Archive for the ‘Sozialpsychologie’ Category

David Holbrook, M.D.: EINE ZAUBERFORMEL: RATSCHLAG FÜR EINEN SEHR ÄNGSTLICHEN PATIENTEN

12. November 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Eine Zauberformel: Ratschlag für einen sehr ängstlichen Patienten

Paul Mathews: Besprechung THE MASS PSYCHOLOGY OF FASCISM von Wilhelm Reich

7. November 2021

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Besprechung THE MASS PSYCHOLOGY OF FASCISM von Wilhelm Reich

Warten auf Charles Konias Buch CLUELESS

3. November 2021

2008 erschien Charles Konias Buch The Emotional Plague: the Root of Human Evil, 2013 Neither Left Nor Right: Preventing America’s Decline into Socialism. Sein neues Buch Clueless: the Great Human Disconnect steht kurz vor der Auslieferung. Als Vorbereitung auf diese Lektüre verlohnt ein kurzer Rückblick auf die genannten vorangehenden Bücher.

Bei oberflächlicher Lektüre wird man Konia politisch rechts verorten, doch tatsächlich führt er aus, wie kontraproduktiv es ist, gesellschaftliche Entwicklungen einseitig von einer linken oder einer rechten Warte aus zu betrachten. Vielmehr bräuchte es eines funktionellen Blicks. Dessen Richtigkeit zeigt sich darin, wohin diese Annäherungsweise an die gesellschaftlichen Probleme führt, nämlich zur Förderung von Freiheit und Unabhängigkeit, während linke und rechte Ansätze letztendlich immer in Unfreiheit und Sklaverei münden.

Gesellschaften und Kulturen müssen dem Wohl und der Freiheit des Einzelnen verpflichtet sein. Das ist letztendlich aber nur durch sexuelle Freiheit möglich, auf daß sich beim Einzelnen kein verhärteter, unnachgiebiger Charakter ausformt. Dieser beruht auf der moralistischen Regulierung unserer Triebe von Kindheitsbeinen an, statt der Natur zu vertrauen. Die künstlichen sexuellen Hemmungen führen zu antisozialem Verhalten, das mehr Hemmungen nötig macht: die „gepanzerte Gesellschaft“ entsteht, in der sich Linke und Rechte gegenseitig blockieren.

Das Denken der Linken ist vor allem mechanistisch, d.h. sie leitet alles vom Funktionieren der Maschine ab. Alles sei kontrollierbar nach den Vorgaben des Kollektivs und seiner „Ideale“. Der gute Planer, das Supergehirn, könne eine utopische Gesellschaft hervorbringen. In der heutigen Welt haben sich generell die gesellschaftlichen Einstellungen weit nach links verschoben. Sie ist entsprechend immer mechanistischer geworden. Diese allumfassende Linksdrift bedingt, daß diejenigen, die heute als Rechts gelten, früher in der Mitte standen. Konia spricht von „Rotverschiebung“ bzw. der „antiautoritären Transformation“, die mit einer Verlagerung der Panzerung vom Gesamtkörper hin zum Augensegment einhergeht.

Das mystische Denken der Rechten beruhte darauf, daß die Natur unerkennbar und etwas Bedrohliches sei, das eingehegt werden muß. Das Leben sei ein Überlebenskampf. Immerhin sah die Rechte die moralische Schwäche und Unvollkommenheit des Menschen und damit die Gefahr, die von einer übergriffigen Regierung ausgeht. Wir alle erleben, daß dieses einigermaßen „klarköpfige“ Bedenken fast vollkommen verschwunden ist und heute alle träumerische Hoffnung in einen alle Lebensbereiche bestimmenden Staat gelegt wird.

Die Menschen müssen die die Panzerung erzeugenden mechanistisch-mystischen Denkweisen der Linken und der Rechten von sich weisen und eintauschen gegen ein funktionelles Denken, das in Übereinstimmung mit dem naturgegebenen organismischen Funktionieren steht. Das würde vor allem die Kindererziehung betreffen und die Kultur von den Hindernissen befreien, die einer angemessenen Sozialisierung und dem Streben nach Glück im Wege stehen.

Daß dies nicht geschieht, ist der Emotionellen Pest zu schulden, dem zerstörerischen Ausleben der charakterstrukturell bedingten, „neurotischen“ Symptome im Gesellschaftsleben. Sie erkennt man daran, daß das vorgeschobene Motiv nicht mit den wirklichen Beweggründen übereinstimmt. Man behauptet mit einer Aktion „a“ erreichen zu wollen, doch tatsächlich ist „b“ das sich einstellende Resultat dieses Projekts. Entsprechend fühlt sich das Opfer der Emotionellen Pest desorientiert und vollständig verwirrt. „Was geschieht hier!“

Es ist wie beim Zauberer, dessen vermeintlich magische Kunststücke nur funktionieren, weil er deine Aufmerksamkeit auf „a“ richtet, während das entscheidende Geschehen sich bei „b“ zuträgt. Beispielsweise wird deine gesamte Aufmerksamkeit und seelische Energie auf das angeblich weltbewegende Problem der Rechte von Transgender-Menschen und der unmittelbar bevorstehenden Machtübernahme durch Hitleristen gerichtet, während gleichzeitig deine Meinungs- und Bewegungsfreiheit und deine Rechtssicherheit auf null gefahren werden.

