Das klingt mystisch und ist tatsächlich eine denkbar schlechte Wortwahl, aber passendere Begriffe wie „bioenergetisch“ oder „bio-sozial“ leiten potentiell sogar noch weiter von dem Weg ab, den es hier gedanklich nachzuvollziehen gilt.
Um was geht es? Um Gott! Und wieder gibt es wahrhaftig bessere Begriffe…
Der Mensch ist so geschaffen, daß er das Ebenbild Gottes ist. In Christus ist sogar Gott selbst Mensch geworden. Ich spreche hier nicht als Christ, der ich dezidiert nicht bin, sondern im Sinne von Reichs Christusmord: mit jedem einzelnen Baby kommt Gott selbst auf die Welt!
Das Baby, gar der ungeborene Mensch, ist Gott näher als sonst etwas auf dieser Welt. Von daher der unerklärliche Haß: die unerklärliche Begeisterung für Abtreibungen, das augenzwinkernde Spiel mit Pädophilie, Drag Queen-Shows und „Satanismus“ (der Kult um Moloch). Ich erinnere nur an den verdrängten Pizza Gate-Skandal und die entsprechenden Clinton-Emails.
Es geht gar nicht direkt um die Kinder als solche oder gar, wie manche ideologisch verbohrte „Reichianer“ glauben, bei der Abtreibung um „Sexualökonomie“, sondern es geht um den, ja, metaphysischen Haß gegen Gott. Deshalb, und aus keinem anderen Grund, beschneiden, verstümmeln, vergewaltigen, foltern, erniedrigen, beschmutzen, zerstören, verstümmeln, brechen und ermorden sie Kinder.
Das ist letztendlich der greifbare Kern des Christusmordes, und die Wiederauferstehung ist, nach Reich, daß immer wieder gottgleiche Kinder geboren werden, die „Kinder der Zukunft“. Es sei auch daran erinnert, daß im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums der „Kindermord von Bethlehem“ beschrieben wird, dem das Christusbaby nur knapp entgangen ist.
Das sind die zwei Lager: entweder liebst du Kinder; Kinder, aus deren Augen dich Gott selbst anblickt; oder du haßt sie, weil du dich in permanenter Rebellion gegen Gott befindest und nur Haß und Rachegelüste gegen ihn empfindest.
Woher kommt dieser Haß? In Die kosmische Überlagerung spekuliert Reich darüber, daß das Bewußtsein letztendlich auf die Abspaltung eines winzigen Teils des kosmischen Orgonenergie-Ozeans zurückgeht, der durch eine pulsierende, orgonomförmige („bohnenförmige“) Membran vom besagten Ozean abgetrennt ist. Das Bewußtsein dieser Trennung, die gleichzeitig erst Leben konstituiert und Bewußtsein möglich macht, führt zu Angst (Orgasmusangst), gegen die sich das Orgonom abpanzert. Auf diese Weise ist die Angst, so können wir schließen, die Quelle der Rebellion gegen Gott. Kleinkinder, Babys, insbesondere aber Embryos werden das unmittelbare Ziel dieses rachedürstigen Hasses, weil sie durchlässig (ungepanzert) sind und augenfällig die Orgonomform verkörpern. Die Emotionelle Pest weiß von all dem natürlich nichts, funktioniert aber auf dieser, wenn man so will, „primärprozeßhaften“ Ebene.
Nach der katholischen Lehre ist die Hölle ein Safe Place für Dämonen. Sie sind immer noch Engel, und Gott liebt sie, aber diese Liebe ist für sie unerträglich, eine unendliche Qual. Die Höllenschlünde sind also sichere Räume, „Safe Places“, für Dämonen. Letztlich ist die Existenz der Hölle ein Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes für seine Geschöpfe.
