
Wilhelm Reich, Physiker: 2. Orgonbiophysik, c. Die Entdeckung des Orgons

Jonas schrieb 2014:
Ich möchte nur mal zwischenzeitlich Danke sagen für die m.E. UNBESCHREIBLICH WICHTIGE Arbeit, die Du in der Orgonometrie-Reihe leistest – auch wenn dazu in der Regel wenig kommentiert wird.
Ich bin immer wieder beeindruckt!
Sebastian:
Ich kann das gar nicht beurteilen, aber finde alleine die Bemühung hervorragend und möchte mich daher anschließen.
Oliver Gerlach:
Auch ich möchte mich hier unbedingt anschliessen. Neben der unglaublich umfassenden „Chronik der Orgonomie“ stellen „Orgonometrie 1 + 2“ die m.M. nach tiefgehendste zeitgenössische orgonomische Literatur dar!
Robert (Berlin) hat hinsichtlich „Orgonometrie (Teil 1): Kapitel II.1.d.“ eine Frage:
Mir wird aus dem Ganzen nicht ganz klar, was mit Sensation gemeint wird (hier mal als Kitzeln gesehen) und warum diese als Gegensatz zur Emotion steht.
Darauf meine Antwort:
Emotion sind „aufwallende“ Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Liebe, etc. Sensationen entsprechen dem, was man hört, ertastet, sieht, etc. Man denke nur an den religiösen Glauben: die einen lieben Gott und fürchten Gott, die anderen „wollen erst sehen“.
Claus:
Dafür gibt es ja einen guten Grund: Dafür, dass es das-und-das tatsächlich gibt, sprechen eher ‚Sensationen‘, zum Beispiel Anblicke (je nachdem, wie theoretisch die betreffende Sache ist, mehr oder weniger direkt oder eher über gedeutete Anzeichen). Gefühle kann man hingegen auch gegenüber Nichtexistentem haben (wohl jedenfalls dann, wenn man es für existent hält).
Einschub 2025: Schöne Illustrationen von Emotion und Sensation ist die bildende Kunst und die Musik. In der klassischen Malerei ging es vor allem um das Hervorrufen von Emotionen. Von der Tendenz her angefangen mit dem Impressionismus und dann radikal in der sowohl abstrakten als auch hyperrealistischen Kunst des 20 Jahrhunderts geht es praktisch nur noch um Sensationen. Man starrt stundenlang eine Rauhfasertapete an und ist fasziniert. Ähnliches ereignete sich in der Musik. Die Klassik und frühe Romantik war kaum etwas anderes als „vertonte Emotion“, was sich dann im Laufe der Zeit zu einer reinen Geräuschkulisse verflüchtigte. Selbst im Jazz und in den verschiedenen Bereichen der Populärmusik gab es ähnliche Entwicklungen. Man nehme etwa Miles Davis‘ Album In a Silent Way von 1969, wo es weniger um Melodie und den Spannungsbogen geht, sondern um die „Atmosphäre“, die erzeugt wird und um die „Textur“ – buchstäblich die besagte „Rauhfasertapete“!
Themenwechsel. Sebastian schrieb 2015:
Ähm, ich muss mal etwas loswerden. „Bei Anwesenheit von Panzer […].“Das ist einfach grausam zu lesen. Bin ich schon öfter drüber gestolpert. Warum nicht Panzerung?
Meine Antwort:
Ganz heikles Thema. Früher habe ich wie selbstverständlich immer von „Panzerung“ gesprochen. Doch jetzt, wo ich mich intensiv mit Konia beschäftigt habe: der hat meistens „Panzer“ geschrieben („armor“ statt „armoring“), was in mir einige Panik hervorrief. Reich selbst schreibt, wenn ich das jetzt richtig überblicke, meistens von „Panzerung“, ab und zu aber auch von „Panzer“. Etwa hier in der Charakteranalyse, wo er grammatikalisch richtig schreibt:
„Der Bewegungsausdruck des vierten Segments ist im Falle des Fehlens eines chronischen Panzers der der ‚Gefühlsbewegtheit‘ (…). Im Falle der Panzerung ist der Ausdruck der der ‚Unbewegtheit‘ oder ‚Unberührtheit‘“ (KiWi, S. 493).