Illustrieren wir die individuelle und gesellschaftliche Panzerung: Plötzlicher Wintereinbruch, die Gehwege sind gefroren, Rutschgefahr. Normalerweise habe ich einen sehr guten Gleichgewichtssinn und hervorragende Reflexe, was mich schon häufiger vor dem Rollstuhl bewahrt, wenn nicht das Leben gerettet hat. Jedesmal hatte sich mein Bewußtsein ausgeschaltet und mein Körper tat, was zu tun ist. Jetzt aber fühle ich mich beobachtet und im doppelten Sinne „unsicher“ bei meinen „schwulen“ Trippelschritten in meinen vollkommen unangebrachten, profillosen Sommerschuhen. Ich bin das, was die Engländer unübersetzbar als „self-aware“ bezeichnen. Wie der Tausendfüßler, der auf seine Schritte achtet, statt einfach zu gehen, falle ich auf meine Schnauze. (Ich erinnere an das Schlußkapitel von Reichs Die kosmische Überlagerung, wo er den Ursprung der menschlichen Panzerung erkundet.)

In meinem Fall sind es Auswirkungen der Panzerung der autoritären Gesellschaft; die Unsicherheit meiner Eltern hinsichtlich dessen, was sich gehört und wie man sich zu benehmen hat, die autoritäre Schule, eine gesellschaftliche Atmosphäre, die Menschen erzeugt, die ständig Angst haben, gegen gesellschaftliche Konventionen zu verstoßen und die deshalb immer verkrampft sind und entsprechend einen Trottel aus sich machen. Das wird sehr schön in Loriots Sketchen gezeigt und unübertroffen in John Cleese‘ Fawlty Towers.

In der antiautoritären Gesellschaft zeigt sich das gepanzerte Trotteltum anders: Etwas derangiert an meinem Zielort angekommen, werde ich Zeuge einer Diskussion von höheren Verwaltungsbeamten, die auf den Beginn eines Lehrgangs warten. Es geht um die Bedrohung von Einsatzkräften. Da war beispielsweise eine fünfköpfige Familie, die bei einem Hausbrand in einen Bus der Feuerwehr evakuiert wurde. Nach drei Stunden ist dieser restlos vollgemüllt, beschmiert, teilweise zerstört. Es wären Menschen gewesen, die Ethnie tue nichts zur Sache, vielmehr stelle sich die Frage nach dem Warum, d.h. wie wir „als Gesellschaft“ versagt haben. Es fehlt nur noch, daß sich diese Verwaltungstrottel bei der Familie Üsösügürz entschuldigen und eine großzügige Entschädigung anbieten! Wir leben in einer Gesellschaft, die durch und durch verunsichert ist und alle sich bemühen, ja nicht den Anschein zu erwecken, man wäre ausländerfeindlich und Sympathisant der AfD. Die autoritäre Gesellschaft ließ sich noch den Spiegel vorhalten, d.h. Comedy war möglich. Heute wäre selbst die Scary Movie-Filmreihe (2000 bis 2013) schlichtweg undenkbar. Mit den Roten Garden ist nicht zu scherzen und alle Menschen sind vollständig verpeilt – clueless.

Paul Mathews: Besprechung THE FREUDIAN LEFT von Paul A. Robinson

31. Oktober 2021

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Besprechung THE FREUDIAN LEFT von Paul A. Robinson

David Holbrook, M.D.: DIE FUNKTIONEN VON STAAT, WIRTSCHAFT, UNABHÄNGIGKEIT UND FREIHEIT IM VERGLEICH ZUM ZENTRALEN NERVENSYSTEM, DEM AUTONOMEN NERVENSYSTEM, DEN EMOTIONEN DER DER SPONTANEN AKTIVITÄT / DER MANGEL AN EMPATHIE, DER SICH HINTER DER OBERFLÄCHLICHEN IDEOLOGIE DER LINKEN VERBIRGT

28. Oktober 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Die Funktionen von Staat, Wirtschaft, Unabhängigkeit und Freiheit im Vergleich zum Zentralen Nervensystem, dem Autonomen Nervensystem, den Emotionen und der spontanen Aktivität

Der Mangel an Empathie, der sich hinter der oberflächlichen Ideologie der Linken verbirgt

Zum Massaker in Norwegen

18. Oktober 2021

Ich will mich gar nicht auf das Niveau der Massenmedien herab bewegen, deren Beschäftigung mit dem Massaker in Norwegen einfach nur abenteuerlich ist: über den dänischen Bogenschützen, der zum Islam konvertiert war, und seine Motive rein gar nichts, wähernd jene Leute, die uns jahrelang gepredigt haben, daß der islamische Terror nichts mit dem zu tun hat, was die Terroristen gelesen haben (insbesondere dem Koran), vor genau zehn Jahren darauf insistierten, die ideologischen Hintergründe von Anders Behring Breivik bis ins Kleinste zu analysieren.

