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Die Charakteranalyse der Menschheit (Teil 3)

13. Mai 2016

Michele Gelfand, Sozialpsychologin an der University of Maryland, erforscht die ausgeprägten kulturellen Unterschiede zwischen Ländern mit strengen gesellschaftlichen Normen und solchen, in denen es weniger streng zugeht. Dazu verglich sie die Verhaltensweisen der Menschen in diesen Ländern mit der jeweiligen Regierungsform, Strafrecht, Religiosität, Pressefreiheit, Medienzugang, etc. Hinzu kam die Auswertung historischer Berichte über Kriege, ökologische Krisen, Epidemien, Naturkatastrophen, Ressourcen sowie die Bevölkerungsdichte heute und im Jahr 1500.

Eine Skala wurde erstellt, in der Nationen mit sehr strikten gesellschaftlichen Regeln und einer geringen Toleranz für abweichendes Verhalten am einen Ende und solche mit losen Verhaltensregeln und hoher Toleranz am anderen Ende erfaßt wurden. Zu ersteren Ländern gehörten

  • Japan, Südkorea, Malaysia, Indien, Pakistan und NORWEGEN, zu letzteren
  • Ukraine, Estland, Ungarn, Niederlande und BRASILIEN.

In normgebundenen Ländern überwiegen autokratische Regierungsformen, Zensur, ausgeprägte Gesetzgebung, erschwerter Zugang zu neuen Kommunikationsmedien, weniger politische Rechte und persönliche Freiheiten, die Religiosität ist ausgeprägter. Entsprechend ist das Verhalten der Menschen im Alltag: es zeigt eine geringere Bandbreite an Verhaltensweisen, die als angemessen empfunden werden, man richtet sich mehr nach Regeln, die Selbstbeherrschung ist ausgeprägter und auf das Vermeiden von Konflikten ausgerichtet. „Der hohe Grad an gesellschaftlicher Regulierung spiegelt sich“, so Gelfand, „im hohen Grad der persönlichen Kontrolle wider.“

Es seien vor allem Bedrohungen der Gesellschaft, die später zur Bildung normgebundener Systeme führen: Kriege, häufig auftretende Krankheiten, Naturkatastrophen, Ressourcenmangel, eine sehr heterogene oder aber auch sehr homogene Gesellschaft und, vor allem, eine hohe Bevölkerungsdichte. Das zwinge die Menschen dazu koordiniert zu handeln, was zu strikten Regeln und deren strenger Kontrolle führt.

Hinzu kommt, daß die ständige Selbstdisziplin aggressiv macht, was zu erneuten Spannungen führt, die durch mehr Disziplin kontrolliert werden müssen und immer so weiter… Was hier beschrieben wird ist nichts anderes als soziale Panzerung!

Durch ständige Bedrohungen, sei es durch eine karge Umwelt, durch äußere Feinde oder durch innergesellschaftliche Konflikte, wird schließlich jede Bewegung (letztendlich die freie Bewegung der Orgonenergie) als derartig bedrohlich empfunden, daß wir uns gegen sie sperren, d.h. uns gegen sie abpanzern. Auf individueller psychischer Ebene kommt dies im Über-Ich zum Ausdruck, auf gesellschaftlicher Ebene in Form der „Gesetzgebung“. Eine relativ freie Gesellschaft wird zu einer rigiden, normgebundenen (vgl. Aldo Foglia: „Orgonomic Reflections on the Juridic Norm“, Journal of Orgonomy, May 1984).

Man denke an das extrem normgebundene, von der Bevölkerungsstruktur extrem homogene Skandinavien, unter dessen Rigidität (die Ibsen, Strindberg, Edvard Munch, später Ingmar Bergman in ihren Werken so intensiv beschrieben bzw. dargestellt haben) Reich so sehr litt, daß ihm das heterogene, „lässige“ Amerika wie eine große Befreiung, geradezu „ungepanzert“ vorkommen mußte. Sozusagen sein persönliches „Brasilien“. Die hohe Selbstmordrate in den skandinavischen Ländern ist legendär. Norweger können das Leben nur im Suff ertragen. Einen Großteil der deutschen Emigranten haben sie zu Alkoholikern gemacht, etwa Willy Brandt. Selbst bei Reich hatten sie in dieser Hinsicht einigen Erfolg.

Nicht ohne Grund sind die Wikinger aus dem ungastlichen, am Rande des Polarkreises liegenden Skandinavien geflohen. Ihre daheim gebliebenen Nachkommen nahmen dann mit Inbrunst eine besonders rigide Form des Luthertums und den Sozialismus an. Die Lutherische Kirche war Staatskirche, was dazu führte, daß sie unmerklich immer mehr zu einem Serviceorgan des Staates wurde. Der Wohlfahrtstaat ist Luthertum pur.

Ziel ist es, eine mit quasi religiöser Wertung betrachtete Gleichheit aller Bürger zu verwirklichen. Der Staat nimmt dabei einen Großteil der Verantwortung für sich selbst und die Familie ab, gleichzeitig übernimmt er jedoch auch einen nicht unbedeutenden Teil der persönlichen Entscheidungsfreiheit. (Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, Freiburg 1991, S. 164)

Das erklärt, warum für Reich (für manchen „ausgerechnet“) Amerika sein „Brazil“ war…

Hier mag auch der tiefere Hintergrund dafür zu suchen sein, warum die Skandinavier derartig besessen davon sind, ihre Gesellschaften „multikulturell“ umzugestalten, d.h. zu „brasilianisieren“. Ein Versuch, den man in seinem ganzen Wahnsinn vielleicht nur charakteranalytisch erklären kann!

Genetik und Linguistik haben jenseits jeden Zweifels gezeigt, daß Afrika Wiege der Menschheit ist. Afrika ist der Kontinent der genetischen und sprachlichen Vielfalt, die nach außen (nach Amerika und Ozeanien hin) immer weiter ausdünnt.

Schaut man heute nach Schwarzafrika, unserer aller Heimat, bietet sich durchweg ein Bild des Grauens: Liberia, die Elfenbeinküste, das Kongobecken, Zimbabwe, Kenia – einfach nur grausig und deprimierend. Südamerika hat jedenfalls theoretisch das Zeug zu einem zweiten Europa, Asien hat uns hier und da bereits überholt, nur Afrika versinkt immer mehr im Elend. Entwicklungshilfe, wenn sie denn überhaupt bei denen ankommt, für die sie bestimmt ist, führt nur zu einem: zu mehr Kindern, d.h. zu noch mehr Elend.

Warum das so ist? Der, wenn man so sagen kann, genetisch und linguistisch verarmte Rest der Menschheit wurde im Laufe der Jahrzehntausende durch eine Umwelt abgehärtet, die für Primaten kaum Überlebenschancen bietet. Man nehme nur Europa: lange Winternächte, naßkaltes Wetter, eine erschreckend eintönige Vegetation, von der man so gut wie nichts essen kann, etc. Als im Verlauf der letzten 6000 Jahre sich Saharasia ausbreitete, traf es auf Menschen, die hart im Nehmen waren. Außerdem zog sich der Kontakt zu Saharasia über lange Zeiträume hinweg und war selten abrupt. Anders sieht es in Schwarzafrika aus, das jenseits der undurchdringlichen Sahara stets im Abseits lag. Auch weil die aufgrund ihrer ausgedünnten genetischen Ausstattung immunologisch geschwächten Nichtafrikaner dort unten kaum überleben konnten.

Bis vor vielleicht tausend Jahren lebten die Afrikaner in einem regelrechten Paradies. Menschen gehörten natürlicherweise nach Afrika wie ihre Vettern die Schimpansen und Bonobos. Die blutige Weltgeschichte fand woanders statt. Das Unheil begann, als die islamisierten Araber nach Afrika griffen. Der Einbruch Saharasias hätte nicht abrupter und brutaler sein können. Erst die Europäer unterbanden den arabischen Sklavenhandel (der vereinzelt bis heute andauert!). – Und sie brachten die Zivilisation und die damit einhergehende Bevölkerungsexplosion, die die Probleme des Kontinents ins unermeßliche steigerte.

Der europäische Sklavenhandel war nur ein marginales und zeitlich engbegrenztes Anhängsel des arabischen. Und was ist mit den Schrecken des Kolonialismus? Die dauerten kaum ein Jahrhundert an und hielten sich eh in Grenzen, wenn man vom unbeschreiblich grausamen Wüten des belgischen Königshauses im Kongo und dem versuchten Völkermord an den Herero in Deutsch-Südwest absieht.

