Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 22)

7. Oktober 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Der Kern der antiautoritären, d.h. letztendlich antigöttlichen oder vielmehr gott-tötenden, satanistischen Gesellschaft ist der Panpsychismus, wie ihn etwa Leon Southgate weitgehend vertritt. Alles ist Psyche, Bewußtsein, alles ist letztendlich du selbst. Das ganze kann man am besten vielleicht mit L. Ron Hubbards Scientology erklären, die letztendlich von Aleister Crowley inspiriert wurde. Die gesamte materielle und energetische Realität ist bloßer Ausfluß der „Thetane“, die sprachlich nicht von ungefähr an „Satane“ erinnern. Dieses Universum ist ein Spiel von Geistwesen, den besagten Thetanen, die sich irgendwann mal auf Spielregeln geeinigt haben. Der Clou dabei ist, daß Thetane nicht nur materielle Dinge postulieren und dergestalt erzeugen können, sondern auch andere Thetane postulieren und dergestalt Thetane erzeugen können, was logisch dazu führt, daß es einen Urthetan gegeben haben muß. Ja, L. Ron Hubbard!

Auf diesen Wahnsinn, diese ultimative Rebellion gegen Gott, an dessen Stelle man tritt, läßt sich jedwede Ausprägung des Panpsychismus reduzieren. Die Welt gesehen mit den magischen Augen des verzogenen „antiautoritären“ Kindes. Auf diesen Wahnsinn läßt sich letztendlich der Trotzkismus, Stalinismus, Maoismus, Rudi-Dutschkeismus etc. zurückführen. Scheiß auf die Wirklichkeit, wir deichseln das schon irgendwie – ICH deichsle das irgendwie, sei das nun die Reorganisierung der Gesellschaft aus der hohlen Hand bei Maos Großem Sprung oder die gegenwärtigen Kindereien der Grünen! Bei den strunzdummen Anhängern des vermeintlich „esoterischen“ New Age „bestellt man etwas beim Universum“. Es ist die geisteskranke Version des „Stirner“, der uns doch ganz im Gegenteil von Gespenstern, den Wahngebilden, die uns versklaven, befreien wollte.

Was ich hier sagen will, hat Charles Konia wie folgt ausgedrückt: „Die Transformation [zur antiautoritären Gesellschaft] war nicht das Ergebnis eines einzigen Ereignisses und geschah nicht über Nacht. Er vollzog sich in Wellen und seine Ursprünge lassen sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten zurückverfolgen. Seine jüngeren Ursprünge liegen in der Schwächung der weltlichen Macht der katholischen Kirche, die auf die protestantische Reformation zurückgeht. Sie wurde von Dostojewskis erschreckender Prophezeiung aus den 1870er Jahren dramatisch vorausgesagt: ‚Wenn Gott tot ist, ist alles möglich.‘“ Wozu Konia anfügt: „Das ist das Mantra unserer antiautoritären Zivilisation, mit linken Progressiven als deren Vorhut. Dostojewskis Prophezeiung hat sich durch die Moral der politischen Korrektheit erfüllt“ (Clueless, S. 62f).

„Wenn Gott tot ist, ist alles möglich“ könnte man auch auf den Kopf bzw. die Füße stellen: „Wenn alles möglich ist, dann ist Gott tot.“ Das ist der nihilistische Kern des so populären „positiven Denkens“, dem „Bestellen beim Universum“, d.h. dem magischen, d.h. satanischen Denken: „Meine Gedanken erzeugen die Wirklichkeit“. Es ist die mystische Essenz des Antiautoritarismus und das ultimative Nein zu Liebe und Sex.

