Posts Tagged ‘Geschlechtsverkehr’

Dr. Batkis und Dr. Reich (Teil 3)

2. Juni 2022

Die Sexualrevolution in Rußland (Ende)

Die Gesetzgebung mischt sich […] nie in ein sexuelles Verhältnis, solange dasselbe sich zwischen zwei erwachsenen Personen ohne irgendwelche Zwangserscheinungen abspielt. Die Art sexueller Betätigungen eines solchen Verhältnisses sind Privatangelegenheit der betreffenden Personen. Die Frage der öffentlichen Sittlichkeit existiert für die Gesetzgebung in dem Falle nicht.

Gegenüber dem Homosexualismus, der Sodomie und irgendwelcher anderen Formen der sexuellen Befriedigung, die von den europäischen Gesetzgebungen als öffentliches Vergehen gegen die Sittlichkeit hingestellt werden, verhält sich die Sowjet-Gesetzgebung genau so wie zu dem sogenannten „natürlichen“ Verkehr. Alle Formen des Verkehrs sind Privatangelegenheit. Die Frage der kriminellen Verfolgung taucht erst bei Anwendung von Gewalt und Zwang, wie überhaupt bei einem Übergriff oder Schädigung der Interessen des Anderen auf.

In diesen Grundzügen bewegte sich die Revolution auf dem Gebiete des Sexualismus.

Diese revolutionäre Gesetzgebung ist ein Spiegelbild der sexuellen Revolution, wie sie im lebendigen Leben vor sich ging.

Die Feinde der jungen Gesellschaft haben Märchen über die wilde freie Liebe, Sozialisierung der Frau und ähnlichen Unsinn erfunden und über die ganze Welt verbreitet. Man sieht nach all dem, was hier gesagt worden ist, wie dumm und geschmacklos jene sensationellen Nachrichten waren. Die Beobachtung des alltäglichen Lebens lehrt uns das gerade Gegenteil davon.

Es wurde schon vorhin gesagt, daß die ehelichen Verbindungen eine innere Festigung erfahren haben, es wäre nun hier passend, auch etwas über das Geschlechtsleben der heranwachsenden Generation zu berichten.

Unmittelbar nach den großen revolutionären Erschütterungen, die Sowjetrußland durchgelebt hat, vermeinte man das Sexualleben der Jugend für besonders besorgniserregend. Man hatte noch frisch in Erinnerung die bittere Erfahrung, den vollkommenen Mischmasch in Hinsicht auf das sexuelle Sich-Ausleben bei der städtischen und besonders bei der sogenannten intelligenten Jugend im Jahre 1905, in der Zeit der wiedereinsetzenden Reaktion.

Die pornographische Literatur, wie Arzibaschews Szanin, sexuelle Kreise und Verbände, in denen man sich dem Sexualismus restlos hingab, dies alles füllte das Leben der Intelligenz und insbesondere der Jugend jener reaktionären Zeit aus.

Und wie sah es in Rußland in der Periode der 0ktober-Revolution und des darauffolgenden Bürgerkrieges aus? Wie stand es denn mit der russischen Jugend in der Zeit des Überganges zum friedlichen Aufbau?

Das Moment der Erotik, des Sexualismus spielte während der Revolution nur eine untergeordnete Rolle, da die Jugend sich von der revolutionären Stimmung vollkommen hinreißen ließ und nur für die großen Ideen lebte. Als aber die ruhigen Zeiten des Aufbaus kamen, befürchtete man, daß die Jugend nun abgekühlt und nüchtern den Weg der unbegrenzten Erotik wie im Jahre 1905 gehen würde.

Dies traf aber nicht zu. Die brennende Arbeit an der Organisation des öffentlichen und privaten Lebens ward zur geistigen Nahrung der Jugend und füllte besonders die weibliche Jugend aus.

Ich behaupte auf Grund der Erfahrungen in Sowjet-Rußland, daß die Frau, da sie die soziale Befreiung erlebt und mit der öffentlichen sozialen Arbeit sich vertraut machte, also in dieser Übergangszeit vom bloßen Weib zum Menschen, eine .gewisse sexuelle Erkaltung erlebte. Das Geschlechtliche ist in ihr, wenn auch nur für eine Zeit, verdrängt.

Nunmehr ist von großer Bedeutung die geschlechtliche Aufklärung, die sexuelle Erziehung der Jugend. Die Schaffung neuer Sitten, eines neuen Lebens beginnt immer mit der Erziehung.

