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Posts Tagged ‘Sexualität’
Igitt: Bornemann
24. Oktober 2016Zwischen Kinderfickern
9. Oktober 2016Wenn nicht aktiv, so haben die 68er jedenfalls Kinderfickerei geduldet, diente es doch der „Befreiung“. Man denke nur mal an die Kommune 1 und die Kommune 2 oder an den „Provokateur“ Daniel Cohn-Bendit. Dazu die katholische Tagespost 2008:
Dazu gab es ja eine umfangreiche theoretische Grundlegung. Der marxistische Sexualtheoretiker Wilhelm Reich, der Star der Bewegung, schrieb: „Die Unterdrückung des kindlichen und jugendlichen Liebeslebens hat sich als Kernmechanismus der Erzeugung von hörigen Untertanen und ökonomischen Sklaven erwiesen“.
Das ist in der Tat der Punkt, an dem eine bis dahin eher humane Vorstellung von Befreiung der Sexualität umschlug. Das ist paradox: Das Kind muß zur sexuellen Freiheit gezwungen werden, aber was diese Freiheit sei, das definieren die Erwachsenen. Wenn wir uns ansehen, was in den Kinderläden und Familien passiert, was dokumentiert und theoretisch legitimiert worden ist, dann war 68 bezogen auf die Kinder eine grenzverletzende, keineswegs eine lässige Bewegung. Das ist auch ein Erbe von 1968. Es wurde und wird außer Acht gelassen, daß freie oder befreite Sexualität auch die Freiheit beinhaltet, nein zu sagen, Grenzen zu setzen, sogar, gegebenenfalls, auf Sexualität zu verzichten, im Zölibat zu leben oder eine unspektakuläre Sexualität zu haben oder nicht dauernd und mit jedem über sein Intimleben quatschen zu müssen.
Damals erschien im Stern ein Artikel über die 68er mit dem gleichen Reich-Zitat. Und das wiederum entstammte offensichtlich einem Artikel aus der Zeit von 1991.
2007 erschien im Spiegel ein guter ausgewogener Artikel über Neills Summerhill, in dem auch Reich kurz Erwähnung fand (was in der Berichterstattung über Neill und Summerhill nicht selbstverständlich ist). Es wurde sogar hervorgehoben, daß Summerhill nichts mit „antiautoritärer Erziehung“ zu tun hat.
Der deutsche Buchtitel hängt bis heute wie ein Fluch über der Schule. Dabei hatte Neill den Begriff antiautoritär nie benutzt, sein Motto war „Freiheit, nicht Zügellosigkeit“. Seine Schule war kein experimenteller Kinderladen, seine Schüler kamen klar mit der Freiheit. (…) „Laßt mich bloß in Ruhe mit den deutschen 68ern“, soll Neill oft gewettert haben.
Eine Kritik, die von einer ehemaligen Schülerin angebracht wird, ist sicherlich berechtigt: das Problem in Summerhill sind Lehrer, die ihre eigene Kindheit auf Kosten der Kinder nachholen wollen.
Irgendwo schreibt Neill (leider finde ich das genaue Zitat nicht), daß, wenn er von der Sexualität von Kindern und Jugendlichen spricht, er natürlich davon ausgehe, daß seine Leser wirklich erwachsen sind – und deshalb nicht selbst Interesse an „kindlicher Sexualität“ haben.
Genau das, daß Erwachsene aufgrund einer eigenen unerfüllten Kindheit emotional zurückgeblieben sind, trifft den Nagel auf den Kopf. Die 68er, die nie erwachsen geworden sind, haben ihre neurotische infantile Rebellion ausgelebt. Der Schaden, den diese antiautoritären Wichser der Orgonomie in Deutschland zugefügt haben, ist schier unermeßlich!
Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht
8. Oktober 2016Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:
Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht
Robert sagte 2010: Der Publizist William S. Schlamm,… rechtskonservativer Reich-Hasser
Es ist typisch für die vielen Konservativen, dass sie perverse Sexualität nicht von natürlicher Sexualität unterscheiden können und deswegen Reich missverstehen. Schlamm ist da beileibe nicht der Einzige. Der übelste Vorwurf ist, Reich hätte den sexuellen Kindesmissbrauch unterstützt.
