Posts Tagged ‘Erziehung’

LSR ist die letzte und endgültige, die einzig wichtige Wahrheit!

3. November 2023

L

LaMettrie beanspruchte Priorität nur für seine Lehre von den Schuldgefühlen, „und da kein Philosoph zu diesem Thema etwas beigetragen hat, kann mir diesen bescheidenen Erfinderruhm auch keiner nehmen“ (Anti-Seneca, S. 11).

„Um die Schuldgefühle, diese Plage der menschlichen Gattung, zu beseitigen, genügt es, ihr Wesen genau darzulegen. Man wird sehen, daß es durchaus von Vorteil ist und nicht viel Aufwand erfordert, die Gesellschaft von einer Bürde zu befreien, die schwer auf ihr lastet; daß die Tugenden, die durch die Institutionen der Gesellschaft garantiert werden, für deren Bestand, Sicherheit und Wohlergehen vollkommen ausreichen; daß es nur eine Wahrheit gibt, die zu kennen für die Menschen von Bedeutung ist, eine Wahrheit, der gegenüber all die anderen Wahrheiten Lappalien sind, mehr oder weniger verzwickte Gedankenspielereien“ (ebd., S. 22).

„Begeben wir uns zurück in unsere frühe Kindheit (…) und wir befinden uns dort, wo das Schuldgefühl entsteht. (…) Schuldgefühle sind (…) nichts anderes als unangenehme Reminiszenzen (…). Sie sind, wenn man so will, alte Prägungen (…) (ebd., S. 53f). Schuldgefühle, diese „Henker“, diese „bitteren Früchte“, „die auf dem Baum der Erziehung, nie jedoch auf dem der Natur, gewachsen sind“ (Philosophie und Politik, S. 101).

S

„Die Macht der Worte folgt“, so Stirner, „auf die der Dinge: erst wird man durch die Rute bezwungen, hernach durch Überzeugung.“ (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 390).

„[I]n der Furcht bleibt immer noch der Versuch, sich vom Gefürchteten zu befreien durch List, Betrug, Pfiffe usw. Dagegen ist’s in der Ehrfurcht ganz anders. Hier wird nicht bloß gefürchtet, sondern auch geehrt: das Gefürchtete ist zu einer innerlichen Macht geworden, der Ich Mich nicht mehr entziehen kann; Ich ehre dasselbe, bin davon eingenommen, ihm zugetan und angehörig: durch die Ehre, welche Ich ihm zolle, bin Ich vollständig in seiner Gewalt, und versuche die Befreiung nicht einmal mehr. (…) Ich und das Gefürchtete sind Eins: ‚nicht Ich lebe, sondern das Respektierte lebt in Mir!‘“ (ebd., S. 78).

R

Bernd A. Laska in einem lexikalischen Eintrag zu Reich: „Der fundamentale Gegensatz zwischen Freud und Reich kann mit den weithin geläufigen Freudschen Begriffen Es, Ich und Über-Ich pointiert dargestellt werden. Freud faßte sein Programm in die bekannte Sentenz: ‚Wo Es war, soll Ich werden.‘ Das Über-Ich, das er für die Grundbedingung menschlicher Kulturfähigkeit hielt, blieb unangetastet. Reich hingegen sah im Über-Ich ein evolutionär zu überwindendes Kulturhindernis. In Freudscher Terminologie lautete sein Programm: ‚Wo Über-Ich war, soll Ich werden‘. Die Bildung des Über-Ich bei der Enkulturation des Kindes sah Reich ‚funktionell identisch‘ mit der Entstehung einer psychisch und somatisch objektivierbaren ‚charakterlichen Panzerung‘, verbunden mit ‚orgastischer Impotenz‘. Nach Reich ist das introjizierte Über-Ich, obwohl vom Individuum als sein Ureigenstes (Identität, Werthaltungen) empfunden, der Inbegriff von Heteronomie, die letzte Instanz, die den wirklichen ‚Ausgang des Menschen aus seiner Unmündigkeit‘ verhindert“ (Neue Deutsche Biographie, 2003).

