Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’

Peter liest den Roman DER TROLLRING von Sigurd Hoel (Teil 1)

1. April 2026

Der Trollring (norwegisches Original „Trollringen“, Bedeutung in etwa „Teufelskreis“) erschien 1958 als letzter Roman von Sigurd Hoel (geb. 1890), der zwei Jahre später verstarb. Die deutsche Übersetzung erschien 1980 in der DDR (Rostock: Hinstorff Verlag). Auf dem Schutzumschlag findet sich ein Schneeflocke und 13 schwarze Raben, die ringförmig einen 14. Raben umringen, der offenbar in einer Blutlache liegt. Der Roman erzählt vom Neuerer Haarvard Gjermundsen, der an der verbiesterten ländlichen Bevölkerung Norwegens scheitert.

Der Roman handelt im weitesten Sinne von Ökonomie, sozusagen ein „Wirtschaftsreformer“ und sein Scheitern. Aus funktioneller Sicht gehören Belletristik und Wirtschaft tatsächlich eng zusammen. Ökonomie handelt im Kern vom Gegensatz Arbeitsdemokratie und Emotionelle Pest, große Literatur von dem zwischen Genitalität und Emotioneller Pest. Hoels Buch beschreibt beides.

Haarvard („Hoher Wächter“ oder „Der den Felsen bewacht“) stellt eindeutig Reich da. Diese These stellte erstmals Harvard Nilsen (Universität Oslo) auf der Internationalen Reich-Tagung 2007 in Rangeley, Maine auf: The Troll Circle. The Social Construction of Wilhelm Reich as a Pseudo-Scientist. Nilsen:

Der Trollring ist die Geschichte eines jungen, starken, begabten und einfallsreichen Mannes (…), der in den 1820er Jahren aus einem reichen, sonnigen Dorf in ein armes, dunkles und rückständiges Dorf kommt, um dort die reichste und schönste Frau zu heiraten. Er will die Fruchtbarkeit des Bodens verbessern und erkennt, daß man die Hindernisse für den Wasserfluß in der Gegend beseitigen muß. Er hat großartige Ideen, wie der natürliche Wasserfluß besser reguliert werden könnte. Er wird zum naheliegenden Gegenstand von Neid und Mißgunst. Er ist der Fremde, der versucht, ihnen neue Wege beizubringen. Er wird zum Gegenstand von Klatsch und Verleumdung, und schließlich wird er völlig zermalmt. Niemand, der das Buch gelesen hat, wird die unheimliche Atmosphäre vergessen, ebensowenig wie die bedrückende ländliche Gesellschaft, der es schließlich gelingt, den jungen Mann (…) zu zerstören, der schließlich in einem Prozeß zum Tode verurteilt und hingerichtet wird. Wie man sicher verstanden hat, ist Wilhelm Reich das Vorbild für den Hauptprotagonisten des Buches.

Unmittelbar an Reich erinnert folgende Beschreibung des Romanhelden: „Er stürzte sich in die viele Arbeit auf dem Hof. Um ihn herum durfte nichts stillstehen, keine Atempause eintreten, keine Ruhe. Hundert Dinge sollten erledigt werden, eins drängte das andere“ (S. 90). Oder etwa: „Er hatte einen ungewöhnlich leichten, weich-federnden Gang, sogar jetzt, wo er eine ansehnliche Last zu tragen hatte, die doch nach unten zog“ (S. 134). Dieser ungepanzerter Gang ist jedem bei Reich aufgefallen.

Er ist ein Fremdling, der die wohlgeachtete Witwe Rönnau Larsdatter Olstad heiratet, worauf sich seine Freundin zu Tode stürzt. Ähnlich wie Reich ist er von tiefer Schuld belastet. Die Landbevölkerung steht dem Fremden feindselig gegenüber, weil der sich aufdrängt als Missionar moderner Landwirtschaftsmethoden. Er soll hervorragend pflügen können, heißt es gehässig. „Doch am besten pflügt der wohl zwischen den Schenkeln der Weiber. Sonst hätte er gewiß die Rönnau nie bekommen!“ (S. 38). Hinter ihm ist alles „verbrannt und versperrt“. „Er konnte all dem nur den Rücken zuwenden“ (S. 40). Doch von Rönnau geht Wärme aus – „ein lebendiger Mensch, kein Schatten aus Vergangenheit oder Zukunft“ (S. 72).