Was ist die schlimmste Sünde, die man sich vorstellen kann? Welche Sünde bringt dich mit Sicherheit in die Hölle? Nach der katholischen Lehre ist der Stolz die schwerste aller Sünden, weil man Gott durch das Idol, den Götzen des eigenen Egos ersetzt – wie es der Erzengel Luzifer getan hat.
Dazu mehr bzw. entscheidendes in Teil 7. Hier nur soviel: Aus orgonomischer Sicht ist der Narzißmus der Kern sowohl der Neurose (der ödipale Konflikt und der phallische Narzißmus, siehe Reich und Elsworth F. Baker) als auch der Schizophrenie (der präödipale Konflikt, in seiner Existenz nicht akzeptiert zu werden, und infolgedessen der okulare Narzißmus, laut Robert A. Harman).
Die Panzerung ist die Hölle, aber gleichzeitig auch die ultimative Zuflucht vor den Qualen des orgonotischen Strömens – den Qualen der LIEBE.
Der Pride-Monat, sichere Räume für Queers und andere Dämonen und daß normale Menschen darum betteln, daß man sie mit Psychopharmaka künstlich panzert, anstatt um eine Orgontherapie zu bitten, zeigt den Zustand dieser Welt. Narzißmus regiert die Welt. Satan ist unser Herrscher geworden.
Die Tragödie ist, daß die Orgonomie die endgültige Wahrheit ist, viel, viel tiefer als das Christentum, aber es scheint, daß kein „Reichianer“ einen Sinn für das hat, was ich oben geschrieben habe. Die Tiefgründigkeit des ganzen. Orgonomie ist nicht nur irgendeine Art von Therapie und irgendeine Art von Wissenschaft und Weltanschauung. Sie ist DIE Wahrheit.
Ein offenbar blutdurstiger und gleichzeitig gerechtigkeitsfanatischer Gott läßt seinen einzigen Sohn ermorden, um ein über die Generationen übermittelte „Erbschuld“ zu tilgen, für die er selbst verantwortlich war und auf deren Tilgung er hätte verzichten können. Nach Reich verbirgt sich hinter dieser absurden, alptraumhaften Geschichte der Haß auf das Lebendige allgemein und auf das Neugeborene („das eigene Kind“) insbesondere.
Interessanterweise war Reichs dezidiert jüdischer Lehrer Freud von einem geradezu gegenteiligen Mythos beseelt: die „Urhorde“ wird vom „Urvater“ tyrannisiert, bis sich dessen Söhne zusammenrotten und ihn erschlagen. Der Christusmythos würde, so Freud, seine befreiende Kraft dadurch gewinnen, daß am „Gottessohn“ die Sühne für den „Urvatermord“ vollstreckt wird. Aber noch heute seien es geborene Mörder, die Vaterfiguren wie Freud ständig bedrohen, – wie Reich es tat.
Um zu begreifen, was sich tatsächlich hinter dem Christusmord verbirgt, müssen wir zu Abraham zurück, der seinen Sohn Isaak zu opfern bereit war, weil Gott dies zur Schuldtilgung von ihm verlangte. Doch stattdessen befielt in letzter Sekunde ein mit allen Vollmachten ausgestatteter Engel Gottes (tatsächlich der präinkarnierte Christus) Abraham, als Ersatz für das Sohnesopfer ein Lamm zu nehmen, das an Stelle von Isaak geschlachtet wird. Und schließlich, im Neuen Testament, opfert sich der nunmehr inkarnierte Christus selbst in Gestalt „des Lammes“ (die zweite Person Gottes). Statt einen Sohn von den Menschen zu fordern, gibt Gott den Menschen seinen eigenen einzigen Sohn. Die Botschaft ist also: hört damit auf eure Kinder zu morden, um mir, dem Gottvater, zu dienen.