Robert (Berlin) geht auf die Reich-Marx-Frage ein:
Man muss den Marxismus und Reichs entsprechende „Sexpol-Beiträge“ von der Arbeitsdemokratie her verstehen. Das erstere, der „Reichianische“ Ansatz, ist bloßes Sektierertum, in dem die zufällige, bzw. durch die Zeitläufe bestimmte Entwicklung eines einzelnen Mannes zum Maßstab wird, mit dem man eine ganze Wissenschaft verstehen will. Tatsächlich wichtig ist aber nur die Entdeckung der Arbeitsdemokratie, von der aus entschieden werden kann, was an Reichs frühen Theorien von mehr als historischem Interesse ist.
Ähnlich bei Giordano Bruno. Heute interessiert uns überhaupt nicht mehr, mit welchen Philosophen er sich damals auseinandersetzte, sondern das er das geozentrische Weltbild überwand.
Angeregt durch ein zufällig gesehenes Photo bin ich grundsätzlich geworden:
Worum es in der Orgonomie geht auf einem Photo: der schmutzig-braune DOR-Panzer des Planeten und darüber das frische Orgon, wie von Reich in CONTACT WITH SPACE beschrieben.
O.
Der Begriff Orgontechnik wird meines Erachtens ausschließlich von Leuten benutzt, die keinerlei Ahnung von Orgonomie haben, aber ORACs bauen von ungewisser Zusammensetzung und dies als den „originalsten“ verkaufen. Weiterhin subsummieren sie irgendwelche Dorbuster-Konstruktion und dergleichen mehr.
Hier wird sich ausschließlich auf den Orgonmotor bezogen. Alternativ wäre und damit abgrenzend zum Sprachvandalismus der Orgonesoterik der neue Begriff „Orgonmotortechnik“ einzuführen.
Peter:
Danke, ich weiß Deinen Einwand zu würdigen, aber ich lasse mir doch nicht von „Reichianern“ und Esoterikern meinen Sprachgebrauch diktieren!
Es geht um Vogelschwärme:
Manuel:
Man beachte das Flugmuster der Bienen ab ca. 4:10:
Sebastian und ich verwiesen jeweils auf ein Video mit Vogelschwärmen. Diese Videos existieren nicht mehr im Netz, daher dies:
Liebe, Arbeit und Wissen sind Kernimpulse, die nach außen gerichtet und deshalb in sich lustvoll sind. Für diesen Lustgewinn nimmt man gerne einige Mühen in Kauf. Erst durch die Panzerung verwandelt sich Sexualität in Frust, Arbeit in „sinnlose Plackerei“ und Wissen in dröge „Information“. Dies wird dann versucht sekundär zu kompensieren: durch „Pornographie“ (im denkbar weitesten Sinne), durch „Boni“ und etwa durch einen Unterricht, der aufgebaut ist wie Fernsehunterhaltung. Ohne Panzerung wären diese künstlichen Maßnahmen nicht notwendig.