Authentisch, autonom, frei, selbstbewußt, glücklich und produktiv (Teil 2)

1. Juni 2023

Bedeutet das beschriebene authentisch, autonom, frei, selbstbewußt Sein nicht, daß man sich nichtsnutzig seinen Launen hingibt und damit seine Umwelt tyrannisiert? Gut, ich kann meinen Launen folgen und die verlockenden Ingredienzien des Kuchens gleich verputzen, statt mühsam den Teig gären zu lassen etc. bis der Kuchen fertig ist und ich Gäste zum festlichen Mahl einladen kann. Doch das letztere würde mir unvergleichlich größere Lust und langfristiges Glück bescheren als das einsame Naschen, ganz abgesehen vom leckeren Kuchen selbst. Noch glücklicher werde ich, wenn ich dieses Kuchenbacken in einen größeren Zusammenhang bringe, etwa einen Kuchenbackverein, der Kuchenbackturniere ausrichtet und ich schließlich vom Kuchenbackpapst höchstpersönlich empfangen werde und von ihm den Auftrag erhalte, die Kuchenbackkunst in der Südsee zu verbreiten.

Es geht also um Triebaufschub als Bedingung des Glücks! Aber bedeutet das nicht Panzerung? Wir haben den bioenergetischen Kern, der nach Befriedigung strebt und die soziale Fassade, die durch den Kontakt mit der Umwelt diese Befriedigung ermöglicht. Dazwischen ist das geschaltet, die „mittlere Schicht“, was man gemeinhin „Charakter“ nennt: unsere Fähigkeit mit unseren Trieben hauszuhalten. Sind wir gepanzert, d.h. haben wir einen neurotischen Charakter, ist dieser Triebaufschub denkbar unpassend und vor allem selbstdestruktiv, etwa indem wir uns für irgendwelche Dinge aufopfern, die nicht in unserem ureigensten Interesse sind (Stichwort „Massenpsychologie des Faschismus“). Sind wir jedoch ungepanzert, dann können wir mit unseren Trieben haushalten, weil wir Herr im eigenen Haus sind.

Reichs allererstes Buch, Der triebhafte Charakter (die erste Beschreibung der Borderline-Störung überhaupt) von 1925, erläutert, wie durch eine widersprüchliche und vor allem sadistische Erziehung, daß Über-Ich „isoliert“ wird und dann wie ein imperativer Trieb wirkt („Du mußt dich ritzen, du blöde Schlampe!“). Das zeigt, daß das Abpanzern nicht etwa eine Lösung von dem beschriebenen Dilemma von kontraproduktiven Launen und schädlichem Triebaufschub ist, sondern es nur noch weiter verschärft. In der Moral schlummert immer das irrational Triebhafte und umgekehrt.

Heute leben wir in einer sadomasochistischen Gesellschaft, die von triebhaften Charakteren geprägt ist, die keinen Triebaufschub mehr akzeptieren bzw. überhaupt ertragen können und gleichzeitig extrem moralistisch sind (Stichwort „Klimakleber“).

Stemme dich gegen die Sauerei, den Verfall und den Verrat und zeige CHARAKTER:

[Jeanne Hersch / Josef Guter] Lektüren 1981 (nach alten handschriftlichen Aufzeichnungen)

30. April 2023

[Jeanne Hersch / Josef Guter] Lektüren 1981 (nach alten handschriftlichen Aufzeichnungen)

Demokratie, Kapitalismus, Faschismus

8. Januar 2023

Die Menschen sind freiheitsunfähig, was sich z.B. daran zeigt, daß sie in Demokratien („Volksherrschaften“) stets die wählen, die ihre TODFEINDE sind. In Deutschland geht das bis zur Ausmerzung des Staatsvolkes – mit dem ausdrücklichen Mandat eben dieses Staatsvolkes.

Wirkliche Demokratie bedeutet, die Massen freiheitsfähig zu machen – denn wären sie von vornherein freiheitsfähig gewesen, hätte es schon immer eine Volksherrschaft gegeben. Wie das bewerkstelligen? 1. durch eine freiheitliche Erziehung, 2. durch eine Sexualmoral, die die Genitalität nicht nur „toleriert“, sondern aktiv unterstützt (es geht bei beidem schlichtweg um LEBENSFREUDE!) und 3. durch eine freie Wirtschaft, in der die Menschen wirklich wie unabhängige Erwachsene agieren können.

