
Posts Tagged ‘Tiefenpsychologie’
DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 10. Der Christusmord nach Lukas / Thyl Ulenspiegel
16. August 2022Buchbesprechung: THE MASS PSYCHOLOGY OF FASCISM (Teil 1)
17. Oktober 2020David Holbrook, M.D.: RASSISMUS, RECHTS UND LINKS / BORDERLINE-POLITIK / „INFLAMMATORISCHE POLITIK“ / GEWISSHEIT UND UNSICHERHEIT / WAHRHEIT UND ZWANG
15. September 2020Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 66
21. Mai 202066. Mechanistischer Kausalismus, mystischer Finalismus und energetischer Funktionalismus
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Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 12)
19. April 2020Zum aufklärerischen Gestus gehört es darauf zu verweisen, daß die politische Einteilung in links und rechts ungeeignet wäre, die Realität zu spiegeln, da sie historisch willkürlich auf die Sitzverteilung in irgendwelchen Ständeversammlungen oder Parlamenten zurückgehe. Nun, auch in der Physik ist die Einteilung in „plus“ und „minus“ vollkommen willkürlich (und eigentlich falsch!), aber trotzdem würde niemand in eine Steckdose greifen. Wie immer die Begrifflichkeit entstanden ist und welche sachlich falschen Vorstellungen auch in sie eingeflossen sind: sie spiegelt eine Realität wider.
Im Falle der grundlegenden politischen Einteilung in links und rechts hat Elsworth F. Baker den tiefenpsychologischen und bioenergetischen (den charakterologischen) Hintergrund dieser Einteilung offengelegt. Der Linke rebelliert gegen den Vater auf subversive Weise und trennt sich dabei von seinem bioenergetischen Kern, während der Rechte dem Vater nacheifert und mit ihm in offene Konkurrenz tritt. Entsprechend bleibt der Rechte mit seinem Kern in Kontakt, wenn auch auf mehr oder weniger stark verzerrte („faschistische“) Weise. Praktisch wird dieser Unterschied vor allem im Verhältnis zu den Toten, den Ahnen, also letztendlich dem Vater, deutlich. Der Linke haßt und verachtet die Toten. Am liebsten würde er gerne ihr gesamtes Erbe vom Tisch wischen, vergißt dabei aber, daß er sich selbst damit der Grundlage seiner gesamten ideellen und materiellen Existenz entledigt. Der Rechte liebt die Toten und geht ganz im Überkommenen auf und schwebt so in der ständigen Gefahr selbst in Totenstarre zu verfallen.
Ein Beispiel ist die Weimarer Republik, wo die Kommunisten trotz aller nationalistischen Rhetorik eindeutig das zerstörerische Element waren, während „die Reaktion“ eben das war, trotz aller sozialistischen Rhetorik der „Nationalsozialisten“. Anfangs hatte Hitler sogar vor, ähnlich wie später Franco in Spanien, die Monarchie wiedereinzusetzen. Nichtsdestotrotz ist es im Rahmen des „Dritten Reiches“ sinnvoll, Hitler als den Linken zu betrachten, der sich von allem Überkommenen löste und sich von der „verknöcherten Reaktion“ bedroht sah. Er betrachtete den Stauffenberg-Anschlag als Angriff von rechts und lag damit richtig, beriefen sich die Putschisten doch auf das Preußische Erbe, während Hitler „wie Stalin“ am liebsten Tabula rasa gemacht hätte.
War Hitler nun ein Linker oder ein Rechter? Das muß man funktionell betrachten! In der Elektrizitätslehre ist die Einteilung in Minus- und Pluspol eindeutig: die Elektronen fließen immer von minus zu plus, doch trotzdem können sich Batterien umpolen (und dabei schnell kaputtgehen), so daß die Elektronen nun vom (aufgedruckten) „Pluspol“ zum (aufgedruckten) „Minuspol“ fließen. Man muß immer den Zusammenhang sehen, was aber eben durchaus nicht bedeutet, daß „alles relativ ist“.
nachrichtenbrief112
27. April 2018
Peter liest Peter Gays Freud-Biographie
13. Februar 2018Freud warf Jung vor, die Libido zu einer „universalen Energie“ zu verwässern. Adler habe die Libido durch eine „universale aggressive Kraft“ („Wille zur Macht“) ersetzt. Freud beharrte auf seinem explizit dualistischen Ansatz, da die „psychologische Aktivität im wesentlichen von Konflikten geprägt sei“ (Peter Gay: Freud, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 2006, S. 447). „Seine Schriften sind voll von Gegenüberstellungen wie aktiv und passiv, männlich und weiblich, Liebe und Hunger und (…) Leben und Tod“ (S. 447).
