Posts Tagged ‘Faschismus’

Roter und schwarzer Sadismus

7. Februar 2017

Dem Kommunisten geht es um Macht um ihrer selbst willen (die berühmte „Machtfrage“). Da er vom Kern abgetrennt ist, ist die absolute Kontrolle die einzige Möglichkeit, um mit dem inneren Terror (der Orgasmusangst, Angst vor „Kontrollverlust“) fertigzuwerden. Der Faschist hingegen mit seinem verzerrten Kernkontakt sieht sich als „Ritter“, der einer Mission „im Auftrag des Herrn“ folgt, dem Ozeane von Blut geopfert werden. Der norwegische Massenmörder Breivik ist ein gutes Beispiel, die Kämpfer des Islamischen Staats sind ein anderes.

Vom Ödipuskomplex her betrachtet, rebelliert der Kommunist gegen den brutalen Vater, während der Faschist sich mit ihm identifiziert und ihn zu übertrumpfen sucht. Der Kommunist versucht die überkommene Ordnung zu zerschlagen, der Faschist versucht sie karrikaturhaft zu überbieten. Man schaue sich nur an, was nach dem Ersten Weltkrieg in Europa geschah.

Wie lautet der Spruch? „Der Kommunist tötet dich zu deinem Besten, der Faschist tötet dich zu seinem Besten.“ Die Handlungen des Kommunisten werden durch seine intellektuelle Abwehr bestimmt. Entsprechend ist sein Sadismus eingebettet in ein Gedankensystem, das moralische Überlegenheit signalisiert. Der Faschist, mit seiner muskulären Abwehr, lebt schlicht seine Brutalität aus.

The Mass Psychology of Fascism (1970) und andere Übersetzungen

27. Januar 2017

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

The Mass Psychology of Fascism (1970) und andere Übersetzungen

Reich und Hegel

23. Januar 2017

Ausgangspunkt von Hegels Philosophie ist die Frage, wie Bewegung überhaupt möglich ist. Zenons Paradoxon ist allgemein bekannt: ein Pfeil kann sich vom „philosophischen“ Standpunkt her nicht bewegen, denn in jedem Moment, an dem wir den Pfeil mit unserem „philosophischen Auge“ betrachten, steht er still. Es ist wie bei den Einzelbildern einer Filmrolle. Hegel zufolge ist Bewegung nur möglich, weil zwei sich gegenseitig ausschließende Tatsachen (der Pfeil ist entweder hier oder dort) koexistieren können (der Pfeil bewegt sich). Diese Einheit von „hier“ und „dort“ ist die synthetische Funktion des Geistes, und so ist alles um uns herum eigentlich nichts als Geist oder vielmehr die Entfremdung des „reinen Geistes“, d.h. der Logik und ihrer Bewegungsgesetze jenseits von Raum und Zeit. Dieser „Geist“ ist autonom, d.h. weder mein Verstand („hier“) noch dein Verstand („dort“), sondern der allgemeine Geist. Der „reine Geist“ wird zum „absoluten Geist“, wenn er sich in Kunst und Musik, Religion und Philosophie manifestiert, wo sich der Geist seiner selbst bewußt wird. Der „absolute Geist“ ist die höhere Synthese des „subjektiven Geistes“ des Individuums und des „objektiven Geistes“ der Ethik (Familie, Gesellschaft, Staat). Dieser „objektive Geist“ manifestiert sich in der Geschichte der Welt, und die Geschichte der Welt ist nichts anderes als die Geschichte von Staaten, Reichen und Dynastien. Das endgültige Ziel dieser Entwicklung ist, wie angedeutet, der „absolute Geist“. Daher muß das egoistische Individuum, das die Entwicklung des „objektiven Geistes“ behindert, unterjocht, d.h. vollkommen der Ethik unterworfen werden. Der Staat ist alles, denn der Staat ist die Manifestation Gottes, oder vielmehr führt der Staat zur endgültigen Manifestation Gottes als „absoluter Geist“. Dergestalt waren „Staaten mit einem philosophischen Ziel“, also kommunistische (und faschistische) Staaten die höchsten Manifestationen des Hegelschen Denkens. Marx war die Fortsetzung von Hegel: die vollständige Unterwerfung des egoistischen Individuums unter die Idee „Menschheit“ (heute „Globalismus“). Max Stirner war das Gegenteil von Hegel: die „subjektive“, „unethische“ Selbstregulierung.

