Archive for the ‘Psychologie’ Category

Anmerkungen zum Thema „Emotion“

31. Januar 2019

„Angst ist in Wirklichkeit eine Kontraktion, die gegen die Ausdehnung gerichtet ist. Kontraktion allein, z.B. gegen Kälte, ruft keine Angst hervor“ (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 45). Bei der Schrumpfungsbiopathie hat man keine Angst, obwohl sich der Körper kontrahiert.

Bei der Expansion sollte man zwei Dinge auseinanderhalten, nämlich Liebe und Wut. Demnach ist nämlich nicht jede Expansion mit „lustvoller Entspannung“ oder gar „Auflockerung der muskulären Panzerung“ verbunden. Bei Wut ist wohl eher das Gegenteil gegeben, trotzdem sie eine Expansion ist. Andererseits löst sich bei Kontraktion, etwa bei tiefer Traurigkeit, die Panzerung auf.

Bei der Lust haben wir es mit einer Expansion zu tun, die frei zur Haut fließt, bei der Wut mit einer Expansion, die in die Muskulatur geht. Sehnsucht ist eine Emotion, bei der die Energie in die Brust, zum Mund und zum Genital hin expandiert. Bei Traurigkeit zieht sich die Energie einfach wieder zurück, während bei der Angst sie es gegen die Expansion macht und es zum inneren Stau kommt („Stauungsangst“).

Was ist mit „Lustangst“? Betrachten wir zunächst die Orgasmusformel: Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung. Das Phönomen der „kalten Erektion“ schließt aus, daß der Flüssigkeitsstrom zur Peripherie eine sekundäre Folge der energetischen Ladungsverschiebung ist („Ladung – Spannung“). Wie Walter Hoppe in seinem Buch über Wilhelm Reich schrieb, muß man zentrale Erregung und periphere Aufladung auseinanderhalten, weshalb es „Spannung – Ladung“ ist (S. 226). Wenn man dies bedenkt, schließen sich Angst und sexuelle Lust durchaus nicht aus. Die anfänglichen Gefühle im Solar Plexus (zentrale Erregung) sind ja identisch. Generell sind „das Gefühl der Erwartungslust und das der Erwartungsangst miteinander verwoben“ (Die Funktion des Orgasmus). Das erklärt beispielsweise die Lust an Horrorfilmen. „Auch beim Schaukeln, im rasch abwärts fahrenden Lift (…) verspürt man am Herzen und am Genitale Empfindungen, die angst- und lustbetont zugleich sind“ (ebd.). Das erklärt die Lust an der „Todesangst“ auf der Kirmes.

Peter im Netz (Teil 2): Fickt sich Peter selbst ins Knie?

17. Dezember 2018

Ist es nicht selbstschädigend alles zu vermengen? Warum einen Linksliberalen mit rechter Politik verprellen, wenn der wertvolle Beiträge meinetwegen zur orgonomischen Astronomie leisten könnte? Warum immer diese Anspielungen auf das Christentum, was Leute abschrecken könnte, die gegen so etwas allergisch sind? Allein schon was ich Buddhisten antue! Warum wirklich jeden Reichianer davontreiben, der kein Fan von Elsworth F. Baker, Paul Mathews und Charles Konia ist?

Dazu ist zweierlei zu sagen. Erstens ist dieser Blog kein Geschäft. Das Unangenehme am Kapitalismus ist nicht etwa, daß man hart und rücksichtslos sein muß, sondern vielmehr daß man jedermanns Freund sein muß. Geschäftspartner, Kunden, Beamte, relevante Politiker – allen muß man ständig Honig um den Bart schmieren. Doch ich will niemandem etwas verkaufen, bin von niemandem abhängig und genieße es, mich deshalb hier nicht verbiegen zu müssen! Außerdem schafft man sich keine Freunde, man findet sie!

Zweitens liegt das besagte „unglückliche Vermengen“ im Wesen der Orgonomie. Der Charakter formt alles, insbesondere aber die drei zentralen Tabubereiche: Sex, Politik und Religion. Der Meister des Small Talk segelt elegant an diesen drei Untiefen vorbei, an denen das Gespräch zu stranden droht. Eine orgonomische Seite, die aber am Wesentlichen vorbeigeht, statt penetrant drauf zuzusteuern, wäre eine vollständige Absurdität.