Die Probleme der Sexualpädagogik sind das Tagesgespräch in Sowjet-Rußland, und in der allernächsten Zukunft werden sie das Thema der lebhaftesten Diskussionen im allrussischen Kongreß sein.

Aufgabe der Sexualpädagogik in Rußland ist es, gesunde Menschen, Mitbürger der zukünftigen Gesellschaft in vollem Einklang zwischen den natürlichen Trieben und den großen sozialen Aufgaben, die ihrer harren, zu erziehen. Die Richtlinien dafür wären: Alles schöpferische, aufbauende, das in den natürlichen Trieben schlummert, zu fördern, aber zu beseitigen alles, was für die Entwicklung der Persönlichkeit des Mitglieds des Kollektivs schädlich werden könnte.

Die so erzeugte Gesellschaft wird die Gesellschaft der Harmonie und der Freude am Leben sein. – Heute hat sie schon die Liebe aus allen Fesseln der politischen und ökonomischen Bedrängnisse befreit. Die freie Liebe in Rußland ist nicht irgendein zügelloses wildes Sich-Ausleben, sondern die ideale Verbindung von zwei freien, in Unabhängigkeit sich liebenden Menschen.

Soweit Dr. Batkis Broschüre.

Die hier unterstrichenen Passagen zitiert Reich in Die sexuelle Revolution und schreibt dazu (Fischer TB, S. 185f):

Selbst der sonst klare Batkis blieb, richtig ansetzend, in Schlagworten stecken

Die Sexualität der Jugend wird als „Sexualismus“ bezeichnet. Das Sexualproblem ein „Moment der Erotik“. Man beruhigte sich damit, daß die Frauen eine gewisse Erkaltung erlebten, und daß sie „vom bloßen Weib“ zum „Menschen“ wurden; alles müßte beseitigt werden, was der Entwicklung der Persönlichkeit schädlich sein könnte (gemeint war natürlich die Sexualität), und man stellte das wilde zügellose Sichausleben der „idealen“ Verbindung von „zwei freien, in Unabhängigkeit sich liebenden Menschen“ entgegen. Die Masse hing in diesen Begriffen wie in Netzen. Sieht man sie näher an, so zeigt sich ihre vollkommene Leere bzw. ihre antisexuelle, also reaktionäre Tendenz. Was heißt „sich wild ausleben“? Ist damit gemeint, daß ein Mann und eine Frau in der Umarmung sich nicht ausleben dürfen? Und was ist „ideale Verbindung“? Ist die Verbindung dann ideal, wenn sie zur vollen „tierischen“ Hingabe fähig sind? Ja – aber dann sind sie doch wieder „wild“ ! Kurz und gut, es sind Worte, die, statt die Wirklichkeit des Geschlechtslebens zu erfassen und die Widersprüche, von denen es beherrscht ist, zu beseitigen, nur Wahrheiten verhüllen, um womöglich mit diesen peinlichen Sachen nicht in Berührung zu geraten.

Wo verfing sich hier das Denken? In der Nichtunterscheidung von krankhafter Sexualität der Jugend, die ihren kulturellen Aufgaben widersprach, und gesunder Sexualität, die die wichtigste physiologische Grundlage der sozialen Leistung ist; im Gegensatz von „Weib“ (= sinnlicher Frau) und „Mensch“ (= tätige, sublimierende Frau) statt im sexuellen Selbstbewußtwerden der Frau die psychische Grundlage ihrer revolutionären Emanzipation und Tätigkeit zu sehen; im Gegensatz von „Sichausleben“ und „idealer Verbindung“, statt in der Fähigkeit zu voller sexueller Hingabe an den geliebten Partner die sicherste Grundlage der kameradschaftlichen Beziehung zu sehen.

Orgonkultur (Teil 1)

16. Mai 2022

Was den eingedrungenen Wüstennomaden ihre „Religion“ („Der hat meine Religion beleidigt!“) ist ihren linksintellektuellen Willkommensklatschern die „Kultur“. Kaum einer wagt zu sagen, was offenkundig ist: daß die moderne Malerei, das moderne Theater und die moderne ernste Musik fast durchweg nichts anderes sind als minderwertiger Dreck. So sah jedenfalls Reich die Sache.