Dazu passen die vorangegangenen Reden Jesu, die sich durchgehend darum drehen, daß Gott alles tut, ins dreckigste Schlammloch oder den dichtesten Dornenbusch kriecht, um auch noch das letzte „verlorene Schaf“ zu retten. Es ist Gott, der mit seiner Liebe die Menschen verfolgt. Er will keine Opfer, sondern ganz im Gegenteil opfert er sich selbst. Man muß nichts tun, außer sich als sein Schaf zu erkennen geben („man muß an ihn glauben“), dann schenkt er, der gute Hirte, einem die durch nichts sonst verdiente Rettung.
Uns heutigen sagt das rein gar nichts. Schafe? Schuld? Buße? Opfern? Rettung? Gott? Doch bis vor zweitausend Jahren und noch heute in der gesamten nichtchristlichen Welt, reichen Menschen durch buchstäbliche Opfergaben oder durch die Befolgung religiöser Vorschriften Gott etwas dar, damit er sich ihrer erbarmt. Sie dienen sich Gott an, verfolgen ihn sehnsuchtsvoll, buhlen um seine Liebe. Die mörderischen Kinder flehen den Vater an, ihnen doch zu verzeihen! Deshalb kann die christliche Lehre vom bedingungslos liebenden Gott für einen Israeli, einen Iraner, einen Koreaner, einen Ureinwohner Neuguineas etc. etwas ungemein Befreiendes sein und etwas zutiefst Überzeugendes haben, eine revolutionäre Offenbarung, – während wir in der Wolle gefärbten christlichen Europäer nur desinteressiert mit den Schultern zucken.
Ihnen – die alle ihren Göttern bis heute Lämmer oder irgendwelche anderen Tiere opfern! – sagt der christliche Glaube geradezu das Gegenteil dessen, was er uns „Post-Christen“ sagt. Wir sehen in Christus den sinnlos geopferten Isaak, während sie ganz im Gegenteil die Botschaft aufnehmen: „Höre auf Isaak zu opfern!“ Gott will Isaak nicht, auch kein Surrogat, sondern ganz im Gegenteil gibt er seinen eigenen Sohn. Gott will nicht, daß du ihn mit deiner Liebe beschwichtigst, sondern ganz im Gegenteil, daß du seine Liebe akzeptierst, – daß du glaubst, vertrauen hast, dich hingibst, UNGEPANZERT bist.
Man verstehe mich nicht falsch: Ich bin dezidiert kein Christ! Ich glaube aber (Reich hat das angedeutet), daß keine andere Religion so „orgonomisch“ ist, wie das Christentum. Außerdem glaube ich, daß das Christentum das Römische Reich und damit die menschliche Zivilisation schlechthin gerettet hat. Ohne Christentum gäbe es keine Wissenschaft, es gäbe schlichtweg keine Welt, sondern nur irgendwelche von einander isolierten Reiche die ohne gemeinsame Geschichte kommen und gehen! Die Orgonomie wird diese Welt vor dem Untergang in die Barbarei retten, ähnlich wie es das Christentum in Bezug auf das Römische Reich getan hat. Der Anfang ist genauso mickrig und Mitleid erregend wie damals.
Am Ende bleibt natürlich die Frage wie man denn authentisch, autonom, frei, selbstbewußt, glücklich und produktiv sein soll, wenn die Sinnfrage nicht beantwortet wird.
Man kann die Frage nach dem Sinn des Lebens mit Epikur vom Tisch wischen: Wenn ich bin, ist der Tod nicht da, wenn der Tod ist, bin ich nicht da. Da dergestalt der Tod und ich nichts miteinander zu schaffen haben, läßt mich das Mysterium der Existenz kalt. Oder im Reichschen Sinne: der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Nur wenn ich das Leben verfehle, beunruhigt mich die „Sinnfrage“. Oder Stirner angesichts des „Nichts“: ICH bin der Sinn, eben weil ich meine Sache auf nichts gestellt habe, d.h. nicht als „Geschöpf“ reagiere, sondern spontan agiere.
