Posts Tagged ‘Anthropologie’

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 94)

22. Dezember 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Anfang 1845 verfaßte Marx seine berühmten elf „Thesen über Feuerbach“. Die dritte These ist auf die französischen Materialisten des 18. Jahrhunderts und damit auch bzw. vor allem auf LaMettrie gemünzt:

Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren. Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

Mit anderen Worten LaMettrie wird historisiert und damit auch seine These von den Schuldgefühlen. Niemand steht über der Geschichte und man muß sich in das Kollektiv, die gesellschaftliche bzw. geschichtliche Entwicklung einordnen. Der Stachel ist gezogen, die Befreiung vom Über-Ich, also die Aufklärung, dergestalt „durch Aufklärung“ unmöglich gemacht! – Unmittelbar darauf setzte Marx sich mit Die deutsche Ideologie an seine „historisch materialistische“ Kritik von Stirners Der Einzige und sein Eigentum

Um das richtig einordnen zu können, d.h. Marx als den „Ur-Stalin“ zu begreifen und damit Reichs Kampf gegen den „roten Faschismus“, folgendes: LaMettrie hat, sozusagen „ganz ahistorisch“, eine Orgasmustheorie vertreten: „Die Lust“, so schrieb er, „gehört zum Wesen des Menschen & zur Ordnung des Universums.“ Und weiter:

Nur die Ausschweifung & alles, was den Interessen der Gesellschaft schadet, fällt aus dieser Ordnung heraus und ist verboten; es gibt keinen anderen Gesichtspunkt der Tugend, als derjenige, was dem Staat nützlich ist. Die Fähigkeit, Lust zu empfinden, ist allen Tieren als gleichsam primäres Attribut gegeben; sie streben nach Lust um der Lust willen, ohne weiter darüber nachzudenken. Einzig der Mensch, dieses vernunftbegabte Wesen, kann sich bis zur Wollust erheben; und dies ist die wunderbarste Mitgift der Vernunft. … Wir verdanken unser Wohlbefinden einzig der Lust; sie hat die einzigartige Kette geschmiedet, die die Tiere & die Menschen verbindet; die Lust spricht zu mir über meine Organe & verbindet mich mit dem Leben. (z.n. Ursula Pia Jauch: Jenseits der Maschine, S. 346)

Der sexuellen Enthaltsamkeit schenkt LaMettrie sein besonderes Interesse, könne sie doch, wie Jauch referiert, „zu Persönlichkeitsveränderungen, zu Raserei, Hysterie und krankhaften Realitätsverzerrungen führen“ (S. 344). „Der Entzug von Liebesfreuden verursacht“, so schreibt LaMettrie, „Krankheiten“, weshalb sich die Wissenschaft um die Empfängnisverhütung kümmern müsse (S. 419).

Halten wir Begierden, die einer übersteigerten Phantasie entspringen, nicht mehr für unsere wirklichen Bedürfnisse, und es wird weniger Schlemmer, Zecher und Wüstlinge geben! Doch geben wir der Natur, was ihr gebührt! Man trinkt, wenn man Durst hat; man ißt, wenn man Hunger hat; und in der Liebe spürt man manchmal einen doppelt starken Drang: wer hätte nicht bisweilen Hunger und Durst zugleich nach gewissen Lüsten gehabt? Und wie viele trübe Wolken der Unzufriedenheit und Launenhaftigkeit ziehen, wenn diese Bedürfnisse unbefriedigt bleiben, am Himmel der Seele auf, wo sie allein durch die Sonne der Lust wieder aufgelöst werden können (…). Ich übersehe durchaus nicht, daß gewisse schwächliche Naturen sich der Lust enthalten können oder vielmehr müssen, um sich wohl fühlen oder andere Vergnügungen besser genießen zu können. In allen übrigen Fällen aber ist die vernünftige Befriedigung der Wollust ebenso notwendig wie die der anderen Bedürfnisse; denn die Natur verwendet die gleichen Mittel, sie zu wecken (…). Das ist der Grund, weshalb (…) alle medizinisch versierten Philosophen in ihren Schriften ohne weiteres den Beischlaf empfehlen und kluge Ratschläge in Liebesdingen hinzufügen. (Anti-Seneca, S. 106f)

LaMettrie hatte ein Konzept von „Über-Ich“ und damit der Panzerung. In den Worten von Jauch:

Überhaupt hat der Bretone [also LaMettrie] ein für die Zeit unübliches Verständnis der Zensur. das sich freilich aus der Perspektive seiner psychologischen Anthropologie nachvollziehen läßt: Der Mensch ist ein Wesen, das Vorurteile und Denkbehinderungen „mit der Muttermilch“ (will heißen: schon mit den ersten sozialen Prägungen) aufnimmt. Die unhinterfragte Adaptation von „Autoritätsmeinungen“ entspricht einem Trägheitsgesetz des menschlichen Geistes, das seinerseits wiederum auf der mimetischen, imitierenden Struktur des menschlichen Lernverhaltens beruht. Daß einer nicht mehr „nachahmt“, sondern „selber“ zu denken beginnt, ist die Ausnahme, nicht die Regel. Analog dazu ist die Zensur zu betrachten als ein natürliches Übel, das zu jeder menschlichen Gesellschaft gehört. (S. 466)

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 90)

24. November 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Die gesamte pseudoliberale (rotfaschistische) Verschwörung gegen Reich, mit ihrer Trinität aus Szientismus, Marxismus und Freudismus, läßt sich im Signum „LSR“ zusammenfassen. Man denke nur an LaMettries Kampf gegen den gefühlstoten „Automatenmenschen“ Albrecht von Haller, der als Vivisektor bekannt wurde – gleichzeitig war er ein tiefgläubiger Mensch. Umgekehrt machte er LaMettrie zum „Opfer eines gewaltigen Rezeptionsmißverständnisses“: er, LaMettrie, wäre DER Vertreter des mechanistischen Menschenbildes (Ursula Jauch: Jenseits der Maschine, S. 283).

Wie Reich landete LaMettrie im Niemandsland: er sei unwissenschaftlich und gleichzeitig antihumanistisch, während man selbst mit der mechanistischen Wissenschaft sowohl die Umwelt als auch den Menschen verfehlt und beide vernichtet. Der Szientismus (auch gerade der, der einer überweltlichen Seele noch Platz läßt) ist nichts anderes als Emotionelle Pest.