Die Hamburger Morgenpost rezensiert die Uraufführung eines zeitkritischen Theaterstücks Die Kontrakte des Kaufmanns von Elfriede Jelinek, die 2004 den Literatur-Nobelpreis erhalten hatte:

Die muntere Schauspielertruppe tat ihr Bestes, um das Publikum am Einschlafen zu hindern. Eisenstangen knallten auf die Bühne, Luftballons wurden zerstochen, und schließlich kletterte das Ensemble sogar über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Ganz ehrlich, man kann es schaffen bis zum Ende.

Was würde Reich über Jelinek und die masochistische „Kultur“-Schickeria sagen, die diesen entarteten Müll über sich ergehen läßt? Wahrscheinlich dasselbe, was er über Kafka gesagt hat. Als Myron Sharaf ein Kafka-Zitat für das Orgone Energy Bulletin benutzen wollte, protestierte Reich: „Er (Kafka) war ein Neurotiker und andere Neurotiker sammelten sich um ihn und machten ihn zu einem großen Helden“ (M.R. Sharaf: “Some Remarks of Reich (1949-1952)”, Journal of Orgonomy, Vol. 8, No. 1, May 1974).

Wirkliche Kunst entspricht „Löchern“ in der Panzerung, ist also in jedem Fall unneurotisch. Die nervende Kakophonie der Neurotiker, der sogenannten „Künstler“, die, statt sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen, uns ihre Alpträume ins Gesicht kotzen, trägt nur zur allgemeinen Verpanzerung bei, gebiert neue Verzweiflung; ist Niedertracht, Menschenverachtung, Emotionelle Pest und sonst nichts! Immerhin hatte Kafka die innere Größe, darum zu bitten, daß nach seinem Tod seine Manuskripte verbrannt werden – statt dessen machten sie ihn zum Helden….

Zur neurotischen Schriftstellerei siehe auch Wilhelm Reich, das Schreiben, meine Neurose und ich von Jan Decker.

Der Gegenpol zu Kafka, den Erzneurotiker, bildet der „Naturmystiker und Dichtermaler“ William Blake (1757-1827). Dazu das Bild „Venus und Anchises“ des viktorianischen Malers Sir William Blake Richmond (1842-1921), der von seinem Vater nach dessen Freund William Blake benannt worden war:

Hier sieht man, wie die Liebesgöttin in einen herbstlichen Wald tritt und neues Leben spendet. Sowohl Blake als auch der nach ihm benannte Maler waren im Christentum verankert gewesen, gleichzeitig ging es ihnen aber um den Zauber der Natur und um sinnliche Leidenschaft, die nicht im Widerstreit steht zu Gott und den Botschaften der Bibel. Für William Blake offenbarte sich Gott erst in der menschlichen Lebensfreude.

Blake war einer der seltsamsten und „fremdesten“ Menschen, die je gelebt haben. Von seinen Graphiken geht eine bezwingende Kraft aus, der man sich kaum entziehen kann. Seine Gedichte wirken, als wären sie von Wilhelm Reich inspiriert. Gewisserweise ist Blake Teil der Orgonomie.

In seiner Einführung in die Orgonometrie Before the Beginning of Time meint Jacob Meyerowitz, daß Blake der einzige Künstler gewesen sei, den man mit Fug und Recht als „genitalen Charakter“ beschreiben kann. Dies erkläre, warum uns, die wir gepanzert sind, sein Werk so fremdartig, geradezu „außerirdisch“ erscheine.

Tatsächlich wirken Blakes Werke auf den ersten Blick „mystisch“ und „verschroben“, doch offensichtlich war das seine einzige Möglichkeit, mit seinem Gefühlsleben umzugehen, das so radikal anders war als das seiner gepanzerten Umgebung. Genauso interpretiere ich das Wirken Jesu im zweiten Band von Der verdrängte Christus.

Tatsächlich ist es manchmal schwer zu sagen, ob man es mit Mystizismus (durch die Panzerung verzerrter Kontakt zum Kern) oder mit einem genuinen Kontakt mit dem bioenergetischen Kern zu tun hat. Das betrifft etwa den bekannten Schriftstelle Paulo Coelho, der mit seiner Weltsicht, die von einer „Weltseele“ bestimmt wird, sich geren als William Blake der Neuzeit stilisiert.

