Posts Tagged ‘Sexualität’

Eine Notiz über James DeMeos Saharasia-Theorie (1999) (Teil 1)

27. Juni 2022

Es macht echt keinen Spaß Saharasia zu lesen, z.B. S. 20f: Reich war weder 7 Jahre lang „Assistent Director of the Berlin Psychoanalytic Polyclinic“, noch legte er als erster die anti-semitische Grundlagen des Nazismus offen (die lagen wohl mehr als klar vor!), noch kann man Reichs Aussage über die Sexpol mit Rackelmann belegen oder die Nazis mir nichts dir nichts als Nonplusultra der Anti-Sexualität hinstellen (vgl. Die sexuelle Revolution) oder C.G. Jung 1933 zu den Psychoanalytikern zählen. Außerdem hat Freud durchaus die faschistische Bewegung unterstützt, die österreichischen Dollfuß-Faschisten. Wirklich, praktisch kein Satz ist ganz richtig. Ich mag kleinlich sein, aber ich dachte immer, es geht hier um Wissenschaft! Auf S. 22 stimmt fast nichts! Und so weiter und so fort! Auf S. 23 wird es sogar komisch: „Many priests and puritanical elements had also dominated the Communist Party of the Soviet Union.“ Priester in der KPdSU?! DeMeo ist wohl dadurch durcheinander gekommen, weil Reich im übertragenen Sinne von „Marxistischen Pfaffen“ spricht. S. 24: Reich hat die SU nicht 1932, sondern 1929 besucht! Auf der gleichen Seite: „He (Reich) left Germany for Danmark just before the war.“ Das Buch ist schrecklich zusammengeschludert, etwa wenn ein und dasselbe Freud-Zitat gebracht wird zunächst auf S. 19 mit Verweis auf Civilisation and its Discontent und dann auf S. 24 mit Verweis  „quoted by M. Hodann“.

Auch was bestimmte Elemente der Saharasia-Theorie betrifft kann ich DeMeo unmöglich folgen. Beispielsweise schreibt er auf S. 84: „Unarmored peoples might simply lay down and die in the desert, rather than do the unthinkable and use their hunting tools to kill other human beings.“ Das stimmt auf die in Notzeiten sehr kriegerischen Trobriander nicht zu und mit Sicherheit auf überhaupt kein Volk! Daran krankt DeMeos ganzes Buch: daß er kein Wissenschaftler, sondern ein Ideologe ist. Es ist ihm wichtiger, Reich als antifaschistischen Heros, statt die wirkliche Geschichte der Sexpol darzustellen. Da es gerade en vogue ist, wird Reich als Vertreter der Mißbrauchstheorie (Sexualität wird von den Eltern an das Kind herangetragen) dargestellt, die Freud durch seine Libidotheorie (das Kind als sexuelles Wesen) ersetzte. Ausgerechnet Reich, der Vertreter der Libidotheorie. Und dann die Saharasia-Theorie selbst: patristische Völker werden zu schwarz dargestellt, während die matristischen Völker zu weiß dastehen (systematisch blendet DeMeo alles aus, was etwa bei den Trobriandern oder den Muria nicht koscher ist, z.B. das beides extrem illiberale Gesellschaften sind, in denen Außenseiter (etwa ökonomisch nicht erfolgreiche Stammesmitglieder, Albinos, etc.) kein gutes Leben haben. Diese Schwarz-Weiß-Malerei ist genau das, was sie anklagt…

Oder nehmen wir mal die Defäkation: nirgends erwähnt DeMeo, daß sie nicht zu den natürlichen Libidobefriedigungen gehört, sondern in dieser Funktion ein patristisches Artefakt ist. Die Trobriander sind von Sauberkeit in dieser Hinsicht besessen, nichts von irgendeiner „analen Lust“. Entsprechend fand DeMeo selbst in seinem Correlation-Table (S. 418-20) eine hochsignifikante 100% negative Korrelation zwischen „anal satisfaction is low“ und „female status inferior or subjected“, d.h. dort wo Frauen unterdrückt sind, ist man, was Defäkation betrifft, freizügig.