Die Frage kann einzig lauten, welche biosozialen Funktionen durch die Terroranschläge zum Ausdruck kommen. „Biosozial“ bedeutet hier: von der Charakterstruktur der Massenindividuen und vom energetischen Zustand der Gesamtgesellschaft aus gesehen.

Beispielsweise geht es darum, daß sich die Massen sowohl in Amerika und Europa als auch in der islamischen Welt jahrzehntelang von Politikern in die Irre führen ließen, die die Früchte der Arbeit ganzer Generationen systematisch vernichten. Man denke nur an das Wahnsinnsprojekt „Euro“ oder die Einwanderungspolitik in Amerika und Europa. Oder, willkürlich herausgepickt, das Subventionieren von Sonnenenergie – in DEUTSCHLAND!

Statt sich konstruktiv einzubringen, sind die Massen nur zu folgenlosen Wutausbrüchen im Alltag, zu absurden Possen und zu wirren Gedankenflügen in der Lage – bis einmal einer ganz austickt wie die beiden Attentäter in Norwegen. Ja, bei den islamischen Terroristen ist das nicht viel anders, werden sie doch damit konfrontiert, wie eine, in ihren Augen, einst großartige Zivilisation vor die Hunde geht.

Mindestens genauso wichtig ist jedoch der zweite biosoziale Faktor, der den modernen Terrorismus bestimmt:

Die westliche Welt befindet sich in einem chronischen Expansionszustand, der in allen möglichen Lebensbereichen zum Ausdruck kommt:

  • als wäre „das hier“ eine fröhliche Gartenparty, zu der jeder Nachbar unterschiedslos herzlich eingeladen ist – Staatsgrenzen existieren praktisch nicht mehr und Leute, die nur zur Last fallen und sogar Schaden anrichten, siedeln sich buchstäblich zu Millionen an.
  • die Medien verkommen zu einem Propagandaforum für eine angeblich „liberale“ Ideologie, die nichts weiter ist als kindlich-magisches Denken, in dem Probleme sich in Luft auflösen, wenn man nicht über sie spricht. Hauptsache man fühlt sich gut und moralisch überlegen.
  • unsere angeblichen „Eliten“ verhalten sich so, als wäre die Wirtschaft ein großes Casino. Fehlentscheidungen der Spitzenmanager sind für diese nicht nur folgenlos, sondern werden mit Boni honoriert. Fehlinvestitionen werden vom Staat abgefangen. Ein „Kapitalismus“ ohne jede wirtschaftliche Sanktion!
  • die „Kultur“ nähert sich immer mehr dem Niveau von Kindergeburtstagen an.
  • die allgemeine Sexualisierung nimmt immer bizarrere Formen an.
  • Gendermainstreaming, die Einordnung der Heterosexualität in die zahllosen „Lebensentwürfe“, der eigene Körper als „Kunstobjekt“, etc. pp.
  • die alles überwuchernde infantile „Esoterik“ und „Spiritualität“ wird immer peinlicher. Der Obskurantismus kleistert immer mehr Gehirne zu. Ein Gutteil der Bevölkerung lebt bereits in einer Märchenwelt.
  • man begegnet kaum noch Menschen, die nicht unter dem Einfluß einer legalen oder illegalen Droge stehen, die ein Gefühl des Wohlbehagens erzeugen soll.
  • ein Land, in dem grenzdebile Influencer Idole für Millionen sind, in dem man mit einem Bein im Gefängnis steht, wenn man sich gegen Angriffe wehrt („Notwehrexzeß“, „Selbstjustiz“), in dem im Affekt Billiarden verbrannt werden (Fukushima-Hysterie), etc. pp.

Quasi wie „alttestamentarische Propheten“ spüren die Terroristen in ihrer Psychose, daß diesem Zustand ein Ende gesetzt werden muß. Oder wie Claudia Roth 2004 sagte: „Gewalt ist immer auch ein Hilferuf.“ – „Babylon muß fallen!“ Und zwar durch einen „terrorisierenden“ Schock, der bis ins Mark geht. „Es mag grausam sein, aber es ist notwendig.“

Tatsächlich kann man das Alte Testament so lesen: ständig versucht Gott sein Volk wachzurütteln, doch es gibt sich weiter den Götzen hin. Nichts, kein noch so harter Schicksalsschlag, kann der chronischen Expansion Einhalt gebieten. Es ist charakteristisch, wie Amerika und jetzt Norwegen auf die Terrorakte reagierten: mit Bekenntnissen zu noch mehr „Multikulturalismus“ und noch mehr „Liberalität“. Man werde nun eine „noch offenere und tolerantere Demokratie“ sein als vorher! Ich glaube, Verrückte könnten mit dem Einsatz von Atomsprengköpfen an das Jüngste Gericht mahnen – und als Antwort käme NOCH MEHR Liberalismus.