In der folgenden orgonometrischen Gleichung wird beschrieben wie beim Gesunden die vegetative Erregung ständig zwischen Sexualität und Arbeit hin und her pendelt und sich Liebe und Sex, Wissen und Tätigkeit gegenseitig ergänzen. Gefühlloses „Ficken“ und sinnloses „Roboten“ werden weder angestrebt noch sind sie tolerierbare Optionen:

Beim Neurotiker hingegen sind Arbeit und Sexualität sich gegenseitig ausschließende und wechselseitig sich behindernde Funktionen. Mit der Pulsation zwischen Liebe und Sex ist die Doppelmoral gemeint (Jungfrau gegen Hure), bei der zwischen Wissen und Tätigkeit der ständige Wechsel zwischen Hobby und „Sklavenarbeit“. Nichts verkörpert unsere Kultur besser als der „liebende Ehemann“, der regelmäßig ins Bordell geht und der „engagierte Mitarbeiter“, der sich im Hobbykeller verwirklicht:

Wie jede Wissenschaft ist auch die Orgonomie eine Geschichte von Fehlschlägen. Die Theorie von heute wird morgen kopfschüttelnd überwunden. Fangen wir mit der Psychoanalyse an, die als Reich um 1920 herum auf den Plan trat, schlicht und ergreifend gescheitert war. Das beliebige Bewußtmachen unbewußter Anteile der Psyche machte die Menschen nicht gesünder. Freud entwickelte daraufhin die Todestriebtheorie: eh alles scheiße und man muß sich in dieser Scheiße einrichten! Reich entwickelte hingegen die Charakteranalyse, d.h. das systematische Aufdecken der unbewußten Anteile – was dem Grundwesen der Freudschen Psychoanalyse fundamental widersprach (unsystematisches „freies Assoziieren“). Die 1920er Jahre waren sozusagen die Orgonomie 0.0.
In den 1930ern versuchte Reich das Erbe von Friedrich Kraus (Flüssigkeits- und Ionenströme im Körperplasma) weiterzuführen (Orgonomie 1.0), nur um am Ende feststellen zu müssen, daß die ganze „bioelektrische Theorie“ vorne und hinten nicht paßte und er etwas tun mußte, was er zuvor dezidiert abgelehnt hatte: aus der Libido eine Art „Lebensenergie“ zu machen. Die sexualökonomische Lebensforschung wurde wie zuvor die klassische Psychoanalyse zur Makulatur und es entwickelte sich die „Orgon-Biophysik“, die Orgonomie 2.0. Bis 1950 wurde alles schön ausgearbeitet und am Ende erstmals von Rech als „Orgonomie“ bezeichnet. Bumm, das ORANUR-Experiment schlug ein und versenkte diesen Ozeanriesen, da zentrale Voraussagen schlichtweg falsch waren! Diese Orgonomie 3.0 entwickelte sich in den 1950er Jahren inmitten der juristischen Auseinandersetzungen und dem ORANUR-Chaos.
Nach Reichs Tod versuchte Charles Konia das von Reich hinterlassene Trümmerfeld aufzuräumen und stellte fest, daß dessen „orgonometrischen“ Aufstellungen nicht recht zusammenpaßten. Resultat war eine neue Ausstellung, die die Einführung der Funktion „koexistierende Wirkung“ erzwang, was die Orgonomie mit der Jahrtausendwende wieder vollkommen umwarf: aus einem Weltbild einer Art „feinstofflichen“ Sauce, die das Weltall durchwabert, zu einer, na ja, vielleicht mehr „holographischen“ Welt: Orgonomie 4.0.
Um die Entwicklung und den heutigen Stand der Orgonomie erfassen zu können, muß etwas weiter ausgeholt werden – hier am Beispiel meines Aufsatzes über Orgonogenetik:
Das Orgon hat zwei Eigenschaften im Bereich der relativen Bewegung: Pulsation und die Kreiselwelle („energetisches Orgonom“, „Bohnenform“, „Embryoform“). Zunächst einmal läßt sich zeigen, daß die Pulsation (verkörpert im Vegetativen Nervensystem) sich im Verlauf der Evolution zum Menschen immer weiter differenziert und eindeutiger wird, d.h. der Sympathikus repräsentiert im Verlauf der Stammesgeschichte immer eindeutiger Kontraktion und entsprechend der Parasympathikus die Expansion. Primordiale Orgonenergie-Funktionen werden also immer eindeutiger zu Struktur. Parallel dazu werden die Emotionen immer bedeutsamer („Emotionalisierung“). Das gleiche gilt für die Orgonom-Form und die zunehmende „Sexualisierung“ des Menschen im Vergleich zu unseren evolutionären Vorfahren bzw. deren gegenwärtigen Repräsentanten.