Der Roman baut auf der Dichotomie zwischen Haarvards Träumen, Visionen und Plänen (S. 46f) und den rückständigen norwegischen Bauern: „Sie waren stolz, selbstgefällig und stur. Aber ängstlich. Und schwerfällig. Oh so schwerfällig…“ (S. 50). „ – ja, hatte er nicht sogar davon geträumt, die Häusler zu freien Menschen zu machen?“ (S. 264). Über Haarvards Bestrebungen würden sie sich „lustig machen, zunächst einmal. Würden grinsen und ihre abfälligen Bemerkungen machen“ (S. 50f). Doch obwohl Haarvard keinen von ihnen kannte: „Ha! Er kannte sie wie seine eigene Hosentasche. Es gab nicht einen schwarzen Winkel in ihrer Seele, den er nicht kannte – besser als sie selbst“ (S. 50). Sie wiederum, würden wechselseitig Erkundungen über ihn einholen – „bei anderen, nicht bei ihm selbst, oh, wie ihnen das ähnlich sähe!“ (S. 51). „– dieser Ort hat alle Fröhlichkeit aus mir herausgesogen“, so Haarvard (S. 310).

Selbst bei Rönnau zeigen sich Anzeichen der Emotionellen Pest. Sie konnte in der Nacht mit Haarvard „glühen“, ja „weißglühend werden“. „Doch am nächsten Morgen, wenn sie sich wieder abgekühlt hatte, war sie so hart wie zuvor. Oder noch härter? Ja, ab und zu schien es, als suchte sie gerade an einem solchen Morgen Streit oder als haßte sie ihn wegen irgend etwas“ (S. 89). Es ist, als beschreibe Hoel hier das teilweise spannungsreiche Zusammenleben von Reich und Elsa Lindenberg: „Hatten er und Rönnau eine ihrer heißen Stunden gehabt, dann konnte es geschehen, daß er sofort einschlief, in eine bewußtlose Tiefe versank. Am nächsten Morgen konnte er dann frisch und munter erwachen, wie seit langem nicht, und ohne daß er es selbst bemerkte, begann er beim Ankleiden zu singen“ (S. 91). Doch in anderen Nächten mit Rönnau wurde er von schlimmen Alpträumen voll von Schuldgefühlen über eine längst vergangene Tragödie gepeinigt. Ilse Ollendorff beschreibt solche Nächte mit Reich aus eigener Erfahrung und von den Erzählungen Elsa Lindenbergs her.

Gleich zu Anfang hatte Rönnau Haarvard für sich gewonnen, indem sie vorgab von ihm schwanger zu sein, woraufhin sich, wie erwähnt, dessen Verlobte umbrachte. Schließlich sollte Rönnau durch ihre unbegründete Eifersucht auf ihre Stieftochter selbst den Unfall verschulden, der ihr das Leben kostete und Haarvard schließlich zu Fall bringt. Ihr vorangehender Wahnsinn wird wie folgt erklärt:

(…) Rönnau kann jenem ausgesetzt sein, was einige Nemesis, andere Circulus vitiosus nennen. Hier oben in den Dörfern spricht man vom Trollring oder Teufelskreis. Die Vergangenheit rächt sich, das Schicksal beißt sich, gleich einer Schlange, selbst in den Schwanz… (S. 348)

Der offensichtliche, geradezu plakative emotionell pestkranke Charakter der Handlung, Kerstaffer, betreibt passenderweise eine Art „Privatpsychiatrie“ auf seinem Hof, d.h. er sperrt im Auftrag des Landkreises die Irren der Umgebung in seinen Keller ein. Tatsächlich stellt sich jedoch heraus, daß der stets freundliche und zuvorkommende ewig lächelnde Hans Nordby der wirkliche Intrigant war. Am Ende hat Haarvard das Gericht vor Augen, „und er wußte, was er von dort zu erwarten hatte, von Menschen, die ihn hassen, weil er das ist, was sie nicht sind – ein Mann, von der Frauen geliebt, von Ebenbürtigen bewundert“ (S. 391).