Jede freie Wirtschaft und Gesellschaft, „der Kapitalismus“, muß zwangsläufig scheitern, weil letztendlich alle käuflich sind. Am Ende läuft immer alles auf ein Machtmonopol hinaus, das alle Freiheiten einschränken wird, um die eigene Macht zu erhalten und weiter auszubauen. Das ist so, weil Geld der „Universalschlüssel“ (Hans Hass) zu wirklich allen Gütern und Dienstleistungen ist. Jeder Mensch steht dem Geld gegenüber wie der ausgehungerte Wolf, der in eine eingepferchte Schafsherde versetzt wird: je mehr Schafe, desto heftiger der keine Grenzen kennende Blutrausch! Geld ist einfach ein alles andere bedeutungslos machender Schlüsselreiz. Aus diesem Grund können nur wirklich freiheitsfähige, d.h. befriedigungsfähige (genußfähige, „lebensfreudige“, orgastisch potente) Menschen eine Demokratie bilden, die dauerhaft funktioniert.

Muß demnach Demokratie in zwangsläufig alle Ewigkeit ein Wort bleiben, das den zwangsläufigen Weg in den Faschismus, den wir gegenwärtig wieder erleben, nur verschleiert und akzeptabel macht, bis alles zu spät ist? Nein! Man lese Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus. Wirkliche Demokratie ist ein Weg und dieser Weg ist das Ziel. Es geht um die Restrukturierung der Charakterstrukturen auf Massenbasis. Das war das Ziel des „Leninisten“ Reich 1933, als er die erste Auflage der Massenpsychologie des Faschismus veröffentlichte, und es war das Ziel Reichs als er 1946 in der neuen Version der Massenpsychologie des Faschismus dieses Programm schärfer und konkreter herausarbeitete („Arbeitsdemokratie“).

ES LEBE DER ANTIFASCHISTISCHE WIDERSTAND im Parlament (AfD), auf der Straße (Montagsdemos) und vor allem im alltäglichen Leben!

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 15. Die Trennung von Liebe und Sex / Genitalität

28. Oktober 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 15. Die Trennung von Liebe und Sex / Genitalität

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 6. Orgonomie und Theologie

3. Juli 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 6. Orgonomie und Theologie

Bibliographie A.S. Neill (1883-1973)

23. Juni 2022

1) Herbert C. O’Neil: A Guide to the English Language written by … D. Agate … A.S.Neill etc. 1915

2) A Dominie’s Log, London 1916 (Herbert Jenkins) 219pp

3) A Dominie Dismissed, London 1917 (Herbert Jenkins) 226pp

4) The Booming of Bunkie, London 1919 (Herbert Jenkins) 318pp

5) A Dominie in Doubt, London 1921 (1920) (Herbert Jenkins) 256pp

6) Carroty Broon, London 1921 (Herbert Jenkins) 318pp

7) A Dominie Abroad, London 1923 (Herbert Jenkins) 256pp

8) A Dominie’s Five; or, Free School!, London 1924 (Herbert Jenkins) 256pp

9) The Problem Child, London 1926 (Herbert Jenkins) 256pp

„…“, new edition, with appendix, London 1929 (Herbert Jenkins) 267pp

„…“, 4th edition, London 1934 (Herbert Jenkins) xxi+256pp

10) The Problem Parent, London 1932 (Herbert Jenkins) 256pp

11) Is Scotland Educated?, London 1936 (George Routledge & Sons, in der Reihe “Voice of Scotland”) v+192pp [Im VI. Kapitel („Erziehung und Sex“) erwähnt Neill erstmals Reich und zwar im ersten Absatz:

EIN BRILLIANTER Psychologe, Dr. Wilhelm Reich, hat darauf hingewiesen, daß die Unterdrückung des Sexualtriebs von der Kapitalistenklasse unbewußt geplant und durchgeführt wird. Indem die herrschende Klasse den Sexualtrieb der Arbeiter unterdrückt, kastriert sie sie symbolisch und macht sie gefügig; sie stellen keine Fragen und leisten keinen Widerstand. Diese wahre Erkenntnis ist neu, aber die Beweise dafür liegen schon lange vor. Die Reichen haben den Staat konstituiert, und das Wahlrecht der Armen war ein bloßes Hirngespinst: Die Armen hatten die Macht, zwischen einem reichen Mann und einem anderen zu wählen, und als die Armen schließlich ihre eigenen Kandidaten aufstellten, waren ihre Labour-Chefs von derselben geistigen Klasse wie ihre Vorgesetzten, die Tories und die Liberalen, das heißt, sie waren sichere Gefolgsleute, das, was die Amerikaner „yes men“ nennen würden; Männer, die den Staat, wie er existierte, nicht ernsthaft in Frage stellen würden. Und die Armen hatten nicht das Urteilsvermögen, die besten Männer zu wählen, denn die Armen wurden in den staatlichen Schulen erzogen und lernten nur das, was für die Autorität sicher war.]

