Posts Tagged ‘Max Stirner’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 1)

10. Juni 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Es ist dies das Wahrzeichen aller reaktionären Wünsche, daß sie etwas Allgemeines, Abstraktes, einen leeren, leblosen Begriff herstellen wollen, wogegen die Eigenen das stämmige, lebenvolle Einzelne vom Wust der Allgemeinheiten zu entlasten trachten. (Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, Stuttgart 1981, S. 254)

Der „Panzer“ der Orgonomie und das „Über-Ich“ der Psychoanalyse sind funktionell identisch: ins Innere aufgenommene Außenwelt. Es ist das Trojanische Pferd, der Feind innerhalb der eigenen Mauern, die Überwachungskamera in uns selbst, die Polizei in unserem Inneren, das „Überwachungs-Ich“. „Ich“, weil es durch Identifikation mit dem Feind entsteht, d.h. den Vertretern einer lebensfeindlichen Gesellschaft in unserer Kindheit – unsere Eltern. Diese „inneren Hierarchien“ zu beseitigen bzw. ihre Formierung zu verhindern und so die Selbststeuerung freizusetzen, war das, was Julien Offray de La Mettrie (1709-1751), Max Stirner (1806-1856) und Wilhelm Reich (1897-1957) von allen anderen Denkern abhob. Von daher Bernd A. Laskas Kürzel „LSR“. LSR ist die Aufklärung, ansonsten ist ausnahmslos alles die lebensfeindliche Reaktion.

In der Orgonomie taucht der Begriff „Über-Ich“ nur noch marginal als psychoanalytischer Restbestand auf („der Patient hat ein sadistisches Über-Ich“ und ähnliche Formulierungen). Reichs Mitarbeiter und späterer Biograph Myron Sharaf hat darauf hingewiesen, daß Reich ganz bewußt auf eine psychoanalytische Begrifflichkeit verzichtet hat, um sich vom Freudistischen Paradigma abzuheben. Ausgerechnet Reich, der als einziger das Über-Ich wirklich ernstnahm, hat diesen Begriff nicht mehr verwendet – eben weil er es als einziger ernst nahm. Ohne Elsworth F. Baker wäre heute der Begriff „Über-Ich“ (zusammen mit anderen psychoanalytischen Begriffen) in der Orgonomie tabu! Wenn’s nach seinem innerorgonomischen Kritiker Chester M. Raphael gegangen wäre, könnte man nicht mal mehr vom „Charakter“ sprechen.

In der Charakteranalyse legte Reich dar, daß das Über-Ich funktionell identisch mit der Panzerung ist (KiWi, S. 217-219). Er beschreibt zunächst wie das Ich zwischen dem Es und der Außenwelt vermittelt, indem es die frustrierende Außenwelt in sich aufnimmt und so das Über-Ich als Selbstbehauptungsmechanismus ausbildet. Kurz danach beschreibt Reich den Panzer als Schutzmittel gegen die Außenwelt, der sich ebenfalls aus den Elementen der Außenwelt aufbaut.

Das Über-Ich, sozusagen die psychologische Seite der Panzerung, ist demnach, genau wie die Panzerung selbst, ein Schutz gegen die Außenwelt: man paßt sich an, damit einen die feindliche Außenwelt nicht vernichtet. „Anpassung“ und „Autonomie“ schließen sich aber aus. Das Über-Ich ist in die Persönlichkeit inkorporierte Außenwelt und behindert die persönliche Autonomie. Durch die biophysiologische Panzerung (das tiefenpsychologische Über-Ich) wird aber nicht nur die Freiheit behindert, sondern auch das mit der Freiheit untrennbar verbundene Verantwortungsbewußtsein und die Rationalität! Rationalität bedeutet die Harmonie von einerseits innerer Triebnatur und andererseits gesellschaftlicher Organisation von Liebe, Arbeit und Wissen. Rationalität ist nichts anderes als die Harmonie der Funktionen.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (5,43-12,37) (Teil 3)

5. Mai 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 4. Der Christusmord nach Matthäus / Matthäusevangelium (5,43-12,37) (Teil 3)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 43)

9. März 2022

Triebtäter werden ständig von zwanghaften Vorstellungen heimgesucht, die bei bestimmten Anlässen ausgelebt werden, ohne daß sie noch der Willenskontrolle unterliegen, sie reiben sich die Augen und plötzlich liegt ein totes Kind oder eine tote Frau vor ihnen. Trotzdem sollte man diese Leute bestrafen, genauso wie man Leute bestrafen sollte, die Verbrechen im Alkoholrausch begehen, denn sie hatten die Pflicht psychiatrische Hilfe zu suchen bzw. das Trinken einzustellen: und für diese Unterlassung müssen sie genauso hart bestraft werden, wie für die eigentliche Tat, die sie im strengen („bewußten“) Sinne ja gar nicht getan haben.

Die Sache mit der Willensfreiheit bzw. deren Fehlen ist ein typischer Ausfluß der mechano-mystischen Lebensanschauung: der Geist ist frei (handelt durch voraussetzungsloser Intention), die Materie ist ein endloser Regreß in der Ursache-Folge-Verkettung. Was es hingegen tatsächlich gibt, jenseits dieses Mechano-Mystizismus, sind unterschiedliche Freiheitsgrade bzw. Freiheit nur in bestimmten Grenzen (orgonomischer Funktionalismus). Entsprechend gibt es keine absolute Willensfreiheit, wie es auch keine absolute Verantwortungslosigkeit gibt.

Hinzu kommt, daß man stets selbst Teil der Ursache-Folge-Kette ist. Man kann sich nicht „mystisch“ außerhalb der Welt stellen, indem man nach Art eines „materialistischen“ Türkenfatalismus sagt, „die Umstände“ und dergleichen seien schuld. Tut man das doch, dann erklärt man sich selbst zum Objekt und darf sich nicht wundern, wenn man als solches behandelt wird.

Gesetzt wir folgen der Willensfreit: Freiheit zeigt sich immer in der Setzung eines Bezugssystems oder, um mit Nietzsche zu reden, der Setzung einer Perspektive, inklusive eines Horizonts. Diese Setzung ist aber natürlich gleichzeitig eine Beschränkung der Freiheit, d.h. ich kann zwar ein Spiel erfinden, also Spielregeln definieren, muß mich dann aber auch an diese halten, damit das ganze überhaupt Sinn macht. Ohnehin ist die „willkürliche“ Setzung selbst nicht frei, denn sie folgt dem „Befehl“ des Lebens, d.h. es steht uns gar nicht frei, keine Grenzen für die Freiheit zu ziehen. Es steht nicht in unserem Ermessen nicht Beschränkungen vorzunehmen, denn deren Setzung konstituiert ja gerade unser Leben, das nichts anderes ist als „Pulsation innerhalb einer Membran“. Das Setzen ist der Vollzug des Lebens selbst: wir sind gezwungen frei zu sein, – indem wir Grenzen setzen.

Das ganze wird klarer, wenn wir es orgonometrisch formulieren. Der orgonometrische Gegensatz der Freiheit ist die Verantwortung und das gemeinsame Funktionsprinzip (CFP) dieser beiden Funktionen ist die Selbstregulierung.

Was das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung betrifft, so kann man es nicht von der gesellschaftlichen Atmosphäre trennen. Sowohl in gesunden als auch in autoritären Zeiten waren Freiheit und Verantwortung einfache (sich gegenseitig anziehende) Funktionen (wenn die Freiheit stärker wird, wird auch die Verantwortung stärker), während in Zeiten des sozialen Verfalls die beiden Funktionen antithetisch werden: die Freiheit frißt die Verantwortung und andersherum. Zum Beispiel zerstört die „Verantwortung in Zeiten von Corona“ jede Art von Freiheit, und der Eifer, frei von Corona zu sein, zerstört jede Verantwortung, Loyalität, Freundschaft und Liebe.

Die CFP von Freiheit und Verantwortung ist, wie gesagt, die Selbstregulierung. Diese Gleichung verkörpert das Wesen der Orgonometrie selbst: Ich habe die Freiheit, meinen Körper so frei zu bewegen, wie ich will – innerhalb der strengen Grenzen der Biomechanik und der Schwerkraft –, oder ich verletze mich, vielleicht tödlich. Es gibt niemals eine „absolute Freiheit“: das CFP schränkt alles ein. Letztlich ist man nur dann frei und handelt verantwortungsvoll, wenn man im Sinne von Max Stirner „Eigner seiner selbst“ ist: selbstbestimmt. Es gibt keine absolute Freiheit und keine absolute Verantwortung!