Die erwähnte Schwiegertochter, namens Kjersti, wird kurz vor Haarvards Hinrichtung von den Frauen durchs Dorf gehetzt und stürzt sich, ähnlich wie einst Haarvards Verlobte, in den Tod. „Haavard mußte sterben – die Männer bewunderten ihn, doch mehr noch weckte er ihre Mißgunst. Und Kjersti mußte sterben, die haßerfüllten Weiber ertrugen nicht den Gedanken, daß Haarvard sie vielleicht geliebt hatte“ (S. 425).

Brief [Aufklärung heute] 1993

29. März 2026

Brief [Aufklärung heute] 1993

Raum, Zeit und die Massenpsychologie des Faschismus

26. März 2026

Bei okularer Panzerung ist die Welt wie zweidimensional. Alles ist unterschiedslos nahe und von daher potentiell bedrohlich. Das erklärt den Terror, unter dem der Paranoide beständig lebt. Löst sich diese Panzerung auf, wird die Welt tief und gestaffelt. Man nimmt die Distanz wahr: daß die Bedrohung eine gewisse Strecke zu einem selbst zurücklegen muß und man deshalb jede Menge Zeit hat zu reagieren.

In Zeiten der Massenhysterie, „des unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs“, also heutzutage, wird die Welt aufgrund der zunehmenden Augenpanzerung der verängstigten Massen immer flacher, entsprechend die Forderungen nach vermeintlich notwendigen (faschistischen) Gegenmaßnahmen gegen Klimakatastrophe, Putin, Corona, Deep Fakes, etc. immer drängender. Es ist, als wenn der Raum schrumpfen und die Zeit sich beschleunigen würde. Tatsächlich ist dies genau das, was immer mehr Menschen beschreiben: alles wirke immer unwirklicher und bedrohlicher. Everything feels strange. Hier fünf von zahllosen Videos, in denen verängstigte Opfer dieser biopsychologischen (d.h. mit Panzerung zusammenhängenden) Katastrophe zu Wort kommen:

Der Algorithmus von Youtube wird zu buchstäblich Hunderten weiterer Videos dieser Art führen. Dergestalt kann man die sich abspulende Massenpsychologie des Faschismus in Echtzeit verfolgen! Der Student der Orgonomie ist der einzige, DER EINZIGE, der versteht, was vorgeht. Ohne Wilhelm Reich hat die Menschheit null Überlebenschancen!

Apropos Massenpsychologie des Faschismus heute:

VERSCHISSMUS heute!

Der NACHRICHTENBRIEF: Eine Einordnung (Teil 2)

24. März 2026

Es gibt zwei Arten von „Orgonomie“, die kaum etwas mit Reichs Orgonomie zu tun haben. Die erste macht aus Reichs Beiträgen eine in sich geschlossene „Weltanschauung“, die zweite benutzt Reichs Lebenswerk als eine Art Steinbruch, wo man nach Belieben (d.h. nach den eigenen ideologischen Vorlieben) mal das und mal jenes herausklauben kann.

Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs wird aufgefallen sein, daß die einzelnen Beiträge untereinander nicht immer harmonieren und ab und an „Widersprüche“ auftreten. Dazu ist zu sagen, daß der Student der Orgonomie die Welt immer wieder von neuem und möglichst unvoreingenommen betrachtet. Er hat keine in sich geschlossene „Weltanschauung“, d.h. er hat kein Brett vor dem Kopf. Er ist offen für alles und im guten und echten Sinne liberal.

Man nehme etwa die drei Grundtabus, auf denen die gepanzerte Gesellschaft aufgebaut ist: Sexualität, Politik und Religion. In der gegenwärtigen anti-autoritären Gesellschaft ist es nur allzu verständlich, wenn der Student der Orgonomie dem Uneingeweihten als „puritanisch“, „konservativ“ und sogar als „christlich“ erscheinen mag. Wenn sich die Umstände geändert haben, könnten wir uns durchaus im entgegengesetzten Lager wiederfinden. Außerdem entwickelt sich die Orgonomie im allgemeinen und die orgonomische Soziologie im besonderen beständig fort.