Während die Konservativen Reich unterstellen, er fördere Perversionen, unterstellen ihm die Liberalen, er wolle eine genitale Diktatur errichten (und die Prä-Genitalität unterdrücken).
Klaus: Immer wenn ich anfing, was von Bloch zu lesen, war ich sehr gelangweilt, weil ich mich fragte, was er außer historischen Thesen zu bieten hat an allgemeinen Erkenntnissen. Und wenn da auch allgemeinere Erkenntnisse sind, kann man die kürzer und klarer zum Ausdruck bringen. Diese Standardautoren der Linken machten sich eben vierzig Jahre gut in Regalen – Suhrkamp hat ja gleich fürs Design gesorgt. Nun hatten die linken Studenten immerhin wenigstens Helden fürs Bücherregal – die gegenwärtigen haben u. a. wegen der standardisierten Veranstaltungen und Prüfungen meistens erheblich weniger Lektüreerfahrungen aus eigener Initiative. Nicht einmal mehr zum Protzen ist etwas im Regal aneinandergereiht.
Wie sehr z. B. Adorno bloß Kultstatus hatte (und z. T. noch hat) (wie mir scheint: ohne inhaltlich Umwerfendes mitzuteilen), merkte ich z. B. daran, dass in einem meiner spannendsten Seminare – über kleine Schriften Gottlob Freges – mein Nachbar einerseits heimlich, andererseits demonstrativ (Buch unterm Tisch, aber vor Seminarbeginn sichtbar) Adorno las.
Robert: Adorno hat allerdings mit die „Studien zum autoritären Charakter“ geliefert, womit er die Psychostruktur des faschistischen Charakters liefern wollte. Es hat allerdings mehr mit Sozialpsychologie statt Tiefenpsychologie zu tun. Ich bezweifele, ob er Reichs „Massenpsychologie“ gelesen hat – jedenfalls merkt man darin wenig (in der Suhrkamper Taschenbuchausgabe). Das Buch erschien 1950 als Sammelwerk in den USA.
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter
Jonas Says:
@Robert:
Habe leider die Quelle nicht parat, erinnere mich aber gelesen zu haben, dass sich Adorno im „autoritären Charakter“ stark an Reich orientierte – auch wenn er seinen Namen nicht erwähnt. In privaten Briefen diskutiert er dies aber. Er gibt Reich den Vorzug gegenüber Erich Fromm, da letzterer den Fehler beginge, die psychoanalytische Methode direkt auf die Gesellschaft anzuwenden, während Reich psychoanalytische und soziologische Methodik nach ihren Zuständigkeitsbereichen getrennt halten will.
Das man davon zugegebenermaßen wenig merkt, ist natürlich eine andere Geschichte. Zum Verhältnis Adorno-Reich sind sicherlich Laskas Arbeiten im LSR-Projekt lesenswert (Stichwort Re-pulsions- und De-zeptionsgeschichte).
Klaus: Wie trivial es ist, was er zum irrationalen Kampf gegen jegliche Autorität zu sagen hat – eben so trivial, wie das, wogegen er argumentiert, lächerlich ist. Daher wundern mich immer die vielen Worte, die dafür gebraucht wurden.
David 2015: Der libertinistische Gegenpart zum asketisch verträumten Bloch spielte Herbert Marcuse, der Prophet des Anspruchsdenkens, der Leistungsverweigerung und der anti-genitalen polymorph-perversen Erotisierung der Gesellschaft. Alles was die Spießer von je her den fortschrittlichen Menschen fälschlich andichteten, propagierte dieses Schwein.
Und Habermas?
