Posts Tagged ‘autoritär’

Blogeinträge November/Dezember 2015

6. Januar 2019

Charles Konia über politischen Radikalismus:

November/Dezember 2015

  • Was ist dem Nahen Osten widerfahren?
  • Der Dritte Weltkrieg
  • Die funktionelle Beziehung zwischen der Emotionellen Pest auf der Linken und auf der Rechten
  • Warum sprengen sie sich in die Luft?
  • Was ist der Ursprung der politischen Korrektheit?
  • Wie Leute radikalisiert werden
  • Das Rätsel der fehlenden Linksradikalen

Blogeinträge September/Oktober 2015

26. Dezember 2018

Charles Konia über die pseudo-liberale Gesellschaft:

September/Oktober 2015

  • Der drohende Untergang des Zweiparteiensystems
  • Apropos Klimawandel
  • Was ist funktionelles Denken?
  • Der Zusammenbruch der Trennung zwischen Kirche und Staat
  • Die neue Moral
  • Die Entartung des genuin Liberalen zum Pseudo-Liberalen/Kommunismus

Das Projekt „Children of the Future” des „Orgonomic Infant Research Center” (O.I.R.C.) (Teil 1)

23. Dezember 2018

von Bernd Laska

Die patriarchalisch-autoritäre Ära der Menschheitsgeschichte hat versucht, die sekundären asozialen Triebe durch zwangsmoralische Verbote in Schach zu halten. So kam der fragwürdige Kulturmensch dazu, ein strukturell dreifach geschichtetes Lebewesen zu werden. An der Oberfläche trägt er die künstliche Maske der Selbstbeherrschung, der zwanghaft unechten Höflichkeit und der gemachten Sozialität. Damit verdeckt er die zweite Schicht darunter, das Freudsche „Unbewußte“, in dem Sadismus, Habgier, Lüsternheit, Neid, Perversionen aller Art etc. in Schach gehalten sind, ohne jedoch das geringste an Kraft einzubüßen. Diese zweite Schicht ist das Kunstprodukt der sexualverneinenden Kultur und wird bewußt meist nur als gähnende innere Leere und Öde empfunden. Hinter ihr, in der Tiefe, leben und wirken die natürliche Sozialität und Sexualität, die spontane Arbeitsfreude, die Liebesfähigkeit. Die letzte und dritte Schicht, die den biologischen Kern der menschlichen Struktur darstellt, ist unbewußt und gefürchtet. Sie widerspricht jedem Zug autoritärer Erziehung und Herrschaft. Sie ist gleichzeitig die einzige reale Hoffnung, die der Mensch hat, das gesellschaftliche Elend einmal zu bewältigen.

Wilhelm Reich

 

Was Reich hier geschrieben hat, hielt er sicher nicht für seine „Meinung“ zu dem angesprochenen Problem, sondern für objektive Wahrheit (jetzt bitte nicht zu philosophieren anfangen!). Man kann Reichs Arbeit ab Mitte der dreißiger Jahre durchaus unter dem Aspekt sehen, daß er es ablehnte, weiterhin diese Wahrheit wie eine Meinung zu propagieren („unpolitisch“ wurde) und seine Arbeitskraft statt diesem hoffnungslosen Unterfangen der Aufgabe widmete, diese Wahrheit nach allen Richtungen hin auszubauen und experimentell zu fundieren. In diesen Zusammenhang läßt sich auch das 1950 begonnene Projekt „Kinder der Zukunft“ einordnen. Es hatte zur Aufgabe, empirisch zu erforschen, was eigentlich ein „gesundes Kind“ vom bioenergetischen Standpunkt aus ist. Bis dahin wußte man darüber gar nichts. Man hatte lediglich die klinischen Erfahrungen aus der vegetotherapeutischen und charakteranalytischen Behandlung bereits gepanzerter Menschen.

Auf der Zweiten Internationalen Orgonomischen Konferenz am 25.8.1950 gab Reich einen Bericht über das Orgonomische Säuglingsforschungszentrum (Orgonomic Infant Research Center OIRC), das zu diesem Zweck gegründet worden war. Dieser Bericht erschien 1951 im Orgone Energy Bulletin II/4, als Protokoll einer anscheinend ohne Manuskript gehaltenen Rede. Da er mir ziemlich unsystematisch erscheint, habe ich bei der Übersetzung einige Umstellungen und Zusammenfassungen vorgenommen.