Ergänzung zum 24. Kapitel („Freuds Christusmord“) meines Buches DER VERDRÄNGTE CHRISTUS (Bd. 1)

6. Oktober 2022

Kurz vor Reichs „kommunistischem Engagement“ schrieb Freud am 8. Februar 1927 an die russisch-schweizerische Psychoanalytikerin Mira Oberholzer-Gincburg: „Dr. Wilhelm Reich – ich weiß nicht, ob Sie ihn persönlich kennengelernt haben, – ist einer der tüchtigsten, eifrigsten und strebsamsten Analytiker in Wien, von etwas ungestümem Temperament, ein vortrefflicher Mitarbeiter, 30 Jahre alt… Der junge Mann ist geradezu arbeitsbegierig und etwas berufliche Beschäftigung würde ihm auch psychisch sehr wohltun.“

Sechs Jahre später heißt es dann am 15. Oktober 1933 in einem Brief an den dänischen Psychoanalytiker Sigurd Naesgaard: „Reich ist tüchtig, aber seine Wissenschaftlichkeit ist durch sein kommunistisches Glaubensbekenntnis beeinträchtigt, er ist in manchen Stücken extrem und entfernt sich in anderen weit von den bei uns vorherrschenden Ansichten. Als Apostel hätte ich ihn auch nicht ausgeschickt.“

Hier wird vom Zauberlehrling Freud eine Art blinde Naturkraft („Wilhelm Reich“) heraufbeschworen, die es durch Bändigung („berufliche Beschäftigung“) einzugrenzen gilt und über die er schließlich jedwede Kontrolle verloren hat.

Ich hab das mit „dem Mann Moses“ in Zusammenhang gebracht. Ähnliches ereignete sich 20 Jahre zuvor zu Zeiten von Freuds Trennung von Jung, als Freuds Essay Der Moses des Michelangelo entstand. Gleichzeitig schrieb er sein Zur Einführung des Narzißmus, wo er das Konzept einführt, das schließlich zu seiner Idee vom Über-Ich führen sollte: das Ichideal.

Ilse Grubrich-Simitis hat Freuds Vorarbeiten zur Moses-Studie durchgesehen und ist auf unveröffentlichte Nachträge gestoßen: Stichworte wie „die Idee des großen Mannes“, die Imago des „heldenhaften Sohnes“, „Der große Mann (…) wirft sich selbst zum Urvater-Tyrannen auf oder realisiert die phantasierte Rolle des Heldensohnes oder beides. Moses, Mohammed Beispiel vom ersten, der von Paulus konstruierte Christus vom zweiten.“ (…) „Gottlose können hochmoralisch sein, Fromme aller Verbrechen fähig.“ (…) die Willkür des Urvaters (…) Die rationale Auffassung des Moralischen versäume „dies Moment der Heiligkeit aus der Quelle des Vaterwillens, den mystischen Hintergrund der Ethik“. (…) (Freuds Moses-Studie als Tagtraum, Fischer TB, 1994S. 103f) (…) Das „gesündeste“ Maß an Triebeinschränkung sei „noch nicht gefunden“. (…) (ebd., S. 22)

Die erste Moses-Abhandlung von 1913 ging aus einem Umfeld hervor, in dem es um die Zukunft der Psychoanalyse, das „gesündeste“ Maß an Genitaleinschränkung und um das besagte Über-Ich ging (auch, wenn der Begriff noch nicht existierte).

1908 kam es (vermittelt durch C.G. Jung) zur Bekanntschaft [von Sandor Ferenczi] mit Sigmund Freud. Bereits am 27.4.1908 sprach Ferenczi auf dem 1. Psychoanalytischen Kongreß in Salzburg; sein Vortrag enthält – mit Bezug auf Perspektiven der Psychoanalyse – den Satz: „Die Befreiung von unnötigem innerem Zwang wäre die erste Revolution, die der Menschheit eine wirkliche Erleichterung schüfe.“ (https://d-nb.info/1058512676/34)

Das klingt natürlich verdammt nach Reich, aber Ferenczi begriff schnell und schlug sich solche Flausen schon bald wieder aus dem Kopf! Ernster war schon der Fall Otto Gross, der ebenfalls beim Kongreß in Salzburg anwesend war:

Hier kam es zu einem wenig beachteten, aber folgenschweren Konflikt: Otto Gross, der sich als einer von wenigen Psychiatern schon seit Jahren öffentlich für Sigmund Freuds Lehre eingesetzt hatte, wollte in einem Vortrag gesellschaftspolitische Schlußfolgerungen aus ihr ziehen. Freud, der sich kurz zuvor in seiner Schrift Die „kulturelle“ Sexualmoral und die moderne Nervosität konträr geäußert hatte, setzte dem entgegen, daß dies nicht Aufgabe von Ärzten sei, und sorgte dafür, daß Gross aus der Psychoanalyse gedrängt und aus ihren Annalen getilgt wurde.Einen ähnlich gelagerten Fall gab es in der Psychoanalyse nur noch einmal: den Ausschluß Wilhelm Reichs 1934. (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Gross)

Diese Periode der Konsolidierung der Psychoanalyse wurde 1913 beim psychoanalytischen Kongreß in München abgeschlossen, auf dem sich der Konflikt mit Jung zuspitzte.

Der Spiegel faßte 1970 den Konflikt zwischen Freud und Jung sehr schön zusammen:

Von Anfang an waren die Interessen Freuds und Jungs sehr verschieden. Dem Schweizer Pastorensohn Carl Gustav Jung (…) kam mit Freuds Psychoanalyse zunächst eine „Erleuchtung“; ihm war, als habe er „von den Früchten des Paradieses genossen“. Aber schon in seinem ersten Brief vom 1. Oktober 1906 (…) beharrte er darauf, daß es außer sexuellen Konflikten auch noch andere Ursachen für die Entstehung der Hysterie geben müsse. Drei Jahre später mochte er schon nicht mehr von der Sexualtheorie reden: „Ich glaube, wenn man gewisse Dinge in aller Öffentlichkeit verkündet, untergräbt man die Zivilisation.“

Der 19 Jahre ältere Freud hingegen sah in dem ersten deutschsprachigen Nichtjuden unter den Psychoanalytikern den repräsentativen „Sohn und Erben“. Er kam gar nicht auf die Idee, daß Jung an einer eigenen Version der Psychoanalyse arbeiten könnte. Aber auch als er Anzeichen dafür sah, suchte er ihn zu halten – aus Angst, in der Spaltung könnte die [psychoanalytische] Lehre „dem Antisemitismus zum Opfer fallen“.

Einem Kompromiß, der den [1905 von Freud formulierten] Primat der Genitalität vielleicht abgeschwächt hätte, mochte Freud freilich nicht zustimmen. Denn für ihn ist die Geschichte des Bewußtseins und der Kultur eine Geschichte von Triebverzichten die keineswegs freiwillig zustande kommen. Schon in der frühesten Kindheit hemmen Versagungen und unbewußt verinnerlichte Verbote das triebhafte Luststreben; psychische Defekte wie etwa Neurosen können laut Freud nur geheilt werden, wenn sich der Patient in einer seelenärztlich gesteuerten Analyse diese Konflikte bewußtmacht.

Nicht zuletzt um die Psychoanalyse für die (damals überaus schockierte) Öffentlichkeit „akzeptabler“ zu machen, suchte Jung nach anderen Erfahrungen im Unbewußten. Den Sexual-Trieb drängelte er mit der Theorie eines dominierenden „religiösen Instinkts“ beiseite, und statt auf frühkindliche Sexualerlebnisse stieß er im Unbewußten seiner Patienten auf „Archetypen“: Urbilder und Mythen, die sich in allen Menschen, also „kollektiv“, als Erbe vorfinden lassen sollen. Aber auch Geistererscheinungen beschäftigten ihn – das Mißtrauen Freuds, der ohnehin Religion als „Okkultismus“ verdammte, wuchs. (…)

Als sein einstiger Kronprinz schließlich 1914 die Psychoanalytische Vereinigung verlassen mußte, frohlockte Sigmund Freud: „Ich kann ein Hurra nicht unterdrücken! So sind wir sie denn endlich los, den brutalen heiligen Jung und seine Nachbeter!“ (https://www.spiegel.de/kultur/enthuellte-briefe-a-d7bb1724-0002-0001-0000-000044418244)