12) That Dreadful School, London 1937 (Herbert Jenkins) 224pp

(deutsch: Selbstverwaltung in der Schule, Zürich 1950, 2005, Verlag Pestalozzianum)

13) The Last Man Alive, London 1938 (Herbert Jenkins) 256pp

(deutsch: Die grüne Wolke, Reinbek 2001)

14) The Problem Teacher, London 1939 (Herbert Jenkins) 192pp

15) Hearts not Heads in the School, London 1944 (Herbert Jenkins) 164pp

16) The Problem Family, London 1949 (Herbert Jenkins) 160pp

17) The Free Child, London 1953 (Herbert Jenkins) 179pp (nennt es im Vorwort sein 16. Buch, d.h. zählt Nr.1 nicht mit)

18) Summerhill. A Radical Approach to Education (mit Vorwort von Erich Fromm), London 1962 (Gollancz), zuvor New York 1960 (Hart Publishing Co.), xxiv+392pp

(deutsch: Erziehung in Summerhill, das revolutionäre Beispiel einer freien Schule, München 1965 (Szczesny), und: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung, das Beispiel Summerhill, Reinbek 1969 (Rowohlt) 338pp)

19) Freedom – not License!, New York 1966 (Hart Publishing Co.) 192pp

20) Talking of Summerhill, London 1967 (Gollancz) 142pp

(deutsch: Das Prinzip Summerhill, Fragen und Antworten, Reinbek 1971 (Rowohlt) 155pp)

21) Neill, Neill , Orange Peel!, New York 1972 (Hart Publishing Co.)

(deutsch: Neill, Neill , Birnenstiel!, Reinbek 1973 (Rowohit) 346pp)

Addendum:

22) Record of a Friendship. The Correspondence of Wilhelm Reich and A. S. Neill. London 1981 (Gollancz)

(deutsch: Beverley R. Placzek (Hrsg.): Zeugnisse einer Freundschaft. Der Briefwechsel zwischen Wilhelm Reich und A. S. Neill 1936–1957. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1989)

23) Jonathan Croall (Hrsg.): All the Best, Neill. Letters from Summerhill. London 1983 (André Deutsch)

Emotional kranke Menschen, nicht Waffen, töten Menschen

7. Juni 2022

Psychiatrie und Soziologie.

Emotional kranke Menschen, nicht Waffen, töten Menschen

Dr. Batkis und Dr. Reich (Teil 2)

31. Mai 2022

Die Sexualrevolution in Rußland (Fortsetzung)

Der Krieg setzte die breiten Massen, die 100 Millionen Bauern in Bewegung. Neue Verhältnisse brachten neues Leben und neue Auffassung darüber. Das Weib eroberte sich in der ersten Periode des Krieges die ökonomische Unabhängigkeit sowohl in der Fabrik wie auf dem Lande, aber erst die Oktober-Revolution zerhaut den gordischen Knoten, und anstatt der bloßen Formveränderung bringt sie auch hier in den Gesetzen vollkommene Revolutionierung. Sie läßt nichts von den alten despotischen und dazu grenzenlos unwissenschaftlichen Gesetzen bestehen, sie beschreitet nicht den Weg der reformatorischen bourgeoisen Gesetzgebungen, die mit juristischen Subtilitäten noch immer an dem Begriff des Eigentums in der sexuellen Sphäre hängen, und die letzen Endes die Herrschaft der doppelten Moral in bezug auf das Geschlechtsleben fördern. Unter Ausschaltung der Wissenschaft sind alle diese Gesetze stets zustande gekommen.

Die Sowjet-Gesetzgebung ging einen ganz neuen, bis dahin unbetretenen Weg, um den neuen Zielen und Aufgaben der sozialen Revolution Genüge zu leisten.

Diese Ziele, diese Aufgaben hatte sich bis dahin keine frühere Revolution, keine Gesellschaft in der ganzen Welt gestellt.

