Posts Tagged ‘Charakter’

Blogeinträge April 2012

26. Oktober 2017

Zur Ergänzung des gestrigen Blogeintrags: Charles Konia verkörpert den orgonomischen Funktionalismus. Es sei insbesondere auf den letzten Beitrag in folgender Reihe verwiesen:

Blogeinträge April 2012

  • Es sind die Menschen
  • Wie die politische Rechte das Unmögliche verspricht
  • Hat der Mensch, insbesondere der Mann, ein tiefverwurzeltes Bedürfnis gewalttätig zu sein?
  • Die politische Rechte ist für die Linke kein ernstzunehmender Gegner
  • Teile und herrsche: Die Emotionelle Pest am Werk
  • Die Probleme, die Menschen beim Erkennen der Emotionellen Pest haben
  • Die Quelle der Popularität von Barack Obama
  • Das übliche Verständnis von „Charakter“ reicht nicht aus
  • Die Rolle des Panzers bei Sprechstörungen
  • Um die Biologie zu verstehen, ist funktionelles Denken notwendig

 

Kommentar zu „Es sind die Menschen“:

Robert (Berlin) 2013: Paul Craig Roberts: Obama könnte die Schuldenkrise zur völligen Machtergreifung nutzen

Paul Craig Roberts, der frühere Staatssekretär im Finanzministerium unter Präsident Ronald Reagan, warnte, Präsident Barack Obama könnte die Krise im Zusammenhang mit der Schuldenobergrenze dazu benutzen, sich durch die Ausrufung des Staatsnotstandes und über Präsidialdirektiven, die angeblich einen Wirtschaftszusammenbruch verhindern sollen, praktisch eine absolute Machtposition zu verschaffen.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/paul-joseph-watson/paul-craig-roberts-obama-koennte-die-schuldenkrise-zur-voelligen-machtergreifung-nutzen.html

Kommentar zu „Wie die politische Rechte das Unmögliche verspricht“:

Peter: An der Diskussion um die Kinderkrippen läßt sich ablesen, daß in Europa das soziopolitische Spektrum weit nach links verschoben ist und die politische Kultur flächendeckend von Roten Faschisten dominiert wird. Bei den „Grünen“ wirken Ansichten, die auf einen Kontakt mit dem bioenergetischen Kern hinweisen, als kämen sie von Marsmännchen: fremd und exostisch bizarr.

Grüne kritisiert Familienpolitik der eigenen Partei

Hier mehr über die rote Entartung und die rote Zersetzungsarbeit in unserer Gesellschaft:

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-der-gesellschaftszerstoerungsmodus-ist-im-vollen-gange/8966354.html

Kommentare zu „Die politische Rechte ist für die Linke kein ernstzunehmender Gegner“:

Robert (Berlin): Das passt sehr gut auf die heutigen Pseudo-Liberalen, die Grünen und ihnen nahestehende.

O.: Ich frage mich, wo Konia in seinem Land die Linken hernehmen möchte? Das Amerika von jeher von der emotionellen Pest regiert wird, ist banal, aber woher kommen die Linken? Oder anders gefragt, seine edlen Rechten, woher kommen die? Ganz viele Ufos müssen in den USA gelandet sein und solche Kreaturen mitgebracht haben.
Mir scheint als würde Konia rechte emotionell Pestige zu Linken machen wollen und seine edlen Rechten kommen aus einem Klonlabor. Mag ja sein, dass Obama im linken Gewand herkommt, doch sein Vater war in der rechten CIA, die die „guten“ Nazis aus dem 3. Reich aufnahm, weil sie ihre Technik und ihr Spionagewissen wollten. Grüne sind in den USA ein europäisches Kuriosum gewesen, um dass uns einige beneidet hatten, die KP war eine Randerscheinung. Eine Großdemo bestand in den Achtzigern aus 10 Leuten, die im Kreis mit einem Plakat in der Hand liefen, in Deutschland hätte man sie für eine kleine religiöse Sekte gehalten.

Kommentare zu: „Teile und herrsche: Die Emotionelle Pest am Werk“:

Peter: Gerade in der heutigen BILD-Zeitung gelesen: „Hamburg kämpft gegen Rechts!“ Also gegen die Hälfte der Bevölkerung und den Großteil der Steuerzahler?! Und dieses Drecksloch soll eine „Demokratie“ sein?! Nein, mit einem neuen Programm, das mal so eben 500 000 Euro kostet (ein Klacks für die restlos überschuldete Hansestadt, die für die existentiellen Bedürfnisse ihrer steuerzahlenden Bürger kaum einen Cent übrighat!), will Sozialsenator Detlef Scheele (57, SPD) unsere Stadt vor dem „Rechtsextremismus“ schützen. Die Zahl der Hamburger, die rechtsextremen Organisationen angehörten, ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr von 440 auf 330 gesunken. Ähh, das macht mehr als 1500 Euro pro Kopf! Ich kommentiere das mal lieber nicht…
Wer schützt uns vor…

O.: Endlich wurde der Hamburger Verfassungsschutz personell verkleinert, finde ich gut!

