Posts Tagged ‘sadomasochistisch’

Über den Umgang mit dem Problem der Eindringlinge

2. November 2018

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die Migrationswaffe der Emotionellen Pest:

Über den Umgang mit dem Problem der Eindringlinge

Über Panzerung, Krieg und Frieden (Teil 2)

16. August 2018

von Paul Mathews, M.A.

Genauso schuldig wie die Führer sind, wie Reich gezeigt hat (3), deren Anhänger. Deren Charakterstruktur begünstigt diese Führer, die Ausfluss der eigenen sadomasochistischen Bedürfnisse ihrer Anhänger sind.1

Die modernen, aus dem Erforschung der Tiere abgeleiteten Vorstellungen, dass es im Menschen entweder einen „territorialen Imperativ“ (8) oder einen natürlichen destruktiven Trieb (9) gibt, sind, wie ich meine, Trugschlüsse als Erklärung für wiederkehrende Kriege. Sie unterscheiden nicht zwischen gesunder, natürlicher Aggression (primäre Triebe) und destruktiven Impulsen (sekundäre Trieben). Die Blockierung des Orgonenergie-Flusses im Organismus und der daraus resultierende Panzerungsprozess schaffen die sadomasochistische Struktur des Menschen, der ständig mit sich und anderen Krieg führt. Die Massenkonfrontation auf dem Schlachtfeld ist in diesem Sinne die makrokosmische Erweiterung des inneren, mikrokosmischen Kampfes des Menschen.

„Frieden“ ist im Wesentlichen ein bioenergetischer Zustand, der die natürliche Orgonenergie-Pulsation im Körper widerspiegelt. Der soziale Frieden ist identisch mit der biologischen Befriedigung. In der Geschichte des Menschen gab es selten einen echten sozialen Frieden, nicht nur eine Pause vor dem Sturm. Selbst in Zeiten großer Kreativität, Erfindungen und Entdeckungen befanden sich die Menschen ständig im Krieg. Wann immer es Frieden gab, bestand er eher unter Einzelpersonen oder kleinen Gruppen als unter großen Teilen der Gesellschaft. „Außerdem“, so Dr. Elsworth Baker, „wird jede systematische Bemühung, seine [des Menschen] Destruktivität wieder zu korrigieren, selbst zur Zerstörung. Die brüderliche Liebe des Christentums wurde zur Inquisition; der Versuch, religiöser Verfolgung zu entgehen, verwandelte sich in die Hexenjagd von Salem; der Sturz der Tyrannei des Zaren führte zu der noch schlimmeren Tyrannei des Kommunismus“ (10).b Die Bedeutung dieses abgründigen menschlichen Zustandes kann über funktionelle biologische Einsichten als Kampf des Menschen um die Befreiung von der Panzerung verstanden werden. Reich erklärte:

Alle diese Kriege, all das Chaos jetzt – wissen Sie, was das für mich ist? Die Menschheit versucht, ihr Zentrum wiederzugewinnen, ihr lebendiges, gesundes Zentrum. Aber bevor es erreicht werden kann, muss die Menschheit diese Phase des Mordes, des Totschlags und der Zerstörung überwinden. Das, was Freud den Destruktionstrieb nannte, findet man in der mittleren Schicht. Ein Stier ist verrückt und zerstörungswütig, wenn er frustriert wird. Mit den Menschen ist es genauso. Das heißt, bevor man zu den wahren Dingen gelangt – Liebe, Leben, Rationalität – muss die Hölle durchschritten werden. Das ist von großer Tragweite für die gesellschaftliche Entwicklung. (11)c

Leider ist es gerade dieser Aspekt von Reichs Denken, der von neurotischen Anarchisten und „Revolutionären“ aufgegriffen wurde, um ihre Handlungsweise für gültig zu erklären. Was sie nicht verstehen, ist, dass primäre Ergebnisse nicht mit sekundären Mitteln erreicht werden können; dass unverantwortliche, zügellose Destruktivität sich nur verewigt und das Eintreten des Weltuntergangs beschleunigt. Reich hat das klargestellt, als er schrieb, „Nichts verschaffte mir tödlichere Feinde, nie waren mein Leben, meine Freiheit, mein Glück stärker bedroht als durch diese Bewegung, die von Befreiern geführt wurde, die die Gesetze der verantwortlichen Freiheit nicht kannten“ (11, S. 114)d. Aus diesem Grund verzweifelte Reich an der erwachsenen Menschheit und betonte die Arbeit an Kindern und Kleinkindern.

 

Fußnoten

1 Vgl. „Schema der Massenpsychologie des Faschismus“, dieser Artikel, Seite 169.

 

Anmerkungen des Übersetzers

b Man in the Trap, PREFACE, p. xxviii, American College of Orgonomy, 2000
Der Mensch in der Falle, Kösel 1980, S. 28
c Wilhelm Reich über Sigmund Freud, Schloß Dätzingen 1976, S. 73
d Wilhelm Reich über Sigmund Freud, Schloß Dätzingen 1976, S. 77

 

Literatur

3. Reich, W.: The Mass Psychology of Fascism. New York: Orgone Institute Press, 1946. Farrar, Straus & Giroux (Noonday), 1970
8. Ardrey, R.: The Territorial Imperative. New York: Dell Publishing Co., 1966.
9. Lorenz, K.: On Agression. New York: Harcourt, Brave and World, 1966.
10. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967
11. Higgins, M. und Raphael, C., Hrsg.: Reich Speaks of Freud. New York: Farrar, Straus & Giroux, 1967

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 5 (1971), Nr. 2, S. 165-174.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein