Die Macht des Abstandhaltens

3. April 2020


Die Bioenergetik der Coronavirus-Krise (Teil 2).

Die Macht des Abstandhaltens

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Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 7)

2. April 2020

Der letztendliche Verdacht, dem die Orgonomie insbesondere von linker und gerade auch von gemäßigter, d.h. rationaler liberaler Seite ausgesetzt ist, ist der Klassiker schlechthin: mit der Diagnose „Emotionelle Pest“ würde sich Reich gegen jedes rationale Gegenargument immunisieren und damit letztendlich selbst faschistisch agieren!

Typisch für jedwedes liberale Argument (intellektuelle Abwehr!) ist das eine bloße, abstrakte Logelei. Wo gibt es für diese Anschuldigung ein konkretes Beispiel? Hier ist es nämlich so, daß der Liberale von seiner Struktur, die dazu führt, daß er nur in abstrakten, vom wirklichen Leben losgelösten Kategorien denken kann, auf andere schließt. Was ist denn „Emotionelle Pest“? Der pestilente Charakter leidet unter dem charakterstrukturellen Zwang zerstörerisch und „böse“ zu handeln, gibt aber stets das gegenteilige Motiv an. Das unterscheidet ihn fundamental sowohl vom genitalen Charakter, als auch vom gewöhnlichen neurotischen Charakter. Die Diagnose „Emotionelle Pest“ ist einfach, wenn man sich die Frage stellt, „was am Ende dabei herauskommen wird“, also welche Funktion eine bestimmte Handlung hat. Was kann beispielsweise dabei herauskommen, wenn man kulturfremde und (nach hiesigen Standards) fast durchweg ungebildete junge Männer im besten Wehralter aus Krisengebieten ins Land holt, also Fahnenflüchtige, die entweder, feige wie sie sind, Kinder, Frauen und Greise ungeschützt zurücklassen oder gar nicht wirklich aus Krisengebieten stammen, sondern einfach nur Abenteurer sind? Jedwedes vorgeschobene Motiv, etwa „Menschlichkeit“, für das Herholen und Aufnehmen dieser Leute ist ein derartiger Schwachsinn und der besagte strukturelle Zwang derartig offensichtlich… Und so ist es bei jedweder Diagnose von Emotioneller Pest, die von einem Orgonomen gestellt wird.

Es ist geradezu das Gegenteil dessen der Fall, was den Orgonomen vorgeworfen wird, will sagen, daß die meisten Orgonomen stets sehr restriktiv mit dieser Diagnose umgegangen sind – was auch orgonomischer Sicht fast schon eine sträfliche Nachlässigkeit war. Und die, die das nicht getan haben, etwa Paul Mathews und Charles Konia: irren ist menschlich und überall wird hier und da Mist gebaut, aber mir fällt kein einziges Beispiel für eine Fehldiagnose ein oder gar ein Beispiel für die „Selbstimmunisierung der Orgonomie durch den faschistischen Mißbrauch des Stigmas ‚Emotionelle Pest‘“.

Vermeintliche „Antifaschisten“ wollen uns die Hauptwaffe gegen den Faschismus aus der Hand schlagen. Hmmm, wie soll ich eine solche Handlungsweise wohl bezeichnen?

Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 6)

1. April 2020

Ich möchte die bisherigen Ausführungen dahin ausweiten, daß man unsereins nicht nur vorwerfen kann, daß wir Reich nicht nur „nach rechts drehen“, sondern unser gesamter Impetus gegen den vermeintlich „faschistischen“ linken Mainstream vollkommen verlogen sei, weil, wenn wir, die Rechten, erst einmal die metapolitische und politische Macht innehätten, wir diese genauso, wenn nicht schlimmer mißbrauchen würden, wie es heute die Linken tun, halt Faschismus!

Dieser Vorwurf entspricht ebenfalls der unhistorischen und undialektischen (mechano-mystischen) Sichtweise, die Hitler mit Trump bzw. Höcke gleichsetzt. Man kann das linke und rechte Spektrum nicht mechanisch gleichsetzen!

  1. Charles Konia hat dargelegt, daß es wegen der allgemeinen „Rotverschiebung“ in den westlichen Gesellschaften (die mit der antiautoritären Transformation verbunden ist) zu einer sozusagen „soziopolitischen Stauung“ gekommen ist, die jedweden Unterschied zwischen Linksliberalen, Sozialisten und Kommunisten funktionell unbedeutend gemacht haben: es sind heute alle die gleichen roten Faschisten. Das wird etwa daran sichtbar, daß einem selbst bei manchem CDU-Politiker der pure Stalinismus anstarrt. Auf der rechten Seite gibt es so etwas nicht: Konservative und auch extrem Konservative sind wie eh und je deutlich von Reaktionären oder dem äußersten rechtsextremen Rand zu unterscheiden – auch wenn uns die linke (kommunistische) Propaganda das genaue Gegenteil weismachen will.
  2. Konias Lehrer, Elsworth F. Baker, hat in der Zeit bevor die besagte „Rotverschiebung“ sichtbar wurde, gezeigt, daß der konservative Charakter wegen der spezifischen Natur seiner Panzerung, die auf muskulärer Abwehr beruht, weitaus stabiler, sozusagen „weltanschaulich gefestigter“ ist, als sein liberales Pendant, das auf intellektueller Abwehr beruht. Der Konservative ist „bodenständig“ und „in sich ruhend“ wie eine Pyramide. Beim Liberalen steht diese Pyramide buchstäblich auf dem Kopf und ist entsprechend instabil. Durch seine intellektuelle Abwehr ist seine gesamte Energie zum Kopf hin verlagert, was seine Verachtung für alles und jedes, seine wankelmütige Kontaktlosigkeit und seinen Hang zum Radikalismus erklärt.

Von daher kann man „uns Rechte“ unmöglich mit dem linken Gesindel, das unser Leben beherrscht, gleichsetzen. Der „Weg nach rechts“ ist schlichtweg der Weg zur Normalisierung und der Wiederherstellung ausgewogener demokratischer Verhältnisse.

Sind die Leute bereit das Zwei-Parteien-System aufzugeben?

31. März 2020


Der Faschismus am Horizont.

Sind die Leute bereit das Zwei-Parteien-System aufzugeben?

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Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 5)

30. März 2020

Angesichts der Horrorgestalten, die die US-Demokraten anzubieten haben, gilt die Wiederwahl Trumps als sicher. Entsprechend freuen sich die Konserbativen in den USA. Das Problem ist, daß etwas wie 1932/33 in Deutschland oder (in gewissem Sinne) 1917 in Rußland auftreten könnte, eine Krise, die Kandidaten aus der Hölle zum Sieg spülen würde. Ähnlich wie 1929 befindet sich die Welt, insbesondere Amerika, in einem Zustand wirtschaftlicher Überexpansion, ein Ballon, der jederzeit explodieren kann. Die eingangs angedeutete konservative Version von Lenins „schlechter ist besser“, was wiederum auf Marx‘ wirtschaftlichem Determinismus und dessen psychologische Naivität zurückging, die Reich 1933 in der Massenpsychologie des Faschismus enthüllt hat, wird in einem entsprechenden Desaster enden. In Krisen wenden sich die panischen Massen (die buchstäblich mit ihren Augen weggehen und ins Lala-Land entweichen) an den absurdesten und kriminellsten Führer, einen Lenin, Hitler oder Bernie Sanders, anstatt sich für das Rationale (Kontaktreiche) zu entscheiden, in diesem Fall einen Geschäfts- und mittlerweile Staatsmann wie Trump, der weiß, wie man mit der bevorstehenden Krise umzugehen hat.

Sowohl alle wirtschaftlichen als auch alle „charakterologischen“ Daten deuten darauf hin, daß dieses Worst-Case-Szenario Ende 2020 eintreten wird: 1933 redux. Reichs Massenpsychologie des Faschismus (insbesondere der angeblich veraltete erste Teil, das Originalbuch von 1933) ist aktueller denn je: die Verbindung von Wirtschaft und Charakterologie. Damals erklärte Reich, wie die Proletarier ihren Klasseninteressen entgegenhandeln, „ideologisch verblendet“ sein konnten. In der später von Reich formulierten Begrifflichkeit litten sie angesichts des äußeren Druckes unter einer verschärften okularen Panzerung. Eine entsprechende „Orientierungslosigkeit“ findet sich heute zwar unter anderen politischen Vorzeichen, doch funktionell ist es ein und dasselbe.

In der Neuauflage der Massenpsychologie des Faschismus von 1946 hat Reich versucht, die Marxistische Begrifflichkeit, in der das Buch ursprünglich geschrieben war, soweit es ging zurückzunehmen, um eine funktionelle Sichtweise, wie die soeben angeschnittene, möglich zu machen. Leider beobachten wir gerade eine abenteuerliche Entstellung in Form eines massiven Rollbacks dieser von Reich selbst vorgenommenen „Revision“, bei dem vollkommen unhistorisch und undialektisch Hitler mit Donald Trump bzw. Björn Höcke gleichgesetzt wird. Auf diese Weise wird Reichs Arbeit für die Todfeinde der arbeitenden Menschen fruchtbar gemacht!

David Holbrook, M.D.: LIEBE, ARBEIT UND WISSEN UND DER CORONAVIRUS

29. März 2020

David Holbrook, M.D.

 

http://www.orgonomie.net/holbrook4.htm

Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 4)

28. März 2020

Ein weiterer Faktor, der das ganze Elend der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zeigt, ist, daß man dessen „klassenkämpferische“ Elemente nie ernst genommen hat bzw. als bloßen Propagandatrick abgetan hat. Das wird insbesondere anhand der drei Eckpunkte des nationalsozialistischen Regimes deutlich: der vermeintliche „Röhm-Putsch“, 1938 die „Blomberg-Affäre“, die deutlich machte, worum es beim „Röhm-Putsch“ wirklich ging, und, genau 10 Jahre später, der tatsächliche Stauffenberg-Putsch.

Was es mit Ernst Röhm, der Reichswehr und dem Putsch auf sich hat, wird durch folgendes absolut bemerkenswertes Dokumentarspiel aus dem Jahre 1967 deutlich:

Es stammt von Axel Eggebrecht, der einst, wie Reich, zum roten Berlin gehört hatte (siehe Der Rote Faden und hier). Trotzdem, oder gerade deshalb, geht er hier vollkommen fair mit Röhm und seinem Umfeld um. Röhm wird als Mensch dargestellt, nicht als blutrünstiges Monstrum, und seine Homosexualität wird nicht auf billige Weise in den Vordergrund gestellt. Diese wurde von seinen sozialdemokratischen und kommunistischen Gegnern skandalisiert, als ginge es um eine Frage der „Moral“. Der gleichen widerwärtigen Taktik bedienten sich die ach so moralischen Saubermänner innerhalb der NSDAP, um Röhm loszuwerden. Tatsächlich war die SA nicht mehr „homosexuell“ als jede andere Organisation zu dieser Zeit. Es ist absolut bemerkenswert, daß ausgerechnet ein Ernst Röhm ein Opfer der Emotionellen Pest war. Ja, so manches vermeintlich „antifaschistisches“ (welch ein Hohn!) Spatzenhirn wird jetzt explodieren!