Und wenn doch „etwas unternommen wird“, dann so, daß ausnahmslos jeder Bürger betroffen ist und Orwellschen Bürokratien ausgeliefert wird. Bald werden „Pfeil und Bogen“ verboten! So tragen sogar die Terrorakte zur krankhaften Expansion bei. Man denke nur einmal daran, wie der „Krieg gegen den Terror“ die amerikanischen Staatsfinanzen endgültig ruiniert hat, weil die USA partout als „Befreier“ auftreten müssen, statt einfach Gegenterror zu verbreiten und an geeigneter Stelle Güter zu konfiszieren, um den Gegner wirklich jeden Cent dieser Aktion bezahlen zu lassen!

Es gibt nur eine Möglichkeit: die liberale Ideologie in allen ihren diversen Ausprägungen muß eingedämmt werden. Wie? Was für eine Frage! Die Linken reagieren absolut hysterisch, wie in Todesangst, auf wirklich jede Erwähnung der Realität. Die Sonne – bioenergetischer Kontakt mit der Realität etwa durch die Bücher von Sarrazin – wird die Vampirkultur in ihre Schranken weisen. Auch geht es darum, daß Fehlverhalten wieder Konsequenzen haben muß, das reicht von härteren Strafen für etwa Ladendiebstahl bis zur Möglichkeit, daß auch Großbanken Pleite gehen können, nachdem sie sorglos Kredite vergeben haben. Es geht nicht an, daß sie Gewinne einstreichen und Verluste sozialisieren.

Der Kindergeburtstag muß endlich ein Ende haben. Kinder, man kann nicht „Geld“ einfach drucken und mit den wertlosen Papierfetzen einkaufen, – irgendwann wird „irgendjemand“ dafür die Zeche zahlen müssen!

Um zum Thema zurückzukehren: Man hätte Herrn Breivik, der nach den norwegischen Gesetzen mit Anfang 50 aus seiner „lebenslangen“ Haft entlassen werden wird, also in wenigen Jahren, nach einem kurzen Prozeß öffentlich hinrichten sollen. Genauso jetzt mit dem Islamisten. Aber wahrscheinlich werden die „liberal“ gesinnten Menschen angesichts dieses „Justizmordes“ moralisch empörter sein als angesichts seines Terroraktes, und wahrscheinlich werden sie um ihn herzhafter weinen, als sie um die von ihm ermordeten geweint haben…

Charles Konia hat ebenfalls einen Kommentar zum Breivik-Massaker ins Netz gestellt. Auf den ersten Blick scheint sich seine Analyse von der meinigen fundamental zu unterscheiden. Die Verbindung beider Herangehensweisen zeigt folgendes Diagramm, das das von Dr. Konia ins Spiel gebrachte soziopolitische Spektrum orgonometrisch aufschlüsselt: die Linke steht für Expansion („irrationaler Zorn gegen ‚das Establishment‘“), die Rechte für Kontraktion („irrationale Angst vor ‚Überfremdung‘“).

DIE SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE: Die drei Grundlügen der Linken

14. Oktober 2021

Der Linken zufolge, wird das Paradies auf Erden ausbrechen, wenn nur die Unterschiede zwischen den Menschen verschwinden. Das Gegenteil ist der Fall!

Fangen wir mit der „Klassengesellschaft“ an, die es abzuschaffen gelte. Marx führte sie, und damit die Ausbeutung des einen Menschen durch den anderen, letztendlich auf die Arbeitsteilung zurück, die man in einer klassenlosen kommunistischen Gesellschaft schließlich aufheben müsse, wo jeder nach Lust und Laune alles machen kann. Ist das wirklich ein Weg zum gesellschaftlichen Frieden, wenn jeder in die Arbeit jedes anderen reinquatscht?! Das erleben wir doch schon heute im irrealen Sozialismus unserer Tage, mit all den Gender- und neuerdings Klimabeauftragten und anderen Kommissaren irgendwelcher „Räte“. Schließlich leben wir in Zeiten, wo sich die Wissenschaft nach der Politik richtet statt umgekehrt.

Neuerdings hat die Linke den „demokratischen“ Gleichheitsgrundsatz von der Sphäre der Arbeit auf die der Sexualität ausgeweitet: die Geschlechtsunterschiede werden sogar im Bereich des Sexus aufgehoben. Eine paradiesische Fabelwelt, in der dank „Pegging“ sich Männer in Frauen und Frauen in Männer hineinversetzen können. Nur, dieses Universum voller bunter Herzchen, Schmetterlinge und Einhörner – ist ein denkbar brutaler Alptraum. Man schaue sich nur das Leben der Schnecke an; ein Zwitterwesen, bei dem jedesmal brutal ausgefochten werden muß, wer das Männlein spielen darf. Ich weiß, ich sollte nicht alle Tabus brechen: aber so sah schon immer die reale Welt der Schwulen und Lesben aus. Ein einziger Horrorstreifen aus brutaler Erniedrigung und frustrierter Gehässigkeit. Es ist das Gegenteil einer befriedeten und gleichen („homo“) Welt!