Reich ist mit schlafwandlerischer Sicherheit in die drei Fettnäpfchen getreten und hat schließlich in ihnen getanzt, als er nacheinander Die Funktion des Orgasmus (Sex), Die Massenpsychologie des Faschismus (Politik) und sein Buch über die Schöpfung, Die Bione (Religion), schrieb. Wenn du als Leser nicht von einem Herzinfarkt in den anderen taumelst, ist es keine Orgonomie, sondern bloß schwules Gesülze. Gott wird die Lauwarmen angewidert ausspucken! Entweder brennst du orgonotisch oder du bist bereits am Verwesen, ohne selbst davon zu wissen. Ein übelriechender Furz (ein Gespenst), kein Mensch!

Peter im Netz (Teil 1): Peter will keine Schwäche zeigen!

16. Dezember 2018

Seit Beginn dieses Blogs waren die Leserkommentare stets mein Hauptproblem, wenn nicht sogar das einzige Problem. Zunächst einmal zeigen die Klickzahlen, sozusagen „die Auflage“, wenig. Daß ich wirklich gelesen werde, wird erst durch Leserkommentare evident. Begegnet man einem Blog ohne Kommentare, kann man ihn getrost vergessen, denn er existiert in Wirklichkeit gar nicht.

Ein zweites Element der Stärke ist ein offenes Forum. Ein Blog, in dem nur genehme und (vermeintlich) „konstruktive“ Beiträge zugelassen werden, zeugt von mangelnder Souveränität. Außerdem verliert er schnell an Lesern, da am Ende nur mediokere Speichellecker übrigbleiben. Ich denke da etwa an das Schicksal des einst großen und einflußreichen Blogs „Little Green Footballs“. Der Macher wollte sich offensichtlich eine Wohlfühlzone schaffen, nur um schließlich in Isolation und Frust zu enden. Zensur mündet immer in einem Desaster für den Zensoren, da er sich selbst isoliert und sich der lebenserhaltenden Korrektive beraubt. Man denke nur an das Schicksal von Hitler oder das von Honecker!

Ich fühle mich aber auch schwach, wenn ich wirklich jeden Mist durchlasse, insbesondere die Spielchen von pestilenten Charakteren: „Peter, wie kannst du das zulassen!“ Ich kann dazu nur auf das erste und zweite Problem verweisen: ich BRAUCHE Leserbriefe und ich kann und will „gegnerische“ Stimmen nicht unterbinden. Außerdem stellte sich der Sachverhalt ja anfangs nicht so klar und eindeutig dar… Das ist halt die Pest: sie paralysiert einen, da sämtliche Handlungsoptionen ihr gegenüber extrem unattraktiv sind. Schließt man Modju aus, fühlt man sich scheiße, läßt man ihn da, aber erst recht!

Es bleibt natürlich stets die verführerische Option alles strengstens zu moderieren „und zum Wohle der Orgonomie“ nur noch „Konstruktives“ durchzulassen, aber das wäre genauso selbstmörderisch wie Modju ein Forum zu bieten. In einer Hinsicht habe ich mir ohnehin von Anfang an den Luxus gegönnt, absolut erbarmungslos zu sein, ohne jedwedes Wenn und Aber: „Reichianische“ Körperpsychotherapie.

Frivole Wasserspiele in den Alpen!

3. Dezember 2018

Auf Amazon findet sich ein interessanter Verriß von Charles Konias Buch The Emotional Plague. Wie könne Konias Behauptung stimmen, daß der Panzer die sekundären Triebe erzeugt und gleichzeitig vor ihnen schützt?! Dieser Einwand mag auf den ersten Blick logisch klingen, tatsächlich ist es aber eine Pseudologik, ein pseudointellektuelles Spielen mit Worten, das von der Realität vollkommen losgelöst ist.

Man nehme einen kleinen Gebirgsbach. Man kann sich in ihn hineinstellen, „herumplantschen“, etc. Er ist vollkommen harmlos. Wenn ich ihn aber aufstaue, steigt der Druck gefährlich an, so daß ich den Damm immer weiter festigen muß, bis ich schließlich eine gigantische Staumauer errichtet habe, die den verheerenden Wasserdruck erst erzeugt hat und ständig aufrechterhält, gleichzeitig aber auch vor ihm schützt,