Der Kronprinz als „brutaler Heiliger“! Der Mann Moses…

Wie die Emotionelle Pest vorgeht, damals und heute

5. Oktober 2022

Wie die Emotionelle Pest vorgeht, damals und heute

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 13. Der Christusmord nach Johannes / Johannesevangelium

4. Oktober 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 13. Der Christusmord nach Johannes / Johannesevangelium

Die Genealogie der sozialen Orgonomie

3. Oktober 2022

Die Genealogie der sozialen Orgonomie

Arbeitsdemokratie und die beiden totalitären Bewegungen

2. Oktober 2022

Die kommunistische Bewegung, die historisch auf kleine Handwerker zurückgeht, die sich damals gegen den beginnenden Großkapitalismus („Globalisierung“) wehrten, können durchaus als Sprachrohr der Arbeitsdemokratie betrachtet werden, der sich nach 1927 auch Reich anschloß. Das Problem ist, daß die beiden Modjus Marx und Engels dieses Sprachrohr zerstört und in sein Gegenteil verkehrt hatten.

Ähnlich ist es mit der „nationalistischen Rechten“ bestellt, war doch die Nation ursprünglich eine Solidargemeinschaft gegen die Willkürherrschaft des globalistischen Großadels, der seine Völkerschaften wie Viehherden behandelte, die nach Belieben verkauft, aufgeteilt und letztendlich geschlachtet werden konnten. Daß aus dieser Befreiungsbewegung der Hort der Emotionellen Pest und damit der Todfeind der Arbeitsdemokratie wurde, hat die gleiche Ursache wie der Rote Faschismus: die Freiheitsunfähigkeit der Massen, die sie nichtsnutzigen Scharlatanen wie Mussolini, Hitler und Franco hinterherlaufen ließ.

Ähnlich wie alle neurotischen Symptome, wie grotesk sie auch immer seien, nichts weiter als bloße Übertreibungen vollkommen natürlicher Bestrebungen sind, sind auch Kommunismus und Faschismus nichts weiter als Verzerrungen durchaus arbeitsdemokratischer Impulse.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 13. Der Christusmord nach Johannes / Christus bringt das Verderben

1. Oktober 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 13. Der Christusmord nach Johannes / Christus bringt das Verderben

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 21)

30. September 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Wie Charles Konia im einzelnen analysiert hat, leben wir mittlerweile in einer antiautoritären Gesellschaft, d.h. einer Gesellschaft, die sich durch ihre Antihaltung gegen die traditionell gewachsenen Gesellschaften definiert. Ohne Sinn und Verstand, will sagen ohne Beachtung der Faktoren Panzerung und Emotionelle Pest, wurde der stille Ozean „Masse“ aufgewühlt und ist dabei alle Lebensmöglichkeiten in einer Art neuen Sintflut hinwegzufegen. Selbst der „Revolutionär“ Hitler, der Staat und Recht als „jüdische Erfindung“ betrachtete, die die „Darwinistische Biologie“ (bzw. das, was er darunter verstand) einschränke, ließe sich hier einreihen. Stichwort „extinction rebellion“…

Man darf nicht rationalistisch vorgehen, d.h. man darf die Dynamik des „vegetativen Lebens“ nicht außer acht lassen. Nehmen wir die Orgasmusangst. Sie ist nicht Grundlage, sondern Folge der Panzerung (in Die kosmische Überlagerung sieht Reich das wohl anders, aber da hat er auch einen Anknüpfungspunkt für Mystiker geschaffen). Immer wenn die Panzerung nachgibt, gerät „das vegetative Leben“ in Panik, wie ein Krüppel, dem man die Krücken wegstößt. Also muß man bei der Entpanzerung vorsichtig und systematisch vorgehen, damit sich „das vegetative Leben“ nicht vollends abpanzert – der Krüppel sich hinsetzt und nie mehr aufstehen will. Mein Problem ist nun nicht, daß Stirner Schaden anrichten könnte, sondern ob man die Reaktionen auf Stirner, der nun wirklich explizit alle „Krücken“ wegstößt, adäquat bewertet.