Das Mißverständnis, daß es sich bei der Orgonomie um eine „in sich geschlossene Weltanschauung“ handelt, entsteht auch dadurch, daß es etwa undenkbar ist, daß sich ein Cloudbuster-Operateur (Meteorologie, Ingenieurwesen) nicht mit Reichs sexualökonomischen Theorien auseinandersetzt (Medizin, Psychologie, Soziologie) und sich nicht fortwährend in orgontherapeutischer Behandlung befindet. Wie überall in der Wissenschaft geht es darum, die Instrumente und Geräte intakt zu halten. In der Orgonomie ist das wichtigste Instrument der menschliche Geist und Körper sowie das soziale Gefüge zwischen den Arbeitenden (Arbeitsdemokratie).

Ab und an hatte ich wirklich genug von der Orgonomie. Es waren „WTF“-Momente. Da war beispielsweise der Augenblick, als ich über die Rolle des Augenkontakts bei Menschenaffen sprach, die ihn als extrem aggressiven Akt wahrnehmen. Mein „orgonomisches“ Gegenüber reagierte heftigst: das müßten die Verhaltensforscher falsch interpretiert haben! – Es paßt nicht zur „orgonomischen“ Weltanschauung, in der beispielsweise der „tiefe Augenkontakt“ eine wesentliche Rolle spielt. Bei solchen Reaktionen denke ich mir dann: „Scheiße! In was für eine Sekte grenzdebiler Irrer bin ich hier bloß reingeraten?“ Andere Beispiele sind irrationale Reaktionen auf meine faktisch begründeten Zweifel über Giordano Bruno oder die Hexenverfolgung oder die offensichtliche Beobachtung daß es, oh Schreck, Rassenunterschiede gibt.

Ähnlich die Reaktion, als ich erwähnte, daß Malinowski seinem posthum veröffentlichten Tagebuch zufolge Probleme mit dem Rassismus der Trobriander hatte, die einen Horror vor Körpergerüchen haben und jedes Körperhaar entfernen. Und dann kommt da so ein übelst vor sich hin müffelnder (generell ist Kleidung, diese Segnung des weißen Mannes, in den Tropen unhygienisch!), ständig schwitzender, blasser und wie ein Halbaffe über und über behaarter Untermensch (ein Mitteleuropäer) wie Malinowski daher! Malinowski hat sich gerächt, indem er von „Niggern“ und, was die jungen Trobrianderinnen betraf, „Huren“ sprach. Aber erwähne das mal gegenüber einem ganz in der „orgonomischen“ Weltanschauung aufgehenden Sektierer, für den Malinowski ein orgonomischer Heiliger ist! „Blödsinn!“ Da müßte ich was mißverstanden haben, blablabla.

Für diese Leute scheint es keine objektive Wirklichkeit zu geben. Alles wird mit einer vermeintlich „orgonomischen“ Brille gesehen, ohne daß sie sich bewußt sind, daß sie eine Brille tragen. Diese Brille ist fast durchgehend rosa gefärbt: Friede, Freude, Eierkuchen.

Reich ist nicht ganz unschuldig für das Aufkommen dieser Weltanschauung, mußte er sich doch zeitlebens mit Leuten auseinandersetzen, für die der Mensch ein „sadomasochistisches Tier“ war, die Welt ein von wachsender Entropie und dem „Todestrieb“ bestimmtes Jammertal; dauerhaftes Glück sei Illusion, der Stoizismus die angemessene Geistesverfassung. Noch heute sind die arroganten Hackfressen der Reich-Hasser von diesem Gedankengut durchfurcht.

Tatsächlich hat sich die Gesellschaft aber mittlerweile grundlegend geändert. Aus der autoritären Gesellschaft wurde die anti-autoritäre Gesellschaft und an die Stelle von Sigmund Freud ist Erich Fromm getreten. Zwar spreizen sich in pseudo-intellektuellen Schmierantenblättern noch immer die Zyniker, aber der Gutmensch dominiert zusehends die Szenerie. Er hat sich sogar seinen eigenen Reich-Film gedreht: ein weicher, verletzlicher, durch und durch anti-autoritärer Reich, der nahe am Wasser gebaut hat. Aussagen Reichs, die nicht in diese Weltanschauung passen, hat Reich, dieses Weichei, dann halt aus Angst vor „McCarthy“ getätigt!

