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The Mass Psychology of Fascism (1970) und andere Übersetzungen
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Als Reich aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrte und nach einem Semester Jura anfing Medizin zu studieren, organisierte er zusammen mit seinem damaligen Freund Otto Fenichel ein privates Studentenseminar über eine Leerstelle im offiziellen Lehrplan: die Sexologie. Über dieses Seminar kam er in Kontakt mit Freud und wurde sehr schnell Psychoanalytiker. Was ihm bereits damals auffiel, war, wie imgrunde fremd ihm die Herangehensweise der damaligen Sexologen und Psychoanalytiker war, die sich detailversessen an allen möglichen Perversionen abarbeiteten, das eigentliche Thema aber verfehlten: die gewöhnliche Sexualität des Menschen bzw. das, was sich die meisten Menschen als erfüllende Liebe ersehnen. Entsprechend lebte er als Sexualaufklärer in einer vollkommen anderen Welt als etwa Magnus Hirschfeld. Es gab praktisch keinerlei Berührungspunkte. Man muß auch daran denken, daß zu der Zeit, als Reich in Berlin tätig war, Berlin als die „Sexhauptstadt“ der Welt galt. Nichts davon ist in seinem persönlichen Leben oder in seiner „Sexpol“-Arbeit zu finden. Entsprechend verband ihn in Amerika so gut wie nichts mit Leuten wie Henry Miller oder Alfred Kinsey. Vielmehr galt er wegen seines Beharrens auf der Genitalität als prüde und außerdem betrachteten ihn beispielsweise die damaligen Anarchisten, die für „sexuelle Freiheit“ fochten, als eine Gefahr, weil sie befürchteten mit seiner „Pseudowissenschaft“ in einen Topf geworfen zu werden.
In seiner Sexpol-Arbeit beschäftigte er sich natürlich auch mit Perversionen, Hermaphroditen, etc. doch dies nie in seinen öffentlichen Vorträgen, sondern nur in Einzelgesprächen, wo es darum ging, daß das ganze kein Problem der Moral sei, daß sich der betreffende nicht schämen müsse, wo er weitere Hilfe finde, etc. Das kontrastiert auffallend zur „modernen“ Herangehensweise, Minderheitenprobleme in den Mittelpunkt zu stellen und das, was „die Massen“ angeht, an den Rand zu schieben.
Kurioserweise wurde von Anfang an versucht Reich mit der „sexuellen Revolution“ der 1960er Jahre in Verbindung zu bringen, allein schon wegen des gleichnamigen Buchtitels von Reichs Mitte der 1940er Jahre erschienenen Buches. Doch ist es vollständig abwegig Reich in irgendeine Beziehung etwa zum Playboy oder anderen Vermarktern von „Sex“ zu setzen. Man schaue sich nur den Film What‘s New Pussycat aus dem Jahre 1965 an. Nichts verband ihn mit den Hippies und selbst in der Studentenbewegung, man denke nur an Cohn-Bendit, wurde eindeutig Herbert Marcuse bevorzugt und Reich der „Fetischisierung der Genitalität“ geziehen.
Die wahre „sexuelle Revolution“ hatte für Reich verschiedene Aspekte. Zunächst einmal ging es um die Herstellung einer grundsätzlich sexualpositiven, lebensfreundlichen und das hieß für Reich anfangs vor allem antireligiösen Atmosphäre. Diese stellte er etwa auf den Massenversammlungen der Sexpol in Wien und Berlin her. Heute kann man kaum sagen, daß die gesellschaftliche Atmosphäre „sexualpositiv“ ist, vielmehr ist sie von Angst geprägt nicht irgendwelchen Kriterien zu genügen und ständig wird Angst vor Geschlechtskrankheiten, insbesondere HIV eingeflößt. Hinzu kommt, daß heute „Sex“ weitgehend als Ersatz für familiäre Wärme und emotionalen Kontakt herhalten muß. Bei Migranten herrschen heutzutage ähnliche Verhältnisse wie damals im erzkatholischen Österreich oder in der damaligen deutschen Provinz und selbst die Deutschen sind alles andere als „antireligiös“, vielmehr greift eine „Spiritualität“ um sich, die die Menschen erst recht von ihrer Sexualität entfremdet.
Einer der Hauptgegensätze zwischen Reich und Freud war die Natur des Ödipuskomplexes. Für Freud war er eine biologische Gegebenheit, aus der sich die Kultur entwickelt hat, die deshalb untrennbar mit der Neurose verknüpft sei. Für Reich war er ein Kunstprodukt der patriarchalen Familienstruktur und würde sich, zusammen mit der Neurose, mit dem Verschwinden der Familie, wie wir sie kennen, in Luft auflösen. Er schaute dabei hoffnungsvoll nach Rußland und dessen Experimenten mit „kollektiver Erziehung“. Reich dachte dabei vor allen an von den Kindern selbstgesteuerte „Kinderrepubliken“, in denen kindliche Sexualität ausschließlich zwischen etwa gleichaltrigen Kindern stattfindet. Gleichzeitig erkannte Reich im Laufe der Zeit aber immer deutlicher, wie sehr das Kind vom Augenblick der Geburt an die körperliche und vor allem emotionale Nähe seiner Mutter braucht, um gesund heranzuwachsen. In der sogenannten „sexuellen Revolution“ kam es jedoch, nicht zuletzt durch den Einfluß der orthodoxen Psychoanalyse, die bei zu engem Kontakt zwischen Kindern und Eltern immer eine „Aktivierung des Ödipuskomplexes“ witterte, zu einem Wegbrechen dieses Urvertrauens. Für Kinder und Jugendliche wurde „Sex“ zu einem Ersatz für diese Nähe und Menschen mit pädophilen Tendenzen sahen sich berufen, die Sexualität von Kindern „zu befreien“, wobei sie sich irrwitzigerweise teilweise sogar auf Reich beriefen.