Gemeinhin vermeinen wir ja den Sinn gefunden zu haben, wenn wir eine Ebene außerhalb des sinnlosen Kreisens von Ursache und Wirkung gefunden haben, gemeinhin „Gott, den Schöpfer“. Für Stirner ist diese Sinnsuche ähnlich abwegig wie für Epikur die Angst vor dem Tod abwegig war.
Nietzsche hat das besagte sinnlose Kreisen ins Bild der „ewigen Wiederkunft des Gleichen“ gepackt, das die absolute Sinnlosigkeit verkörpert. Es gelte, so Nietzsche, über diesen Wahnsinn hinauszuwachsen, indem man über sich hinauswächst. Diese „heroische“ Überspannung war buchstäblich Muskelanspannung: die Verherrlichung des Muskelpanzers. Sehr schön dargestellt in Arno Breckers Skulpturen von „Herrenmenschen“. LaMettries und Stirners Umgang mit der Sinnfrage war grundsätzlich anderer Art. Entweder fehlt ein „Urvertrauen“ oder man hat es. Der erstere hat allenfalls die Option sich „heroisch“ zu verspannen, der letztere kann sich wollüstig fallenlassen.
Mit Laska kann man sagen, daß sich heute die Naturwissenschaft mit allem und jedem beschäftigt, aber ausgerechnet die Beschäftigung mit allen „Über-Ich-bezogenen“ Begriffen (Gott, Religion, Moral, Gewissen u.a.) tabuisiert. Das Private und das Politische, d.h. Fragen der Moral, bleiben ausdrücklichst draußen vor (Laskas Einleitung zu LaMettries Der Mensch als Maschine, S. XXXIIf). In diesem Bereich tummeln sich dann die „Gesellschaftswissenschaftler“, die mit Diderot davon ausgehen, daß – „Wer nicht vernünftig denken will [also ein Rechter, gar ein Nazi ist!], verzichtet darauf, Mensch zu sein und muß daher als entartetes Wesen behandelt werden“ (z.n. ebd. S. XXXII). Die Umerziehungs-, Vernichtungslager und Gaskammern des GULAG warten auf die Gegner der rotgrünen „Vernunft“!
Man besuche Gymnasien und Universitäten, Diskussionsrunden und Expertenforen – diese Zweiteilung des intellektuellen Lebens springt dir überall ins Auge. Erschreckend „kalte“ und „schizoide“ („autistische“) Naturwissenschaftler, Mathematiker, Informatiker, Ingenieure etc. die alle wirklich wichtigen Fragen „den Politikern“ überlassen – die von rein gar nichts eine Ahnung haben. Auf der anderen Seite Leute, die Michel Foucault und anderen Ideologen hinterherlaufen, deren gesamte Lebensleistung sich darum dreht L und S und R zu verdrängen. Entsprechend sind ihre Helden beispielsweise De Sade, Nietzsche und Herbert Marcuse.
Beide Gruppen von Intellektuellen, d.h. die von der Naturfakultät und die von der Gesellschaftsfakultät, wirken wie Sektenanhänger, merkwürdig blasiert, abgetrennt vom Leben und – verpeilt. Wie Reich etwa in Äther, Gott und Teufel ausgeführt hat: Naturwissenschaft kann nur funktionieren, wenn sie sich mit ihren Forschungsinstrumenten auseinandersetzt, also in erster Linie der individuell menschlichen und damit der gesellschaftlichen Struktur! Das gleiche gilt für die Gesellschaftswissenschaft. Beispielsweise ist es hochgradiger Unsinn, Fächer wie Soziologie und Politologie betreiben zu wollen, ohne Kenntnis von Elsworth F. Bakers soziopolitischer Charakterologie zu haben. Wir leben tatsächlich in einem vorwissenschaftlichen Zeitalter und das, was sich heute „Wissenschaftler“ schimpft, sind tumbe Scholastiker und gemeingefährliche Pfaffen!