Der wird doch auch immer wieder erwähnt – im Zusammenhang mit der Kritischen Theorie:
Zitat Wikipedia:
Wegen der Vielfalt seiner philosophischen und sozialwissenschaftlichen Aktivitäten gilt Habermas als ein produktiver und engagierter öffentlicher Intellektueller.[2] Vom hegelianisch-marxistischen Ursprung der Frankfurter Schule hat er sich durch die Rezeption und Integration eines breiten Spektrums neuerer Theorien gelöst. Er verband den historischen Materialismus von Marx mit dem amerikanischen Pragmatismus, der Entwicklungstheorie von Piaget und Kohlberg
(ähnlich auch Loevinger – das sind doch die Stadien der moralisch-psychologischen Entwicklung des Kindes wenn ich mich nicht irre; Anmerkung von mir)
und der Psychoanalyse von Freud. Zudem beeinflusste er maßgeblich die deutschen Sozialwissenschaften, die Moral- und Sozialphilosophie. Meilensteine waren vor allem seine Theorie des kommunikativen Handelns
(kommunikatives Handeln klingt ziemlich modern, irgendwie facebook-like; nach Arbeitsdemokratie hört das sich aber gar nicht an, finde ich; Anmerkung von mir)
und, wiederholt inspiriert durch die diskurstheoretische Auseinandersetzung mit Karl-Otto Apel, seine Diskurstheorie der Moral und des Rechts.
Zitat Ende.
Irgendwie kommt mir das alles ziemlich „rechts“ vor und anfangen konnte ich mit Habermas noch nie was. Vielleicht konnte ich ihn noch nicht einmal verstehen.
Robert 2011: Zu Daniel Cohn-Bendit ein informativer Artikel von Bettina Röhl:
Vom Wutbürger zum Machtbürger
Daniel Cohn-Bendit ist eine Art Überpräsident der 68er Bewegung. Seine pädophilen Entgleisungen schaden ihm nicht. Jetzt schwingt er sich zum Oberrichter über Demokratie, Verfassung und die Schweiz auf. Von Bettina Röhl
Dazu Peter: Bei den lesenswerten Leserbriefen habe ich folgenden interessanten Link gefunden:
http://wireltern.eu/news/die-paedophilenpartei.html
Ich werde niemals soviel fressen können, wie ich kotzen möchte.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weist Forderungen aus der CSU nach höheren Mindeststrafen für sexuellen Kindesmissbrauch ab.
Im „Hamburger Abendblatt“ nannte die FDP-Politikerin die geforderte Strafverschärfung für jede Form von sexuellem Missbrauch „reine Symbolpolitik“.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Justizministerin-gegen-schaerfere-Strafen_aid_949153.html
Ja, es ist symbolisch, daß in diesem Land Diebstahl härter bestraft wird als die Zerstörung einer Kinderseele.
O.: So wie Dieter E. Zimmer im Zeit-Artikel WR interpretiert und dieses Verständnis als das der 68-er hinstellt, wird den Studenten unterstellt sie wollten oder konnte WR nicht verstehen. Aber auch in den 90-ern wurde Reich in Belzig und Berlin in Reich-nahen Kreisen noch als Freifahrtschein zum Ficken missverstanden. Die meisten Reich-Schüler waren aber noch zu verklemmt, um überhaupt mal Sex zu haben, so musste sie dann bei den etwas lockeren sozialisierten Ex-DDR-lern/-innen sich abschauen, wie man einfach mal sich mit jemandem zum Sex verabreden kann.
Also auch in Berlin wurde noch geglaubt, bei „Reich-Lese-Unkundigen“, die aber durch Vorträge glaubten etwas vom genitalen Charakter verstanden zu haben, man müsse nur ficken und frei fließen. Die Eingeweihten wussten natürlich, dass das nichts bringen würde und das man ohne Therapie ohnehin nicht vorankäme.
Das Problem war aber vielmehr eine taugliche Therapie zu finden, wo doch niemand weit und breit eine Ahnung davon hatte … und so beißt sich die „sexuelle Revolution“ noch in ihren eigenen „Schwanz“ – wenn sie einen hat.