Durch den Zerfall der alten triebgehemmten autoritären Ordnung und ihre schrittweise Ersetzung durch eine triebenthemmte antiautoritäre „Unordnung“ ist es infolge der „sexuellen Revolution“ zu einer grundlegenden Veränderung der Panzerstruktur des Durchschnittsmenschen gekommen, nicht zuletzt auch durch die Verbreitung legaler und illegaler Drogen, insbesondere Marihuana: muskuläre Panzerung wurde weitgehend durch okulare (Augen-) Panzerung ersetzt, was zu einem Zustand allgemeiner Kontaktlosigkeit, einem höheren Angstpegel und allgemeiner Orientierungslosigkeit führt, die die Augenpanzerung immer weiter verstärkt.
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O. 2011: Ein sehr klar und bestens formulierter Beitrag. Er trifft den Kern des Gegensatzes zwischen den zwei sexual-energetischen Ansätzen. Nun beide Richtungen sind letztlich eine Quälerei – Psychotherapie ist kein Vergnügen und das, was wie pures sexuelles Vergnügen in Form von Tantra aussieht, womöglich mit einer schönen Frau, ist nicht nur sexuelle Triebunterdrückung, sondern zugleich Gehirnwäsche mit dem Ziel Körper und Geist (in diesem Fall kann man davon sprechen) zu formen. Energetische Aufladung als Machtinstrument für mystisch-religiöse Zwecke und zur Bildung von Abhängigkeiten mit Suchtcharakter.
Was hier unerwähnt bleibt, ist, dass die Reichzene mit ihrer socalled „Ogrontherapie“ (etc.) nicht anderes macht!!!
Energetisches Wissen kann immer wieder missbraucht werden zur Bildung faschistoider Strukturen. Dies wird natürlich nicht bewußt, so doch wissentlich angewandt und konzipiert. Wer hierfür blind ist, dem ist nicht zu helfen. Ohne ein vernünftige Psychotherapie – ich wage nicht mehr von Orgontherapie zu sprechen – ist eine faschistische Orgontherapie a la östlicher „Energetik“ vorprogrammiert. Und diese Form der „deutschen Orgonomie“ ist leichter zu ertragen, als sich mit den Schmerzen seiner Psyche in einer Körpertherapie auseinanderzusetzen.
Deswegen ist man noch lange kein „Reichianer“, weil man sich einen Orgonakkumulator baut und da reinsetzt, oder weil man Eva Reichs Methode benutzt, um andere von der „Reichlehre“ zu überzeugen. Man ist noch derselbe Faschist, der man vorher strukturell war. Nur dass hier keine Rassenideologie verbreitet wird, sondern Reichs Dogma „orgastischer Puslation“ zum Kriterium für die Heilslehre genommen wird.
So wird aus einem kleinen privaten esoterischen Interesse eine faschistische Interpretation und Okkupation der Orgonomie. PN hat den Mut dies hier in den vielen Artikeln zu diskutieren. Und die Vermischung von blauen, roten und braunen Faschismus zerstört jeden Ansatz Reichs Gesellschaftskritik zu einer erkenntnistheoretischen und strukturellen Veränderung werden zu lassen. Es macht keinen Unterschied, ob Reich bildlich gekreuzigt wird, seine Bücher verbrannt werden oder ob man Reich auf diese Weise vertritt und in den blauen Himmel der lebensenergetischen Forschung lobt, wo die Engelchen fliegen.
Klaus: „Meditation führt zur Panzerung des okularen Segments und zur Zerstörung des Orgonenergie-Feldes.“
Solche Aussagen interessieren mich sehr; ich kenne regelmäßig Meditierende, die mir tatsächlich irgendwie so vorkommen, und eigene Versuche z. B. mit Stille-ChiGong erweckten bei mir den Eindruck einer merkwürdigen Einkapselung des Energiegefühls in einzelne ‚Bahnen‘, was einerseits für eine Weile konzentrationsfördernd sein konnte, sich andererseits aber unangenehm künstlich und verengt anfühlte. Doch gibt es Erfahrungen – etwa aus therapeutischer Praxis -, die diese Annahme in Bezug auf das okulare Segment und das Orgonfeld genauer stützen?
Peter 2011: Ich verweise etwa auf http://www.w-reich.de/nelson.html
Noch etwas:
Yoga, meditation, and mind control are processes of relaxed concentration that slow down the autonomic functions (breathing, heart, etc.) whereby the intuitive and telepathic processes are tapped. Demonstrably, they work, despite the mystical trappings usually associated with them; but, for most, they lessen contact with their direct organ perceptions. This was as true for me when I took courses in mind control and meditation, as it was for some of my classmates. Yet, when these orgonotic senses are used spontaneously and naturally, they have no side effects. Dr. Elsworth Baker says he habitually uses this kind of contact in treating patients, but he doesn’t hold his breath or slow down his heartbeat. When I, on rare occasions, have spontaneously had telepathic and intuitive experiences, they have not been accompanied by any detectable changes in other functions. This is not conclusive, but it is fairly good circumstantial evidence that mind control, meditation, and yoga are artificial, forced ways of achieving what is natural to the unarmored. The deliberate efforts to attain orgonotic sensory perceptin tend to fail or are at least miniscule in their results compared to the great effort put into them, probably because they are an effort to force an orgonotic function, and that doesn’t work any better than does trying to force love or human contact – they are purely spontaneous events that occur from the free flow of energy. (Loi Wyvell: „Orgone and You“ Offshoots of Orgonomy No. 1, S. 19f)
Tzindaro 2016: While in India, I visited a Reichian Ashram where the guru had a copy of Reich’s function Of The Orgasm on his bookshelf. He told me he thinks he is the only married guru in India. He said this is because his own teacher had a stroke at the age of 75 and after meditating on it, told his students he thought it had happened to him because of pent-up pressure from more than 50 years of sexual abstinence, so he advised his students to marry.