O.: Divide et impera (lat. teile und herrsche):
Konia nimmt hier (kaum unbewußt) auf Machiavelli Bezug und verfolgt selbst unverkennbar dieses Prinzip, in dem er in gut und böse aufspaltet bzw. Fronten stilisiert in der amerkanischen Parteilandschaft Selbiges Prinzip spielte sich im „Kalten Krieg“ ab und man kann nur eine dritte (verborgene und manipulierende) Kraft dahinter vermuten (und erkennen). Dies ist eine elegante Kriegstaktik, die ständig verwendet wird und kann nur mir dem „Werk der emotionellen Pest “ beschrieben werden. (Nur) im Titel ist Konia korrekt.
Auch Konias Buchtitel „Neither .. Nor …“ verspricht er dieses Teufelsprinzip aufzuheben, dem er aber inhaltlich nicht folgt. Von daher macht er sich unglaubwürdig für mich.
Würde ich politisch agieren wollen und in den Krieg ziehen (lassen), würde ich die von Machiavelli durchschaute Taktik anwenden wie die Charakteranalyse. Ebenso ist sie in Betrieben die „neue“ beliebte Methode, um die Globaliseriungsdoktrin gegen die gespaltenen Arbeitnehmer gnadenlos durchzusetzen. Auch hier kann sie nicht anders als emotionelle Pest genannt werden und verdient in der Bekämpfung keine Gnade, kennt man nicht ein besseres Gegenmittel.
siehe auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Teile_und_Herrsche
und
https://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli

Peter: Siehe den Abschnitt über Machiavelli S. 25 bis 27 in:

Peter: Konia hat 150%ig Recht: die USA werden von Roten Faschisten regiert, die ganz offen mit Terror drohen:

Droht US-Außenminister Kerry Israel mit Terror?

Statt die Emotionelle Pest zu bekämpfen, kooperieren pestilente Charaktere (Kommunisten) wie Obama und Kerry mit ihr. Und das schlimme ist, daß Kerry mir so etwas durchkommt, ohne das er einen Proteststurm erntet.

Kommentar zu „Die Quelle der Popularität von Barack Obama“:

Robert (Berlin): „Obama und die meisten, wenn nicht alle seine Anhänger, haben daher Kontakt mit einander durch ihre oberflächlichen und mittleren Schichten.“

Also Wut, Sadismus und Perversionen der mittleren Schicht und die reaktive Rationalisierung der oberflächlichen Schicht mit ihrer Intellektualisierung („Gerechtigkeit“, „Gleichheit“).

Kommentar zu „Die Rolle des Panzers bei Sprechstörungen“:

Robert (Berlin) 2012: Die Rolle der Emotionen wird beim Stottern vollkommen übersehen oder sogar als Störfaktor gesehen. Rein mechanische Methoden mit Handübungen oder Tonübungen sollen Erfolg bringen. Es ist allen Stotterern bekannt, wenn sie sehr wütend sind und es dann nicht unterdrücken, stottern sie nicht. Ebenso wenn sie singen oder eine schauspielerische Rolle spielen.

Kommentar zu „Um die Biologie zu verstehen, ist funktionelles Denken notwendig“:

Robert (Berlin): Erinnert ein bißchen an „Schöne, neue Welt“ von Huxley, wo die Emotionen chemisch gesteuert wurden.

Der verirrte Wilhelm Reich

5. Juni 2017

Die Kultur ist (…) auf Triebverzicht aufgebaut, und jedes einzelne Individuum soll auf seinem Wege von der Kindheit zur Reife an seiner Person diese Entwicklung der Menschheit zur verständigen Resignation wiederholen. Die Psychoanalyse hat gezeigt, daß es vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, sexuelle Triebregungen sind, welche dieser kulturellen Unterdrückung verfallen. (Freud: Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung, 1924)

Das schrieb Freud zu genau jener Zeit, als Reich seine Orgasmustheorie formulierte und seine Charakteranalyse zu entwickeln begann, bei der es um die Auflösung der Kultur („Charakter“) geht.

Marx‘ Theorie läßt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts [zwischen Basis und Überbau] bewußt werden und ihn ausfechten. (Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie, 1859)

Und hier wären wir wieder bei Freud, denn das obige Freudzitat hat einen Vorspann:

Wenn man von wenig bekannten inneren Antrieben absieht, so darf man sagen, der Hauptmotor der Kulturentwicklung des Menschen ist die äußere reale Not gewesen, die ihm die bequeme Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse verweigerte und ihn übergroßen Gefahren preisgab. Diese äußere Versagung zwang ihn zum Kampf mit der Realität, der teils in Anpassung an dieselbe, teils in Beherrschung derselben ausging, aber auch zur Arbeitsgemeinschaft und zum Zusammenleben mit seinesgleichen, womit bereits ein Verzicht auf mancherlei sozial nicht zu befriedigende Triebregungen verbunden war. Mit den weiteren Fortschritten der Kultur wuchsen auch die Ansprüche der Verdrängung. Die Kultur ist doch überhaupt auf Triebverzicht aufgebaut…

