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30. September 2017Der Psychoanalytiker und Kommunist Wilhelm Reich 1927/28 über die Emotionelle Pest
2. September 2017Reich hat die Emotionelle Pest parallel zur Arbeitsdemokratie Ende der 1930er/Anfang der 1940er Jahre entdeckt. Die Untersuchung des Konflikts zwischen Emotioneller Pest und Arbeitsdemokratie konstituiert die orgonomische Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie). Zuvor hatte er Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre den Konflikt zwischen der Genitalität (Funktion des Orgasmus) und der Emotionellen Pest untersucht, was die Sexualökonomie konstituierte. Das war zwar ein Jahrzehnt vor der eigentlichen Entdeckung der Emotionellen Pest, doch die folgenden beiden Zitate zeigen, daß er bereits wußte, bevor er wußte…, will sagen, bevor sein Wissen zum definierbaren Begriff wurde.
Beim ersten Zitat geht es um den Sadismus bei Triebgehemmten, etwa Zwangsneurose oder Hysterie, und bei Triebhaften, jeweils im Zusammenhang mit Fallgeschichten, die uns hier nicht weiter interessieren:
Wir erinnern an unsere Beschreibung der Reaktionsweise der zwangsneurotischen Frau auf ihre in der Übertragungssituation hervorbrechende Liebestendenz: Sie haßt den Analytiker, weil sie von ihrer Liebe nichts wissen darf und ihn wie jedes Liebesobjekt fürchtet; dabei überwuchern ihre sadistischen Phantasien, deren sexueller Charakter unverkennbar ist. Was hier unbewußt vor sich geht, rollt beim Triebmenschen offen ab, er fordert rücksichtslos Liebesbezeugungen und droht etwa, den Arzt zu vergiften, wenn er zurückgewiesen wird; als Motiv seiner Mordabsicht gibt er aber niemals die Zurückweisung an; das verbieten ihm sein so leicht verletzbarer Stolz und sein Schuldgefühl, sondern er findet bald eine nichtige Rationalisierung oder er erklärt einfach, das Töten, Kastrieren oder Brandlegen würde ihn sicherlich heilen, nur darin könnte er restlose Befriedigung finden, er müßte sich nur einmal tüchtig austoben. (Die Funktion des Orgasmus, 1927, S. 157f)
Was Reich hier beschreibt, die auffällige Diskrepanz zwischen vorgeschobenem und wirklichem Motiv, ist nichts anderes als die Emotionelle Pest. Das ganze könnte man auf Hitler, den „Generalpsychopathen“, wie Reich ihn nannte, und die nationalsozialistische Judenverfolgung übertragen.
Wie die Emotionelle Pest in ihrem eigentlichen Funktionsbereich, der Gesellschaft, zum Ausdruck kommt, und wie man ihr dort entgegentreten muß, beschreibt der Psychoanalytiker und Kommunist Reich wie folgt:
Es gibt Idealisten, welche meinen, die Wissenschaft sei eine voraussetzungslose Arbeit an Gegebenheiten, die unbekümmert um Meinungen und Ängste, rücksichtslos Wahrheiten aufdeckt. Statt dessen sieht man, daß insbesondere dort, wo es sich um Fragen des sexuellen Seins handelt, ethische Predigten mit der dazugehörigen Verlogenheit an der Arbeit sind, die sexuelle Not ins Maßlose zu steigern. Es kann wohl kein ethischeres Ziel gehen, als diese Art „Wissenschaft“, und je berühmter der Name des Forschers, desto unerbittlicher, zu bekämpfen, ohne Rücksicht auf die übliche Konvention und das schädliche laissez faire. Wohlerzogene Rücksichtnahme wird (…) zum Verbrechen an der Wissenschaft und an den Menschen. (Reich in einer Besprechung von Prof. Paul Häberlin „Über die Ehe. Schweizer Spiegel-Verlag, Zürich, 1928“ Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 14(4), 1928, S. 532f)
Reich zitiert entsprechende Stellen bei Professor Häberlin, die zeigen, wie das Lebensglück der Menschen irgendwelchen „höheren Prinzipien“ geopfert wird. Mit Hilfe der damaligen Sexpol wollte Reich dieser gesellschaftlichen Perversion in der autoritären Gesellschaft aktiv entgegentreten.
