Posts Tagged ‘vegetatives Nervensystem’

Politische Einstellungen unterliegen physiologischen Merkmalen: Politisches Denken und die biologische Grundlage des soziopolitischen Charakters (Teil 1)

18. Juni 2021

Virginia Whitener, Ph.D.*

Es gibt die überkommene naive Annahme in unserer Kultur, dass Entscheidungen im Gehirn getroffen werden. Sicherlich würde dies auch für politische Entscheidungen gelten – dass wir alle die Fakten klug abwägen, vielleicht tangential „Werte“ und eine undefinierte „Bauch“-Reaktion einkalkulieren, aber in unserem politischen Denken fundierte, kognitive, bewusste Entscheidungen treffen, die auf unserem Intellekt, unserer Gehirnleistung, basieren. Dem ist nicht so.

Bedenke zunächst, dass das Gehirn kein eigenständiges oder herrschendes Organ im menschlichen Organismus ist und nicht rein bewusst und auf Basis von Fakten funktioniert, sondern, wie Harman (2007) gut beschreibt, dem autonomen Nervensystem untergeordnet ist. Harman diskutiert diese Dynamik speziell in Bezug auf ihre Beziehung zum und Bedeutung im Schlaf und erklärt: „Das autonome Nervensystem wird manchmal als ‚primitives‘ Nervensystem aufgefasst, im Gegensatz zum Gehirn, das mit dem Auftreten ‚höherer‘ Spezies als immer ‚fortgeschrittener‘ oder ‚entwickelter‘ angesehen wird. Vom Standpunkt der Gesamtstruktur und der Arbeitsweise aus gesehen ist das genaue Gegenteil der Fall“ (Harman 2007, Seite 33). Das Denken, bewusst oder halbbewusst, einschließlich des politischen Denkens, muss demnach auf dem autonomen Nervensystem basieren und ein Produkt biologischer Funktionen sein, einschließlich protoplasmatischer Bewegung und bioenergetischer Pulsation.

Reich identifizierte zuerst den soziopolitischen Charakter. Baker entwickelte dies weiter und zeigte, dass soziopolitisches Denken und Verhalten mit der Verteilung und dem Ausmaß der Panzerung zusammenhängen und Konia erweiterte unser Verständnis der biologischen Basis der soziopolitischen Charakterstruktur noch stärker. Die Panzerung begrenzt und beeinflusst die Wahrnehmung und die Überzeugungen, Handlungen und Entscheidungen der Person im gesellschaftlichen Bereich, einschließlich des politischen Bereichs. Panzerung tritt auf, wenn die protoplasmatische Bewegung eingeschränkt wird. Die Einschränkung kann vom Beginn des Lebens an auftreten, kann sich stabilisieren und wird weitergegeben. Das Umfeld von Eizelle und Sperma, das intrauterine Milieu, die Geburtsbedingungen und die Umgebung nach der Geburt können lebensfeindlich, zerstörerisch, nicht förderlich für das Leben oder für bestimmte Aspekte des Lebens des Organismus sein. Das Ergebnis, wenn die lebendige Spontaneität, die Vitalität und die natürlichen Ausdrucksformen und Bedürfnisse des Organismus nicht respektiert werden, sind schließlich die eigene, bleibende Bewegungseinschränkung des Organismus und die verfemten, starren Reaktionsweisen im individuellen und sozialen Bereich.

Anmerkungen des Übersetzers

* Doctor of Philosophy [Psychologin]

The American College of Orgonomy

Literatur

Harman, R. 2007. The Autonomic Nervous System and the Biology of Sleep. Journal of Orgonomy 41(1): 7-49

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 43 (2010), Nr. 2, S. 62-67.
Übersetzt von Robert Hase

Die bioenergetischen Grundlagen der indischen Mystik

23. Januar 2021

Die indische Mystik beruht auf den beiden Energiesystemen im Menschen: 1. das „energetische Orgonom“, wo die Energie vom Steißbein ausgehend den Rücken emporfließt und dergestalt das Zentrale Nervensystem mit Rückenmark und Gehirn nachzeichnet; und 2. das „orgonotische System“ (Pulsation), das sich im Vegetativen Nervensystem niederschlägt (Parasympathikus und Sympathikus), welches im Sonnengeflecht, also im Oberbauch, sein Zentrum hat.

Das erstere System kommt im Kriya-Yoga, wie ihn etwa Paramahansa Yogananda (der Pop-Guru der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts) vertreten hat, noch am besten zum Ausdruck. Durch Atemübungen und Konzentration auf das „Dritte Auge“ auf der Stirn soll die Lebensenergie mobilisiert werden, die ihren Hauptsitz im Zentralen Nervensystem habe. Die mobilisierte und „gereinigte“ (entsexualisierte) Energie soll das Rückenmark hochsteigen und sich im Gipfelpunkt des Schädels in einem „kosmischen Orgasmus“ mit Gott vereinigen.