Reich hat sich von Anfang an auf die Seite von Stirner gestellt. Warum er dann als „Marxist“ galt und sich auch selbst mehr oder weniger bis zum Schluß als solcher betrachtete? Weil er Anhänger der Dialektik war, d.h. glaubte, daß es bestimmte „Bewegungsgesetze“ gibt. Der Unterschied ist nicht nur, daß die „Reichsche Dialektik“ nach zur Zukunft hin offen ist. Er wurde aus der KPD geworfen, weil er behauptet hatte, daß die Kommunisten, auf der Seite doch „die Geschichte“ stand, verloren hatten. Er glaubte nicht an die Rationalität des bisherigen „eisernen“ Geschichtsablaufs. Aber vor allem: Reich vertrat nicht die „Vergesellschaftung des Menschen“, die „Ethik“, d.h. das Verinnerlichen der Vorgaben jener, die dich in der Hand haben. Stalin war die Verkörperung des Über-Ichs schlechthin, der Stalinismus die denkbar brutalste Vorführung, wie das Über-Ich installiert wird: werde wie ich oder stirb.

Die historisch-materialistische Interpretation und die bio-psychologische Interpretation des Todestriebes und der gesellschaftlichen Ideologie

14. Januar 2017

Der sozialistische Kampf, das theoretische Organ des Austromarxismus war im faschistischen Österreich verboten. Es wurde deshalb in der Tschechoslowakei veröffentlicht. Sein Herausgeber war der berühmte Otto Bauer, Führer des „Austromarxismus“. Anläßlich von Freuds 80. Geburtstag veröffentlichte das Magazin 1936 zwei Artikel. Einen von W.M. (d.i. Karl Frank): „Sigmund Freud und der revolutionäre Sozialismus“. Wegen dem historischen, d.h. bürgerlichen Hintergrund der Psychoanalyse und der Enge des zeitgenössischen Marxismus gäbe es bis heute (1936) keine marxistische Analyse der Psychoanalyse. Es gäbe eine Freudsche Philosophie, z.B. Freuds Todestrieb, die mit Oswald Spengler gemeinsame Wurzeln habe, nämlich die Philosophie der untergehenden Bourgeoisie. Trotzdem schuf Freud eine moderne Psychologie, indem er auf die soziale Verursachung psychologischer Tatbestände hinwies und dergestalt eine biologisch-materialistische Grundlage für eine Herangehensweise entwickelte, die dem historischen Materialismus ähnlich sei. Die grundlegende Leistung der Psychoanalyse sei ihr Beitrag zum Verständnis des sozialen Überbaus (Wolfgang Huber: Psychoanalyse in Österreich seit 1933, Wien: Geyer-Edition, 1977; Ernst Glaser: Im Umfeld des Austromarxismus, Wien: Europaverlag, 1981, S. 271).

Das entspricht auch weitgehend Reichs damaliger Sichtweise (siehe dazu Otto Fenichels 119 Rundbriefe, Bd. 1, S. 379f). Reich ist nur weitergegangen, über die Psychoanalyse und den Marxismus hinaus. Zunächst einmal führte nicht die soziologische Verortung der Todestriebtheorie (Ideologie der „untergehenden Bourgeoisie“) zu deren Überwindung, sondern die Durchdringung des Masochismus als bio-psychologisches Problem, d.h. als einer Funktion der Panzerung (siehe Charakteranalyse). Und überhaupt, was den ideologischen „Überbau“ betrifft: dieser ist tatsächlich eine Funktion der dreischichtigen bio-psychologischen Struktur des gepanzerten Menschen (siehe Die Massenpsychologie des Faschismus).

Es ist ernüchternd, daß man sich noch heute mit der Denkungsweise, die im ersten Absatz dargestellt wurde, auseinandersetzen muß – selbst bei „Reichianern“.