Ähnlich sieht es im Bereich der Orgonbiophysik aus. Da haben wir ein perfektes Weltsystem vor uns: der Raum ist mit einer Art Sauce (dem Orgon) gefüllt, das durch das Universum, die Atmosphäre und den menschlichen Körper fließt, wie es die „alten Weisheiten“ der Völker und verschiedene moderne Esoteriker lehren. Mein Protest, daß man die Orgonenergie nicht einfach mit dem Äther, dem Od, dem Chi und all den anderen „feinstofflichen“ Essenzen gleichsetzen kann, wird jeweils verächtlich vom Tisch gewischt. Reichs Orgon wird mit den verzerrten Wahrnehmungen von gepanzerten Menschen gleichgesetzt!

Reich war ein Wissenschaftler, kein Begründer von etwas, was die Welt nun wirklich als allerletztes braucht: eine neue Weltanschauung. Tatsächlich ist diese vermeintlich „orgonomische“ Weltanschauung derartig beschränkt, klaustrophobisch und offensichtlich falsch und schlichtweg peinlich, daß man den Kritikern der Orgonomie manchmal nur aus vollem Herzen rechtgeben kann. Tatsächlich entspricht diese „orgonomische“ Weltanschauung dem Weltbild des kleinen Mannes, der nicht etwa nach Erkenntnis sucht, sondern nach Halt und Orientierung in dieser Welt.

downwithhim

Der NACHRICHTENBRIEF: Eine Einordnung (Teil 1)

23. März 2026

Dieses Netztagebuch ist aus der Netzseite www.orgonomie.net herausgewachsen. Ursprünglich war der Nachrichtenbief eine wöchentliche Strompost, die die neusten Entwicklungen in Gesellschaft und Wissenschaft mit den Themen der Netzseite in Zusammenhang bringen sollte.

Problem bei solchen Netztagebüchern ist, daß sie zur Verbreitung von Weltanschauungen tendieren. Die Orgonomie ist jedoch Wissenschaft, keine Weltanschauung. Entsprechend war für Reich in den 1920er und 1930er Jahren die Psychoanalyse eine Wissenschaft und keine Weltanschauung, obwohl sie als Weltanschauung bekämpft wurde (Menschen im Staat, S. 238). Reich führte damals weiter aus, daß sich in der „objektiven Wissenschaft“ der weltanschauliche Konflikt nicht direkt zu äußern pflege. Man müsse unterscheiden, wo wissenschaftliche Differenzen Mängeln sachlicher Erkenntnis und wo sie weltanschaulichen Motiven entspringen, und ausmachen, wo es zur Bremsung der Erforschung der Wahrheit durch eine unbewußt festgehaltene Weltanschauung komme (ebd., S. 250).

Es kann also nicht darum gehen, hier eine vermeintlich „orgonomische“ Weltanschauung zu vertreten (was ein Widerspruch in sich selbst wäre!), sondern nur darum zu zeigen, wo und wie die diversen Weltanschauungen verhindern, daß sich die Wahrheit, d.h. die Wissenschaft durchsetzt. Ein solches Unterfangen ist natürlich nur möglich, wenn man selbst auf einem sachlichen Fundament steht.

Dieses Fundament ist die Orgonomie bzw. die folgenden vier Grundelemente (vgl. www.orgonomie.net/hdozeit.htm):

  1. die Funktion des Orgasmus
  2. die Entdeckung des Orgons
  3. der Orgonomische Funktionalismus
  4. das ORANUR-Experiment

Am wichtigsten, weil die Grundlage von allem, ist der 1. Punkt. Für den Leser dieser Zeilen bedeutet dies konkret psychiatrische Orgontherapie als die alles entscheidende Grundvoraussetzung, um überhaupt in irgendeiner Weise orgonomisch tätig sein zu können (siehe www.roomforhappiness.de).

Parallel dazu strebt die soziale Orgonomie danach, die „soziale Panzerung“ aufzulösen. Dies geschieht, indem den Massen bewußtgemacht wird, daß die Lösung ihrer Probleme nicht im politischen, sondern im bio-energetischen Bereich liegt. Wie der amerikanische Orgonom Charles Konia in seinem Netztagebuch schrieb:

Das erste und einzige, was den Menschen auf ihrem aktuellen emotionalen Entwicklungsstand gesagt werden kann, ist, daß es keine politischen Lösungen für ihre sozialen Probleme gibt und ihre politischen Lösungen, um den Himmel auf Erden zu erreichen, ein Schwindel sind. Wenn die Menschen diesen Gedanken fassen können, reicht das erst mal. Politische Sehnsucht ist bei den heutigen Massen an die Stelle der religiösen Sehnsucht getreten. Auf diese Weise drücken sie ihren Mystizismus aus.