Mit dem gleichen Bild kann man einen weiteren typischen Einwand gegen die Orgonomie widerlegen: Wie kann die regelmäßige Abfuhr von Energie im Orgasmus dafür sorgen, daß der Körper ein hohes Energieniveau aufrechterhält? Es gibt tatsächlich einen „Reichianischen“ Therapeuten, der das vertritt: Coitus reservatus, weil er die nichtabbgeführte Energie für seine (vor allem auch spirituelle) „Arbeit“ benötige! Wieder diese Pseudologik, die der Abwehr dient. Ist dafür gesorgt, daß bei einem Staudamm (der nun nicht mehr für die Panzerung, sondern einfach für den Organismus steht) überschüssiges Wasser problemlos abgelassen werden kann, brauche ich mir über den Zufluß des Wassers aus dem Gebirge keine Sorgen machen und kann dementsprechend den Wasserspiegel im Staubecken optimal hochhalten. Ohne dieses Ventil, muß ich die Wasserzufuhr tendenziell bremsen, um einen Dammbruch zu verhindern. Entsprechend sorgt die regelmäßige Energieabfuhr im Orgasmus dafür, daß der Organismus sozusagen ohne Sorge „voll aufdrehen“ kann.

Auf der einen Seite haben wir es mit dem mechano-mystischen Denken zu tun, einem abstrakten Denken, das durch rigide sich ausschließende Gegensätze geprägt ist. Dieses Denken dient stets der Abwehr: „hier ich, dort der Feind, dazwischen eine Schutzmauer (der Panzer)“. Auf der anderen Seite haben wir es mit dem dialektischen bzw. funktionellen (ungepanzerten) Denken zu tun, bei der Gegensätze in einem dritten Faktor aufgehoben werden:

symbol

Peter im Reich der nichtlokalen gleichzeitigen Wirkung (Teil 1)

20. November 2018

Neulich Peter in einer kleinen, aber heftigen Krise notfallmäßig im Krankenhaus. Ein schwerverwundetes Tier, das sich zwei Tage mit geschlossenen Augen unter der Bettdecke verkrochen hat und durch seine inneren Welten streifte. Die beiden Zimmernachbarn erzählten sich vom wunderschönen Garten im Innenhof des Krankenhauses. Das gemahnte mich an die grünen Kupferdächer des altertümlichen Gemäuers und schon hatte sich instantan vor mein geistiges Auge in 3D und Farbe eine unfaßbar differenzierte passende „Fassade“ gebildet: eine Mischung aus Jugendstil, Mayatempel und indischem Tempel, mit feinst ziselierten Gravuren, ultraverwickelten Reliefs, allem möglichen. Und das ganze nicht etwa nach und nach von mir imaginiert, sondern es war da, es war vor mir, mit Schattenwurf in die feinsten Verästelungen hinein, feinsten Farbnuancen. Ich konnte beliebig nahe heran zoomen oder das Gesamtbild betrachten und immer mehr entdecken.

Diese „Fassade“ bzw. dieses „Dach“ (oder was immer es auch war) war, wie gesagt, nicht von mir nach und nach erzeugt worden, sondern es war (obwohl natürlich vollständig imaginär) da, wie die Landschaft da ist, wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue. Das hat etwas mit ERSTRAHLUNG und ANZIEHUNG zu tun und gehört zum nichtlokalen (also nichts mit Bewegung zu tun habenden) Funktionsbereich der GLEICHZEITIG VORLIEGENDEN WIRKUNG: in zwei beliebig weit voneinander befindlichen Bereichen passiert gleichzeitig etwas (ERSTRAHLUNG), das aufeinander bezogen ist (ANZIEHUNG). Das wird sehr schön an der besten Illustration von Frank Zappas bestem Musikstück illustriert:

Orson Welles

18. November 2018

Orson Welles war zweifellos ein sehr großer Schauspieler. Bemerkenswert ist seine Theorie von der Kunst des Schauspielerns. Welles‘ zufolge setzt man nicht etwas auf, keine Charaktermaske, sondern man nimmt ganz im Gegenteil Masken ab und offenbart Aspekte seiner selbst, die sonst verborgen bleiben. In diesem Sinne ist gute Schauspielerei keine Lüge! Hier ein Beispiel seiner Schauspielkunst aus der Dean Martin Show in den 1960er Jahren – als so etwas noch möglich war, da die Kultur des Westens noch nicht vom linken Gesindel zerstört worden war:

Hier stellt Welles Falstaff dar, eine der wenigen durch und durch guten Figuren der Weltliteratur, ein ungepanzerter Mensch – etwas, was ich weitgehend auch Welles selbst zugestehe! (Ich verweise auf seine Darstellung von Falstaff in seinem gleichnamigen Film.)