Denis Roller 2012: Ja, es gibt sie noch, die echten Vampirjäger, Exorzisten und-Männer. Nehmt euch in Acht ihr Spassemacken. Wir fackeln nicht lange…
Klaus: „Liste von „Erleuchteten“, die an somatischen Biopathien, insbesondere Krebs, verreckt sind“
Darüber wüsste ich gerne mehr!
Warum ‚Erleuchtung‘ überhaupt erstrebenswert sei, wird auch nie gesagt.
Klaus: Etwa so stelle ich mir das vor: http://blog.stuttgarter-zeitung.de/licht/2011/03/15/erleuchtungsram/
Robert: Der einzige Heilige in Hamburg-Altona
O.: Wer bei Reich bis jetzt die Erleuchtung des Orgasmus gefunden haben mag, wird hier fündig:
Nein jetzt kommt nicht Fischers Seite, sondern die hier:
http://www.advaita-tantra.de/wordpress/
Robert: Hier mal was zum Thema Körpertherapie bei Amazon läuft
http://www.amazon.de/gp/bestsellers/books/557528/ref=pd_zg_hrsr_b_1_5_last
Robert 2014: OSHO: Jenseits der Grenzen des Verstandes. Das Märchen von der Psychologie
Wilhelm Reich, ein Tantra-Meister unserer Zeit
Der deutsche Psychologe Wilhelm Reich stieß auf ein paar innere Geheimnisse der Bioenergetik, und er wandte sie auch in der Behandlung seiner Patienten an. Aber man warf ihm vor, er sei anti-sozial; er wurde eingesperrt und für verrückt erklärt. Was war es, woran Reich gearbeitet hat und woran ist er gescheitert ? … Wilhelm Reich fing an, mit der menschlichen Energie zu arbeiten. Und natürlich, wenn du mit der menschlichen Energie arbeitest, dann stößt du unweigerlich auf die Quelle von allem – und das ist die sexuelle Energie … Und im Gefängnis müssen sie ihn ungeheuer gequält haben. Er war kein Mann, der so leicht zerbricht; er war ein ausgeglichener Mensch, und diejenigen, die ihn kannten, haben bezeugt, dass es nur wenige gibt, die so stark, so in sich gefestigt und mit beiden Beinen auf der Erde sind, wie er es tat – aber im Gefängnis wurde er verrückt. Ich habe den Verdacht, dass man ihn mit Absicht in den Wahnsinn getrieben hat … Ich nenne Wilhelm Reich einen modernen Tantra-Meister, obwohl er selbst sich dessen nicht bewusst war. … Wilhelm Reich wird eine Renaissance erleben, denn was er getan hat, war absolut wissenschaftlich. … Er gehört zu uns. Ich gebe ihm nachträglich Sannyas.
http://h0rusfalke.wordpress.com/bernd-senf-uber-wilhelm-reich-die-bildung-des-charakterpanzers-in-der-kindheit/
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Igitt: Sex, Schlamm und Ackerknecht
Robert sagte 2010: Der Publizist William S. Schlamm,… rechtskonservativer Reich-Hasser
Es ist typisch für die vielen Konservativen, dass sie perverse Sexualität nicht von natürlicher Sexualität unterscheiden können und deswegen Reich missverstehen. Schlamm ist da beileibe nicht der Einzige. Der übelste Vorwurf ist, Reich hätte den sexuellen Kindesmissbrauch unterstützt.
Während die Konservativen Reich unterstellen, er fördere Perversionen, unterstellen ihm die Liberalen, er wolle eine genitale Diktatur errichten (und die Prä-Genitalität unterdrücken).
Klaus: Immer wenn ich anfing, was von Bloch zu lesen, war ich sehr gelangweilt, weil ich mich fragte, was er außer historischen Thesen zu bieten hat an allgemeinen Erkenntnissen. Und wenn da auch allgemeinere Erkenntnisse sind, kann man die kürzer und klarer zum Ausdruck bringen. Diese Standardautoren der Linken machten sich eben vierzig Jahre gut in Regalen – Suhrkamp hat ja gleich fürs Design gesorgt. Nun hatten die linken Studenten immerhin wenigstens Helden fürs Bücherregal – die gegenwärtigen haben u. a. wegen der standardisierten Veranstaltungen und Prüfungen meistens erheblich weniger Lektüreerfahrungen aus eigener Initiative. Nicht einmal mehr zum Protzen ist etwas im Regal aneinandergereiht.
Wie sehr z. B. Adorno bloß Kultstatus hatte (und z. T. noch hat) (wie mir scheint: ohne inhaltlich Umwerfendes mitzuteilen), merkte ich z. B. daran, dass in einem meiner spannendsten Seminare – über kleine Schriften Gottlob Freges – mein Nachbar einerseits heimlich, andererseits demonstrativ (Buch unterm Tisch, aber vor Seminarbeginn sichtbar) Adorno las.