Afrika ist ein Beispiel für die Tragik einer mißlungenen Panzerung („unsatisfied character“ nach Elsworth F. Baker). Der eurasische Kontinent, und seine amerikanischen und ozeanischen Metastasen, steht für ein mehr oder weniger ausgeglichenes neurotisches Gleichgewicht: die Einordnung in größere Strukturen durch persönliche Disziplin. Afrika ist hier weniger gepanzert. Die Kinder haben anarchische Freiheiten, doch dann kommt es zu einem brutalen traumatischen Einschnitt (zunächst ein abruptes übergangsloses Abstillen und dann später Initiationsriten mit genitalen Verstümmelungen, rituellen Vergewaltigungen, etc.pp.), der dazu führt, daß man sich mit dem Angreifer vollständig identifiziert (dem eigenen Clan), während man seinen unbändigen Haß an fremden Clans ausläßt. Es findet also eine Umkehrung statt: herrschte in der Kindheit vollkommene Freiheit im Rahmen der eigenen Gruppe, herrscht nach den Pubertätsriten in dieser Gruppe nur noch ein totalitärer Zwang und man läßt seiner „freiheitlichen“ Struktur nach außen hin freien Lauf. Loyalität gilt nur dem eigenen Clan gegenüber, während man die Gesellschaft ohne jede Hemmung, ohne jeden Funken eines mitmenschlichen Gefühls rücksichtslos ausbeutet.

Das spiegelt getreulich die tragische Entwicklung des Kontinents wieder: Afrika war über Jahrtausende verhältnismäßig frei, wurde dann urplötzlich und vollkommen unvorbereitet von einer Horde genetisch degenerierter Zombies angegriffen und ein für allemal aus der Bahn geworfen. Das entspricht ungefähr einem Kind, das man immer gewähren ließ, bis urplötzlich den Eltern einfällt das es „endlich“ zu disziplinieren sei. Resultat ist ein zutiefst verunsicherter, desorientierter, „triebhafter“ und vor allem selbstsüchtiger Mensch, der zu unkontrollierten Wutausbrüchen neigt. Das ist auf Makroebene einem ganzen Kontinent widerfahren und wird auf Mikroebene an jedem einzelnen Afrikaner in der Kindheit von neuem durchgespielt.

Was kann man tun? Gar nichts! Außer vielleicht: Einem triebhaften („unsatisfied“) Charakter hilft man, indem man ihn von seinen Ersatzbefriedigungen abschneidet. Er kann nur gesunden, wenn er die unerträgliche Angst aushält, die in ihm aufsteigt, wenn er etwa seinem Eßzwang, seinen „perversen“ Impulsen, seinen aggressiven Impulsen, seinen Eskapaden, seiner Spielsucht, etc.pp. nicht nachgibt. Für Afrika würde das schlichtweg bedeuten, daß jede, aber wirklich jede „Hilfe“ eingestellt wird. Ich kann mir eh nichts rassistischeres Vorstellen als diese zutiefst respektlose „Albert-Schweitzer-Mentalität“.

Man schaue sich nur an, was die ganze Sozialhilfe bei den sogenannten „Schwarzen“ in Amerika angerichtet hat: die Zerstörung der einst legendär soliden „schwarzen“ Familie. Kennedy und seine Nachfolger haben die „black community“, der einst konservativste, strenggläubigste und „republikanischte“ Teil der amerikanischen Gesellschaft, irreparabel zerstört. Eine Gemeinschaft, die einst Übermenschen wie Miles Davis und John Coltrane hervorgebracht hat, produziert heute Snoop Doggy Dogg.

Die gleiche „gutmenschliche“ (imgrunde aber paternalistische, wenn nicht gar schlichtweh faschistische) Mentalität zerstört in diesem Moment unser aller Heimatkontinent.

Daß der anti-afrikanische Rassismus einen ganz spezifischen, nämlich anti-genitalen Grund hat, habe ich an anderer Stelle ausgeführt.

Die Charakteranalyse der Menschheit (Teil 1)

11. Mai 2016

Shinobu Kitayama und Jinkyung Na (University of Michigan) konnten zeigen, daß die unterschiedliche Reaktionsweise von unterschiedlichen Ethnien, hier europäisch-stämmige gegen asiatisch-stämmige Amerikaner, nicht auf bloßen angelernten psychologischen Einstellungen beruhen, sondern im Gehirn sozusagen „fest verdrahtet“, d.h. zu „Biologie“ geworden sind. In orgonomischer Begrifflichkeit handelt es sich um (charakter-) strukturelle Unterschiede.

Konkret ging es um unterschiedliche Reaktionsweisen, die etwas über die Persönlichkeit aussagen (zuvorkommend, feige, egoistisch, etc.). Während Asiaten davon ausgehen, daß diese Verhaltensweisen aus Angst vor gesellschaftlichen Sanktionen erfolgen, und deshalb nichts über den intrinsischen Charakter der jeweiligen Person aussagen, gehen Europäer davon aus, daß diese Handlungsweisen das „Wesen“ der Person zum Ausdruck bringen.

In Die Panzersegmente (Teil 1): Der Augenpanzer habe ich ähnliche Experimente diskutiert, in denen es darum ging, daß Asiaten eher auf die Augen schauen, Europäer eher auf den Mund, um den Gefühlszustand des Gegenübers abzuschätzen.

Wichtig ist zunächst nur eins: daß sich Kulturen in der biophysischen Struktur ihrer Mitglieder verankern, daß es also nicht nur um bloße Psychologie („Angelerntes“) geht, sondern um eine Prägung, die Teil der biophysischen Struktur geworden ist.

Konkret wurde den beiden Probandengruppen ein Film vorgespielt, in der eine Person sich beispielsweise ängstlich verhielt oder mutig verhielt. Danach wurde ihnen ein Photo mit dem Gesicht der betreffenden Person gezeigt und unmittelbar darauf Persönlichkeitszüge, die dem Verhalten der Person diametral widersprachen. Die Gehirnaktivität der Europäer zeigte in Bruchteilen einer Sekunde „Überraschung“ angesichts des Widerspruchs an, während diese Hirnsignale bei den Asiaten ausblieben. Die Europäer hatten also vom gezeigten Verhalten unmittelbar auf die Persönlichkeit geschlossen, während die Asiaten keinerlei Zusammenhang sahen, bzw. es kam ihnen gar nicht erst in den Sinn, daß hier überhaupt auch nur entfernt ein Widerspruch vorliegen könnte.

Diese Forschungsergebnisse zeigen, daß Asiaten eher eine Struktur haben, die auf das Kollektiv bezogen ist. Soziale Kontrolle durch Scham („Gesichtsverlust“): man tut, was von einem erwartet wird – und verhält sich ganz anders, wenn niemand hinschaut. Während Europäer sich selbst kontrollieren und dies auch von anderen erwarten. Kontrolle durch „Gewissensbildung“. Zwei vollkommen unterschiedliche Arten von Menschentieren.

Kurz zusammengefaßt kann man sagen, daß die „Weißen“ individualistisch und in ihrer Beziehung zu anderen berechnend eingestellt sind, die „Gelben“ kollektivistisch und mitfühlend.

Dieser Unterschied zeigt sich auch darin, wie wir uns gegen die ultimative Bedrohung, den Tod verteidigen. Dies konnten die beiden Psychologen Christine Ma-Kellams und Jim Blascovich von der University of California, Santa Barbara zeigen. Während westlich geprägte Menschen das unabhängige, individuelle Selbst hochhalten, nutzen Asiaten angesichts des Todes das Gefühl von Gemeinschaft und Gruppenzugehörigkeit als Angstpuffer. Das zeigt sich daran, daß die ersteren im Bewußtsein der eigenen Sterblichkeit Personen stärker ausgrenzen, die sie nicht zur eigenen Gruppe gehörig empfinden, etwa weil sie ihre Überzeugungen verletzen. Sie konzentrieren sich also auf die Kerngruppe und werden auch gegenüber unschuldigen Opfern „engherziger“. Die eigenen Reihen werden fest geschlossen („Kontraktion“). Östlich geprägte Menschen sehen in Anbetracht ihrer eigenen Sterblichkeit über unerwünschtes Verhalten anderer hinweg, weiten ihre sozialen Bindungen aus und werden entsprechend „weitherziger“ („Expansion“).