Das Orgonomische Säuglingsforschungszentrum (nach OEB II/4)

Am 16.12.1940 trafen sich 40 Fachleute – Ärzte, Kinderschwestern und Sozialarbeiter – im Orgon-Institut in Forest Hills, New York, um eine der schwierigsten Aufgaben auf dem Erziehungssektor zu diskutieren: DAS STUDIUM DES GESUNDEN KINDES. Es waren diejenigen unter etwa 100 Arbeitern auf dem Gebiet der orgonomischen Medizin und Erziehung, die am besten für die Aufgabe geeignet zu sein schienen. Die Neuheit der Aufgabe lag darin, daß einerseits Gesundheit bei Kindern ein Hauptproblem der Erziehung wurde und andererseits die Bezeichnung „gesundes Kind“ noch nie zuvor klar erläutert wurde; es hatte auch noch niemand versucht, Krankheit und Gesundheit in Säuglingen zu unterscheiden.

… Der Plan lag fast 10 Jahre, bis die ersten praktischen Maßnahmen zur Organisation der Lösung der Aufgabe im Jahre 1949 getroffen wurden. Die Aufgaben des OIRC wurden abgegrenzt, indem folgende Bereiche ausgeschlossen wurden:

Das OIRC bietet keine üblichen sozialen Dienste an; diese werden bereits von anderen, bestehenden Einrichtungen geleistet.

Das OIRC nimmt in der Regel keine kranken Kinder in Behandlung, außer in Fällen, wo erwartet werden kann, daß durch die Behandlung wichtige Einsichten für das Studium des Gesundheitsprozesses im Neugeborenen gewonnen werden können … Die Hoffnung, über das Studium der biopathischen Funktionen zu klaren Aussagen über gesunde Entwicklung zu kommen, hat sich nicht erfüllt.

Das OIRC gibt keine Ehe- oder Sexualberatung, außer den Eltern, deren Neugeborene unter seiner Beobachtung stehen …

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 1/76N.

Blogeinträge Juli/August 2015

15. Dezember 2018

Charles Konia über den roten Faschismus:

Juli/August 2015

  • Griechenlands Finanzkrise
  • Die Rolle der Musikindustrie bei der anti-autoritären Transformation
  • Das Identifizieren von moslemischen Terroristen durch Erstellen eines Charakterprofils
  • Umweltschutz: Die mystische Übereinkunft zwischen der Linken und der Rechten
  • Die Umkehr der Geschlechtsrollen in der anti-autoritären Gesellschaft
  • Was ist die anti-autoritäre Gesellschaft?

Warum Peter kein Verfassungsfeind ist

16. September 2018

Rechte und Linke träumen von einer politiklosen Gesellschaft. Welcher Traum könnte schöner sein als der, daß dieser ganze irrationale Mumpitz endlich unser Leben verläßt! Gestalt gewinnt dieser Traum etwa im Konzept eines reinen Verwaltungsstaates nach dem Rechten (autoritären) Karl-Heinz Hoffmann („Wehrsportgruppe Hoffmann“). Die Regierung erwüchse in diesem quasi „monarchistischen“ Zukunftsmodell aus der Verwaltung, Experten regierten und Parteien und Wahlen würden abgeschafft. Klingt vernünftig, denn würden alle unsere Politiker nicht aus dem Sommerurlaub zurückkehren: kein Mensch vermißte sie. Wir müßten allenfalls auf immer neue und immer schwachsinnigere Gesetze verzichten! Aber muß diese Hoffmannsche Utopie nicht zwangsläufig in einen verknöcherten Kafkaesken Alptraum münden, wo im Extremfall „unnütze Esser“ „verschwinden“ und alles endet wie in einer Militärdiktatur. War die neo-feudalistische „DDR“ so viel anders?