Der Materie (DOR) wird auf dieser Weise im Zeitverlauf der Stempel der „Prämaterie“ (Orgon) aufgedrückt. Das kann man unmittelbar unter dem Mikroskop bei Bionen beobachten, die aus zerfallender Materie hervorgehen und sich zu Protozoen organisieren, oder indirekt wenn man die auffallende „mechanisch“ wirkenden Urtiere mit heutigen „geschmeidigen“ Tieren vergleicht.
Zeit messen wir mit Uhren, d.h. mit Schwingungen, etwa die eines Pendels. Setzen sich diese Schwingungen im Raum fort, haben wir Wellen vor uns. Wellen können wir mit der Kreisel-Welle und Schwingungen mit der Pulsation (Hin und Herschwingen) gleichsetzen. Siehe dazu S. 131 von Das ORANUR-Experiment II (Contact with Space):

Das orgonotische System, das im Solar plexus zentriert ist, pulsiert „auf der Stelle“ und ist der Taktgeber des Organismus, während das senso-motorische energetische Orgonom mit seinen weitreichenden Sinnesorganen und der von ihm kontrollierten Motorik weit in den Raum greift.
Im Schlaf, wenn unser Körper weitgehend paralysiert ist, gehen wir ganz und gar im Vegetativen Nervensystem auf, das die Struktur gewordene Funktion Pulsation ist: Kontraktion = Sympathikus, Expansion = Parasympathikus. In den Träumen dreht sich alles um die Vergangenheit und wir verarbeiten und „strukturieren“ das Vergangene. Erst im Schlaf wird das wirklich abgespeichert, was wir den Tag über gelernt haben. Auf Zellebene, in der Epigenetik, laufen ähnliche Prozesse ab. Orgonometrisch drückt man das mit folgender heterogenen Funktionsgleichung aus, die uns auf den Bereich der koexistierenden Wirkung verweist:

Am Tag heben wir umgekehrt Strukturen („Getrenntheit“) auf, etwa indem wir von beispielsweise von Hamburg nach Bremen gehen: das Pendel wird zur Welle! Man betrachte jedes beliebige Tier, wie es sich fortbewegt: es zeichnet eine Version der Kreiselwelle in den Raum. Im obigen Beispiel kommt es durch unsere Bewegung zu einem „Zusammentreffen von Hamburg und Bremen“ und wir stellen dementsprechend so etwas wie „Synchronizität“ her. Obzwar Bewegung („L/t“) das funktionelle Gegenteil von koexistierender Wirkung („Synchronizität“) ist, die durch die beiden Gleichungen „t –> L“ und „L –> t“ beschrieben wird, verweist auch dies auf eine heterogene Funktionsgleichung:

Die Frage ist, ob es im Bereich der koexistierenden Bewegung umgekehrt auch Verweise auf die relative Bewegung gibt. Schauen wir uns zunächst die entsprechende Entwicklungsgleichung an:

Im Traum erleben wir unmittelbar was orgonotische Erstrahlung (t –> L) ist und bekommen ein Gefühl dafür, was generell das Phänomen „Bewußtsein“ ausmacht. Der Ausdruck: „Ihm geht ein Licht auf“, wenn man beginnt etwas zu verstehen, bringt das gut zum Ausdruck. Auch Begriffe wie „Erleuchtung“ oder „Einsicht“ weisen in die gleiche Richtung. In der Natur beobachten wir die Erstrahlung beispielsweise in der Kreiselwelle mit ihrem Wechsel von kurzen, „materieartigen“ Pulsen zu langgestreckten, „feldartigen“ „Schwüngen“ und umgekehrt. Die Pulse entsprechen dem interminierenden Flickern („Schein“) der Erstrahlung, die „Schwünge“ an das beständige Leuchten („Sein“) der Erstrahlung. Siehe dazu S. 64 und S. 66 von Das ORANUR-Experiment II). Dabei sind bei aller funktioneller Entsprechung Kreiselwelle („L –> t“) und Erstrahlung („t –> L“) nicht dasselbe, wie ja auch anhand der beiden gegensätzlichen heterogenen Funktionsgleichungen deutlich wird.