Freud und Marx passen gut zusammen, aber was ausgerechnet Reich hier zu suchen hat, erschließt sich mir nicht ganz. Hat doch Reich selbst 1936 im linkssozialistischen Organ Kamp og Kultur konstatieren müssen:

Bisher hat der Sozialismus als kulturelle Bewegung Schiffbruch erlitten, weil er die gleiche Angst mit dem Konservatismus geteilt hat und an die inhärente Unvereinbarkeit von Sexualität und Kultur glaubte. (z.n. Max Hodann: History of Modern Morals, S. 319)

Handel und sekundäre Schicht

19. April 2017

Reich hat den Charakter des Menschen in den zentralgelegenen produktiven und rationalen bioenergetischen Kern (erste Schicht, die „Natur“ des Menschen) und die soziale Fassade (dritte Schicht, die „Persönlichkeit“ des Menschen) aufgeteilt, die diese Impulse nach außen vermittelt. Ähnlich wie beim Entoderm und Ektoderm sich das Mesoderm (weitgehend die Muskulatur) schiebt, kommt bei der biopsychischen Struktur als weitere Schicht, die mittlere Schicht hinzu. Sie bestimmt den Charakter des Menschen, also die Art und Weise, wie er seine Energie bindet und freisetzt. Ist er gepanzert, d.h. ist die Muskulatur je nach Charakter chronisch verspannt und das Verhalten entsprechend irrational, spricht man von der sekundären Schicht. Die zweite Schicht wird zum Hort der sekundären Triebe.

Im Nationalsozialismus gab es eine zentrale Auseinandersetzung über die Stellung des Handels. Die einen sahen im Handel etwas „typisch Jüdisches“: der Jude würde das „verschachern“, was andere produziert haben, und daraus einen ungerechtfertigten Profit schlagen. Eine ausbeuterische Schicht schiebe sich zwischen Produzenten und Konsumenten. (Dagegen wurde von anderen Nationalsozialisten voller Empörung der ehrbare „deutsche Kaufmann“ angeführt.) Ein entsprechendes Sentiment fand sich in der gegen den „kosmopolitischen“ Westen gerichteten Propaganda der „DDR“. Ähnlich hat auch Jerome Eden Ende der 1970er Jahre argumentiert, als er sich mit dem Direktmarketing von damals aktuellen „grünen“ Produkten beschäftigte und den Einzelhandel mit der mittleren Charakterschicht gleichsetzte, die dem System Energie entziehe, es sozusagen „besteuere“. Ähnliche Gedanken finden sich bei vielen „Direktvermarktern“, etwa Leuten, die direkt beim Biobauern kaufen, Konsumgenossenschaften, etc. Mit den Möglichkeiten, die das Internet für die Direktvermarktung geschaffen hat, ist das ganze topaktuell.

Diese Vorstellungen haben etwas für sich. Man kann den Handel in der Tat mit der zweiten Schicht funktionell gleichsetzen, muß dabei aber die durchaus rationale mittlere Schicht von der irrationalen sekundären Schicht unterscheidet. Die mittlere Schicht kanalisiert einfach die Energie. Der Mensch zeigt „Charakter“ („Charakter“ hier durchaus in der überkommenen Begrifflichkeit!). Genauso ist es mit dem Handel. Ich kaufe für meinen täglichen Bedarf immer im größten Supermarkt Norddeutschlands ein, weil ich es schätze 100 000 einzelne Produkte in überschaubarer, wohlüberlegter und ansprechender Form und garantierter Qualität präsentiert zu bekommen, darunter auch exotische Spezialitäten, auf die ich alleine nie kommen würde. Für diesen Service zahle ich gerne die in dieser Branche ohnehin lächerlich geringe Handelsspanne. (Außerdem gibt es dort im Gegensatz zum Discounter keine Türken und keine deutschen Asozialen, aber das ist ein anderes Thema…) Die irrationale Seite des Handels (sekundäre Schicht, sekundäre Triebe) zeigt sich beispielsweise darin, daß man sich nach den billigeren, aber nicht unbedingt schlechteren Marken grundsätzlich bücken muß und die Produkte so aufgestellt sind, daß willensschwache („charakterlose“) Menschen zu sinnlosen, aber für das Geschäft profitablen Konsum angestachelt werden. Dieser Aspekt zeigt sich insbesondere in der Fernsehwerbung. Wenn etwa für Erfrischungsgetränke und Süßigkeiten geworben wird, wirkt das, als würben sie für Kokain oder ähnliches.

Münster: Gott ist tot und die letzten Menschen blinzeln

1. Februar 2017

Gestern postete Robert dankenswerterweise einen Link zur „Erinnerungskultur“ in diesem gottverlassenen Scheißland: http://www.journalistenwatch.com/2017/01/31/terroranschlag-breitscheidplatz-den-opfern-einen-namen-geben/

Dort geht es darum, daß das Politikerpack aus wahltaktischen Gründen nicht will, daß das von ihnen so bezeichnete „Pack“, die deutsche Wahlkartoffel, allzusehr emotionalisiert wird und auf dumme Gedanken kommt.