Die Sowjet-Gesetze sind bezüglich der sexuellen Sphäre auf den Prinzipien aufgebaut, die den Forderungen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung entsprechen und im Einklang mit den Ergebnissen der zeitgenössischen Wissenschaft stehen. Die Sowjetgesetzgebung spiegelt in ihren Gesetzen das heutige Leben wieder, gleichzeitig aber sieht sie den morgigen Tag und die grundlegenden Tendenzen der Entwicklung, die dieser mit sich bringen wird, – sie will nicht ihre Gesetze in Ewigkeit unberührt wie die 10 Gebote Moses stehen lassen. Das Sowjet-Recht ist dem Gesetz der Entwicklung unterworfen, ebenso wie alle übrigen sozialen Institutionen.

Das Gesetz der Entwicklung der öffentlichen Beziehungen erklärt mit aller Bestimmtheit, daß gleichzeitig mit dem Aufheben des persönlichen Eigentums die Grundlage der „Familie“ als eines ökonomischen Instituts erschüttert ist.

Das politisch befreite Weib wird in den öffentlichen Prozeß der Erzeugung hineingezogen und damit die alte Stellung erschüttert, die das Weib ehedem unter Herrschaft der 3 großen K.: der Kinder, Küche, Kirche unterworfen hatte.

Das, was früher private Angelegenheit, private Pflicht war, die Erziehung der Kinder, ist öffentliche Angelegenheit geworden, die im Interesse der Gesellschaft und des Individuums gewahrt wird.

Aber das Sowjet-Recht des heutigen Tages ist das Recht einer vorübergehenden Periode, es geht seinen Weg, indem es die alten Überbleibsel zerstört und so eine vorbereitende Arbeit für die Zukunft leistet, und gleichzeitig ist es ein Spiegelbild der heutigen Lage, die der jungen Gesellschaft noch nicht gestattet, den Ablauf des ganzen materiellen Lebens in bezug auf die Versorgung aller Mitbürger und die Erziehung aller Kinder zu regulieren.

Die Lage der Betriebe in Sowjet-Rußland gibt noch nicht ganz und gar der Frau die Möglichkeit zur Arbeit in der Fabrik und in sonstigen Anstalten. Die Organisation der Familie hat immer noch seine Kraft und seine praktische Bedeutung, und das niedrige Niveau der Technik gestattet nicht eine sofortige Vergemeinschaftlichung der Lebensführung. Die öffentliche Erziehung der Kinder kann infolge des Mangels an materiellen Mitteln nur langsam und schrittweise verwirklicht werden, und die Familie kann nicht auf einmal von ihren Pflichten gegenüber den Kindern befreit werden.

Indem nun die Sowjetgesetzgebung alle diese Seiten der Übergangsperiode berücksichtigt, baut sie sich auf folgenden Prinzipien auf:

Sie erklärt absolute Nichteinmischung des Staates und der Gesellschaft in geschlechtliche Beziehungen, soweit sie Niemandem Schaden bringen und Niemandes Interessen verletzen.

Sie erklärt volle ökonomische, soziale und politische Gleichheit beider Geschlechter.

Sie erklärt den Staat und die Gesellschaft als den Vormund und den Beschützer der Kinder und fordert den Schutz der Frau und der Kinder auf allen Gebieten.

Sie hebt jegliches Gesetz auf, das in irgendeiner Form mit den religiösen Zeremonien in Verbindung steht.

Das allgemeine Prinzip der Sowjet-Gesetzgebung bestimmt die praktische Anwendung des Gesetzes in Anpassung an die Tatsachen, den Tatsachen entsprechend. Also ganz das Gegenteil des alten Ausspruches: Fiat justitia pereat mundus [Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde].

Die innere Dynamik der antiautoritären Gesellschaft (Teil 7)

30. März 2022

Eine antiautoritäre Erziehung erzeugt beim Kind starke Ängste und fixiert infantile Züge dauerhaft. Resultat dieser „Erziehung“ sind Egoismus, Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen und Haß auf die Eltern, weil diese nie wirkliche Eltern (indogermanisch für „wachsen machen“) waren und ihre Kinder emotional vernachlässigt haben. Der dergestalt herangezogene Homo novis ist in einem Zustand biopathischer Dauerexpansion fixiert (reaktive Parasympathikotonie). Er ist „in einem katatonischen Zustand der vermeintlich guten Laune, Lockerheit und Lässigkeit gefangen.“ Sein Gefühlsleben ist sozusagen „entzündet“, d.h. von Wut und einer ständigen Irritation gekennzeichnet und geht mit impulsivem Verhalten einher. In vieler Beziehung ähnelt er den Menschen im Subproletariat, die Reich bereits 1925 in Der triebhafte Charakter beschrieben hat. Beziehungen sind grundsätzlich oberflächlich, weil diese Menschen selbst nur an ihrer Oberfläche leben. Wenn man das ganze plastisch vor Augen gestellt haben will, schalte man den Fernseher an, um sich irgendein neueres Produkt aus Hollywood anzuschauen oder höre sich die „Musik“ im Radio an.