Peter 2015: Erneute Hetze von Rechts gegen Reich – angestachelt durch das linke Gesindel…
https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/02/linksanarchistische-kinderladen-der-68er-revolutionare-befreiung-durch-kindersex/
Hollywood kackt in unsere Seelen
28. September 2016Es gibt drei Bereiche, in denen wir uns, Freud und Reich zufolge, ganz entfalten, ganz wir selbst sind, d.h. in denen wir ganz vom vegetativen Nervensystem beherrscht werden: in der Sexualität, beim Geburtsvorgang und im Schlaf. In allen drei Bereichen entladen wir Energie: beim Orgasmus, die ungepanzerte Frau bei der natürlichen Geburt und wir alle im Traum. Es ist kein Zufall, daß Hollywood, das zu einem Gutteil von pseudo-liberalen Kommunisten beherrscht wird, gerade diese drei Bereiche mit ikonischen Bildern angreift, die sich tief in unsere Seelen gefressen, Teil unseres kollektiven Bewußtseins geworden sind:
Da wäre zunächst Basic Instinct, wo die genitale Umarmung auf ikonische Weise mit denkbar grausigem Abschlachten verknüpft wird:
Als nächstes hätten wir die denkbar widerlichste Parodie des Geburtsvorgangs in Alien:
Und schließlich Freddy Krueger in A Nightmare on Elm Street, der Teenager abschlachtet, sobald sie sich in den Schlaf fallenlassen und anfangen zu Träumen. Erst neulich habe ich dazu dieses Video gepostet:
Die weitaus meisten Filme sind nichts anderes als humanistische, d.h. kommunistische Propaganda. Das bedeutet, daß letztendlich der sich selbst erschaffende Mensch propagiert wird, d.h. ein Mensch, der sich ganz von der Natur („Gott“) löst. Worauf das ganze hinausläuft, wird sehr schön an folgender Aussage von Sara Maitland deutlich, die mit Stanley Kubrick zusammen an dessen Filmprojekt A.I. Artificial Intelligence arbeitete:
Er war von der Künstlichen Intelligenz fasziniert. Er wollte einen kulturellen Wandel bewirken. Wenn Roboter von uns gemacht werden und handeln wie wir, warum sind sie nicht unsere Kinder? Er beklagte sich über Blade Runner, daß, wenn es so schwierig sei, zu bestimmen, wer ein Replikant ist – warum spielt es dann eine Rolle? Warum müssen sie gejagt werden? Er glaubte, daß Computer wirklich intelligent werden, inklusive emotional und möglicherweise eine anpassungsfähigere Form des Menschen darstellen: sie sind unsere Zukunft. Der Film sollte uns dazu bringen sie zu lieben.
Worum es bei den massenpsychologischen Projekten der „Unterhaltungsindustrie“ wirklich geht, ist die Vernichtung der menschlichen Seele.
Warum schaut man sich Horrorfilme an?
5. September 2016Wenn man die Reaktionen der jungen Frau, die neben Mr. Bean sitzt, betrachtet, fällt unmittelbar die sexualökonomische Erklärung dafür ins Auge, warum Leute sich der Tortur von Horrorfilmen aussetzen! Es ist selbstevident, bedarf keiner weiteren Erklärung.
Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 4.a.
8. März 2016Der Kapitalismus ist nicht die Lösung
21. Januar 2016Reich wurde in eine Familie von Großgrundbesitzern hineingeboren, die in Galizien wie kleine Landadlige herrschten. Verhältnisse wie heute vielleicht in Guatemala! Im Ersten Weltkrieg implodierte diese Welt. Wie viele seiner Generation war der restlos desillusionierte Frontkämpfer Reich vom „russischen Experiment“ fasziniert. In seiner Tätigkeit als Psychiater und Psychotherapeut, der Ambulanzen für Mittellose anbot, hatte er aus erster Hand Einblicke in das schier ausweglose Elend der Nachkriegszeit. Leute wie die Hausärztin Marie „Mizzi“ Frischauf-Pappenheim (1882-1966) überzeugten ihn schließlich von der Marxistischen Wirtschaftstheorie. Eine gerechte Welt war möglich.
Zwar glaubte er im Laufe der Zeit weniger und weniger an linke Politik, die im Kern „Sozialpolitik“ ist (d.h. von der Hilflosigkeit der Massen lebt und diese perpetuiert) und formulierte sein Konzept der „Arbeitsdemokratie“, doch am ökonomischen Kerngehalt des Marxismus hielt er stets fest, zumal er am Ende seines Lebens zunehmend mit der ekelerregenden Geschäftemacherei der Pharmaindustrie konfrontiert war. Der Orgonenergie-Akkumulator war eine potentielle Gefährdung ihrer Profite! (Reichs Anwälten wurde das ganz offen gesagt.)