Stirners „Haller“ war Marx, der mit seiner Forderung nach Selbstregulierung buchstäblich durch „Enteignung“ fertigwurde: das Selbst wurde zur bloßen Schnittstelle gesellschaftlicher Kräfte, deren freies Walten durch den widerständigen „Eigner“ nur behindert wird. Der Stalinismus („roter Faschismus“) war eine notwendige Folge dieser Bewältigung der Stirnerschen Anthropologie. Entsprechend haben alle, wirklich alle, Marxisten instinktiv allergisch auf Reich reagiert und, in enger Kooperation mit den Szientisten und Psychoanalytikern, alles getan, um ihn zu sequestrieren.

Laskas Hauptanliegen war es stets, den grundlegenden Gegensatz von Freud und Reich herauszuarbeiten, den Freud selbst schon früh erkannt hat, während Reich weitgehend blind für ihn war, obwohl die Ablehnung von Seiten seiner psychoanalytischen „Kollegen“ im Laufe der Zeit immer intensiver wurde. Freud hat zwar das Über-Ich entdeckt bzw. den Begriff geprägt, aber stets die logische Konsequenz abgelehnt. Statt „Wo Über-Ich ist, soll Ich sein!“ war sein Diktum „Wo Es ist, soll Ich sein!“, mit anderen Worten, das Ich sollte an die Stelle der Gesellschaft treten und von sich aus, aus eigener Einsicht in die Notwendigkeit und eigenem Antrieb heraus die Triebe unterdrücken. Auf diese Weise macht das Ich das Über-Ich überflüssig… Das ist imgrunde genau die gleiche Dialektik, die die Marxisten zu Todfeinden Reichs machte.

Auf den einfachsten Nenner gebracht, ist der Szientist, der Marxist und der Psychoanalytiker jeweils von seinen Gefühlen abgetrennt und geht mit viehischem Haß gegen jeden vor, der diese Mauer einzureißen droht. Es droht eine verheerende innere Überflutung! Reichs Schicksal war, daß er der ultimative Mauereinreißer war.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 62)

1. Mai 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Der amerikanische Philosoph Eric Hoffer, den ich hier nach Charles Konias Clueless (S. 246) zitiere, schreibt etwas über die junge Generation, das man so auch auf das innige Verhältnis von Konservatismus und Stirners Anthropologie anwenden kann:

Menschen, die [wie es „woke“ Linke tun] ihr Leben als unheilbar verdorben betrachten, können in der Selbstverwirklichung kein lohnendes Ziel finden. Die Aussicht auf eine individuelle Karriere kann sie nicht zu einer gewaltigen Anstrengung bewegen, noch kann sie in ihnen Glauben und hingebungsvolle Zielstrebigkeit hervorrufen. Sie betrachten das Eigeninteresse als etwas, das mit dem Bösen behaftet ist, als etwas Unreines und Unglückliches. Alles, was unter der Schirmherrschaft des Egoismus unternommen wird, scheint ihnen zum Scheitern verurteilt. Nichts, was seine Wurzeln und Gründe in der eigenen Person hat, kann edel und gut sein. Ihr innerstes Verlangen ist das nach einem neuen Leben – einer Wiedergeburt – oder, falls dies nicht möglich ist, nach einer Chance, durch die Identifikation mit einer heiligen Sache neue Elemente des Stolzes, der Zuversicht, der Hoffnung, der Sinnhaftigkeit und des eigenen Wertes zu erlangen. Eine aktive Massenbewegung bietet ihnen Möglichkeiten für beides. Wenn sie sich der Bewegung als vollständige Konvertiten anschließen, werden sie in einem neuen Leben in ihrem eng verbundenen kollektiven Körper wiedergeboren, oder wenn sie sich zu Sympathisanten hingezogen fühlen, finden sie Elemente des Stolzes, der Zuversicht und des Ziels, indem sie sich mit den Bemühungen, Errungenschaften und Aussichten der Bewegung identifizieren.

Den Enttäuschten bietet eine Massenbewegung entweder Ersatz für ihr ganzes Selbst oder für die Elemente, die das Leben erträglich machen und die sie aus ihren individuellen Ressourcen nicht hervorbringen können.

Der Erfolg des Westens im allgemeinen und des Kapitalismus im besonderen beruht darauf, daß Menschen ihre Sache auf nichts gestellt haben. Durch bloße Initiative erschaffen sie sich, nach dem Vorbilde Gottes, aus dem Nichts ( = voraussetzungslos, im Sinne von spontan, nicht-mechanisch!). Man hat eine Geschäftsidee und verwirklicht sie, ohne seine Gedanken über den Zustand dieser Welt zu verschwenden. Das beste Beispiel ist Reich selbst, der eine „Gesellschaft“ nach der anderen aus dem Boden gestampft hat. Oder wie der Rocksänger Sammy Hagar nach seinem Rauswurf bei Van Hallen einmal in einem Interview sagte: „Setz mich nackt irgendwo in der Wüste Arizonas aus. Nach zwei Jahren werde ich in einem Ferrari zurückkehren.“

Elsworth F. Baker hat gezeigt, daß der Konservative der Vater-Imago („Gott“) nacheifert, während der Linke dagegen rebelliert, gegen die „Ungerechtigkeit“ protestiert und in der Jauche der Jammerei versinkt. Kein Wunder, daß Stirner als „Urvater des Faschismus“ „entlarvt“ wurde… (Ich verweise wieder auf The Omega Man aus Teil 53!)

Nochmal: „seine Sache auf nichts bauen“. Die Erschaffung der Welt aus dem Nichts, ist keine naturphilosophische oder gar „physikalische“ Aussagen, sondern hat eine theologische Bedeutung: Gott handelt spontan, „selbstherrlich“. Gott (und damit sein in seiner Natur mit ihm identische Sohn Christus) wird von Anfang an so definiert, daß nichts über ihm steht, das ihn zu irgendetwas veranlassen könnte. Gewisserweise ist Gott bzw. Christus als „über-ich-frei“ (ungepanzert) definiert, d.h. als spontan agierend.

Wenn man aus dieser Sichtweise Stirners Der Einzige und sein Eigentum, insbesondere aber seine Parerga, Kritiken, Repliken liest, wird offensichtlich, warum Reich Stirners Hauptwerk in die Bibliographie am Ende seines Werkes aufgenommen hat. Der „Einzige“ (sic!) ist der ideale genitale Charakter, der, frei nach Elsworth F. Baker, im realen Leben dem konservativen Charakter noch am nächsten kommt.