Zweifellos ist das alles so richtig beobachtet, aber ich möchte den Blick tiefer richten auf die massenpsychologischen Aspekte. Es trifft sich gut, daß ich, wenn ich durch das wintertrübe westfälische Münster gehe, an „Wilsberg“ denken muß oder an den „Münster-Tatort“. Was mich dabei beklemmt, ist das Gefühl, daß das Fernsehen, die Fiktion, in einer gewissen Hinsicht realer ist als die Wirklichkeit. Die letztere ist rein fassadär, will sagen: im Film dringen die Protagonisten tatsächlich durch die Häuserfassaden, hinter denen die Menschen leben, und vor allem: im Film haben die Menschen einen Charakter, sind Unikate, während im realen Leben die Menschen immer austauschbarer werden, Fensterpuppen. Ich bin alt genug, um in der Rückschau zu sehen, daß früher die Menschen zu einem Gutteil wirkliche „Charakterköpfe“ waren, interessant, mit Biographien, mit einem Innenleben. Heute sehe ich nur Zombies. Je jünger desto leerer und austauschbarer. Es ist so, als wenn die Menschen nur noch Fassaden wären; nur noch Oberfläche ohne Tiefe, ohne Inhalt.

Man vergleiche die heutigen Politiker mit einem Kiesinger, Adenauer, Strauß, Wehner, Brandt oder Schmidt! Die ersteren sind gar keine Menschen mehr, sondern nur Chimären, Geister, Pappkameraden. Sie spiegeln getreulich das wider, was in den Massen geschieht: Es gibt kein Leben mehr hinter den Häuserfassaden, denn die Menschen schauen Wilsberg oder den Münster-Tatort, wo sie wirkliche Charaktere, etwa Ekki oder Professor Boerne, mit einer Faszination bewundern, deren Ursprung sie nicht benennen können. Auf der Straße begegnet man solchen Charakteren nie, sondern emotionalen Neutren ohne Innenleben.

Wegen dieser allgegenwärtigen Leere kommt den demokratischen Eliten, den Politikern, gar nicht in den Sinn, daß da auf dem Berliner Weihnachtsmarkt MENSCHEN auf grausamste Weise zerfetzt und zerquetscht wurden, unendlich bedeutsame Biographien, ganze Universen des Innenlebens ausgelöscht wurden. Es ist alles nur Fassade. Gott ist tot, der bioenergetische Kern ist erloschen. Tote Augen blicken uns an, während tote Münder irgendwelche bedeutungslosen Laute absondern.

Schreibe und Charakter

11. August 2016

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Schreibe und Charakter

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 5.b.

30. März 2016

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

3. Reichs „Freudo-Marxismus“

4. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

5. Reichs Biophysik

a. Biologie

b. Physik (Vorbemerkung)

Sekundärtugenden

15. Februar 2016

Drei Zeitungsmeldungen eines Tages:

  1. Der „Hass-Islamist“ Harry M. alias „Isa Al Khattab“ aus Pinneberg bei Hamburg bedroht auf seiner Weltseite „Islamic Hacker Union“ den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde: der „dreckige Jude“ solle aufpassen, „daß Allah dich nicht schon im Diesseits straft mit dem Tod. Das ist keine Drohung von mir, sondern Allah dem Allmächtigen.“ Der junge Hacker ist vor einem Jahr zum Mohammedanismus konvertiert.
  2. In Köln ärgerte sich ein Autofahrer dermaßen über einen Bagger, der auf der Straße im Weg stand, daß er ausstieg und dem Baggerfahrer (49) ins Gesicht schlug. Anschließend verprügelte er einen weiteren Bauarbeiter (33) mit einer Schaufel, um danach mit seinem Handy Verstärkung zu rufen. Bis die Polizei endlich kam, drosch die zusammengerufene Bande mit Eisenstangen und Kabeln auf die anwesenden Bauarbeiter ein.
  3. In Brüssel wurden zwei Franzosen, die sich bei einem Autounfall leichte Blessuren zugezogen hatten, in einem Krankenhaus behandelt. Als die Mediziner weg waren, stahlen die Männer eine Handtasche und flüchteten dann mit einem Krankenwagen.

Der alltägliche Wahnsinn, der Zerfall der westlichen Zivilisation im Mikrobereich des Alltags. Feuerwehrleute, die angegriffen werden, wenn sie einen Brand löschen wollen. Ambulanzen, die gestohlen werden, während die Sanitäter den Notfallpatienten aus seiner Wohnung hohlen. Lehrer, die buchstäblich Angst um ihre Leben haben. Bundesweit haben junge Frauen nachhaltig die Feierlaune verloren.

Letztendlich ist es egal, wer „die Mächtigen“ sind und was sie tun. Wichtig sind einzig und allein die Massen. Wichtig ist allein, die Charakterstruktur der überwiegenden Mehrheit der Menschen. Zivilisation ist nur möglich, wenn die Menschen einen gewissen Spannungsbogen ertragen können, sie „frustrationstolerant“ sind und ein Mindestmaß von Vernunft zeigen. Das, und allein das, machte und macht den Erfolg von Weltregionen wie Europa (inkl. seiner Ableger auf fremden Kontinenten, etwa Australien), China, Korea und Japan aus.