In meiner Auseinandersetzung mit Marx habe ich in diesem Blog zu zeigen versucht, daß dessen „Politökonomie“ unvereinbar mit Reichs Konzept Arbeitsdemokratie ist, es jedoch eine große Schnittmenge zwischen der Arbeitsdemokratie und Friedrich August von Hayek gibt, der „Österreichischen Schule“ in der Ökonomie.
In der Österreichischen Schule geht es im Grunde nur um eines: die Wirtschaft ist dermaßen „organisch verwoben“, daß man sie nicht von außen regulieren kann.
Friedrich August von Hayek’s time has come! In diesem Artikel wird jedoch kritisch angemerkt, daß die Österreichische Schule nicht erklären kann, warum die Märkte immer wieder daran scheitern, eine vernünftige und vor allem finanzierbare Gesundheits- und Altersversorgung für die Unterschicht bereitzustellen.
Beispielsweise ist das Gesundheits- und Rentensystem von der Qualität her in den USA zwar geradezu traumhaft, wenn man ein gutes Einkommen hat oder auch zufällig in der richtigen Branche, in der richtigen Firma arbeitet, aber für die Armen und auch für ein Gutteil der Mittelschicht ist es die reinste Katastrophe. Selbst wenn niemand hungern muß und im Notfall für medizinische Versorgung gesorgt wird (MEDICAID und MEDICARE), bleiben beispielsweise künstliche Hüftgelenke, die in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sind, für viele alte Amerikaner ein unerreichbarer Traum. Deutsche können da nur vollkommen fassungslos mit dem Kopf schütteln.
Reichs erste Formulierungen seiner „Arbeitsdemokratie“ vom Ende der 30er Jahre erinnern sehr an „rätekommunistische“ und „anarcho-syndikalistische“ Konzepte – „unter Ausschluß des Privateigentums an gesellschaftlichen Produktionsmitteln“. Organisatorische Anregungen, die er bald fallenließ und durch eine Maxime ersetzte: Funktion hat stets Priorität vor Struktur – der rationale Arbeitsprozeß selbst soll die Gesellschaft bestimmen.
Damit näherte sich Reich der Vorstellungswelt der Österreichischen Schule sehr stark an. Es war nur folgerichtig, daß Hayek’s The Road to Serfdom zu einer der Grundtexte der Orgonomie wurde. Aber, wie gesagt, es gibt Lücken in der Österreichischen Schule, die ausgerechnet für die Orgonomie von zentraler Bedeutung sind, insbesondere das Gesundheitswesen.
Der Kapitalismus hat für eine praktisch hundertprozentige Versorgung der Bevölkerung mit Kühlschränken, Waschmaschinen, Telefonen, etc., neuerdings sogar mit Computern, gesorgt. Bei allem was recht ist: ich möchte in keinem anderen System leben und wäre bereit zur Waffe zu greifen, wenn hier der Sozialismus (oder meinetwegen „Rätekommunismus“) eingeführt würde! Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht, daß zentrale Bereiche von „Liebe, Arbeit und Wissen“ vom Profitdenken bestimmt werden. Ich möchte nicht, daß die Alten und Schwachen unter die Räder geraten.
Genau hier ist Raum für Reichs „prä-amerikanische“ Überlegungen über „Arbeits- und Konsumvertreter“, die, um Reich zu paraphrasieren, aus ihren sachlich-fachlichen Kenntnissen und Fähigkeiten heraus die Interessen und materiellen Bedürfnisse der arbeitenden Massen vertreten (siehe Die natürliche Organisation der Arbeit, 1939).
Dies geschieht heute in jeder gutgeführten gemeinnützigen Organisation, solange sie nicht von irgendeiner meschuggen Ideologie bestimmt wird. Es ist kaum einzusehen, warum sich Medizin und Altenpflege flächendeckend nicht ähnlich organisieren lassen. (Wobei natürlich jedem freistehen sollte, daneben privatwirtschaftliche Lösungen anzubieten.)
Und es geht hier nicht nur um den Kapitalismus mit seinen Profitinteressen, sondern auch um jene Sozialdrohnen, die wie die Maden im Speck von der gegenwärtigen Sozialbürokratie leben. Man erzähle mir nicht, diese Leute hätten keine „Profitinteressen“! Beide, die „Kapitalisten“ und die „Sozialisten“, haben ein wirtschaftliches Interesse daran, daß den Menschen langfristig nicht geholfen wird.