Punkt 2 beinhaltet den Nachvollzug und die Weiterführung von Reichs Experimenten.

Punkt 3 ist mehr oder weniger Inhalt von www.orgonomie.net, desgleichen

Punkt 4, hier insbesondere der Kampf gegen die Emotionelle Pest, die Auswirkungen von DOR (abgestorbener, giftiger Orgonenergie) auf gesellschaftlicher Bühne (OREP).

 

Elsworth F. Baker als Opfer der Emotionellen Pest in der Orgonomie

16. März 2026

Die Emotionelle Pest richtet sich allgemein gegen eine Erregung in der Umwelt, die der emotionell Pestkranke nicht ertragen kann. Das ist etwa so, wie wenn du an einer schwierigen Arbeit sitzt, dich konzentrieren mußt, und dich irgendeine Musik in den Wahnsinn treibt und du dann tatsächlich ausrastest. Das wird meist eine nachvollziehbare und rationale Reaktion auf die Rücksichtslosigkeit deiner Mitmenschen sein. Anders sieht es aus, wenn du aus irgendeiner Frustration heraus überempfindlich bist und selbst rücksichtslos auf Nichtigkeiten reagierst. Diese irrationale Reaktion ist Emotionelle Pest. Unmißverständlich ist es Emotionelle Pest, wenn das ganze mit einer sexuellen Unbefriedigtheit bei dir im Zusammenhang steht. Und ganz spezifisch Emotionelle Pest liegt vor, wenn sich deine Reaktion gegen das Genitalleben anderer richtet. Der krönende Abschluß an Emotioneller Pest ist es schließlich, wenn zu diesem Beginnen die Moral ins Spiel gebracht wird!

Elsworth F. Baker, Jahrgang 1903, war jener Schüler Reichs, dem er seit 1949, als Reich begann von New York City wegzuziehen, um sich ganzjährig in Maine niederzulassen, die Ausbildung zukünftiger medizinischer Orgonomen anvertraute. Eine Aufgabe, der Baker bis zu seinem Tode 1985 nachging. Ein Jahr zuvor verstarb seine Ehefrau Marguerite, die wie er bei Reich in Therapie war und beispielsweise am Projekt „Kinder der Zukunft“ teilgenommen hatte. Die beiden waren seit 1941 verheiratet.

Nun möchte ich auf den Artikel des damals fast 100jährigen Morton Herskowitz „A Refutation of Political Misuses of Reich’s Work“ eingehen, der sehr persönliche Angriffe auf Baker enthält, die neuerdings von Philip Bennett wiederholt wurden (siehe dazu Orgonomische Facebook-Seiten seit der Trump-Wahl (Teil 1)) und allgemein seit nunmehr über 40 Jahren als Klatsch umgehen.

Nachdem er Baker als Rechtsextremisten und „Elitisten“ outet, fährt Herskowitz fort, daß Courtney F. Baker zufolge sein Vater oft log, etwas, was Courtneys Partnerin, die Orgonomin Louisa Lance bestätigt habe. Herkowitz fährt fort: „Einmal nahm ich an einer feierlichen Veranstaltung teil, bei der ein Kollege auf einen jungen Mann hinwies, dessen Bewegungen und Mimik offensichtlich gestört waren. Er erzählte mir, daß der junge Mann der Sohn von Elsworth Baker und einer seiner Patientinnen sei.” Im Klatsch heißt es, daß Baker über viele Jahre eine heimliche Geliebte hatte, eine Beziehung, aus der das besagte Kind hervorging, und daß er dies seiner Familie, d.h. seiner Frau und seinen drei Söhnen gegenüber geheimhielt. Baker, ein Lügner und Betrüger. Ich hätte beinahe geschrieben „typisch AfDler“!