Die Gegner Stirners scheinen in ihrem irrwitzigen Haß gegen ihn (ohne zu wissen, was sie wissen) die teuflische Dynamik des Über-Ich-Abbaus erfaßt zu haben. Nur das erklärt diese Dämonisierung Stirners als Anti-Christ. Der Haß ist so groß und so echt, weil er auf eine fatale Weise dem intuitiven Wissen des „vegetativen Lebens“ entspringt. Es ist genau dieser Bereich, den Reich angeschnitten hat, als er von der quasi „Hegelschen“ Entfaltung des „vegetativen Lebens“ sprach; und als er das Orgon in der Natur erforschte, wobei aber die Differentia specifica zu anderen „Lebensenergien“ hervorzuheben ist: radikale Diesseitigkeit und „Pulsation“.

Vielleicht kennzeichnet das Symbol des orgonomischen Funktionalismus („gleichzeitige Gegensätzlichkeit und Identität“) auch die Art, wie Reich mit Stirner „fertiggeworden“ ist. Wobei man eben nicht Stirner mit der Oberfläche einfach gleichsetzen kann. Die Bewahrung der „Eigenheit“ (im Sinne von „Mir geht nichts über mich!“) gehört zur „gnostischen“ Oberfläche, die „Eigenheit“ (im Sinne von „Authentizität“, „Glücksfähigkeit“, „Liebesfähigkeit“) selbst natürlich zum Kern. Dieser ständig präsente „Untergrund“ ungepanzerten Lebens, der immer wieder an die Oberfläche dringt, ist das ominöse „vegetative Leben“.

Dem Geiste Stirners ist das fremd und verdächtig wegen seiner Gegenposition zu Hegel. Hegel wollte den Subjektiven Geist (Egoismus) durch den Objektiven Geist (Ethik) bändigen, auf daß es zur Synthese im Absoluten Geist kommt (Kunst und Philosophie). Das ganze auf der Grundlage des primordialen Reinen Geistes, der im Absoluten Geist seiner selbst bewußt wird. Meine Begrifflichkeit mag vielleicht falsch sein (ich bin wahrhaftig kein Hegel-Kenner), aber das ist so ungefähr der Kern des Hegelianismus. Stirners Gegenspieler Nietzsche hat ähnliches vertreten: das Individuum (Subjektiver Geist) muß durch eine harte Schule (Objektiver Geist), um wahrhaft souveränes Individuum (Absoluter Geist) zu werden. Das genaue Gegenteil von Stirner!

Gleichzeitig ist in diesem „Hegelianismus“ aber auch das Reichsche „Schema der kulturpolitischen Entwicklung“ aus Die sexuelle Revolution angelegt:

Ein Denken, das nicht für ein gnostisches „Ich und die Welt“ steht, sondern für ein „in mir und durch mich entfaltet sich die Welt“. Das ist eben der Punkt: das Absehen von der eigenen Person und die Würdigung „des Ganzen“, des „Weltprozesses“. Reich war davon geprägt. Man siehe insbesondere Die kosmische Überlagerung.

Ich sehe eine der wichtigsten Aufgaben der Auseinandersetzung mit Stirner darin, einen vor gewissen infantilen Wahnvorstellungen zu bewahren. Sich „der orgonomischen Sache“ zu opfern, ist ein Widerspruch in sich selbst: da „die orgonomische Sache“ genau das ist, was Stirner in den Mittelpunkt stellt: Selbstregulierung, Autonomie, Eigenheit, gesunder Egoismus.

Stirner kann also „die Orgonomie“ davor bewahren in einen infantilen Wahn abzugleiten. Umgekehrt kann die Orgonomie „Stirner“ davor bewahren, sich in eine ebenso infantile „Eigenheit“ (im Sinne von: „So, jetzt spiele ich nicht mehr mit!“) zu verrennen. Wenn man Reichs Tagebuch liest, ist man m.E. Zeuge des Kampfes zwischen genau diesen beiden „Infantilismen“ in Reichs Brust. Diese Pulsation zwischen sich der Welt öffnen und „ausströmen“ wollen und dem Bedürfnis sich zu bewahren.