Zunächst einmal ist interessant, wie der Kommunismus diese beiden emotionalen Grundstrukturen verändert hat: in Osteuropa wurden die Menschen „kollektivistischer“ und „solidarischer“, während sie in Rotchina unter dem Diktat des „Klassenkampfes“ (der sich bekanntlich auf dem Weg zum Kommunismus immer weiter verschärft: Säuberungen, Kulturrevolution, etc.) auf eine für die übrigen Asiaten erschreckende Weise ruppig und unsolidarisch geworden sind. Mit dem letzteren Phänomen habe ich mich in Die „progressive“ Zerstörung des Lebendigen und der Arbeitsdemokratie beschäftigt.

Kommunisten haben nur ein Ziel: Macht um der Macht willen. Entsprechend werden die Grundlagen der Gesellschaft, letztendlich die bioenergetische Pulsation, zerstört. Im Westen war das selbständige Individuum, das die Tendenz hat andere auszuschließen, Ziel dieser Zerstörung, im Osten der „mitmenschliche Mensch“, der im Zweifelsfall für „die anderen“ offen war. Beide Einstellungen untergraben den „Klassenkampf“!

Was der Kommunismus letztendlich zerstören will, ist die bioenergetische Struktur des Menschen, die sich in zwei Energiesystemen manifestiert: erstens das orgonotische System und zweites das energetische Orgonom.

Das erstere konzentriert sich im Oberbauch, im Solar plexus, und bestimmt unsere „selbstsüchtigen“ Emotionen: alles geht vom bioenergetischen Zentrum nach außen (Lust, Wut, Sehnsucht) oder nach innen (Angst, Trauer). Bleibt dabei aber stets im bioenergetischen Kern zentriert. Alles ist auf diesen bioenergetischen Kern bezogen. Die „emotionale Egozentrik“ des Westens.

Das zweite Energiesystem entspricht unserer Sensorik („Sensation“) und der koordinierten motorischen Antwort. Dieses System kennt als „Schnittstelle zwischen Außen und Innen“ keine wie auch immer geartete „Egozentrik“. Es ist archetypisch im Ameisenhaufen verkörpert, wo das Individuum nichts, das Kollektiv alles ist.

Im Westen ist das erste System mehr betont, im Osten das zweite. In einer idealen Gesellschaft wären beide Systeme ungefähr gleich stark bzw. würde die Betonung je nach Situation wechseln. Die Menschen wären nicht „festgefahren“ auf immer den gleichen Reaktionstyp.

Eine zukünftige ideale Arbeitsdemokratie (das diametrale Gegenteil des Klassenkampfs) könnte man geradezu so definieren, daß die Menschen weder ausgesprochen individualistisch, noch ausgesprochen kollektivistisch wären.

Gegenwärtig sieht es so aus, als würde im Westen der Mensch zunehmend von seinen Sensationen bestimmt werden, während es im Osten umgekehrt immer mehr die Emotionen sind. Aber dies ist kein Weg zu einer „Harmonisierung“, sondern ganz im Gegenteil wird die ohnehin gestörte bioenergetische Pulsation nur noch mehr durcheinandergebracht. Es ist ungefähr so, als würde man einem Amphetaminjunkie Beruhigungsmittel geben. Statt eines energetischen Ausgleichs kommt es zu einem endgültigen Zusammenbruch der Pulsation. Wir haben dann den ständig egoistisch „Solidarität“ einfordernden „Ossi“ und den oben erwähnten heutigen Rotchinesen vor uns, den sowohl die übrigen Asiaten als auch die Westler einfach nur entsetzlich finden.

Die Lösung kann nur in der Auflösung der Panzerung liegen. Die gelingt aber nur, wenn sich die westlichen und östlichen Menschen ihren jeweiligen Ängsten stellen und lernen sie auszuhalten. Der westliche Mensch muß lernen sich seinen Mitmenschen mehr zu öffnen, der östliche Mensch muß lernen mehr Eigenverantwortung zu tragen. Kurz, beide müssen jeweils arbeitsdemokratischer werden.

Die vordringlichste Aufgabe aber wird es sein, „kommunistischen“ Menschenexperimenten jedweder Art ein für allemal Einhalt zu gebieten. Kommunisten sind die gesellschaftliche Entsprechung von quacksalberischen „Körpertherapeuten“, die statt die gesunde Pulsation zu fördern sie immer weiter untergraben. Reich hat das (auf dem Entwicklungsstand des damaligen Orgonomischen Funktionalismus) in Die Massenpsychologie des Faschismus und Die sexuelle Revolution am Beispiel der Sowjetunion im Detail ausgeführt.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.e.

24. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

e. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.d.

20. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Äther, Gott und Teufel

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

b. Spiritualität und die sensationelle Pest

c. Die Biologie zwischen links und rechts

d. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

Die Aktualität von Reichs WAS IST KLASSENBEWUSSTSEIN? von 1934 (Teil 1)

10. April 2016

Es gilt Reichs kommunistisch geprägte Schriften von 1928 bis etwa 1935 der Linken zu entreißen und für die Orgonomie fruchtbar zu machen. Zunächst einmal ist zu konstatieren, daß Reichs Sexualökonomie jener Jahre ohne jeden Abstrich noch immer volle Gültigkeit hat und immer Gültigkeit haben wird:

Die Zwangsregulierung des Geschlechtslebens arbeitet mit Hilfe sexueller Hemmungen, die sie im Individuum von Kindheit auf verankert. Diese Hemmungen erzeugen einen unlösbaren Widerspruch, indem sie einerseits durch die Sexualverdrängung eine sexuelle Stauung bedingen und so die sexuellen Bedürfnisse steigern und sie in „sekundäre“ grausame, pervertierte Triebe umwandeln, die gezügelt werden müssen, andererseits die Struktur der Person im Sinne einer verminderten bis vollends gestörten Befriedigungsfähigkeit verändern. Aus diesem Widerspruch, der eine unausgleichbare Differenz zwischen Bedürfnisspannungen und Befriedigbarkeit erzeugt, ergeben sich als energetische Ausgleichsreaktionen die sexuellen Krankheiten, Neurosen, Perversionen und unsozialen sexuellen Verhaltungsweisen. (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 161)

Reich ist einen Schritt weitergegangen und hat aus den inneren Widersprüchen der emotionalen („psychischen“) Struktur der Menschen die „hohe Politik“ abgeleitet. Wenn er etwa in Was ist Klassenbewußtsein? im Zusammenhang mit der damaligen Frauenbewegung schreibt:

Frauenrechtlertum, in seiner heutigen Form reaktionär, gegen das klassenmäßige Fühlen gerichtet, ist leicht [im Sinne der Revolution] umkehrbar, weil es auf Veränderung drängt. Auch bei den Frauen muß festgestellt werden, daß direkter Hunger und Sorge um die Ernährung der Kinder nur verhältnismäßig selten revolutionäres Denken vermittelt; weit häufiger Angst vor der Politik überhaupt, Bremsung der politischen Tätigkeit des Mannes und der Kinder, die die Familie miternähren, Stumpfheit oder Prostituierung. Diese Sorgen und Ängste können zu wesentlichen Triebkräften des Klassenbewußtseins werden, wenn sie in richtigen Zusammenhang mit den anderen Kräften und Gegenkräften gebracht würden. (Was ist Klassenbewußtsein?, 1934, S. 23f, Hervorhebungen hinzugefügt)

„Kraft und Gegenkraft“ entsprechen „Trieb und Abwehr“ im Individuum. Hier geht es um das Erkennen und Handhaben der „Kräfte und Gegenkräfte“ im gesellschaftlichen Bereich. Ein konkretes Beispiel sind die „Instruktionsabende“ der Sexpol in Berlin, die dem Kontakt zwischen den Massen und den Funktionären dienten, wo Reich, wie in der Charakteranalyse, immer von den aktuellen konkreten Problemen ausging, nicht von psychoanalytischen und Marxistischen Theorien über die Vergangenheit:

Man setzte kein Thema an und keine Diskussion, sondern stellte einfach an die Funktionäre und einfachen Genossen die Frage, wo sie gegenwärtig die größten Schwierigkeiten hätten. Schon dadurch konnte man nicht fehlgehen in der Beurteilung dessen, was momentan am wichtigsten war. Man beriet gemeinsam die Schwierigkeit, fand hier eine Lösung, die der praktischen Überprüfung überlassen wurde, schob dort eine Entscheidung auf, bis man mehr Material zur Entscheidung vorliegen hatte; das lebendige Leben flutete aus den kameradschaftlichen Besprechungen; man brauchte nicht Theorien aus den Fingern zu saugen, sie ergaben sich von selbst. Die wachsende Beteiligung und die Lebhaftigkeit der Diskussion zeigten, daß die Instruktionsabende ein glücklicher Griff gewesen waren. Man erwarb die Überzeugung, daß das Leben sich nicht betrügen, sondern klar, einfach fassen läßt. Man mußte nur die einfachen Organisationsmitglieder (es waren auch viele Nichtmitglieder anwesend) einfach von der Leber weg reden lassen. Als einzige ernste Schwierigkeit ergab sich immer nur die Verbauung durch falsche, von der bürgerlichen Ideologie vermittelte Anschauungen, die aber im Lichte lebensnaher, unverbogener, undogmatischer Besprechung in Nichts zerflossen. (ebd., S. 46)

Das erinnert frappant an seine Kritik an der damals gängigen psychoanalytischen Therapie.