Ein Fund bei der Lektüre von Otto Fenichels Rundbriefen: DeMeo hat bei seiner Saharasia-These eine wichtige Quelle übersehen: J. Unwin: Sex and Culture (ethnological study, published 1934 or 1935, 692 pp., 715 references). Unwin compared 80 primitive cultures, and separated them in three grades: higher „deistic“ cultures with temples, middle „manistic“ cultures without temples but whorshipping the deceased (die Toten), and lower „zoistic“ cultures, who do not care about the dead. He found (with almost perfect sex-economic criteria) that statistically the „zoistic“ cultures have the most sexual freedom, the „manistic“ were more suppressed, and the „deistic“ cultures have the most sexual suppression. See also the review of Unwin’s book by Henry Alden Bunker in Psychoanalytic Quarterly 4, 1935, 640-653.

Erstaunlich, daß DeMeo dieses Buch, das soviel seiner Saharasia-Theorie vorweggenommen hat, übersehen konnte! Wahrscheinlich hat das damit zu tun, daß Unwin die entgegengesetzten, d.h. Freudistischen Schlußfolgerungen zieht: Sexualunterdrückung sei die Voraussetzung von hoher „d.h. tempelbauender“ Kultur. Eine Anschauung die wiederum Bunker in seiner Rezension kritisiert.

Es hat nie „Matriarchate“ als Pendant zum Patriarchat gegeben, allein schon aus rein körperlichen Gründen: Männer haben mehr Körperkräfte. Aber sowohl bei den Menschenaffen als auch bei den natürlichen, matriarchalen Völkern stehen die Männchen am Rande der Gesellschaft, deren Kern der Mutterclan und seine Funktionen ist. In Saharasia ist es genau umgekehrt: dort steht der Mann im Mittelpunkt („Männerkindbett“, bei Scheidung Kinder zum Mann, etc.), Frauen und (weibliche) Kinder am Rande.

Ich mache neulich abends das Fernsehen an und was muß ich sehen: eine richtiggehende Werbesendung für Beschneidung. Eine Medizinerin sprach sogar von einer „Modewelle“. Ich werde nie verstehen, wie die Leute ohne Not das Narkoserisiko auf sich nehmen und das Risiko, daß sie „verschnitten“ werden, Nerven und Blutbahnen gefährdet werden, Entzündungen auftreten können. Das gleiche gilt fürs Piercing. Es ist wirklich erstaunlich, was die Menschen alles auf sich nehmen, nur um weniger zu fühlen! Freiwillig Selbstverantwortung von sich weisen, indem sie sich selbst die Stigmen der Sklaven verpassen! (Nichts anderes ist die Bedeutung der Beschneidung: „Siehe, Herr, ich bin Dein Sklave!“)

Merkwürdigerweise muß ich in diesem Zusammenhang jetzt an das Holocaust-Denkmal in Berlin denken. Man will der Opfer gedenken, aber durch die vollkommen beliebige Abstraktheit des Denkmals wird jedes Gefühl abgetötet. Hätte man mir den Auftrag für ein solches Mahnmal gegeben, hätte ich die lebensgroße und photo-realistische Bronzestatue eines weinenden Kindes auf eine mit NATO-Draht eingezäunte riesige Fläche gestellt, die niemals mehr betreten werden darf. Nur einmal im Jahr, darf ein jüdischer Kantor die Fläche betreten und ein jüdisches Klagelied singen. Stattdessen vollkommen sinnleere Steinquader, die alles und nichts bedeuten können. Einfach lächerlich – da kontaktlos. Es wird alles getan, damit die Leute nichts fühlen! So, wie es geplant ist, ist das Holocaust-Denkmal nichts weiter als ein „Piercing der Deutschen Nation“, eine sadomasochistische Aktion und eine grausige Verhöhnuung der Opfer.

Ich lese gerade mit absoluter Begeisterung folgendes feministisches Geschichts-Buch: Doris Wolf: Was war vor den Pharaonen? Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens, Zürich: Kreuz Verlag, 1994. Ich hoffe, daß es noch zu kaufen ist, denn es ist sozusagen der deutsche DeMeo: exakt die gleichen Ergebnisse. Der einzige Unterschied ist, daß ausschließlich die Indo-Arier aus dem Kaukasus und dem heutigen Kasachstan die Bösewichter sind, während die Semiten Opfer sind. Ansonsten vollkommen d`accord mit DeMeo.