Am 15.8.03 berichtete das ZDF-Kulturmagazin Aspekte über das damals erschienene Buch Elf Minuten (die durchschnittliche Dauer des Geschlechtsakts) von Paulo Coelho. Es geht ohne „aufklärerischen“ Sozialkitsch um die Geschichte einer jungen Prostituierten, die nach der „Sprache des Körpers“ auch die „Sprache der Seele“ kennenlernt und so erfährt, was Erotik und Liebe wirklich ist.

Doch leider versteigt sich „der weltberühmte katholische Kulturalchimist“ gegenüber Aspekte:

Sexuelle Ekstase ist dasselbe wie mystische Ekstase. Wenn man Bücher von Mystikern liest wie der heiligen Theresia von Avila oder dem heiligen Johannes, die zu beschreiben versuchen, was religiöse Ekstase ist, dann liest man: „Ich verliere das Gefühl für diese Welt“ – und dasselbe geschieht beim Sex. Beim Orgasmus, wenn man in Ekstase gerät, verliert man sich, nimmt nichts mehr wahr, findet man aus sich heraus. Und das ist, denke ich, die heilige Erfahrung von Sex.

Reich schrieb, „daß das religiöse Empfinden gehemmter Sexualität entspringt, daß in gehemmter Sexualerregung die Quelle der mystischen Erregung zu suchen ist“ (Hervorhebungen hinzugefügt). Und er unterstreicht: „Daraus folgt der zwingende Schluß, daß klares sexuelles Bewußtsein und natürliche Ordnung des sexuellen Lebens das Ende des mystischen Empfindens jeder Art sein muß, daß also die natürliche Geschlechtlichkeit der Todfeind der mystischen Religion ist“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 168).

Die Spaltung in der Kultur zwischen „Kafka“ und „Blake“ findet sich, wohin man schaut. Etwa, wenn Der Spiegel sich mit der Urgeschichte befaßt.

2005 berichtete Der Spiegel unter der Überschrift „Triebstau im Neandertal“ über den „Adonis von Zschernitz“ und andere Funde, die vom Sexualleben in der Frühzeit zeugen. Der Artikel liest sich, als wären wir noch im Jahre 1932, als Reich sein Buch Der Einbruch der Sexualmoral veröffentlichte. Ganz im Sinne Freuds sehen die „Tabuisten“ den Urmenschen in einem System aus Triebverzicht und Enthaltsamkeit mit einem streng reglementierten Fruchtbarkeitskult gefangen, in dem das geschlechtliche Verlangen sublimiert und zu ritueller Kunst umgeformt wird. Die Soziobiologen glauben hingegen, der haltlose Frühmensch habe dem genetischen Diktat folgend der Promiskuität gefrönt.

Von sexualökonomischen Überlegungen findet sich keine Spur. Stattdessen… – die Sprache des Pseudoliberalen (modern liberal) Kulturfatzkes: „Pornofiguren“, „Erotiktempel“, „Bewegung in der Sexfront“, „Reizwäsche aus der Bronzezeit“, es „wird gerammelt und geschleckt“, „Dildos“, „SM-Sklavin“, „Kloschmierereien“, „trunkene Orgie“, „Erotikriten“, „Eros-Center“.

Nach all dem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen „Fortschritt“ der letzten Jahrzehnte sind Reich-Titel wie Der triebhafte Charakter, Die Funktion des Orgasmus und Geschlechtsreife, Enthaltsamkeit, Ehemoral aktueller als in den 1920er Jahren!

Immerhin schlägt der Bericht im Spiegel über die „Venus vom Hohle Fels“ einen anderen Ton an. Einen, bei dem man sich wohl fühlt. Die Statuette sei „– drall und erotisch (…), was wie ein Symbol für Wonne und Wohlleben, sattes Glück und sicheres Gebären scheint“.

Es gibt einen Unterschied zwischen Kultur, die in Einklang mit der Natur ist, und der entarteten Unkultur!

Der Aufstieg des Psychopathen (Teil 15)

17. Mai 2021

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen

Der Aufstieg des Psychopathen (Teil 4)

21. April 2021

Barbara G. Koopman: Der Aufstieg des Psychopathen

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Kosmischer Kampf – Planetare Angriffs- und Zermürbungsstrategien. Ein Überblick (Teil 8)

15. März 2021

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Kosmischer Kampf – Planetare Angriffs- und Zermürbungsstrategien. Ein Überblick (Teil 8)

David Holbrook, M.D.: LIEBE UND ORGASMUSANGST BEI EINEM PARANOID-SCHIZOPHRENEN CHARAKTER (Teil 4)

