge Konservative („verzerrter Kontakt zum Kern“) zum Mystizismus neigen, Liberale („fehlender Kontakt zum Kern“) eher zum Mechanismus. Seit den 1960er Jahren, d.h. seit dem Aufkommen der antiautoritären Gesellschaft, hat nämlich die Linke ein auffallendes Interesse für den Mystizismus gezeigt.

Wie diesen offensichtlichen Widerspruch erklären? Bakers Formulierungen gehen nicht tief genug, d.h. der alles entscheidende bioenergetische Unterschied zwischen Konservativen und Liberalen wird nicht klar formuliert: bei Konservativen steht die Emotion und das im Solar Plexus zentrierte „orgonotische System“ im Mittelpunkt, bei Liberalen die Sensation und das im Zentralen Nervensystem zentrierte „energetische Orgonom“.

Entsprechend können sich Liberale durchaus vom Ersatzkontakt „Mystizismus“ angesprochen fühlen, solange dieser ein „Head Trip“ bleibt. Während der „emotionale Rechte“ sich dem „unergründlichen Ratschluß Gottes“ unterwirft, versucht der „zerebrale Linke“, der sich zum Mystizismus hingezogen fühlt, die Welt in ihrem Innersten zu ergründen. Ein Gutteil dessen, was heute unter dem Titel „Orgonomie“ und 100 Prozent dessen, was unter dem Titel „Reichianismus“ abläuft, entspricht dieser Art von mystischer Perversion. Es ist Neurose, wenn nicht Emotionelle Pest und nichts außerdem.

Im Gegensatz zu den Mystikern der Rechten glauben die Mystiker der Linken, daß man im Diesseits Gesundheit („Ganzheit“) und Glück erlangen kann: holistische Medizin, spirituelles Wachstum, „Heilung“, etc. Typischerweise geht es um das Erlangen eines „höheren Bewußtseins“. Die Wahrheit hänge von der Sichtweise des Einzelnen ab, alles ist „relativ“. Von den etablierten Religionen, insbesondere aber von „Gott, dem Vater“ will man nichts wissen. Alles sei machbar.

Allen Arten von Mystizismus ist gemeinsam, daß sie Ersatz für sexuelle Befriedigung sind. Oder mit anderen Worten: ohne orgastische Impotenz kein Mystizismus.

koniamystik

Der Panzer verzerrt die ursprünglichen sexuellen Empfindungen und an ihre Stelle tritt der mystische Ersatzkontakt. Dieser ist antisexuell und gleichzeitig eben das: Ersatz für Sexualität. Bei den einen ist die Angst vor der Sexualität unmittelbar an die autoritäre Vaterfigur bzw. „Gott“ gebunden, bei anderen sind es pseudowissenschaftliche Theorien, die die antisexuelle Haltung rationalisieren. Man denke nur einmal daran, wie linke „Reichianer“ die Orgonomie mit Tantra, Taoismus, Yoga, Buddhismus und anderem extrem antisexuellen Theorien „erweitern“!

Zusammenfassend kann man sagen: Die religiösen Anwandlungen des Konservativen können inspirierend sein und auf tiefe zugrundeliegende Wahrheiten verweisen. Das zeigt sich etwa in Reichs Umgang mit dem Christentum in Christusmord. Die Entsprechung beim Linken bzw. „Liberalen“ ist fruchtlos, im Zweifelsfall destruktiv, in jedem Fall aber schlichtweg meschugge.

Orgonomie im Schnelldurchlauf (Teil 1)

30. März 2025

Es gibt eine lückenlose und vor allem detaillierte Darstellung der europäischen Periode der Arbeit Reichs:

  1. Fritz Erik Hoevel: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (2001)
  2. Karl Fallends Darstellung von Reichs politischem Wirken in Wien: Wilhelm Reich in Wien (1988)
  3. Andreas Peglaus Darstellung der Sexpol in Berlin: Unpolitische Wissenschaft? (2013)
  4. Christiane Rothländers Biographie von Karl Motesiczky (2010), die eine ausführliche Darstellung der Sexpol in Skandinavien beinhaltet
  5. James Stricks Wilhelm Reich, Biologist über Reichs sexualökonomische Lebensforschung in Skandinavien

Für die Kontiuität sorgt Reichs wissenschaftliche Autobiographie Die Funktion des Orgasmus von 1942. Reichs erste Jahre werden von ihm in Leidenschaft der Jugend (1994) beschrieben.