Das Jüngste Gericht begann 1960 (Teil 12)

17. April 2023

Im November 1932 hielt Leo Trotzki seine berühmte „Kopenhagener Rede“ unter dem Titel „Die russische Revolution“. Sie endete mit den folgenden drei Absätzen:

Zwar hat die Menschheit mehr als einmal Giganten des Gedankens und der Tat hervorgebracht, die die Zeitgenossen wie Gipfel einer Bergkette überragten. Das Menschengeschlecht hat ein Recht auf Aristoteles, Shakespeare, Darwin, Beethoven, Goethe, Marx, Edison, Lenin stolz zu sein. Warum sind diese aber so selten? Vor allem darum, weil sie fast ausnahmslos aus höheren und mittleren Klassen hervorgegangen sind. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, sind die Funken der Genialität in den niedergehaltenen Tiefen des Volkes, ehe sie noch auflodern konnten, erstickt. Aber auch deshalb, weil der Prozeß der Zeugung, der Entwicklung und Erziehung des Menschen im Wesen eine Sache des Zufalls blieb und bleibt: nicht durchleuchtet von Theorie und Praxis, nicht dem Bewußtsein und dem Willen untergeordnet.

Die Anthropologie, Biologie, Physiologie, Psychologie haben Berge von Material gesammelt, um vor dem Menschen in vollem Umfange die Aufgaben seiner eigenen körperlichen und geistigen Vervollkommnung und weiteren Entwicklung aufzurichten. Die Psychoanalyse hob mit Sigmund Freuds genialer Hand den Deckel vom Brunnen, der poetisch die „Seele“ des Menschen genannt wird. Und was hat sich erwiesen? Unser bewußtes Denken bildet nur ein Teilchen in der Arbeit der finsteren psychischen Kräfte. Gelehrte Taucher steigen auf den Boden des Ozeans und fotografieren dort geheimnisvolle Fische. Indem der menschliche Gedanke auf den Boden seines eigenen seelischen Brunnens hinabsteigt, muß er die geheimnisvollsten Triebkräfte der Psyche beleuchten und sie der Vernunft und dem Willen unterwerfen.

Ist er einmal mit den anarchischen Kräften der eigenen Gesellschaft fertiggeworden, wird der Mensch sich selbst in Arbeit nehmen, in den Mörser, in die Retorte des Chemikers. Die Menschheit wird zum ersten Male sich selbst als Rohmaterial, bestenfalls als physisches und psychisches Halbfabrikat betrachten. Der Sozialismus wird ein Sprung aus dem Reiche der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit auch in dem Sinne bedeuten, daß der gegenwärtige, widerspruchsvolle und unharmonische Mensch einer neuen und glücklicheren Rasse den Weg ebnen wird.

Reich hat im Oktober 1933 diese Aussagen Trotzkis in seiner kurzen Korrespondenz mit ihm in einen – Reich‘schen Zusammenhang gestellt.

Die kommunistische Partei kann als wirtschaftspolitische Organisation die sexualpolitische Arbeit nicht leisten, hierzu ist eine eigene Massenorganisation notwendig, doch kann diese ohne Anlehnung an eine politische Partei ebensowenig zur vollen Entwicklung kommen. Ich bitte Sie nun, mir mitzuteilen, wie Sie zu einer Zusammenarbeit stehen. Dazu wäre natürlich notwendig, daß sich die Führung der politischen Organisation ausreichend über die Grundprobleme der Sexualpolitik orientiert und im Falle des grundsätzlichen Einverständnisses die Organisation unterstützt. Ich glaube bei Ihnen für die Bedeutung der Sexualpolitik für den Klassenkampf mehr Verständnis, als sonst der Fall ist, zu finden und gründe diese Ansicht auf den Schluß Ihrer Kopenhagener Rede; sowie auf Ihre Schrift „Fragen des Alltagslebens“, ich glaube aus dem Jahre 1924, in der Sie im Anhang mit vollem Verständnis die Fragen der Funktionäre dieses Gebiet betreffend abdruckten. Ich darf, ohne es hier zu beweisen, anfügen, daß der Rückgang der Kulturrevolution in der SU zentral mit der Tatsache innigst zusammenhängt, daß die sexuelle Revolution im Jahre 1923 abgestoppt und nicht ins Klare weiterentwickelt wurde.

Reich verkannte vollkommen, daß er und Trotzki (und mit ihm praktisch das gesamte damalige „progressive Lager“) auf zwei vollkommen unterschiedlichen Seiten standen. Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Stalin ging es um die Beherrschung der „anarchischen“ Natur, und zwar im Sinn sowohl der äußeren als auch der inneren. „Planwirtschaft!“ Freudianisch ausgedrückt: wo Es war sollte Ich herrschen. Reich ging es ganz im Gegenteil um die Beendigung dieser Art von Herrschaft per se: wo Über-ich war, sollte Ich sein. Das Menschentier sollte „entdomestiziert“ werden und auf gesellschaftlicher Ebene die „natürliche Arbeitsdemokratie“ freigelegt werden.

In seinen obigen Ausführungen dachte Trotzki an etwas grundlegend anderes; etwas, was dem heutigen „Transhumanismus“ nahekommt: „Bewußtsein“, „Wille“, „körperliche und geistige Vervollkommnung und weitere Entwicklung“, „Triebkräfte der Psyche beleuchten und der Vernunft und dem Willen unterwerfen“, „mit den anarchischen Kräften der eigenen Gesellschaft fertigwerden“, „der Mensch in den Mörser, in die Retorte des Chemikers stecken“. Transhumanismus: „Die Menschheit wird zum ersten Male sich selbst als Rohmaterial, bestenfalls als physisches und psychisches Halbfabrikat betrachten.“

Dahinter steckt der eine welthistorische Konflikt zwischen LSR und DMF, zwischen LaMatrie, Stirner, Reich auf der einen und Diderot (Rousseau sowie weitere Menschenbändiger und -züchter), Marx (Nietzsche sowie weitere Menschenbändiger und -züchter) und Freud (Marcuse sowie weitere Menschenbändiger und -züchter) auf der anderen Seite. Bernd Laska hat gezeigt, daß ein Teil von Reichs Tragödie darin bestand, diesen grundlegenden anthropologischen Unterschied zwischen sich und Leuten wie Trotzki, nicht zu sehen bzw. nie deutlich genug wahrzunehmen und eindeutig auszuformulieren. Bereits ins der Deutschen Ideologie hatte Marx gegen Stirner dargelegt, daß der Weg zur Emanzipation nichts Abstraktes sei, blablabla, sondern nur über die Veränderung der Umwelt möglich sei, wobei sich der Mensch selbst verändere…

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 44)

27. Januar 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Wäre ich beispielsweise Gesangslehrer, würde ich den Schüler einfach bitten, etwas zu singen, das aufnehmen und ihm das sozusagen „charakteranalytisch“ zurückspiegeln, indem wir uns gemeinsam die Aufnahme anhören. Sodann würde ich ihn fragen, was hier nicht zu seiner Vision von dem paßt, was er erreichen wollte, erstrebt hat. Auf diese Weise würde ich die Hemmung, die ihm sein Leben frustabel macht, d.h. seine individuelle Panzerung ansprechen.