18. Dezember 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Teuflisch geiler Sex

30. November 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Teuflisch geiler Sex

Von „Die Funktion des Orgasmus“ (1927), über „Die Entdeckung des Orgons, Bd. 1“ (1942) zu „Genitalität“ (1944)

20. Mai 2020

1927 beschrieb Reich, wie von der gesunden Frau beim Höhepunkt der Atem angehalten wird, was von heftigem Atmen abgelöst wird, „das sich bei der Frau gewöhnlich in Schreien auflöst“ (Die Funktion des Orgasmus, S. 25). In der revidierten Fassung von 1944 ist dieser Satz schlichtweg gestrichen (Genitalität, S. 41), desgleichen zuvor 1942 in Die Entdeckung des Orgons, Band 1 (Fischer TB, S. 82). Und da, wo es 1927 noch hieß, daß das Atmen in der Erregung „frequenter“ wird, wird er in der neuen Fassung „tiefer“.

1942 ergänzt er:

Die Frauen reagieren auf die Orgasmusangst verschieden. Die meisten halten den Körper mit halbbewußter Aufmerksamkeit ruhig. Andere bewegen ihn sehr forciert, weil die sanfte Bewegung allzu starke Erregung bewirkt. Die Beine werden aneinander gepreßt. Das Becken wird zurückgezogen. Zum Zwecke der Bremsung der orgastischen Empfindung wird er Atem regelmäßig angehalten. Das letzte sah ich merkwürdigerweise erst 1935. (Die Entdeckung des Orgons, Band 1, S. 124f, Hervorhebungen hinzugefügt)

Bei der Beschreibung der Behandlung eines zwangsneurotischen Charakters wird von Reich nachträglich ebenfalls ein ganzer Satz gestrichen. Hier geht es um die Forderung nach sexueller Abstinenz, nachdem der Patient in einen „Zirkel“ gefangen ist zwischen Befriedigung im Geschlechtsakt, darauffolgendem Verschwinden der Symptomatik und deren Wiederkehr nach einigen Tagen. Sexuelle Abstinenz bis zum Erfolg der Analyse sollte das durchbrechen. Aus sexualökonomischer Sicht war dieses psychoanalytische Vorgehen natürlich absurd! (Die Funktion des Orgasmus, S. 25).

Reich wandte sich dagegen, den Patienten die angebliche „Ersatzbefriedigung“ des Geschlechtsverkehrs während der Behandlungszeit zu verbieten, damit die Symptome klarer hervortreten. Gerade diese Regel würde das Behandlungsziel hintertreiben: die Freilegung der Genitalität. In der psychiatrischen Orgontherapie gilt allenfalls, daß der Patient etwa 24 Stunden vor der Sitzung keinen Geschlechtsverkehr haben sollte, damit die Blockaden besser hervortreten.

Lore Rubin Reich: ERINNERUNGEN AN EINE CHAOTISCHE WELT

26. März 2020

Dieses Buch ist eine Übersetzung des unveröffentlichten Originalmanuskripts. Obwohl die Autorin diese Übersetzung ausdrücklich lobt (S. 9), ist sie holprig und voller Fehler. Sätze wie: „Es gab kein Bedürfnis nach einer Revolution und auch kein Verlangen danach“ (S. 218). Es gab keinen Bedarf! Fast alle unterschätzen, wie schwer das Übersetzen vom Englischen ins Deutsche ist. Außerdem sollte der Übersetzer sich im Sujet auskennen. Wie kann man etwa von „Kamerad Thomas“ sprechen, statt „Genosse Thomas“! Und dann Reichs Tochter Lore selbst: wie, äh, aaarghhhh muß man sein, um Reichs Theorie damit zu „erklären“, daß nur der Orgasmus Neurosen auflösen könne (S. 30)?! Das macht ebensoviel Sinn, als behauptete man, nur Geschlechtsverkehr könne erektive Impotenz heilen oder nur das Gehen einen Querschnittgelähmten. Oder etwa zu schreiben: „Ich bin mir sicher, daß er seine Patienten dazu brachte, ihre Hemmungen soweit fallen zu lassen, daß sie vor ihm einen Orgasmus hatten“ (S. 155). Sic! Aus dem ganzen spricht einfach nur Böswilligkeit und Verachtung! Und dann sich fragen, warum Reich so „aggressiv“ gewesen sei!