[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]
Der amerikanische Philosoph Eric Hoffer, den ich hier nach Charles Konias Clueless (S. 246) zitiere, schreibt etwas über die junge Generation, das man so auch auf das innige Verhältnis von Konservatismus und Stirners Anthropologie anwenden kann:
Menschen, die [wie es „woke“ Linke tun] ihr Leben als unheilbar verdorben betrachten, können in der Selbstverwirklichung kein lohnendes Ziel finden. Die Aussicht auf eine individuelle Karriere kann sie nicht zu einer gewaltigen Anstrengung bewegen, noch kann sie in ihnen Glauben und hingebungsvolle Zielstrebigkeit hervorrufen. Sie betrachten das Eigeninteresse als etwas, das mit dem Bösen behaftet ist, als etwas Unreines und Unglückliches. Alles, was unter der Schirmherrschaft des Egoismus unternommen wird, scheint ihnen zum Scheitern verurteilt. Nichts, was seine Wurzeln und Gründe in der eigenen Person hat, kann edel und gut sein. Ihr innerstes Verlangen ist das nach einem neuen Leben – einer Wiedergeburt – oder, falls dies nicht möglich ist, nach einer Chance, durch die Identifikation mit einer heiligen Sache neue Elemente des Stolzes, der Zuversicht, der Hoffnung, der Sinnhaftigkeit und des eigenen Wertes zu erlangen. Eine aktive Massenbewegung bietet ihnen Möglichkeiten für beides. Wenn sie sich der Bewegung als vollständige Konvertiten anschließen, werden sie in einem neuen Leben in ihrem eng verbundenen kollektiven Körper wiedergeboren, oder wenn sie sich zu Sympathisanten hingezogen fühlen, finden sie Elemente des Stolzes, der Zuversicht und des Ziels, indem sie sich mit den Bemühungen, Errungenschaften und Aussichten der Bewegung identifizieren.
Den Enttäuschten bietet eine Massenbewegung entweder Ersatz für ihr ganzes Selbst oder für die Elemente, die das Leben erträglich machen und die sie aus ihren individuellen Ressourcen nicht hervorbringen können.
Der Erfolg des Westens im allgemeinen und des Kapitalismus im besonderen beruht darauf, daß Menschen ihre Sache auf nichts gestellt haben. Durch bloße Initiative erschaffen sie sich, nach dem Vorbilde Gottes, aus dem Nichts ( = voraussetzungslos, im Sinne von spontan, nicht-mechanisch!). Man hat eine Geschäftsidee und verwirklicht sie, ohne seine Gedanken über den Zustand dieser Welt zu verschwenden. Das beste Beispiel ist Reich selbst, der eine „Gesellschaft“ nach der anderen aus dem Boden gestampft hat. Oder wie der Rocksänger Sammy Hagar nach seinem Rauswurf bei Van Hallen einmal in einem Interview sagte: „Setz mich nackt irgendwo in der Wüste Arizonas aus. Nach zwei Jahren werde ich in einem Ferrari zurückkehren.“
Elsworth F. Baker hat gezeigt, daß der Konservative der Vater-Imago („Gott“) nacheifert, während der Linke dagegen rebelliert, gegen die „Ungerechtigkeit“ protestiert und in der Jauche der Jammerei versinkt. Kein Wunder, daß Stirner als „Urvater des Faschismus“ „entlarvt“ wurde… (Ich verweise wieder auf The Omega Man aus Teil 53!)
Nochmal: „seine Sache auf nichts bauen“. Die Erschaffung der Welt aus dem Nichts, ist keine naturphilosophische oder gar „physikalische“ Aussagen, sondern hat eine theologische Bedeutung: Gott handelt spontan, „selbstherrlich“. Gott (und damit sein in seiner Natur mit ihm identische Sohn Christus) wird von Anfang an so definiert, daß nichts über ihm steht, das ihn zu irgendetwas veranlassen könnte. Gewisserweise ist Gott bzw. Christus als „über-ich-frei“ (ungepanzert) definiert, d.h. als spontan agierend.