In einem zweiten Schritt würde ich ihn fragen, ob es wirklich seine eigene wahre Vision von Singen, von Performance, ist oder er irgendeiner heteronomen Modeerscheinung aufgesessen ist, mit der er sich nicht wirklich identifizieren kann. Ich würde damit sozusagen die gesellschaftliche Ideologie angehen, die soziale Panzerung.

Im ersten Fall geht es um die Technik, im zweiten um den Stil. Das Ziel meines Unterrichts wäre es, Fassade und Kern wieder miteinander zu verbinden und die sekundäre Schicht in einem Zweifrontenkrieg immer weiter einzuengen und schließlich zu zermalmen.

Das bringt mich zu Marx, demzufolge Arbeit definiert ist als „Vision“ plus Handanlegen, was von vornherein die gesamte Thematik von Arbeitsteilung, Überbau und Unterbau, Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse, Klassenbewußtsein und gesellschaftliche Ideologie impliziert. Ich habe in den vorangegangenen Teilen dieser Blogserie versucht darzustellen, daß es sich hier um sozusagen Masken der Stirnerschen Anthropologie handelt: verinnerlichte Hierarchien, Über-Ich, Panzerung.

Bei Freud geht es um das „Ichideal“, d.h. die Vision dessen, was man gerne wäre; womit man sich identifiziert: mit dem heteronomen Vorgaben der Gesellschaft (letztendlich der „schwarzen“ Mittlere Schicht in der obigen Abbildung) oder mit dem autonomen bioenergetischen Kern.

Man wird Eigner seiner selbst, d.h. gewinnt „seine eigene Stimme“, wie man so schön sagt!

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 18. Der Kult der Orgonomie

7. Januar 2023

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 18. Der Kult der Orgonomie

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 40)

5. Januar 2023

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Der Marxismus ist aus Marx‘ „Widerlegung“ von Stirners Anthropologie hervorgegangen. Siehe Marx‘ Die deutsche Ideologie. Bei Stirner dreht sich alles um die „inneren Hierarchien“, d.h. die Verinnerlichung der gesellschaftlichen Ideologie, also das, was Freud „Über-Ich“ und Reich „Panzerung“ genannt hat. Diese Dichotomie von (Eigen-) Natur und Gesellschaft wurde von Marx ersetzt durch die von materiellem Unterbau und ideellem Überbau, d.h. deine Eigenheit ist (ideelle) Illusion bzw. widersetzt sich dem unaufhaltsamen (materiellen) Fortschritt.

Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre vermischt der Pseudo-Marxist Reich diese beiden Sichtweisen, indem er frägt auf welche Weise die gesellschaftliche Ideologie auf das Individuum einwirkt. Die Marxsche Gesellschaftslehre mußte, so Reich, diese Frage als außerhalb ihres Bereichs liegend offenlassen, die Psychoanalyse hingegen kann sie beantworten: in der Familie bekommt das Kind ein Über-Ich verpaßt. Reich beschrieb die Schere zwischen „progressivem“ Unterbau (Ökonomie) und „regressivem“ Überbau (Ideologie). Beispielsweise ist ein Arbeiter in moderne Zusammenhänge eingebunden, doch sein Bewußtsein ist immer noch von der bäuerlichen Herkunft seiner Familie geprägt.

Gewisserweise kann man vom Gegensatz zwischen Genealogie und Entwicklung sprechen. Die Generationen meiner Vorfahren werden immer weniger, sozusagen „spitzen sich zu“ (16 Ururgroßeltern, 8 Urgroßeltern, 4 Großeltern, 2 Eltern), während ich selbst Ursprung einer sich immer weiter auffächernden Entwicklung sein kann. Das Gewissen bzw. Über-Ich, das ganze kulturelle Gepäck, ist sozusagen „überdeterminiert“, während mir selbst praktisch unendlich viele Optionen offenstehen.

Meines Dafürhaltens drückt das Stirner wie folgt aus:

Kommt es darauf an, sich zu verständigen und mitzuteilen, so kann Ich (…) nur von den menschlichen Mitteln Gebrauch machen, die Mir, weil Ich zugleich Mensch bin, zu Gebote stehen. Und wirklich habe Ich nur als Mensch Gedanken, als Ich bin Ich zugleich gedankenlos. Wer einen Gedanken nicht los werden kann, der ist soweit nur Mensch, ist ein Knecht der Sprache, dieser Menschensatzung, dieses Schatzes von menschlichen Gedanken. Die Sprache oder „das Wort“ tyrannisiert Uns am ärgsten, weil sie ein ganzes Heer von fixen Ideen gegen uns aufführt. Beobachte Dich einmal jetzt eben bei deinem Nachdenken, und Du wirst finden, wie Du nur dadurch weiter kommst, daß Du jeden Augenblick gedanken- und sprachlos wirst. Du bist nicht etwa bloß im Schlafe, sondern selbst im tiefsten Nachdenken gedanken- und sprachlos, ja dann gerade am meisten. Und nur durch diese Gedankenlosigkeit, diese verkannte „Gedankenfreiheit“ oder Freiheit vom Gedanken bist Du dein eigen. Erst von ihr aus gelangst Du dazu, die Sprache als dein Eigentum zu verbrauchen. (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 388)

Wenn man sich meine obige Skizze anschaut: im Fokalpunkt bricht sozusagen die („gedanken- und sprachlose“) Biologie ein und die Karten werden neu gemischt. Das ist der ganze Sinn der Reichschen „sexualökonomischen Lebensforschung“.

Man kann die obige Abbildung aber auch anders interpretieren, mehr „Marxistisch“: Affektiv („plebejisch“) sagt das Menschentier „ich“, doch dieses „Ich“ wird von einem Chor gesungen: den unendlich vielen Zellen, Organen, Antrieben, physiologischen Vorgängen, etc. „Ich habe mein Sache auf Nichts gestellt“, verweist im Sinne des jüdischen Altertums auf das absolute „Chaos“ unzähliger Strebungen („Tohuwabohu“). Tatsächlich fließen im retikulären Aktvierungssystem Myriaden Impulse zusammen, um so unser Bewußtsein zu bilden, ungefähr so wie in der Abbildung dargestellt.