Was die Entwicklung der Orgontherapie aus der charakteranalytischen Vegetotherapie und Reichs amerikanischer Periode betrifft, sieht die Lage weniger rosig aus. Als Übergang bis etwas besseres vorliegt, sozusagen „Wilhelm Reich, Physicist“, kann ich nur auf das Buch Wilhelm Reich von Ilse Ollendorff verweisen, die Reichs Entwicklung in den 1940er Jahren hautnah miterlebt hat. Sodann Ola Raknes‘ Wilhelm Reich und die Orgonomie und schließlich Jerome Edens Die kosmische Revolution. Reichs letzte Jahre werden ausführlich von Jerome Greenfield in USA gegen Wilhelm Reich beschrieben.

Orgonomie ist die Wissenschaft von der kosmischen Lebensenergie. Diese Energieform ist durch zwei Charakteristika gekennzeichnet: ihren Energiemetabolismus und die Bewegungsformen, die ihr eigen sind.

Aufgrund des ihr inhärenten „orgonomischen Potentials“, durch das Energie spontan von niedrigeren zu höheren Konzentrationen fließt, kommt es zu lokalen Energieansammlungen, die sich ebenso spontan wieder entladen („mechanisches Potential“).

Das zeigt sich insbesondere anhand der Funktion des Orgasmus: die als extrem lustvoll empfundene Entladung überschüssiger Energie. Nur so kann der Organismus sein hohes Energieniveau und seinen entsprechend hohen Energieumsatz (= Gesundheit) aufrechterhalten.

In den Konvulsionen des Orgasmus zeigen sich besonders eindeutig die beiden Bewegungsformen, die der Orgonenergie eigen sind: die Pulsation und die Kreiselwelle.

Die orgastische Plasmazuckung ist nichts weiter als eine beschleunigte Pulsation, bei der die Kontraktion überwiegt, während in der normalen organismischen Pulsation die Expansion überwiegt. Das wird insbesondere in der Zellteilung (Kontraktion) evident, die am Ende einer langen Wachstumsphase (Expansion) steht.

Bei Vertebraten erfolgt die orgastische Entladung im Zusammenhang mit einer Überlagerung (Kontraktion).

Dazu muß man zunächst die zweite Art der orgonotischen Bewegung betrachten, die Kreiselwelle:

Höhere Organismen sind nach der Kreiselwelle, bzw. einem „Wellenzug“ der Kreiselwelle, geformt:

Entsprechend sieht die genitale Überlagerung aus:

Wird die Orgonenergie in ihrer natürlichen Bewegung behindert, insbesondere durch die toxische Wirkung von Kernstrahlung, kommt es zunächst zu einem „Wutanfall“ (ORANUR), der schließlich in „Resignation“ (DOR) endet. Dazu muß man wissen, daß Emotionen der unmittelbarste „psychische“ Ausdruck der Orgonenergie sind.

Die funktionelle Identität subjektiver (qualitativer) und objektiver (quantitativer) Gegebenheiten hat Reich mit Hilfe der „Orgonometrie“ beschrieben, die wiederum mit den nichtlokalen sozusagen „geistigen“ Eigenschaften der Orgonenergie zusammenhängen. Siehe dazu meine Ausführungen in Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 2.i..

Anhand der Orgonometrie wird auch deutlich, wie es zu einer Störung kommen kann: sie tritt immer dann auf, wenn die natürliche Entwicklung von „links nach rechts“ sich umkehrt und ein höherer („rechterer“) Funktionsbereich einen tieferen („linkeren“) Funktionsbereich beeinflussen will. Beispielsweise geschieht das, wenn Kernstrahlung frei wird, also eine hochenergetische Ausdruckform der („sekundären“) Materie, die aus der („primären“) Orgonenergie hervorgegangen ist.

Im menschlichen Bereich (Medizin, Psychologie, Soziologie, Ökonomie) ist diese Wendung gegen den eigenen Ursprung identisch mit Panzerung.

Jenseits des Fotzenfritzismus

9. März 2025

Reich hat folgende Aussage getätigt: „… in seiner Struktur ein freiheitlicher, wenn auch neurotischer Mensch…“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 271). Demnach war für ihn also „freiheitliche Struktur“ und „unneurotische Struktur“ nicht dasselbe, entsprechend Elsworth F. Bakers Aussage, daß es nicht so ist, daß diejenigen, die der Orgonomie folgen weniger gepanzert sind (bzw. unbedingt sein müssen) als diejenigen, die die Orgonomie ablehnen. Vielmehr gehe es darum, ob man ein inneres Gefühl dafür bewahrt hat, was Gesundheit ist. Man muß also als „Neuer Führer“ ein entsprechendes Ich-Ideal verkörpern.