Ein genuin arbeitsdemokratisches System würde die Medizin und sogar die Altenpflege mit der Zeit schrumpfen lassen. (Wenn man ihnen nur vernünftig hilft, können Alte sehr lange ein selbstbestimmtes und produktives Leben führen!) Ausgerechnet jene Bereiche also, die heute als „Zukunftsbranchen“ gelten.
Es geht um Solidarität – um Liebe. Wir brauchen einander. Das Problem ist, daß zwei Ebenen verquickt werden, die man auseinanderhalten muß: den Kapitalismus, der von Effizienzdenken und monetärem Kalkül geprägt ist, und die grundlegendere Arbeitsdemokratie, in der es darum geht, gemeinsam und wechselseitig Bedürfnisse zu erfüllen. Vom Feld der Arbeit auf das der Sexualität übertragen, entspricht das erstere der Ebene, von der die Evolutionsbiologie handelt, die kalte Welt der genetischen Auswahl, das letztere der bioenergetisch-emotionalen Ebene, von der in Reichs Sexualökonomie die Rede ist.
Dazu wollen wir auf die vielleicht ersten Anklänge an das Konzept „Arbeitsdemokratie“ in Reichs Werk blicken. Im Oktober 1934 fügte Reich folgende Fußnote seinem Aufsatz „Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse“ (1929) an:
Da der heutige ökonomische Marxismus im Namen von Karl Marx gegen die Sexualökonomie polemisiert, bringe ich ein Zitat, das zeigt, wie sehr Marx die Bedürfnisse als Basis der Produktion und der Gesellschaft einschätzte (…). „Die Individuen sind immer und unter allen Umständen von sich ausgegangen, aber daß sie nicht einzig in dem Sinne waren, daß sie keine Beziehungen zueinander nötig gehabt hätten, da ihre Bedürfnisse, also ihre Natur und die Weise, sie zu befriedigen, sie aufeinander bezog (Geschlechtsverhältnisse, Austausch, Teilung der Arbeit), so mußten sie in Verhältnisse treten. Da sie ferner nicht als reine Ichs, sondern als Individuen auf einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer Produktivkräfte und Bedürfnisse in Verkehr traten, in einen Verkehr, der seinerseits wieder die Produktion und die Bedürfnisse bestimmte. So war es eben das persönliche individuelle Verhalten der Individuen, ihr Verhalten als Individuen zueinander, das die bestehenden Verhältnisse schuf und täglich neu schafft. Sie traten als das miteinander in Verkehr, was sie waren, sie gingen ‚von sich aus‘, wie sie waren, gleichgültig welche Lebensanschauung sie hatten. Die ‚Lebensanschauung‘ selbst, die windschiefe der Philosophie, konnte natürlich immer nur durch ihr wirkliches Leben bestimmt sein.“ (Marx-Engels, Deutsche Ideologie, Wien-Berlin, 1932, S. 16)
An der Basis haben wir die Arbeitsdemokratie, auf der der Kapitalismus beruht, der wiederum die gesellschaftliche Ideologie prägt. Vergegenwärtigen kann man sich das an einer Arztpraxis. Auf der untersten Ebene arbeitet der Arzt als eben das, als Arzt im persönlichen Kontakt mit seinem jeweiligen Patienten. Auf der zweiten Ebene ist der Arzt Geschäftsmann, der ein kleines Unternehmen nach betriebswirtschaftliche Prinzipien „kalten Herzens“ führt („Zeit ist Geld!“). Und auf der obersten Ebene ist er gefangen in irrationalen Regularien, etwa das vollkommen absurde „Qualitätsmanagement“, die die jeweilige gesellschaftliche Ideologie widerspiegeln.
Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 3.d.
9. Januar 2016Von Freud zu Reich (Teil 6)
22. Oktober 2015Die psychoanalytische Triebtheorie ist u.a. deshalb aus orgonomischer Sicht falsch, da sie die Vorstellung von 100 Prozent sexueller Energie hat, die möglichst 100prozentig in Arbeit umgesetzt werden muß, um Kultur zu ermöglichen. Für Reich hingegen ist es ein Pendeln: ein befriedigendes Genitalleben ist Voraussetzung produktiver Arbeit und umgekehrt.