Der Inhalt des Traumes und des Bewußtseins allgemein wird durch die Funktion Anziehung (L –> t) beschrieben, die sich in die beiden Variationen „Assoziieren“ (Verbinden) und „Dissoziieren“ (Trennen) aufspaltet. Man denke etwa an die Filmkunst, insbesondere surrealistische Filme, wo einerseits die separatesten Dinge so aneinandergereiht werden, daß sich durch deren Abfolge „assoziativ“ mehr oder weniger „sinnvolle“ Zusammenhänge ergeben (schwarze Haare – schwarzer Asphalt – abgründig „schwarze“ Gedanken – freier Fall) bzw. der Zuschauer durch all die Wirrheit selbst in einen dissoziativen Zustand versetzt wird und es zu Desrealisationserleben kommt. Religion und sogenannte „Spiritualität“ (man denke nur an Nahtodeserfahrungen) handeln wirklich von nichts anderem, d.h. von Assoziieren und Dissoziieren.
Assoziieren und Dissoziieren: die Nähe zu Kontraktion und Expansion fällt sofort ins Auge, aber auch hier handelt es sich nicht um dasselbe, allein schon weil Pulsation mit „t –> L“ („Gedächtnis“) beschrieben wird, während Anziehung (L –> t) das funktionelle Gegenteil von Gedächtnis ist.
Zerteilt man einen Körper um festzustellen, was Leben konstituiert, wird man nach wenigen Schnitten ins Fleisch feststellen, daß das Phänomen „Leben“ unteilbar ist. Man könnte zwar sagen, es gäbe sozusagen „Lebensatome“ in Gestalt der Zellen und meinetwegen der Zellorganellen, etwa der Mitochondrien, aber das sind ja auch nur Körper. Sobald ich die analysiere, d.h. zerteile, in ihre Bestandteile auflöse, verschwindet das Leben. Zwar verschwindet ebenso das Wasser, wenn ich es durch Elektrolyse in seine Bestandteile auflöse und infolge feststelle, daß Wasser sich aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom zusammensetzt, aber wenn ich dieses Gas, ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch, verbrenne, entsteht erneut Wasser. Mit Frankensteins Monster ist das leider nicht möglich!
Die kleinsten Einheiten der Materie, Leptonen (also Elektronen) und Quarks (die Protonen bilden), kann man von vornherein nicht zerteilen. Sie haben keine innere Struktur und sind „punktförmig“, d.h. sie sind von der Dimension 0. Trotzdem sind sie die materiellen Bestandteile, aus denen die Physiker das Universum aufbauen. Das Universum ist entsprechend eine Menge von Punkten, die zueinander in Beziehung stehen: der ein- (Gerade), zwei- (Fläche), dreidimensionale Raum. Aber „an sich“ setzt sich das Universum aus „nichts“ zusammen (Mechano-Mystizismus)!