Das zweite System kommt in der Transzendentalen Meditation von Maharishi Mahesh Yogi (der Pop-Guru der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) zum Ausdruck. Man stellt sich die Gedanken (und damit letztendlich das gesamte Universum) als Luftblasen vor, die vom Seeboden aufsteigen. Mittels der Konzentration auf Mantras gilt es diese „Luftblasen“ auf ihren Ursprung zurückzuverfolgen und mit dem Seeboden (dem „Brahman“) eins zu werden, mit anderen Worten dem „Seelengrund“ – dem Solar plexus.

Schaut man sich unvoreingenommen den typischen indischen „Heiligen Mann“ an, fällt einem sofort ins Auge: „Den kenne ich doch!“ Das Gehabe, der Körperausdruck, das Lächeln, der Augenausdruck, die wohlfeilen „Weisheiten“ – im Westen sind genau so ein Gutteil der Obdachlosen, hirnorganisch Behinderte, insbesondere aber katatone Schizophrene (der den kundigen Briten in Indien stets als erstes ins Auge sprang!):

In ausnahmslos allen Gesellschaften dieser Welt wurden aus diesem unproduktiven Teil der Gesellschaft die Schamanen und Medizinmänner, die sich in Indien in „Yogis“ transformierten. Im Westen machte man sie zu Mönchen und teilweise zu katholischen Priestern.

Ich stelle in keinster Weise in Abrede, daß sie ein inniges Verhältnis zur kosmischen Orgonenergie haben (man lese nur Reichs Fallgeschichte einer Schizophrenen in Charakteranalyse!) und daß sie teilweise schier unfaßbare Fähigkeiten haben (etwa nackte Sadhus, die den Winter im Himalaya überleben), aber mir kann keiner erzählen, daß extreme Pathologie irgendwo hinführt als zu mehr Pathologie. Man schaue sich doch bitte Indien an: mehr Faschismus, mehr Rassismus, mehr Sexualpathologie geht gar nicht:

Der eine Aspekt, der wirklich alle mystischen Lehrer Indiens vereint, ist die Aussage, man solle Kontakt mit seinem „wahren Ich“, dem Selbst aufnehmen. Für uns bedeutet das, Kontakt mit dem bioenergetischen Kern jenseits der Panzerung aufzunehmen. Doch beim indischen „Weisheitslehrer“ bedeutet das etwas grundlegend anderes: die Wahrnehmungsfunktion löst sich von der Erregung, d.h. das Ich zerfällt, und all die Rituale, Atemübungen etc. dienen dazu eine neue Scheinidentität aufzurichten. Es ist ähnlich wie bei Transvestiten, die in ihrer Rolle, Kleidung und Aufmachung als Frau vor Ekstase und Seligkeit schier platzen, „ihr wahres Ich leben“, aber wenn das alles wegfällt, nur noch ein Häufchen Elend sind. Also: immer schön meditieren, die Mantras aufsagen, den Atem kontrollieren und nie das geistige Umfeld verlassen! Om Shanti!

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 14)

12. Dezember 2020

In Teil 13 brachte ich die Konservativen, der doch primär „aus dem Bauch heraus“ lebt, mit der „Stimme der Vernunft“ in Zusammenhang. Hier möchte ich die bioenergetischen Hintergründe erläutern:

Der Konservative (gekennzeichnet durch das Vorherrschen der orgonotischen Pulsation, die im Vegetativen bzw. Autonomen Nervensystem [ANS] organisiert ist) und der Liberale (energetisches Orgonom, Zentrales Nervensystem [ZNS]) haben zwei völlig verschiedene Arten von Gewissen (Über-Ich). Das Gewissen des Konservativen ist sein „liberaler“ Verstand, seine Vernunft. Das Gewissen des Liberalen ist sein „konservatives“ Herz, seine Gefühle. Aus diesem Grund insistieren die bauchgesteuerten Konservativen wider Erwarten immer auf die Vernunft („sei vernünftig“), während gerade die „Kinder des Zeitalters der Vernunft“ IMMER das Gefühl auf die unangemessenste Weise beschwören. Plötzlich ist ein schwarzer Kleinkrimineller im Gegensatz zu jedweder Vernunft ein Heiliger, während ausgerechnet Konservative auf ihren Kopf deuten und rufen: „Gebrauche deinen Verstand!“ Die Konservativen verbeugen sich vor dem, was ihnen am meisten mangelt: die „liberale“ vom energetischen Orgonom geprägte „ZNS-Vernunft“. Liberale verneigen sich dementsprechend vor dem komplementären Gott: dem „konservativen“ Herz, Pulsation, ANS. (Nicht von ungefähr hieß die linksradikale Zeitschrift des deutschen „Reichianismus“ emotion!)

Beide Seiten folgen der Stimme ihres „höheren Selbst“. Für den Konservativen (der einseitig auf Pulsieren beruht) muß dieses höhere Selbst natürlicherweise sein fehlender Anteil sein – das energetische Orgonom, das im ZNS organisiert ist: VERNUNFT. Während für den Liberalen (der nur energetisches Orgonom ist) der göttliche, höhere Anteil in ihm die Pulsation sein muß, die im ANS organisiert ist: EMOTION. Beide wollen wieder vollständig, wieder ganz werden und zerstören bei diesem ihrem Selbstheilungsversuch ihr soziales Umfeld. Die Konservativen haben mit ihrer anti-emotionalen Haltung vor allem Kinder terrorisiert: „Sei vernünftig und benimm dich, du primitiver Wilder!“ Die Liberalen hingegen terrorisieren uns mit ihren ach so kostbaren „Gefühlen“. Beide kreuzigen dabei das lebendige Leben.