Robert: Adorno hat allerdings mit die „Studien zum autoritären Charakter“ geliefert, womit er die Psychostruktur des faschistischen Charakters liefern wollte. Es hat allerdings mehr mit Sozialpsychologie statt Tiefenpsychologie zu tun. Ich bezweifele, ob er Reichs „Massenpsychologie“ gelesen hat – jedenfalls merkt man darin wenig (in der Suhrkamper Taschenbuchausgabe). Das Buch erschien 1950 als Sammelwerk in den USA.
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter
Jonas Says:
@Robert:
Habe leider die Quelle nicht parat, erinnere mich aber gelesen zu haben, dass sich Adorno im „autoritären Charakter“ stark an Reich orientierte – auch wenn er seinen Namen nicht erwähnt. In privaten Briefen diskutiert er dies aber. Er gibt Reich den Vorzug gegenüber Erich Fromm, da letzterer den Fehler beginge, die psychoanalytische Methode direkt auf die Gesellschaft anzuwenden, während Reich psychoanalytische und soziologische Methodik nach ihren Zuständigkeitsbereichen getrennt halten will.
Das man davon zugegebenermaßen wenig merkt, ist natürlich eine andere Geschichte. Zum Verhältnis Adorno-Reich sind sicherlich Laskas Arbeiten im LSR-Projekt lesenswert (Stichwort Re-pulsions- und De-zeptionsgeschichte).
Klaus: Wie trivial es ist, was er zum irrationalen Kampf gegen jegliche Autorität zu sagen hat – eben so trivial, wie das, wogegen er argumentiert, lächerlich ist. Daher wundern mich immer die vielen Worte, die dafür gebraucht wurden.
David 2015: Der libertinistische Gegenpart zum asketisch verträumten Bloch spielte Herbert Marcuse, der Prophet des Anspruchsdenkens, der Leistungsverweigerung und der anti-genitalen polymorph-perversen Erotisierung der Gesellschaft. Alles was die Spießer von je her den fortschrittlichen Menschen fälschlich andichteten, propagierte dieses Schwein.
Und Habermas?
Der wird doch auch immer wieder erwähnt – im Zusammenhang mit der Kritischen Theorie:
Zitat Wikipedia:
Wegen der Vielfalt seiner philosophischen und sozialwissenschaftlichen Aktivitäten gilt Habermas als ein produktiver und engagierter öffentlicher Intellektueller.[2] Vom hegelianisch-marxistischen Ursprung der Frankfurter Schule hat er sich durch die Rezeption und Integration eines breiten Spektrums neuerer Theorien gelöst. Er verband den historischen Materialismus von Marx mit dem amerikanischen Pragmatismus, der Entwicklungstheorie von Piaget und Kohlberg
(ähnlich auch Loevinger – das sind doch die Stadien der moralisch-psychologischen Entwicklung des Kindes wenn ich mich nicht irre; Anmerkung von mir)
und der Psychoanalyse von Freud. Zudem beeinflusste er maßgeblich die deutschen Sozialwissenschaften, die Moral- und Sozialphilosophie. Meilensteine waren vor allem seine Theorie des kommunikativen Handelns
(kommunikatives Handeln klingt ziemlich modern, irgendwie facebook-like; nach Arbeitsdemokratie hört das sich aber gar nicht an, finde ich; Anmerkung von mir)
und, wiederholt inspiriert durch die diskurstheoretische Auseinandersetzung mit Karl-Otto Apel, seine Diskurstheorie der Moral und des Rechts.
Zitat Ende.
Irgendwie kommt mir das alles ziemlich „rechts“ vor und anfangen konnte ich mit Habermas noch nie was. Vielleicht konnte ich ihn noch nicht einmal verstehen.
Robert 2011: Zu Daniel Cohn-Bendit ein informativer Artikel von Bettina Röhl:
Vom Wutbürger zum Machtbürger
Daniel Cohn-Bendit ist eine Art Überpräsident der 68er Bewegung. Seine pädophilen Entgleisungen schaden ihm nicht. Jetzt schwingt er sich zum Oberrichter über Demokratie, Verfassung und die Schweiz auf. Von Bettina Röhl
Dazu Peter: Bei den lesenswerten Leserbriefen habe ich folgenden interessanten Link gefunden:
http://wireltern.eu/news/die-paedophilenpartei.html
Ich werde niemals soviel fressen können, wie ich kotzen möchte.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weist Forderungen aus der CSU nach höheren Mindeststrafen für sexuellen Kindesmissbrauch ab.
Im „Hamburger Abendblatt“ nannte die FDP-Politikerin die geforderte Strafverschärfung für jede Form von sexuellem Missbrauch „reine Symbolpolitik“.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Justizministerin-gegen-schaerfere-Strafen_aid_949153.html
Ja, es ist symbolisch, daß in diesem Land Diebstahl härter bestraft wird als die Zerstörung einer Kinderseele.
O.: So wie Dieter E. Zimmer im Zeit-Artikel WR interpretiert und dieses Verständnis als das der 68-er hinstellt, wird den Studenten unterstellt sie wollten oder konnte WR nicht verstehen. Aber auch in den 90-ern wurde Reich in Belzig und Berlin in Reich-nahen Kreisen noch als Freifahrtschein zum Ficken missverstanden. Die meisten Reich-Schüler waren aber noch zu verklemmt, um überhaupt mal Sex zu haben, so musste sie dann bei den etwas lockeren sozialisierten Ex-DDR-lern/-innen sich abschauen, wie man einfach mal sich mit jemandem zum Sex verabreden kann.