Zu Reichs Verbindung von psychoanalytischer und Leninistischer Herangehensweise hat Myron Sharaf in Fury on Earth geschrieben:

So wie die Charakteranalyse das Individuum von der inneren Unterdrückung befreien und den Fluß der natürlichen Energien freisetzen konnte, würden – so Reichs Hoffnung – radikale Sozialisten und Kommunisten die Massen von externer Unterdrückung retten und eine natürliche soziale Harmonie freisetzen, eine „klassenlose“ Gesellschaft. Ein wenig anders ausgedrückt, gab es eine Parallele zwischen Reichs Wunsch nach kraftvollen Aktionen von Seiten der politischen Linken und seiner klinischen Suche nach Maßnahmen, die eine schnelle individuelle Veränderung bewirkten. Entsprechend konnte ein genitaler Durchbruch den Patienten befreien, trotz ungelöster psychischer Konflikte und ohne längere Analyse. Die soziale Revolution, die von konsequent auftretenden Führern geleitet wird, könnte zu sozialen Durchbrüchen führen trotz aller Ängste und Widersprüche bei den Bürgern. Reichs Versuch seine klinischen und sozialen Hoffnungen zu integrieren bildete den Kern seiner Bemühungen zwischen 1927 und 1934. (Fury on Earth, S. 126)

Die „klinischen Maßnahmen für schnelle Veränderungen“ entsprechen seinem späteren direkten Angehen der muskulären Panzerung.

In den 1950er Jahren machte Reichs Rechtsanwalt gegenüber Sharaf die Anmerkung, „daß Reich nie wirklich den demokratischen Prozeß verstanden hat; er hatte eine elitäre Vorstellung davon, wie die Dinge sein sollten, wo ‚rationale‘ Menschen wie er selbst bestimmen, was legitim und illegitim sei“ (ebd., S, 436). Die „verkörperte Rationalität“. Wie schon in der Schlußsequenz von Was ist Klassenbewußtsein? :

Das Klassenbewußtsein der revolutionären Führung (der revolutionären Partei) ist nichts anderes als die Summe des Wissens und der Fähigkeiten, für die Masse auszusprechen, was sie selbst nicht auszudrücken vermag; und die revolutionäre Befreiung vom Joche des Kapitals ist die zusammenfassende Tat, die aus dem vollentwickelten Klassenbewußtsein der Masse von selbst erwächst, wenn die revolutionäre Führung auf allen Lebensgebieten die Masse begriffen hat. (S. 65)

Was „Demokratie“ anbetrifft, geht es hier um die Gewinnung der Massen der Bevölkerung. Reich:

Jedem marxistisch Geschulten ist sofort klar, daß bürgerliche Politik immer demagogisch sein muß, denn sie kann den Massen nur Versprechungen machen, aber nichts erfüllen. Im Gegensatze dazu ist die revolutionäre Politik, da sie den Massen alles, was sie verspricht, auch erfüllen kann, im Prinzip undemagogisch. Wo sie demagogisch ist oder wirkt, kann man mit Sicherheit auf Preisgabe der revolutionären Grundsätze schließen. (ebd., S. 37)

Man muß hier unmittelbar an die AfD oder Trump denken, die beide das Kartell des haltlosen Geschwafels („Wir schaffen das!“) durchbrochen haben und die Welt der politischen Hinterzimmer, der politischen Machenschaften, der Lobbyisten der Großindustrie, der „Bertelsmann-Stiftung“, etc. durchbrochen haben. Man lese nur die ständige Hetze der Bild-Zeitung und der öffentlichen Medien gegen die AfD und Trump. Reich:

Ein alter Grundsatz der Revolution ist die Abschaffung der Geheimdiplomatie. Er ist selbstverständlich, denn da die soziale Revolution der Vollzug des Volkswillens gegen die Besitzer der Produktionsmittel unter Führung des Industrieproletariats ist, bleibt nichts mehr zu verheimlichen. Dann gibt es nichts mehr, das die Masse nicht hören dürfte; im Gegenteil sie muß alles wissen und kontrollieren können. (S. 43)

Und weiter:

Die revolutionäre Politik hat vor den Massen nichts zu verbergen, sie will alles enthüllen. Die bürgerliche Politik darf nichts enthüllen, muß alles verbergen. An der Kulissenpolitik, wo immer sie auftreten mag, erkennt man die politische Reaktion. (S. 44)

ReichsKlassenbewusstsein

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 6.a.

7. April 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

6. Beiträge zu Reichs Orgonomie

a. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

Die Maschinenzivilisation

22. März 2016

Hans Hass hat gezeigt, daß über die ganze Evolution hinweg das Lebendige nicht nur durch seine „Organe“, wie sie üblicherweise in der Biologie definiert werden (Herz, Lunge, Nieren, etc.), überlebt hat, sondern auch durch „zusätzliche Organe“, wie etwa die Schneckenhäuser, Konservendosen, etc. die Einsiedlerkrebse mit sich herumtragen. Für Hass liegt die Bedeutung vitalisierter Materie weder in der Energie, die sie aufrechterhält, noch in ihrem Material, sondern ausschließlich in der Funktionserfüllung.

Stellt man, nach Hass, die Aufgabenerfüllung in den Vordergrund, dann sind nicht nur das aus Zellen bestehende Herz, die Lunge, die Nieren, etc. Organe des Körpers, sondern, so Hass, „funktionell betrachtet“ auch „künstliche“ Organe vom Zahnersatz bis zur Mondrakete. Demgegenüber ist es für die Orgonomie, im engeren Sinne, natürlich nicht Neben-, sondern Hauptsache, welche Energie in den Funktionsträgern operiert: „das spontan Bewegte ist das Lebendige“ und nur die Orgonenergie bewegt sich spontan (Äther, Gott und Teufel, S. 123).

Damit ist die Ebene definiert, auf der sich das Schicksal der Menschheit in Zukunft abspielen wird: einerseits sind wir schon von Natur aus (d.h. seit ungefähr 500 000 000 Jahren!) weit enger mit toter Materie („zusätzliche Organe“, „künstliche Organe“) verzahnt, als uns die mechanistische Biologie lehrt, andererseits sind uns diese zusätzlichen Organe weit fremder, – als uns die mechanistische Biologie lehrt. Unser Verhängnis ist, daß unser Geist (unsere „Psychologie“) aus der Evolution so hervorgegangen ist, daß er sich mit dem Toten auf eine Weise identifiziert, die eines Tages das Ende der Menschheit bedeuten könnte. Ich verweise auf meinen ersten Blogeintrag zum Thema.

Eine Studie von Neurologen des Stockholmer Karolinska Institutes (Arvid Guterstam et al.) hat jetzt gezeigt, in welchem so vorher nicht erkannten Ausmaß unser Gehirn „künstliche Körperteile“, beispielsweise „Gummiarme“, als eigen, integral zum eigenen Organismus gehöhrend, interpretiert.

Erreichen läßt sich dieser Effekt mit einer überraschend simplen Methode: Die Testperson sitzt an einem Tisch und sieht eine realistisch aussehende Armprothese direkt neben dem eigenen rechten Arm. Wenn die Wissenschaftler nun synchron sowohl den künstlichen Arm als auch den realen berühren, entsteht durch diesen Anblick bei den Probanden die skurrile Fehleinschätzung.