Von linker (anti-autoritärer) Seite kommen rätekommunistische und anarcho-syndikalistische Träumereien, wie die ersten Ausformulierungen des Konzepts „Arbeitsdemokratie“ durch Wilhelm Reich Ende der 1930er Jahre, der damals immer noch eindeutig links stand. Auch dort sollten die Experten regieren, nur daß Reich (inspiriert von der Arbeiterbewegung im allgemeinen und dem „anti-bürokratischen“ Trotzkismus im besonderen) mehr von der Wirtschaft her dachte und von der Selbstorganisation der „Produzenten“ und Konsumenten, d.h. der Arbeiter. Auch in einer solchen nicht von oben (wie bei den Rechten), sondern von unten regierten Gesellschaft möchte ich nicht leben, einfach weil nach allgemeiner Lebenserfahrung sich persönlichkeitsgestörte Besserwisser in den Vordergrund spielen werden, Gruppendruck herrschen wird und genau das passieren wird, was bei und nach der Gründung der Grünen passiert ist: die „roten Garden“ werden sich durchsetzen und das ganze wird im ganz gewöhnlichen roten Faschismus münden! Das hatten wir schon alles in der russischen Räte-Union („Sowjetunion“)!

Ohnehin werden die beiden Utopien, so heilsam sie auch auf den ersten Blick wirken mögen, langfristig nicht funktionieren, da sich die gepanzerte Gesellschaft stets in links und rechts spalten wird. Solange die Menschen gepanzert sind, wird man die Politik nicht beseitigen können. Politik ist eine BIOENERGETISCHE Gegebenheit des gepanzerten Menschen wie jede andere neurotische Erscheinung auch. Schaltet man aber die Politik aus, wird sie schon bald in leicht veränderter Form automatisch von neuem ihre häßliche Gestalt erheben. Gepanzerte (neurotische) Menschen werden sich immer in zwei Gruppen spalten, wobei die eine jeweils den Trieb und die andere die Triebabwehr repräsentieren wird. In einer parlamentarischen Demokratie wie Deutschland wird dieser Konflikt nicht unter den Teppich gekehrt, sondern in all seiner Häßlichkeit auf kontrollierte Weise öffentlich ausgetragen. Nur aus diesem Grund konnte Amerika so lange überleben und sogar den vielleicht verheerendsten Bürgerkrieg der Weltgeschichte überstehen. Ähnliches läßt sich über das an sich unregierbare Indien sagen. Jede andere Konstruktion ist nicht überlebensfähig, weil Konflikte nicht ausgetragen werden und es über kurz oder lang zum großen Knall kommen muß. Oder mit anderen Worten: wer Alternativen zu den westlichen Demokratien entwirft, ist ein gefährlicher Spinner!

Das wirkliche, das eigentliche Problem ist, daß die bioenergetischen (charakterologischen) Grundlagen dessen, was geschieht, nicht durchschaut werden und deshalb nicht zunehmend bewältigt werden können – in Richtung des von Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus dargelegten reifen Konzepts einer Arbeitsdemokratie. Die Aufgabe, dieses bioenergetische Wissen zu vermitteln, hat sich Charles Konia gestellt, wie wir morgen sehen werden.

Orgonomie: doktrinär, autoritär und kultisch?

12. September 2018

Doktrinär, autoritär und kultisch zu sein, wird der Orgonomie seit nunmehr 70, wenn nicht 80 Jahren vorgehalten. Deshalb sei sie steril und komme nicht voran. Da frägt man sich, was denn die beizutragen hatten bzw. hinterlassen haben, die gegen diese Doktrinäre, Autoritäre und Kultische gegenhielten! Was ist von Paul Ritter und David Boadella, deren Zeitschriften Orgonomic Functionalism und Energy and Character übriggeblieben? Liest man diese Periodika heute, stellt man fest, daß mit jedem Jahrgang, d.h. je mehr sie sich von Reich „emanzipierten“, die Beiträge flacher und unbedeutender wurden. Was an Originalität in den Vordergrund drang, war durchweg null und nichtig. Nicht ein fruchtbarer Gedanke, nicht einer! Nur Wirrnis und Leere. Ähnliches läßt sich über Alexander Lowen mit seiner „Bioenergetik“ sagen und Charles Kelleys „Radix“. Was bleibt, ist ein schlechtes Gefühl. Narzißten spreizen sich und wenn sie gegangen sind, bleibt nichts Produktives zurück.

Soweit die heterodoxen Nullen, aber mit den Orthodoxen ist es kaum besser. All die Orgonomen, die sich über die Jahrzehnte vom Hauptstrang der Orgonomie gelöst haben, um „frei“ zu sein… Dann hat man nie wieder von ihnen gehört. Bei manchen mag die Trägheit dafür gesorgt haben, daß die Bewegung einige Zeit anhielt, aber das verpuffte schnell. Am Ende stand eine gähnende Frustration.