Gay erwähnt Stefan Zweig: „Zweig mit seiner Begabung für die Übertreibung und die auffälligen Antithesen hat eine Strähne, eine sehr bunte Strähne, aus einem wirren Gewebe von Druck und Gegendruck herausgegriffen“ (S. 574). Das ist genau jene Fruchtbarmachung von Antithesen, die Reich in der Charakteranalyse vorexerzierte, zu der Freud aber weitgehend unfähig war.
Am nächsten kommt Freud dem „Universalen“ vielleicht mit seinem Konzept des Es, das er bei Groddeck entlehnt hatte. Groddeck über Das Ich und das Es: „Dabei hat (Freuds) Es nur bedingten Wert für die Neurosen. Er macht den Schritt in das Organische nur heimlich, mit Hilfe eines von Stekel und Spielrein genommenen Todes- oder Destruktionstriebes. Das Aufbauende meines Es läßt er beiseite, vermutlich um es das nächstemal einzuschmuggeln“ (z.n. Gay, S. 461). Freuds „Es“ bringt, so Freud am Ende von Das Ich und das Es „keinen einheitlichen Willen zustande“, weil in ihm Eros und Todestrieb miteinander ringen (S. 462).
Das „Aufbauende“, dessen Fehlen Groddeck monierte, kam beispielsweise in den Schlußworten zu Das Unbehagen in der Kultur zum tragen. Freud: „Und nun ist zu erwarten, daß die andere der beiden ‚himmlischen Mächte‘, der ewige Eros, eine Anstrengung machen wird, um sich im Kampf mit seinem ebenso unsterblichen Gegner zu behaupten“ (z.n. Gay, S. 621).
Freud bezeichnete die Analytiker, sich selbst eingeschlossen, „als „im Grunde unverbesserliche Mechanisten und Materialisten“ (S. 498), doch immer wieder scheint das imgrunde mystische Grundwesen der Psychoanalyse durch. Von wegen „himmlische Mächte“!
Freud sprach stets von „die Wissenschaft“, doch was meinte er damit eigentlich konkret? Er, der sich spätestens seit 1900 kaum noch mit der Wissenschaft beschäftigte und vollkommen in einer „Psychologie“ aufging, die sich in Deutungen erschöpfte („Tiefenpsychologie“). Man denke nur an seinen Lamarckismus, der bei ihm einen dezidiert mystischen Charakter annahm („Geist über Materie“). Dazu Gays folgende Anmerkung:
Während des Krieges spielte er, wie er Abraham schrieb, mit der Möglichkeit, Lamarck für die Sache der Psychoanalyse zu rekrutieren, indem er zeigt, daß Lamarcks Idee des „Bedürfnisses“ nichts anderes ist als „die Macht der Vorstellung über den eigenen Körper. Wovon wir Reste bei der Hysterie sehen, kurz die ‚Allmacht der Gedanken‘“. (S. 414)
Andererseits: in seinem Dialog mit Romain Rolland, wo dieser von „ozeanischen Gefühlen“ sprach, die Grundlage des religiösen Empfindens seien, konnte Freud nur konstatieren, daß er dieses Gefühl nicht kenne (S. 612).
Die Psychoanalyse sei, so Gay über Freud, „die Kunst und Wissenschaft des geduldigen Zuhörens“ (S. 293). Immerhin hier konnte Reich Freud folgen: die Natur nicht im Kantschen Sinne „foltern“, sondern sie sprechen lassen.
Und was schließlich den orgonomischen Funktionalismus betrifft: In Gays Worten ist es „ein Gemeinplatz der psychoanalytischen Lehre, daß die dramatischten Unterschiede, wie weit auseinanderstehende Äste aus demselben Stamme entspringen können“ (S. 632). Beispielsweise schrieb Freud über die Gefühlskonflikte des „Rattenmanns“, sie seien „nicht unabhängig voneinander, sondern paarig miteinander verlötet. Der Haß gegen die Geliebte mußte sich zur Anhänglichkeit an den Vater summieren und umgekehrt“ (S. 302).


