Orgonomie und Metaphysik (Teil 4)

4. November 2021

Mystik ist der verzerrte Kontakt zum bioenergetischen Kern und damit zum kosmischen Orgonenergie-Ozean. Von besonderem Interesse sind die buddhistische, islamische und christliche Mystik, da sie auf einen Zusammenhang verweisen, auf den ich in Max Stirner und die Kinder der Zukunft verwiesen habe:

In der buddhistischen Mystik dreht sich alles um die Aussage „Das bist nicht du!“ Wir verstricken uns ins Unglück, wenn wir uns mit allem möglichen identifizieren, letztendlich sogar mit unserem vermeintlichen „Ich“. Lassen wir das alles fahren, werden wir Glückseligkeit, das Nirwana erlangen. Das ist nichts anderes als die metaphysische Überhöhung und Verabsolutierung dessen, von dem Wilhelm Reich und Max Stirner gesprochen haben: löse dich von deinen „inneren Hierarchien“ (dem Über-Ich, der Panzerung), die du durch Identifikation mit unterdrückerischen Personen (insbesondere den Eltern) verinnerlicht hast, indem du dich mit ihnen identifizierst hast.

Die islamische Mystik ist ähnlich aufgebaut: Ordne Gott nichts anderes bei, denn das ist Götzendienst, der dich versklavt. Genauso die „negative Theologie“ der christlichen Mystik: alles, was man Gott zuschreiben kann, trifft ihn nicht. Um ihn zu erfahren, muß man alles von sich fallenlassen. Was uns wieder zum Buddhismus führt, wenn Meister Eckhart sagt: „Nimm dich selber wahr und wo du dich findest, da laß von dir ab. Das ist das allerbeste.“ Das ist geradezu eine Beschreibung der Orgontherapie!

Mystiker nehmen auf verzerrte (und deshalb letztlich destruktive) Weise das wahr, worum es in der Orgonomie geht! Gewisserweise sind es Wahrheitskrämer, die sich mit Dingen beschäftigen, von denen sie nicht wirklich Ahnung haben, sondern nur eine vage „Ahnung“… Ziel der Orgonomie ist es, Mystik ein für allemal auszumerzen, da sie genau das erzeugt, was sie implizit vorgibt zu bekämpfen: Panzerung!

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 47)

3. Juni 2021

Die Ausführungen in dieser Blogserie haben eine Metastruktur, die mit Reichs Aussage von Mitte der 1930er Jahre zu tun haben, daß die Psychoanalyse die Mutter und der Marxismus der Vater der Sexualökonomie ist.

Der Hauptunterschied zwischen Psychoanalyse und Orgontherapie besteht darin, daß Freudianer und Jungianer ihre neurotischen und psychotischen Patienten lehren, ihre neurotischen Ideationen und Perversionen und „die Stimmen in ihrem Kopf“ zu „integrieren“, d.h. sich wieder zu eigen zu machen. Während Reich, der den gesellschaftlichen Bereich betreten hatte, seine Schüler lehrte, mit diesen Ideationen und Stimmen als dem Fremden umzugehen, das Besitz von dem Patienten genommen hat. Reich sagte sozusagen: „Es sind nicht Sie, die sich verhalten, denken und sprechen, sondern Ihre Eltern, die gepanzerte Gesellschaft, der Kapitalismus [später ersetzt durch „die Emotionelle Pest“] durch Sie.“ Das hat Reich von Max Stirner und Marx gelernt. Kurz gesagt, Freud sagte: „Diese Dämonen sind letztendlich DU!“, während Reich sagte: „Sag zu diesen Dämonen, sie sollen verschwinden!“

Das erinnert natürlich an die Exorzismen Christi im Neuen Testament. Tatsächlich geht es in den Evangelien fast ausschließlich um das Problem, Dämonen loszuwerden. Das mag so aussehen, als würde ich Opfer meiner mystischen Tendenzen werden, aber siehe Reichs Aufsatz über den Medical DOR-Buster „Die emotionale Wüste“, wo er sich mit dem „Heraussaugen“ des DOR aus den Patienten beschäftigt. Es geht um Sequestration. Und was ist die Grundregel für jeden Exorzismus? Niemals in einen Dialog mit den Dämonen eintreten, niemals mit ihnen argumentieren, niemals eine Beziehung aufbauen: „Wir müssen Fremde bleiben!“

