LaMettrie und „Die Hochzeit des Figaro“. Programmheft und dazugehörige kurze Korrespondenz

Man übertrage das auf die Genitalität, die Gesundheit, wie sie von Reich, Ola Rakner und Elsworth F. Baker beschrieben wurde! Nur noch die ultrakranke Neurose ist akzeptabel! Leidbilder der Gesundheit sind des kapitalistischen, faschistischen, patriarchialischen, nationalistischen und rassistischen Teufels:
Ein Diplom-Psychologe schrieb im Juli 1979 in Warum! in einem Artikel über „Sexuelle Befreiung. Anleitungen, Spiele, Übungen“ über seine Lektüre in Sachen Sexualität:
Einige Bücher und Theorien haben mich sogar daran gehindert, freier zu werden. So beispielsweise die Beschreibung des idealen und gesunden Orgasmus nach Wilhelm Reich, wie ihn ein Mensch erlebt, der sich durch Therapie von seinen Muskelspannungen und psychischen Blockaden befreit hat. Nicht etwa, daß Wilhelm Reich nicht recht hätte. Wahrscheinlich wußte er wirklich, wovon er sprach. (…) So habe ich, wie viele Freunde und Bekannte von mir, im Schweiße meines Angesichts bioenergetische Übungen getrieben, um endlich den „totalen“ Orgasmus zu erleben. Ich will damit nicht sagen, daß solche Übungen nicht hilfreich sind – aber ich sehe die Gefahr, irgendeinem Idealbild von Sexualität nachzulaufen und darüber die Akzeptierung und Gestaltung der individuellen Sexualität, wie sie sich in einem selbst im Moment darstellt, zu vernachlässigen.
Seit Ende der 1960er Jahre, imgrunde seit Mitte der 1920er Jahre, ist eines der Hauptargumente gegen Reich, dieser mache aus der Genitalität einen „Fetisch“ und falle hinter Freuds aufklärerische Tat zurück. Freud habe gezeigt, daß die Genitalität nichts Ursprüngliches sei, sondern auf die Prägenitalität zurückgehe.
Charakteristischerweise verharren diese Argumente stets im inhaltsleeren Jargon. Soweit ich es überblicken kann, werden die Kritiker nie konkret. Wovon, um alles in der Welt, reden diese Herrschaften eigentlich?!
Man kann sich kaum intensiver mit Prägenitalität beschäftigen als Reich und seine Schüler! Elsworth Baker ist sogar so weit gegangen, eine bisher unbekannte „okulare“ Stufe noch vor der oralen Stufe zu postulieren. Die gesamte Charakteranalyse Reichs beruht geradezu auf dem Konzept der Prägenitalität!
Geht es den Kritikern vielleicht gar nicht so sehr um die psychotherapeutische Theorie und Praxis, sondern vielmehr um den Geschlechtsakt selbst? Stellen sich die Kritiker vor, es wäre im Sinne Reichs die geschlechtliche Erregung auf die Genitalien zu beschränken? Das wäre schlichtweg die Negation dessen, was sich Reich unter „Genitalität“ (orgastischer Potenz) vorgestellt hat! Oder glauben die Kritiker allen Ernstes, daß Reich die Ansicht vertreten habe, Küssen (Oralität) und Geruchserotik (Analität) dürften libidinös nicht besetzt sein und man es grundsätzlich nur im Finsteren in der Missionarsstellung machen dürfe, wenn man „genital“ sein wolle?
Oder geht es diesen Kritikern um die Verteidigung von Perversionen wie Sadomaso, Homosexualität und, – vielmehr fällt einem auch kaum spontan ein, ähh, – die lebenslange Beschränkung auf „Oralsex“? Was gäbe es da zu verteidigen, denn es ist allzu offensichtlich, daß es eine genuin „prägenitale Sexualität“ gar nicht gibt! Sadomaso ist nichts anderes als die Karikatur von genitaler Betätigung. Homosexuelle Paare tun nichts anderes als heterosexuelle Beziehungen nachzuspielen. Und alle Spielarten, die sich ein pornographischer Geist mit einiger Mühe auszudenken vermag, schöpfen ihre Energie ausschließlich aus der Genitalität.
Das Gerede von „Reichs Fetischisierung der Genitalität“ trägt nicht. Es ist eine sinnleere Folge von Lauten. Und es zeugt von der ganzen Irrationalität der Massen, die letztendlich auf deren Genitalangst zurückgeht, daß dieser Unsinn überhaupt in Erwägung gezogen wurde!
Manchmal drücken sich die Kritiker des Reichschen Fetischismus auch etwas verdeckter aus. Dann ist davon die Rede, Reich habe eine „idealistische Pseudonatur“ postuliert. Diese Kritik mag zwar hochintellektuell klingen, ist in Wirklichkeit aber dermaßen dumm… Ich meine, wer idealisiert hier eigentlich die Sexualität? Alle anderen Körperfunktionen haben einen ziemlich schmalen Bereich, in dem man von „gesundem Funktionieren“ sprechen würde. Das reicht von den unterschiedlichsten Reflexen bis zur Art des Gehens. Kann mir jemand erklären, warum es ausgerechnet im Bereich der Sexualität keine Pathologie geben soll?!
Und man komme mir nicht mit der welterschütternden Erkenntnis, daß die menschliche Sexualität nicht auf Biologie reduzierbar sei! Genau das ist nämlich das zentrale Argument Reichs und seiner Schüler. Genauso, wie sich bei ihnen alles um die Prägenitalität dreht, ist bei ihnen auch die Beeinflussung der schier unendlich formbaren Sexualität durch die Gesellschaft das alles überragende Thema.
Es ist vollständig sinnlos hier weiterargumentieren zu wollen, schlichtweg weil die psychophysiologische Forschung eindeutig zeigt, was gesunde und was ungesunde Sexualität ist.
Genitalität ist definiert, durch das harmonische Zusammengehen von Liebe und Sex, was einfach bedeutet, daß man mit, wie man so schön sagt, „Leib und Seele“ bei der Sache ist, es keinen Konflikt zwischen Zärtlichkeit und „Geilheit“ gibt und die Energie ungestört durch Ambivalenz frei fließen kann. Das gilt für sämtliche Formen der Liebe, sei dies nun die zwischen sehr guten Freunden oder den Eltern zu ihren Kindern mit dem einzigen Unterschied, daß der Drang zur genitalen Überlagerung (die besagte „Geilheit“) vollständig abwesend und schlichtweg unvorstellbar ist. (Andere, sozusagen „nichtspezifische“ Formen der Überlagerung, d.h. der Drang nach Nähe, sind natürlich die Grundlage der Gesellschaft.)
Arbeit muß man vom bewußten „Dienst nach Vorschrift“, also dem unterschwelligen Streiken, auf der einen Seite und dem blinden „Roboten“, auf der anderen Seite unterscheiden. Seit Marx und Engels ist „Arbeit“ definiert als das Zusammengehen von „Hirn und Hand“. Arbeit ist weder bloßes Theoretisieren, noch bloßes Herumwerkeln, sondern sie folgt immer einem Plan, einer Blaupause. Man denke etwa an den Häuserbau. Je harmonischer diese beiden Funktionen auf allen Ebenen vom Architekten bis zum Klempner zusammengreifen, desto besser ist das Ergebnis. Das war das Geheimnis von Deutschlands wirtschaftlichem Erfolg und dem Gütesiegel „Made in Germany“.
Was schließlich das Wissen anbetrifft, geht wahres Wissen darauf zurück, in beide „orgonometrischen Richtungen“ denken zu können, also hin zum Gemeinsamen Funktionsprinzip (CFP) und weg von CFP hin zu den zahllosen Variationen. Das erstere entspricht weitgehend dem kurzschlußartigen Mystizismus (alles wird unvermittelt auf einen „Urgrund“ bezogen) und dem heillos in den Myriaden Variationen sich verzettelnden Mechanismus. Der Funktionalist kann sachbezogen denken und ist dergestalt immer „bei der Sache“ – genauso wie in der Liebe und der Arbeit.
Über die Verzerrung von Liebe, Arbeit und Wissen hat Charles Konia geschrieben:
Die Liebe verwandelt sich [durch die sekundäre Schicht des Charakters] in alle möglichen Formen von prägenitaler Sexualität. Arbeit wird verdreht zur „üblichen Politik“, zentralistischen Regierung, Korruption in der Wirtschaft, Gier, dem Streben nach und der Ausübung von Macht über andere usw. Wissen wird degradiert zu Information, Daten und mechano-mystischem Denken in den Naturwissenschaften, im Individuum und in der Gesellschaft usw. (Clueless, S. 85)
Ziel muß sein, diese unheilvollen Verzerrungen, die unser Leben in einen nihilistischen Alptraum verwandeln, in der Gesellschaft (Kampf gegen die mechanistische Linke und die mystische Rechte, für Demokratie und Vernunft) und im Einzelnen (eine lebenspositive Erziehung der Kinder) aufzuheben. Am Ende stünde die Arbeitsdemokratie: Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens, sie sollten es auch bestimmen.