Wie stark der Kunst-Arm in das Körperbild integriert wird, zeigte ein weiteres Experiment. Darin bedrohten Guterstam und seine Kollegen den künstlichen Arm mit einem Messer und zeichneten die Reaktionen der Probanden mittels Messungen des Hautwiderstandes auf. Wenn die Probanden den Arm als Körperteil empfanden, zeigten sich in diesem Moment die gleichen Streßsymptome wie bei einer Bedrohung des realen Arms. Ersetzten die Wissenschaftler die Armprothese dagegen durch einen künstlichen Fuß, verschwand mit der Illusion auch der Streßreiz durch das Messer.

Für Hass besteht das Grundprinzip der menschlichen Machtentfaltung im zweiten Teil der Evolution darin, „daß die Funktionserfüllungen sich vom Körper lösten, während die Steuerung – zumindest teilweise – beim Gehirn verbleibt“. Nun besteht die Gefahr, daß sich auch die Steuerung vom Menschen löst – nicht er steuert, sondern er wird gesteuert. Es könnte passieren, daß unsere eigenen Produkte, die Maschinen, anfangen uns zu beherrschen. Der Film Terminator (1985) mit Arnold Schwarzenegger zeigt sehr schön, wie die Maschinen schließlich die Steuerungsfunktion übernehmen und sogar ihre eigenen Schöpfer für sich arbeiten lassen oder sie als Störfaktoren vernichten wollen.

Letztlich ist es der Konflikt zwischen ORgon und DOR. Der Kampf zwischen Leben das pulsiert (der Viertakt der Orgasmusformel) und dem sekundären „Leben“, das nicht pulsiert, ansonsten aber alle Attribute des Lebens besitzen kann.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf meinen Eintrag über die Die DOR-Menschen verweisen, wo ich unsere außerirdischen Besucher als letzte Ausformung des mechanistischen Charakters darstelle. Seit 1947 sind verschiedene zerschellte außerirdische Raumschiffe in die Hände der Vereinigten Staaten gefallen. (UFOs, die die Orgonenergie-Hülle der Erde, also das „Koordinationsfeld“ Gaias zerstören!) Es ist sehr wohl möglich, daß z.B. die Entwicklung der Mikrochips auf die Arbeit von Majestic 12 (und neuerdings PE 40) zurückgeht. Dabei handelt es sich um die Gruppe von Wissenschaftlern und Geheimdienstlern, die die UFOs untersucht haben. U.a. entdeckten sie in den Wracks chipartige elektronische Komponenten, deren Auswertung neue Entwicklungsmöglichkeiten in der Mikroelektronik eröffnet haben. Es ist eh zu fragen, ob nicht unsere gesamte mechanistische Maschinenzivilisation auf die DOR-Menschen zurückgeht, die unsere Erde vielleicht schon seit Jahrtausenden heimsuchen. (Man denke nur mal daran, daß die Chinesen ihren Tarnkappenbomber wahrscheinlich aus den Trümmerteilen von abgestürzten amerikanischen Kampfjets rekonstruiert haben.)

Hans Hass schreibt in einem vollkommen anderen Zusammenhang:

Käme ein Angriff aus dem Weltraum, dann wären alle Zwiste vergessen. Russen, Amerikaner, Chinesen, Deutsche, Araber, Israelis – alle würden in einer gemeinsamen Abwehrfront verschmelzen. Wohlan, einen solchen Feind gibt es – weit realer als sämtliche imaginären Untertassen aus dem All. Dieser Feind kennt keine Rücksicht, er ist bar jeder Emotion. Nur indem wir uns selbst erkennen, können wir ihm begegnen. Wir – die Völker der Welt. (Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Hier spielt Hass auf der außer Kontrolle geratenen „Lebensstrom“ an, auf die technische Entwicklung, die uns zu überrollen droht. Funktionell jedoch sind beide Feinde – die „imaginären“ Untertassen aus dem Weltraum und die Fehlentwicklung des zweiten Teils der Evolution – identisch: Natur, die insektenartig verformt ist.

Um der Bedrohung durch den „Lebensstrom“ zu entgehen, gibt Hass folgendes Ziel vor:

Abstimmung unserer körperlichen und unserer künstlich geschaffenen Organe aufeinander. Abstimmung all dieser Organe auf den Patienten Erde.

Dagegen wäre im Prinzip nichts einzuwenden, bestünde nicht Reich zufolge die Gefahr, daß „die Abstimmung unserer körperlichen auf unsere künstlichen Organe“ zu unserer maschinellen Entartung führt. In Massenpsychologie des Faschismus schreibt Reich, „der Mensch hätte (…) ohne weiteres auf der einen Seite Maschinen mechanistisch konstruieren und auf der anderen Seite gleichzeitig das Lebendigkeit nicht-maschinell, eben lebendig erfassen können.“ Doch brachte

die maschinelle Zivilisation (…) dem Menschen nicht nur eine Verbesserung seines tierischen Daseins, sondern sie hatte darüber hinaus die subjektiv weit wichtigere aber irrationale Funktion, das Nicht-Tiersein, das grundsätzliche Anders-als-das-Tier-sein, immer wieder zu betonen.

In energontheoretischen Begriffen hat hier eine Funktionserweiterung bzw. ein Funktionswechsel stattgefunden: jene Strukturen, die ursprünglich die Pulsation des Menschentiers schützen und unterstützen sollten, dienten später der Unterdrückung eben dieser Pulsation. (Das wirft auch ein interessantes Licht auf das Problem der Entstehung der Panzerung.)

Des weiteren sagt Reich zum Verhältnis des Menschen zu seinen künstlichen Organen (den Maschinen, die eine „mächtige Erweiterung seiner biologischen Organisation sind“, wie Reich es ausdrückt): „Die Maschine wurde, ist und wird sein gefährlichster Zerstörer bleiben, wenn es sich nicht von ihr differenziert.“ Diese Aussage Reichs wird noch eine alles entscheidende Bedeutung gewinnen, wenn in Zukunft der Menschen mit „künstlicher Intelligenz“ und „künstlichen Menschen“ zusammenleben wird. Es besteht die Gefahr, daß diese Entwicklung, auch im Rahmen der Erfindung neuer Prothesen, den Menschen nur noch mehr zur Maschine macht, besonders wenn „funktionelle Denker“ wieder nur das Gemeinsame sehen wollen.

Vielleicht kann uns hier nur eine strenge Sklavenhaltergesellschaft im Nietzscheschen Sinne retten, in der eine brutale Rangordnung zwischen oben, den Menschen, und unten, den künstlichen Entitäten, gewahrt bleibt. Unser Hang zur Identifizierung muß bekämpft werden. Spätestens hier wird uns der liberale Charakter in den Untergang treiben!

So mancher Leser wird mich nun wohl faschistischer Gesinnung bezichtigen und dabei verkennen, daß es mir gerade um die Bekämpfung des Faschismus zu tun ist, der den Menschen in eine Maschine verwandeln will. So sind ja auch die italienischen „Futuristen“, die Anbeter der Maschine am Anfang dieses Jahrhunderts, später fast durchweg Mussolini gefolgt! (Es wird auch oft verkannt, daß der Nationalsozialismus einen erheblichen Modernisierungsschub nach sich gezogen hat.)

Für Hass besteht der beste Weg in die Zukunft darin, „daß der Mensch die Kontrolle über seine künstlichen Organe zurückgewinnt. Daß ihm klar wird, daß diese Gebilde ihm dienen sollen.“ Dies weitet Hass auch auf das künstliche Organ „Begriff“, d.h. auf die Meme aus. Denn

auch hier besteht die Gefahr, daß aus Dienern Herren werden, indem sich die [begrifflichen] Schubladen nicht mehr wirklich unseren Zwecken unterwerfen, sondern höchst selbstsüchtig unsere Gedanken in ihre Schablonen pressen.

Genau wie Reich beklagt Hass, daß sich manche eingebürgerten Begriffe als Fesseln erweisen, die sich der menschliche Geist selber anlege. Hier haben wir also quasi das mentale Pendant der somatischen Panzerung vor uns. (Orgontherapeuten müssen ständig gegen die „Selbstdiagnosen“ ihrer Patienten ankämpfen: „Das ist nur ein Wort!“)

Politik und Ökologie: Was geht in Antifaschisten vor und was in Faschisten?