Und dann natürlich der Multikulturalismus. Warum sind monokulturelle Gesellschaften wie etwa Japan oder „die gute alte Zeit“ praktisch überall auf der Welt so friedlich und praktisch kriminalitätsfrei? Einfach, weil die Menschen das Gegenüber einschätzen können. Alle stehen auf der gleichen kulturellen (und auch biologischen) Grundlage, etwa was den Testosterongehalt des Blutes betrifft. Der Multikulturalismus wird nicht zu Friede, Freude, Eierkuchen führen, sondern wird, nach Kinderfreund Daniel Cohn-Bendits berühmten Worten, „hart, schnell, grausam und wenig solidarisch“ sein. Die ach so schön bunte multikulturelle Welt sei „von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt und kennt Wanderungsgewinner ebenso wie Modernisierungsverlierer; sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einzubüßen.“ Toll, Dany!

Hört mal, werte Rot-Grüne*Innen: euren „anti-Stalinistischen“ Rätekommunismus und eure arschoffene Weltoffenheit, könnt ihr… Ihr seid weitaus schlimmere Rote Faschist*Innen, als es die Stalinist*Innen jemals waren. Aber – das trifft es nicht ganz: ihr seid der Todestrieb in der Geschichte, die Sehnsucht nach dem Nichtsein, praktizierter Nihilismus.

Übertreibe ich nicht? Nein. Es reicht ein Blick ins Universum 25! Viel Spaß im Paradies auf Erden mit Grundeinkommen und allen Schikanen ihr Kommunisten-Spakos!

Zum Abschluß möchte ich darauf hinweisen, daß das eine Serie war, DIE SITUATIONISCHE INTERNATIONALE, und das die anderen beiden Teile (hier und hier) zusammengehören! Wenn man sich die heutige dem Untergang bzw. der Barbarei entgegentaumelnde Clownwelt ansieht, kann man nur sagen: DIE SITUATIONISCHE INTERNATIONALE hat gesiegt! Konzelmann und Co. – ich pisse auf eure Gräber!

David Holbrook, M.D.: DAS AUSHANDELN DER „SCHICHTEN“ IN DER PSYCHOTHERAPIE MIT VERSCHIEDENEN PATIENTENTYPEN: AUSZÜGE AUS EINEM TEXTAUSTAUSCH MIT DER MUTTER EINES PATIENTEN

13. Oktober 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Das Aushandeln der „Schichten“ in der Psychotherapie mit verschiedenen Patiententypen: Auszüge aus einem Textaustausch mit der Mutter eines Patienten

DIE SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE: Wilhelm Reich kontra die Situationisten (Teil 8)

11. Oktober 2021

von Jim Martin

ARBEITSDEMOKRATIE KONTRA ARBEITERRÄTE

Nach seiner Zurückweisung der Marxistischen Politik schlug Reich eine Theorie der Arbeit vor, die er als Arbeitsdemokratie bezeichnete. Ironischerweise ist die Arbeitsdemokratie das Stiefkind verschiedener Trotzkistischer Formulierungen, die während des Zweiten Weltkrieges verwaisten, aber neue Bedeutung beim Aufstieg unabhängiger Gewerkschaftsbewegungen in Ost- und Zentraleuropa erlangten, z.B. 1956 bei den Ungarischen Arbeiterräten. Arbeitsdemokratie beinhaltet, daß jene, die arbeiten, in ihrem Arbeitsgebiet auch die Zügel in den Händen halten sollen. Es ist eine Kritik am Stalinismus, Demokratischen Zentralismus und Staatskapitalismus. Abneigung gegen Bürokratie, politische Ideologie und religiösen Moralismus verbinden Reichs Arbeitsdemokratie mit der situationistischen Art von Rätekommunismus.

Beide erklärten, weder links noch rechts ausgerichtet zu sein, obwohl sie dies beim jeweils anderen in Zweifel zogen. Beide verspotteten die Spezialisierung. Beide glaubten, daß ihre Vorschläge nichts mit den bestehenden politischen Bewegungen zu tun hatten und beide bevorzugten lebendiges, spontanes Eingehen auf wirkliche Lebensbedingungen im Gegensatz zu aufgezwungener monotoner Arbeit und banalisiertem Sexualleben.