Interessanterweise kann man die Geschichte der Arbeitsdemokratie ähnlich betrachten: Warum spreche ich Sie im Plural an („sie“)? Soweit ich mich an germanistische Aussagen erinnere, wurde das erst am Ausgang des 18. Jahrhunderts wirklich Usus. Vorher wurde weitgehend „geduzt“. Nur die Untertanen sprachen den Herrscher im Plural mit „Sie“ an, weil der ja nie „ich“, sondern immer nur „Wir“ sagte (Pluralis majestates). Das „Sie“ ist dann im bürgerlichen Zeitalter langsam zu einer allgemeinen Höflichkeitsform geworden. (Im Englischen ist das entgegen dem ersten Anschein nicht anders, denn „you“ steht ursprünglich für das Plural „ihr“!)

In der einfachen Ökonomie des Mittelalters waren die Menschen noch „Individuen“, während mit der wachsenden Arbeitsteilung der Einzelne immer mehr in ein Netz von Beziehungen eingebunden war. Schaute er „zurück“, was andere alles zuarbeiten mußten, damit er ein Produkt produzieren konnte, war es, als blicke er auf eine „Genealogie“ zurück. Entsprechend wurde auch aus einfachen Menschen ein „wir“, das mit „Sie“ angeredet werden muß. Wir tendieren dazu „Penner“ und Pensionäre zu duzen, während Leute, die voll im Arbeitsleben stehen, die ganze Gesellschaft vertreten: wir, ihr, „Sie“.

Zur Rassenfrage (Freiheit und Verantwortung)

24. Dezember 2022

Das erste, was der Arzt in der Gerichtsmedizin auf Band spricht, wenn er eine unidentifizierte Leiche seziert, ist die Feststellung der rassischen Zugehörigkeit, sie kommt gleich nach der Geschlechtszugehörigkeit. Selbst innerhalb von Völkern kann man im Alltag ziemlich leicht unterschiedliche Typen ausmachen, etwa Bayern (Strauß), Schwaben (Stoiber) und Franken (Beckstein).

Und es gibt nicht nur offensichtliche anatomische Unterschiede, sondern auch physiologische und geistige. Jeder weiß, daß man in einem Chinarestaurant kein Glas Milch bestellen kann. Chinesen sind nicht in der Lage, frische Milch zu verdauen. Nur ein Ignorant kann die Unterschiede im IQ zwischen den Rassen bestreiten.

Die „Bell-Kurve“, der zufolge sich statistisch nachweisen läßt, daß in Amerika und weltweit der ökonomische Status von Menschengruppen mit ihrem Hirnvolumen und angeborenem IQ korreliert, ist stimmig, wie kaum etwas sonst. Das trifft übrigens auch auf den Unterschied zwischen Frauen und Männern zu! Ja, „Statistik“ und man wisse doch gar nicht, was man eigentlich genau messe, wenn man den IQ bestimme, etc. Schön, aber ich kenne keine andere Theorie, die so augenfällig mit der Realität übereinstimmt. Beispielsweise haben nordamerikanische Universitäten schwer mit dem „Problem“ zu ringen, daß, wenn es ausschließlich um intellektuelle Leistungen ginge, sie fast ausschließlich von Ostasiaten und Juden bevölkert wären. Stattdessen wird nach Rasse sortiert („Affirmative Action“).

Obwohl sich die Menschengruppen schon rein äußerlich mehr unterscheiden als die unterschiedlichen Außerirdischen bei Raumschiff Enterprise wird nicht nur die Existenz der Rassen bestritten, sondern selbst die Erwähnung des Begriffs „Rasse“ als „rassistisch“ gebrandmarkt. Man fordert sogar die Streichung des Begriffs Rasse aus dem Grundgesetz – also dessen antirassistischen Aussagen.

Die Kommissare wollen alles gleichschalten: Klassenunterschiede, Rassenunterschiede und schließlich sogar Geschlechtsunterschiede („Gendermainstreaming“). Ihr Hauptfeind ist dabei die Biologie (der „Biologismus“). Es darf (und kann deshalb) nicht sein, daß Unterschiede im Wohlstand in letzter Instanz aus angeborenen Unterschieden in der Leistungsfähigkeit hervorgehen. Es darf (und kann deshalb) nicht sein, daß sich kleine Mädchen von Anfang an anders verhalten als kleine Jungs. Und von rassischen Unterschieden zu sprechen, ist eh von vornherein intellektueller Selbstmord!

Leider Gottes macht die Biologie linken Träumern immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Wir alle wissen, wie die Stimmung in einer vertrauten Gruppe kippt, wenn Leute hinzutreten, die nicht dazugehören. Ich selbst habe aus unmittelbarer Anschauung miterleben müssen, wie die deutsche Arbeiterkultur durch die Gastarbeiter zerstört wurde. Das Gefühl der Kameradschaft, die komplexe Verständigung durch bloße Blicke, das Gefühl, wie weit man mit dem ständigen Frotzeln gehen kann, das Gefühl der Heimat ging vor die Hunde. Was blieb war freudlose Maloche und einsame Abende im Fernsehsessel.

Menschen bleiben „unter sich“, nur so können sie sich entspannen und sich gehenlassen. Werden sie dazu gezwungen, in einer „multikulturellen Gesellschaft“ zu leben, erstarren sie emotional und ziehen sich in sich selbst zurück. Selbst wenn in amerikanischen Familienserien, in krasser Abweichung von der gesellschaftlichen Realität, sich Schwarz und Weiß treffen, um die Abende gemeinsam unter guten Freunden zu verbringen, spürt man den Krampf, das Aufgesetzte, Unechte. Entsprechend kommt es in Deutschland einfach nicht vor, daß sich deutsche und türkische Familien etwa zu gemeinsamen Feiern treffen. Mein Gott, bereits unterschiedliche deutsche Landsmannschaften haben genug Probleme miteinander!

Derartige Probleme wachsen zweifellos mit dem Grad der Panzerung, da die orgastische Impotenz je nach ihrem Ausmaß die biologischen Impulse verstärkt. So entsteht etwa Fettleibigkeit: der natürliche Appetit wird zum Heißhunger. Entsprechend ist es mit dem Rassismus: das natürliche „Fremdeln“ wird zum faschistischen Rassenhaß. Und genauso wie ein Anorektiker nicht weniger gepanzert ist, sondern nur anders, ist auch der „antirassistische“ Gutmensch alles andere als rational!