15. März 2016

Der gepanzerte, orgastisch impotente Mensch, versucht die organismische Orgonenergie, die durch die moderne freiere Welt aktiviert wurde, irgendwie zu drosseln. Zu Zeiten Reichs wurde die biologische Energie dadurch niedergehalten, daß sich die Massen gegen den Fortschritt sperrten, gegen das Aufbrechen verkrusteter Strukturen, die bis dahin die Energie gebunden hatten. Reich beschreibt das ausführlich in Die Massenpsychologie des Faschismus. Heute, in der anti-autoritären Gesellschaft, stellt sich das ganze grundlegend anders dar. Man denke etwa an den penetrant umworbenen Veganismus.

Generell ist es so, daß fleischfressende Tiere eine höhere orgonotische Ladung haben als „vegan“ lebende Tiere, die sich ständig durch Raubtiere bedrängt sehen und in einer „Landschaft der Angst“ leben. Auf diese naheliegende Beobachtung hat Nietzsche einen Gutteil seiner Moralphilosophie gegründet (Willen zu Macht, Herdenmoral, etc.). Was er nicht sah, war der bioenergetische, sexualökonomische Hintergrund von dem, was damals etwa als „Sozialdemokratie“ reüssierte und heute als Veganertum, Spiritualität und „Frieden“ daherkommt. Was sich als „überlegene Moral“ geriert, soll tatsächlich das Energieniveau und damit gleichzeitig das Angstniveau („Stauungsangst aufgrund orgastischer Impotenz“) senken. Dazu gehört auch die Entnationalisierung, der „Kampf gegen Rechts“ und das Fluten des Landes mit Raubtieren aus der Wüste; die „große Verschwulung“ von der Akif Pirincci spricht. Nicht zu vergessen natürlich die Genderismus: Frauen und Männer werden zu prägenitalen, niedrig-energetischen Neutra. Politisch korrekt ist man wieder da angelangt, wo die Reaktion, etwa in Gestalt der von Reich angeprangerten katholischen Ideologie (man denke insbesondere an den Marienkult) schon immer hin wollte.

Es ging und geht niemals um Moral und Ethik, sondern einzig und allein um die Senkung des eignen Energieniveaus zwecks Angstbewältigung.

Soweit die Guten. Was geht in den Bösen, den Rechtsradikalen vor?

In Freudianisch und Marxistisch orientierten Antworten auf diese Frage kommt alles mögliche aufs Tablett (Sehnsucht nach autoritären Strukturen in einer entfremdeten Welt, etc.), aber nie das, was „Neonazis“ selbst beseelt, ihr Selbstverständnis: daß sie sich als Partei des Lebens, als Vertreter der Naturgesetze, als Ökologen sehen. Sie betrachten den Menschen als Menschentier, das den gleichen biologischen Gesetzen unterliegt wie jedes andere Tier auch: Zuchtwahl, Elitebildung, territorialer Imperativ, rassische Differenzierung.

Man denke nur an Sigmar Gabriel, der wiederholt sich gegen jedwede biologische Betrachtungsweise sozialer und politischer Vorgänge ausgesprochen hat, denn darauf würde das ganze Grundgesetz beruhen. Sarrazin liegt falsch, weil er falsch liegen muß! Die Biologie des Menschen als Todfeind – des Menschen.

Linke sind entsetzt angesichts der „biologistischen“ Unmenschlichkeit, Rechte angesichts der kulturalistischen Verlogenheit. Wenn sie nur könnten, würden sie den jeweils anderen ausmerzen ohne mit der Wimper zu zucken. Die Nationalsozialisten versuchten die Juden auszurotten, weil sie diese als Verkörperung der „Antibiologie“ betrachteten. Die Antifa „kennt keine Diskussion“, weil sie die Menschheit vor dem „Antihumanismus“ bewahren muß.

„Nazis“ hat immer beseelt, daß sie die einzigen sind, die nicht eine unhaltbare Lüge leben. Sie fühlen sich darin ständig bestärkt, weil das niemals in den ganzen Bibliotheken erwähnt wird, die im „Kampf gegen Rechts“ verfaßt wurden. Der „Kampf gegen Rechts“ ist so erbarmungswürdig hilflos, weil er keine Ahnung von der Panzerung hat, die primäre Triebe in sekundäre Triebe umwandelt, die dann mittels eines verlogenen Humanismus in Schach gehalten werden müssen. Beispielsweise kommt es beim Menschen ohnehin zur „Zuchtwahl“, d.h. wie überall sonst auch bei den höheren Tieren entscheidet das Menschenweibchen welches Männchen ihre Eier befruchten darf. Offensichtlich ist, daß sie den körperlich attraktivsten und geistig potentesten Partner auswählen wird. Sie wird, solange sie kein komplettes neurotisches Wrack ist, hier keinerlei „Mitleid“ kennen und niemals den häßlichen und dummen wählen! Das alles erfolgt vollkommen unbewußt. Auch ist es nur naheliegend, daß sie einen Partner wählt, der ihr weitgehend entspricht. Wählt sie einen „Fremden“, ist es eher wahrscheinlich, daß sie es aus neurotischen Gründen tut, etwa um „ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen“.

„Nazis“ machen aus etwas, was ohnehin von allein abläuft bzw. ablaufen sollte, etwas, was wie auf einem Bauernhof, der auf Ertrag züchtet, durch künstliche Eingriffe aufrechterhalten werden muß. Sie sind darin nicht besser als die „Humanisten“, die nicht glauben können, daß der Mensch auch ohne ethische Indoktrination moralisch handelt.

Einen wirklichen Nazi erkennt man daran, daß ihm jede wirkliche Verbindung zum biologischen Kern fehlt. Die Genitalität kennt er nur über einen Zerrspiegel und er hat eine tödliche Angst vor ihr. Deshalb sein Rassismus, der tatsächlich Angst vor dem sexuellen „Tier im Menschen“ ist. Von daher auch sein erstaunlich durchgängiger Hang zur Homosexualität, um dem Ödipuskonflikt zu entgehen. (Zeig auf einen Neonazi und du zeigst mit einiger Sicherheit auf einen Schwulen!) Und nicht zuletzt stammt daher sein Hang zum Okkultismus, der alles ins Unwirkliche versetzt. Durch die totale Panzerung wird das Leben selbst unerreichbar, ungreifbar, außer wie durch einen Zerrspiegel, so daß das Lebensgefühl durch und durch mystisch wird. Eine Welt, die von einem geheimnisvollen Raunen durchdrungen wird, in der alles voller geheimnisvoller Bedeutung steckt und die „Vorsehung“ waltet. Der Lebensimpuls wird in die rassistische und antigenitale „nationalsozialistische Mystik“ abgebogen.

Das macht den „Kampf gegen Rechts“ noch verlogener, als er ohnehin schon ist, tut doch die Linke nichts anderes als Gruppen zu trennen und für „Gruppenbewußtsein“ zu sorgen, die Genitalität zu bekämpfen und „spirituell zu sein“. Es hat etwas Tragi-Komisches sich „gegen Rechts zu engagieren“ und gleichzeitig die eigenen Kinder auf eine Waldorfschule zu schicken oder etwa dem Karmapa zu folgen.

Nationalsozialismus ist Perversion. Er ist das, was unmittelbar dabei rauskommt, wenn die Panzerung total ist. (Beim Roten Faschisten ist alles verwickelter, weil die soziale Fassade in den Dienst der sekundären Schicht tritt: nichts ist „unmittelbar“.) Die gesamte Biologie des Menschen tritt als grotesk verzerrte Karikatur zu Tage. Es ist ähnlich wie bei der sexuellen Perversion, wo die natürliche genitale Aggression des Mannes zum Sexualmord wird und die natürliche genitale Unterwerfung der Frau zu masochistischen Vergewaltigungsphantasien entartet.

Die totale Abpanzerung des Nationalsozialisten geht damit einher, daß er vollkommen von der Arbeitsdemokratie abgetrennt ist. Er ist nicht arbeitsfähig und kann nur als politischer Agitator und Verbrecher, d.h. als Parasit überleben. Man schaue sich nur diese kriminellen Schießbudenfiguren an, die von Anbeginn immer das verkörpert haben, was sie bei anderen bekämpfen!

schemanazis

Apropos der Mensch als fleischfressendes Raubtier und der gegenwärtige linksliberale Hype um das Veganertum. Das Fleisch hat uns erst zu Menschen gemacht:

Vegetarier werden dies vielleicht nicht gerne hören: Die rein pflanzliche Nahrung, die heute wieder im Trend liegt, könnte für unsere Vorfahren eine Sackgasse gewesen sein. Erst als die Vormenschen begannen, regelmäßig Fleisch zu essen und es mit Hilfe ihrer Steinwerkzeuge zu zerkleinern, konnte ihre Zähne kleiner und ihre Gesichtszüge menschlicher werden. Fleisch und Werkzeuge schufen demnach die Voraussetzungen für Sprache und ein größeres Gehirn, wie eine Studie nahelegt.