Durch eine Erziehung, die für derartige „Sekundärtugenden“ nichts als Verachtung übrig hat und die dazu komplementäre Masseneinwanderung von Menschen, deren Frustrationstoleranz und „Vernunft“ gegen Null tendiert, sind wir zunehmend mit Massen konfrontiert, mit denen man schlichtweg „keinen Staat mehr machen kann“.

„Reichianer“ haben auf das Geschehen eine genauso einfache wie ganz offensichtlich falsche Antwort parat: die „bürgerliche Fassade“ breche zunehmend weg und die „mittlere Schicht“ der Charakterstruktur würde zum Ausdruck kommen, d.h. Perversion und Chaos, aber das sei nur eine kathartische Übergangsperiode und letztendlich werde der rationale Kern zum Vorschein kommen.

Was für ein Quatsch! Kann jemand wirklich ernsthaft glauben, daß das Ausagieren sekundärer Triebe in irgendeiner Weise „heilsam“ ist? (Es ist in der Orgontherapie vollkommen gleichgültig, daß der Patient etwa im Straßenverkehr einen Tobsuchtsanfall bekommen kann. Wichtig ist, daß sich die Wut auf der Matraze und mit Kontakt entlädt.) Glaubt wirklich jemand, außer vielleicht er ist Anhänger von Herbert Marcuse, daß aus dem Zerfall der Gesellschaft mehr erwachsen kann als – nur noch mehr Zerfall?

Wir leben gegenwärtig in einer Welt, in der jeder seine vermeintliche „Individualität“, seine „Persönlichkeit“ und seine „Identität“ ausleben will. Was dabei vollkommen unter die Räder gerät ist das, was man früher „Charakterstärke“ genannt hat: die Fähigkeit sich selbst zurückzunehmen, die eigenen Interessen hintanzusetzen, sich selbst infrage zu stellen und nach der Goldenen Regel zu leben, was vor allem Selbstkontrolle bedeutet.

Werden diese Funktionen rigide, haben wir es mit dem triebgehemmten Charakter zu tun, lösen sie sich auf, mit dem triebhaften Charakter. Beide sind unfähig sich selbst zu regulieren, doch immerhin kann der erste Rudimente der Arbeitsdemokratie aufrechterhalten, während sie in den Händen des letzteren im Chaos versinkt.

Leider glauben die antiautoritären Volksbefreier, daß in der systematischen Zerstörung der „Sekundärtugenden“ das Heil aufkeimt.

Die Rolle der Mittleren Schicht in unserem Leben

18. Januar 2016

Es gibt kaum etwas Gruseligeres als Menschen, die die Orgonomie grundlegend mißverstanden haben. Beispielsweise ist Panzerung eben nicht das Schlechte oder gar Böse per se, sondern sie erfüllt eine lebenswichtige Aufgabe – sonst würde es sie gar nicht geben. Schizophrene leiden unter einem Mangel an Panzerung, was den Körper dazu zwingt im okularen Bereich zu kontrahieren und jede bioenergetische Erregung zu drosseln. Ähnliches beobachten wir heute bei einem Gutteil der „orientierungslosen Jugendlichen“.

Was ist Panzerung überhaupt? Sie beruht auf unserer Fähigkeit unangenehme Außenreize abzublocken, etwa wenn wir es auf einer Party mit sehr unangenehmen Menschen zu tun haben und „zumachen“. Umgekehrt können wir durch den gleichen Mechanismus auch verhindern, daß unsere wahren Impulse, beispielsweise einem besonders widerwärtigen Partygast eins in die Fresse zu hauen, nicht durchbrechen. Wir haben uns „unter Kontrolle“. Das ist die Rolle der „Mittleren Schicht“, die sich zwischen unseren bioenergetischen Kern und unsere soziale Fassade schiebt.

Das Drama fängt an, wenn diese Mittlere Schicht wegfällt: wir werden, ähnlich wie der Schizophrene, Spielball der Umwelt und unserer eigenen unberechenbaren, spontanen Impulse. Wir sind schlicht nicht überlebensfähig!

Ähnlich schlimm ist es, wenn die Mittlere Schicht erstarrt und sozusagen „automatisch“ wird. Dann können wir uns auch bei angenehmen geselligen Zusammenkünften nicht mehr öffnen und unsere Gefühle auch dann nicht zum Ausdruck bringen, wenn es angebracht ist. Das ist das Schicksal des innerlich erstarrten, triebgehemmten Charakters, bei dem sich die rationale Mittlere Schicht in eine irrationale Sekundäre Schicht umgewandelt hat.

Die Sekundäre Schicht ist der Hort der Sekundären Triebe, das Resultat all der Frustration und Umkehrung von natürlichen Impulsen in ihr Gegenteil, die durch die Panzerung hervorgerufen wird.