Also auch in Berlin wurde noch geglaubt, bei „Reich-Lese-Unkundigen“, die aber durch Vorträge glaubten etwas vom genitalen Charakter verstanden zu haben, man müsse nur ficken und frei fließen. Die Eingeweihten wussten natürlich, dass das nichts bringen würde und das man ohne Therapie ohnehin nicht vorankäme.
Das Problem war aber vielmehr eine taugliche Therapie zu finden, wo doch niemand weit und breit eine Ahnung davon hatte … und so beißt sich die „sexuelle Revolution“ noch in ihren eigenen „Schwanz“ – wenn sie einen hat.
Peter 2015: Erneute Hetze von Rechts gegen Reich – angestachelt durch das linke Gesindel…
https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/02/linksanarchistische-kinderladen-der-68er-revolutionare-befreiung-durch-kindersex/
Drei Zeitungsmeldungen eines Tages:
Der alltägliche Wahnsinn, der Zerfall der westlichen Zivilisation im Mikrobereich des Alltags. Feuerwehrleute, die angegriffen werden, wenn sie einen Brand löschen wollen. Ambulanzen, die gestohlen werden, während die Sanitäter den Notfallpatienten aus seiner Wohnung hohlen. Lehrer, die buchstäblich Angst um ihre Leben haben. Bundesweit haben junge Frauen nachhaltig die Feierlaune verloren.
Letztendlich ist es egal, wer „die Mächtigen“ sind und was sie tun. Wichtig sind einzig und allein die Massen. Wichtig ist allein, die Charakterstruktur der überwiegenden Mehrheit der Menschen. Zivilisation ist nur möglich, wenn die Menschen einen gewissen Spannungsbogen ertragen können, sie „frustrationstolerant“ sind und ein Mindestmaß von Vernunft zeigen. Das, und allein das, machte und macht den Erfolg von Weltregionen wie Europa (inkl. seiner Ableger auf fremden Kontinenten, etwa Australien), China, Korea und Japan aus.
Durch eine Erziehung, die für derartige „Sekundärtugenden“ nichts als Verachtung übrig hat und die dazu komplementäre Masseneinwanderung von Menschen, deren Frustrationstoleranz und „Vernunft“ gegen Null tendiert, sind wir zunehmend mit Massen konfrontiert, mit denen man schlichtweg „keinen Staat mehr machen kann“.
„Reichianer“ haben auf das Geschehen eine genauso einfache wie ganz offensichtlich falsche Antwort parat: die „bürgerliche Fassade“ breche zunehmend weg und die „mittlere Schicht“ der Charakterstruktur würde zum Ausdruck kommen, d.h. Perversion und Chaos, aber das sei nur eine kathartische Übergangsperiode und letztendlich werde der rationale Kern zum Vorschein kommen.
Was für ein Quatsch! Kann jemand wirklich ernsthaft glauben, daß das Ausagieren sekundärer Triebe in irgendeiner Weise „heilsam“ ist? (Es ist in der Orgontherapie vollkommen gleichgültig, daß der Patient etwa im Straßenverkehr einen Tobsuchtsanfall bekommen kann. Wichtig ist, daß sich die Wut auf der Matraze und mit Kontakt entlädt.) Glaubt wirklich jemand, außer vielleicht er ist Anhänger von Herbert Marcuse, daß aus dem Zerfall der Gesellschaft mehr erwachsen kann als – nur noch mehr Zerfall?
Wir leben gegenwärtig in einer Welt, in der jeder seine vermeintliche „Individualität“, seine „Persönlichkeit“ und seine „Identität“ ausleben will. Was dabei vollkommen unter die Räder gerät ist das, was man früher „Charakterstärke“ genannt hat: die Fähigkeit sich selbst zurückzunehmen, die eigenen Interessen hintanzusetzen, sich selbst infrage zu stellen und nach der Goldenen Regel zu leben, was vor allem Selbstkontrolle bedeutet.
Werden diese Funktionen rigide, haben wir es mit dem triebgehemmten Charakter zu tun, lösen sie sich auf, mit dem triebhaften Charakter. Beide sind unfähig sich selbst zu regulieren, doch immerhin kann der erste Rudimente der Arbeitsdemokratie aufrechterhalten, während sie in den Händen des letzteren im Chaos versinkt.
Leider glauben die antiautoritären Volksbefreier, daß in der systematischen Zerstörung der „Sekundärtugenden“ das Heil aufkeimt.
1929 beschrieb Reich die damalige Lage der Psychoanalyse wie folgt:
Wenn man der Psychoanalyse in den Händen, besser den Köpfen von nicht wirklich analytisch Ausgebildeten begegnet, erkennt man in ihr das Werk Freuds nicht wieder; die Sache mit der Sexualität stimme ja, aber die Übertreibungen… und wo bleibt das Ethische im Menschen? Analyse sei ja sehr richtig, aber… Synthese sei nicht weniger notwendig. Und gar als Freud auf seiner Sexualtheorie die Ichpsychologie aufzubauen begann, da ging ein hörbares Aufatmen durch die wissenschaftliche Welt: endlich beginne Freud seine Absurditäten einzuschränken, endlich komme auch das „Höhere“ im Menschen zu Wort, und überhaupt die Moral… Und es dauerte nicht lange, bis man nur mehr von Ichidealen reden hörte und die Sexualität, wie die stereotype Ausrede lautet, „selbstverständlich vorausgesetzt“ wurde. Man sprach von einer neuen Ära der Analyse, von einer Renaissance… die Psychoanalyse wurde mit einem Worte gesellschaftsfähig.