Lassen wir Baker selbst zu Wort kommen. 1979 hielt er vor dem American College of Orgonomy eine Rede, die folgende Sätze enthielt:

Wenn in einer Ehe ein Partner den anderen nicht mehr erregt, ist dies in der Regel dauerhaft, es sei denn, es handelt sich um korrigierbare Faktoren. Im letzteren Fall kann eine kurze Affäre die Ehe wiederherstellen und die beiden einander näher bringen. Im ersten Fall kann die Ehe aufgelöst werden oder als eine Partnerschaft fortgesetzt werden, die in anderer Hinsicht sehr befriedigend ist. Im letzteren Fall kann einer oder beide Partner sexuelle Befriedigung außerhalb der Ehe suchen. Dies sollte mit äußerster Diskretion geschehen. Ich verstehe nicht, warum das so ist, daß einer der Partner aufhört, sich für den anderen zu begeistern, während der andere weiterhin fasziniert ist und immer noch tief verliebt ist.

Es ist nicht immer möglich, einen Partner zu finden, der sowohl die Bedürfnisse nach Gesellschaft als auch nach Sexualität angemessen befriedigen kann. Wenn diese Situation akzeptiert werden kann, sind möglicherweise zwei Partner erforderlich. Gesunde Paare bleiben zusammen und sind treu, solange die Beziehung zufriedenstellend ist. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, wird ein neuer Partner gesucht. („On Love“, The Journal of Orgonomy, Volume 14, No. 1, May 1980)

Die besagte „äußerste Diskretion“, also das „Lügen“ und „Täuschen“, das man Baker vorwarf, dient dazu, die Gefühle und Integrität des ursprünglichen, nunmehr rein platonischen Partners zu schützen. Der „äußere Schein“ wird gewahrt. Für Linke, die mangels Kontakt mit dem eigenen bioenergetischen Kern von unverarbeiteter Schuld zerfressen sind und ihre Erlösung in „der Gesellschaft“, im Kollektiv, „der Gerechtigkeit“ und in einem „ehrlichen Miteinander“, also ihrer Ersatzreligion, suchen, ist ein solches Verhalten eines „selbstsüchtigen“ konservativen Charakters absolut unerträglich. Ein Sakrileg! Daß sie das alles einen feuchten Kehricht angeht und… Ich habe mir wahrhaftig nie Illusionen über die Abgründe der „gutbürgerlichen“ Welt gemacht, aber nichts stößt mich mehr ab, als dieser linke ersatzreligiöse Moralismus, dieses Gutmenschentum, die angeblich ethische Überlegenheit – dieses diametrale Gegenteil von genitaler Liebe. Ich verweise zurück auf den Anfangsparagraphen und den verlinkten Blogeintrag!

Brief [über Reich und die Philosophie] 1992

6. März 2026

Brief [über Reich und die Philosophie] 1992

Email (Das Wesentliche bei Reich) 2003

26. Februar 2026

Email (Das Wesentliche bei Reich) 2003

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, d. Experiment und Theoriebildung

23. Februar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, d. Experiment und Theoriebildung

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 7)

21. Februar 2026

Reich war kein Philosoph, er war Naturwissenschaftler. Was ihn ausmacht ist 1. die Entdeckung des Orgons und 2. des Mechanismus, mit dem sich die Menschen gegen das Orgon „abpanzern“.

Was bei Max Stirner der „Panzerung“ entspricht, ist, wie bereits zitiert, offensichtlich: die Besessenheit mit dem „leeren, leblosen Begriff“, „wogegen die Eigenen das stämmige lebenvolle Einzelne vom Wust der Allgemeinheiten zu entlasten trachten“ (Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 254, Hervorhebung von PN).

Reich hat gegen die willkürlichen, faktenfreien Begriffe, aus denen deduktiv zu erschließen ist, beispielsweise wie Kinder zu erziehen sind, das induktiv nachweisbare „lebenvolle“ Orgon gestellt. Diese „objektive Autorität“ des Orgons steht nicht im Gegensatz zur persönlichen „Eigenheit“, von der Stirner sprach, sondern ist sozusagen deren Substanz – die schlichtweg vorhandene Natur des Menschen, sein Kern. Das Orgon ist also keine externe Autorität, kein Über-Ich, sondern dessen Gegenteil: die Bedingung der Eigenheit. In diesem Sinne hat Naturwissenschaft die Funktion uns sozusagen zu erden.