Wenn man aus dieser Sichtweise Stirners Der Einzige und sein Eigentum, insbesondere aber seine Parerga, Kritiken, Repliken liest, wird offensichtlich, warum Reich Stirners Hauptwerk in die Bibliographie am Ende seines Werkes aufgenommen hat. Der „Einzige“ (sic!) ist der ideale genitale Charakter, der, frei nach Elsworth F. Baker, im realen Leben dem konservativen Charakter noch am nächsten kommt.
Nach Elsworth F. Baker wird die autoritäre Gesellschaft von drei Tabus getragen: Sexualität, Politik und Religion. Sie dürfen nicht ernsthaft angesprochen werden, nicht hinterfragt werden, weil das das gesamte Konstrukt der autoritären Gesellschaft zum Kollabieren bringen würde.
Wie sieht das heute in der antiautoritären Gesellschaft mit diesen drei Tabus aus, nachdem die autoritäre Gesellschaft tatsächlich kollabiert ist? Es ist zu einer bemerkenswerten Verschiebung gekommen, die andeutet, daß die gepanzerte Gesellschaft an und für sich vor dem Kollaps steht!
Die antiautoritäre Gesellschaft begann mit der Befreiung der Sexualität: die sogenannte „sexuelle Revolution“ der 1960er und 70er Jahre war ein selbstwidersprüchliches Desaster. Das begann schon mit der Pille, die zwar die Frau schrankenlos verfügbar machte, aber gleichzeitig bei ganzen Generationen von Frauen die Libido abtötete, weil dem Körper mittels entsprechender Hormone eine Dauerschwangerschaft signalisiert wurde. Was übrigens auch für Männer, zumindest unterschwellig, die Frauen auch nicht gerade attraktiver machte! Sodann wurde suggeriert, daß „Sex in Wirklichkeit nur im Kopf stattfindet“. Mit dieser fatalen Kombination – besser kann man die Genitalien gar nicht abtöten – und der umfassenden Pornographisierung und „Tinderisierung“ (Entpersönlichung) der Sexualität enttarnt sich die gesamte mechano-mystische Zivilisation als genau das: Pornographie („die geistige Welt“) und Beziehungslosigkeit („die materielle Welt“). Was fehlt ist schlichtweg die bioenergetische Ladung, die GENITALE ERREGUNG.
In der aufgeklärten Welt sollte explizit über Politik geredet, der Alltag politisiert werden, was konkret bedeutete, daß es zu einem generellen Linksumschwung kam. Die Fortschritte der mechanistischen Genetik, Neurologie, Psychologie, also der Sperrspitze der „Aufklärung“, haben aber gezeigt, daß politische Einstellungen BIOLOGISCH verankert sind und rationalen Argumenten nicht nur nicht zugänglich sind, sondern diese die quasi angeborene politische Haltung sogar verstärken. Mit dieser Priorität des Biologischen („Biologismus“ im Wortgeklingel der Marxisten) bricht aber das gesamte Fundament der antiautoritären Gesellschaft in sich zusammen: die „Enttabuisierung“ des Themas Politik führte in Bereiche, die der gesamten linken Ideologie, mit ihrer Fokussierung auf „das Gesellschaftliche“ das Fundament entziehen.