Nicht weniger trostlos, nur noch widerlicher, sieht es im breiten Publikum aus. Unter dem Drucke der bürgerlichen SexuaImoral hat man sich der Psychoanalyse als einer die Lüsternheit befriedigenden Modeangelegenheit bemächtigt, man analysiert einander die Komplexe, spricht in den Salons beim Fünf-Uhr-Tee von den TraumsymboIen, streitet ohne die geringste Sachkenntnis und nur weil es sich um Sexualität handelt, für und wider die Analyse, der eine ist begeistert von der großartigen „Hypothese“, der andere, kein geringerer Ignorant, ist überzeugt, daß Freud ein Scharlatan ist und seine Theorie eine Seifenblase, und überhaupt diese „einseitige Überschätzung der Sexualität, als ob es nichts anderes, ‚Höheres‘ gäbe“, und dabei spricht der „Kritiker“ über nichts anderes als über die Sexualität. In Amerika bilden sich ganze Vereine und Diskussionsklubs für Psychoanalyse, die Konjunktur ist gut, sie muß ausgenützt werden, man lebt seine unbefriedigte Sexualität aus und verdient außerdem mit einer Mache, die sich Psychoanalyse zu nennen wagt, viel Geld. „Psychoanalyse“ ist ein gutes Geschäft geworden. So sieht es außerhalb der Psychoanalyse aus.
Und innerhalb? Eine Abfallbewegung nach der anderen, die Forscher halten dem Druck der Sexualverdrängung nicht stand. Jung stellt die ganze analytische Theorie auf den Kopf und macht daraus eine Religion, in der von Sexualität keine Rede mehr ist. Ebenso führt die Sexualverdrängung bei Adler zur These, die Sexualität sei nur eine Erscheinungsform des Willens zur Macht, damit zur Abkehr von der Psychoanalyse und zur Gründung einer ethischen Gemeinde. Rank, früher einer der begabtesten Schüler Freuds, gelangt dadurch, daß er den Libidobegriff ichpsychoIogisch verwässert, zu seiner Mutterleibs- und Geburtstraumatheorie und leugnet schließlich die wesentlichsten analytischen Erkenntnisse ab. Immer wieder wirkt sich die Sexualverdrängung gegen die Psychoanalyse aus. Auch sonst kann man im psychoanalytischen Kreise selbst die gesellschaftliche und ökonomische Gebundenheit in ihrer mildernden, abschwächenden, Kompromisse bildenden Arbeit sehen. Nach dem Erscheinen von Das Ich und das Es ist jahrelang von der Libido kaum die Rede, man versucht, die ganze Neurosenlehre auf die Ich-Termini umzumünzen, man verkündet, daß erst die Entdeckung des unbewußten Schuldgefühls die Großtat Freuds sei, man sei erst jetzt zum Eigentlichen und Wesentlichen vorgedrungen. (Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse)
Wenn man das aufmerksam liest, fühlt man sich unwillkürlich in die Welt zwischen 1957 und 2016 versetzt:
Begegnet man dem Werk Reichs in der Version fast aller seiner Adepten, erkennt man es kaum wieder. Reichs zentraler Aussage von 1931, daß „die Neurose ein Produkt der Sexualverdrängung und der Stauung der sexuellen Energie (ist), ihre Heilung Aufhebung der Verdrängung und gesundes genitales Lebens (voraussetzt)“ (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 16), wird man nie begegnen. Stattdessen ein ermüdendes Blablabla über Pulsation, Blockaden und „Energie“. Statt von Sexualökonomie ist von „überweltlichen Wirkstrukturen“ und all dem verstaubten Krempel aus dem „New Age“ die Rede. Immer mehr tritt die Spiritualität, eben das „Höhere“, in den Mittelpunkt. Die Atmosphäre wurde „reiner“ und Versatzstücke von Reichs „körpertherapeutischer Arbeit“ akzeptabel für so gute wie alle. Man lese nur die schier unglaublichen Machwerke des verstorbenen Heiko Lassek! Beim breiten Publikum wird Reich nur noch mit „Orgonit“ und den Kinderfickern der Grünen in Zusammenhang gebracht. Wirklich jeder Schreiberling („Journalist“), der sich an das Thema heranwagt, kann sich von pornographischen Andeutungen und dem Suhlen im Psychotischen und Psychopathischen nicht wieder einkriegen. Wenn Reich verteidigt wird, dann als „Kämpfer gegen Rechts“, als Inspirator des besagten Grünen Abschaums und als „Rudolf Steiner“ für Arme. Ich habe an dieser Stelle keine Lust über so manchen vermeintlichen „Vertreter der Orgonomie“ herzuziehen. Wenn ich etwa daran denke, daß von manchen „Orgonomen“ ausgerechnet das Schwein Herbert Marcuse hervorgekramt wurde…
Hier ein Beispiel für die heutige Rezeption des Reichschen Werks:
Der Schriftsteller und Radiomann Matthew Sweet zeichnet für die Sendung The Life and Afterlife of Wilhelm Reich verantwortlich, die 2011 auf BBC Radio 3 lief. (Hier setzt sich der Dreck in einer Besprechung der Radiosendung fort.) Zentrum der Darstellung ist die „sexuelle Revolution“. Reichs Ideen hätten dazu beigetragen die 60er Jahre zu formen. Von der wirklich wichtigen Sache, den Kindern der Zukunft, ist an keiner Stelle in dem 45 minütigen Beitrag auch nur ansatzweise die Rede. Und das im Heimatland von A.S. Neill! Die Sendung sagt mehr über die heimlichen Obsessionen von Herrn Sweet aus als über Reich und seine Probleme!