Trotzdem verlohnt es „Mein Leben als Tochter von Annie Reich und Wilhelm Reich“ zu lesen, einfach weil es die Reich-Biographie plastischer macht. Da wäre die graue Kindheit der beiden Reich-Töchter und die Knappheit der Mittel, die es zum Problem machte eine vernünftige Hauskraft/Kindermädchen anzustellen. Die Familie war imgrunde arm, weil Reich nur genausoviel zur Familienkasse beitrug wie Annie, die als Mutter und psychoanalytische Anfängerin nur wenig verdiente. Wo erfährt man sonst, daß Annie sieben Abtreibungen hatte oder daß Lore dem armen Reich aufgedrängt wurde, um die Ehe zu einer Zeit zu retten, als Reich „politisch“ aktiv wurde. Entsprechend betrachtete er Lore stets als Annies Kind. Die ungemütlichen Wohnverhältnisse, da, wie damals bei Psychoanalytikern üblich, zuhause gearbeitet wurde; Reichs aufbrausendes und manchmal verstörendes Temperament; dazu das Kontrastprogramm: der dickliche und kleine Genosse Thomas als „Hausfrau“ (S. 140); bis hin zur Beschreibung von Reichs Beerdigung, bei der die Familie an den Rand gedrängt wurde. Lore hatte große Probleme im trüben November zum abgelegenen Orgonon zu gelangen, nur um auf der Beerdigung zu erfahren, daß gleich drei ihrer Kollegen an der psychiatrischen Klinik, in der sie zu der Zeit tätig war, führende Orgonomen waren und einen Flug nach Orgonon organisiert hatten. Sie hatten sich ihr nie zu erkennen gegeben und ignorierten sie auch auf der Beerdigung demonstrativ (S. 247f).

Die ganze Dynamik von Reichs erster Ehe wird in einer Szene deutlich, die gleichzeitig das definitive Ende der Beziehung zwischen Annie und Wilhelm beschreibt. Reich floh nach dem Reichstagsbrand sofort mit seiner Frau Richtung Österreich und zwar als Bergtouristen getarnt, um Grenzkontrollen zu entgehen. „Meine Mutter berichtete, daß mein Vater voller Angst war. Auf einmal verspürte sie eine enorme Verachtung ihm und seiner Angst gegenüber. In diesem Moment konnte sie sich endlich von der Knechtschaft, in der er sie gefangenhielt, befreien. Deswegen konnte sie umkehren und ihn auf dem Berggipfel alleine lassen. Sie kehrte nach Berlin zurück und organisierte den Umzug der Möbel aus der Wohnung“ (S. 38). Offensichtlich war bei einer Hysterikerin die Übertragung zerbrochen, als sich der angebetete Held selbst „hysterisch“ benahm.

Oder wie inflationär und laienhaft der Begriff „verrückt“ von Psychoanalytikern benutzt wurde, um das Renommee „abtrünniger“ Psychoanalytiker nachhaltig zu zerstören. Nicht nur Reich war Opfer dieser Taktik, sondern auch Rado, Rank, Jung, Adler, Tausk, Ferenczi, Melanie Klein und deren Tochter Melitta Schmiedeberg (S. 67). „Mein Vater war ein naiver und vertrauensvoller Mann“, der die psychotherapeutische Behandlung seiner Tochter Eva zwei Frauen überließ, nämlich Berta Bornstein und Anna Freud, welche Bornstein supervidierte, „die voller Haß ihm gegenüber waren“ (S. 77). Beide lebten „ihre Neurose wie bösartige Geister unter dem Deckmantel der psychoanalytischen Rechtschaffenheit aus“ (S. 80).

Lores Buch bietet einige Ergänzungen zu Der Rote Faden etwa, daß viele fanatische Trotzkisten später Neokonservative wurden. Lore selbst war von den späten 1940er bis zu den frühen 1960er Jahren in einer Trotzkistischen „Partei“ (Sekte!) aktiv. Oder etwa, wenn sie beschreibt, unter welcher Daueranspannung ihr Schwiegervater Genosse Thomas litt: „Eines Tages sah er in unserem Wohnhaus einen Psychoanalytiker in Begleitung eines Agenten der sowjetischen Geheimpolizei, den Thomas kannte. Aus Angst entdeckt zu werden, eilte er zurück in den Aufzug; er war schockiert von diesem Vorfall“ (S. 140). Dieser Vorfall habe, so Lore, auch gezeigt, welchen Zuspruch Stalins KP noch in den USA genoß. So hätten auch Psychoanalytiker Umgang mit der KP gepflegt, trotz all der Greueltaten.