Wie Reich in seinen Tagebuchnotizen schreibt: Man kann sich nicht (a la Epikur) zurückziehen und verstecken: „sie“ erwischen einen doch und tun alles, um einem die Seele kaputt zu machen. Man kann dasitzen und nichts tun: „sie“ fühlen sich immer provoziert. Man könne nur kämpfen, ob man will oder nicht. Stirner war ein Einzelkämpfer (der sich nach Mitkämpfern sehnte), Reich sah sich mehr als jemand, der „das vegetative Leben“ hinter sich hatte, also jenes, was sich in der Ausdruckssprache des Lebendigen ausdrücken will. Der eine war extremer „Antihegel“, der andere war (nein, kein auf die Füße gestellter, sondern) ein „entpanzerter Hegel“.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 20)

29. September 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Würdest du dein Leben in einem zigtausendseitigen Monumentalroman in allen kleinsten Einzelheiten beschreiben, fehlte, selbst wenn der Roman wirklich alles enthielte, eines – du selbst! Allenfalls ein sensibler Leser könnte dich in der Art wie du schreibst und dich ausdrückst, also durch deinen „Gestus“, den Unfaßbaren, den Ungreifbaren, den Unnennbaren, als immerhin unverwechselbar festmachen. Oder anders gesagt: du kannst dich nur im sozialen Verkehr ausdrücken (die Ausdruckssprache des Lebendigen) – in dem Verkehr, der Ursprung deines Bewußtseins ist. Jede andere Auffassung vom Bewußtsein endet früher oder später im Mystizismus.

Die Mär von der Selbstgewißheit und Cogito ergo sum ist Unsinn, denn, wie Nietzsche gesagt hat: das „du“ ist älter als das „ich“. Ich muß erst einen Gegenstand, etwa einen Tisch, wahrnehmen, bevor ich sekundär darauf schließen kann, daß ich wahrnehme. Die Rückwendung der Wahrnehmung gegen das Selbst ist der Beginn der Selbstentfremdung (Panzerung), wie Reich in den Schlußkapiteln der Charakteranalyse und Die kosmische Überlagerung gezeigt hat.

Wiederholt haben „Stirnerianer“ mit dem „Solipsismus“ gespielt, das dürfen sie aber nicht einmal im Scherz tun, da er das exakte Gegenteil dessen ist, wofür Stirner steht, d.h. die komplette Selbstentfremdung und damit Fremdbestimmung.

Wenn ich sage, daß unser Bewußtsein durch und durch ein soziales Phänomen ist, öffne ich damit durchaus nicht dem Über-Ich die Hintertür („fremde Stimme in meinem Kopf“), sondern ich stelle die Befreiung des Selbst erst auf eine feste Grundlage. Denn, wie Reich in Der triebhafte Charakter und im Schlußkapitel der Charakteranalyse (bzw. zwischen diesen Wegmarken) gezeigt hat, sind „die fremden Stimmen im Kopf“ bzw. das „Über-Ich“ eine Funktion des Solipsismus (okulare Panzerung).

Wechseln wir die Perspektive: Die „anderen“ haben mir gar nichts zu sagen, aber sie erkennen, wenn meine Ausdruckssprache des Lebendigen blockiert ist. Diese „anderen“ sind entweder meine Freunde (der Stirnersche „Verein“) oder wohlgesinnte, „interesselose“ Fremde – z.B. mein Orgontherapeut. Der Rest „der anderen“ geht mich nichts an und soll mich gefälligst in Ruhe lassen!

Die „Charakteranalyse“ des Ukraine-Konflikts

28. September 2022

In der Ostsee wurden mit ein paar Sprengladungen durch einen staatlichen Akteur, niemand sonst besitzt die dafür notwendige Technik und Expertise, Deutschlands Zukunft in die Luft gejagt und zwar irreparabel. Wie das einordnen?