Woher wird dieser Neue Führer, wie Reich ihn in Christusmord anvisiert hat, seine Autorität nehmen? Ich weiß nur, daß man sofort seine Autorität verliert, wenn man sozusagen „vom Blatt abliest, anstatt frei zu sprechen“. Wenn man monoton spricht, egal ob schnell oder langsam, anstatt seinen Ausdruck ständig zu modulieren. Er darf schlichtweg keine getriebene Marionette, wie etwa jetzt der dröge Merz, sein. Autorität und Spontaneität sind untrennbar, denn die Autoritätsperson muß per Definition ein Schöpfer sein. Und sie muß in ihrem Denken und Handeln unabhängig sein, kein „Reichianer“ oder sonstiger „-ianer“. Sie muß den versklavten Massen die Selbststeuerung vorleben. Sie ist das verkörperte Ichideal der Freiheit!

In diesem Zusammenhang ist der gegenwärtige rechte Rand bis hin zum offenen Neo-Nationalsozialismus interessant, da hier erneut der „Willensmensch“ auftritt, d.h. der, wenn man so will, „alte Führer“, der „2033“ die Macht übernehmen soll. Er verkörpert den „Willen“, statt die Dinge organisch geschehen zu lassen („Hingabe“). Beispielsweise soll, ganz im Sinne Freuds, angesichts der Pornoflut die „Energie“ nicht „verschwendet“, sondern für den „Zivilisationsauftrag“ umgelenkt werden – statt Hingabe. Getragen wird das durch die Gegenwahrheit, daß genau das heute bei der Jugend fehlt: Willensstärke und Disziplin. Problem ist, daß wirklicher Wille nur organisch, „plasmatisch“ sein kann – das, was man neudeutsch so schön als „Flow“ bezeichnet: traumwandlerisch im „Flow“ sein. Also genau das, was sowohl gute Pick-Up Artists als auch gute Martial Artists ihren Klienten beibringen wollen: der Körper weiß, was er realitätsgerecht zu tun hat. Selbststeuerung, also das diametrale Gegenteil von Faschismus!

Nur diese Einstellung kann massenwirksam sein und den besagten „Neuen Führer“ auszeichnen. Also niemand, der irgendetwas „lehren“ oder gar „führen“ will, sondern jemand, der die spontan auftretenden wirklich (!) fortschrittlichen organischen gesellschaftlichen Strömungen aufgreift und ihnen eine Stimme verleiht, sie sozusagen „bewußtseinsfähig“ macht. Ich wüßte da gegenwirklich wirklich niemanden. Das einzige, was mir einfällt, ist, daß bei den heutigen Jugendlichen, die einerseits „frei“ sind, andererseits aber dermaßen konform und clonhaft, gerade Stirner wie eine Bombe einschlagen sollte. „Ohne Eigenheit ist Freiheit gar nichts.“

Das ganze wird akut, weil wir in Deutschland gegenwärtig vor einem gesellschaftlichen Kollaps stehen, der durchaus einen „neuen Hitler“ möglich macht. Der anstehende vollständig sinnlose und kontraproduktive Merzsche beispiellose Wahlbetrug und die Schuldenorgie kann nur dazu führen, daß offenbar wird, daß Schulden keinen Wert mehr haben, es weder Gläubiger noch Schuldner gibt – womit der gesamten Zivilisation, d.h. 200 000 Jahre Menschsein, die Grundlage entzogen ist. Frei nach Nietzsche ist ein Mensch jemand, der ein Versprechen machen (und einhalten) kann. Ohne das bleibt nur das Nichts, in das die geclonten willenlosen Lemminge stürzen werden. Und man glaube nicht, daß es nach „2045“ einen Wiederaufbau geben wird!

Ansonsten: unterscheidet sich der Fotzenfritzismus wirklich so stark vom Hitlerismus? Immerhin: es geht wieder gleichzeitig gegen Moskau und Washington!