Der Rote Faden: Der Kalte Krieger Nr. 1
26. August 2017Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:
DER ROTE FADEN:
1. Aktion und Reaktion
a. Der Weg in den Kommunismus
b. Der Weg in den Faschismus (Wien)
c. Rassenhygiene
d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)
e. Der Übermensch
f. Die Untermenschen
2. Der Weg in den Kalten Krieg
a. Das rote Berlin
b. Agenten des Roten Terrors
c. Der Friedenskämpfer Nr. 1
Der Rote Faden: Der Friedenskämpfer Nr. 1
8. August 2017Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:
DER ROTE FADEN:
1. Aktion und Reaktion
a. Der Weg in den Kommunismus
b. Der Weg in den Faschismus (Wien)
c. Rassenhygiene
d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)
e. Der Übermensch
f. Die Untermenschen
2. Der Weg in den Kalten Krieg
a. Das rote Berlin
b. Der rote Parasit
Der Rote Faden: Die Untermenschen
25. Juni 2017Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:
DER ROTE FADEN:
1. Aktion und Reaktion
a. Der Weg in den Kommunismus
b. Der Weg in den Faschismus (Wien)
c. Rassenhygiene
d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)
e. Der Übermensch
DER ROTE FADEN: Der Weg in den Kommunismus
3. April 2017Orgontherapie nach Wilhelm Reich
3. Januar 2017In vieler Hinsicht ist die Orgonomie mit Reich gestorben. Er hatte wohl immer wieder Mitarbeiter, etwa Biologen, die ihr Fachwissen einbrachten, doch imgrunde wurde die Orgonforschung von ihm allein getragen. Der einzige Bereich seiner Tätigkeit, der sich selbst trug und den er Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre selbst weitgehend an andere abgetreten hatte, war die Orgontherapie. Er machte seinen Schüler Elsworth F. Baker, Psychiater und ausgebildeter Psychoanalytiker, für diesen Bereich zuständig. Beispielsweise war es Baker, der so etwas wie der „Familienpsychiater“ der Familie Reich war und zu Reichs Lebzeiten die Zeitschrift Medical Orgonomy herausbrachte. Nach Reichs Tod behauptete Baker, Reich habe ihm bei ihrem letzten Treffen vor seinem Gefängnisaufenthalt gesagt, daß er sich von allen anderen Orgonomen distanzieren solle und zusammen mit neu von ihm ausgebildeten Therapeuten die Orgonomie neu aufbauen sollte. Das ist glaubhaft, weil Reich zuvor ähnlich gehandelt hatte, etwa nach seinem Rauswurf aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1934, nach dem Scheitern der Sexpol 1936, seinem Fortgehen aus Skandinavien 1939 und den Belastungen, die mit der Pressekampagne, den Auseinandersetzungen mit der Gesundheitsbehörde und dem ORANUR-Experiment (1951) nach 1947 aufbrachen und die Orgonomie bereits vor seinem Tod grundlegend umformte.
Es kam, wie es kommen mußte: zu einem unheilbaren Bruch zwischen Baker und der überwiegenden Mehrheit von Reichs anderen Mitarbeitern. Ein Faktor war auch, daß, bis auf Michael Silvert, Baker der einzige Schüler Reichs war, der von Anfang an ein Konservativer war, während alle anderen mehr oder weniger linksliberal eingestellt waren und sich nur anpaßten, als Reich beispielsweise verkündete, daß „die Orgonomie“ Eisenhower bei seiner Wahl unterstütze. 1967 brachte Baker ein Buch heraus, Der Mensch in der Falle, in der er die drei Tabus einer gepanzerten Gesellschaft anging: Sexualität, Religion und Politik. In den ersten beiden Bereichen bestand von jeher Konsens unter Reichs Anhängern, aber Baker machte sich daran, Reichs entsprechenden Ausführungen aus den 1950er Jahren über Liberale (im amerikanischen Sinne, also Linke) und Konservative zu systematisieren. Die Kernaussage war, daß eine erfolgreiche Orgontherapie die Patienten konservativer machen würde. Wenn sie mehr in Kontakt zu ihrem „bioenergetischen Kern“ kommen, beginnen sie sich mit „dem Eigenen“ zu identifizieren, statt mit haltlosen „humanistischen“ Ideologien.
Derartige Ideen formulierten Baker und seine Schüler genau zu jener Zeit, als Amerika in Aufruhr geriet und die gesamte Kultur sich dramatisch nach links verlagerte, wobei neben Herbert Marcuse auch „Wilhelm Reich“ eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Zur gleichen Zeit bildete sich eine neue therapeutische Kultur heraus (Esalen, Encounter Groups, die Urschrei-Therapie, Reichs Schüler Alexander Lowen und seine „Bioenergetik“ wurden ungemein populär, etc.), als Baker streng darauf beharrte, daß ausschließlich voll ausgebildete und von den Fachverbänden anerkannte Psychiater Orgontherapeuten sein konnten. Baker war so etwas wie der ultimative Spielverderber.
In seinen letzten Jahren hatte Reich mit einer therapeutischen Herangehensweise experimentiert, bei der er sehr schnell mit der Auflösung des Körperpanzers voranschritt in der Hoffnung, daß sich die damit erreichten Ansätze von Genitalität im Laufe der Zeit selbst konsolidieren würden. Baker beharrte weiter auf dem „traditionellen“ Ansatz, bei dem mehr Nachdruck auf die Charakteranalyse gelegt wurde und Zeit keine Rolle spielen durfte. Auch stellte sich im Laufe der Zeit heraus, daß gerad der heutige Mensch, d.h. der Mensch in der antiautoritären Gesellschaft mehr Charakteranalyse benötigt.
Ein weiterer Faktor der Spaltung war der Orgonenergie-Akkumulator. In seinem Buch Der Mensch in der Falle hatte er sorgsam jede Erwähnung des Akkumulators vermieden und auch in dem seit 1968 erscheinenden Nachfolgeorgan von Medical Orgonomy, der Zeitschrift Journal of Orgonomy wird der Akkumulator ausschließlich in Zusammenhang mit Tierexperimenten und physikalischen Messungen erwähnt. Das mußte wie der ultimative Verrat an Reich erscheinen, zumal Baker bereits zu Reichs Lebzeiten ganz und gar nicht einverstanden war, wie Reich mit den Gesundheitsbehörden umging. Reich wollte offensiv für sein Recht kämpfen Menschen mit dem Akkumulator zu helfen, während Baker dafür plädierte, alles den Rechtsanwälten zu überlassen. Nach Reichs Tod schrieb Baker der FDA, daß er nichts mit dem Akkumulator zu tun habe und auch nichts zu tun haben wolle. Das hat einen zweifachen Hintergrund: erstens Angst, daß den heutigen Orgonomen das gleiche widerfahren könnte wie Reich selbst und zweitens ist da die berechtigte Angst vor den Berufsverbänden und Versicherern mit horrenden Regreßforderungen und einem effektiven Berufsverbot. In Europa besteht dieses Problem zum Glück nicht in diesem Ausmaß.
Hier zeichnet sich auch das eigentliche Problem der heutigen Orgonomie ab: Psychiater sind in den USA dermaßen in ein System aus überbordender Bürokratie und einem Berufsbild eingespannt, das sich ausschließlich um „Gehirnchemie“, das Verabreichen von Psychopharmaka und das „Management“ des Falles erschöpft (d.h. die Zuweisung an Neurologen, Internisten, etc. und vor allem an neuerdings weitgehend nichtmedizinische Psychotherapeuten), daß das Berufsbild des klassischen Psychiaters, der sich zum Orgonom fortbilden kann, zunehmend verschwindet. Es fehlt schlicht der Nachwuchs. Andererseits wäre es ziemlich absurd Nichtmediziner als Körpertherapeuten auszubilden und Nichtpsychiater angesichts einer Bevölkerung auszubilden, die zunehmend psychiatrisch auffällig ist („Frühstörungen“, Substanzmißbrauch, zerrüttete Familien, etc.).
Um was es hier zentral geht, kann man sich am Beispiel Alexander Lowens, dem Begründer der „Bioenergetik“ vergegenwärtigen. Er war einer der ersten Schüler Reichs in Amerika, aber leider nur Rechtsanwalt und Gymnastiklehrer. Deshalb wurde er von Reich aufgefordert Medizin zu studieren, wenn er wirklich als Therapeut arbeiten wolle. Dies tat Lowen dann auch unter großen persönlichen Opfern in der damals noch billigen Schweiz. Als er nach seiner Rückkehr nach Amerika aber auch noch Psychiater werden sollte, verließ er die Orgonomie unter dem Vorwand sie sei zu „kultisch“ geworden. Die Krankheitslehre, die er dann aber in einer Reihe von Büchern ausbreitete, zeigte genau das: den eklatanten Mangel an psychiatrischen Kenntnissen, so daß sein System geradezu gemeingefährlich ist, auf jeden Fall aber Verwirrung stiftet.
Igitt: Bornemann
24. Oktober 2016War Reich gesellschaftspolitisch naiv?
4. Dezember 2013War Reich naiv, was die Struktur der menschlichen Psyche und was die Struktur des Kapitalismus anbetrifft? Hatte nicht Freud gezeigt, daß der Mensch ein polymorph-perverses, sado-masochistisches Tier ist und in der Neurose unser tierisches Erbe durchscheint, die Urmenschen entsprechend Neurotiker waren? Sollte der Mensch deshalb nicht bestrebt sein, sich stoisch von der Natur zu emanzipieren? Hatte nicht Marx gezeigt, daß entgegen den besten Intentionen der Menschen, einschließlich der der Kapitalisten selbst, der Kapitalismus von den Zwängen der Profitmaximierung beherrscht wird, die alles Menschliche zermalmen? Wird der Kapitalismus nicht von Eigentumstiteln beherrscht, die ihren unerbittlichen Tribut fordern, was jeder Kreditnehmer (oder auch -geber) am eigenen Leibe erfährt? Anders gefragt, sind wir nicht in subjektiv-biologische (Freud) und objektiv-ökonomische (Marx) Zwänge eingebunden, die Reichs Appell an die „Arbeitsdemokratie“ einfach hoffnungslos naiv erscheinen lassen müssen?
Nun zunächst einmal war Reich zu der Zeit, als er das Konzept der Arbeitsdemokratie nach und nach aus seiner praktischen Erfahrung heraus entwickelte, d.h. in den 1930er Jahren, alles andere als „naiv“: er war der einzige Psychoanalytiker und punktuell vielleicht sogar der einzige Marxist, der eben nicht politisch blauäugig war. Oder wie Andreas Peglau in Unpolitische Wissenschaft? nach eingehender Durchforstung der Quellen konstatiert:
Reich scheint (…) in den 1930er Jahren nicht nur der einzige Psychoanalytiker gewesen zu sein, der sich öffentlich tiefgründig mit dem Faschismus auseinandersetzte, sondern auch der einzige, der dem Stalinismus offen anprangerte. (S. 296)
Was setzte Reich dazu in die Lage? Wie Freud durchschaute er das gesittete bürgerliche Leben und sah den grausamen, sadistischen, lüsternen, raubgierigen und von Neid zerfressenen „Mr. Hyde“, doch:
Die Orgonbiophysik vermochte das Freudsche Unbewußte, das Antisoziale im Menschen, als sekundäres Resultat der Unterdrückung primärer biologischer Antriebe zu begreifen. Dringt man durch diese zweite Schichte des Perversen tiefer ins biologische Fundament des Menschentieres vor, so entdeckt man regelmäßig die dritte und tiefste Schichte, die wir den „biologischen Kern“ nennen. Zutiefst, in diesem Kern, ist der Mensch ein unter günstigen sozialen Umständen ehrliches, arbeitsames, kooperatives, liebendes oder, wenn begründet, rational hassendes Tier. Man kann nun in keinem Falle charakterlicher Auflockerung des Menschen von heute zu dieser tiefsten, so hoffnungsreichen Schichte vordringen, ohne erst die unechte scheinsoziale Oberfläche zu beseitigen. Fällt die Maske der Kultiviertheit, so kommt aber zunächst nicht die natürliche Sozialität, sondern nur die perverssadistische Charakterschichte zum Vorschein. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 11)
Durch den Blick „von der Natur aus“, den Blick „von der Wiese auf die Bühne“ (vgl. Die kosmische Überlagerung), d.h. den Blick vom biologischen Kern her auf die Tragikomödie des menschlichen Lebens, war Reich sensibilisiert für die wirklichen Gefahren. Für jene, die in der Welt der ersten und zweiten Charakterschicht gefangen blieben und für die entsprechend „alles relativ“ war, waren weder Hitler noch Stalin besonders bedrohliche Erscheinungen – sie gehörten zum Spiel. Nur der angeblich „naive“, weil im biologischen Kern geerdete Reich konnte die waren Größenverhältnisse, die wirklichen Gefahren ausmachen. Für die anderen war der Mensch ohnehin „ein sadomasochistisches Tier“ und, was die Marxisten betrifft: es waren halt „die objektiven sozioökonomischen Erfordernisse des sich verschärfenden Klassenkampfes“ verantwortlich. Nicht zu ändern!
Aber hat nicht zumindest das ökonomisch fundierte Denken recht? Mag ja alles schön und gut sein, was Reich über die Charakterstruktur des Menschen gesagt hat und auf die Psychologie ist es ja vielleicht anwendbar, aber was ist mit den objektiven ökonomischen und rechtlichen Bedingungen, unter denen die Menschen leben müssen?
Das klingt wie ein schlagendes Argument, aber gerade darüber hat Reich ja ein ganzes Buch geschrieben: Die Massenpsychologie des Faschismus. Der erste Teil und der zweite Teil, über den Hitlerismus und Stalinismus, handeln davon, daß die Massen in ihrem Denken und Handeln eben nicht von den Gesetzen der Ökonomie bestimmt werden, sondern charakterologischen Determinanten unterliegen, d.h. diese „ehernen Gesetze“ gar keine Macht auf sie ausüben. Die „mittlere, sekundäre Schicht des Charakters“ brachte Hitler und Stalin gegen alle Rationalität an die Macht. Im zweiten Teil des Buches, über die Arbeitsdemokratie, geht es darum, daß der biologische Kern genauso geschichtsmächtig sein könnte gegen alle Irrationalität. Diesmal eben nicht gegen die objektiven Gesetze der Ökonomie, wie im Hitlerismus und Stalinismus, sondern in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen.
Die Antwort wird natürlich (beispielsweise) sein: „Alles Unsinn! Solange sich die Menschen nicht zunächst von diesem auf Zins und Zinseszins beruhendem Geldsystem befreit haben, wird eine Lösung der sozialen Frage illusorisch bleiben und sich folglich auch das psychische Elend perpetuieren!“ Worauf ich natürlich antworten werde, daß solange sich an den Charakterstrukturen nichts ändert, sich das Elend fortsetzen wird trotz aller wohlgemeinten Reformen und Revolutionen – wie einst in der Sowjetunion.
Das Problem bei dieser ganzen Angelegenheit ist, daß das alles nur wohlfeile Theorien sind (Karl Marx, Silvio Gesell, etc.), die möglicherweise vollständig an der Wirklichkeit vorbeigehen oder Schaden anrichten, wenn von ihnen inspirierte gesellschaftliche Veränderungen in Gang gesetzt werden. Selbstverständlich werden selbst gesunde Menschen, „genitale Charaktere“, die morgen die Welt bevölkern, nicht einfach eine vernünftige Wirtschaftstheorie aus dem Hut zaubern können, aber das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Die sich ausbreitende und konsolidierende Arbeitsdemokratie wird aus sich heraus, d.h. aus der Praxis heraus entsprechende Theorien entwickeln.
Wirtschaftstheorien sind abhängig von der soziopolitischen Charakterstruktur ihrer Urheber und ziehen entsprechende Exponenten an. Entweder sind es Leute, die mit dem kastrierenden Vater wetteifern und entsprechend eine den rücksichtslosen Kapitalismus feiernde Theorie vertreten („Akkumulation“), oder sie rebellieren auf subversive Weise gegen den kastrierenden Vater und favorisieren entsprechend eine gesellschaftliche Umverteilung („Distribution“). Beide Ansätze sind letztendlich unbrauchbar, weil aufgrund der Panzerung einseitig.


