Robert hat in einem Kommentar auf diesem Blog angemerkt:

Die Antirassisten haben eine Reaktionsbildung auf ihre eigenen Impulse, weil sie ihre Haßgefühle gegen Andersartige nicht wahrhaben wollen und ertragen können. Sie bekämpfen an den „Rassisten“ in extrem neurotischer Weise das, was ihre verdrängten feindlichen Impulse sind. Alle werden bei ihnen zu Rassisten, welche die natürliche Ungleichheit der Menschen anerkennen, ohne zu bewerten („höher“ oder „niedriger“). Das macht ihre Irrationalität aus.
Die Ungleichheit der Ethnien und anthropologischen Rassen spielt immer mehr in der Medikamentenforschung eine Rolle.

Daß ein gewisses Ausmaß an „Rassismus“ angeboren und deshalb natürlich ist, zeigt ein überraschendes Forschungsergebnis von Andreas Meyer-Lindenberg (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit) et al.:

Die Zuschreibung bestimmter Merkmale zu einem Menschen aufgrund von Hautfarbe, Religion oder Geschlecht ist allgegenwärtig. So zeigen auch dreijährige Kinder Mißtrauen gegenüber Menschen aus fremden ethnischen Gruppen und bevorzugen Mitglieder der eigenen Gruppe. Dies gilt nicht für Kinder mit Williams-Syndrom, wie die Wissenschaftler nun gezeigt haben. Die Ursache dieser Krankheit ist das Fehlen von 26 Genen auf einem bestimmten Chromosom. Die Patienten haben eine veränderte Kopfform, das sogenannte Elfengesicht, und leiden unter Eß- und Hörstörungen sowie Infektionen und kognitiver Behinderung. Eine Besonderheit ist, daß die Erkrankten oft auch sehr kontaktfreudig sind und offen auf fremde Menschen zugehen: Ihnen fehlt die bei vielen Kinder typische Schüchternheit oder Angst in neuen gesellschaftlichen Situationen.

Es gibt einen Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die vermaledeite Biologie!

Mit einem besseren Verständnis der dafür verantwortlichen Gehirnprozesse hoffen die Forscher, Ansätze zu finden, um rassistischen Vorbehalten begegnen zu können: Kontaktfreudiges Verhalten sei ein Mittel gegen rassistische Vorurteile.

Dieser Blog bekennt sich offen zu Israel. Zu solchen „Bekenntnissen“ auf der Achse des Guten: wenn Leute wie ich herausfänden, daß Israel von auf die Nerven gehenden lauten Orientalen, eben Juden, bevölkert ist, würde sich unser schleimiger Philosemitismus sehr schnell ins Gegenteil umkehren!

Klingt überzeugend, der Autor vergißt jedoch, daß dieser Bruch auch mitten durch die israelische Gesellschaft selbst geht, wo orientalische Juden die europäischen Juden schon mal als „Nazis“ titulieren, weil sie sich von oben herab behandelt fühlen. Da wird von säkularen Juden alles getan, damit keine orthodoxen Juden in die Nachbarschaft ziehen, die, wenn sie eine kritische Masse erreicht haben, den Rest der Einwohner mit ihren Forderungen nach Sabbatruhe und ähnlichem terrorisieren. Die sprechen dann von „Antisemitismus“ mitten in Israel!

Bleiben wir beim richtigen Nazi – heute ist das der „Israelkritiker“:

Er leugnet zwar nicht den Holocaust, stellt ihn aber mit der israelischen Behandlung der Palästinenser gleich und reduziert ihn damit auf ein unwesentliches Maß. Er spricht nicht vom jüdischen Blutmordritual, stellt aber israelische Soldaten dar, die genüßlich palästinensische Kinder bei lebendigem Leibe verspeisen. Er wirft den Juden keine volksfeindliche Illoyalität vor, nennt aber den Zentralrat das Sprachrohr Israels. Er grölt nicht „kauft nicht bei Juden! “, fordert aber den Boykott israelischer Waren und Firmen. Er schreit nicht „Juden raus“, bestreitet aber ihr Niederlassungsrecht in ihrem Heimatland Israel. Er sagt nicht, „die Juden sind unser Unglück“, geißelt aber Israel als größtes Hindernis zum Weltfrieden.

Dieser „antizionistische“ Abschaum dominiert heute die öffentliche Meinung, auch die „philosemitische“!

„Rassismus“ ist tief in uns verankert. Selbst bei Reich finden sich schier unglaubliche Sätze wie:

Ich liebe meine Vögel und Rehe und Wiesel, die den Negern nahe sind! Ich meine die Neger aus dem Busch, nicht die Neger aus Harlem in steifen Kragen und Zoot-Zoot-Anzügen! Ich meine nicht die fetten Negerinnen mit Ohrgehängen, denen die behinderte Lust in Fett der Hüften überhing, deren Lust Jesus entdeckte. Ich meine die schlanken, weichen, biegsamen Körper der Mädchen der Südsee, die du, sexuelles Schwein dieser oder jener Armee, bevögelst; die Mädchen, die nicht wissen, daß du ihre reine Liebe wie in einem Bordell in Denver nimmst. (Rede an den Kleinen Mann, S. 94)

Ich glaube nicht, daß in unserer Familie jemals das Wort „Pole“ gefallen ist. Ich kann mich auch sonst nicht erinnern, daß mir von irgendjemanden eine „anti-polnische“ Haltung nahegebracht wurde, trotzdem steckt es in mir. Beispielsweise, daß ich Polen und Aussiedler dezidiert unfreundlich behandele – und mich danach über mich selbst wundere, teilweise über mich selbst entsetzt bin.

Was offenbar stört, wenn ich mich denn selbst verstehen kann, ist ihr serviles Gehabe, das „Unwestliche“, fast schon „Unzivilisierte“, das „Unpreußische“ oder, wenn man so will, „Unhanseatische“.

In dieser Hinsicht fängt mein „Rassismus“ schon bei Süddeutschen, insbesondere Bayern an.

Neulich hat mir ein Mann aus dem Ruhrgebiet, den es nach Hamburg verschlagen hat, gesagt, wie schrecklich kalt und abweisend doch die Menschen hier seien.