Man muß immer berücksichtigen, was wirklich vor sich geht, jenseits der Berichterstattung durch die Schreiberlinge der Staatsmedien und Public-Relations-Abteilungen der Großkonzerne, die sogenannte „freie Presse“. Was nötig tut ist eine Art „Charakteranalyse“, die die Schalen der vermeintlichen Realität nacheinander von außen nach innen abschält wie bei einer Zwiebel. Vordergründig haben wir gegenwärtig einfach einen Krieg zwischen der Ukraine und Rußland. Auf einer tieferen Ebene ist die NATO beteiligt, die man sowohl historisch als auch militärisch auf die USA und Deutschland beschränken kann – siehe unten. Aber letztendlich ist es eine US-Operation, um sowohl Rußland als auch, was noch wichtiger ist, Deutschland zu zerstören. Wie das Wall Street Journal vor einigen Monaten in einem merkwürdig wenig in Deutschland beachteten Artikel titelte: „Is Germany a Reliable American Ally? Nein“ Amerika und Deutschland haben einfach nicht die gleichen Interessen. Dies ist der tiefste Kern des vermeintlichen „Ukraine-Konflikts“ – ganz ähnlich wie bereits im Zweiten Weltkrieg. Alles andere ist nur Zeitungsgeschwätz für die Massen.

Kein Mensch kauft freiwillig irgendein amerikanisches Produkt, etwa eine Waschmaschine oder ein Auto! Amerika erhält seine Wirtschaft ausschließlich mit Hilfe seines Militärapparats am Leben. Das hat zwei Aspekte:

  1. Es ist ganz ähnlich wie der sowjetische „Kriegskommunismus“, den Trotzki eingeführt und Stalin fortgeführt hat. Der militärisch-industrielle Komplex ist nicht nur der treibende Faktor, sondern das Vorbild der Wirtschaft. Man denke nur an all die „Kriege“, etwa gegen den Krebs, den Nixon initiiert hat, oder jetzt das Infrastruktur-Programm, das Stalin vor Neid hätte erblassen lassen. „Amerikas beschämender Mangel an Einhaltung der Gebote der Verfassung hat den kapitalistischen Kriegsstaat entstehen lassen.“ (https://ctmirror.org/2021/07/01/the-u-s-has-become-a-war-capitalist-state/) und
  2. Der US-Dollar wird vom US-Militär gestützt, und jedes Land, das versucht, dieses System zu verlassen, indem es den Petro-Dollar ablöst oder zu einer goldgedeckten Währung übergeht, wird unter irgendeinem Vorwand (etwa „Menschenrechte“) militärisch zerschlagen.

Die Ukraine ist nur eine weitere Operation, um den amerikanischen Kapitalismus zu retten und Deutschland als Konkurrenten ein für alle Mal zu zerstören, indem

  1. jede Verbindung zwischen Deutschland und Rußland gekappt wird und
  2. unsere heilige Heimat weiter destabilisiert und in wirklich jeder Hinsicht entkernt wird.

Das alles wurde 2014 vom CIA in Gang gesetzt, als die rechtmäßige aber rußlandfreundliche Regierung der Ukraine im Namen von „Demokratie und Rechtstaatlichkeit“ gestürzt wurde und uns durch die schleimigen Medienhuren in rührseligen Bildern irgendwelche vermeintlichen „orangen Revolutionäre“ präsentiert wurden:

Es war nichts weniger als ein Staatsstreich, angeführt von den Vereinigten Staaten mit Unterstützung der Europäischen Union und durchgeführt ohne jegliche Rechtsgrundlage, gegen eine Regierung, deren Wahl von der OSZE als „transparent und ehrlich“ qualifiziert worden war und die „eine beeindruckende Demonstration der Demokratie geboten hatte“. Im Dezember 2014 sagte George Friedman, Präsident der amerikanischen geopolitischen Geheimdienstplattform STRATFOR, in einem Interview: „Rußland bezeichnet das Ereignis, das zu Beginn dieses Jahres [im Februar 2014] stattfand, als einen von den USA organisierten Staatsstreich. Und in der Tat war es der krasseste [Putsch] in der Geschichte.“ (https://www.transcend.org/tms/2022/08/the-hidden-truth-about-the-war-in-ukraine/)