Worum es Röhm ging, wird durch ein zweites sehr gutes Dokumentarspiel deutlich, „Geheime Reichssache“ aus dem Jahre 1987:

Hier geht es um die „Affäre Blomberg“, wo wieder Göring, die SS und die Führung der Reichswehr (bzw. Wehrmacht) sich eines Menschen entledigten, der genau das infrage gestellt hatte, was bereits Röhm bekämpft hatte, den Standesdünkel und „die Reaktion“. Und genau wie bei Röhm stand auch hier wieder „illigitime Sexualität“ im Mittelpunkt. Reichswehrminister von Blomberg (der übrigens 1934 Hitler mit Verweis auf Hindenburg und die Reichswehr geradezu zur Beseitigung Röhms gezwungen hatte!) hatte ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie eine weitaus jüngere Frau gegen alle Klassenschranken geheiratet, um kurz danach mit einem Polizeidossier über seine Frau konfrontiert zu werden, die einmal wegen Diebstahlverdachts in Haft gewesen, sowie als Model für Pornobilder aktenkundig geworden war. Vom Offizierskorps geächtet, hielt er zu seiner Frau, mußte abdanken und als Resultat unterstand die Wehrmacht nun Hitler unmittelbar.

Als Teile dieser Wehrmacht gegen einen Hitler putschten, in dessen Gegenwart es absolut verboten war sich abfällig über Röhm zu äußern, sah sich dieser tatsächlich von „rechts“ und „Reaktion“ bedroht – oder wie es, historisch korrekt, im Film Der Untergang heißt: „Ich hätte gut daran getan vor Jahren alle höheren Offiziere liquidieren zu lassen wie Stalin.“

Dem typischen „antifaschistischen“ Intellektuellen, der nur in rigiden „mechanischen“ Schablonen denken kann, nicht in „energetischen“ Funktionen, die sich stets im Fluß befinden und sich „materiell“ auf (oberflächlich betrachtet) unterschiedlichste Weise äußern können, entgehen diese Zusammenhänge. Das „naive“ Publikum ist nicht so beschränkt wie das besagte Gesindel und hat zumindest ein vages Gespür dafür, was wieder das „Faszinosum Nationalsozialismus“ erklärt.

Eine Ergänzung zu „Lore Rubin Reich: ERINNERUNGEN AN EINE CHAOTISCHE WELT“

27. März 2020

Die erwähnte schlichtweg SCHWACHSINNIGE Interpretation/Zurückweisung der Reichschen Orgasmustheorie kann man auch auf Max Stirners Anthropologie ausweiten. Der wird entgegengehalten, daß die Menschen zu „Egomanen“ werden, zu ichsüchtigen Soziopathen. Hallo! Der gesamte Ansatz Stirners beruht ja darauf, daß das „Ich“ eine Lüge ist, d.h. eine vollkommen vergesellschaftete, bzw. gesellschaftlich verformte Instanz. Ebensogut könnte man Handpuppen „Egoismus“ vorwerfen!

Es geht eben nicht um das „freie Ausleben“, denn die Menschen sind ja gar nicht frei. Um was es geht, hat Reich verdeutlicht, als er erstmals in der Menschheitsgeschichte zwischen primären und sekundären Trieben unterschieden hat. Wenn man die ersteren unterdrückt, verwandelt man sie in sekundäre Triebe. Wenn man die letzteren NICHT unterdrückt, verhindert man jede Chance, daß sich die primären Triebe jemals entfalten können.

Fast alle Menschen, insbesondere aber wirklich alle „Intellektuellen“, sind schlichtweg zu dumm, um die Sexualökonomie zu begreifen. Das hat natürlich NICHTS mit dem IQ zu tun, sondern diese Dummheit, oder besser Dumpfheit, ist unmittelbarer Ausdruck der Panzerung, insbesondere der Augenpanzerung. Diese „Menschen“, die nicht mal die allerprimitivsten Zusammenhänge durchschauen, sind gar nicht sie selbst, sondern bloße Roboter, die von der Emotionellen Pest gesteuert werden. Oder ein vielleicht passenderes Bild: es ist so, als stünden sie unter Drogen. Kein Wunder, daß sie REICH für verrückt halten und in den Orgonomen nur irre Sektierer sehen können…

Lore Rubin Reich: ERINNERUNGEN AN EINE CHAOTISCHE WELT

26. März 2020

Dieses Buch ist eine Übersetzung des unveröffentlichten Originalmanuskripts. Obwohl die Autorin diese Übersetzung ausdrücklich lobt (S. 9), ist sie holprig und voller Fehler. Sätze wie: „Es gab kein Bedürfnis nach einer Revolution und auch kein Verlangen danach“ (S. 218). Es gab keinen Bedarf! Fast alle unterschätzen, wie schwer das Übersetzen vom Englischen ins Deutsche ist. Außerdem sollte der Übersetzer sich im Sujet auskennen. Wie kann man etwa von „Kamerad Thomas“ sprechen, statt „Genosse Thomas“! Und dann Reichs Tochter Lore selbst: wie, äh, aaarghhhh muß man sein, um Reichs Theorie damit zu „erklären“, daß nur der Orgasmus Neurosen auflösen könne (S. 30)?! Das macht ebensoviel Sinn, als behauptete man, nur Geschlechtsverkehr könne erektive Impotenz heilen oder nur das Gehen einen Querschnittgelähmten. Oder etwa zu schreiben: „Ich bin mir sicher, daß er seine Patienten dazu brachte, ihre Hemmungen soweit fallen zu lassen, daß sie vor ihm einen Orgasmus hatten“ (S. 155). Sic! Aus dem ganzen spricht einfach nur Böswilligkeit und Verachtung! Und dann sich fragen, warum Reich so „aggressiv“ gewesen sei!

Trotzdem verlohnt es „Mein Leben als Tochter von Annie Reich und Wilhelm Reich“ zu lesen, einfach weil es die Reich-Biographie plastischer macht. Da wäre die graue Kindheit der beiden Reich-Töchter und die Knappheit der Mittel, die es zum Problem machte eine vernünftige Hauskraft/Kindermädchen anzustellen. Die Familie war imgrunde arm, weil Reich nur genausoviel zur Familienkasse beitrug wie Annie, die als Mutter und psychoanalytische Anfängerin nur wenig verdiente. Wo erfährt man sonst, daß Annie sieben Abtreibungen hatte oder daß Lore dem armen Reich aufgedrängt wurde, um die Ehe zu einer Zeit zu retten, als Reich „politisch“ aktiv wurde. Entsprechend betrachtete er Lore stets als Annies Kind. Die ungemütlichen Wohnverhältnisse, da, wie damals bei Psychoanalytikern üblich, zuhause gearbeitet wurde; Reichs aufbrausendes und manchmal verstörendes Temperament; dazu das Kontrastprogramm: der dickliche und kleine Genosse Thomas als „Hausfrau“ (S. 140); bis hin zur Beschreibung von Reichs Beerdigung, bei der die Familie an den Rand gedrängt wurde. Lore hatte große Probleme im trüben November zum abgelegenen Orgonon zu gelangen, nur um auf der Beerdigung zu erfahren, daß gleich drei ihrer Kollegen an der psychiatrischen Klinik, in der sie zu der Zeit tätig war, führende Orgonomen waren und einen Flug nach Orgonon organisiert hatten. Sie hatten sich ihr nie zu erkennen gegeben und ignorierten sie auch auf der Beerdigung demonstrativ (S. 247f).

Die ganze Dynamik von Reichs erster Ehe wird in einer Szene deutlich, die gleichzeitig das definitive Ende der Beziehung zwischen Annie und Wilhelm beschreibt. Reich floh nach dem Reichstagsbrand sofort mit seiner Frau Richtung Österreich und zwar als Bergtouristen getarnt, um Grenzkontrollen zu entgehen. „Meine Mutter berichtete, daß mein Vater voller Angst war. Auf einmal verspürte sie eine enorme Verachtung ihm und seiner Angst gegenüber. In diesem Moment konnte sie sich endlich von der Knechtschaft, in der er sie gefangenhielt, befreien. Deswegen konnte sie umkehren und ihn auf dem Berggipfel alleine lassen. Sie kehrte nach Berlin zurück und organisierte den Umzug der Möbel aus der Wohnung“ (S. 38). Offensichtlich war bei einer Hysterikerin die Übertragung zerbrochen, als sich der angebetete Held selbst „hysterisch“ benahm.