Während Reich äußerst pragmatisch und dennoch kompromißlos war, werden die Situationisten wegen der Unausführbarkeit ihrer Lösungen kritisiert. Reich war Teil der revolutionären Bewegung, als es wirklich eine gab. Zeitgenössische Entwicklungen haben es unmöglich gemacht, realistisch von der Übernahme der Staatsmacht wie bei der bolschewistischen Revolution zu sprechen. Die gallertartige Lichtdurchlässigkeit von Kapital und nationaler Souveränität lassen die alten gesellschaftlichen Mechanismen des traditionellen Marxismus altertümlich erscheinen. Die Situationisten kehrten zu dem Punkt zurück, wo Reich die Revolution hinter sich ließ – zum Punkt der Konsumtion. Sie verstanden Konsum, subjektive Entfremdungsgefühle und Triebverdrängung. Meines Erachtens versäumten sie es aber, Reichs Sinn für die Unfähigkeit der Individuen zu begreifen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Reich nannte diese Tendenz, den Aufstand zu propagieren, ohne die tatsächliche Fähigkeit der Menschen, echtes Leben zu ertragen, ins Kalkül zu nehmen, als Freiheitskrämerei.

Reichs Vorstellung von der Arbeitsdemokratie beruhte auf dem, was er als natürliche Organisation der Arbeit bezeichnete. Von seiner Untersuchung der Naturvorgänge des Lebens ausgehend stellte er fest, daß Arbeitsdemokratie Diktatur ausschließt. Es gab einen wichtigen Unterschied zwischen Rätekommunismus und Arbeitsdemokratie: Arbeitsdemokratie setzt voraus, daß die Bürger emotional frei werden und, was am wichtigsten ist, in der Lage sind, die volle Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Dies steht im Widerspruch zum Libertinismus der Situationisten. Massenneurotische Gesellschaften werden immer ein vormundschaftlich-autoritäres Regierungssystem erforderlich machen, das die innere Charakterstruktur des Durchschnittsbürgers widerspiegelt. Bei Reich hätten die Bürger ihre Demokratiebefähigung unter Beweis zu stellen. Reich machte die lahmen „Gutmenschen“ der liberalen und sozialistischen Demokratien für den Sieg Hitlers im nördlichen Europa verantwortlich. Hierbei stimmt er mit der situationistischen Verurteilung unechter, parlamentarische Demokratie überein, im Gegensatz zur Demokratisierung des wirklichen, täglichen Lebens.

Reich hat darauf hingewiesen, daß der entscheidende Unterschied zwischen ihm selbst und den Anarchisten (und es trifft auch auf Situs, Libertäre und Rätekommunisten zu) in der Frage der emotionalen Freiheitsfähigkeit des Durchschnittsbürgers lag. Zum Schluß muß ich Ken Knabbs Haltung beipflichten, daß das grundlegende Versäumnis der Situationisten ihre Unfähigkeit war, ihrem eigenen Charakter ins Gesicht zu sehen.

DIE SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE: Wilhelm Reich kontra die Situationisten (Teil 7)

8. Oktober 2021

von Jim Martin

ORGONOMIE

Diese Forschungsmethode führte Reich zur Frage der biologischen Energie. Gab es eine sich vom Elektromagnetismus unterscheidende, spezifisch biologische Energie, die nachvollziehbaren Gesetzen folgt, welche alles Lebendige steuern? Es waren diese Fragen, denen Reich weiter nachging, als er aus Norwegen vertrieben wurde und in die Vereinigten Staaten emigrierte.

Es sprengt den Rahmen dieses Artikels, den ganzen Umfang der Entdeckungen zu vermitteln, auf die Reich seit den Anfängen seiner neuen Wissenschaft, der Orgonomie, stieß. Es genügt der Hinweis, daß linke Meinungsführer ausrasten, wenn du das Orgon zur Sprache bringst.

Auch die Situationisten versuchten, sich der Kluft zwischen Ideologie und funktionellem Denken zuzuwenden. Obwohl sie von vielen Ideen Reichs abhingen (z.B. die entscheidende Bedeutung die der subjektiven Entfremdung der werktätigen Menschen zugesprochen wird im Vergleich mit der Entfremdung vom Mehrwert beim Vulgärmarxismus), scheint es, daß sie nur Reichs Arbeit aus seinen Prä-USA-Tagen lasen. Diese Werke, die größtenteils für das Milieu, von dem Reich ein Teil war, geschrieben wurden, fehlt es an der Einsicht, die Reich später für Modju*, den Roten Faschisten und den liberalen Verräter (recuperator) entwickelte. Reichs amerikanische Schriften sind in diesen Fragen so kompromißlos, daß es für den durchschnittlichen Linken fast unmöglich ist, über die ersten paar Seiten eines seiner Bücher hinauszukommen, ohne es voll Abscheu wegzuschleudern. Zu dieser Schwierigkeit kommt die Tatsache hinzu, daß Reich nach seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten damit anfing, seine Bücher in vollkommen überarbeiteten englischen Auflagen neu herauszugeben, in denen er seine frühere Arbeit umformuliert, um seine vormalige Stellung als Marxist richtigzustellen. Die Europäer haben ihren Reich und wir haben unseren.

Eine der auffallendsten Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Interpreten von Reichs Leben und Werk ist die Art und Weise, in der sie jeweils seine späte Periode betrachten, die von seinem Exil in den Vereinigten Staaten Anfang der Vierziger Jahre bis zu seinem Tod im Gefängnis 1957 reicht. In Amerika brachte Reich sich selbst Englisch bei und wich in zweifacher Hinsicht von seiner frühen Arbeit ab: er widmete der Naturforschung mehr Zeit und Energie, gipfelnd in der Entdeckung der Orgonenergie und seiner neuen Wissenschaft, der Orgonomie; und er schrieb seine früheren Schriften um und brachte sie mit einer kritischen Zurückweisung seines vorherigen Marxistischen Glaubens an die Revolution neu heraus. Zusammengenommen machen diese beiden Merkmale von Reichs späterer Arbeit ihn zu einer unverständlichen Gestalt für Europäer, die mit einer Kost aus reiner Sexualökonomie aufgewachsen sind.

Demnach sprechen europäische Pro-Situs liebevoll vom jungen Reich, während Amerikaner, die an Reich interessiert sind, von jenen dominiert werden, die an Maschinen für freie Energie und an universalen Allheilmitteln interessiert sind: Ideen über geheime Macht und die Macht geheimer Ideen. Robert Anton Wilson und William S. Burroughs sind Vertreter der amerikanischen Annäherung an Reich. Burroughs war von der Arbeit von Orgonomen fasziniert, die in den Vierziger Jahren mit Reich in New York City zusammenarbeiteten. Er besaß einen Orgonakkumulator und benutzte ihn. Seine Schriften gegen zentralisierte Behördenmacht greifen häufig auf Reichs Gleichsetzung von Kommunismus und Krebs zurück. Robert Anton Wilson ist ein Beispiel für das, was Judi Bari** als California woo-woo bezeichnet hat, ein spiritualistischer Eklektizismus. Hier ist das Orgon eine weitere Kuriosität im kosmischen Ramschladen.

Für jemanden, der zu Reichs Arbeit vom selben eurozentrischen Standpunkt kam wie die Situationisten, schien Reichs Massenpsychologie des Faschismus das Rätsel zu lösen, mit dem die Situationisten nicht fertig wurden: Warum war ihre dialektische Vorhersage, daß subjektiv unerträgliche Zustände zum allgemeinen Aufstand führen müßten, nicht eingetreten? Es war Reichs Kernpunkt, daß der Faschismus nicht eine einzelne Partei oder Bewegung war, sondern eine Gefühlslage. Es ist die Prämisse dieses Artikels, daß alles, worauf die Situationisten ihre Theorien begründeten, von Reich mehr als 30 Jahre früher erdacht worden war; und daß Reichs späte Periode sowohl wegen ihres provozierenden Wagemuts, als auch wegen ihrer praktischen Anwendbarkeit die situationistische Theorie weit überflügelt. Von besonderer Bedeutung war seine Unterstreichung der Neurosenprophylaxe durch den Schutz der Kinder vor der sexuellen Zwangsmoral, seine Entwicklung einer ganzen Reihe von Werkzeugen, die dem Schutz des Lebens dienen (der Orgonakkumulator, der Cloudbuster und die Orgontherapie) und seine Identifizierung der Rolle, die die Emotionelle Pest im menschlichen Elend spielt.

Nochmals, ich war so wie jeder andere auch von Reichs später Periode und seinem Wahn von einer biologischen Energie, die man Orgon nennt, entsetzt. Jedoch verdeutlicht Reichs Überarbeitung seiner frühen Bücher, daß er seine gesamte Arbeit, einschließlich seiner falschen Wendung nach links, als eine Ganzheit betrachtete. Versuche, irgendein Element zu entfernen, und es wird alles auseinanderfallen. Wenn es kein Orgon gibt, gibt es keine Libido, folglich keine Psychoanalyse. Wenn es keine Psychoanalyse gibt, ist es sinnlos über die emotionalen Grundlagen des Faschismus zu spekulieren. So schien es mir, daß jedes richtige Verständnis von Reichs Arbeit eine direkte Überprüfung der Versuche beinhalten müsse, die Reich in seinen späteren Büchern beschrieben hat, z.B. das To-T-Experiment, wo Reich eine positive Temperaturdifferenz zwischen der Luft in einem Orgonakkumulator und der Umgebungsluft behauptet. Durch einen Nachvollzug vergewisserte ich mich zu meiner eignen Zufriedenheit, daß die Hauptpunkte von Reichs orgonomischen Befunden unabhängig verifizierbar sind. Es übersteigt den Rahmen dieses Artikels, Beweisführungen für die Existenz der Orgonenergie zu bieten; tatsächlich haben sich auf diesem Gebiet zu viele auf Schriftdeutungen beschränkt, die an die theologischen Dispute des Mittelalters erinnern. Der einzige Weg die Erscheinungen zu verstehen, besteht darin, es mit dem Experimentieren selbst zu versuchen. Darf ich sagen, daß dies dialektisch ist? Wissenschaft ist zur Religion der Gegenwart geworden; es ist Zeit, die Bibel in die Volkssprache zu übersetzen.

Ich bin kein Physiker, doch es scheint mir, wenn ich vom in der High School gelernten ausgehe und meinem gesunden Menschenverstand folge, daß, wenn du eine Kiste baust und in deiner Garage stehen läßt, sie sich der Temperatur der Garage angleichen müßte. Sollte sie konstant wärmer als die Temperatur der Garage sein, kann man sich fragen, woher diese Wärme kommt. Ich habe Leute nach einer Erklärung gefragt, von denen ich wußte, daß sie in der Wissenschaft tätig sind, insbesondere progressive Wissenschaftler, die sich mit Solarenergie beschäftigen, doch beim Gedanken an das Orgon laufen sie vor Wut rot an. Für jeden, der an einer Einführung in die experimentellen Grundlagen interessiert ist, mit denen Reich die Existenz einer biologischen Energie demonstrierte, ist James DeMeos Das Orgonakkumulator-Handbuch das einzige erhältliche Buch, das sich direkt damit auseinandersetzt.

lch glaube, daß in Reichs späteren Schriften der unangenehmste Bestandtell, den Progressive zu verdauen haben, sein Wettern gegen den Roten Faschismus und die Emotionelle Pest ist. (Obwohl sie es niemals unterlassen die augenscheinliche Absurdität der Orgonenergie zu behaupten, verstecken sie sich nur hinter dieser Behauptung, um die Aufdeckung ihres wahren Charakters zu verhindern.) Seit Die Massenpsychologie des Faschismus zeigte Reich, daß der Nazismus (Schwarzer Faschismus) und Stalinismus (Roter Faschismus) funktionelle Entsprechungen darstellten. Wie die Anarchisten stellte er den Autoritarismus beider fest. Im Gegensatz zu jedem anderen politischen Autor konnte Reich jedoch auf seine jahrelange Erfahrung als in den Elendsvierteln Deutschlands unentgeltlich arbeitender Psychoanalytiker zurückgreifen, um den emotionalen Unterbau des Roten und Schwarzen Faschismus aufzudecken. Er fand heraus, daß die autoritäre, sexualverneinende und patriarchale Familie die Art von unempfindlich gemachten und erstarrten Erwachsenen reproduziert, die nötig sind, um die mechanische und banalisierte Arbeit im industriellen Kapitalismus auszuführen. Die Emotionelle Pest, bzw. die organisierte Unterdrückung des Lebens, verkörperte die Massenpsychologie des Faschismus. In seinen späteren Jahren sah Reich die Linke als bedrohlicher an als die Rechte und tatsächlich war es ein Artikel im linken The New Republic, der seine Verfolgung und Verhaftung heraufbeschwor, was in der Verbrennung seiner Bücher und Forschungsausrüstung gipfelte. Für einen Progressiven, der nicht willens ist, dem faschistischen Kleinen Mann entgegenzutreten, der in ihm selbst wohnt, ist das Lesen von Reichs Büchern kaum zu ertragen.

Zur Zeit seiner Niederlassung in Amerika war Reich schon lange von der Kommunistischen Partei und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen worden, weil er nach einem Weg gesucht hatte, wie die beiden einander behilflich sein könnten, das menschliche Elend zu beenden. Hier erkannte er die Schwierigkeiten einer politischen Veränderung. Reich war tiefer in die sozialistische Politik verwickelt, als man derzeit in diesem Land annimmt. Leute, die in Ost- und Westdeutschland in der Orgonomie arbeiten, weisen auf Parteiprotokolle aus den späten Zwanziger Jahren hin, die zeigen würden, daß Reich die extremsten revolutionären Positionen dieser Zeit teilte.

Man muß dabeigewesen sein, um etwas beurteilen zu können. Viele von Reichs späteren Schriften zielen darauf ab, seine Position vor Leuten, die seine Arbeit mißbrauchen wollten (recuperators), vor Kommunistischen Mitläufern und Freiheitskrämern zu schützen. Neben einer ehrlichen Neubewertung seiner frühen Standpunkte als Marxist-Leninist, gab es das Bedürfnis, sich gegen Angriffe von christlichen Schützern der Tugendhaftigkeit der Jugend zu verteidigen, die seine Ausweisung betrieben. Es ist ihm hoch anzurechnen, daß er nie dem Opportunismus anheimfiel und bis zu seinem Tode die rationalen Bestandteile des Dialektischen Materialismus als Methode des funktionellen Denkens vertrat.

* Reichs Bezeichnung für den bösartigsten Emotionelle Pest-Charakter. Verbindet den Namen von Mocenigo, der den mittelalterlichen Wissenschaftler Giordano Bruno verfolgte, mit Stalins ursprünglichem Namen Dschugaschwili.

** Judi Bari aus Nordkalifornien, ein Aktivist von Earth First! und Organisierer von freiwilligen Hilfskräften, wurde neulich bei einem Bombenanschlag verletzt, als er für Redwood Summer in Oakland, Kalifornien tätig war.