Welles‘ selbst bewunderte die Schauspielkunst von James Cagney, den er für den besten Filmschauspieler aller Zeiten hielt. Das bemerkenswerte an Cagneys Leinwandpräsenz war, daß er sich nicht eine Sekunde „wie ein normaler Mensch“ vor der Kamera verhielt. Es war alles gespielt und hoch stilisiert. Es war schlichtweg Kunst. Es war in jeder Sekunde stimmig und genau das, was notwendig war, um die Essenz des Dargestellten zu vermitteln. Es ist sinnlos den Alltag abzufilmen, es ist sogar in bestimmter Hinsicht eine Lüge, denn er gewinnt nur Bedeutung durch den Subtext, das LEBEN, das wir leben. Der Schauspieler muß einen Weg finden, diese Bedeutungstiefe durch seine „künstliche“ Mimik und Gestik zu vermitteln. Wenn Cagney etwa einen Kellner spielt, ist seine Darstellung wahrhaftiger, als das, was man erhält, wenn man einen echten Kellner mit versteckter Kamera filmt. (Was „echt“ und „unecht“ betrifft verweise ich auf Welles‘ Film F – For Fake!)

Welles hätte seine Seele gegeben, hätte er etwa den „Paten“ spielen dürfen. Gemeinhin wird Marlon Brando für seine Leistung in diesem Film angebetet. Ich frage mich aber, ob seine Schauspielkunst, bei der er ganz in seine Rolle aufging, wirklich das Optimum war. Er spielte schließlich einen MÖRDER, der eine Autoritätsperson für Dutzende andere Mörder darstellen mußte, die nur überleben konnte, wenn sie Angst bei Leuten hervorrief, die sich ansonsten vor nichts fürchten. Bei Brando ist „Don Corleone“ nur ein guter Onkel, während bei Welles‘ hypothetischer Darstellung das BÖSE und der schiere Terror durchgeschienen hätte, also das, worum es überhaupt geht. (Ich verweise auf Welles‘ schier unerträglich bedrückende Verkörperung des Bösen in Hauch des Bösen.)

Welles war ein Wunderkind gewesen. Er hat oft den Witz gemacht, daß es seit seinem 25. Lebensjahr für ihn abwärts ging, was den Ruhm betraf. In einem absurd frühen Alter war er ein persönlicher Freund von Präsident Roosevelt gewesen und im Nachkriegseuropa hatte er engen persönlichen Umgang mit Politikern, beispielsweise Churchill. Vor diesem Hintergrund verwahrte er sich gegen die billige, wohlfeile Rede von den Politkern als Schurken. Es seien keine Schurken, sondern SCHAUSPIELER, die auf ihre Weise das Leben und Streben einer Nation verkörpern. Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit ist genausowenig „unecht“, wie das von James Cagney vor der Kamera.

Aber auch zweifellose Bösewichter wie Hitler und Merkel konnten ihre Länder nur deshalb ins Unglück stürzen, weil ihre Charakterstruktur perfekt mit der durchschnittlichen Charakterstruktur der Massen harmonierte. Siehe dazu Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus.

Was Welles und Reich betrifft, gibt es m.W. nur eine einzige Verbindung und zwar, absurderweise, über Ernest Bornemann: https://books.google.de/books?id=RYzVCgAAQBAJ&pg=PT31&dq=orson+welles+reich+borneman&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjR5Mrkr87eAhXswIsKHTZFD9gQ6AEILzAB (vgl. hier).

Über Perspektive

30. Oktober 2018

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die Kontaktlosigkeit der Linken:

Über Perspektive

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 21)

19. Oktober 2018

Wie ticken „Reichianer“ soziopolitisch?

5. Oktober 2018

Wenn man die Linksreichianer verstehen will, sollte man folgendes (orgonometrisch schlichtweg falsches!) Diagramm betrachten, daß ihre Haltung (nicht etwa ihre Charakterstruktur!) perfekt beschreibt. Ihren irrationalen Linksliberalismus, den Reich insbesondere in Christusmord so hart gegeißelt hat, betrachten sie in ihrer kontaktlosen Verwirrtheit als Ausdruck höchster Rationalität. Mit denjenigen, die Reich, ob als Kommunist oder als Eisenhower-Anhänger, zeitlebens gehaßt und verachtet hat, die teddybär-werfenden Liberalen, identifiziert sich der „Reichianer“.