Der Endpunkt der menschlichen Tragödie ist erreicht, wenn diese Panzerung selbst brüchig wird und die sekundären Triebe nicht mehr unter Kontrolle halten kann. Wir haben es dann mit dem triebhaften Charakter zu tun. An diesem Punkt ist unsere Zivilisation angekommen, als sie sich seit etwa 1960 langsam aber sicher von einer autoritären (triebgehemmten) in eine antiautoritäre (triebhafte) Gesellschaft umwandelte.

Die Mittlere Schicht sorgt für persönliche Selbstkontrolle, die mit Eigenschaften und Verhaltensweisen wie Frustrationstoleranz, Beharrlichkeit, Sorgfalt, Geduld und Bedachtsamkeit einhergehen. Beim triebgehemmten Charakter, bei dem sich die Mittlere Schicht in die Sekundäre Schicht verwandelt hat, werden daraus Indolenz und mechanische Erstarrung, die sich beim triebhaften Charakter in chaotisches Verhalten umkehrt. Plastisch kann man sich das vorstellen, wenn man sich nebeneinander einen gut integrierten, leistungsstarken und glücklichen Schüler vorstellt, daneben ein schüchternes, gehemmtes „Opfer“ und schließlich einen dümmlich herumspadelnden Hip-Hopper.

Amerikanische Forscher um Terrie Moffitt (Duke University) stellten in einer großangelegten Erhebung über die Auswirkungen früh erworbener Selbstkontrolle fest:

Je niedriger der Wert für die Fähigkeit zur Selbstkontrolle im Alter von drei Jahren gewesen war, desto häufiger kam es bei den Studienteilnehmern im späteren Leben zu Problemen jedweder Art, darunter gesundheitliche Schwierigkeiten wie Übergewicht, sexuell übertragbare Erkrankungen und sogar Zahnprobleme. Ähnliches gilt für die Häufigkeit von Drogenproblemen, Kriminalität und der Neigung, sich zu verschulden. Auch ungewollte Schwangerschaften und eine hohe Quote an Schulabbrechern waren den Forschern zufolge typisch für die Gruppe, die schon als Dreijährige bei den Beurteilungen schlecht abgeschnitten hatte.

All das ist einem Mangel an Frustrationstoleranz, Beharrlichkeit, Sorgfalt, Geduld und Bedachtsamkeit zu schulden. Immerhin legt die Studie nahe, daß man die Fähigkeit zur Selbstkontrolle auch später noch erlernen und entsprechend erfolgreich im Leben werden kann.

Ich erinnere mich gerne an eine Szene in der U-Bahn als zwei betrunkene, bekiffte, jedenfalls intoxikierte Gymnasiasten abends herumalberten und eine Bierflasche umfallen ließen, so daß sich ihr Inhalt über den Boden ergoß und sie laut scheppernd ständig hin und her rollte. Keiner der sichtlich genervten Fahrgäste, einschließlich mir, traute sich etwas gegen die beiden Alleinunterhalter zu sagen. Bis schließlich ein stämmiger junger Mann, vielleicht im gleichen Alter wie die beiden Gymnasiasten, sie fixierte und sie ruhig aber bestimmt ansprach: Was das denn für eine Sauerei sei und daß sie gefälligst die Flasche aufheben sollten. „Kommst Du gerade vom Training?“ „Ja, vom Boxtraining.“ Da würde man Ausdauer, Selbstkontrolle, Ehrgefühl und wie man sich zu benehmen hat, lernen. Und wenn sie nicht gleich die Flasche aufheben, gäbe es eine blutige Nase. „Und wehe ein Spritzer Blut kommt auf meinen Anzug, dann bist Du tot!“

Würden wir alle Box- oder irgendein anderes Kampftraining machen, wäre das Leben in dieser Gesellschaft weitaus erträglicher. Insbesondere in den asiatischen Kampfkünsten lernt man, die organismische Orgonenergie, das „Qi“, willentlich zu kontrollieren. Genau das ist die Aufgabe der Mittleren Schicht. In der deutschen Sprache gibt es einen eigenen Begriff dafür: Charakter. Boxtraining (oder ähnliches) ist „Charakterbildung“.

Soziopolitische Charakterologie

23. August 2014

Linke und Rechte unterscheiden sich nicht primär durch ihre Weltanschauung, sondern durch ihren Charakter. Dazu Gideon Böss, der feststellt, daß heute Linke und Konservative weitgehend gleicher Meinung sind, doch trotzdem: bei Kommentaren könne er „oft schon nach einem oder zwei Sätzen sagen, aus welcher politischen Richtung der Widerspruch kommt“.