Gerade bin ich über eine Stelle gestolpert, wo dargestellt wird, wie die Erzengel Gabriel und Michael auf den ersten indoarischen Eroberer Mesopotamiens und seinen Sohn zurückgeführt werden können, die die teuflische Schlange Tiamat töteten: die semitische Urmutter und die semitischen „Untermenschen“. Die Erzengel verkörpern also unsere absoluten Todfeinde: es ist, als würde sich die verpeilten Erzengel-Fans auf Hitler und Himmler berufen und zu ihnen beten!

Schaue Dir ein beliebiges religiöses Erzengel-Bild an: ein Held erlegt einen Schlangen-Drachen. Die Schlange ist die kosmische Orgonenergie und Genitalität. Sie wird ermordet. xyz ordnet die Mörder in die „spirituelle Orgonomie“ ein und Peter hängt über der Kloschüssel, um zu kotzen.

Wolfs Ausführungen haben wieder meinem alten Verdacht neue Nahrung gegeben, daß Saharasia mit dem „arischen“ Großreich Persiens begann, das Ägypten, Griechenland, Europa, China, Indien und Arabien eroberte. Der Befreiungskampf hat dann Saharasia weiter verbreitet. Beispiele sind der semitische Islam, der von Mekka aus, das gesamte Kernland des besagten Großreichs eroberte und die Mongolen und Türken, die es von der anderen Seite in die Zange nahmen und dabei wiederum das islamische Großreich zerstörten. DeMeo schreibt, daß die kommunistischen Diktaturen in Rußland und China ein Aufbäumen gegen das zentralasiatische Saharasia waren (Reich beschreibt einen Teil dieses Kampfes in Die sexuelle Revolution) – und dabei selbst aktiv Saharasia ausgebreitet haben. ähnliches läßt sich sicherlich über den deutschen Nationalsozialismus und den amerikanischen Imperialismus sagen oder etwa über die Kreuzzüge.

Ich glaube, daß ganze ist nicht viel älter als 2000 Jahre. Davor haben wir eine hochstehende ungepanzerte Zivilisation weltweit. Etwa so: Matriarchat – arische Nomaden fallen in den Iran und Mesopotamien ein, errichten ein Großreich, das die ganze Erde infiziert – daraus entwickelt sich Byzans, das von den Arabern angegriffen wird, die zweite, sekundäre Welle Saharasias – das islamische Großreich wird dann von den Mongolen zerstört, die wiederum durch „Byzanz“, also Moskau unterworfen werden, etc. Hätte es nicht die Engländer und Franzosen gegeben, hätte Moskau im 19. Jahrhundert das Osmanische Reich, Iran, Indien und China unterworfen und wir hätten wieder das alte arische Großreich.

Der Begriff „Saharasia“ ist etwas fehlleitend, denn die Sahara spielt als Ursprungsort „Saharasias“ kaum eine Rolle. DeMeo (und etwa Doris Wolf) stellt selbst dar, daß die patristischen Eroberer aus Asien in die Sahara eindrangen. Es waren die indoarischen Kurgan-Völker, die zwischen der Krim und dem Aralsee nördlich des Kaukasus lagen, dort als erste die Pferde domestizierten, Eisenwaffen herstellten und als „Argonauten“ das Schwarze Meer befuhren. Wie Cortez in Mexiko fielen sie dergestalt als schwerbewaffnete Herrenreiter über das klimatisch geschwächte kulturell hochstehende Saharasia her: als Mykener in Griechenland, Horus-Anhänger in Ägypten (RA), weiße Oberschicht zwischen Palästina und dem Iran (Mith-RA), als „Arier“ in Indien (Ind-RA). Den Rest beschreibt DeMeo. Problem ist nur, daß das Gebiet um Wolgograd (das frühere Stalingrad), also das Ursprungsgebiet der Arier, nicht gerade im Zentrum Saharasias liegt und hier kaum DeMeos Erklärung des Ursprungs der Panzerung hinpaßt

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 5. Orgonomie und Religion (Teil 2)

22. Juni 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 5. Orgonomie und Religion (Teil 2)

Die Emotionelle Pest gedeiht auf der Unwissenheit und Verwirrung der Öffentlichkeit

16. Juni 2022

Der Griff der Emotionellen Pest nach unseren Kindern.