Gerade in diesem Moment gehen Berliner, die in Hamburg zu Besuch sind, unter meinem Fenster lang, laut berlinernd, große Show; die Frauen (irgendwo zwischen 50 und 70) grell rot gefärbte Haare und angezogen wie Transvestiten. Ich spüre geradezu wie sich, von mir unkontrollierbar, alles voller Widerwillen in mir zusammenzieht. Ein genuin rassistischer Affekt. „Ich hasse Berlin!“

Es geht beim Rassismus immer nur um das eine: darum, um Reichs Massenpsychologie des Faschismus zu paraphrasieren, „das Nicht-Tiersein, das grundsätzliche Anders-als-das-Tier-sein, immer wieder zu betonen“. Ich bin etwas besseres, ich habe mich unter Kontrolle, ich gebe mich nicht meinen Impulsen hin, bin nicht laut und vulgär – ich bin Hanseat. Oder mit anderen Worten: ich bin asexuell! („Ich bin kein Tier!“)

So schauen wir auf die mediterranen „heißblütigen“ Türken herab – und so schauen sie auf uns „zügellose Schweinefleischfresser“ herab. Diese Haltung ist untrennbar mit Verachtung verbunden, die daraus resultiert,

daß wir Energie vom Becken zum Gesicht hinaufziehen, so daß wir uns überlegen fühlen. Verachtung ist imgrunde eine Ablehnung des Genitale und wird gegenüber einem Objekt ausgedrückt, das wir für sexueller als uns selber halten, oder gegenüber jenen, die sich in sexueller Hinsicht von uns unterscheiden. Das gilt immer, ganz gleich, was oberflächlich der Grund für die Verachtung zu sein scheint. (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, München 1980)

Solange die weit überwiegende Mehrheit der Menschen gepanzert ist und damit unter einer verheerenden Sexualstörung leidet (orgastische Impotenz), wird dieser im wahrsten Sinne des Wortes „hochnäsige“ Rassismus weiter grassieren und Träume von Völkerverständigung, internationaler Solidarität und Multikulturalismus immer wieder in blutige Alpträume umkippen lassen.

Hier ist gleichzeitig auch die Ursache für den „Klassenhaß“ zu finden, etwa die Verachtung eines sauberen, gradlinigen Proletarierkindes wie mich für das halt- und disziplinlose Bürgertum (das sich am verlotterten, inzuchtgeschädigten Adel orientierte) – und umgekehrt, deren Verachtung für einen „ungehobelten Klotz“ wie mich. Dazu gehört auch mein „viszeraler“ Haß auf das stinkende, ungewaschene „Lumpenproletariat“.

Man schaue auf das 20. Jahrhundert zurück: jederzeit können sich die Pforten der Hölle öffnen – Jugoslawien und Ruanda sind jederzeit möglich.

Man muß bei der Bundeswehr gewesen sein, um auch nur erahnen zu können, was für ein viehischer Haß auf Frauen, Schwule und Behinderte in der Seele „normaler“ Männer schlummert. Von ihrem Haß auf „Schwarze“ ganz zu schweigen!

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 19)

25. September 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Was mich bei Hegel so anzieht, ist dessen „Anti-Gnostizismus“, sein Jenseits von Gut und Böse: die Welt ist die beste aller Welten und es wird immer alles besser, d.h. alles Schlechte wird schließlich „aufgehoben“. Dagegen hat Stirner in seiner Gegnerschaft zu Hegel eine merkwürdig „gnostische“ Position: Ich muß mich gegen eine fremde Welt behaupten, die mich an und für sich nichts angeht.

Es ist nun aber mal so, daß der „Geist“ ganz Hegelianisch nichts Individuelles ist. Bewußtsein, Reflexion haben wir einzig und allein deshalb, weil wir soziale Wesen sind. Logischerweise müssen wir alle so ungefähr das gleiche im Kopf haben, sonst könnten wir gar nicht kommunizieren – und hätten kein Bewußtsein. Und was unsere Emotionen betrifft – die hat Reich auf die allgegenwärtige Orgonenergie zurückgeführt.

Wo ist nun in einer solchen Welt, umstellt von Soziologie und Biologie, überhaupt Platz für das Eigene? Nun, diese ganze Fragestellung ist grundfalsch! Imgrunde grenzt diese Trennung von „fremd“ und „eigen“ an den Gnostizismus, also an das Gaga einer außerweltlichen Seele, die in der bösen Materie gefangen ist.

Reich hat sich von Anfang an diesem, wenn man es denn so ausdrücken kann, „gnostisch-solipsistischen Bewußtsein“ entzogen, indem er das Individuum in der Sexualökonomie radikal „sozialisierte“ und „biologisierte“ und schließlich in der Orgonomie gar „physikalisierte“. Und die Orgonomie hat schon was „Hegelianisches“ an sich („orgonomischer Weltprozeß“, „kosmischer Metabolismus“). Trotzdem kein bißchen Abstrich am Kerngehalt von Stirners Anthropologie!

Bei Reich hat sich der Gegensatz von „eigen“ und „fremd“ in einen Gegensatz von „natürlich“ (Trieb in die Außenwelt gerichtet) und „unnatürlich“ (Trieb abgebogen und zurück in die Innenwelt gerichtet) verlagert und schließlich in den von OR und DOR konkretisiert. In Gestalt des DOR „brach das Chaos herein“, genauso wie beim triebhaften Charakter einerseits unkontrollierbare Triebe und andererseits das isolierte sadistische Über-Ich ohne jeden Sinn und Verstand „hereinbrechen“. Heute ist es ein gesellschaftliches Phänomen, das man mit Reichs Hilfe adäquater mit dem OR-DOR-Metabolismus erklären kann: die stagnierte Energie kommt in Bewegung, es kommt zur Sequestration, zu ORANUR-Reaktionen, etc.

Es geht darum, daß man mit Kräften konfrontiert ist, die man weder vorhersagen noch kontrollieren kann. „Anti-Stirner“, wie etwa der Katholik Carl Schmitt, haben dafür einen Riecher, wenn sie Stirner mit dem „radikal Bösen“ in einen Topf werfen. Extrem nihilistische Horrorfilme, wo irgendwelche Dämonen heraufbeschworen werden, die dann in ihrer unbegreiflichen Zerstörungswut alles niedermachen und schließlich triumphieren, bringen diese Ängste sehr schön zum Ausdruck. Reich nahm diese Ängste sehr ernst: von Der triebhafte Charakter bis zu Contact with Space. (Nebenbei: Interessant finde ich auch, daß Reich dabei auch immer seine eigene dunkle Seite thematisierte: er hatte selbst etwas von einem „triebhaften Charakter“, in Contact with Space setzt er sich mit den eigenen Alkohol-Exzessen auseinander, etc.)

Das hat alles mit „Theologie“ zu tun (auch Hegels „Philosophie“ ist ja nichts anderes als Theologie). Sie hat diesen zentralen Aspekt („Einbruch des Teufels“), sehr gut erfaßt. Und wenn Reich sich mit „theologischen“ Themen beschäftigt, verläßt er nicht etwa den Weg der Aufklärung. Mitnichten wollte er all den Gagaisten den spirituellen Weg bereiten.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 18)

12. September 2022

In ihrem Aufsatz „No Man Is an Island: The Individual and Society from an Orgonomic Viewpoint“ (The Journal of Orgonomy Vol. 43, No. 1, Spring/Summer 2009, S. 39-55) setzt sich die orgonomische Psychologin Virginia Whitener u.a. mit einem bisher unveröffentlichten Manuskript von Charles Konia aus dem Jahre 2007 auseinander: Functional PaleoAnthropology: The Origin of Human Armor.