Noch schlimmer sieht die Angelegenheit in Sachen Religion aus. Die autoritäre Gesellschaft beruhte darauf, daß Gott den Menschen erschaffen hatte, die antiautoritäre Gesellschaft beruht auf dem umgekehrten Diktum: frei nach Ludwig Feuerbach wurde Gott durch den Menschen erschaffen. Klingt gut! Das ist sozusagen die Essenz aller Aufklärung. Gott dergestalt zur Disposition zu stellen, ist die quasi religiöse Grundlage der antiautoritären Gesellschaft. Problem ist, daß die Anthropologie nicht mitspielen will, denn man hat noch nie eine gottlose Gesellschaft entdeckt und ähnlich wie im Politischen scheint es eine biologische Disposition in diese Richtung zu geben und „gottgläubige“ Menschen sind objektiv glücklicher und gesünder als bekennende Atheisten. Irgendwas läuft hier grundlegend nicht im Sinne der „Aufklärung“ und im Sinne von „Anti-Autoritarismus“. Gott ist nicht nur nicht totzukriegen, sondern ist vom Menschsein an sich nicht zu trennen. Irgendwo scheint sich da eine grundlegende Fehlberechnung eingeschlichen zu haben… Anstatt irgendeiner „Befreiung“ wartet der Transhumanismus auf uns, wenn wir die „Transzendenz“ leugnen, die sich letztendlich als BIOLOGIE erweist.
Kurz gesagt, krankt die gesamte „Aufklärung“ unter einem einzigen alles umfassenden „biologischen Rechenfehler“ (Reich), nämlich die Verkennung der biologischen (Orgon-) Energie selbst. Lust ist Biologie, Politik ist Biologie, „Gott“ ist Biologie. Reich hat die BIOLOGISCHE Revolution eingeleitet, die dem gegenwärtigen Spuk ein Ende machen wird!
Warum wenden sich so viele Menschen nach anfänglichem Interesse wieder von der Orgonforschung ab? Weil sie eine Sache des Glaubens ist! „Glauben“ im Sinne von Einräumen von Kredit, d.h. Vertrauen. Skepsis zerstört genau das, was erforscht werden soll.
In der wissenschaftlichen Forschung müssen alle äußeren Einflüsse kontrolliert werden und zwar auf eine Weise, die die Orgonenergie-Funktionen ersticken. Das war schon bei Reichs ersten Experimenten Mitte der 1930er Jahre mit dem bio-elektrischen Hautpotential der Fall. Lust ist etwas dermaßen Intimes und „Scheues“, daß es praktisch unmöglich ist, sie adäquat im Labor zu messen. Ähnlich verhält es sich mit den Bionen und den Anforderungen der Sterilisierung. Der nächste Schritt waren dann die Messungen mit Elektroskop und Thermometer. Hier geht es um die Abgrenzung der „Orgonität“ von der Elektrostatik und die Tücken der Thermodynamik. Um das atmosphärische Orgon messen zu können, muß es einen freien Austausch mit der Atmosphäre geben, – was zu unkontrollierbaren Temperaturschwankungen führt, die jeden Orgoneffekt unsichtbar machen. Und was reine Beobachtungen, etwa mit dem Orgonoskop betrifft, sind wir wieder bei der Auseinandersetzung zwischen Newton und Goethe.
Niemand kann erwarten bei nebligem, feuchtem Wetter irgendwelche orgonotischen Phänomene messen zu können. Ist es aber trocken und die Luftfeuchtigkeit außergewöhnlich niedrig, wird der Physiker triumphierend einwenden, daß nunmehr elektrostatische Phänomene verstärkt auftreten und es fast so schwer zu einem Wärmeausgleich kommt, als würden wir im Vakuum operieren. Tatsächlich würde ein Physiker To-T-Experimente vorzugsweise bei hoher Luftfeuchtigkeit durchführen! Unter diesen Umständen kann die Orgonomie keine „skeptische“ (im Gegensatz zu einer immanenten) Diskussion gewinnen! Vom ORANUR, das in allen Forschungslabors herrscht, brauchen wir erst gar nicht anfangen.
Die Antwort bzw. der Einwand des Orgonomen wird stets die gleiche sein, die Reich bereits Einstein gab: geduldig beobachten, etwa mit dem Orgonoskop, und die Messungen unter den verschiedensten Bedingungen und Konstellationen wiederholen. Damit drehen wir uns im Kreis: Einstein mußte Reich einen ziemlich großen Kredit an Vertrauen einräumen gegen seine eigene Skepsis und die Skepsis seiner Berater.