Die Emotionelle Pest gedeiht auf der Unwissenheit und Verwirrung der Öffentlichkeit

Dr. Batkis und Dr. Reich (Teil 3)

2. Juni 2022

Die Sexualrevolution in Rußland (Ende)

Die Gesetzgebung mischt sich […] nie in ein sexuelles Verhältnis, solange dasselbe sich zwischen zwei erwachsenen Personen ohne irgendwelche Zwangserscheinungen abspielt. Die Art sexueller Betätigungen eines solchen Verhältnisses sind Privatangelegenheit der betreffenden Personen. Die Frage der öffentlichen Sittlichkeit existiert für die Gesetzgebung in dem Falle nicht.

Gegenüber dem Homosexualismus, der Sodomie und irgendwelcher anderen Formen der sexuellen Befriedigung, die von den europäischen Gesetzgebungen als öffentliches Vergehen gegen die Sittlichkeit hingestellt werden, verhält sich die Sowjet-Gesetzgebung genau so wie zu dem sogenannten „natürlichen“ Verkehr. Alle Formen des Verkehrs sind Privatangelegenheit. Die Frage der kriminellen Verfolgung taucht erst bei Anwendung von Gewalt und Zwang, wie überhaupt bei einem Übergriff oder Schädigung der Interessen des Anderen auf.

In diesen Grundzügen bewegte sich die Revolution auf dem Gebiete des Sexualismus.

Diese revolutionäre Gesetzgebung ist ein Spiegelbild der sexuellen Revolution, wie sie im lebendigen Leben vor sich ging.

Die Feinde der jungen Gesellschaft haben Märchen über die wilde freie Liebe, Sozialisierung der Frau und ähnlichen Unsinn erfunden und über die ganze Welt verbreitet. Man sieht nach all dem, was hier gesagt worden ist, wie dumm und geschmacklos jene sensationellen Nachrichten waren. Die Beobachtung des alltäglichen Lebens lehrt uns das gerade Gegenteil davon.

Es wurde schon vorhin gesagt, daß die ehelichen Verbindungen eine innere Festigung erfahren haben, es wäre nun hier passend, auch etwas über das Geschlechtsleben der heranwachsenden Generation zu berichten.

Unmittelbar nach den großen revolutionären Erschütterungen, die Sowjetrußland durchgelebt hat, vermeinte man das Sexualleben der Jugend für besonders besorgniserregend. Man hatte noch frisch in Erinnerung die bittere Erfahrung, den vollkommenen Mischmasch in Hinsicht auf das sexuelle Sich-Ausleben bei der städtischen und besonders bei der sogenannten intelligenten Jugend im Jahre 1905, in der Zeit der wiedereinsetzenden Reaktion.

Die pornographische Literatur, wie Arzibaschews Szanin, sexuelle Kreise und Verbände, in denen man sich dem Sexualismus restlos hingab, dies alles füllte das Leben der Intelligenz und insbesondere der Jugend jener reaktionären Zeit aus.

Und wie sah es in Rußland in der Periode der 0ktober-Revolution und des darauffolgenden Bürgerkrieges aus? Wie stand es denn mit der russischen Jugend in der Zeit des Überganges zum friedlichen Aufbau?

Das Moment der Erotik, des Sexualismus spielte während der Revolution nur eine untergeordnete Rolle, da die Jugend sich von der revolutionären Stimmung vollkommen hinreißen ließ und nur für die großen Ideen lebte. Als aber die ruhigen Zeiten des Aufbaus kamen, befürchtete man, daß die Jugend nun abgekühlt und nüchtern den Weg der unbegrenzten Erotik wie im Jahre 1905 gehen würde.

Dies traf aber nicht zu. Die brennende Arbeit an der Organisation des öffentlichen und privaten Lebens ward zur geistigen Nahrung der Jugend und füllte besonders die weibliche Jugend aus.

Ich behaupte auf Grund der Erfahrungen in Sowjet-Rußland, daß die Frau, da sie die soziale Befreiung erlebt und mit der öffentlichen sozialen Arbeit sich vertraut machte, also in dieser Übergangszeit vom bloßen Weib zum Menschen, eine .gewisse sexuelle Erkaltung erlebte. Das Geschlechtliche ist in ihr, wenn auch nur für eine Zeit, verdrängt.