Das, was diese Desperados von der Orgonomie entfremdete, war gar nicht das Doktrinäre, Autoritäre und Kultische der Orgonomie (das ich durchaus nicht bestreiten will!), sondern etwas ganz anderes: ihre eigene strukturelle Unfähigkeit Bewegung zu ertragen. Deshalb versuchen sie zu bremsen, die einheitliche, gerichtete Bewegung zu zersplittern und in chaotische Wärmebewegung zu transformieren. Sie sind im Organismus der Orgonomie das, was im einzelnen Organismus die Panzerung ist, die die einheitliche orgonotische Strömung eindämmt und zersplittert. Aus funktioneller Sicht sind deshalb SIE, die Rebellen der Orgonomie, doktrinär, autoritär und kultisch. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!

Charles Konia und die Zukunft der Menschheit

4. März 2017

In seinen Blogeinträgen führt Dr. Konia immer wieder aus, daß Politik, d.h. in diesem Zusammenhang die Rückkehr zu den „1950er Jahren“, etwa durch Trump oder die AfD, nicht die Lösung sein kann, weil die charakter-strukturellen Veränderungen im Verlauf der Transformation von einer autoritären zu einer antiautoritären Gesellschaft zu weit fortgeschritten sind. Generell kann die Politik nicht die Lösung sein. Was tun?

Langfristig hat Reich die Antwort gegeben: die Kinder der Zukunft. Aber erstens umfaßt eine Generation 30 Jahre und es braucht viele Generationen, um einen „meßbaren“ Effekt zu haben. Und zweitens ist seit Reichs Zeiten eher ein ständiger Rückschritt zu verzeichnen. Man vergleiche die heutigen fast flächendeckend mit Psychopharmaka gedämpften Zombies, die nichts besseres mit ihrem Leben abfangen können, als jeden Abend vor dem Fernseher oder der Spielkonsole zu sitzen, mit den freien, frischen Menschen noch der 1960er und 1970er Jahre! Als Kind habe ich mein Leben selbst organisiert, bin mit meinen Freunden den ganzen Tag durch Industriebrache, Feld, Wald und Wiese gestreunt, nie wußten meine Eltern, wo ich war – heute schlichtweg undenkbar.

Natürlich kann man trotzdem alles Menschenmögliche tun, damit Reichs Traum sich doch noch materialisiert, etwa für die natürliche Geburt eintreten! Aber sonst? Nichts spricht dagegen sich für „Trump und die AfD“ zu engagieren, zur Schadensbegrenzung und auf daß der gesellschaftliche Zerfall zumindest gestoppt wird! Die eigentliche Lösung liegt aber darin genau das zu tun, was Dr. Konia macht: die Massen auf die biosozialen Zusammenhänge hinweisen, d.h. die Tatsache der Panzerung bekannt machen und was sich aus der Panzerung ergibt. Alles andere ist das leere Gewäsch von „Reichianern“, die Emotionelle Pest. Darunter fallen irgendwelche ach so großartigen „Gesellschaftsmodelle“ irgendwelcher anarchistischen oder kommunistischen „Aktivisten“ (die Avantgarde des Antiautoritarismus) oder der Verweis auf die allheilende Kraft der „Liebe“, Propaganda für Cannabis, etc.pp. Ohne Dr. Konia gäbe es heute keine Orgonomie mehr – und die Menschheit hätte keine Zukunft.

Mag alles durcheinander gehen, doch nur zu Hause bleib’s beim Alten…

24. Juli 2016

Die „Migranten“ wachsen fast durchgehend in traditionellen, d.h. extrem autoritär geprägten Familien auf. Das erzeugt eine autoritäre Charakterstruktur, wie Reich sie Anfang der 1930er Jahre beschrieben hat und wie sie bis in die 1960er Jahre hinein auch in Deutschland beständig reproduziert wurde. Mit dem zunehmenden Zerfall der Familie spätestens seit Anfang der 1970er Jahre hat sich die Charakterstruktur der heranwachsenden Deutschen drastisch in Richtung anti-autoritär verwandelt.