Sie beschreibt die kommunistische Unterwanderung Amerikas sehr gut: Während sie in Europa nur Menschen getroffen hatte, die von der KP desillusioniert waren, traf sie in Amerika viele Erwachsene, die Kommunisten waren. New York sei voller genauso idealistischer wie ignoranter Leute gewesen, die die UdSSR verherrlichten. „Jahrelang, sogar nach dem Krieg, bis Mitte der 1950er Jahre, folgten diese Leute der kommunistischen Parteilinie ohne zu wissen, daß diese von Moskau aus diktiert wurde, marschierten in Maiparaden und hielten sich für ‚die Guten‘.“ Sie hielten sich stets an die jeweilige Linie der Partei, selbst wenn die, wie zu Anfang des Krieges, die Unterstützung Hitlers vorsah. „Heute sind Menschen der Meinung, daß man damals ‚unter jedem Bett einen Kommunisten sah‘ und verleugnen, wie groß die Anhängerschaft, zumindest in New York, war. Natürlich waren diese Menschen keine Spitzel, da sie diese Überzeugungen offen zur Schau stellten. Stattdessen übten sie enormen Druck auf die öffentliche Meinung, die Kunst und die Medien aus“ (S. 145f).

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Der kosmische Hintergrund von Liebe, Arbeit und Wissen (Teil 2)

25. Februar 2020

Der Puls ist mit dem Genital verbunden. Dies erinnert mich an das „Mahlen“ als zentrales Merkmal der von Robert Harman beschriebenen Puls-Funktion. Es ist funktionell identisch mit der Friktion während der genitalen Umarmung („Reiben“). Das „Vorwärtsschwingen“ ist zwiefach: Die „Kundalini-Bewegung“ die Wirbelsäule hinauf und natürlich der Orgasmus, begleitet vom gerichteten, strahlartigen Ausstoßen hochenergetischer Flüssigkeiten:

  • Was ist Arbeit (nach Marx und damit Reich)? Geist, Planung, Erstellung von Blaupausen (Kopf, Wellenfunktion) → gefolgt von Armen und Händen (Pulsfunktion). Nach Reich sind die Arme/Hände sozusagen kleine Genitalien.
  • Was ist Sex? Wahrnehmung, Flirten mit den Augen, Riechen und Schmecken (wir sind Säugetiere!), gefolgt von genitaler Aktivität: Welle → Puls, Kopf → Genitalien.

Was nun unsere vermeintlich „höheren Aspirationen“ betrifft, gibt es prinzipiell zwei Empfindungsbereiche. Da wäre zunächst das Empfinden, wie es insbesondere von der nordwestindischen Religionsgemeinschaft der Sikhs verkörpert wird: das „Wow!“, wenn dir die Nackenharre abstehen und der energetische Impuls des Orgonoms sozusagen „über das Ziel hinaus“ nach oben geht.

Das wird in den folgenden beiden Illustrationen aus einem Sikh-Broschüre sehr schön dargestellt:

Welche Rolle der Turban dabei spielt, habe ich an anderer Stelle dargelegt.

Die Sikhs gehen letztendlich auf die hinduistische Bhakti-Bewegung des Mittelalters zurück, die wir vor allem durch die „Hare Krishnas“ kennen. „Bhakti-Yoga“ beruht auf der Liebe zu Gott und drückt sich vor allem im „Chanten“ aus, bei den Sikhs ist das das Wort „Waheguru“ (der „wunderbare Guru“, der ein „Wow“ erzeugt, das man erlebt, wie oben dargestellt). Beim Bhakti-Yoga geht es aber natürlich vor allem um die Liebe, „die vom Herzen kommt“, d.h. hier geht es um das Erstrahlen des bioenergetischen Zentrums im Solar plexus, im „Sonnengeflecht“:

Bisher wurde alles im Rahmen der Funktion „relative Bewegung“ (insbesondere Kreiselwelle) erläutert, hier geht es schließlich um die parallele Funktion „koexistierende Wirkung“:

Wenn man das Video auf sich wirken läßt, wird unmittelbar offensichtlich, daß diese Art von Religion auf einer Blockierung der genitalen Befriedigung beruht und nichts als ein abgeschmackter Ersatzkontakt darstellt.