Eingerahmt und zusammengehalten wird die Sendung von Sweets kurzem Besuch auf Reichs zugeschneiten Anwesen Orgonon. Hinzu kommen am Anfang und Ende der Sendung zwei Ausschnitte aus Reichs Tonaufnahme „Alone“, in der er darüber reflektiert, daß er keinen Gesprächs- und Ansprechpartner habe, der seine Arbeit auch nur annähernd verstehen würde. Die Sendung ist nach der Assoziationstechnik aufgebaut: „verschneites Orgonon → verschneites Galizien → ein kalter Hauch durchzog auch Reichs Kindheit → Selbstmord der Mutter“. Nach diesem Muster ist die gesamte Sendung gestaltet. In Maßen und als Notlösung ist das ja vertretbar, aber bei Sweet ist es das einzige Formelement! Genauso war 1987 Digne Meller Marcovicz‘ Film Wilhelm Reich – Viva, Little Man gestaltet. Ganz große Kunst!
Mary Higgins, seit einem halben Jahrhundert die Kuratorin des Wilhelm Reich Infant Trust, führt Sweet durch das Museum. Als nächstes wird der Orgontherapeut Harry Lewis interviewt, ein Schüler von Victor Sobey, der wiederum einer der medizinischen Orgonomen zu Reichs Lebzeiten war. Hier sind die beiden 1993 zu sehen:
Lewis berichtet über den Konflikt Freud-Reich und im Anschluß daran Higgins über Reichs Sexpol-Zeit in Berlin. Wie Sweet sich ausdrückt: „Er gab jungen verwirrten Berlinern radikale Ratschläge über Sex.“ Higgins‘ Beschreibung ist vollkommen korrekt, doch vorher hat Sweet vorgegeben, wie man das zu verstehen hat.
Reich habe, Sweet zufolge, nicht nur eine Marxistische, sondern auch eine sexuelle Revolution angestrebt. Als nächstes kommt – die Pest vollends zum Zuge: Christopher Turner. Turner ist Autor des 2007 erschienenen Buches Adventures in the Orgasmatron: How Renegade Europeans Conceived the American Sexual Revolution and Gave Birth to the Permissive Society.
In Sweets Sendung erklärt uns Turner Reichs Buch Die Massenpsychologie des Faschismus!
Hier eine Beschreibung von Turners pestilentem Machwerk:
Die faszinierende jedoch bisher unbekannte Geschichte über Wissenschaft, Sex und das Amerika der Nachkriegszeit.
Bereits lange vor den 1960er Jahren entwickelte sich die sexuelle Revolution in Amerika angeführt von verbannten europäischen Denkern, die das weite Land als reif für die Befreiung erachteten. (…) Turner erzählt die Geschichte der Revolution – eine erhellende, packende, oft bizarre Geschichte über Sex und Wissenschaft, Ekstase und Repression.
Im Zentrum der Schilderung steht die Orgon-Box – eine große, schlanke Konstruktion aus Holz, Metall und Stahlwolle. Ein Mensch, der in der Kiste saß, konnte, wie geglaubt wurde, sein „orgastisches Potential“ erhöhen – den Körper von repressiven Kräften befreien und seine sexuelle Potenz verbessern. Norman Mailer, Saul Bellow und William Burroughs saßen in der Orgon-Box und suchten nach einer Synthese von sexueller und politischer Befreiung.
Die Box war die Erfindung von Wilhelm Reich, einem Außenseiter der Psychoanalyse und abtrünnigen Anhänger Freuds, der seine Theorien über die sexuelle Energie während des Zweiten Weltkriegs nach Amerika brachte. Bei ihm handelt es sich um die archetypische Geschichte eines zielstrebigen Wissenschaftlers, der sich mit einer argwöhnischen Gesellschaft in Konflikt befindet: er war mit einem landesweiten Verbot seiner Orgon-Box konfrontiert, einer Untersuchung durch das FBI, einer aufreibenden Begegnung mit Einstein und Anfällen von Verfolgungswahn, die es ihm verunmöglichten sich selbst zu verteidigen.
Turners lebhafter Darstellung zufolge nahmen Reichs Bestrebungen jene von Alfred Kinsey, Herbert Marcuse und anderen prominenten Denkern vorweg – Bestrebungen, die eine Transformation der westlichen Einstellung zur Sexualität herbeiführten in einer Art und Weise, die diese Denker nicht einmal selbst sich hätten vorstellen können.
Exakt, wortwörtlich, die gleiche Scheiße, mit der es Mildred Brady Ende der 1940er Jahre gelang, die FDA auf Reich aufmerksam zu machen, was schließlich zu seiner Inhaftierung und vorzeitigem Tod führte. Die Emotionelle Pest bleibt sich treu!