Politik und Religion in der Orgonomie

9. Januar 2017

JDie soziopolitische Charakterologie geht auf das 1942 verfaßte Vorwort zur amerikanischen Neuauflage von Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus zurück, wo er die drei Schichten des Charakters, die er in der Charakteranalyse entdeckt hatte, mit der gesellschaftlichen Ideologie verknüpfte. Die oberste Charakterschicht, die die destruktiven, d.h. durch die Panzerung erzeugten „sekundären“ Triebe nach außen hin abschirmt, setzte er mit der rationalistischen Ideologie des liberalen Bürgertums gleich, die mittlere Charakterschicht (die sekundären Triebe) mit dem irrationalen Faschismus und schließlich die unverzerrte, ursprüngliche biologische Kernschicht mit dem, was er als „Arbeitsdemokratie“ bezeichnete, rationales Verhalten.

Elsworth F. Baker hat diesen Ansatz in den 1960er Jahren systematisiert, indem er das gesamte soziopolitische Spektrum in insgesamt 9 soziopolitische Charaktere eingeteilt hat. Auf der linken Seite findet sich zunächst der echt Liberale, dessen charakterliche Fassade seine sekundären Triebe in Schach hält. Je weiter es nach links geht, desto stärker wird diese Abwehr, zusammen mit einer zunehmenden Panzerung und entsprechend stärker drängenden sekundären Trieben, bis es beim Kommunisten zu einem Umschlag kommt: die Fassade heuchelt nunmehr nur die Abwehr der sekundären Triebe der mittleren Schicht vor, um diese um so effizienter auszudrücken. Das ist das, was Reich als „roten Faschismus“ bezeichnet hat.

Auf der rechten Seite sieht das ähnlich aus. Nach rechts hin drückt die Fassade die mittlere Schicht immer unverblümter aus, während der Kontakt zum bioenergetischen Kern mystisch verzerrt ist, während er auf der linken Seite praktisch ganz fehlt.

Der Grundunterschied zwischen links und rechts ist die Art, wie Triebe abgewehrt werden. Während die rechte Seite vor allem muskulär gepanzert ist, gebraucht die linke Seite weitgehend ihren Intellekt als Abwehr. Bei der Rechten dreht sich, Charles Konia zufolge, alles vor allem um Emotionen „aus dem Bauch heraus“ (Individualismus), während bei der Linken sich alles um Sensationen, d.h. um „Eindrücke“ dreht (Kollektivismus).

Der oben dargelegte Unterschied zwischen links und rechts findet seine Entsprechung in jener emotionalen Religiosität, von der Reich sprach, und der sozusagen „linken“ „sensationalen“ „Spiritualität“, der viele „Reichianer“ anhängen.

Reichs Mitarbeiter zeigten sich verwundert, als er sich seit den 1940er Jahren immer positiver über Religion äußerte und seine geschiedene Frau war wirklich erstaunt, als er am Ende an den gemeinsamen Sohn Gebete schickte und beispielsweise einen Nachdruck von Dürers betenden Händen. Dazu ist zu sagen, daß jene, die ihm bis zum Ende nahe standen, bei ihm nie religiöse Anwandlungen im eigentlichen Sinne wahrnahmen, er also nicht vor einer „Konversion“ zu irgendeiner christlichen Glaubensgemeinschaft stand.

Die erwähnte Verwunderung kommt daher, weil Reich anfangs Religion als eine Art antisexuelle Verschwörung wahrgenommen hatte, die gleichzeitig Sexualersatz war, also eine Art Perversion. Als er aber schließlich feststellen mußte, daß die inneren orgonotischen Strömungen ihre Entsprechung in atmosphärischen und gar kosmischen Strömungen hatten, sah er sich gezwungen das religiöse Empfinden ernster zu nehmen. Religiöse Menschen nahmen etwas Reales war, entstellten es jedoch je nach ihrer Panzerstruktur.

Rächtz

29. Dezember 2016

Die Protokolle der Weisen von Zion wurden von Pjotr Iwanowitsch Ratschkowski, einem Agenten des russischen Geheimdienstes Ochrana fabriziert. Ursprünglich war Ratschkowski ein Linker, änderte aber seine Haltung und wurde 1881 Mitglied der rechtsextremen Organisation „Heilige Druschina“ und im Jahre 1883 Offizier der Sicherheitspolizei von St. Petersburg. Ab 1884 leitete er zwei Jahrzehnte lang in Paris sämtliche geheimen Operationen der Ochrana außerhalb Rußlands. In Paris war er Mitglied zahlreicher esoterischer und okkulter Kreise. Zurück in Rußland veröffentlichte er im Jahr 1903 Die Protokolle der Weisen von Zion, die später zur Bibel von Adolf Hitler und Heinrich Himmler wurden (Eduard Gugenberger, Franko Petri und Roman Schweidlenka: Weltverschwörungstheorien. Die neue Gefahr von Rechts, Wien: Franz Deuticke Verlag, 1998).