Jedenfalls fügen Therapeuten (typischerweise Liberale) den Patienten großen Schaden zu, wenn sie ihnen empfehlen, wieder „ganz“ zu werden, indem sie das als das Eigene akzeptieren, was ihnen in Wirklichkeit fremd ist und unter allen Umständen fremd bleiben muß. Deshalb niemals „sich selbst verlieren“, niemals Alkohol trinken, niemals Drogen nehmen, niemals irgendeinem Glauben oder einer Ideologie anhängen. Kurz: Selbstregulation gegen Fremdbestimmung. Dies ist die zentrale Botschaft sowohl der Orgonomie als auch des ursprünglichen Judentums, wie es von Rabbi Jesu von Nazareth gelehrt wurde. Alles andere steht unter der Herrschaft des Bösen.

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 46)

2. Juni 2021

Jahwe, Hitler, Stalin, Mao, Castro etc. haben etwas gemeinsam: mit Max Stirner kann man sagen, daß Jahwe unnennbar ist, undefinierbar und ganz und gar seine Eigenheit lebt. „Ich bin der, der ich bin!“ Genauso gaben sich die Führer, die im 20. Jahrhundert an die Stelle der alten Götter traten. Was ist der Nationalsozialismus? Der Wille des Führers und nichts außerdem. Genauso steht es mit jeder anderen Variation des Sozialismus. Wie ein Außerirdischer kommt ein vollkommen geschichtsloses und nicht greifbares Wesen auf die Erde und bestimmt alles Geschehen. Wenn Stalin und Pol Pot sich in den Kopf gesetzt haben, daß die Konstruktion großer Wasserstraßen, den Sozialismus herbeibringen, dann wurde das als unhinterfragbare Offenbarung hingenommen.

Warum akzeptieren die Menschen diesen Unsinn? Weil das ganze Faschismus ist, in dem sich der Kleine Mann mit seinem Führer identifiziert. Der Kern der Angelegenheit ist wieder Max Stirner: daß tatsächlich das Individuum, jedes Individuum, unnennbar, undefinierbar, der Eigner seiner Selbst ist. Das wurde ihm dann ausgetrieben und seine Selbstherrlichkeit im Verlauf seiner Erziehung (Dressur) durch „innere Hierarchien“ ersetzt, denen er sich unterwirft. Im Faschismus, dieser mißglückten biologischen Revolution (Reich), trat schließlich der Führer, typischerweise ein „Mann aus dem Volk“, auf und stellte etwas dar, mit dem sich der Geknechtete endlich identifizieren und dabei sich auch noch als „Revolutionär“ fühlen konnte: der Führer war eine Karikatur des „Eigners seiner Selbst“ – selbstherrlich wie einst Gott. Nur daß sich nun jeder mit dem „Führer“ identifizieren konnte, wodurch er selbst, jedenfalls auf seiner Ebene (etwa als Familienoberhaupt oder Vorgesetzter) zum herrenmenschelnden Führer wurde.

Dieser Sozialismus/Faschismus muß natürlich in den Untergang führen, weil die Massen dem Wahnsinn, einem Wahnsinnigen, folgen. Doch gleichzeitig macht der Sozialismus/Faschismus die Lösung der gesellschaftlichen Frage unausweichlich: die Arbeitsdemokratie wird dann herrschen, wenn wirklich jedes Individuum Eigner seiner Selbst sein wird, d.h. frei aus seinem Wesenskern „selbstherrlich“ leben und agieren wird. Die Arbeitsdemokratie wird sich dann von selbst etablieren. Wie? Wie Reich schrieb:

Das ungepanzerte Lebendige empfindet und begreift die Ausdrucksbewegungen anderer urgepanzerter Organismen klar und einfach mittels der eigenen unwillkürlichen Mitbewegungen und Organempfindungen. Das gepanzerte Lebendige dagegen kann keine Organempfindungen wahrnehmen, oder es vermag sie nur verzerrt wahrzunehmen und verliert derart den Kontakt mit dem Lebendigen und das Verständnis für seine Funktionen. (Äther, Gott und Teufel, S. 61)

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 32)

11. März 2021

Es gibt einen profunden Unterschied zwischen der Sexualität einer Hysterikerin, die sich „sexuell befreit“ gibt, und einer richtigen, d.h. „tiefen“ Frau, die sich kühl und sachlich gibt. Ähnlich ist auch die „Progressivität“ der Linken und die „Rigidität“ der Rechten zu bewerten. Hinter dem ersten verbirgt sich doch nur Angst vor wirklichem Fortschritt, vor Bewegung, vor wirklicher Lebensfreude, während im zweiten Fall wenigstens noch ein genuines Potential für Bewegung vorhanden ist.

