Warum sind Atheisten im Durchschnitt klüger als religiöse Menschen? Zunächst einmal ist das eine gesicherte Korrelation und Edward Dutton, Hauptautor einer neuen Studie zum Thema, hat eine Erklärung parat, die frappant an Sigmund Freud und dessen Argumente gegen Reich erinnert:
Intelligenz – das rationale Lösen von Problemstellungen – kann so interpretiert werden, daß es dabei um die Überwindung von Trieben geht, intellektuell neugierig zu sein und damit offen für nicht triebbedingte Möglichkeiten.
Die „Triebhaftigkeit“ der Religion zeige sich beispielsweise daran, daß wir „zu Gott finden“, wenn wir extremem Streß ausgesetzt sind. All diese Überlegungen wirken ziemlich an den Haaren herbeigezogen, dabei ist die Erklärung aus orgonomischer Sicht so naheliegend:
Es gibt in der gepanzerten Gesellschaft prinzipiell zwei Gruppen von Menschen: die mystischen, religiösen Konservativen, die vor allem im orgonotischen System leben, das sich um den Solar plexus gruppiert, auf der einen und die mechanistischen, atheistischen Linken, die vor allem im energetischen Orgonom leben, das im Zentralen Nervensystem Struktur geworden ist, auf der anderen Seite. Gefühlsbetonte „Bauchmenschen“ mit einer überwiegend muskulären Abwehr gegen rationalistische „Kopfmenschen“ mit einer überwiegend intellektuellen Abwehr. Die Einzelheiten finden sich bei Reich, Baker und Konia.
Die Kultur ist (…) auf Triebverzicht aufgebaut, und jedes einzelne Individuum soll auf seinem Wege von der Kindheit zur Reife an seiner Person diese Entwicklung der Menschheit zur verständigen Resignation wiederholen. Die Psychoanalyse hat gezeigt, daß es vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, sexuelle Triebregungen sind, welche dieser kulturellen Unterdrückung verfallen. (Freud: Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung, 1924)
Das schrieb Freud zu genau jener Zeit, als Reich seine Orgasmustheorie formulierte und seine Charakteranalyse zu entwickeln begann, bei der es um die Auflösung der Kultur („Charakter“) geht.
Marx‘ Theorie läßt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:
Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts [zwischen Basis und Überbau] bewußt werden und ihn ausfechten. (Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie, 1859)
Und hier wären wir wieder bei Freud, denn das obige Freudzitat hat einen Vorspann:
Wenn man von wenig bekannten inneren Antrieben absieht, so darf man sagen, der Hauptmotor der Kulturentwicklung des Menschen ist die äußere reale Not gewesen, die ihm die bequeme Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse verweigerte und ihn übergroßen Gefahren preisgab. Diese äußere Versagung zwang ihn zum Kampf mit der Realität, der teils in Anpassung an dieselbe, teils in Beherrschung derselben ausging, aber auch zur Arbeitsgemeinschaft und zum Zusammenleben mit seinesgleichen, womit bereits ein Verzicht auf mancherlei sozial nicht zu befriedigende Triebregungen verbunden war. Mit den weiteren Fortschritten der Kultur wuchsen auch die Ansprüche der Verdrängung. Die Kultur ist doch überhaupt auf Triebverzicht aufgebaut…
Freud und Marx passen gut zusammen, aber was ausgerechnet Reich hier zu suchen hat, erschließt sich mir nicht ganz. Hat doch Reich selbst 1936 im linkssozialistischen Organ Kamp og Kultur konstatieren müssen:
Bisher hat der Sozialismus als kulturelle Bewegung Schiffbruch erlitten, weil er die gleiche Angst mit dem Konservatismus geteilt hat und an die inhärente Unvereinbarkeit von Sexualität und Kultur glaubte. (z.n. Max Hodann: History of Modern Morals, S. 319)
Fangen wir mit 9/11 an. Ohne Zweifel ist es eines der wichtigsten Wendepunkte der Geschichte. Aber was ist wirklich passiert?
Selbst dieser kleine Ausschnitt bringt es fertig, auf verquere Weise antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten… Aber bleiben wir beim Judentum: Ein Rabbi sollte in einer Vortragsreihe, die von verschiedenen Religionsvertretern gegeben wurde, erklären, warum man ausgerechnet seiner Religion Glauben schenken sollte. Mit einem schlagenden Argument ging er als Sieger hervor. Der mosaische Glaube beruhe im Gegensatz zu allen anderen Religionen auf der Zeugenaussage eines ganzen Volkes. Absolut Spektakuläres ist geschehen beim Auszug aus Ägypten und am Sinai.
Und schließlich die Marienerscheinungen, die teilweise kaum weniger sensationell sind:
Und dort wo keine Menschenmassen, die die heilige Jungfrau sahen, gibt es zumindest Unerklärliches und Wunderbares, etwa bei Unserer Lieben Frau von Guadalupe, die in einer Zeit, als die Missionierung zu scheitern drohte, dafür sorgte, daß sich Südamerika dem Katholizismus unterwarf.
Rationalisten und „Aufklärer“ wenden sich angewidert ab… Ich wende mich voll Verachtung von akzeptableren Verschwörungstheorien ab, weil diese nicht annähernd weitgenug gehen. Ich muß dabei an Laborratten denken, die spüren, daß etwas nicht stimmt, aber immer auf andere Laborratten, etwa „jüdische“, als okkulten Ursprung ihrer prekären Lage verweisen und dabei geflissentlich die menschlichen Laboranten außerhalb ihres Käfigs übersehen, die ihre gesamte Existenz bestimmen.
Anhand meines Vaters und den Einblicken, die er mir in die Welt der Kaifacharbeiter im Hamburger Hafen vermittelt hat, habe ich sozusagen live miterlebt, wie die deutsche Arbeiterkultur nach und nach zerstört wurde, jedenfalls der Teil, der sich unmittelbar am Arbeitsplatz abspielte. Die Insiderwitze, deren Zusammenhang Jahrzehnte zurückreicht, die also kein Außenstehender auch nur annäherungsweise würdigen kann. Das Wissen darüber, wie weit man beim anderen gehen kann. Das Gefühl der Sicherheit unter Seinesgleichen zu sein, wenn man erst mal die Prüfungen und Aufnahmerituale überstanden hat, die kaum jemand bewußt formulieren kann, sondern die einfach da sind – und die von Anfang an nie für Ausländer galten. Plötzlich bröselte der buchstäblich in Jahrhunderten gewachsene soziale Kitt, war die Unbefangenheit flöten, das identitätsstiftende Gemeinschaftsgefühl, das Gefühl in einem Boot zu stecken, die Solidarität. Und auch ganz praktische Dinge, wie daß der Arbeitsrhythmus etwas Gemeinschaftliches ist und niemand dauerhaft zu schnell oder aber auch nicht zu langsam arbeiten darf. Aus Arbeit in der Heimat unter Freunden wurde ein lästiger Job unter Fremden.
Und so ist es allgemein im Alltag. Linksliberale und sozialistische Kopfwesen können sich nach Belieben eine schöne neue bunte Welt erträumen, es wird nicht funktionieren, weil die Bioenergetik nicht mitspielt. Gibt es zu viele Fremde, zerbricht das Gemeinschaftsgefühl, der soziale Zusammenhalt, wie jetzt wieder eine schwedische Studie gezeigt hat, die zahlreiche Vorläufer hat. Aber wozu Studien? Nichts sollte offensichtlicher sein! Die linksliberale Politik und die linksliberalen Medien zeichnen aber stets das Gegenteil: alle werden glücklicher, die Menschen finden enger zusammen, Friede, Freude, Eierkuchen und alle lächeln wie blöd, weil sie ja so happy sind. Das spiegelt nur eins wieder, die vollständige Abgetrenntheit der „Progressiven“ von ihrem eigenen bioenergetischen Kern. Es ist wirklich so einfach, doch niemand, wirklich niemand sieht das.