Diese Entwicklung hat Barbara Koopman bereits Anfang der 1970er Jahre beschrieben, als das alles gerade erst angefangen hatte. Ich kann auch aus der vorher unveröffentlichten jährlichen Rede Elsworth F. Bakers als Präsident des American College of Orgonomy von 1972 zitieren (The Journal of Orgonomy. Elsworth F. Baker Commemorative Issue, February 1986, S. 65-69). In der Rede geht es um die sich damals formierende antiautoritäre Gesellschaft, die sich mittlerweile (2022) fest etabliert hat und alle Facetten unseres Lebens bestimmt. Baker beschreibt das gesellschaftliche Chaos und die antiautoritäre Erziehung und frägt:

Was erreicht der liberal mit diesem ganzen Aufruhr? Indem er daran teilhat, bekommt er durch all die Aufregung und Aktivität das Gefühl lebendig zu sein, obwohl er innerlich tot ist. Er setzt andere in Bewegung, weil er sich selbst nicht bewegen kann. Ihre Destruktivität verschafft ihm ein Ventil für den unterdrückten Haß, den er in seinem Inneren hegt. Er, der sich für den Retter der Menschheit ausgibt, ist das perfekte Beispiel für die Emotionelle Pest. Jeder, der nicht mit ihm übereinstimmt, wird als vorurteilsbeladen, als Rassist, Reaktionär und als Schwein hingestellt.

Damals waren es die radikalen Studenten, „Weather Men“, etc., heute sind es „social justice warriors“, die die Linksliberalen begeistern. Und da die Linksliberalen die Medien und die Wissenschaft und damit die sogenannte „öffentliche Meinung“ dominieren oder besser gesagt kontrollieren, schließt sich auch der konservativste Politiker diesem enthemmten Wahnsinn an. Es muß stets alles in Bewegung sein, es darf beim vermeintlichen „Fort-Schritt“ kein Innehalten geben. Man denke nur an das „Projekt Europa“! Auf jede Verzögerung wird mit hysterischen Ausbrüchen reagiert, so als wäre der „Reformstau“ buchstäblich der Stau sexueller Energie, die die Leute in den Wahnsinn treibt. „Reform“ wohin man schaut, von der Schule bis zur Bauordnung. Alles ist ständig in hektischer Aufregung – nur daß sich tatsächlich nichts ändert, außer daß alles nur noch verfahrener wird.

Die Linksliberalen sitzen in den Redaktionen, Universitätsinstituten und nicht zuletzt an Lehrerpulten, sind selbst innerlich wie tot, goutieren sich aber an der Unordnung, der chaotischen Bewegung, die sie um sich herum anstacheln mit ihren unverantwortlichen „Theorien“ und ihren Propagandalügen.

Das deutsche Fernsehen ist symptomatisch, geht es doch untergründig immer darum, die Bevölkerung, insbesondere aber Jugendliche, zu sozialem Aktivismus zu animieren. Ganz gezielt werden Heranwachsende dazu animiert, irgendwas Politisches zu machen, egal was, solange es „progressiv“ ist. Sie entschließen sich dann meist für das Thema „Klimaänderung“.

Menschen sollen sich „engagieren“, d.h. nicht etwa ihr eigenes Leben auf die Reihe kriegen, sondern sich in das Leben anderer einmischen. Andere terrorisieren! Sie sollen „Sand im Getriebe“ sein! Oder mit anderen Worten: die rationalen, arbeitsdemokratischen Kernfunktionen sollen durch irrationale, ideologische Aktivitäten ersetzt werden, die aus der sekundären Charakterschicht stammen. Der pseudoliberale Modju, etwa unsere Innenministerin, sitzt dann zuhause und genießt, wie um ihn herum die Gesellschaft kollabiert. Jeder, der sich gegen diesen organisierten Wahnsinn stemmt, wird als „Nazi“ niedergeschrien.