Es ist auch bemerkenswert, was Friedman (sozusagen „der amerikanische Alexander Dugin“) 2015 über Deutschland sagte:

Laut dem STRATFOR-Vorsitzenden George Friedman, der die US-amerikanische Sicherheits- und Geheimdienstgemeinschaft berät, sehen die USA zwar Rußland als Bedrohung, aber auch Deutschland als potentielle Bedrohung. In seiner Februar-Rede vor dem Chicago Council on Global Affairs erklärte Friedman, das vorrangige Interesse der USA bestehe darin, eine Koalition zwischen Deutschland und Rußland zu verhindern, da nur die Kombination von deutschem Kapital und deutscher Technologie mit russischen natürlichen Ressourcen und Arbeitskräften der amerikanischen Dominanz entgegenwirken könne. Da es das Ziel der NATO ist, „die Russen draußen, die USA drinnen und die Deutschen unten zu halten“, verstärken die USA jetzt die NATO und konzentrieren sich auf die Errichtung eines „Cordon sanitaire“ oder einer Pufferzone (…) in Mittel- und Osteuropa vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer, um Deutschland von Rußland zu trennen. (https://www.ispsw.com/wp-content/uploads/2016/08/440_Lin.pdf)

Aber zurück zum Artikel im Wall Street Journal. Ich zitiere, wie gesagt von Anfang dieses Jahres (23. Januar 2022), also unmittelbar vor dem Krieg:

Angesichts des drohenden Einmarsches von Wladimir Putin in die Ukraine versuchen die meisten westlichen Verbündeten, Kiew zu unterstützen und die schwachen Mitglieder der Nordatlantikvertragsorganisation zu beruhigen. Deutschland verfolgt einen anderen Ansatz und stellt russische Interessen über die des Westens.

Berlin offenbart eine ernste Realität: Angesichts der beiden größten Sicherheitsbedrohungen für Amerika und für die demokratische Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg – China und Rußland – ist Deutschland kein glaubwürdiger Verbündeter mehr. Für Deutschland scheinen billiges Gas, Autoexporte nach China und die Beruhigung von Herrn Putin wichtiger zu sein als die demokratische Solidarität der Verbündeten. Das Schicksal der Ukraine wird Deutschland eine schwere Last der Verantwortung aufbürden.

Das übliche Drücken auf die Tränendrüse, die übliche einfach nur widerliche Sentimentalität, die sofort aufhört, wenn es um die EIGENEN Interessen geht… Gut, nicht zuletzt wegen den Grünen mental herausgeforderten Deutschlandfeinden in der Regierung („feministische Außenpolitik“) kann sich das Sprachrohr des amerikanischen Großkapitals mittlerweile wieder beruhigen, Deutschland bleibt auf transatlantischer Linie, aber der Wall Street Journal-Artikel zeigt perfekt, worum es im Untergrund, in den „charakteranalytischen“ Tiefenschichten wirklich geht, was die Akteure wirklich motiviert.

Dies ist ein Krieg der USA gegen Deutschland. Jetzt wurden Nord Stream 1 und 2 zerstört.

Daß die USA ein großes Interesse daran haben, russische Rohstofflieferungen nach Deutschland auch langfristig zu verhindern, steht außer Frage. Die USA sind kurz davor, Europas größter LNG(Flüssiggas)-Lieferant zu werden. Die Milliarden Euro, die bis zum letzten Jahr für Energielieferungen nach Rußland gingen, gehen jetzt zu einem großen Teil in die USA. Da LNG deutlich teurer als leitungsgebundenes Erdgas ist, hat dies natürlich Auswirkungen auf die europäischen Energiepreise. Europa ist nicht mehr konkurrenzfähig. Sowohl Gas als auch Strom sind in den USA ungefähr um den Faktor zehn preiswerter als in Deutschland und die USA nutzen diese Preisvorteile bereits massiv, um deutsche Unternehmen zur Verlagerung ihrer Produktionskapazitäten über den Atlantik zu bewegen. (https://www.nachdenkseiten.de/?p=88560)