Das ist auch ungefähr der Inhalt von Sweets Radiosendung. Norman Mailer, Saul Bellow und William Burroughs werden als Beispiele für Reichs Einfluß erwähnt. Lewis weist darauf hin, wie berühmt Reich doch war, als er in Amerika erschien: der Hörsaal der New School of Social Research in New York sei vollständig überfüllt gewesen. Morton Herskowitz beschreibt seine Begegnung mit Reich und die Orgontherapie. Turner beruft sich auf „Reichs Tochter“ (wohl Lore Reich), die ihm erklärt habe, daß Reich, der manische und depressive Episoden gehabt habe, doch ganz offensichtlich „manisch-depressiv“ gewesen sei. Higgins stellt auf unangenehm sektiererisch und „kultisch“ wirkende Weise Reichs Umgang mit der FDA und dem amerikanischen Gerichtssystem als Triumph dar: die Wissenschaft habe sich durchgesetzt. Die Qual endet mit einer Aussage der feministischen Theoretikerin Germaine Greer, die sehr stark von Reich beeinflußt wurde:
Leider habe sich gezeigt, daß die sexuelle Revolution nicht zu mehr Glück geführt habe, denn die Befreiung des Sex habe gezeigt, daß er wie alles andere auch sei, d.h. mit dem Wegfall der äußeren Repression hätte sich gezeigt, daß selbstregulierte Sexualität nicht zärtlich und liebevoll sei – diese Vorstellung sei angesichts der Realität offensichtlich verrückt gewesen. Außerdem habe man, anstelle das repressive Gesellschaftssystem politisch zu analysieren, sich, Reich folgend, quasi religiös nach innen gekehrt, um die Repression in seinem Inneren zu suchen. Dies habe eine ganze Generation (politisch) lethargisch gemacht.
Diese Leute können sich ihr gesamtes Leben mit Reich beschäftigen – und nichts, rein gar nichts, verstehen!
Was Lewis geradezu enthusiastischen Hinweis auf Reichs Aufnahme in New York betrifft: das hat einen Hintergrund, der in der Radiosendung (man möchte sagen: zum Glück) nicht durchklingt. Sobey war der einzige Orgontherapeut in Reichs Umgebung (obwohl alle, bis auf Baker und Silvert, linksliberal eingestellt waren), der sich selbst als eine Art „Marxist“ verstand. Bei ihrem letzten Treffen vor seiner Inhaftierung habe sich Reich ihm gegenüber ausdrücklich zu Marx bekannt. In der Folgezeit bildeten er und seine Schüler, insbesondere Lewis, so etwas wie das „Linksaußen“ der Orgonomie. Wenn Lewis sagt, Reich wäre in New York begeistert empfangen worden, bezieht sich das auf die Sozialisten. Was Leute wie Lewis geflissentlich nicht erwähnen, ist daß Reich genau zu diesem Zeitpunkt mit seinem Konzept „Arbeitsdemokratie“ sich ein für allemal von den Sozialisten distanziert hat. Ilse Ollendorff beschreibt das als Zeitzeugin in ihrer Reich-Biographie. Reich hätte es so einfach haben können, wenn er nur opportunistischer gewesen wäre!
Herskowitz beschreibt die Halsstarrigkeit als Beispiel für Reichs therapeutische Herangehensweise. Halsstarrige Menschen seien buchstäblich halsstarrig. Er würde das so angehen, daß er den Muskel drückt bis dieser schmerzt und die Patienten dabei auffordern, die Gefühle auszudrücken, die von der kontrahierten Muskulatur zurückgehalten werden. Gut, nur leider geht heute kein gutausgebildeter Orgontherapeut mehr so vor! Ich habe mich damit in Warum Orgontherapie nichts bringt beschäftigt. Das dort dargestellte Orgontherapie-Opfer war ein Patient aus dem Sobey-Umfeld.
Reich als „manisch-depressiv“ zu beschreiben, weil sich Phasen großer Verzweiflung mit denen überbordendem Enthusiasmus und Optimismus abwechselten, ist an Gemeinheit kaum zu überbieten. Hier ist nicht der Platz, um sich mit Reichs Charakter und persönlichen Problemen zu beschäftigen. Faszinierend ist, wie paßgenau Reich „diagnostiziert“ wird, um sich eine wirkliche Auseinandersetzung mit seinem Werk zu ersparen. Er wurde einfach verrückt und man braucht sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr mit seinen Forschungen beschäftigen. Oder er war manisch-depressiv, so daß man sich Dinge aus jenen Phasen herausgreifen kann, in denen er ernst zunehmen war. Wenn man „Alone“ hört: der arme Mann! Wenn man vom Schwung seiner Arbeit mitgetragen zu werden droht: der arme Mann!
Higgins scheint vom gleichen Kaliber wie die kleingeistigen Fanatiker, mit denen sich Reich in seinen letzten Jahren umgab. Man siehe dazu meine Ausführungen in Fragwürdigkeiten der Reich-Biographik. Man kann es so sehen oder so… Als Treue zu Reich – oder als ultimativem Verrat an dem Mann. Geradezu… „tragikomisch“ ist das falsche Wort – ist es, wenn Higgins sagt:
Und, wie Sie wissen, wenn es eine Sache gibt, denke ich, die seit Reichs Tod sich als richtig erwiesen hat – obwohl sicherlich wenig, wenn überhaupt, sehr wenig wissenschaftliche Arbeit geleistet wurde und so weiter und so weiter – aber ich glaube der Trust hat die Richtigkeit von Reichs anfänglicher Haltung bewiesen.
Mein Gott, wenn der Trust etwas bewiesen hat, dann, daß es ohne Reich keine orgonomische Forschung mehr gab!
Auf den Einwand, der Einsatz sei hoch gewesen (Reichs Leben!), antwortet Higgins, daß es um Reichs Arbeit ging und daß er niemandem erlaubte, sich ihr in den Weg zu stellen.
Er hätte geradezu getötet, um sie zu schützen. Und tatsächlich hat er hier ein Gewehr bei sich getragen und wollte nicht mit den FDA-Agenten sprechen.