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Psychosomatik” und folgende

21. Februar 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Psychosomatik“ und folgende

David Holbrook, M.D.: DIE SCHÖNHEIT DES KAMPFES / LIEBE UND FURCHT / UNSACHLICHKEIT / IDEOLOGISCHE ORIENTIERUNG / AUTORITARISMUS

1. November 2024

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Die Schönheit des Kampfes

Liebe und Furcht

Die Emotionelle Pest: Anhaltspunkte für die Unsachlichkeit einer Meinung

Charakter und ideologische Orientierung

Die Schönheit des Kampfes: Meine Erläuterung zu Freuds wehmütiger Aussage

Autoritarismus gegen Autorität

Wie der Linksorgonom tickt

18. Juli 2024

Bei Gesundheit sind Fassade und bioenergetischer Kern zwar unterschiedlich aber wesensgleich, d.h. die soziale Fassade des Menschen dient dazu, die rationalen Antriebe möglichst effektiv und „diplomatisch“ zum Ausdruck zu bringen. Das klassische Beispiel ist die „Lüge“ in der Partnerschaft: „Toll, was Deine Friseurin da mal wieder gezaubert hat.

Bei der Emotionellen Pest ist es umgekehrt: Rationales und „Orgonomisches“ wird nur vorgespielt, um den bioenergetischen Kern zu unterdrücken. Man spricht dann von „Verlogenheit“. Beispielsweise werden die politischen Voraussetzungen einer gesunden gesellschaftlichen Sexualökonomie (Recht auf Abtreibung, ein dezidiert nichtmoralischer Umgang mit dem Thema Sexualität in der Öffentlichkeit, ausreichend Wohnraum, d.h. Intimsphäre, Mutterschutz und generell soziale Sicherheit, etc.) dazu benutzt, um die gesellschaftliche Rotverschiebung, also die umfassende Tendenz zum Roten Faschismus (a la aufgedunsene Dampfnudel), zu unterstützen und „orgonomisch“ zu fundieren.

Gemeinhin sind die Konservativen und ist allgemein die Rechte eher gegen Abtreibung; moralistisch, was überhaupt die Sexualität betrifft, und neigt zu einem Sozialdarwinismus, der keine Rücksicht auf „weiche“ und „soziale Themen“ nimmt. Reich hat sich seit 1927 zur Genüge darüber ausgelassen und kein gutes Haar am autoritären „christlichen“ Zeitalter gelassen! Und genau das nutzt der Linksorgonom aus, um heute insbesondere (ausgerechnet den New Yorker erzliberalen) Trump mit einem antifantischen Fanatismus zu bekämpfen.

Da grundsätzlich jeder Politiker, der rechts von der Mitte steht, Lippenbekenntnisse für die christliche Sittlichkeit zum Besten geben muß, um reüssieren zu können, wäre bei einer „sexualökonomischen“ Herangehensweise an die Politik die Gesellschaft in alle Ewigkeit zu einem Linkskurs verdammt. Wenn man die Ruinierung der Staatsfinanzen durch eine „aktive Sozialpolitik“ und ein immer weiteres Wuchern des Staatstumors hinzuzählt, bei gleichzeitiger Zerstörung der produktiven Sphäre, ist das Ende im vollausgeprägten Roten Faschismus unausweichlich. Also alles das, was wir heute in der zur DDR 2.0 sich wandelnden BRD unmittelbar beobachten. Genau aber das will der Linksorgonom, der nichts anderes ist als ein kommunistischer Verschwörer „innerhalb“ der Orgonomie.

„Orgonomie“ ist bei diesem pestilenten Charakter nur Fassade, um die Orgonomie um so effektiver vernichten zu können. Es ist so bzw. er ist so, weil der liberale Charakter von Anfang an eine schwächere Verankerung im bioenergetischen Kern hat als der konservative Charakter und deshalb der geborene Verräter ist. Das sieht man allein schon an seinen irrwitzigen Übertreibungen, was das Ende von Frauen- und Minderheitenrechten im allgemeinen und die „sexuelle Repression“ unter Trump (oder jedem beliebigen anderen „Rechtspopulisten“) betrifft. Geht’s noch?! Und ohnehin: wenn irgendwas zu „sexueller Repression“ führt, dann die forcierte Einwanderung, d.h. die Ausweitung Saharasias, und parallel dazu bzw. in einem bizarren Kontrast dazu die „Dekonstruktion“ der Geschlechterrollen. Man denke an die immer aberwitzigere multikulturelle Wohnungsnot, die wachsende Verelendung der Unterschicht, das wachsende Klima der Gewalt, die Transformation der Kindheits- und Jugendjahre in eine Hölle von Entfremdung, antiweißem Rassismus und Hoffnungslosigkeit, garniert mit all dem blauhaarigen Trans- und Nichtbinärscheißkotzdreck.