Dies hat sehr viel mit dem Problem der Kontaktlosigkeit zu tun. Wer war denn für die Freigabe der Pornographie in den 1970er Jahren? Und wer hatte mehr Kontakt zum gesunden Wesenskern, jene die „progressiv“ für die Freigabe waren oder jene die „rigide“ dagegen waren?

Rebellion führt zu nichts! Das ist wie in der „Primärtherapie“: du schreist und strampelst – und die Panzerung verschlimmert sich! Kontakt ist das Zauberwort sowohl in der Orgontherapie als auch in der Befreiung der Gesellschaft. Und hier halte ich von den linken „Emanzipationsbewegungen“ genausowenig wie von wilden „Reichianischen“ Therapeuten.

Dabei hebt niemand den Konservativen in den Himmel. Sicherlich nicht Elsworth F. Baker und Charles Konia, wäre ja auch schlecht möglich, da Reich so viel über und gegen den Konservativen geschrieben hat – und ich sehe nicht, wo dies in der neueren Orgonomie zurückgenommen wurde. Nur ist die Kritik an den Konservativen mittlerweile Allgemeingut. Und da dies so ist, ist es wohl nötig, daß auch endlich mal den „guten Menschen“ die Maske vom Gesicht gerissen wird. Es ist wirklich nicht sehr originell heutzutage auf den Konservativen einzudreschen!

Was die Begriffe „Liberaler“ und „Konservativer“ betrifft: was soll man denn sonst für Begriffe nehmen? Mit diesen allgemeinen Termini kann man sich wenigstens noch der Umwelt verständlich machen, während orgonomische Begriffe (z.B. „Fassaden-Charakter“ und „verzerrter Kernkontakt-Charakter“) uns halt auf orgonomische Zirkel beschränken würde. Und so schlecht ist der Begriff „Liberaler“ gar nicht. Max Stirner benutzt ihn z.B. orgonomisch ziemlich korrekt:

  1. den politischen Liberalismus [heute würde man wohl von „Nationalliberalismus“ sprechen]: der „die Völker“ durch Knechtung des Einzelnen unter die Staatsidee erzeugt;
  2. den sozialen Liberalismus: der die „Gerechtigkeit“ dadurch erzwingt, daß allen das Eigentum genommen wird und alle „gleiche Lumpe“ werden; und
  3. den humanen Liberalismus: der die „Menschlichkeit“ dadurch erzwingt, daß er alles Individuelle negiert.

Kurz: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Und wofür steht die Rechte?

  1. für die Unfreiheit, die dem Einzelnen ermöglicht frei zu sein, da er nicht für die Sache der „Freiheit“ einstehen muß, sondern für sich – also frei sein kann;
  2. für die Ungleichheit, d.h. es gibt nicht das Eigentum, das niemandem gehört, sondern viele Eigentümer;
  3. für die Inhumanität, d.h. es gibt nicht den Menschen, sondern die Menschen dürfen sie selber sein.
  4. Was ist denn so schrecklich Schlimmes am Kommunismus?

    Was ist denn so arbeitsdemokratisch am konservativen Lebensentwurf?

    Für uns Deutsche ist es trotz der Erfahrung mit der Mauer sehr schwer antikommunistisch zu sein. Erst mal wegen der Nazis („zuerst holten sie die Kommunisten und dann die Juden… und ich schwieg“) und dann auch, weil wir wegen unserer geographischen und geschichtlichen Lage mit den Regierungen des Ostens zusammenarbeiten mußten. So verdrängten wir den satanischen Charakter des Kommunismus aus unserem Blickfeld. Dieser läßt sich zwiefach festmachen:

    1. Von Hegel über Marx zu Stalin ging es immer zentral um einen Mythos (der nicht nur marginal rassistisch ist – besonders bei Marx): die Judenherrschaft muß gebrochen werden, um einerseits die „Anarchie“ (es wird ohne Plan produziert und konsumiert) zu brechen und andererseits die geknechtete Arbeit zu befreien. Dieses mythologische Grundmuster ist der Ausgangspunkt für alle möglichen pestilenten Projektionen. Jerome Eden hat dies sehr schön in Die kosmische Revolution dargelegt: man projiziert das eigene DOR (die Panzerung) nach draußen und versucht es auf dem sozialen Schauplatz zu bekämpfen. Bei manchen „Reichianern“ wird dies sogar explizit: Kapitalismus = Panzerung.
    2. Die KP ist im engsten Sinne des Wortes eine kriminelle Vereinigung. Da gibt es verblüffende Parallelen zur Mafia, die ja auch als eine Art von „Befreiungsorganisation“ angefangen hat. Und genauso wie in Filmen wie Der Pate geradezu Propaganda für das „romantische Verbrechen“ gemacht wird, leistet die Linke der KP Schützenhilfe. In Rußland hat sich die kommunistische Herrschaft in eine der mafiösen Oligarchen verwandelt und in China ist die KP selbst nichts anderes als die Mafia. Das erinnert einen an die geschniegelten Mafia-Manager in den USA, die ins normale Wirtschaftsleben ein Standbein hineinbekommen wollen (Der Pate, Teil 2 und 3).

    Beides, der „psychomagische“ und „quasireligiöse“ Hintergrund hier und das Parasitentum dort, kennzeichnet den Kommunismus: beides kann man letztlich nur als „Projektionsmechanismus in DORifizierten Organismen“ und als „Umsichgreifen des DORs“ verstehen (Subversion).

    Und grade hier klinkt sich der liberale Charakter ein, der gegen das Bestehende (seine Eltern) rebelliert. Der konservative Charakter tut dies nicht, er identifiziert sich mit seinem Hintergrund.

    Das erklärt auch, warum ich für eine „konservative Wende“ bin:

    Wir haben nichts mehr zu fürchten, als das Chaos, d.h. die Zerstörung der Lebensenergie durch das DOR: Pornographie im weitesten Sinne (die Linke war immer dafür), Drogen, Rebellion und das Verkünden von Wahrheiten ohne die Gegenwahrheiten zu erwägen. Wird dies nicht eingedämmt und sprießen Die Grünen weiter, haben wir bald entweder eine Gegenreaktion a la LePen oder eine „grüne“ Diktatur über Europa, die dann zur Errichtung der „sozialen Demokratie“ als Übergang zum Sozialismus führen würde. Und das wäre das Ende der Arbeitsdemokratie, die im Grunde nur eins ist: Verantwortung für sich selbst, damit Verantwortung für die die man liebt, damit Verantwortung für alle Menschen und damit Verantwortung für die Natur. Dies sind alles spezifisch konservierende bzw. „konservative“ Werte.

    Und wofür steht der Sozialismus? Für Verantwortungslosigkeit auf jeder Ebene: ich erinnere an Tschernobyl. Dem wird entgegengehalten, man könnte mit dieser einseitigen Parteinahme „innerhalb der Falle“ nicht einverstanden sein, weil man gegen JEDE Lebensverneinung sei. Gut, heißt das, daß du in Polen nicht für die Solidarnosc eingetreten wärst, weil die Katholische Kirche zutiefst lebensfeindlich ist? Das Fatale an einer solchen kompromißlos „lebenspositiven“ Haltung ist doch, daß sie letztlich nur der Lebensfeindlichkeit gute Dienste leistet, also hier der KP.

nachrichtenbrief193

21. Februar 2021

Ein ganz anderer Mensch, eine ganz andere Haltung:

Übrigens rätseln sie, wie der Linke Steimle von Linken derartig pestilent angegangen werden konnte. Sie verstehen es nicht, weil sie nicht gelernt haben, zwischen Liberalen („Linken“) und Pseudoliberalen (Kommunisten) zu unterscheiden.

Eine Ergänzung zu „Lore Rubin Reich: ERINNERUNGEN AN EINE CHAOTISCHE WELT“

27. März 2020

Die erwähnte schlichtweg SCHWACHSINNIGE Interpretation/Zurückweisung der Reichschen Orgasmustheorie kann man auch auf Max Stirners Anthropologie ausweiten. Der wird entgegengehalten, daß die Menschen zu „Egomanen“ werden, zu ichsüchtigen Soziopathen. Hallo! Der gesamte Ansatz Stirners beruht ja darauf, daß das „Ich“ eine Lüge ist, d.h. eine vollkommen vergesellschaftete, bzw. gesellschaftlich verformte Instanz. Ebensogut könnte man Handpuppen „Egoismus“ vorwerfen!