Den Raum kann ich immerhin aufteilen, während, trotz der Uhren, die die Zeit in Sekunden aufteilt, sich dem konzeptionellen Zugriff zu entziehen scheint. Man behilft sich mit dem „Zeitpfeil“, der letztendlich durch die Entropie definiert wird. Ich weiß spätestens dann, ob ein Stummfilm richtigherum abgespielt wird, wenn eine Tasse vom Tisch fällt und auf dem Küchenboden in tausend Einzelteile zerschellt. Das Umgekehrte, tausend Einzelteile setzen sich spontan zu einer Teetasse zusammen, wird im realen Leben niemals passieren. Wenn ich nun den Film selbst in „tausend Einzelteile“ zerschneide, und diese dann ungeordnet neu zu einer Filmrolle zusammenklebe, merke ich sofort, daß ich sozusagen „die Zeit“ zerstört habe. Entsprechend können beispielsweise indigene Völker Filmen nur folgen, wenn es keine Rück- und Vorblenden gibt. „Zeit“ scheint ähnlich unteilbar zu sein wie „Leben“.
Leben, Materie, Raum und Zeit entziehen sich unserem Begreifen, weil wir das Universum nicht funktionell betrachten. Reich hingegen hat von Anfang an das Phänomen „Leben“ nicht vom materiellen Körper her betrachtet, sondern von der Funktion „Pulsation“ her. Die Untersuchung der Funktionsabfolge „Spannung, Ladung, Entladung, Entspannung“ führte ihn über die bioelektrischen Versuche (das „bio-elektrische Feld“) und die Bionversuche („pulsierende Energiebläschen“) zur Entdeckung der primordialen Orgonenergie. Von der aus betrachtete er die Materie (Stichwort „kosmische Überlagerung“) statt umgekehrt, die energetischen Vorgänge der Welt von „Materieklötzchen“ herzuleiten, die letztendlich aus nichts bestehen.
Das Gemeinsame Funktionsprinzip von Länge (L) und Zeit (t) ist die relative Bewegung v:

Es gibt zwei Arten von relativer Bewegung, die Reich beobachten konnte, Pulsation (die Abfolge von Expansion und Kontraktion) und Kreiselwelle (die Abfolge von Welle und Puls). Sie definieren Länge und Zeit. Das, was Raum ist, wird beispielsweise anhand von „Experiment XX“ deutlich, wo sich längliche plasmatische Filamente durch Kontraktion bzw. Überlagerung aus konzentrierter Orgonenergie (Bionwasser) bilden.
Mit dem umgekehrten Vorgang, d.h. der Freisetzung von Energie aus Materie) begann die Orgonbiophysik als Reich durch Kochen, Autoklavieren und Glühen von Materie auf die Bione stieß, zu deren vorrangiger Eigenschaft die Eigenpulsation gehört. Diese „Taktgebung“ macht das Wesen der Zeit aus. Die Bione könnte man als die anfangs erwähnten „Lebensatome“ bezeichnen, doch Reich ging es bei ihnen eben nicht um Struktur (L), sondern um Funktion (1/t). Deshalb auch die „sinnlos hohe“ Auflösung seines Lichtmikroskops, wodurch man zwar keine feineren Strukturen bei den Bionen, aber dafür ihre pulsatile Bewegung besser sehen konnte.

Die obige Gleichung (wie auch die am Ende des Blogeintrags) ist ein Ausschnitt aus Orgonometrie (Teil 2).
Das Denken, bzw. „die Vernunft“, ist die Anwendung der Logik, der funktionellen Logik, die durch die Gesetze der kosmischen Orgonenergie (Überlagerung, Pulsation, Lumination usw.) definiert ist. Ihre funktionelle Varianten sind das Denken nach rechts (Unterscheidungen treffen) und das Denken nach links (nach dem Gemeinsamen suchen).
Das Denken ist mit der Zeit verknüpft, d.h. man konstruiert die Zukunft und re-konstruiert die Vergangenheit. Auf jeden Fall ist das Denken eine umgekehrte orgonometrische Operation („>“).* Das Fühlen hingegen ist immer und ausschließlich in der Gegenwart. Wenn du WIRKLICH fühlst, bist du im Hier und Jetzt und nirgendwo anders. Man befindet sich orgonometrisch im Fluß („<“), statt am Ufer zu stehen und Richtung Mündung oder Richtung Quelle zu blicken.