Oder wie inflationär und laienhaft der Begriff „verrückt“ von Psychoanalytikern benutzt wurde, um das Renommee „abtrünniger“ Psychoanalytiker nachhaltig zu zerstören. Nicht nur Reich war Opfer dieser Taktik, sondern auch Rado, Rank, Jung, Adler, Tausk, Ferenczi, Melanie Klein und deren Tochter Melitta Schmiedeberg (S. 67). „Mein Vater war ein naiver und vertrauensvoller Mann“, der die psychotherapeutische Behandlung seiner Tochter Eva zwei Frauen überließ, nämlich Berta Bornstein und Anna Freud, welche Bornstein supervidierte, „die voller Haß ihm gegenüber waren“ (S. 77). Beide lebten „ihre Neurose wie bösartige Geister unter dem Deckmantel der psychoanalytischen Rechtschaffenheit aus“ (S. 80).

Lores Buch bietet einige Ergänzungen zu Der Rote Faden etwa, daß viele fanatische Trotzkisten später Neokonservative wurden. Lore selbst war von den späten 1940er bis zu den frühen 1960er Jahren in einer Trotzkistischen „Partei“ (Sekte!) aktiv. Oder etwa, wenn sie beschreibt, unter welcher Daueranspannung ihr Schwiegervater Genosse Thomas litt: „Eines Tages sah er in unserem Wohnhaus einen Psychoanalytiker in Begleitung eines Agenten der sowjetischen Geheimpolizei, den Thomas kannte. Aus Angst entdeckt zu werden, eilte er zurück in den Aufzug; er war schockiert von diesem Vorfall“ (S. 140). Dieser Vorfall habe, so Lore, auch gezeigt, welchen Zuspruch Stalins KP noch in den USA genoß. So hätten auch Psychoanalytiker Umgang mit der KP gepflegt, trotz all der Greueltaten.

Sie beschreibt die kommunistische Unterwanderung Amerikas sehr gut: Während sie in Europa nur Menschen getroffen hatte, die von der KP desillusioniert waren, traf sie in Amerika viele Erwachsene, die Kommunisten waren. New York sei voller genauso idealistischer wie ignoranter Leute gewesen, die die UdSSR verherrlichten. „Jahrelang, sogar nach dem Krieg, bis Mitte der 1950er Jahre, folgten diese Leute der kommunistischen Parteilinie ohne zu wissen, daß diese von Moskau aus diktiert wurde, marschierten in Maiparaden und hielten sich für ‚die Guten‘.“ Sie hielten sich stets an die jeweilige Linie der Partei, selbst wenn die, wie zu Anfang des Krieges, die Unterstützung Hitlers vorsah. „Heute sind Menschen der Meinung, daß man damals ‚unter jedem Bett einen Kommunisten sah‘ und verleugnen, wie groß die Anhängerschaft, zumindest in New York, war. Natürlich waren diese Menschen keine Spitzel, da sie diese Überzeugungen offen zur Schau stellten. Stattdessen übten sie enormen Druck auf die öffentliche Meinung, die Kunst und die Medien aus“ (S. 145f).

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Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 3)

25. März 2020

In seinem vor wenigen Wochen erschienen Buch über Reichs Massenpsychologie des Faschismus sagt Stefan Blankertz auf S. 11, daß es nur graduelle Unterschiede in der unrechtmäßigen faschistischen Staatsgewalt (Willkürherrschaft) und der staatlichen Gewalt gäbe, die vom Souverän, dem Volk, gerechtfertigt sei („Gewaltmonopol des Staates“, das es gegen die Extreme zu verteidigen gilt). Und was den Souverän betrifft: es gäbe auch nur graduelle Unterschiede zwischen Masse (der „formbaren Masse“ der Faschisten) und Volk (der „Demos“, die Siedlungsgemeinschaft, der Demokraten).