Es geht eben nicht um das „freie Ausleben“, denn die Menschen sind ja gar nicht frei. Um was es geht, hat Reich verdeutlicht, als er erstmals in der Menschheitsgeschichte zwischen primären und sekundären Trieben unterschieden hat. Wenn man die ersteren unterdrückt, verwandelt man sie in sekundäre Triebe. Wenn man die letzteren NICHT unterdrückt, verhindert man jede Chance, daß sich die primären Triebe jemals entfalten können.

Fast alle Menschen, insbesondere aber wirklich alle „Intellektuellen“, sind schlichtweg zu dumm, um die Sexualökonomie zu begreifen. Das hat natürlich NICHTS mit dem IQ zu tun, sondern diese Dummheit, oder besser Dumpfheit, ist unmittelbarer Ausdruck der Panzerung, insbesondere der Augenpanzerung. Diese „Menschen“, die nicht mal die allerprimitivsten Zusammenhänge durchschauen, sind gar nicht sie selbst, sondern bloße Roboter, die von der Emotionellen Pest gesteuert werden. Oder ein vielleicht passenderes Bild: es ist so, als stünden sie unter Drogen. Kein Wunder, daß sie REICH für verrückt halten und in den Orgonomen nur irre Sektierer sehen können…

Marx’ ursprüngliche Botschaft (Teil 4)

16. März 2020

Wie kam es überhaupt zum Marxismus? Marx (der damals nichts über Ökonomie wußte) und Engels gehörten zur Berliner Gruppe der Links-Hegelianer. Unter ihnen war auch Max Stirner, der seine Theorie der Selbstregulierung formulierte und veröffentlichte. Man siehe die Bibliographie von Christusmord. Reich nannte Stirner „unseren Gott“, siehe Leidenschaft der Jugend. Siehe auch American Odyssey, S. 382. Gegen Stirners proto-orgononomisches Konzept der Selbstregulierung schrieben Marx und Engels ihr (bis 1903) unveröffentlichtes Manuskript Deutsche Ideologie. Aus den in diesem Manuskript formulierten Konzepten entwickelte sich später unmittelbar Marx‘ Kapital, das somit im Grunde genommen ein gegen „unseren Gott“ Stirner geschriebenes Buch ist.

Aus ideengeschichtlicher Sicht ist Marx‘ Hauptwerk ein Anti-Reich-Buch. Willy Brandt übersetzte (zusammen mit einem Norweger) Das Kapital im Exil erstmals ins Norwegische, ausdrücklich, um dem dortigen Einfluß von Reichs Sexualökonomie entgegenzuwirken! Später, Ende der 1960er Jahre, wurde erneut Marx‘ Werk genutzt, um Reichs Einfluß etwas entgegenzusetzen. Es wurde ursprünglich verfaßt, um der „Orgonomie“ (Stirner) entgegenzuwirken, ebenso wie Freuds spätere Bücher dazu dienten, der „Orgonomie“ (der frühe Freud, Otto Gross und Reichs frühe Sexualökonomie) Einhalt zu gebieten. Bis heute sind alle Marxisten (auch „Reichisten-Marxisten“) Erzfeinde der Orgonomie.

Als Das Kapital erschien, interessierte sich niemand für Marx‘ völlig unlesbaren Erguß. Es wurde nur ein verspäteter Erfolg aufgrund der politischen und sogar rein wirtschaftlichen Machenschaften von Engels innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, SPD. Und selbst hier war sein tatsächlicher Einfluß jenseits von Lippenbekenntnissen fast gleich Null. Wirklich, niemand brauchte dieses Buch! Offensichtlich brauchte die „Arbeiterklasse“ Marx überhaupt nicht! Der Marxismus wurde erst einflußreich, als die provinzlerischen Russen, die die deutsche Sozialdemokratie als unhinterfragbaren „westlichen Fortschritt“ angenommen hatten, ihre Revolution machten. Danach war Marx ein fester Bestandteil der kommunistischen Pest, kam wegen der Sowjetunion (und nur wegen ihr) in Mode und verschwand 1989 wieder. Heute interessiert sich niemand mehr für diesen Murx.

Der Marxismus ist kein wirtschaftswissenschaftliches Kapitel, sondern ein Problem, das bei der Emotionellen Pest einzuordnen ist!

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