Ich habe Saharasia zuende gelesen und bin restlos begeistert! Ich bin bereit dieses Buch gegen jeden Einwand zu verteidigen. Selbst gegen meine eigenen Einwände – da die Sache so ungemein richtig und wichtig ist. Ich finde es nur schade, daß DeMeo nicht aufs ganze geht und die Bakersche soziopolitische Charakterologie einbaut, etwa durch ein Schlußkapitel wie: „Europe vs. Saharasia: The Miscarried Biosocial Revolution: The Enlightenment, Modern Liberalism and the Spread of Communism“. Stattdessen bekämpft er sie (Bakers Nosologie) in Nach Reich. Und dann muß ich doch glatt von DeMeo solch einen Mist lesen: „Regarding the Soviet Union, established in the wake of the Russian Revolution, its early period of existence under Stalin’s dictatorship was no less bloody than prior Central Asian states, largely because Soviet armoring and patrism was not touched or changed by the communist revolution“ (S. 343). So als wenn die Revolution etwas genuin „matristisches“ Gewesen sei, was früh gescheitert ist, und nicht Saharasia in neuen Kleidern; Bakers modern liberalism.
Angesichts meiner Lektüre des ethnologischen Buches Frauenmacht ohne Herrschaft über geschlechtsegalitäre Gesellschaften möchte ich vielleicht doch noch was einwenden: DeMeo benutzt (gezwungenermaßen) die ethnologischen Daten für seine Weltkarten, so als handele es sich um physikalische Meßergebnisse. Dem ist natürlich nicht so, vielmehr sind sie natürlich alle durch die Vorurteile der Feldforscher geprägt. Es ist nur die Frage, in welche Richtung dieser systematische Fehler geht: die fast durchweg männlichen und teilweise sogar missionarisch-christlichen Feldforscher werden wohl die matristischen Anteile verkannt haben (so hat selbst Malinowski die sozioökonomische Stellung der Trobriandischen Frauen unterschätzt). Für die Saharasiatheorie bedeutet dies, daß ein Großteil der „grauen“ Bereiche wohl eher „weiß“ sind – was die Saharasiatheorie noch eindeutiger macht.
In seiner Diskussion von „Saharasia Today“ beschreibt DeMeo sehr schön die sexualökonomisch horriblen Zustände in der arabischen Welt. Doch über das entscheidende Problem, das etwa auch dies Aufkommen des Faschismus in den 20er und 30er Jahren oder die gegenwärtige reaktionäre Wende in den USA erklärt, kein Wort. Kein Wort über die Schere zwischen gutgemeinten aber kontaktlosen Reformen, wie die des Schahs in Persien, und der biophysischen Struktur der Menschen. Typischerweise preist DeMeo die Reformer. Was haben diese „Westler“ erzeugt: den Islamismus. Jeder Versuch Saharasia aufzulösen, endet in einer Verschärfung Saharasias. Was tun? Zumindest nicht die Sozialreformer preisen, wie DeMeo es tut, sondern auf die Traditionen setzen und ihre langsame organische Veränderung.
Die antisexuelle Reaktion steht heute Links! Übrigens wird das wahre Problem normalerweise nirgends erwähnt: daß (wie mir persönlich von Betroffenen erzählt wurde) Mädchen und Frauen tatsächlich belästigt werden – und zwar von türkischen Jugendlichen. Ein Resultat jener Geschlechtertrennung, die die Linken auch in diesem Land durchsetzen wollen. In Saudi-Arabien geht das so weit, daß selbst einzelne Männer belästigt werden. Neulich las ich in einem Tatsachenbericht, daß eine Frau, die an einer saudiarabischen Strandpromenade joggen wollte, ständig angemacht wurde. Also bat sie ihren Fahrer, vor ihr her zu joggen. Schockiert stellten sie fest, daß jetzt zusätzlich auch er, von saudischen Männern angemacht wurde.