Als vor vier oder fünf Millionen Jahren der Vormensch das aufrechte Gehen, seine Sprechwerkzeuge und den opponierbaren Daumen entwickelte, blieb das Gehirn vorerst etwa gleich groß wie zuvor. Die Funktion war zuerst da, die sie „steuernde“ Struktur kam erst später hinzu! Das „Erfassen“ von Gegenständen und das „Erfassen“ von Ideen erregten sich gegenseitig bioenergetisch. Ähnlich beim Sprechapparat: durch die Fähigkeit der Vokalisation entwickelte sich die Sprache und damit das Denken.

Durch die Steigerung der Erregungs- und Wahrnehmungsfunktion erhöhte sich die orgonotische Ladung des Gehirns. In Die kosmische Überlagerung hatte Reich Anfang der 1950er Jahre spekuliert, daß der Mensch sich abgepanzert habe, als er sich seiner Wahrnehmung bewußt wurde, sich selbst zum Objekt seiner Beobachtung machte und darüber strauchelte.

Konia zufolge ist die Vokalisation ein ähnlich wichtiger Faktor, denn mit ihr geriet die Atmung unter bewußte Kontrolle. Durch die „Atemsperre“, den zentralen Mechanismus der Panzerung, konnte der Mensch seine Angst, die mit der Selbstwahrnehmung einherging kontrollieren.

Entsprechend ist es kein Zufall, daß in der Orgontherapie die Sprache eine solch zentrale Rolle spielt („Charakteranalyse“) und je nach der Schwere der Augenpanzerung zuerst diese oder die Atemsperre angegangen wird. Neurotiker verharren in einer festgehaltenen Inspirationshaltung, d.h. die Atmung bleibt panikartig in der Einatmungsphase stecken („Schreckreaktion“), um das vegetative Zentrum mit Energie zu versorgen, während die mit Hingabe und Öffnung verbundene Ausatmung unterdrückt wird. Durch Mobilisierung der geregelten Atmungspulsation in der Orgontherapie soll das Energieniveau auch der Peripherie wieder gehoben werden, um den Schockzustand des Organismus (Kontraktion) und damit die Panzerung beheben zu können.

Nachdem Kontakt („Bewußt-Sein“) hergestellt ist, wird die Atemsperre meist zuerst gelöst (d.h. was die ganze Therapie betrifft, aber auch in jeder einzelnen Sitzung), um den Organismus zunächst einmal energetisch aufzuladen. Das Brustsegment als Sitz von Herz und Lunge bezeichnet Morton Herskowitz als „die hauptsächliche Bewegungsquelle des Energieniveaus des Körpers“ („The Segmental Armoring“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 4(1), September 1987, S. 66-87).

Wenn man diese Überlegungen (insbesondere aber Reichs betreffende Ausführungen in Die kosmische Überlagerung) Revue passieren läßt, wird unvermittelt deutlich, was Orgontherapie imgrunde überhaupt ist: es geht um unsere Existenz als Mensch per se. Nicht einfach wir liegen auf der Matratze: es geht um die Geschichte des Tiers Mensch, um die Spezies Homo sapiens, um die Menschheit und ihr Sein im kosmischen Orgonenergie-Ozean.

Bis vor kurzem glaubte man, daß die Sprache den Menschen auszeichne, doch nachdem man Hunden, Affen und Papageien über das Antippen von Symbolen, Gebärdensprache und Papageien sogar über Vokalisation beachtliche Wortschätze von über tausend Worten beibrachte, also Sprache auf alltäglichem Konversationsniveau, begann selbst diese scheinbar letzte Grenze zu bröckeln. Immerhin gibt es aber eine letzte Hürde, die die menschliche Einmaligkeit sichert: die Grammatik, also die Fähigkeit sich über einfachste kurze Aussagensätze hinaus zu verständigen und abstrakte Sachverhalte darzustellen und zu entwickeln. Was ist Grammatik? Mustererkennung und das selbständige Anwenden dieser Muster, die sich irgendwann in der Sprachgemeinschaft herauskristallisiert haben.

Interessanterweise entstehen ständig neue Sprachen („Pidgin“), etwas auf Neuguinea, wenn vorher isolierte Völker sich etwa auf Indonesisch und Englisch verständigen müssen. Es ist immer wieder faszinierend, wie sich, ohne daß es eine erkennbare „Führung“ gibt, spontan eine vollkommen neue Grammatik herausbildet, die manchmal gar nichts mehr mit den Ursprungssprachen zu tun hat. Das ist wirklich ein Wunder der Arbeitsdemokratie: die organische Selbstorganisation der Gesellschaft. Bewußtsein ist untrennbar mit unserer Existenz als Gruppenwesen verbunden.

Wir kontrollieren unsere Atmung, um sprechen zu können – und legen damit die Grundlage unserer Panzerung. Und wir filtern die Welt durch ein Netz von Regeln – und legen damit die Grundlage der Emotionellen Pest („Vor-Urteile“). Berühmt ist Nietzsches Satz aus der Götzen-Dämmerung, wir würden Gott solange nicht los, wie wir noch an die Grammatik glaubten. Das letztere versucht die woke Sprache aufzuheben, indem die Gesetze der Grammatik systematisch zerstört werden, um ja niemanden irgendwelche „Muster“ überzustülpen. Das ganze erinnert an Wittgenstein, an Zen und nicht zuletzt an Stirner, d.h. die angestrebte Rückkehr zum authentischen „unsagbaren“ Ich, indem man die Sprache (und damit letztendlich die Panzerung) selbst überwindet.

Stirner antwortete seinen Kritikern:

Stirner nennt den Einzigen und sagt zugleich: Namen nennen dich nicht; er spricht ihn aus, indem er ihn den Einzigen nennt, und fügt doch hinzu, der Einzige sei nur ein Name; er meint also etwas anderes als er sagt, wie etwa derjenige, der dich Ludwig nennt, nicht einen Ludwig überhaupt, sondern dich meint, für den er kein Wort hat.

Was Stirner sagt, ist ein Wort, ein Gedanke, ein Begriff; was er meint, ist kein Wort, kein Gedanke, kein Begriff. Was er sagt, ist nicht das Gemeinte, und was er meint, ist unsagbar.