Sekundärtugenden

15. Februar 2016

Drei Zeitungsmeldungen eines Tages:

  1. Der „Hass-Islamist“ Harry M. alias „Isa Al Khattab“ aus Pinneberg bei Hamburg bedroht auf seiner Weltseite „Islamic Hacker Union“ den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde: der „dreckige Jude“ solle aufpassen, „daß Allah dich nicht schon im Diesseits straft mit dem Tod. Das ist keine Drohung von mir, sondern Allah dem Allmächtigen.“ Der junge Hacker ist vor einem Jahr zum Mohammedanismus konvertiert.
  2. In Köln ärgerte sich ein Autofahrer dermaßen über einen Bagger, der auf der Straße im Weg stand, daß er ausstieg und dem Baggerfahrer (49) ins Gesicht schlug. Anschließend verprügelte er einen weiteren Bauarbeiter (33) mit einer Schaufel, um danach mit seinem Handy Verstärkung zu rufen. Bis die Polizei endlich kam, drosch die zusammengerufene Bande mit Eisenstangen und Kabeln auf die anwesenden Bauarbeiter ein.
  3. In Brüssel wurden zwei Franzosen, die sich bei einem Autounfall leichte Blessuren zugezogen hatten, in einem Krankenhaus behandelt. Als die Mediziner weg waren, stahlen die Männer eine Handtasche und flüchteten dann mit einem Krankenwagen.

Der alltägliche Wahnsinn, der Zerfall der westlichen Zivilisation im Mikrobereich des Alltags. Feuerwehrleute, die angegriffen werden, wenn sie einen Brand löschen wollen. Ambulanzen, die gestohlen werden, während die Sanitäter den Notfallpatienten aus seiner Wohnung hohlen. Lehrer, die buchstäblich Angst um ihre Leben haben. Bundesweit haben junge Frauen nachhaltig die Feierlaune verloren.

Letztendlich ist es egal, wer „die Mächtigen“ sind und was sie tun. Wichtig sind einzig und allein die Massen. Wichtig ist allein, die Charakterstruktur der überwiegenden Mehrheit der Menschen. Zivilisation ist nur möglich, wenn die Menschen einen gewissen Spannungsbogen ertragen können, sie „frustrationstolerant“ sind und ein Mindestmaß von Vernunft zeigen. Das, und allein das, machte und macht den Erfolg von Weltregionen wie Europa (inkl. seiner Ableger auf fremden Kontinenten, etwa Australien), China, Korea und Japan aus.

Durch eine Erziehung, die für derartige „Sekundärtugenden“ nichts als Verachtung übrig hat und die dazu komplementäre Masseneinwanderung von Menschen, deren Frustrationstoleranz und „Vernunft“ gegen Null tendiert, sind wir zunehmend mit Massen konfrontiert, mit denen man schlichtweg „keinen Staat mehr machen kann“.

„Reichianer“ haben auf das Geschehen eine genauso einfache wie ganz offensichtlich falsche Antwort parat: die „bürgerliche Fassade“ breche zunehmend weg und die „mittlere Schicht“ der Charakterstruktur würde zum Ausdruck kommen, d.h. Perversion und Chaos, aber das sei nur eine kathartische Übergangsperiode und letztendlich werde der rationale Kern zum Vorschein kommen.

Was für ein Quatsch! Kann jemand wirklich ernsthaft glauben, daß das Ausagieren sekundärer Triebe in irgendeiner Weise „heilsam“ ist? (Es ist in der Orgontherapie vollkommen gleichgültig, daß der Patient etwa im Straßenverkehr einen Tobsuchtsanfall bekommen kann. Wichtig ist, daß sich die Wut auf der Matraze und mit Kontakt entlädt.) Glaubt wirklich jemand, außer vielleicht er ist Anhänger von Herbert Marcuse, daß aus dem Zerfall der Gesellschaft mehr erwachsen kann als – nur noch mehr Zerfall?

Wir leben gegenwärtig in einer Welt, in der jeder seine vermeintliche „Individualität“, seine „Persönlichkeit“ und seine „Identität“ ausleben will. Was dabei vollkommen unter die Räder gerät ist das, was man früher „Charakterstärke“ genannt hat: die Fähigkeit sich selbst zurückzunehmen, die eigenen Interessen hintanzusetzen, sich selbst infrage zu stellen und nach der Goldenen Regel zu leben, was vor allem Selbstkontrolle bedeutet.

Werden diese Funktionen rigide, haben wir es mit dem triebgehemmten Charakter zu tun, lösen sie sich auf, mit dem triebhaften Charakter. Beide sind unfähig sich selbst zu regulieren, doch immerhin kann der erste Rudimente der Arbeitsdemokratie aufrechterhalten, während sie in den Händen des letzteren im Chaos versinkt.

Leider glauben die antiautoritären Volksbefreier, daß in der systematischen Zerstörung der „Sekundärtugenden“ das Heil aufkeimt.

Der biologische Rechenfehler in der Marxschen Mehrwertlehre (Teil 2)

2. Februar 2016

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Grundlage der Arbeitsdemokratie. Die Menschen benötigen eine emotionale, gemeinschaftsbildende Beziehung, sie müssen in dieser Gemeinschaft kooperativ tätig sein und diese Tätigkeit muß zielgerichtet und planvoll sein. Später wurde aus dieser Triade der Gegensatz von „Arbeit und Kapital“, den die Linke stets verschärfen wollte, während die Rechte ihn auf illusorische Weise zu verkleistern trachtete, sei dies nun im Sinne der „nationalsozialistischen Volksgemeinschaft“ oder der „sozialen Marktwirtschaft“.

Das folgende wird sehr schön durch das Schicksal des „Oligarchen“ Michail Chodorkowski illustriert. In einem Interview kurz vor seiner Verhaftung 2003 durch das faschistische Putin-Regime gab er zu Protokoll:

Wissen Sie, als ich zu YUKOS kam, 1996, hatten die einen Schuldenberg von 3 Milliarden Dollar. Die Gesellschaft produzierte 40 Millionen Tonnen Erdöl und die Produktion sank um 7 Prozent pro Jahr. Die Selbstkosten betrugen 12 Dollar pro Barrel, das heißt, sie lagen über dem Marktpreis.
Heute kostet uns ein Barrel Öl 1,5 Dollar und wir zahlen 3 bis 4 Milliarden Dollar Steuer jährlich – 3 bis 4 Milliarden Dollar! Wir wachsen um 20 Prozent pro Jahr und fördern keine 44 Millionen Tonnen Öl, sondern 80. Die Gesellschaft zahlt ihren Aktionären Dividenden und legt Mittel zurück für weitere Großinvestitionen.

Man höre oder lese den ganzen sehr aufschlußreichen Bericht des Deutschlandfunks.

Bei meiner Beschäftigung mit dem Reichschen Konzept „Arbeitsdemokratie“ kam ich dazu, die funktionellen Paare
„Psyche und Soma“,
„Idee und Tätigkeit“ und
„Unternehmer und Arbeiter“
funktionell gleichzusetzen ohne viel auf Reichs Ansichten zum Problemkomplex „Kapital und Arbeit“ zu achten, die doch teilweise von Marx geprägt sind. Nun überraschte mich der Gedanke, daß ja meine Überlegungen bereits im Motto der Arbeitsdemokratie enthalten sind:

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.

Was liegt näher als diese drei „Quellen“ orgonometrisch in Beziehung zu setzen? Und ist überhaupt eine andere Zusammenstellung denkbar als die folgende?

Zusammenarbeit und Vertrauen als unverzichtbarer Kern jedes ökonomischen und sozialen Lebens.