Linke sind aggressiver und zielen viel schneller auf den Menschen hinter einem Argument. Sie halten sich nicht lange auf der Sachebene auf, sondern spekulieren laut darüber, welche Lobby einen wohl für diese Meinung bezahlt. (…) Was auch ein klares Indiz dafür ist, mit einem Linken zu diskutieren, ist der inflationäre Gebrauch von Worten wie „Rassist“, „Xenophober“, „Hetzer“ und „Brandstifter“. (…) Ebenfalls beliebt ist der autoritär-lehrerhafte Verweis auf Quellen, die es zu studieren gilt. „Ließ erst einmal, was Autor A geschrieben hat. Wenn es dann immer noch nicht Klick gemacht hat, weiß ich auch nicht weiter, Rassist!“

Konservative hätten andere Prioritäten:

Die Kritik ist weniger scharf auf die Person bezogen. Oft ist der irrende Autor einfach nur ein weiterer Beleg für den traurigen Zustand der Gesellschaft. (…) Schließlich wird ja immer alles schlimmer in diesem Land (…). Außerdem fehlen dem konservativen Wortschatz die starken Begriffe. (…) Weil die Kritik von linker Seite aggressiver und persönlicher ist, ist sie auch anonymer. Es sind oft Fake-Namen, unter denen gepostet wird. Die Konservativen treten häufiger mit eigenem Namen (…) auf. (…) Von daher ist die Unterscheidung zwischen Linken und Konservativen heute vor allem eine, die über den Knigge und nicht mehr die jeweiligen Weltanschauungen geht. (…)

Die soziopolitische Charakterologie wurde von Elsworth F. Baker entwickelt.

In etwas modifizierter Form wird sie in Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie beschrieben. Kurz gesagt behauptet die Orgonomie, daß der ideologische Gegensatz zwischen Liberalen („Linken“) und Konservativen auf strukturellen Unterschieden beruht, d.h. grundsätzlich unterschiedliche Charakterstrukturen vorliegen.

2007 hat eine Forschergruppe der New York University (David Amodio, et al.) festgestellt, daß bei liberal („links“) eingestellten Menschen der sogenannte anteriore cinguläre Cortex im Vorderlappen des Gehirns wesentlich aktiver ist als bei Konservativen. In dieser Gehirnregion wird gesteuert, wie wir mit Konfliktsituationen umgehen, uns auf Neues einstellen können. Beim betreffenden Versuch mußten Versuchspersonen bei Erscheinen eines Signals auf einen Knopf drücken. Nach einer Gewöhnungsphase erschien ein zweites Signal, das die Probanden veranlassen sollte, nicht mehr auf den Knopf zu drücken. Bei dieser Umstellung feuerten die Nervenzellen bei den „Liberalen“ weitaus stärker als bei den „Konservativen“. Entsprechend machten die letzteren auch mehr Fehler, d.h. drückten weiterhin auf den Knopf. Liberale können sich auf Neues besser einstellen, während Konservative am Altbewährten haften bleiben.

Es ist wirklich auffallend, daß konservative Politiker und Journalisten in den Medien als wenig schlagfertig, ungelenk, unkonzentriert, teilweise geradezu „trottelhaft“ „rüberkommen“. Man denke an Helmut Kohl, Edmund Stoiber, George W. Bush oder etwa an die stotternden Auftritte eines Gerhard Löwenthals seligen Angedenkens – und das stets schlagfertige, eloquente Auftreten ihrer Gegenspieler. Ein solches Verhalten ist unmittelbares Ergebnis grundsätzlich verschiedener Energieflüsse im Organismus. Während der Konservative buchstäblich „hirnfern“ im Bauch lebt (orgonotisches System), dreht sich beim Liberalen alles um die Versorgung des Hirns mit Orgonenergie (energetisches Orgonom).

Der grundlegende bioenergetische Unterschied zwischen „Linken“ und „Rechten“ wird durch eine Gallup-Umfrage aus dem gleichen Jahr ebenfalls beleuchtet: Konservative haben weniger psychische Probleme als „Progressive“. Ein statistisch signifikanter Unterschied, der weder mit Einkommensunterschieden noch mit irgendwelchen anderen Faktoren wegerklärt werden kann. Aus bioenergetischer Sicht ist es geradezu selbstevident, daß die, die aus dem Bauch heraus leben, weniger innerlich zerrissen sind, als jene, die „zerebral“ organisiert sind.

Jason Rentfrow von der University of Cambridge hat die geographische Verteilung der Persönlichkeitsmerkmale in den USA untersucht. Grob gesagt sind an der Ost- und Westküste die Menschen kreativer, einfallsreicher und offener als im Mittleren Westen und im Süden, wo die Leute pragmatischer, gradliniger und traditioneller eingestellt sind. Verglichen mit dem Rest des Landes, sind die Bewohner des Mittleren Westens und Südens auch nachbarschaftlicher, freundlicher und freigiebiger.

Dieser Unterschied zwischen den Küsten und dem Mittleren Westen, also „Intellekt“ hier und „Tradition“ dort, schlägt sich unmittelbar in den Wahlergebnissen nieder: die Küsten sind blau (Democrats), der Mittlere Westen und der Süden rot (Republicans).