Nicht ihre Ideologie, sondern deren nicht nur logischen, sondern aktuell AUGENFÄLLIGEN Konsequenzen erweisen die Linksorgonomen als Todfeinde der Genitalität, deren endgültige Vernichtung sie mit einem unbedingten Vernichtungswillen verfolgen, der ihrer ganzen „lebenspositiven“ Rhetorik den Stempel „Modju“ aufprägt.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 120)

27. März 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bei Hal Cohen (A Secret History of the Sexual Revolution: The Repression of Wilhelm Reich. Lingua franca, March 1999, S. 24-33) findet sich ein leichter Anklang an Stirner, der ansonsten leicht übersehen wird:

Im Zentrum von Reichs durch ständige Ortswechsel geprägte Karriere steht eine ehrwürdige, wenn auch unzeitgemäße Überzeugung: Unter dem Mantel gesellschaftlicher Konventionen verbirgt sich ein natürliches, instinktives Selbst, und die Befreiung der Energien dieses Selbst von der Unterdrückung durch die Gesellschaft ist der einzige Weg zu psychischer Gesundheit, politischer Gerechtigkeit und geistigem Wohlbefinden. Dieser Gedanke findet heute nur wenige ernsthafte Anhänger. Innerhalb der Akademie verhöhnen die Nachfahren des französischen Poststrukturalismus die Idee eines natürlichen Selbst, während außerhalb der Akademie die konventionelle Weisheit die Tugenden der Unterdrückung wiederentdeckt hat.

Es war und ist in dieser Welt kein Platz für den Eigner seiner selbst, den Einzigen, er muß von inkorporierten Hierarchien, dem Über-Ich, der Panzerung gezähmt und kontrolliert werden.

Dies zeigt die verborgene funktionelle Anziehung zwischen linken poststrukturalistischen „Philosophen“, die als pseudoliberale Charaktere den Kontakt zum Kern völlig verloren haben (z.B. Cohen), und dem reaktionären kleinen Mann, der diesen Kern behandelt, als sei dieser der Teufel selbst.

Cohens Essay ist ein perfekter Ausdruck dieses sado-masochistischen Weltbildes. Cohen ist einer derjenigen, denen Reich in psychoanalytischen und kommunistischen Kreisen begegnete. Es hat sich in dieser Hinsicht seit den 1920er und 30er Jahren nichts geändert!

Orgontherapie: so oder so

4. März 2024

Die eine Art von „Orgontherapie“ beruht auf der Mobilisierung von „Energie“. Den Patienten werden Vorgaben gemacht, wie sie liegen sollen, wie sie die Knie anwinkeln sollen, was „richtiges“ Atmen ausmacht etc. Tatsächlich ist diese „Energie“ aber nur eine psychische Vorstellung, Autosuggestion, bestenfalls durch die Panzerung entstellte vegetative Erregung. Dieser schimärenhaften „Energie“ fehlt genau das, was die Orgonenergie erst ausmacht: das SPONTANE Funktionieren. Und das, das Mechanische und ORANUR-artige dieser „Energie“, spiegelt sich im Vorgehen dieser vermeintlichen „Orgontherapeuten“ wider. Deren vermeintlich „charakteranalytische“ Interventionen sind entsprechend typischerweise moralisierende Bemerkungen voller Häme, ihre vermeintlich „vegetotherapeutischen“ Interventionen sind mechanische sadistische Angriffe auf den Muskelpanzer ohne Sinn und Verstand.

Richtige Orgontherapie entspricht dem Wesen der Orgonenergie, d.h. es geht schlichtweg um das vorsichtige aber systematische Beseitigen der Hindernisse für das spontane Funktionieren des Organismus. Dabei entspricht der Weg dem Ziel: das Ziel ist Selbstregulation, entsprechend ist der Patient derjenige, der das therapeutische Vorgehen bestimmt. In der Orgontherapie gibt es keinen „Heiler“, mit einem Guru-Komplex, der irgendein „Heil“ von außen bringt! Dieses „von außen“ ist es ja gerade, was beseitigt bzw. in ein „von innen“ umgekehrt werden soll. An die Stelle der Fremdregulation („Über-Ich“) soll die Selbstregulation treten. Oder anders gesagt: Freiheit kann einem nicht gegeben werden, man kann sie sich nur nehmen.