Nein, es gibt grundsätzliche Unterschiede! Zunächst einmal entspricht „das Volk“ und seine Identität der äußeren Schicht der Charakterstruktur, der „Fassade“. Wir sehen unmittelbar welchem Volk jemand zugehört und auch er selbst identifiziert sich mit diesem seinem Spiegelbild. Bei der „Masse“ ist das anders: sie ist buchstäblich eine „graue Masse“, ohne Farbe und Unterschiede, beliebig formbar und ohne Identität. Das ist so, weil sie aus Zeit und Raum herausgefallen ist, d.h. nur das Volk hat eine Vergangenheit und eine Zukunft, die aus der Vergangenheit erwächst – ein „Schicksal“ und nur das Volk hat Wurzeln in einer Region. Entsprechend sprachen die völkische Bewegung und die Nationalsozialisten von „Blut und Boden“.

Und was die Gewalt, genauer gesagt die Staatsgewalt betrifft: die sekundäre Schicht bzw. mittlere Schicht der Charakterstruktur kann man durchaus mit der mittleren der drei Keimblätter in Zusammenhang bringen. Dazu zitiere ich mich ausnahmsweise selbst:

Neben seiner Rolle als koordinierender Vermittlung zwischen Außen (Ektoderm) und Innen (Entoderm) bereitet das Mesoderm, aus dem sich sowohl die innere als auch die äußere Muskulatur entwickelt, gleichzeitig die „phallische Aggression“ vor, da „Aggression die Lebensäußerung der Muskulatur ist“ (Die Entdeckung des Orgons, Bd. 1, S. 120). Ursprünglich gibt es nur Lust und Angst. Reich schreibt dazu: „Die Sexualökonomie leugnet (…) den ursprünglichen Charakter der destruktiven Antriebe und läßt sie (…) aus den Funktionen der Sexual-Versagung einerseits, der Angst-Vermeidung andererseits phylogenetisch hervorgehen. Daß die Muskulatur, der Apparat der Destruktion, aus dem Mesoderm der Gastrula, also einer sekundären embryonalen Anlage hervorgeht, die Apparate der Sexual- und Angstfunktion dagegen schon im Einzeller gegeben sind, mag diese Auffassung entwicklungsgeschichtlich stützen“ (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 43f).

Es gibt eine Gewalt, die willkürlich und letztendlich pestilent („faschistisch“) ist, weil sie auf sexueller Frustration beruht: angestaute Energie bricht ohne Sinn und Verstand aus der Panzerung heraus („faschistische Irrationalität“). Dem steht eine Gewalt entgegen, die auf dem Naturrecht beruht, d.h. dem Kontakt zum bioenergetische Kern, ein Kern, der seine Interessen durchsetzt und sich gegen die Emotionelle Pest wehrt. Genau darauf berief sich Hitler, wenn er sich über alles hinwegsetzend für die „Interessen des deutschen Volkes“ einsetzte und dabei vorgab einer höheren Macht zu folgen bzw. eine höhere Legitimation zu haben.

Ganz ähnlich wie im zweiten Teil dieser Serie von Blogeinträgen: genau das macht die verwirrende Faszination des Nationalsozialismus aus. Einerseits hat er wie erläutert, die „natürliche Ordnung“ (Kern, sekundäre Schicht, Fassade) vertreten, um sie andererseits wie keine andere Ideologie vor ihm und nach ihm zu verneinen, indem er das identitätslose willfährige Massenindividuum schuf, eine graue Masse, wo jeder Farbtupfer BUCHSTÄBLICH totgeschlagen wurde, – also die absolute Willkürherrschaft, die blanke Gewalt herrschte, ein Unrecht und eine Niedertracht, das einem den Atem verschlagen.

Die Massen kommen vom Thema „Nationalsozialismus“ nicht los, weil hier der Kern ihrer gesamten Malaise zu finden ist. Insbesondere in Zeiten, wo sich die Völker auflösen und die letzten Demokratien dem Globalismus geopfert werden, denn mit dem Nationalstaat und dem Staatsvolk verschwindet jede Grundlage einer „Volksherrschaft“ (Demokratie!) und Identitätslosigkeit; Unrecht und Willkür breiten sich aus.

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