Reich hatte die Idee, ausgeführt im Schlußkapitel von Die kosmische Überlagerung, daß dieser Kontrast (im Fluß vs. am Fluß) für den ursprünglichen Beginn der Panzerung der Menschheit vor Äonen verantwortlich sein könnte – zum Aufstauen des Flusses geführt hat.
Das Fühlen ist demnach das funktionelle Gegenstück des Denkens. Während es beim Denken um Quantitäten geht (letztlich ausgedrückt in mathematischen Strukturen wie der Fibonacci-Reihe), geht es beim Fühlen um Qualitäten. Ich erinnere an den ausgeführten Gegensatz von „biomechanischem“ und orgonenergetischem Funktionieren.
Es gibt zwei Arten des Fühlens: Sensation (basierend auf dem energetischen Orgonom, Kreiselwelle) und Emotion (basierend auf dem orgonotischen System, Pulsation).
Die Essenz sowohl des Denkens als auch des Gefühls ist die Wahrnehmung, die mit der orgonotischen Erregung den gleichen Bereich teilt (siehe die Gleichung unten) und daher die gleiche Funktionstiefe innehat, d.h. die Wahrnehmung ist genauso ursprünglich wie die Erregung. Ein Paradebeispiel ist unser Immunsystem und sogar die rein physikalische Funktion in der Quantenphysik (siehe das Doppelspaltexperiment).
Reich hat diese grundlegende Dichotomie (deren CFP die orgonotische Strömung ist) mit den Worten „Gott“ und „Äther“ ausgedrückt – ihren durch die Panzerung verzerrten Entsprechungen.

Anmerkung *: Daß das Denken, egal, ob man nun konstruiert („<“) oder re-konstruiert („>“), stets gegen die natürliche orgonometrische Richtung gerichtet ist, also „nach links zu einem CFP“ statt nach „rechts zu den unendlich vielen Variationen“, und daß es sich beim „genealogischen“ Denken sogar in die Vergangenheit auffächern kann, ist ein Beispiel dafür, daß der Zeitpfeil (von der Vergangenheit in die Zukunft) nicht in jedem Fall mit der orgonometrischen Entwicklungsrichtung („von links [CFP] nach rechts [Variationen]“) identisch sein muß.
Ist es ein Zufall, daß wir überwiegend an ein und demselben Ort schlafen und „miteinander schlafen“? Träumen und Orgasmus sind funktionell identisch, dazu paßt von der inneren Logik her auch der gleiche Ort.
Was ist der Mensch? Das was Reich im Anschluß an Friedrich Kraus‘ „Tiefenperson“ zunächst „vegetative Strömung“ bzw. später „orgonotische Strömung“ genannt hat und was er in den bioelektrischen Versuchen, den Bionexperimenten und nicht zuletzt in der charakteranalytischen Vegetotherapie (später psychiatrischen Orgontherapie) praktisch untersucht hat. Diese orgonotische Strömung spaltet sich auf in die „psychische“ Wahrnehmung und die „somatische“ orgonotische Erregung. Die letztere spaltet sich wiederum auf in die Funktionen „koexistierende Wirkung“ und „relative Bewegung“.
Die relative Bewegung kommt konkret in der Kreiselwelle und der orgonotischen Pulsation zum Ausdruck. Das Phänomen „Leben“ ist das Pulsieren der organismischen Orgonenergie innerhalb einer elastischen Membran. Der Drang nach der genitalen Überlagerung entspricht dem Drang der in der Membran gefangenen organismischen Orgonenergie hin zur freien atmosphärischen Orgonenergie. Dieser Drang findet im Orgasmus seine Erfüllung. Der Orgasmus ist einerseits nichts anderes als eine extrem beschleunigte, „zuckungsartige“ Pulsation (wie man es bei Einzellern während der Zellteilung beobachten kann) und andererseits das „Ausschwingen“ der Kreiselwelle durch das Genital hindurch. Beides kommt im Orgasmusreflex zum Ausdruck, durch den überschüssige Energie ausgestoßen wird, so daß sich der Organismus in einem expansiven Zustand erhalten kann „ohne Angst haben zu müssen zu platzen“. Ansonsten müßte er nämlich seine Energieproduktion drosseln.