Warum dann überhaupt Orgontherapie, wenn es eh um Selbstbefreiung geht? Dazu möchte ich aus Bernd Laskas gerade erschienener Stirner-Monographie zitieren:

Selbstbefreiung, die egoistische „Empörung“, d.h. Emporentwicklung, „Befreiung von unten“ hält er für den einzig möglichen Weg: „Unbewußt und unwillkürlich streben Wir alle der Eigenheit zu … Aber was Ich unbewußt tue, das tue ich halb, und darum …“ (Der Einzige und sein Eigentum) verfalle ich von einer Besessenheit in die andere. Deshalb… (Max Stirner: Leben. Werk. Wirkung, S. 70)

Es geht um das, worum es von Anfang an schon bei Freud ging: das Bewußtmachen des Unbewußten. Beispiel: „Deine freundlichen Worte passen nicht zu Deinem unfreundlichen Mund.“

Es ist der Unterschied zwischen Schwarzer Pädagogik und selbstregulatorischer Pädagogik. Mein enger persönlicher Freund, Dr. Google, umschreibt die Schwarze Pädagogik wie folgt: „Unter schwarzer Pädagogik werden allgemein solche Erziehungsmethoden verstanden, die mit Strafen, Kontrolle, Gewalt, Demütigungen oder Einschüchterungen verbunden sind. Daher wird die schwarze Pädagogik auch häufig Pädagogik der Gewalt genannt. Diese Gewalt wird sowohl körperlich als auch psychisch ausgeübt.“

Lauf um Dein Leben, wenn du einem vermeintlichen „Orgontherapeuten“ begegnest, der diesem Profil entspricht!

Und den „schwarzen Orgontherapeuten“ sei gesagt: FICKT EUCH INS KNIE, IHR ARSCHLÖCHER!!!

Hier drei Beispiele:

Dem Patienten wird gesagt, daß er, anders als der „orgastisch potente“ „Orgontherapeut“ (lol!), doch gar nicht wisse, was Liebe ist und alles, was er bisher in seinem Leben in dieser Hinsicht erfahren habe, eine Lüge sei. Auf der Heimreise beschleunigt der restlos desillusionierte Patient seinen Wagen und beendet sein Leben am Pfeiler einer Autobahnbrücke.

Der „Orgontherapeut“ (lol!) läßt den Patienten den „Orgasmusreflex“ „üben“. Am Ende stehen zwei Narzißten, die sich gegenseitig darin bestärken, daß sie „orgastisch potent“ sind bzw. andere „zur orgastischen Potenz bringen können“. Ihre grotesk neurotische und schlichtweg lächerliche Kontaktlosigkeit wird zum Maßstab für „Gesundheit“!

Auf der Matratze liegt ein gehemmter Patient, der ständig dazu aufgefordert wird, die Sau rauszulassen. Jede „Orgontherapie“-Stunde wird dergestalt zunehmend zu einer wilden Orgie des Schreiens und Strampelns. Das überträgt sich langsam aber sicher auch auf das Alltagsleben des Patienten. Er ist halt „spontan“ und „ungepanzert“. Am Ende steht ein vollkommen kontaktloser Psychopath, der keinerlei Fähigkeit mehr hat bioenergetische Spannung auszuhalten, ohne unkontrollierbar auszuticken, und dem deshalb auch mit richtiger Orgontherapie nicht mehr zu helfen ist.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 108)

16. Februar 2024

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Reich schrieb 1940 in sein Tagebuch, „daß die Menschheit im gewöhnlichen Sinne des Wortes ‚krank‘ ist. Dies in Worte zu fassen, bedeutet sich dem Verdacht auszusetzen, daß man sich selbst für den einzigen gesunden Menschen hält. (…) Die Gesundheit (…) wohnt in allen Menschen. Die Tatsache, daß sie sie fürchten und verbergen, ist der Grundstein des Hitlerismus“ (American Odyssey, S. 30).

1. die Aussage, daß (so gut wie) alle Menschen Sexualkrüppel sind;

2. die „Max Stirner-Anmaßung“, die hinter einer solchen Diagnose steckt: der Einzige; und

3. die Aussage, daß es keine Heilung geben kann, da diese Krankheit das Fundament der durch und durch faschistischen (d.h. von sekundären Trieben beherrschten) Gesellschaft ist.