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Reich, Marx und die Charakterlosigkeit (Teil 1)

2. Juli 2013

In seinem neuen Buch Neither Left Nor Right beschreibt Charles Konia nicht nur die charakterologischen Unterschiede zwischen Linken und Rechten, sondern auch, warum den ersteren charakterologische Unterschiede nicht zugänglich sind:

Für den Konservativen basiert das Konzept Charakter auf Zügen, die aus dem biologischen Kern („guter Charakter“) und der zerstörerischen mittleren Schicht („schlechter Charakter“) abgeleitet werden. Folglich ist er ein Begriff, der stark mit einem pejorativen oder moralischen Unterton behaftet ist. Man vergleiche diese Ansicht mit derjenigen des Liberalen, für den „Charakter“ ein im wesentlichen bedeutungsloses Konzept darstellt. Die Vorstellung, daß eine Person vorgegebene Merkmale besitzt, ist für ihn unverständlich. Er geht davon aus, daß alle Menschen intrinsisch guten Willens sind und unbegrenzt gebessert werden können. (S. 234)

Konia fährt fort:

Ärzte, die das Ausbildungsprogramm des American College of Orgonomy für medizinische Orgonomie durchlaufen und einen liberalen sozio-politischen Charakter besitzen, haben Probleme beim Erfassen und Anwenden der Grundlagen der Charakterdiagnose und Charakteranalyse. Da die meisten Psychiater sowohl zu Reichs Zeiten als auch heute einen liberalen sozio-politischen Charakter haben, stellt diese Einschränkung beim Erkennen und Verstehen der Bedeutung des Charakters einen Grund dafür dar, daß Reichs Beiträge nicht in die Psychiatrie integriert werden konnten und die Praxis dieser Fachrichtung mechanistisch entartete. (ebd.)

Tatsächlich läßt sich fast jede Abspaltung von der Orgonomie damit erklären, daß liberale Charaktere sich dagegen verwahrten, „Menschen zu kategorisieren“.

Von jeher hatten eher liberal gesinnte Orgonomen Probleme mit der Charakterologie. Da wären etwa Ola Raknes und, wenn ich das richtig einschätze, Walter Hoppe zu nennen, aber auch die Orgonomen, die sich seit 1982 im Institute for Orgonomic Science zusammengefunden haben. Die letzteren haben, etwa mit Einführung des „okularen Charakters“, aus der orgonomischen Charakterologie eine Travestie gemacht, die keinerlei praktischen Nutzen mehr hat. Als erstes wäre aber Otto Fenichel zu nennen, der Reichs „Hang zum Schema“ kritisierte und immer alles „differenzierter“ betrachtet wissen wollte. Nach Reichs Tod, distanzierten sich die meisten Orgonomen, repräsentiert von Chester M. Raphael, von Elsworth F. Baker, als dieser Reichs Charakteranalyse systematisierte und Reichs Charaktereinteilung den Erfordernissen der Orgontherapie anglich. Hinzu kam, daß Baker die Charakterdiagnostik auf den soziopolitischen Bereich ausdehnte.

Im Newsletter for Friends of the Wilhelm Reich Museum (No. 35, 1994) das weitgehend Raphaels Auffassung repräsentierte, findet sich folgende Aussage unter der Überschrift „Why is Reich’s Work so Misunderstood“:

Am vierten Tag der Konferenz befaßte sich der Erzieher Wilbur Rippy mit Reichs Soziologie und der Bedeutung von Marx und Engels für seine Bemühungen die Wurzeln des gesellschaftlichen Elends zu verstehen und Wege zu ihrer Verhütung zu finden. Im Verlauf seiner Ausführungen wies Mr. Rippy auch auf die Fehlauslegung Reichs durch die politische Linke und Rechte hin, besonders auf die „schreckliche Travestie“ der Ansichten, die vom Psychiater Elsworth Baker verbreitet werden.

Das läuft auf die Behauptung hinaus, daß die aktuelle Umwelt die Menschen mehr formt als Baker behauptet, also die spätestens seit der Pubertät weitgehend zementierte Panzerung nicht der alles entscheidende Faktor ist. Rippy sieht nicht, daß aber erst von daher, d.h. aus Sicht der Charakterologie, „Marx und Engels“ für die Orgonomie wirklich Sinn machen:

In Die Massenpsychologie des Faschismus legte Reich dar, daß die aktuellen ökonomischen Bedingungen des Individuums so gut wie keine Rolle für dessen Ideologie spielen, sondern fast ausschließlich die charakterlichen Verformungen, die er sich in der Kindheit zugezogen hat. Trotzdem sind „Marx und Engels“ nicht vollkommen nutzlos, denn bei ihnen läuft, wie Reich in Menschen im Staat gezeigt hat, alles auf die zentrale Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft hinaus, die Arbeitsfunktion wird aber genauso wie die Sexualfunktion von der Panzerung, d.h. der Charakterstruktur des Menschen bestimmt.

„Marx und Engels“ haben deshalb in der Orgonomie einen Platz, weil alle anderen ökonomischen Theorien zwar einen begrenzten Erklärungswert haben, etwa für die Euro-Krise, letztendlich aber alles auf die Qualität und Quantität der menschlichen Arbeitsfunktion hinausläuft, Marx’s „lebendige Produktivkraft“, die wiederum von der Struktur der Panzerung, also vom Charakter abhängt.

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