Nunmehr ist von großer Bedeutung die geschlechtliche Aufklärung, die sexuelle Erziehung der Jugend. Die Schaffung neuer Sitten, eines neuen Lebens beginnt immer mit der Erziehung.

Die Probleme der Sexualpädagogik sind das Tagesgespräch in Sowjet-Rußland, und in der allernächsten Zukunft werden sie das Thema der lebhaftesten Diskussionen im allrussischen Kongreß sein.

Aufgabe der Sexualpädagogik in Rußland ist es, gesunde Menschen, Mitbürger der zukünftigen Gesellschaft in vollem Einklang zwischen den natürlichen Trieben und den großen sozialen Aufgaben, die ihrer harren, zu erziehen. Die Richtlinien dafür wären: Alles schöpferische, aufbauende, das in den natürlichen Trieben schlummert, zu fördern, aber zu beseitigen alles, was für die Entwicklung der Persönlichkeit des Mitglieds des Kollektivs schädlich werden könnte.

Die so erzeugte Gesellschaft wird die Gesellschaft der Harmonie und der Freude am Leben sein. – Heute hat sie schon die Liebe aus allen Fesseln der politischen und ökonomischen Bedrängnisse befreit. Die freie Liebe in Rußland ist nicht irgendein zügelloses wildes Sich-Ausleben, sondern die ideale Verbindung von zwei freien, in Unabhängigkeit sich liebenden Menschen.

Soweit Dr. Batkis Broschüre.

Die hier unterstrichenen Passagen zitiert Reich in Die sexuelle Revolution und schreibt dazu (Fischer TB, S. 185f):

Selbst der sonst klare Batkis blieb, richtig ansetzend, in Schlagworten stecken

Die Sexualität der Jugend wird als „Sexualismus“ bezeichnet. Das Sexualproblem ein „Moment der Erotik“. Man beruhigte sich damit, daß die Frauen eine gewisse Erkaltung erlebten, und daß sie „vom bloßen Weib“ zum „Menschen“ wurden; alles müßte beseitigt werden, was der Entwicklung der Persönlichkeit schädlich sein könnte (gemeint war natürlich die Sexualität), und man stellte das wilde zügellose Sichausleben der „idealen“ Verbindung von „zwei freien, in Unabhängigkeit sich liebenden Menschen“ entgegen. Die Masse hing in diesen Begriffen wie in Netzen. Sieht man sie näher an, so zeigt sich ihre vollkommene Leere bzw. ihre antisexuelle, also reaktionäre Tendenz. Was heißt „sich wild ausleben“? Ist damit gemeint, daß ein Mann und eine Frau in der Umarmung sich nicht ausleben dürfen? Und was ist „ideale Verbindung“? Ist die Verbindung dann ideal, wenn sie zur vollen „tierischen“ Hingabe fähig sind? Ja – aber dann sind sie doch wieder „wild“ ! Kurz und gut, es sind Worte, die, statt die Wirklichkeit des Geschlechtslebens zu erfassen und die Widersprüche, von denen es beherrscht ist, zu beseitigen, nur Wahrheiten verhüllen, um womöglich mit diesen peinlichen Sachen nicht in Berührung zu geraten.

Wo verfing sich hier das Denken? In der Nichtunterscheidung von krankhafter Sexualität der Jugend, die ihren kulturellen Aufgaben widersprach, und gesunder Sexualität, die die wichtigste physiologische Grundlage der sozialen Leistung ist; im Gegensatz von „Weib“ (= sinnlicher Frau) und „Mensch“ (= tätige, sublimierende Frau) statt im sexuellen Selbstbewußtwerden der Frau die psychische Grundlage ihrer revolutionären Emanzipation und Tätigkeit zu sehen; im Gegensatz von „Sichausleben“ und „idealer Verbindung“, statt in der Fähigkeit zu voller sexueller Hingabe an den geliebten Partner die sicherste Grundlage der kameradschaftlichen Beziehung zu sehen.

Der mystische Angriff der Linken auf den Obersten Gerichtshof

27. März 2022


Erzreaktionärer „Progressismus“.

Der mystische Angriff der Linken auf den Obersten Gerichtshof

Die innere Dynamik der antiautoritären Gesellschaft (Teil 5)

23. März 2022

Ein Problem der sozialen Orgonomie ist, daß der pestilente Charakter auf eine extreme Sexualpathologie, ein blockiertes Becken, zurückgeführt wird, doch gerade so ein Mensch wird praktisch nie den Weg zu einem Orgontherapeuten finden, wo das verifiziert werden könnte. Diese Schwierigkeit verweist auf die Anfänge der Orgonomie, als Reich in den frühen 1920er Jahren nach dem tatsächlichen Inhalt der sexuellen Aktivitäten seiner Patienten fragte. Die bloße Information, daß der Patient „Sex“ hatte oder masturbierte, war nahezu bedeutungslos, da sie nichts über sein subjektives Erleben aussagte. Was den pestilenten Charakter betrifft, kann man nur sagen, daß er als „Charakter“ eine funktionelle Einheit darstellt und man daher sein Sexualleben (über das wir nichts wissen) nicht von seinem destruktiven „Antiarbeitsleben“ (über das wir alles wissen) trennen kann.

Zumindest tendenziell ändert sich das gerade in der antiautoritären Gesellschaft, in der „das Persönliche politisch wird“ und entsprechend zunehmend auch die Sexualität zur Schau gestellt wird, – während umgekehrt das Arbeitsleben a la Annalena Baerbock verschleiert wird. Perversion, etwa Transvestismus oder Homosexualität, wird geradezu zum Markenzeichen eines aufstrebenden Politikers. Orgastisch Impotenz wird zu dem Qualitätsmerkmal der antiautoritären Pseudoautorität. Man betrachte nur das Kabinett des offen pädophilen Biden.

Paul Mathews: Besprechung REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz

7. März 2022

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Besprechung REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz

Paul Mathews: Besprechung THE CASE AGAINST PORNOGRAPHY von David Holbrook

27. Februar 2022

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Besprechung THE CASE AGAINST PORNOGRAPHY von David Holbrook

Blogeinträge Juni-August 2017

25. Februar 2022

Blogeinträge Juni-August 2017

Orgonomie und Metaphysik (Teil 29)

2. Februar 2022

Es liegt ein untergründiger Parallelismus vor zwischen Charles Kelley und Richard Blasband, beides Randerscheinungen auf Orgonon der 1950er Jahre. Und beide endeten mit dem Diktum: „Es gibt mehr als Sex.“

Dazu ist zunächst zu sagen, daß dies natürlich auch Reich in Christusmord gesagt hat („mehr als bloßes Ficken“), andererseits hat Reich natürlich über die Mystifizierung der genitalen Christus-Energie geschrieben, wie es sich in der christlichen Kunst zeigt. Ich erinnere auch an den hinduistischen Hare Krishna-Kitsch, wo Krishna (Christus) mit den Milchmädchen spielt, „Gopis“, die die Seelen verkörpern. Hier wird die religiöse Ekstase direkt im Bild der genitalen Umarmung gefaßt. Die Religiösen sagen, dies zeige, daß sie doch gar nicht so sexualfeindlich seien, während Reich sagt, daß alle Irrationalität transformierte Sexualität ist und alles Rationale befriedigter Sexualität entspricht – also absolut asexuell ist.

Es ist aber unbestritten, daß, wie allein schon der Begriff „Orgon“ zeigt, in der Orgonomie (ursprünglich „Sexualökonomie“!) alles auf den Sexus gründet und etwa die Orgontherapie richtigerweise „Orgasmustherapie“ heißen müßte. Kelley und Blasband wollten von dieser Ausschließlichkeit weg. Kelley indem er von „Feeling and Purpose“ sprach. Also in der Therapie sollte es nicht nur um Emotionen bzw. deren Befreiung gehen, sondern vor allem auch um Zielstrebigkeit. Das entspricht ungefähr dem, warum heutzutage junge Männer zur Fremdenlegion gehen: um ihre emotionalen Grenzen auszuloten und um Disziplin bzw. Selbstdisziplin zu lernen. Bei Blasband ging es entsprechend um die „zielgerichtete Intention“ mit der man die diversen „Energiekörper“ (die Schichten der Aura) beeinflussen kann.

Es ist in etwa so wie beim Qi Gong: die Funktion der Vorstellungskraft („der Geist“) ist der Weg zur Manipulation der Orgonenergie bzw. des „Qi“. Die von Koopman und Blasband vorgebrachte „unsterbliche Essenz“ ist nichts weiter als Ballast, ein unnützes mystisches „zusätzliches“, imgrunde tautologisches Konzept mit zweifelhafter funktioneller Bedeutung. Es ist nur die biophysikalische Orgonfunktion der Imagination, mit der Blasband und andere die Orgonenergie manipulieren.

Blasband und auch Kelley verwechseln schlicht die Folge mit der Ursache. Die gute Koordination des Organismus vermittelt das Gefühl psychischer Einheit (Soma –> Psyche). Nun kommt Blasband und erklärt die Folge der organismischen Koordination, nämlich die psychische Einheitsempfindung zur Ursache (Psyche –> Soma). Eine auf den Kopf gestellte Welt, die bereits Reich auf die Füße gestellt hatte.

In der Geschichte der Orgonomie sehe ich nur einen einzigen Anknüpfungspunkt zu der Welt von Kelley und Blasband, nämlich ausgerechnet Marx! Zurecht insistiert dieser darauf, daß Arbeit, die Grundlage unserer Existenz, nicht bloßes organismisches Roboten ist, sondern dieses erst zur Arbeit wird, wenn es zielgerichtet, intentional, einem Plan folgend ist. Allenfalls könnte man noch Freuds Überwindung des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip nennen.

Bereits Friedrich Albert Lange hat in seinem Buch über die Geschichte des Materialismus (übrigens Pflichtlektüre für jeden angehenden Orgonomen) über die berechtigte und notwendige Ergänzung des Materialismus geschrieben, denn der Materialismus allein könne die Realität nicht erklären. Dieser Neukantianer stimmte der materialistischen naturwissenschaftlichen Methode vollkommen zu, man dürfe darauf aber keine umfassende Weltanschauung bauen, da der Mensch nur immer Bruchstücke der Wirklichkeit erfassen könne. Insbesondere das Bewußtsein ließe sich nicht aus stofflichen Vorgängen erklären, obwohl es offensichtlich von diesen abhängig ist.

„Metaphysik“ erkannte Lange nur als Kinderspiel für Erwachsene, dichterischen Mythos und ideele Fiktion an, die nichtsdestoweniger eine zentrale Funktion hat. Das sieht man z.B. daran, daß im Glauben verankerte Menschen, wobei scheiß egal ist, woran sie glauben, weniger an Krebs erkranken als materialistische Atheisten. Und dem liegt auch die ganze Geistheilerei zugrunde: die funktionelle Bedeutung der Illusion. Man darf nur nicht vergessen, daß es Illusion ist.

Reich erinnert sich:

In der medizinischen Arbeit war ich Mechanist und gedanklich eher allzu systematisch. Von den vorklinischen Fächern interessierten mich am meisten die systematische und topographische Anatomie. Gehirn und Nervensystem beherrschte ich vollkommen. Die Kompliziertheit der Nervenbahnen und die sinnreiche Anordnung der Schaltstationen faszinierten mich. So sammelte ich viel mehr an Wissensstoff, als zum Rigorosum gefordert war. Aber gleichzeitig wurde ich von der Metaphysik gefesselt. Langes Geschichte des Materialismus gefiel mir, weil die Unabkömmlichkeit der idealistischen Philosophie über das Leben klar hervortrat. Manche Kollegen ärgerten sich über meine „Sprunghaftigkeit“ und „Denkinkonsequenz“. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 29)