4. Was bleibt, ist Duplikate von sich selbst, dem „Einzigen“, der nicht krank ist, zu schaffen und mit ihnen die Zukunft zu bevölkern („Kinder der Zukunft“).

5. Natürlich ist man nicht „gesund“, bzw. man ist es nur in soweit, daß man sich nicht, wie alle anderen, „Hitleristisch“ gegen diese Gesundheit wendet!

6. Die Emotionelle Pest nicht an unsere Kinder weiterzugeben und so die Kette des Unheils zu unterbrechen, ist das Ziel.

Stirner:

Zur Wirksamkeit pfäffischer Geister gehört besonders das, was man häufig „moralischen Einfluß“ nennen hört.

Der moralische Einfluß nimmt da seinen Anfang, wo die Demütigung beginnt, ja er ist nichts anderes, als diese Demütigung selbst, die Brechung und Beugung des Mutes zur Demut herab. Wenn Ich Jemand zurufe, bei Sprengung eines Felsens aus dessen Nähe zu gehen, so übe Ich keinen moralischen Einfluß durch diese Zumutung; wenn Ich dem Kinde sage, Du wirst hungern, willst Du nicht essen, was aufgetischt wird, so ist dies kein moralischer Einfluß. Sage Ich ihm aber: Du wirst beten, die Eltern ehren, das Kruzifix respektieren, die Wahrheit reden usw., denn dies gehört zum Menschen und ist der Beruf des Menschen, oder gar, dies ist Gottes Wille, so ist der moralische Einfluß fertig: ein Mensch soll sich da beugen vor dem Beruf des Menschen, soll folgsam sein, demütig werden, soll seinen Willen aufgeben gegen einen fremden, der als Regel und Gesetz aufgestellt wird; er soll sich erniedrigen vor einem Höheren: Selbsterniedrigung. „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöhet werden.“ Ja, ja, die Kinder müssen bei Zeiten zur Frömmigkeit, Gottseligkeit und Ehrbarkeit angehalten werden; ein Mensch von guter Erziehung ist Einer, dem „gute Grundsätze“ beigebracht und eingeprägt, eingetrichtert, eingebleut und eingepredigt worden sind.

Zuckt man hierüber die Achseln, gleich ringen die Guten verzweiflungsvoll die Hände und rufen: „Aber um’s Himmels willen, wenn man den Kindern keine guten Lehren geben soll, so laufen sie ja geraden Weges der Sünde in den Rachen, <108>und werden nichtsnutzige Rangen!“ Gemach, Ihr Unheilspropheten. Nichtsnutzige in eurem Sinne werden sie allerdings werden; aber Euer Sinn ist eben ein sehr nichtsnutziger Sinn. Die frechen Buben werden sich von Euch nichts mehr einschwatzen und vorgreinen lassen und kein Mitgefühl für all die Torheiten haben, für welche Ihr seit Menschengedenken schwärmt und faselt: sie werden das Erbrecht aufheben, d. h. sie werden Eure Dummheiten nicht erben wollen, wie Ihr sie von den Vätern geerbt habt; sie vertilgen die Erbsünde. Wenn Ihr ihnen befehlt: Beuge Dich vor dem Höchsten – so werden sie antworten: Wenn er Uns beugen will, so komme er selbst und tue es; Wir wenigstens wollen Uns nicht von freien Stücken beugen. Und wenn Ihr ihnen mit seinem Zorne und seinen Strafen droht, so werden sie’s nehmen, wie ein Drohen mit dem Wauwau. Glückt es Euch nicht mehr, ihnen Gespensterfurcht einzujagen, so ist die Herrschaft der Gespenster zu Ende, und die Ammenmärchen finden keinen – Glauben.

Und sind es nicht gerade wieder die Liberalen, die auf eine gute Erziehung und Verbesserung des Erziehungswesens dringen? Denn wie könnte auch ihr Liberalismus, ihre „Freiheit in den Grenzen des Gesetzes“ ohne Zucht zustande kommen? Erziehen sie auch nicht gerade zur Gottesfurcht, so fordern sie doch um so strenger Menschenfurcht, d.h. Furcht vor dem Menschen, und wecken durch Zucht die „Begeisterung für den wahrhaft menschlichen Beruf“. (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 88f)

Email [Reich und das große Ausweichen] (2008)

6. Januar 2024

Email [Reich und das große Ausweichen] (2008)