Während die Migranten, insbesondere die Türken, extrem nationalistisch, religiös und rassistisch sind, also genau so, wie Reich es für die damaligen Deutschen in Die Massenpsychologie des Faschismus beschrieben hat, sind die heutigen Deutschen zunehmend „offen“ und, abgesehen vom unmittelbaren persönlichen Bereich, unfähig das Eigene zu fühlen und entsprechend zu denken: Refugees Welcome…

Und was ist mit den Menschen, die in der „DDR“ aufgewachsen sind? Wie Reich im zweiten Teil von Die Massenpsychologie des Faschismus beschrieben hat, ist es in dem System, das Stalin geschaffen hat (und das bis zuletzt im gesamten Ostblock herrschte), zu einer Restauration der „alten Werte“ gekommen, da sich der Realsozialismus nach den anti-autoritären Wirren der Anfangsjahre konsolidieren mußte. Herausgekommen ist eine „national-sozialistische“ Mentalität, wie wir sie auch in den „nationalen Befreiungsbewegungen“ der Dritten Welt finden: nationalistisch und xenophob bei gleichzeitiger Dämonisierung alles organisch Gewachsenen als „feudalistische Vergangenheit“. Alles war künstlich, wie etwa heute das „Europäische Projekt“ der EUdSSR – nach 3000 Jahren glorreicher Geschichte ein „Projekt“!

Wenn zwei Bevölkerungsgruppen aufeinandertreffen, deren Charakterstruktur unvereinbar ist, führt dies zwangsläufig zum Bürgerkrieg.

Siehe dazu auch Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie.

Was ist der bioenergetische Unterschied zwischen der autoritären und der antiautoritären Gesellschaft?

16. Dezember 2015

Kurz gesagt herrscht heute das vor, was Reich 1925 größtenteils im Lumpenproletariat vorfand: der triebhafte Charakter (siehe sein gleichnamiges Buch, das in Frühe Schriften I wiederveröffentlicht wurde). In der Folgezeit, insbesondere in Die Massenpsychologie des Faschismus von 1933, beschrieb er den triebgehemmten Charakter, der die damalige Gesellschaft prägte. Alle Gesellschaften, ob sie einen konservativen, sozialdemokratischen, kommunistischen oder nationalsozialistischen Stempel trugen, waren darum bemüht, das Triebhafte, das Deviante, das „Asoziale“ zu marginalisieren, „unten zuhalten“, wenn nicht sogar physisch auszumerzen. Sie alle glaubten an Arbeitslager, wie es sie beispielsweise in der „DDR“ gab („Jugendwerkhöfe“). Der Slogan der autoritären Gesellschaft war wirklich „Arbeit macht frei!“

Heute haben wir das genaue Gegenteil vor uns. Das gesellschaftliche Leitbild ist der Freak, die versiffte Nutte:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=YNSxNsr4wmA%5D

Was vor sich geht, hat Reich bereits in Der triebhafte Charakter beschrieben:

Beim Triebgehemmten bildet sich durch Identifizierung mit dem versagenden Vater langsam ein triebverneinendes Über-Ich, das, wenn es nach der Latenzperiode gesellschaftlich geboten ist, auch triebbejahende Elemente in sich aufnimmt. Diese Geschmeidigkeit ist möglich, da sich auch das Ich mit dem Vater identifizierte.

Der triebhafte Charakter unterscheidet sich vom Zwangsneurotiker durch die Bejahung der triebhaften Impulse von Seiten des Ich, sowie durch ausgiebigere Rationalisierungen. Vom Schizophrenen unterscheidet er sich durch einen besseren Kontakt zur Außenwelt, sowie das Fehlen einer schizophrenen Spaltung. Beim triebhaften Charakter gibt es keine geregelte libidinöse Struktur, sondern stattdessen ein wirres Durcheinander oraler, analer und genitaler Strebungen. Am Anfang kam es durch eine entsprechende Erziehung zur weitgehenden Triebbefriedigung, wodurch sich durch Identifizierung mit den Erziehenden ein triebbejahendes Über-Ich gebildet hatte. Dann trat von seiten der unberechenbaren Erzieher plötzlich eine traumatische Versagung ein, gefolgt von entsprechend unvollständiger Identifizierung und Bildung eines isolierten triebverneinenden Über-Ichs.

Im Gegensatz zum triebgehemmtem Charakter besteht beim triebhaften Charakter eine starke Diskrepanz zwischen Ich und Über-Ich, das vom Ich völlig isoliert ist. Dieses isolierte Über-Ich funktioniert dann wie ein verdrängter Triebanspruch im Sinne eines „Strafbedürfnisses“ (etwas, was Freud zur gleichen Zeit mit dem „Todestrieb“ erklärte). Diese Isolierung des Über-Ich gehört, so Reich 1925, zur normalen Entwicklung des Ich, denn das Über-Ich kann erst langsam durch Bewältigung der Ambivalenz integriert werden.