Die Ableitung und Diskussion dieses und ähnlicher Diagramme in David Boadellas Aufsatz „Social structure and character structure“ (Energy and Character, Vol. 2, No. 2, May 1971, S. 34-45) zeigt, daß Boadella nicht funktionell und bioenergetisch, sondern formalistisch und politisch denkt. Entsprechend geht es zunächst gar nicht auf die entsprechende funktionelle und bioenergetische Ableitung politischen Verhaltens des Liberalen (= verlogene oberflächliche Charakterschicht) und des Faschisten (= sadistische mittlere Charakterschicht), wie sie Reich 1942 im Vorwort zur Massenpsychologie des Faschismus präsentiert hat, ein, sondern handelt sie am Ende des Aufsatzes als eine Art Anhang kurz ab. Abschließende Sätze in Boadellas Text, in denen das Wort „liberal“ gar nicht vorkommt, – denn wenn es erwähnt worden wäre, wäre dieser ganze aufgeblasene, aber nichtsdestotrotz hohle Artikel zerplatzt.

Das obige Diagramm ist direkter Ausdruck der Charakterstruktur Boadellas und weniger einer wissenschaftlichen Aussage. Als primäre Impulse sehen wir „libertäre und arbeitsdemokratische Tendenzen“. Sie seien in der gepanzerten Gesellschaft genauso Angriffen ausgesetzt wie liberale Tendenzen auch, nur intensiver. Mit anderen Worten will Boadella tatsächlich nur eins: seine eigenen rebellischen („anarchistischen“) neurotischen Strebungen als ultimative Gesundheit darstellen im Gegensatz zu den bürokratischen Sozialisten der Labour Party und den Kommunisten auf der einen und den genauso kranken konservativen Tories und imaginären „Nazis“ auf der anderen Seite. Beide Seiten würden gleicherweise die Liberalen angreifen, die das an Rationalität vertreten, was in einer gepanzerten Gesellschaft möglich ist. Der schwarze Balken im Diagramm symbolisiere, wie die „natürlichen kooperativen Tendenzen“ der Menschen blockiert werden und entsprechend aus Arbeitsdemokraten bloße Liberale werden – die dergestalt der Gesundheit noch am nächsten stehen würden. Hier haben wird die Rechtfertigung für Boadellas windelweichen Liberalismus, wie er in Energy and Character zum Ausdruck kommt.

Zum gegenwärtigen Sexualchaos

10. September 2018

Oben haben wir die psychosomatische Gleichung: Bioenergie – Psyche – Soma. Die „Psyche“ ist das einheitliche Funktionieren des Organismus. Unter „Soma“ subsumiert man die unzähligen Teilfunktionen (Leber, Milz, Herz, Lunge, etc.).

Die vom „einheitlichen“ Mystizismus geprägte autoritäre Gesellschaft war von der Spaltung zwischen Liebe (Psyche) und Sex (Soma) geprägt. Die erstere war „platonisch“ und bestimmte das Leben, der letztere wurde heimlich im Bordell ausgelebt.

Heute in der zersplitterten antiautoritären Gesellschaft gibt es diese Spaltung natürlich immer noch, nur verlagerte sich hier der öffentliche Schwerpunkt ganz auf den Sex und damit auf nebensächliche Teilfunktionen, d.h. es kam zu einer allumfassenden Zersplitterung. Beispiele: Sexualratgeber, die um alle möglichen und unmöglichen prägenitalen Verlustierungen kreisen, und Pornographie, die ungefähr so anregend ist, wie beim Sezieren im Anatomiekurs zuschauen zu müssen.

Die linke Gesellschaft versucht mit einem bestimmten „linken“, d.h. verkopften Mystizismus die verlorene Einheit, die dieser mechanistischen Gesellschaftsformation doch so wesensfern ist, durch die Genderideologie und das Aufheben aller Spaltungen aufzuheben. Um was es geht, sieht man etwa anhand des Chemnitzer Konzerts zur Feier der Ermordung eines weiteren Deutschen: „ich fick dich grün und blau, trete dir in den Bauch und esse dann die Fehlgeburt“ wird auf der Bühne gesungen und unten schwenken begeisterte Party People Fahnen mit dem Friedenssymbol und Liebesparolen.