Der Eigene bzw. der Einzige ist der Konkrete, Greifbare schlechthin. Genauso betrachtete Reich das Orgon: als das Konkrete, Greifbare schlechthin, das unmittelbar im freien Atmen, wenn man ganz man selbst ist, erfahren wird. In Reichs Orgontherapie gibt es nur ein „Gebot“: Atme!! Was nichts anderes ist als: laß dich gehen und sei das autonom funktionierende Lebensprinzip selbst.

Daß sich die Menschen dieser Identität von „Ich“ und „Pneuma“ nicht gewahr sind, ist für das mechanistische Weltbild verantwortlich, das Ahnen dieser Identität für das „spirituelle“ Weltbild.

Wie Reich 1941 schrieb, konnte der Mensch, der von jeher das Orgon in sich spürte, sich nur als Objekt und Werkzeug dieser Macht empfinden, – der er sich gerne unterwarf, da sie ihm orgastische Erfüllung verhieß. Dies erkläre, warum sich der Mensch so gerne und widerstandslos irrationalen, d.h. religiösen Gefühlen hingibt. Erst er, Reich, sei weitergegangen und habe diese Energie, die bisher als unerkennbarer Gott mystifiziert wurde, durch Induktion zugänglich und handhabbar gemacht. Erst er, Reich, habe die Angst vor dem Numinosen, dem Tabu, dem Heiligen überwunden (Die Funktion des Orgasmus, 1942). Orgon ist Aufklärung!

Das Orgon entspricht dem, was für Stirner Gott ist: der, der unnennbar und vollkommen autonom ist; der, der alles aus dem „Nichts“ erschaffen hat: der Einzige, den kein Begriff jemals erfassen kann, weil er autonom ist (Der Einzige und sein Eigentum, S. 412). „Gott“ verkörpert genau das, was Stirner für sich selbst, sein Ich in Anspruch nimmt, nämlich der Einzige zu sein. Verwirrenderweise ist aber auch die Panzerung „Gott“: der „Gott“ im Sinne eines Usurpators, Freuds „Über-Ich“, „Gott Vater“; das, was Stirner als „innere Hierarchien“ bezeichnet hat – die verinnerlichten Autoritäten, die den Eigner enteignen. Hier wieder Orgon gegen Panzerung.

Wenn Reich auf einen Philosophen zurückgeht, dann ist es Hegel, den er, so bin ich mir sicher, nie gelesen hat. Marx und Engels (insbesondere aber auch Lenin) hat er jedoch in extenso studiert und so die materialistisch gewendete Hegelsche Dialektik in Gestalt des Dialektischen Materialismus übernommen und zur Grundlage seiner Forschungsarbeit erkoren. Dialektik sieht die Einheit im Gegensatz und den Gegensatz in der Einheit, was nichts anderes bedeutet, als daß sich der Geist bzw. bei Engels die Natur spontan aus sich selbst entfaltet. Das ist jene „schöpferische Spontanität“, die Stirner für seinen Einzigen reklamierte.

Reich war, wie gesagt, kein Philosoph, hat also nicht über Umwege Hegels „absoluten Geist“ in sein Orgon uminterpretiert, vielmehr hat er zweierlei getan:

Erstens hat er im Dialektischen Materialismus bzw. in seinem orgonomischen Funktionalismus so gedacht und geforscht, wie die Natur funktioniert, nämlich nicht starr mechanisch auf Grund äußerer Zwänge, sondern spontan „flüssig“ aus ihrer eigenen Widersprüchlichkeit heraus.

Und zweitens war er weder ideologisch noch körperlich gepanzert, d.h. er war über-ich-frei, indem er weder der etablierten Wissenschaft gefolgt ist, noch verinnerlichte gesellschaftliche Normen auf sich wirken ließ. Beides wirkt sich körperlich und geistig so aus, daß man mit dem Lebendigen nicht mitschwingen kann. Sein Weg begann, ähnlich wie bei LaMettrie, mit einer radikalen Ablehnung jedweder sexuellen oder sagen wir lieber genitalen Hemmung. Ohne Panzerung tritt das zutage, was Reich als „Menschentier“ bezeichnete und Friedrich Kraus als „Tiefenperson“.