Beide Charaktertypen leiden unter sadistischen Impulsen, doch sind diese beim Triebgehemmten mit Schuldgefühlen verknüpft, beim Triebhaften nicht. Der erstere ist in jeder Hinsicht „gewissenhaft“, der letztere gewissenlos, was praktisch alles in der Sphäre der Arbeit und der Sexualität erklärt vom gegenwärtigen „Casinokapitalismus“ bis hin zum Zerfall der Familien, weil sich alle „selbstverwirklichen“ wollen.

Damals hatte Reich die vollständige bioenergetische Dynamik natürlich noch nicht ganz erfaßt. Es geht darum, daß wir die organismische Orgonenergie als Libido erst dann erfahren, wenn es zur orgonotischen Erstrahlung gekommen ist. Wird die Energie bereits blockiert, bevor sie den Erstrahlungspunkt erreicht hat, bleibt der Trieb unbewußt (verdrängt) und peinigt uns deshalb nicht. Man ist unwillkürlich an die Kastration von Hunden und Katzen erinnert! Wird die Energie nach dem Erstrahlungspunkt blockiert, ist das so, als würde man bei voller Geschwindigkeit auf der Autobahn eine Vollbremsung hinlegen – oder als würde beim Geschlechtsverkehr kurz vor dem Höhepunkt das Telefon neben dem Bett klingeln oder die Kinder ins elterliche Schlafzimmer stürmen: Chaos, Frust, Wut und ein schier unerträgliches Gefühl der Unbefriedigung und inneren Unruhe, das um Potenzen schlimmer ist, als wäre es erst gar nicht zu diesem Geschlechtsakt gekommen.

Starke Triebverdrängung und Reaktionsbildung („verdrängt“) steht, Reich zufolge, gegen mangelhafte Verdrängungen („unbefriedigt“). Der Orgonom Peter A. Crist erklärt das im Anschluß an Elsworth F. Baker wie folgt:

Ein unterdrückter bzw. unbefriedigter Block tritt auf, wenn der gegebene Impuls während seines naturgemäßen Entwicklungsverlaufs ständig frustriert wird, entweder während das Erregungsniveau unterhalb des Erstrahlungspunktes liegt (im Falle des unterdrückten Blocks) oder oberhalb (im Fall des unbefriedigten). („An Overview of the Biopathic Diathesis: Update, Application and Analysis“, The Journal of Orgonomy, 37(1), Spring/Summer 2003, S. 75f)

Der verdrängten Blockierung der autoritären Gesellschaft entspricht der zurückhaltende, triebgehemmte Charakter, der bioenergetische Expansion nicht ertragen kann, entsprechend in dauerhafter bioenergetischer Kontraktion gefangen ist und dessen typische Emotionen Furchtsamkeit, Angst und Niedergeschlagenheit sind. Der triebhafte, unbefriedigte Mensch von 2015 befindet sich entsprechend in einem dauerhaften Zustand der Expansion. Er kann Kontraktion nicht ertragen („der Kult der Expansion“) und ist entsprechend ständig zornig und gereizt. Im Umgang ist er nicht gehemmt, bleibt aber im Kontakt immer oberflächlich. In der autoritären Gesellschaft war die Panzerstruktur unbeweglich („verdrängt“), heute gibt der Panzer scheinbar nach, würgt dann aber reaktiv alles ab („unbefriedigt“). Damals herrschte eine mechanische Ordnung (DOR), heute herrscht eine mechanische Unordnung (ORANUR).

The Journal of Orgonomy (Vol. 43, No. 2, Fall 2009/Winter 2010)

15. Februar 2013

Charles Konia beschäftigt sich mit dem Artikel „The Origins of Political Correctness“ (S. 49-58) von Bill Lind:

Die biologische Herkunft der politischen Korrektheit

Die von Konia beschriebene gesellschaftliche Transformation der 1960er Jahre, die den Triumphzug der Political Correctness erst ermöglicht hat, wird in folgender BBC-Dokumentation für England hervorragend beschrieben:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=VJM-xA8PcQ8%5D