Warum ich das erwähne? Weil man den Rechtsextremismus („Schwarzen Faschismus“) am besten an der vermeintlichen „Esoterik“ und am „Okkultismus“ festmachen kann. Es ist gleichgültig, daß etwa die Nazis, insbesondere Heydrich, zeitweise gegen den esoterischen und okkultistischen „Schmutz“ vorgegangen sind, denn im Kern dreht sich bei allen Schwarzen Faschisten alles um die untrennbare Einheit von Mystizismus und Sadismus. Die Panzerung des Schwarzen Faschisten verwehrt ihm jeden Zugang zu einem erfüllenden Leben. Seine vage (mystische) Ahnung des ihm verschlossenen Lebens verbindet sich auf eine ungute, perverse Weise mit seinen gewaltsamen (sadistischen) Versuchen aus diesem Gefängnis auszubrechen. Auf diese Weise entsteht eine in sich geschlossene paranoide Vorstellungswelt, die bevölkert wird von Teufeln („Juden“) und Engeln („Ariern“). In den heutigen Buchhandlungen gibt es ganze Regalwände, die in den Irrsinn hineinführen, in dem Ratschkowski lebte, aber man zieht es vor die Gefahr bei jenen zu suchen, die aus politischem Kalkül und ohne jede Einsicht in die biopsychologischen Zusammenhänge willkürlich in die rechte Ecke verwiesen wurden.

Links- und Rechtsextremismus kann man nur mit Hilfe der von Elsworth F. Baker und Charles Konia entdeckten soziopolitischen Charakterologie verstehen. Siehe dazu Dr. Konias Blog http://www.orgonomie.wordpress.com.

Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

24. Dezember 2016

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna (2002)

Skan Reader (1996)

16. Dezember 2016

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Skan Reader (1996)

Trump und Hitler

22. Oktober 2016

Liest man die Facebook-Einträge der traurigen Gestalten in Amerika, die sich als Schüler Reichs gerieren, „aber“ ständig gegen Trump herziehen… Sie entblöden sich nicht, ständig Hitler an die Wand zu malen und Die Massenpsychologie des Faschismus hervorzukramen. Der einzige Unterschied zwischen Trump und Hitler sei, daß ersterer ständig den Clown spielt. Es zieht einem die Schuhe aus!

Was stört sie wirklich? Daß Trump das Leben liebt und männliche Virilität ausstrahlt? Daß bei Trumps riesigen Versammlungen die Menschen mitgerissen werden, während sie bei Hillarys vergleichsweise winzigen Zusammenkünften beinahe einschlafen? Ist es vielleicht die Orgonenergie selbst, die vegetative Erregung der Massenzusammenkünfte, die sie nicht ertragen können? Die ihre hirnzentrierte, „liberale“ Charakterstruktur, die stets mit einem anämischen Energiesystem einhergeht, nicht ertragen kann!

Können sie die Farmer, Kleingewerbetreibenden, Handwerker, Militärs und Arbeiter nicht ertragen, die Trumps Wahlveranstaltungen bevölkern? Die haben durchweg eine vollkommen andere Charakterstruktur als sie! Erschreckt sie die Rohheit der „Arbeitssphäre“, etwa die von Zimmerleuten und Bauarbeitern, zwischen denen Trump aufgewachsen ist? (Wie es da zugeht, wird sehr schön in Clint Eastwoods Arbeiterepos Gran Torino gezeigt)

Merken sie gar nicht, was für erbärmliche Gestalten sie sind, wenn sie Hitler hervorkramen und Reich mißbrauchen, um mit ihrer Lebensangst (ORGASMUSANGST) fertigzuwerden? Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.

Rackelmann: Der Konflikt des „Reichsverbandes für Proletarische Sexualpolitik“ (Sexpol) mit der KPD Anfang der dreißiger Jahre (1992)

21. September 2016

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Rackelmann: Der Konflikt des „Reichsverbandes für Proletarische Sexualpolitik“ (Sexpol) mit der KPD Anfang der dreißiger Jahre (1992)