Zur Illustration denke man bei diesem Streben nach der Einheit von Pulsation und energetischem Orgonom an Platons Gedanken, daß der Mensch ursprünglich eine männlich/weibliche Einheit war, die sich spaltete und seitdem versucht, sich wieder zu vereinen, woraus, nach Plato, die Anziehung der Geschlechter entstand. Ebenso spaltete sich der Mensch in ANS/Pulsation (konservativ) und ZNS/Orgonom (liberal) auf und versucht nun wieder ganz zu werden. Daher kann man Politik als eine Art „Eros“ betrachten: der Konservative BRAUCHT die Auseinandersetzung mit dem Liberalen und umgekehrt. Diese vermeintlich „politische“ Aktivität ist in gewisser Weise „platonischer Sex“.

Ich fasse zusammen: Genitalität ist die harmonische Einheit von Pulsations- und Orgonom-Aktivität. Die Panzerung spaltet die Menschen in eine Person, die entweder von Pulsation (konservativ) oder dem energetischen Orgonom (liberal) dominiert wird. Beide versuchen wieder ganz (genital) zu werden, indem sie entgegen ihrer einseitigen Natur auf „vernünftige Verantwortung“ (wie es der Konservative tut) bzw. „emotionale Freiheit“ (wie es der Liberale tut) insistieren. Der „Gott“ des Konservativen ist die Vernunft, der „Gott“ des Liberalen ist das Gefühl. Politische Aktivitäten, also das Ausleben der Spaltung in Konservative und Liberale, sind ein neurotischer Versuch, diese Spaltung zu heilen und die Arbeitsdemokratie wiederherzustellen. Die Konservativen waren entsetzt, als Obama immer die Emotionen ansprach, die Liberalen sind entsetzt, wenn Trump, „dieses unsensible Schwein“, versucht, die vor allem wirtschaftliche Vernunft anzusprechen. Beide Seiten arbeiteten einst in der autoritären Gesellschaft perfekt zusammen beispielsweise in Amerika, als z.B. beide die gleichen Emotionen in Bezug auf die Nationalhymne, die Gründerväter, Old Glory usw. hatten und beide noch vernünftig waren, beispielsweise in Bezug auf das Funktionieren des Kapitalismus.

Zum Schluß möchte ich zwei Antikommunisten zitieren:

William Schlamm: „Der Marxismus, der sich selbst gerne als exakte Wissenschaft sieht, triumphierte als Gefühl.“

Bertram Wolfe: „Als ein Ismus ist der Marxismus in all seinen vielen Spielarten zutiefst gefühlsbetont und wird von formulierten Argumenten gespeist, die aber Emotionen entspringen. Daher kann er nicht durch bloße rationale oder faktische Zurückweisung von noch so vielen konkreten Vorschlägen erschüttert werden, selbst wenn es sich um wesentliche Bestandteile seines logischen Gebäudes handelt.“

David Holbrook, M.D.: DIE GEIST-KÖRPER-BEZIEHUNG UND DIE „GEGENWAHRHEIT“

25. November 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Die Geist-Körper-Beziehung und die „Gegenwahrheit“

 

nachrichtenbrief167

23. August 2020

Wahrheit und Wirklichkeit (Teil 4): PSYCHOLOGIE, SOZIOLOGIE und MEDIZIN – die widersprüchliche Wirklichkeit

9. Juli 2020

Wilhelm Reich, Physiker: 7. Wahrheit und Wirklichkeit

David Holbrook, M.D.: ORGONOTISCHE FUNKTIONEN IN DER KLINISCHEN SITUATION. DIE BIOENERGETISCHE EINHEIT VON PSYCHE UND SOMA (Teil 10)

6. März 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Orgonotische Funktionen in der klinischen Situation. Die bioenergetische Einheit von Psyche und Soma

 

David Holbrook, M.D.: ORGONOTISCHE FUNKTIONEN IN DER KLINISCHEN SITUATION. DIE BIOENERGETISCHE EINHEIT VON PSYCHE UND SOMA (Teil 8)

1. März 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Orgonotische Funktionen in der klinischen Situation. Die bioenergetische Einheit von Psyche und Soma

 

David Holbrook, M.D.: ORGONOTISCHE FUNKTIONEN IN DER KLINISCHEN SITUATION. DIE BIOENERGETISCHE EINHEIT VON PSYCHE UND SOMA (Teil 2)

6. Februar 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Orgonotische Funktionen in der klinischen Situation. Die bioenergetische Einheit von Psyche und Soma

 

Orgonomie und Christentum: Die Abfolge Heidentum – Christentum – Neoheidentum – Orgonomie (Teil 1)

5. Januar 2020

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 13. Der Christusmord nach Johannes / Christus bringt die Erlösung