Das komplexe Verhältnis von Kapital und Arbeit läßt sich auch entsprechend der „psychosomatischen Beziehung“ darstellen, wie Reich sie 1944 in seiner Arbeit Orgonotic Pulsation präsentiert hat:

  • Richtet sich 1 gegen 2 haben wir die funktionelle Entsprechung des ersten Falls vor uns, den Idealismus: Wirtschaft wird vom Unternehmer als großem Patriarchen bestimmt, dem man nur zu gehorchen hat und der Laden läuft: Befehl, Gehorsam und Kontrolle.
  • Richtet sich 2 gegen 1 liegt der mechanistische Materialismus vor, wie wir ihn im revolutionären Marxismus-Leninismus vor uns haben: der imgrunde überflüssige Unternehmer muß weg, so daß die Wirtschaft besser läuft, da der „Widerspruch von Kapital und Arbeit beseitigt ist.“
  • In der Entsprechung des „psychophysischen Parallelismus“ laufen Kapital und Arbeit (3 + 4) unabhängig nebeneinander her: so sieht es größtenteils in den westlichen Demokratien aus.
  • Im Mystizismus laufen Kapital und Arbeit (5 + 6) auseinander und sind unvereinbar: hier haben wir die alten feudalistischen (und die modernen „kommunistischen“) Staaten vor uns, wo der Adel vollkommen vom arbeitenden Volk abgeschnitten war. In Ländern wie Spanien und China war für die Edelleute Arbeit (selbst „unternehmerische Arbeit“) etwas zutiefst Entwürdigendes und Unehrenhaftes.
  • Im Monismus schließlich gibt es keinen Unterschied zwischen beiden (7 + 8): dies findet sich in den faschistischen Ideologien (und vielleicht auch im Anarchismus) wieder, wo vollständig von der Arbeitsteilung abstrahiert wird und eine illusorische Versöhnung realer Interessengegensätze (die „Volksgemeinschaft“) gepredigt wurde.
  • 9 steht für die undifferenzierte biologische Schöpfungskraft an sich.

So mancher „Reichianer“ vertritt entgegen diesem funktionellen „holistischen“ Ansatz noch immer das alte Marxistische Prinzip, daß einseitig die „lebendige Arbeit“ über das „tote Kapital“ obsiegen muß, damit sich die Arbeitsdemokratie entfalten kann. Daß ein solches fehlerhaftes Denken, das nur eine der fünf Möglichkeiten, nämlich die oberflächlichste sehen will (oder gar „orgonomisch“ in der tiefsten verharren will), bei seiner materiellen Verwicklung zwangsläufig in die Tyrannei führen muß, hatten am Ende selbst die Kommunisten erkannt. So beschrieb ein sowjetischer Wissenschaftler den sozialpsychologischen Zustand der UdSSR am Ende ihrer Existenz wie folgt:

Entpersönlichung des gesellschaftlichen Lebens und Unterbewertung des individuellen Ursprungs des Daseins (…). Viele Jahre hindurch wurde die menschliche Individualität unter dem Banner des Kampfes gegen den Individualismus konsequent erniedrigt und unterdrückt. In der Wirtschaft förderte dies die Gleichmacherei in der Entlohnung, in der Politik die Bürokratisierung des gesellschaftlichen Lebens und eine Vorstellung vom Menschen als einem Schräubchen, das sich automatisch im unpersönlichen Mechanismus der Maschinengesellschaft dreht. Es galt sogar, wie einst in der archaischen Gesellschaft [d.h. im fiktiven „Urkommunismus“], als unanständig in erster Person zu sprechen, da dies als egozentrisch aufgefaßt wurde. (z.n. Deutschlandfunk, 4.1.1989)

Es ist sehr interessant, was Bronislaw Malinowski 1935 am Ende seines Werkes über die trobriandrische Landwirtschaft schrieb. Im Lichte seiner Analyse zeige sich,

wie vergeblich die Unterscheidung zwischen kommunistischem und Privateigentum ist. Ich hätte durchweg zeigen können, wie jeder Anspruch, jede Beziehung zwischen Mensch und Boden betontermaßen sowohl individuell wie kollektiv ist. (Korallengärten und ihre Magie, Frankfurt 1981)

Malinowski hebt hervor, wie ungeheuer komplex die angeblich „urkommunistische“ Wirtschaft der Trobriander ist – daß hier praktisch alle denkbaren Wirtschaftsordnungen in einer funktionellen Einheit verbunden sind. Dagegen handelt es sich bei den alten anthropologischen Theorien, die den „Wilden“ entweder zum Kommunisten oder zum Prototyp des brutalen Manchesterkapitalisten machen wollen,

um einen schlechten und unklugen Kurzschluß; durchgehend haben wir gesehen, daß das eigentlich Problem nicht im Entweder-Oder von Individualismus und Kommunismus liegt, sondern in der Wechselwirkung kollektiver und persönlicher Ansprüche.

Selbst in unserer Wirtschaft ist nicht alles so eindeutig „kapitalistisch“ wie es manche Ideologen gerne in sie hineindeuten wollen. Man frage z.B. einen Arbeiter, wem die Drehbank gehört, an den er steht. Mit einigem Recht wird er sagen, daß es seine ist, weil er an ihr arbeitet, oder er sagt, sie gehöre dem Chef. Gleichzeitig ist der Arbeiter aber in das Kollektiv des Betriebes eingebunden, genauso wie der Chef von Geldgebern (und selbst der Dreher könnte z.B. Aktien besitzen) und Kunden abhängt, die gewissermaßen auch sagen könnten, ihnen würde die Drehbank gehören. Hier nur die Unterdrückung der „lebendigen Arbeit“ durch das „tote Kapital“ sehen zu wollen, hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Vielmehr geht es darum, diese Beziehungen und Abhängigkeiten, die bioenergetische Spannung wechselseitiger verpflichtungen, weiter so auszubauen und bewußt zu machen, daß unsere Gesellschaft zu einer wahrhaft „sozialen Marktwirtschaft“ wird und nicht nur in der Entsprechung des „psychophysischen Parallelismus“ verharrt.

Eine Lehre, die eine der funktionellen Komponenten des gesellschaftlichen Organismus verwirft, muß ihn umbringen, sollte sie verwirklicht werden. Marx hat das Kapital abschaffen wollen und hat damit zwangsläufig auch jeden Individualismus und jede Initiative erstickt. Wäre er wirklich ein Dialektiker und kein Dogmatiker gewesen, hätte er erkennen müssen, daß dialektisches Denken keine letzte Instanz kennt. Bei ihm war es die Entwicklung der Produktivkräfte, so als hinge dies nicht von der Innovation ab – dem angeblichen „Überbau“ also. Außerdem ist der Marxsche „revolutionäre“ Ansatz a priori gegen die Arbeitsdemokratie gerichtet, während die Orgonomie im Grunde konservativ ist.

Arbeitsdemokratie wurzelt in dem, was die Ahnen geschaffen haben. Das reicht von dem was Pflanzen und Tiere getan haben, „um“ die Erde erst für den Menschen bewohnbar zu machen, bis zu unseren direkten, menschlichen Vorfahren, die uns ihre künstlichen Organe vermacht haben, ohne die wir nackt und dem Tode geweiht wären. Und wo wären wir ohne den einen Menschen, der als erster künstlich Feuer erzeugt hat! Hier haben wir den sehr rationalen Kern der Ahnenverehrung vor uns.

In seiner Massenpsychologie des Faschismusbeklagt Reich:

Woher kommt es, daß von Millionen Autofahrern, Radiohörern etc. nur ganz wenige die Namen der Entdecker des Autos und des Radios kennen, dagegen jedes Kind die Namen der politischen Pestgeneräle kennt?

Und Hans Hass schreibt im Zusammenhang mit seiner Energontheorie:

Sofern wir (…) Häuser, Sessel und Straßen als etwas Gegebenes und Selbstverständliches ansehen, ist uns kaum zu helfen. (…) Das Vorgefundene wird als selbstverständlich angesehen. Was nicht den eigenen Wünschen entspricht, wird zum Impuls für Kritik und Aggression. Betrachten wir indessen, wie alles entstand, dann sehen die Dinge ganz anders aus. (Naturphilosophische Schriften)

Hier gehört auch die Psychopathologie des liberalen Charakters hin, der im Gegensatz zum konservativen Charakter jeden Kontakt zu seinen Ahnen und damit zum Leben verloren hat. Imgrunde kann er nur zerstören. Marx war ein Prototyp dieses gesellschaftlichen Krebses, dessen einzige Lebensperspektive Zerstörung ist.