Ähnlich ist es mit dem Schlaf im allgemeinen und dem Träumen im besonderen bestellt. Nur daß sich das nicht im Bereich der „relativen Bewegung“ abspielt, sondern in dem der „koexistierenden Wirkung“. Der Schlaf dient dazu, eine hohe energetische Ladung des Organismus aufrechtzuerhalten und das Träumen ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Energiehaushalts. Auch hier greifen wir über unsere „Membran“ hinaus und durchschreiten in unserer Imagination weite Reisen durch Raum und Zeit vollkommen losgelöst von den Gesetzen der Materie und der gängigen Logik. Freud hat das 1900 in seinem Buch Traumdeutung eingehend beschrieben und damit die Psychoanalyse (wenn man so will „Psychologik“) begründet. Ein Fundament, auf dem Reich dann zwei Jahrzehnte später anfangen konnte das Gebäude der Charakteranalyse und der Sexualökonomie zu errichten.
Die koexistierende Wirkung äußert sich in Erstrahlung (der Traum ist buchstäblich ein Licht in der Dunkelheit des Schlafs) und Anziehung. Die letztere Funktion kommt in der „freien Assoziation“ zum Ausdruck, der nach Freud das Traumgeschehen bestimmt. Im Traum lösen wir durch „Probehandeln“ ungelöste Konflikte auf, lösen Spannungen, und versuchen dergestalt „über Nacht“ ein entspanntes Äquilibrium wiederherzustellen. Je neurotischer wir sind, desto aufwühlender und heftiger sind die Träume (meist verdrängen wir sie deshalb) und vor allem desto komplizierter und „geheimnisvoller“. Je gesünder wir durch eine psychiatrische Orgontherapie werden, desto einfacher und durchsichtiger (psychoanalytisch einfacher deutbar) werden die Träume – und entsprechend wird der Schlaf erfrischender.
Das alles kann man sich an jenem Medium am besten vergegenwärtigen, das dem Träumen derartig nahe kommt, daß indigene Völker anfangs keinen Unterschied erkennen können: dem Film. Es gibt Filme, die hinterlassen nur Chaos und ein schlechtes Gefühl, wenn sie uns nicht schlichtweg gleichgültig lassen, und es gibt Filme, die uns tief berühren und „erfüllt“ zurücklassen. Man denke auch an das griechische Drama (Stichwort „Katharsis“) und seine Entsprechungen in der indischen und chinesischen Kultur. Wir fühlen uns danach „rein“ und „befreit“ und können freier durchatmen – wie nach der genitalen Umarmung („nach dem Orgasmus“).
Grundlage dieser Entspannung ist ein Analogon zur genitalen Überlagerung: in der erlösenden Metapher finden zwei „sich an sich ausschließende Elemente“ zu einer sinnfälligen Einheit. Unser Leben wird „sinnvoll“, unser Ausblick optimistisch und expansiv. Das ist die Grundlage dessen, was wir „Kunst und Kultur“ nennen, deren Funktion es ist, bei den Menschen ein hohes orgonotisches Potential aufrechtzuerhalten. Was passiert, wenn dies wegbricht, kann man beim erschreckenden Zerfall indigener Kulturen nach dem Kontakt mit unserer „Zivilisation“ beobachten – sowie beim antiautoritären Zerfall eben dieser „Zivilisation“. Was bleibt, ist übelriechendes und wie Scheiße aussehendes Gesindel mit grünen Haaren und Grüner Gesinnung. (Es soll niemand behaupten, die Orgasmustheorie sei unpolitisch!)