Ein unlösbares Problem? Nein, ein Scheinproblem, denn jedem Forscher wird Kredit eingeräumt und das zusehends buchstäblich. Unter gigantischem Aufwand von Kapital werden Beobachtungsstationen und Labors in den tiefsten Bergwerken errichtet und in die Umlaufbahn der Erde geschossen und immer gigantischere Teilchenbeschleuniger gebaut und zwar unter Prämissen, die selbst ein gewöhnlicher Diplom-Physiker kaum wirklich nachvollziehen kann. Es ist eine verschwindend kleine Gruppe von, wenn man so will, „sich immer weiter spezialisierenden Spezialisten“, denen man schlichtweg blind vertrauen muß, zumal diese Forschung einen immer kleiner werdenden konkretem Ertrag einbringt, d.h. etwa sich in neuen Industrieprodukten niederschlägt.
Warum wird diesen Leuten ein praktisch unendlich großer Kredit eingeräumt, während ein Reich mit weniger als nichts auskommen muß, d.h. er ganz im Gegenteil sogar verfolgt wird? Argumente wie „Außenseiter“ und „fachfremd“ stechen nicht wirklich, da sie letztendlich einen Zirkelschluß darstellen, denn Reich konnte einen beliebig großen Aufwand betreiben, die teuersten Mikroskope anschaffen, bei beliebig vielen Autoritäten vorsprechen: es führte zu nichts, weil der Knackpunkt ein ganz anderer war. Er, und damit sein Forschungsansatz, war von vornherein aus der „anständigen Menschheit“ ausgeschlossen, ein „Paria des Geistes“, wie Bernd Laska es genannt hat.
Man schaue sich nur LaMettrie an, um zu sehen, was wirklich vor sich geht. Er glaubte, daß der „Glücksveranlagung“ des Menschen nur das Gewissen entgegensteht, ein überflüssiger Fremdkörper wie Gott und die unsterbliche Seele, die ebenfalls obsolet sind, wenn, wie er annahm, die Materie aus sich selbst heraus wahrnehmen und empfinden kann. Kurz gesagt, glaubte er an „das Lebendige“, das von der drögen, letztendlich auf die Scholastik zurückgehenden, angeblichen „Vernunft“, tatsächlich aber dem lebensfeindlichen Ordnungswahn (Produkt des besagten Gewissens), seiner vermeintlich aufklärerischen Mitstreiter systematisch erstickt wurde. Sie betrachteten ihn als „Verteidiger des Lasters“ und „Lästerer der Tugend“, der es unterläßt, „die Wahrheit zu suchen und die Tugend auszuüben“ und deshalb ein für allemal in ihren Kreisen nichts zu suchen hat. Er ist von vornherein nicht „kreditwürdig“ (vgl. Jauch: Jenseits der Maschine, S. 46f).
Apropos lebensfeindlicher Ordnungswahn:
Der typisch mechanistische Physiker denkt nach den Prinzipien des Maschinenbaus, dem er wesentlich zu dienen hat. Eine Maschine hat perfekt zu sein. Daher muß das Denken und Handeln des Physikers „perfekt“ sein. Der Perfektionismus ist ein wesentliches Kennzeichen des mechanistischen Denkens. Es läßt keine Fehler zu. Unsicherheiten, schwebende Situationen sind unerwünscht. (Äther, Gott und Teufel, S. 86).
In dem besagten Buch, Äther, Gott und Teufel, kann man nachlesen, was das mit dem Komplex „Gott“ und Panzerung (gleich „Gewissen“, gleich „Über-Ich“) zu tun hat!
Fußnote zum Beitrag: Ich kann mir Bernd Laskas Reaktion auf Peter Nasselsteins Verknüpfung von LSR und Orgonbiophysik lebhaft vorstellen: