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Wilhelm Reich, Physiker: 5. Das Atom und das Orgon, c. Das orgonomische Potential und das Lebendige

3. April 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 5. Das Atom und das Orgon, c. Das orgonomische Potential und das Lebendige

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 4)

26. Juni 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Bernd Laska bestreitet das, aber trotzdem: die Orgontheorie ist untrennbar mit LSR verknüpft. Es ist nur die Frage, wie man das Orgon auffaßt: ob man es mißbraucht, um Reichs Kampf gegen das Über-Ich zuzukleistern – oder ob man mit Hilfe des Orgons die „mechano-mystische Über-Ich-Kultur“ zerschlägt. Laska hat selbst hervorgehoben, daß LaMettrie in seinem Der Mensch als Maschine weniger eine mechanistische als vielmehr eine vitalistische Theorie vertritt. Und was Stirner betrifft: gerade ihm wurde ja immer vorgeworfen, er wolle das egomane triebhafte, sozusagen „vitalistische“ Tier freisetzen. Stirner vertreibt die Flausen aus dem Kopf, zerstört alle Ideen und Ideale – genauso wie der Naturwissenschaftler durch seine Experimente erbarmungslos ganze Weltgebäude aus Ideen und Idealen zum Einsturz bringt. Stirner war der einzige aufklärerische Aufklärer – und Laska sagte irgendwo, daß Reich der einzige wirklich „natur-wissenschaftliche“ Naturwissenschaftler war. Reich war Lebens-Forscher, während die anderen, Knechte des gegen das Lebendige gerichteten Über-Ichs, keine Biologie, sondern „Nekrologie“ betrieben – ganz im Sinne des Freudschen „Todestriebes“. Worum es geht, kristallisiert sich heute in der transhumanistischen Agenda des Great Reset heraus: du wirst nichts besitzen, nicht mal mehr der Eigner deines eigenen Ich sein, das mit „der Maschine“ eins wird…

Orgastische Potenz gibt es schon bei der Amöbe. Wie äußert sich das? Durch die Fähigkeit den inneren orgonotischen Überdruck durch eine Zellteilung abzubauen. Das ist funktionell identisch mit ihrer Vermehrung – also mit ihrer Durchsetzung als Individuum. Sie bevölkert die Welt mit ihren Klonen. Diese innige Verbindung zwischen Orgasmus und Weitergabe der eigenen unverwechselbaren Individualität zeigt wieder, daß (aus, nun gut, recht abstrakter Sicht) Reich und Stirner bestens harmonieren.

Was ist Liebe? Nach „orgonomischer Lehre“ gibt es ausschließlich die genitale Liebe, d.h. die sich hauptsächlich in den Genitalien äußernde Expansion („ich fühl mich zu Dir hingezogen“) des Biosystems. Bei verschiedengeschlechtlichen Partnern kommt es dabei zur körperlichen Durchdringung. Wahre Liebe beruht auf einem ständigen energetischen Austausch, bei dem der eine soviel nimmt, wie der andere gibt, wobei im Endeffekt mehr dabei herauskommt, als wären die Partner isoliert geblieben. Diese energetische Steigerung (Erstrahlung) geht periodisch so weit, daß es zu einer Verschmelzung kommt (Anziehung). Neurotisch wird es da, wo „selbstlos“ gegeben wird oder man sich sozusagen „selbst-los“ ausbeuten läßt – und genau in solchen „unegostischen“ Fällen kommt es eben nicht zur Überlagerung und vollkommenen Verschmelzung. Das, was als „selbstlose Liebe“ bezeichnet wird, ist gar keine Liebe, sondern das genaue Gegenteil: Angst, Haß und Kontaktlosigkeit. Auch hier gibt es keinen Gegensatz zwischen Reich und Stirner, sondern vollkommene Harmonie.

Siehe auch den grundlegenden Unterschied zwischen LSR und ihren sadomasochistischen Gegenspielern: LaMettrie und deSade, Stirner und Nietzsche, Reich und Freud!

Gehen wir zurück zu den ersten Menschen: Die Kernfrage des LSR-Projektes stellt sich nicht beim Steinzeitmenschen – aber nicht, weil der kein „Ich“ hat, sondern weil er kein Über-Ich hat. Trotzdem gibt es natürlich einen Gegensatz zwischen einem steinzeitlichen Schamanen und der wahren Aufklärung. Es ist der gleiche Unterschied der zwischen einem durchgeknallten Animisten und dem Funktionalisten Reich besteht. Aber das ist kein grundsätzlicher („charakter-struktureller“) Unterschied, beide sind orgastisch potent, sondern einfach einer des Wissens.

„Implications of Orgone for Consciousness Research“ von Leon Southgate

27. September 2021

Das Problem mit Southgates Arbeit (hier und hier) fängt bereits mit seiner Definition von Bewußtsein als jede subjektive Erfahrung an. Emotionen, Empfindungen, Kognitionen, Wollen und Ideation, Seele und Geist – wird alles zusammengeworfen. Daraus zaubert er eine Art „orgonomischen“ Panpsychismus frei nach Rupert Sheldrake, bei dem Bewußtsein und Orgonenergie schlichtweg gleichgesetzt werden. Es ist ähnlich wie bei Maglione, der die Lebensformel auch auf die unbelebte Natur angewendet hat. Auf diese Weise wird Reichs gesamte Lebensleistung ad absurdum geführt, denn dann hätte Reich gleich beim Vitalismus eines Driesch und dem Panpsychismus, der die Psychoanalyse der 1920er Jahre umwaberte (Groddeck), bleiben können. Es ist auch bezeichnend, daß Maglione mit keinem Wort das wirkliche Geheimnis des Orgonenergie-Motors erwähnt, nämlich die Kreiselwelle, und Southgate mit keinem Wort das wirkliche Geheimnis des Bewußtseins (die Funktionen Wahrnehmung und Erinnerung), nämlich die koexistierende Wirkung.

Was mich an dieser Arbeit geradezu abgestoßen hat, ist die sie prägende schizoide Weltsicht. Ein einzelner Mensch, mag jede Menge „Subjektivität“ haben und wie ein Autist in einer „psychischen Welt“ leben („Panpsychismus“), aber das ist das Gegenteil von Bewußtsein im eigentlichen Sinne. Bewußtsein im eigentlichen Sinne ist vor allem eine soziale Funktion. Herdentiere brauchen angesichts der hochkomplexen Vorgänge innerhalb einer Herde ein Konzept von „Ich“ und „Du“ und eine innere Bühne („Bewußtsein“), in dem sie ihre „Schachzüge“ im Voraus planen. Allein schon die Frage der Sprache! Bewußtsein ohne Sprache? Schwierig. Sprache ohne andere Menschen? Sinnlos. Die Psyche ist vom Sozialen nicht zu trennen. Das hat Freud gewußt („Ödipuskomplex“) und der Soziologe Reich gewußt, während Southgate, eine Art Wiedergänger C.G. Jungs, alles wieder in den autistischen Urschlamm des Okkultismus hinab zieht. Man vermeint bei der Lektüre geradezu die Ouvertüre von Wagners „Rheingold“ zu vernehmen…

Aber lassen wir Southgates Beitrag Revue passieren: Nach einer umfassenden Darstellung des wissenschaftlichen Problems „Bewußtsein“ und einer her oberflächlichen Darstellung des Reichschen Beitrags zu diesem Bereich kommt Southgate zu seiner eigenen Theorie, dem „orgonotischen [gemeint ist natürlich „orgonomischen“] Panpsychismus“, dem zufolge das Bewußtsein schlichtweg eine nicht weiter reduzierbare Eigenschaft der Orgonenergie ist. Was Southgate nicht aufzugehen scheint, ist, daß in diesem Zusammenhang „Bewußtsein“ genauso nichtssagend ist, wie „Sein“. Will sagen: das ganze bringt uns ungefähr so weit, als würde man sagen, daß „das Sein“ eine Eigenschaft der Orgonenergie ist. Es erklärt rein gar nichts!

Wenn es sich darauf beschränken würde, aber für Southgate „unterstützen Bione und die Abiogenese den panpsychischen Ansatz, daß Materie lebendig und bewußt ist“. Ich kann mir kaum einen schlimmeren Mißbrauch der Reichschen Theorie vorstellen. Die Bionforschung war nicht zuletzt ein antifaschistisches Projekt, das gegen den Mystizismus (Panpsychismus) gerichtet war, d.h. sowohl gegen das Neuheidentum der Nazis und die damalige „Erbforschung“, als auch gegen den kirchlichen Mystizismus. Reich wollte das Leben und damit auch „Geist und Seele“ (dialektisch-) materialistisch erklären. Southgate hingegen meint, daß die Beweise insgesamt darauf hindeuten, „daß sich der Geist gar nicht im Körper befindet, sondern lediglich mit ihm verbunden ist“. Dagegen hielt Reich, daß die funktionelle Einheit des Seelischen und Körperlichen „Jenseitigkeit oder auch nur Autonomie des Seelischen völlig und endgültig ausschließt“ (Äther, Gott und Teufel, S. 95).

Southgate kritisiert, daß Reich nicht den Ort des Bewußtseins angeben kann. Für Southgate ist dieser „Ort“ das Orgon selbst: das Bewußtsein sei die grundlegende Realität und Geist und Orgon seien „auf der tiefsten Ebene“ identisch. Entsprechend könnten die Gesetze der Psyche auf das Orgon übertragen werden. Das heißt nichts anderes, als daß wir wieder bei Georg Groddeck angelangt sind!

Southgates ganze Argumentation krankt daran, daß er „Soma“ und „Psyche“ nicht definiert. Das Soma, das ist die Gesamtheit der Teile des Organismus („die Niere auf Zimmer 7“), während die Psyche aus dem ganzheitlichen Funktionieren des Organismus bzw. dessen Störungen hervorgeht („Charakteranalyse“). Daß die Lebensenergie strömt, erregt wird und wahrnimmt, ist davon unabhängig und bedeutet nicht, daß das Orgon so etwas wie eine „Psyche“ hat. Es ist alles eine Frage der Orgonometrie, d.h. der Klassifizierung und richtigen Einordnung:

 

Southgate hintertreibt genau das, indem er alles mit allem gleichsetzt:

Orgon wird von Reich als eine unbewußte, nicht lebende, aber schöpferische Energie dargestellt, während seine Schöpfungen – Lebenswesen – immer bis zu einem gewissen Grad Bewußtsein zu haben scheinen. (…) Es ist unlogisch zu sagen, daß eine Energie, die Leben erschafft, kein Bewußtsein hat, wenn überall Leben mit Bewußtsein gepaart ist und nirgendwo Leben mit Nicht-Bewußtsein gepaart ist. (…) Man kann sagen, daß die Amöbe nur wahrnimmt und kein echtes Selbstbewußtsein hat, aber solche Klassifizierungen sind in diesem Zusammenhang bedeutungslos – jede Wahrnehmung ist eine Form von Bewußtsein. Es ist bei der Amöbe dasselbe wie bei unserem Selbst – es ist nur eine Frage des Grades.

Er fährt fort – und man merkt richtig, wie alles zerfällt – die Psyche geradezu dekompensiert:

Orgon und Bewußtsein werden auf der tiefsten Ebene identisch, so wie Energie oder Materie in Sheldrakes Panpsychismus mit dem Bewußtsein identisch ist. Orgon gewinnt erst auf oberflächlicheren Ebenen an Differenzierung, die als Orgonenergie und schließlich als Materie erfahren wird, die eine Form von gefrorener Orgonenergie ist. Es gibt also ein monistisches Kontinuum in einem Dreiklang: von orgonotischem Bewußtsein zu Orgonenergie und schließlich zu Orgon-Materie. Dieses monistische Kontinuum hat drei verschiedene Aspekte: Orgon-Bewußtsein, Orgon-Energie und Orgon-Materie. Alle drei sind physisch und alle drei sind real, aber man könnte sagen, daß die Bewußtseinsebene die „realste“ oder die primäre Realität ist. Orgonenergie und -materie sind in dieser Sichtweise spezialisierte Formen eines physischen orgonotischen Bewußtseins. Energie und Materie existieren noch immer für sich, sind aber nicht vom Bewußtsein getrennt.

Alles gerät heillos durcheinander und wird auf den Kopf gestellt, Worte verlieren ihre Bedeutung. Aus der Orgonenergie wird ein bloßes Wort. Wie bei allen „Reichianern“, etwa in der „energetischen Medizin“, ist das, was sie als „Energie“ oder „Orgon“ bezeichnet, nichts anderes als Psyche:

Dieser Mystizismus, und um nichts andere handelt es sich hier, mündet schließlich in Ausführungen über, man glaubt es kaum, künstliche Intelligenz, die von Magliones Arbeit inspiriert sind.

Southgate führt aus:

Ursprünglich war es das Ziel des Autors zu untersuchen, ob das Orgon selbst ein Bewußtsein besitzt. Im Laufe einiger Jahre dämmerte die Erkenntnis, daß die einzige Möglichkeit, dies zu erreichen, darin bestand, das Orgon selbst zum „Sprechen“ zu bringen – unabhängig von jeder anderen Entität. Alles andere wäre nur eine Demonstration des Bewußtseins eines Organismus, der bereits existiert. Eine solche Einrichtung, in der das Bewußtsein von Orgon demonstriert werden könnte, müßte also jegliche Organismen oder andere Eingaben ausschließen. Sie müßte völlig künstlich sein und sich nur auf das Orgon selbst stützen, um zu kommunizieren. Dann dämmerte dem Autor, daß dieses Ziel nicht ohne die Erforschung einer starken künstlichen Intelligenz verfolgt werden könnte.

Ich erinnere an Reichs oben zitierte Aussage in Äther, Gott und Teufel über die funktionelle Einheit von Psyche und Soma. Bei Southgate kommt das kurzschlüssige mystische Denken zum tragen, das untrennbar mit dem Mechanismus verbunden ist.

Er schließt an Magliones Konzept einer Art „Orgonenergie-Motor-Einrichtung“ an: einem Orgonenergie-Akkumulator, dessen orgonotisches Potential durch eine radioaktive Quelle derartig hochgepusht wird, daß „dadurch das Orgon von seinem ‚nebligen‘ Zustand in seinen aktiven ‚spitzen‘ Zustand übergehen würde. Wenn dies geschieht, findet ein spontaner Wechsel von orgonotischen zu teilweise elektrischen Energien statt. Organismen scheinen auf einer trilateralen Basis zu funktionieren – ein nicht-energetisches Bewußtseinsfeld, das sich in Orgonenergie umwandelt, die sich wiederum in elektromechanische Bewegung umwandelt. Es gibt Parallelen zum Orgonmotor, der auf der Übersetzung von Orgonenergie in elektrische und dann in mechanische Energie beruht.“ Das ist nichts anderes als „orgonomisch“ verbrämter Mechomystizismus! Die magische-okkulte Weltsicht die letztendlich hier zum Ausdruck kommt, offenbart sich im letzten Satz des Autors: „Dieser Autor glaubt nicht, daß Bewußtsein oder bewußte Wesen erschaffen werden können, sondern daß ihnen eine Gelegenheit geboten werden kann, sich aus einem nichtmateriellen Bereich zu manifestieren.“

Ergänzung zu „Reichs Gründe der Abkehr von der Tagespolitik (Teil 8)“ (Teil 1)

19. Juli 2021

In Teil 8, Fußnote 7 schreibt Robert Hase, Reich beziehe sich bei seiner Äußerung über seine funktionelle Methode, die in Studien zur Wahrnehmung ihre Wurzeln habe, u.a. auf den Naturphilosophen Hans Driesch. Der Zusammenhang mit Driesch war mir nicht recht einleuchtend. Soweit ich das überblicke, erwähnt Reich in dem Text Driesch nirgends. Auch erwähnt er Driesch nicht in Äther, Gott und Teufel, sondern u.a.: Albert Lange, Henri Bergson, Richard Semon und Friedrich Engels.

Inzwischen hat mich der Autor darauf hingewiesen, daß Reich sich in Die Funktion des Orgasmus (Fischer TB, S. 28) auf Driesch bezieht, außerdem verweist Hase auf Driesch‘ Buch Alltagsrätsel des Seelenlebens. Beim Googeln stößt man auf folgendes zu diesem Buch: „Hans Driesch, Schüler Ernst Haeckels, gilt als Neubegründer der vitalistischen Lehre. Ausgehend von Problemen der Psychophysik, behandelt er hier alltägliche Erscheinungen wie Wahrnehmung und Erinnerung, wobei sich immer wieder Beziehungen zu parapsychologischen Phänomenen ergeben.“

Friedrich Albert Lange hatte in seiner Geschichte des Materialismus dargelegt, daß der Materialismus erstens die einzig vertretbare, ernstzunehmende, wissenschaftliche Annäherungsweise an das Verstehen der Wirklichkeit sei, andererseits aber Wahrnehmung, Bewußtsein und Gefühlsleben, also das „Innenleben“ und was daraus als Kultur und Wissenschaft hervorgeht (das „Geistesleben“), nicht mal annäherungsweise erklären kann, da es von den Atomen im leeren Raum (Materialismus) zum Bewußtsein keinen denkbaren Schritt gibt. Bei Lange lernte Reich, daß es eine (buchstäbliche!) Lücke in der Wissenschaft gibt, die zu füllen er zu seiner Lebensaufgabe machte. (Siehe auch Reichs Ausführungen über Kant und „das Ding an sich“ in Äther, Gott und Teufel.)

Hierher, zu der von Lange aufgezeigten Problematik, gehört auch Driesch, der mit seinem „Vitalismus“ zeigte, daß das Lebendige nicht als Maschine (wieder die Atome!) erklärt werden kann. Anders als der Kantschüler Lange flüchtete Driesch jedoch kurzschlußartig in den Mystizismus, der so gut wie nichts erklärt; ein billiger Schritt, den Reich vermeiden wollte. Dazu wurde er durch die Denkweise von Lange und etwa Friedrich Engels befähigt.

Driesch‘ Vitalismus gemahnt natürlich an Henri Bergsons „Lebensschwung“ (Élan vital). Bergson hat zwar die Welt der Atome nicht geleugnet, aber darauf bestanden, daß das Innenleben und das Lebendige eine eigene Sphäre bilden, die nach eigenen unmechanischen Gesetzmäßigkeiten abläuft. Beispielsweise kann man das Phänomen Erinnerung, und daß man imgrunde nichts wirklich unwiederrufbar vergißt, auf keinen Fall materialistisch erklären. Das ist mit dem Gefühl der „Dauer“ verbunden, d.h. der Kontinuität des Zeitablaufs. Google sagt: „‘Dauer ist das Unteilbare und Substantielle.‘ Die Dauer, die wirkliche Zeit, ist als eine unteilbare Kontinuität von Veränderung zu denken: Die Dauer ist somit die unteilbar wahrgenommene Zeit.“ Imgrunde wollte Bergson die Integrität des „Inneren“ und Organischen, das organisch Zusammenhängende, gegen die Zumutungen der teilenden, punktuellen („leeren“, „atomistischen“) mechanischen Welt wahren. Reichs Funktionalismus ist letztendlich der Versuch diese beiden unvereinbaren Welten zu vereinigen, ohne mystisch oder mechanistisch zu werden. Siehe dazu seine entsprechenden Ausführungen in Äther, Gott und Teufel.

Folgendes Interview mit dem Physiker Thomas Campbell beschreibt sehr schön, wie Driesch und Bergson, mit Vorbehalten vielleicht Lange heute ungefähr argumentieren würden. Es geht dabei vor allem um Quantenmechanik. (Die weltweit mit Abstand beste Einführung in dieselbe findet sich hier.) Besonders gut hat mir Campbells Gedankenfolge gefallen: Bewußtsein = Wahrnehmung plus Entscheidung fällen, Entscheidungen könne man aber nur treffen, wenn die Zeit real und fundamental ist. Auch wie das Campbell mit Entropieabnahme in Zusammenhang bringt…

Der Rest des Videos mit „Urknall“, Parapsychologie, daß wir in einer sich entwickelnden Simulation leben, bzw. (dreidimensionale) World of Warcraft-Figuren auf einem Bildschirm sind und mit unserem Bewußtsein auf die zentrale „Datenbank“ zurückgreifen können, zeigt mal wieder zu welchen extremst mechanistischen und gleichzeitig mystischen Konsequenzen jede Wissenschaft führen muß, die den Kontakt zum Leben, letztendlich der Lebensenergie verloren hat. Allein schon der absurde Gedanke, daß World of Warcraft-Figuren Quantenmechanik betreiben und so auf die Natur der Realität stoßen… Campbell stößt in der Quantenmechanik auf das, was Geist ist, erklärt diese Anomalie aber als Ausdruck einer Simulation. Mechanistischer kann man kaum denken. Reich ist von einer ganz ähnlichen, den damaligen Verhältnissen und Erkenntnissen entsprechenden, mechano-mystischen Weltsicht ausgegangen, wie sie das obige Video für heute repräsentiert. Sozusagen die „Welt als Wille und Vorstellung“ (Schopenhauer hat Reich damals auch gelesen).

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden lebt!

3. Dezember 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Jerome Eden lebt!

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 6

24. Februar 2019

orgonometrieteil12

6. Das orgonomische Weltbild

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Kommunismus

3. April 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

13. März 2017

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Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

Corrington: Wilhelm Reich. Psychoanalyst and Radical Naturalist (2003)

31. Januar 2017

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Corrington: Wilhelm Reich. Psychoanalyst and Radical Naturalist (2003)

Die Orgonomie und die Energetik (Teil 4)

5. Mai 2015

Was bei Wilhelm Ostwald der „Energietransformator“ war, ist bei Hans Hass das „Energon“. Jedes Energon stellt, so Hass, ein „Energiepotential“ dar. Trotz seiner positiven Aussagen über Kurt Wieser kann sich Hass aber leider nicht entschließen, dies konsequent mit dem Orgonomischen Potential gleichzusetzen. Vielmehr wird in Hass‘ Welt die Entropieabnahme im Organismus durch eine um so größere Entropiezunahme in der Umgebung erkauft. Geht doch der lokale Energiegewinn letztlich auf Kosten der Sonne, die sich ins Weltall hinein „verstrahlt“.

Hass zufolge besteht die gesamte Welt aus „Energaten“. Dies ist alle Materie, die noch nicht Teil von Energonen geworden ist, welche die von der Sonne geschenkte arbeitsfähige Energie „in ihren Dienst zwingen.“ (Nichts geschieht hier spontan.) Wie ein Feuer greift im Laufe der Evolution dieser Prozeß auf alle Energate über. Hass nennt ihn „Lebenstrom“, der dadurch ausgezeichnet sei,

daß sich im Gegensatz zu allen anderen bekannten energetischen Phänomenen sein Volumen und seine Potenz, Arbeit zu leisten – wie eine ständig anwachsende Lawine –, steigert. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Dieser Strom pflanze sich nur über energieerwerbende Systeme, eben die Energone fort. Hass zufolge nannte Ostwald die von den Energonen verarbeitete Energie deren „Rohenergie“.

Die dann netto eingenommene Menge nannte er „Nutzenergie“. Das Verhältnis zwischen Roh- und Nutzenergie nannte er „Güteverhältnis“. (…) Es bestimmt den Wirkungsgrad des betreffenden Energons. (Hass: Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, München 1987)

Energone haben also, im Gegensatz zu Energaten, einen Wirkungsgrad – sie erzielen einen „Profit“.

Der Wirkungsgrad, der den Konkurrenzwert bestimmt, wird durch bestimmte Kategorien festgelegt. Diese entsprechen wiederum bestimmten Leistungen. So bestehen, obwohl natürlich materielle Strukturen unbedingte Voraussetzung sind, die Energone „letztlich nicht eigentlich aus materiellen Einheiten, sondern aus Leistungen. Sie sind Leistungsgefüge“ (ebd.).

Dies macht das Bild, das die Hass‘ Theorie von den Energonen zeichnet, für unser Denken unanschaulich. Hass vergleicht es mit den „Ideen“ Platons, die als verborgene Prinzipien gedeutet werden könnten, „die den äußerlich so verschiedenen Erscheinungen zugrunde liegen und ihr eigentliches Wesen ausmachen.“ Weiter beruft sich Hass, ganz wie Reich, auf Denker wie Kant, Hegel, Engels, Schopenhauer und Nietzsche.

Hans Hass geht „weniger von einer strukturellen als von einer funktionellen Beurteilung des Evolutionsvorganges (aus)“ (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, München 1987). Das Revolutionäre des neuen Denkens sei,

daß stets die Funktion das Primäre und der Funktionsträger das Sekundäre ist, weil die gleiche Funktion auch über sehr verschiedene Strukturen oder Techniken von statten gehen kann. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Nach Hass legen stets „die Funktionen, die zu erfüllenden Aufgaben“ fest. Sie bestimmen, wie die Strukturen beschaffen zu sein haben, nicht umgekehrt. Dies sei eine „Revolution des Denkens“ (ebd.).

Leider ist es mit dem in Hans Hass und der energetische Funktionalismus im Detail beschriebenen Funktionalismus von Hass doch nicht so weit her, denn für ihn handelt es sich bei der besagten Revolution nur um die Umkehrung „der Jahrtausende alten Verknüpfung zwischen Ursache und Wirkung in ihr Gegenteil.“

Dabei beruft sich Hass auf Empedokles (490-430 v.Chr.). Der erklärte die Zweckmäßigkeit bzw. Funktionalität in der Natur einfach daraus,

daß nur das Zweckmäßige bestehen und sich fortpflanzen konnte. Was unzweckmäßig war, mußte zugrunde gehen. Deshalb blieb – notwendigerweise – am Ende eben nur das Zweckmäßige übrig. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2)

F.A. Lange spricht bei Empedokles vom „rein mechanischen Zustandekommen des Zweckmäßigen“ (Geschichte des Materialismus). Oder wie Hass es ausdrückt:

Das „Zweckmäßige“ ist (…) nicht Ergebnis eines mühevollen Schöpfungsaktes – sondern setzt sich ganz automatisch durch (…). (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2)

Das Schloß determiniert die Form des Schlüsselbartes, der Wind die Form des Flugsamens, etc. Wie das geschieht? Ein Schlüssel nach dem anderen wird in das Schloß eingeführt, bis endlich einer paßt. Dieser Schlüssel „überlebt“ und wird reproduziert, während der Rest ausgesondert wird. Wie gesagt: ein rein mechanisches Zustandekommen des Zweckmäßigen.

Auf diese Weise wird der energetisch-funktioneller Ansatz durch Teleologie verunreinigt. Ein Denken, das von „Zielen“ ausgeht, die für den mystischen Vitalisten metaphysisch gegeben sind. Der Materialist Hass hat nichts weiter getan, als diese metaphysische Hinterwelt durch die Umwelt im weitesten Sinne (den „inneren und äußeren ‚Fronten’“) zu ersetzen.

Das schützt ihn immerhin davor, „Zweckmäßigkeit“ als metaphysische Gegebenheit zu betrachten, vielmehr ist für Hass

das „Zweckmäßige“ an den Lebewesen (…) immer nur in Hinblick auf eine vom Organismus benötigte Funktion „zweckmäßig“. Zweckmäßigkeit ohne bezug auf eine zu erbringende Leistung gibt es nicht. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 4)

Trotzdem, was sagt Hass‘ modifizierte Teleologie eigentlich anderes aus, als daß etwas zweckmäßig sei – weil es zweckmäßig ist?!

1942 beklagte Reich in Die Funktion des Orgasmus, daß die Naturforschung wohl stets versuche, metaphysische Annahmen auszuschalten. Wenn sie in Erklärungsengpässe gerate, dann aber doch nach einem „Zweck“ oder „Sinn“ suche, „die man ins Funktionieren legt“. Zur Widerlegung des finalen „Zweck“-Denkens in der Biologie gibt Reich u.a. folgendes an:

Die Harnblase kontrahiert sich nicht, „um die Funktion der Harnentleerung zu erfüllen“ (…). Sie kontrahiert sich aus einem Ursachenprinzip heraus, weil ihre mechanische Füllung eine Zuckung bewirkt. Das kann auf jede andere Funktion beliebig übertragen werden. Man verkehrt nicht geschlechtlich, „um Kinder zu zeugen“, sondern weil Flüssigkeitsüberfüllung die Genitalorgane bioelektrisch auflädt und zur Entladung drängt. In der Entspannung werden die Sexualstoffe entleert. Es steht also nicht die „Sexualität im Dienst der Fortpflanzung“, sondern die Fortpflanzung ist ein fast zufälliges Ergebnis des Spannungs-Ladungs-Vorgangs im Gebiete der Genitalien.

Und dieser orgonotische Vorgang macht hier das eigentliche funktionell Schöpferische aus! Das Lebendige funktioniert von innen nach außen und gestaltet so seine Umwelt. In der Teleologie ist es genau umgekehrt, egal ob sie sich auf „überweltliche Wirkstrukturen“ oder schlicht auf das Diktat der Umwelt bezieht.

Da Hass nicht konsequent dem energetischen Ansatz folgt, verfängt er sich in jene inhaltsleere Oberflächlichkeit, die das Lebendige aus dem Leben nimmt. Gerechterweise muß aber erwähnt werden, daß Hass ausdrücklich darauf hinweist, daß, sei sein Erklärungsversuch der Evolution mittels „Steuerkausalität“ durch die „Außen- und Innenfronten“ (Umwelteinflüsse, Konkurrenz, etc. und innere Abstimmung der Organe, etc.) falsch, die von ihm aufgestellte energetische Theorie (die „Energontherie“) davon nicht betroffen wäre (Naturphilosophische Schriften, Bd. 3).

Hans Hass hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, daß die Funktionen nicht im luftleeren Raum hängen, sondern sich stets über „Funktionserweiterungen“ oder „Funktionswandel“ entwickeln (Naturphilosophische Schriften, Bd. 1).

Warum hat Hass nicht die Konsequenzen aus seiner eigenen Theorie gezogen? Mag sein, daß er einem Vorgang zum Opfer gefallen ist, dessen Hintergrund er selbst beschrieben hat. Im Bereich der „natürlichen“ Entwicklung konnten sich z.B. die Flügel der Vögel nur aus den vorderen Extremitäten im Verlauf einer langwierigen Funktionserweiterung und -wandlung herausformen. In der künstlichen Welt des Menschen fehlt jedoch dieser Funktionszusammenhang. Wohl nicht ganz, aber er ist nicht so offensichtlich. So wurde beispielsweise das Flugzeug „ex nihilo“ gebaut, weil man das Ziel des Fliegens vor Augen hatte. Vielleicht wurzeln Hass‘ Irrtümer darin, daß er vom Mechanischen und „Geistigen“ auf das Lebendige geschlossen hat.

Nehmen wir die Zirkusdressur als Beispiel. Es ist möglich z.B. einem Pferd fast alles beizubringen, solange man an schon vorhandene Funktionen anknüpft. Beim Gehen auf den Hinterbeinen wird z.B. an Drohgebärden oder an die Begattung angeknüpft. Die Funktion war so schon Millionen von Jahren da, bevor sich irgendein Zirkusdirektor an irgendwelche Aufgabenstellungen für Pferde gemacht hat. (Man kann sogar noch weiter gehen und dieses Verhalten auf die „kosmische Überlagerung“ zurückverfolgen.)

In Hass‘ mechano-mystischem teleologischen Denken bestimmt jedoch die Aufgabe z.B. Chicago zu erreichen das Verkehrsmittel Eisenbahn, mit dem diese „Funktion“ erfüllt werden kann. In seinem Artikel zur Orgonometrie im Orgone Energy Bulletin 1950 sieht Reich dies genau umgekehrt:

Es ist offensichtlich, daß bevor die Absicht existieren konnte, Chicago durch einen Zug zu erreichen, die Funktion der Dampfmaschine schon entwickelt gewesen sein mußte.

In seinem Artikel Orgonotic Pulsation sagt Reich 1944, erst mit der Funktion des Gehens, die sich (in Hass’schen Termini ausgedrückt) durch „Funktionsbündelung“ aus Teilfunktionen zusammengesetzt hatte, entwickelte sich das Ziel der Fortbewegung, z.B. einen Tisch zu erreichen.

Die Funktion bestimmt das Ziel, nicht – wie der [teleologische] Vitalist glaubt – das Ziel die Funktion.

Der Hass’schen Begriff „Funktionsteilung“ läßt sich durch folgendes Zitat aus Reichs Orgonometrie-Artikel abdecken:

Eine unbefangene Beobachtung des organismischen Funktionierens konnte nicht darin fehlgehen, die Tatsache freizulegen, daß die Organe weder die Wirkung noch das Resultat irgendwelcher Ursachen sind, sondern Variationen im Prozeß des Wachsens und expandierender, anschwellender Membranen plus Teilung funktioneller Einheiten.

Man sieht wieder: der schöpferische Impuls geht von innen nach außen!

Trotz guter Ansätze hat sich Hass doch in der mechano-mystischen Denkart verfangen, Ursache und Wirkung, bzw. Wirkung und Ursache, „Schloß und Schlüssel“ würden unverbunden „im luftleeren Raum“ aufeinander wirken. Als Energetiker hätte er sehen müssen, daß etwas Drittes, nämlich die Energie zwischen sie geschaltet ist. Es ist nicht so, daß nur die Umwelt auf die Lebewesen bzw. „Energone“ einwirkt, wie Hass es einseitig darstellt, sondern sie vor allem auch aktiv ihre Umwelt gestalten. So gesehen verwischen sich die Grenzen zwischen Ursache und Wirkung und ein wirklich neues, wirklich funktionelles Denken scheint auf, in der das Lebendige im Mittelpunkt steht:

Entsprechend kann man auch zwischen dem Beobachter der Natur und dem beobachteten Bereich der Natur keinen eindeutigen Trennungsstrich ziehen. Genauso wie das „Energon“ auf die Umwelt zurückwirkt, beeinflußt auch der Beobachter das Beobachtete. Beide Bereiche werden von der einen Lebensenergie bestimmt:

Eine andere Art zu denken, führt uns schnurstracks in den Mystizismus.

Die Unbestimmtheit, in der Hass, geprägt durch Thermodynamik und Philosophie, „die Energie“ beläßt, führt zu frappanten Unterschieden zur Orgonomie. Zum Beispiel spricht Hass davon, die Energie würde nicht die Form der Energone bestimmen. Ist doch für ihn die Gestalt der „Leistungsgefüge“ absolut nebensächlich, solange sie nur einen hohen Wirkungsgrad haben. So ist sogar der Energie-Metabolismus für die Energone letztlich „bloß Hilfsmittel, das unter Umständen auch überflüssig werden kann.“ Ein abgestorbener Rosendorn erfüllt z.B. seine Funktion weit besser als ein noch lebender.

Hier kann aus orgonomischer Sicht die folgende orgonometrische Gleichung (nach Konia: Journal of Orgonomy, May 1982) vieles klarer machen:

So leitet Reich die Funktion und die Morphologie orgonotischer Systeme von der Bewegung der Orgonenergie ab. Sie gefriert zu einer Struktur und äußert sich dann innerhalb dieser Struktur in bestimmten Funktionen. Das klarste Beispiel hierfür ist die idealisierte Gestalt des Tieres und sein Orgasmusreflex („geschlossenes Orgonom“).

Dieses Funktionieren findet sich auch in den Prozessen. Hass behauptet, „der Kreisprozeß“ sei „der gemeinsame Gesichtspunkt“ (CFP), mit dessen Hilfe es möglich ist, „das verzweigte Gewirr von Ursache und Wirkung im Organismus zu entflechten“:

Im Querschnitt bieten die Energone ein unüberschaubares Netz von Verflechtungen – einen „Kausalfilz“. Aus der Sicht ihrer evolutionären Entwicklung veränderten und entfalteten sie sich dagegen in immer wiederkehrenden Kreisprozessen. Wie in ständigen Strudelbildungen fließt – tastet sich – der Entwicklungsstrom weiter. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 2, München 1987)

Hass nennt dies „die Theorie der funktionellen Kreisprozesse“. (Sie sei jedoch ein Zusatz, der die Energontheorie nicht direkt berühre.) Diese Theorie zeige einen gesetzmäßigen Weg, „wie es durch Aufeinanderfolge von Funktionsveränderungen zu Fortschritten und Höherentwicklungen kommen konnte.“

Zur Einführung seiner Theorie erwähnt Hass, der Gedanke des Kreisprozesses sei öfters aufgetaucht, so z.B. im buddhistischen „Rad der Wiederkehr“. Hass erwähnt auch Nietzsches „Ewige Wiederkehr“. Seine eigene Theorie stellt er wie folgt graphisch dar:

Dazu schreibt Hass:

Der Funktionsträger G leistet zunächst nur die Funktion a. Im Zeitintervall 1 nimmt er, in Funktionserweiterung, die Funktion b hinzu; in der Spanne 2 auch noch die Funktionen c und d. Es kommt so zu einer Überbürdung, und in der Zeitspanne 3 findet eine Funktionsteilung statt: H übernimmt die Funktion c, I die Funktion a, b und d. In der Zeitspanne 4 kommt es zu einer weiteren Funktionsteilung. Der Funktionsträger I hat schließlich wieder bloß eine Funktion. Bei ihm wie auch bei H kann es zu weiteren Kreisprozessen (analog G) kommen.

So finden wir auch bei Hass die Kreiselwelle:

Selbst auf die Überlagerung kommt Hass zu sprechen, wenn er das Verhältnis der Zellen zu ihren Organellen (Bionen), z.B. Mitochondrien oder Ribosomen, erwähnt. Danach kam es in der Phylogenese der Zellen

durch Verbindung bereits fertig entwickelter, sozusagen vorfabrizierter Einheiten, zur Höherentwicklung. der Spruch: créer cést unir – schöpfen heißt vereinen – erfaßt diese Vorgänge treffend. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Hass geht auch davon aus, daß die Evolution erst durch die sexuelle Vermischung der Erbinformationen, also durch die Überlagerung verschiedener Erbrezepte, ihre Ergebnisse in der verhältnismäßig kurzen Zeit, die ihr zur Verfügung stand, hat zeitigen können.