Ich lese gerade ein Buch, das ich seit 10 Jahren lesen wollte: Norman Lewis: Die Missionare. Über die Vernichtung anderer Kulturen. Ein Augenzeugenbericht, Stuttgart: Klett-Cotta, 1991. Über die weltweite Verschwörung von US-Fundamentalisten, die über matriarchale Stämme herfallen, um ihnen Jesus und den Tod zu bringen. Wirklich die perfekte Ergänzung zu DeMeos Saharasia, auch wenn die Lektüre wirklich kaum zum aushalten ist: Christen.
Weibliche Sexualität: Spontan fällt mir da dieser Widerspruch auf, zwischen der klitoralen Fixierung der „neuen Frau“ und der gegenwärtigen Tatoo-, Narben- und Beringungsmanie. Das letztere ist aus der zentralasiatisch-saharasischen Zucht von Rindern und Pferden hervorgegangen: das Vieh wird vom Besitzer gekennzeichnet und die Vagina der Stuten wird in der Pferdezucht vernäht, um die Zucht zu kontrollieren – das gleiche haben dann die „arischen“ Eroberer Ägyptens mit den schwarzen Ureinwohnerinnen gemacht (Reste findet man noch im heutigen Nord-Süd-Konflikt im Sudan). Was hat das nun mit der „neuen Frau“ zu tun?
Sado-Masochismus: die Verweigerung der Hingabe („Ich bin doch kein Tier! Kein dahinschmelzender, sich vollkommen hingebender Plasmasack, sondern eine selbstbewußte, eine sich selbst BEWUSSTE Frau!“) wird kontrakariert mit dieser extremen Selbsterniedrigung zu einem gebrandmarkten und beringten Stück Vieh („Fick mich!“): Die weibliche Biologie muß doch irgendwie durchbrechen: als man im 19. Jahrhundert die weibliche Sexualität schlechtweg leugnete, waren es die hysterischen Ohnmachts-, d.h. Hingabeanfälle – und heute, wo aus der Frau ein kastrierter Mann ohne eigene (also vaginale) Sexualität gemacht wurde, ist es eine stark masochistisch gefärbte „viehische“ Hysterie.
Irenäus Eibl-Eibesfeldt (Die Biologie des menschlichen Verhaltens, München 1984, S. 317) erwähnt bezüglich des vaginalen Orgasmus die Arbeit von Grafenberg („G-Punkt“) aus den vierziger Jahren – der soll nun ja nach dem Spiegel-Aufsatz auch ein klitoraler sein. Eibl-Eibesfeldt fährt jedoch fort: „Aber auch die Reizung von Cervix bzw. Uterus scheint beim Zustandekommen des vaginalen Orgasmus eine Rolle zu spielen. L. Clark (1970) berichtet von mehreren Frauen, die nach totaler Hysterectomie den Geschlechtsverkehr nicht mehr genossen, weil diese Reizung wegfiel.“ Eibl-Eibesfeldt fährt fort: „Viele Frauen unterscheiden die beiden Formen des Orgasmus deutlich voneinander. Vielleicht handelt es sich beim vaginalen Orgasmus um die ältere Form. Die Reizung der Clitoris erfolgt ja im wesentlichen nur dann, wenn die Partner mit ihrer Vorderseite zueinander orientiert sind. Das ist aber sicher die stammesgeschichtlich jüngere Paarungsstellung.“
DeMeo schreibt in Saharasia ebenfalls ausführlich über die Hysterektomie – die er mit dem Beschneiden und Zunähen der Frauen in Afrika gleichsetzt. Ich setze ebenfalls gleich: die merkwürdige weibliche Begeisterung für die Hysterektomie, von der xyz berichtet, und die Selbstverstümmelung der „neuen Frau“.
Es ist die Angst vor Kontrollverlust, die Angst sich auszuliefern an einen zuckenden Hohl-Muskel. Daher auch die Magersucht und die merkwürdige Verneinung des Weiblichen, die immer wieder in der Mode für Frauen durchbricht. Letztendlich hängt dies alles auch mit der Angst vor dem vaginalen Blut zusammen, das aus dem Uterus kommt: die Angst vor der Auflösung: Orgasmus = Todesangst. Daher auch die Geschichten über Kindes- und Menschenopfer, die immer wieder matriarchalen Gesellschaften angedichtet werden. Es ist eine Todesangst vor dem Satan – vor Seth – vor Isis – vor der Frau, die soweit geht, daß sich die Frauen selbst nicht akzeptieren können. Es ist die Angst vor dem orgonotischen „Kurzschluß“ zwischen der Eichel (die durch die Beschneidung unempfindlich gemacht wird) und dem Uterus (weshalb ich auch die Begeisterung der Orgonomen für das Diaphragma nicht nachvollziehen kann).
Kurioserweise arrangieren sich „konservative“ Frauen weit besser mit diesem „devil inside“, einfach weil sie bioenergetisch weit besser verankert sind – und den Ehesegen Gottes haben. „Progressive“ Frauen aber, die sich doch an sich von „Saharasia“ emanzipiert haben, sind dieser Angst haltlos ausgeliefert – sie flüchten erst recht vor der vaginalen Sexualität und ihre sexuelle Befreiung äußert sich dann weitaus „saharasischer“ als bei ihrer gesitteten konservativen Schwester.
Bei der Lektüre von Saharasia flippe ich immer hin und her, man nehme etwa die Makkabäer: der Makkabäer-Aufstand siegte 161 v.Chr. gegen die hellenistische seleukidisch-syrische Herrschaft; er hatte nichts mit irgendwelchen Römern zu tun. Und nun steht in Saharasia auf S. 275 etwas über die „Maccabees rebellion of 167 BCE (sic!) wherein Judea became independent from Rome (sic!)“. Ganz im Gegenteil waren die Juden damals verbündete der Römer gegen die Seleukiden. Das macht DeMeos Anmerkung geradezu komisch. Ein gefundenes Fressen für die Feinde DeMeos. – Übrigens verwundert mich, daß DeMeo praktisch ganz den hellenistischen Einfluß auf den Nahen Osten unterschlägt.
Überhaupt hat DeMeos Lektor, also seine Frau, schlecht gearbeitet.
Hier noch vier Überlegungen zur Saharasia-Theorie:
1. In Ländern wie China und Indien ist Nacktheit und Sexualität in Filmen Tabu, Gewalt jedoch nicht: deshalb kommt Nacktheit und Sexualität nur in Gewaltszenen vor, die die Zensur anstandslos durchgehen läßt. Selbst in Amerika lassen sich „Sex-Szenen“ á la Basic Instinct nur via Gewalt in Filme einbauen, die auch Jugendliche sehen dürfen. Das ist symptomatisch für eine gesellschaftliche Vergewaltigungsmentalität: Angst der Männer vor der autonomen Sexualität der Frauen und Angst der Frauen vor der Autonomie („Ich bin ja nicht verantwortlich!“).
2. Interessant wäre auch eine geographische Aufschlüsselung des Kindesmißbrauchs. Ich glaube, man wird feststellen, daß die Päderastie genau dort häufig sein wird, wo auch die Homosexualität groß ist: in Saharasia. Interessanterweise waren im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts „Päderastie“ und „Homosexualität“ vollkommen synonyme Begriffe. Was ziemlich interessant hinsichtlich der jetzigen Diskussion über sexuellen Kindesmißbrauch ist. Wer behauptet, daß Homosexualität keine Krankheit ist, muß folgerichtig auch die Päderastie akzeptieren – und vernünftigerweise seinen eigenen Sohn zur Verfügung stellen! Sicherlich wird mir die Psychiatrie nicht zustimmen, aber ich bin trotzdem davon überzeugt, daß ausnahmslos jeder Homosexuelle ein Päderast ist. Wenn nicht im Leben, dann doch in der Phantasie. Historisch war das jedenfalls stets so, etwa bei den Griechen: ein älterer Mann und ein Jüngling bzw. Knabe.
Übrigens kann man so Liberale fertigmachen: wenn sie A (Homosexuelle) sagen, sollen sie gefälligst auch B (Kinderficker) sagen! Das haben Konservative auf der einen Seite und Kommunisten (etwa Lenin) auf der anderen Seite an den Liberalen immer so verachtet: das sie eine Sache nie zuende denken, nie die Konsequenzen ziehen.
Aber zurück zu Saharasia: nicht ohne Grund hat Nietzsche in Italien gelebt, denn da gab es wie selbstverständlich die kleinen Jungs – wie im übrigen Mittelmeerraum. Heute ist Marokko der Geheimtip. Dort wird nur die genitale heterosexuelle Sexualität der Jugendlichen erbarmungslos verfolgt.
3. Was meine Sache mit den Linksalternativen und Saharasia betrifft: mir wurde von einem Uni-Seminar berichtet, wo der Dozent ganz Herbert Marcuseisch für Cannabis & Co. warb und als glühendes Beispiel die saharasiatischen Länder ausmalte, wo die Menschen dank dieser Drogen friedlich und entspannt seien und nicht so alkoholisch-aggressiv wie im nördlichen Europa. DeMeo hat Haschisch eindeutig mit den patristischen Mörder-Nomaden Zentralasiens in Zusammenhang gebracht (z.B. S. 252).
4. Eine Soziologie-Professorin aus Münster argumentiert vollkommen sexualökonomisch: „Laut neueren ethnologischen und historischen Untersuchungen setzt das Patriarchat mit der männlichen Kontrolle über die Gebärfähigkeit und Sexualität der Frauen ein. Abwertung der weiblichen Sexualität, Aneignung der Kinder durch die Väter und Vergewaltigungen erscheinen als Symptome bei der Diagnose von Männerherrschaft“ (Ilse Lenz/Ute Luig (Hg.): Frauenmacht ohne Herrschaft. Geschlechtsverhältnisse in nichtpatriarchalischen Gesellschaften, Berlin: Orlanda Frauenverlag, 1990, S. 66).
Uns wurden etwa die Buschmänner der Kalahari stets als eher patriarchalisch vorgestellt, was auch mich hinsichtlich der Saharasia-Theorie etwas durcheinandergebracht hat. Aber eine genauere ethnologische Analyse zeigt das Gegenteil oder allein schon, wenn man die obigen Kriterien von Ilse Lenz heranzieht.
Die Saharasia-Theorie ist durch und durch stimmig – und gerade die neueren und neusten Forschungsergebnisse unterstützen dies immer mehr. Man vergleiche etwa, den Stand der Forschung zu Freuds und selbst noch zu Reichs Zeiten mit der heutigen Lehrmeinung.
Was mir beim Studium ethnologischer Literatur, etwa Malinowskis immer wieder aufgefallen ist, ist, wie modern und westlich und vollständig anti-Erich-Fromm-isch doch die Lebenseinstellung der matriarchalen Völker ist, etwa bei den Büschmännern: „Dem aktiven, erfolgreichen und fürsorglichen Jäger entspricht die begehrenswerte und selbstbewußte Frau“ (Lenz/Luig: S. 101).
Es stimmt auch nicht, daß diese Völker keinen „Stirnerschen“ Individualismus kennen. Etwa die Hadza, ein kleines Jägervolk im nördlichen Tansania, sind extreme Individualisten, bei denen es kaum einen Gruppendruck gibt. „Die Hadza haben viele Ähnlichkeiten mit den San [den Buschmännern], obwohl bei ihnen eine stärkere Tendenz zur Anarchie besteht. Ihr schon fast extremer Individualismus basiert auf einer territorialen und sozialen Organisation, die durch größtmögliche Offenheit und Freizügigkeit gekennzeichnet ist“ (Lenz/Luig: S. 112).
Überhaupt sind diese Völker erstaunlich „westlich“: „Wegen [der] Freiheit von ökonomischen Zwängen haben die Hadza-Ehen durchaus Gemeinsamkeiten mit der bürgerlichen Vorstellung einer Liebesheirat. Diese Unabhängigkeit von materiellen Bindungen ist jedoch auch ein Grund für die Instabilität dieser Ehen, deren Scheidungsrate noch höher als bei den San zu sein scheint“ (Lenz/Luig: S. 118).
Übrigens kennen die Buschmänner auch die Orgonenergie. Sie nennen sie „Num“, das dem polynesischen Mana entspricht.
DeMeo behauptet wenn nicht explizit, so doch ganz eindeutig implizit, daß das ACO mit seiner Unterstützung der konservativen Weltanschauung in jeder Hinsicht rückschrittlich wäre und hinter Reich zurückfalle. DeMeo selbst aber vertritt abgestandene Uralt-Theorien. Als man Reich einmal über den Anarchisten Kropotkin ausfragte, der doch ganz „arbeitsdemokratische“ Lehren vertreten hätte, antwortete Reich: „Sie vergessen, daß die Zeiten sich ändern und daß die Wahrheit von gestern, die Lüge von heute ist“ (Ollendorff: Reich, S. 104). Reich hat sich weiterentwickelt, das ACO (dessen erste Generation sich fast durchweg aus ehemaligen Linken und gar Trotzkisten, etwa Prof. Bell, zusammensetzte) hat sich weiterentwickelt – nur DeMeo hängt nachwievor uralten linken Gedanken an. Zum Beispiel finde ich es schier unerträglich, wie von DeMeo hinsichtlich einer selbstregulatorischen Erziehung noch immer so argumentiert wird, wie Reich es in den 40er Jahren tat. Nicht, daß daran prinzipiell irgendetwas falsch wäre, aber die Verhältnisse haben sich wahrhaftig geändert und damit das, was wirklich wichtig ist. Heute ist weniger nackte Autorität das Problem, sondern Permissivität, emotionale Erpressung und ideologische („emanzipatorische“) Indoktrination von Kindern, die leer, zerrissen, desorganisiert sind und sich verzweifelt nach Autorität sehnen. Deshalb rebellieren sie, was mit noch mehr „emanzipatorischer“ Permissivität beantwortet wird, was die Kinder noch wütender macht, etc. Das wäre heute wichtig, aktuell, und würde den Lesern wehtun, sie treffen. Aber nein, DeMeo präsentiert die uralten Theorien, als hätte sich die Orgonomie in den letzten 40 Jahren nicht weiterentwickelt oder als würde er zu den konservativen Bewohnern eines anatolischen Bergdorfes reden.
Zum Beispiel klagt er an, daß die Orgonomen Anfang der 70er Jahre nicht Nixon, sondern „die Linken“ bekämpft hätten. Liest man die zeitgenössischen Berichte z.B. von Patricia Green über ihre praktischen Erfahrungen als Schulleiterin oder Koopmans Erfahrungen in der praktischen psychiatrischen Sozialarbeit sieht man, daß diese hochpolitische Nixon-Affäre in ihrer funktionellen Bedeutung zu nichts gerinnt angesichts einer Gesellschaft, die in einen „linken“ zerstörerischen Taumel geraten ist. DeMeo zeigt stets nur die eine Hälfte des Bildes – das in seiner Gesamtheit DeMeo widerlegen würde. Diese „verschleierte und verschleiernde“ Argumentationsweise ist typisch für DeMeo. Es kennzeichnet praktisch alles, was er von sich gibt. Zum Beispiel behauptet er auf S. 52 von Nach Reich Reich habe „sein Interesse an den Problemen der breiten Öffentlichkeit nie aufgegeben“ und rechtfertigt damit seine Argumentation, daß Reich bis zum Schluß imgrunde ein marxistischer Sozialist war. Gut, die eine Seite des Bildes stimmt, Reich war bis zum Schluß ein soziales Tier: aber praktisch alles (außer Jugendsexualität, Umweltschutz und Religion), wofür bzw. wogegen Reich am Ende kämpfte, entsprach einem strammen amerikanischen „Republikanismus“.
S. 42: Imgrunde behauptet DeMeo, die Orgonomen hätten Reichs gesellschaftspolitische Ideen verraten, indem sie z.B. sozialistische Ideen schlechtweg als „krank“ abqualifizierten. Man lese dazu jedoch Reichs Briefe an Neill oder nehme etwa folgende Erinnerung von Charles Kelley: „I met Reich in 1950. (…) I told Reich I was a socialist, and Reich looked at me with a kind of pity. He shook his head and said: ‚You don’t know how sick it is. You’ll find out“.
Wirklich lachen mußte ich aber, als DeMeo darauf hinwies, daß für die soziopolitische Haltung der Orgonomen keine „systematischen und wissenschaftlichen Grundlagen“ vorhanden sind. Offenbar haben grundsätzlich nur liberale und sozialistische Ideen eine „systematische und wissenschaftliche Grundlage“. Das haben ja auch immer die „Dialektischen Materialisten“ behauptet.
Übrigens kann man diese spezifische Charakterdeformation entgegen DeMeos arroganter Behauptung im Kulturvergleich durchaus „systematisch und wissenschaftlich“ feststellen (z.B. haben dies Humanethologen wie Hans Hass und Eibl-Eibesfeld getan), aber dies ist wegen der Natur der Sache nicht so einfach zu bewerkstelligen, wie die Saharasia-Untersuchung. Ich habe Hass‘ entsprechende Untersuchung kurz referiert. (Übrigens erwähne mal die Humanethologie und insbesondere Eibl-Eibesfeld in der Gruppe, die für Nach Reich verantwortlich ist. Ich garantiere, daß sie sofort abblocken, daß das alles Stockkonservative, wenn nicht sogar Nazis seien, etc.)