Nicht nur, daß Freud beispielsweise auch an der Gleichsetzung von Fortpflanzung und Genitalität festhielt, auch seine Todestriebtheorie war nicht etwa ein die Psychoanalyse sprengender Ausrutscher, wie Reich glaubte, sondern die logische Fortführung und konsequente Vollendung der Freudschen Triebvorstellung.
Wie unsicher Reich hier leider selber noch war, zeigt folgender Satz von 1938 (Inhalt der Klammer von 1944?) über seine Haltung von 1934:
Meine Orgasmustheorie und die ihr entspringenden Anschauungen widersprächen in keiner Weise der klinischen Psychoanalyse (heute weiß ich, daß sie ihr doch in wichtigen Punkten widersprachen), doch sie ließen sich mit der Todestriebtheorie nicht vereinbaren. (Menschen im Staat, S. 256, Hervorhebungen hinzugefügt)
Für Freud bestand das Grundwesen des Triebes darin zu vergehen, entsprechend würde der Organismus danach streben, die produzierten Erregungsquantitäten loszuwerden. Seine Triebtheorie spiegelte dergestalt die Thermodynamik des 19. Jahrhunderts wider. Nach dem Zweiten Thermodynamischen Gesetz strebt das Universum dem Wärmetod entgegen!
Das mechanistische Triebkonzept Freuds, nach dem Spannung mit Unlust und Entspannung mit Lust gleichgesetzt wird, hat Reich überwunden, denn für ihn ist auch die Spannung lustvoll, wenn Entspannung in Aussicht steht (Die Funktion des Orgasmus, S. 161).
Anfangs mag „die analytische Charakterlehre noch als eine Erweiterung der Freudschen Neurosenlehre erscheinen. Doch sie trat bald in Gegensatz zu ihr“ (ebd., S. 107).
Im Oktober 1938 schreibt Reich:
Die Vegetotherapie kann nicht einfach der gebräuchlichen psychoanalytischen Theorie und Technik hinzugefügt werden. Beide sind größtenteils unvereinbar. (Zeugnisse einer Freundschaft, S. 49, Hervorhebungen hinzugefügt)
Reich 1942:
Ich konnte in der IPV [der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung] mit meiner Genitalitätstheorie nur deshalb so lange bleiben, weil ich mich ständig auf Freud berief. Ich tat damit meiner Theorie unrecht und erschwerte meinen Mitarbeitern die Loslösung von der Organisation der Psychoanalytiker. (Die Funktion des Orgasmus, S. 102).
Wenn die Psychoanalyse wenigstens etwas von Psychologie verstehen würde, aber gemäß ihren Darwinistischen Ursprüngen geht sie davon aus, daß die Gegenwart eine Funktion der Vergangenheit ist und überträgt das mechanisch auf die Psychologie. Doch jeder, der mit offenen Augen durchs Leben geht, sollte wissen, daß dies für das Innenleben des Menschen nicht zutrifft. Man lese nur eine beliebige Autobiographie und vergleiche sie mit den wirklichen Gegebenheiten, wie sie aus zeitgenössischen Quellen erschließbar sind. Erinnerungen haben kaum objektiven Wert. Im Kopf des Menschen ist die Vergangenheit eine Funktion der Gegenwart.
Für Reich ist das Gehirn nur der „Vollzugs- und Bremsapparat“ der vegetativen Impulse (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 122), d.h. daß man das Eigenleben des Gehirns (Erinnerungen, Bilder, Vorstellungen, „Verdrängungen“) einfach nicht sonderlich ernst nehmen sollte. Wie Reich erschlossen hat, ist die Sprache direkter Ausdruck bioenergetischer Gegebenheiten (z.B. „er ist so hartnäckig“) und ist deshalb dem Psychoanalytiker in ihrem wirklichen Gehalt nicht zugänglich. Die psychoanalytische Grundregel das zu sagen, was einem grade einfällt, ist deshalb schlicht Unsinn – wenn ein Psychoanalytiker zuhört.




