Ganz ähnlich war Blasband. Charles Konia beschreibt ein Fallbeispiel, hinter dem sich niemand anderes verbirgt als Blasband. Ich paraphrasiere entsprechend: Im Gegensatz zum typischen impulsiven Charakter zeigte sich bei Blasband eine energische und charmante Führungspersönlichkeit der Orgonomie mit einer gewisse Arbeitsfähigkeit, solange er unter dem Leiter der Orgonomie, E.F. Baker, einer starken Autoritätsperson, arbeitete. Solange er unter Bakers Kontrolle stand, war er ein guter Soldat und führte seine Aufgaben einigermaßen gut durch, obwohl man das Gefühl hatte, daß er sie auf Befehl und nicht aus innerer Motivation heraus erledigte. Man hatte den Eindruck, daß er auf sich allein gestellt Schwierigkeiten gehabt hätte, bei seiner Arbeit Verantwortung zu übernehmen. Als Baker plötzlich starb, war Blasband gezwungen, die Verantwortung für den Arbeitsprozeß zu übernehmen. Zunächst machte er seine Sache recht gut, indem er sich an Bakers Vorbild orientierte. Nach und nach verschlechterte sich jedoch seine Arbeitsleistung (chronisches Erschöpfungssyndrom). Er verlor die Fokussierung und ließ sich zunächst heimlich, dann offen mit einem mystischen Heiler (Nikolai Levashov) ein. Seine Arbeitsfähigkeit verschlechterte sich weiter, und er brach seine Tätigkeit in der Orgonomie ab (The Emotional Plague, S. 304).

Blasband ein Triebhafter Charakter?! Ich finde, diese Diagnose macht schon Sinn, wenn man an sein Verhalten gegenüber Jerome Eden denkt, z.B. sein vollkommen unberechenbares und unverantwortliches Verhalten während der Rio Vista-Expedition; seine Beziehung zu dem pestilenten mystischen Psychopathen Trevor Constable; seine merkwürdige Besprechung eines Buches über Otto Fenichel, wo er den Modju Fenichel als Märtyrer einer guten, rationalen Sache hinstellte (vollkommen irrsinnig!); seine vollkommen blödsinnige Bemerkung mir gegenüber von wegen alle Deutschen sollten schuldbewußt sein; seine pornographische Bemerkung als Guiseppe Cammarellas Frau bei der orgonomischen Konferenz in Nizza mit einem Mikro nicht zurechtkam; sein Ernstnehmen der abstrusesten Theorien, die Levashov präsentierte; sein unverantworliches Verhalten in bezug auf „Körpertherapeuten“ sowie dem profilneurotischen lunatic fringe der Orgonomie, das im krassesten Widerspruch zu dem stand, was er davor vertreten hatte (als er noch ein braver ACO-Soldat war); seine infantilen Allmachts- und Allwissensphantasien; seine Beliebtheit bei allen: der Charmeur, den jeder mag. Ich erinnere auch daran, wie Reich auf Blasband reagierte, als sie sich das erste Mal begegneten: „Auf sanfte Weise erzählte er (Reich) mir von meiner Impulsivität und ging ein wenig auf mein Verhalten ein“ („A Visit to Orgonon“ Journal of Orgonomy 21(2), November 1987, S. 242).

Vor der Orgonomie war es die Welt des Okkulten (es ist kein Zufall, daß er danach noch jahrelang an Constable klebte), dann hat er sich der Führerfigur Baker unterworfen; es ist kein Zufall, daß er den beiden Naiven Eden und Baker gefolgt ist und dem faschistischen Malteser-Ritterorden beitrat und später Mitglied von Levashovs okkulten Orden wurde, der mit mehreren anderen Galaxien und anderen Universen (sic!) in Kontakt steht. Es ist eine Sekte, schlimmer als Scientology!

Übrigens ist der Triebhafte Charakter prinzipiell unheilbar und ähnelt darin (wie auch in anderen Dingen) dem pestilenten Charakter. In vieler Hinsicht ähnelt Blasband Reichs Mitarbeiter Michael Silvert. Reich sagte einmal zu Morton Herskowitz auf die Frage, wie er denn solche Typen, solche „Kommunisten“ wie Silvert, um sich dulden könne: „Auch die Orgonomie braucht ihre Kommunisten!“. Und Silvert hat denn auch dort, wo er unter direkter Kontrolle stand, sehr gute Arbeit geleistet – die die anderen Orgonomen nicht geleistet haben. Ähnliches trifft auf Blasband zu. Die Orgonomie, d.h. Baker brauchte ihn einfach, weil mit den anderen Orgonomen nicht viel los war, was den naturwissenschaftlichen Bereich betrifft. Aber dort wo Blasband selbständig arbeitete, kam es über kurz oder lang genau wie bei Silvert zur Katastrophe.