Sich etwas vorzustellen (d.h. vor sich hinzustellen) hat eine unmittelbare Auswirkung auf den Körper (Blutdruck, Muskeltonus usw.). Um so mehr muß die Vorstellungskraft das Orgonenergie-Feld beeinflussen, das seinerseits mit anderen Feldern interagieren kann. Die Vorstellungskraft formt Muster, Flußbetten für den Energiestrom. Geistheiler, die mit konzentrierter Vorstellungskraft arbeiten, zeigen auf greifbare und eindeutige Weise, daß „der Geist“ so Orgonenergie-Ströme kanalisiert. Darauf deuten auch Autogenes Training, Biofeedback, Hypnose nach Milton Erickson und Charakteranalyse hin (d.h. die Arbeit am „Geist“ kann den gesamten Körper verändern, ohne direkte biophysische Arbeit). Nur die Orgonomie kann verstehen, wie dieses „Kanalisieren“ funktioniert, und nur die Orgonomie kann verantwortungsvoll damit umgehen, denn nur die Orgonomie sieht die energetischen Wurzeln des Geistes, während für die Mystik wie auch für die „wissenschaftliche“ Bewußtseinsforschung „Geist“ eine gegebene, autonome „materialistische“ Realität ist. (Die Vorstellung, daß ein „Geist“ oder „Spirit“ ein autonomes Eigenleben erlangt, entspricht der orgonomischen Definition von Mystik. Gleichzeitig wird der Geist dergestalt etwas „Dingliches“, was sein Wesen vollkommen verfehlt.)
Nach Meinung der Orgonomen Barbara Koopman und Charles Konia organisiert das okulare Segment, also das Gehirn, das menschliche Orgonenergie-Feld. Das wird durch Reichs Schizophrenieforschung nahegelegt. Wenn dem aber so ist, dann ist doch prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, daß 1. das Bewußtsein ganz entscheidend auf dieses Orgonenergie-Feld einwirkt; 2. man dadurch auch außerkörperliche Energien umleiten kann; und 3. durch Überschneidung der Energiefelder mit dem Bewußtsein des Gegenüber direkt kommunizieren kann und so auch das Orgonenergie-Feld des Gegenüber direkt beeinflussen kann.
Die Theorie, die bildliche Vorstellung sei die „Schnittstelle“ zwischen Orgonenergie-Feld und Körper, stimmt mit den Vorstellungen des Qigong überein. Wegen dieser „Schnittstelle“, die sich im Gehirn befindet, der primitive Kult der Kopfjagd?
Bewußtsein scheint so etwas wie eine „Schnittstelle“ zwischen dem kosmischen Orgonenergie-Ozean und dem individuellen Orgonenergie-System zu sein. Der Mechanismus, über den dieser „Modulationsprozeß“ funktioniert, scheint die Imagination zu sein, d.h. die bildliche, visuelle Vergegenwärtigung. Wenn man sich etwas vorstellt (d.h. vor sich hinstellt), hat dies eine unmittelbare Auswirkung auf den Körper (Blutdruck steigt, etc.), um wieviel mehr muß da die Vorstellung dein Orgonenergie-Feld beeinflussen! Dieses Vorstellen hat nichts mit „Brain Fucking“ zu tun. Man denke nur mal wie Reich seinem Sohn Peter die Geschichte mit John Wayne erzählt hat, daß Wayne krampfhaft etwas erzwingen wollte und sich selber befahl gesund zu werden. Die Arbeit mit der Imagination läuft ganz anders, nämlich dadurch, daß du dir das Erwünschte vorstellst (z.B. Gesundheit), so eine Energiestruktur schaffst, in deren Flußbett sich dann die Energie zwanglos ergießt. Du arbeitest also nicht nach der Art der Panzerung, sondern nach der Art des ungepanzerten Lebens. Auch hat diese Imagination nichts mit einem blockierten okularen Segment und mit Mystizismus zu tun, vielmehr ist die Imagination eine Funktion eines von Panzerung befreiten okularen Segments, d.h. es geht um eine dreidimensionale Qualität, nicht um psychotische Chimären.
Je freier das Augensegment desto plastischer die Träume. Deshalb darf man mit dem Bewußtsein auch nicht rummurksen, wie Esoteriker das verantwortungslos selbstzerstörerisch machen. Man kann sich dem Orgonenergie-Fluß in der besagten Schnittstelle nur hingeben und darf nicht versuchen, neben diesen Prozeß zu treten, denn so bringt man alles heillos durcheinander. Das ist exakt genauso wie in der Sexualität (d.h. bei der „genitalen Schnittstelle“): man kann nur mitfließen oder man wird an einer Biopathie zugrundegehen.
Reich geht davon aus. „daß die psychologischen Funktionen lediglich Funktionen des SELBSTWAHRNEHMUNG oder der Wahrnehmung, biophysikalischer Plasmafunktionen sind“ (Charakteranalyse). Ich zitiere aus dem leichter verständlichen amerikanischen Original: „that the psychological functions are merely functions of self-perception or the perception of objective, biophysical plasma functions“. Genau das habe ich oben etwas ausführlicher umschrieben.
Die Funktion der Selbstwahrnehmung hat er insbesondere anhand der Depersonalisation, wie sie in der Schizophrenie auftritt, untersucht (ebd.). Tatsächlich ist er überhaupt ursprünglich von der Selbstwahrnehmung ausgegangen: „ Meine funktionelle Methode hat ihre Wurzeln in früheren Studien zur Wahrnehmung, d.h. in einem Bewußtseinsphänomen“ (Wilhelm Reich: „Work Democracy in Action“ Annals of the Orgone Institute I, S. 31).
Insbesondere beschäftigte er sich mit Henri Bergson, der sich mit dem Phänomen Bewußtsein befaßte, wie sonst keiner, z.B. in seinem von Reich studierten Buch Versuch über die unmittelbaren Gegebenheiten des Bewußtseins (die deutsche Ausgabe hieß Zeit und Freiheit), wobei Bergson natürlich zutiefst mystisch war: „… das Bewußtsein ist nicht vom Körper abhängig. Dies zu behaupten wäre dasselbe, als wenn man aus der Tatsache, daß ein aufgehängtes Kleidungsstück nach Abnahme des Hakens herunterfällt, auf die Identität von Kleidung und Haken schließen wollte. Bewußtsein ist überall, wo Leben ist. Nur der Mensch aber hat Intuition, die Form, in der das Leben sich selbst erkennen, über sich selbst nachdenken kann“ (Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Stuttgart 1974, S. 397).
Reich hat diese Sonderstellung des Bewußtseins bei Bergson überwunden, indem er die Bergsonsche Trennung von Materie/Verstand und Leben/Intuition aufhob (siehe Äther, Gott und Teufel S. 103f). Wobei er natürlich ausdrücklich die Abwendung vom subjektiven Empfinden in der mechanistischen Naturwissenschaft angriff – mit einer gleichzeitigen Sperrspitze gegen Mystiker wie Bergson:
Das objektiv Erfaßte ist [in der mechanistischen Naturwissenschaft] zwar real vorhanden, aber unbelebt, tot. Wir haben im Interesse der wissenschaftlichen Objektivität das Lebendige zu töten gelernt, ehe wir darüber aussagen. Wir konstruieren daher notgedrungen ein mechanisches, maschinelles Bild vom Lebendigen, dem seine wesentlichste Eigenschaft, eben das spezifische Lebendigsein, fehlt. Das Lebendigsein aber mahnt zu sehr an die starken Organempfindungen unserer Kindheit. An diesen subjektiven Organempfindungen setzt jede Art von Mystizismus an, sei es nun die Yogaversenkung, sei es das faschistische „Blutwallen“, sei es das Reagieren eines spiritistischen Mediums oder das ekstatische Gotterlebnis eines Derwischs. Der Mystizismus behauptet die Existenz von Kräften und Vorgängen, die die Naturwissenschaft leugnet oder verachtet. Eine kurze scharfe Überlegung sagt uns: Der Mensch kann nichts, gar nichts phantasieren oder fühlen, das nicht in irgendeiner Form real und objektiv gegeben wäre. Denn die menschlichen Sinnesempfindungen sind nur Funktionen objektiven Naturgeschehens innerhalb des Organismus. (Der Krebs, Fischer TB, S. 116)
Das Seelische ist durch Qualität, das Körperliche durch Quantität bestimmt. In jenem gilt die Art einer Vorstellung, eines Begehrens, in diesem gilt nur das Ausmaß der funktionierenden Energie. Insofern waren also Körperliches und Seelisches verschieden. Doch die Vorgänge im Orgasmus zeigten, daß die Qualität einer seelischen Haltung von der Größe der ihr zugrundeliegenden körperlichen Erregung abhängt. Die Vorstellung von der Geschlechtslust im Akt ist im Zustand starker körperlicher Spannung intensiv, farbig, lebhaft. Nach der Befriedigung läßt sie sich nur schwer reproduzieren. Ich hatte das Bild einer Meereswelle vor mir, die hochsteigt und absinkt und dabei die Bewegung eines Holzstückchens an der Oberfläche beeinflußt. Es war nicht mehr als eine dunkle Andeutung, daß sich das Psychische aus dem tiefen biophysiologischen Prozeß je nach dessen Zustand heraushebt oder senkt. Entstehen und Vergehen des Bewußtseins beim Erwachen und Einschlafen schienen mir diesen Wellenprozeß ausdrücken zu wollen. Es war dunkel, nicht zu fassen. Klar war nur, daß die biologische Energie sowohl das Psychische als auch das Körperliche beherrscht. Es herrscht funktionelle Einheit. Es können also zwar biologische Gesetze im Psychischen, jedoch nicht psychische Eigentümlichkeiten im Biologischen gelten. Das zwang zu einer kritischen Überlegung der Freudschen Annahmen, die die Triebe betrafen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 199)
Das Paradoxon der Orgontherapie besteht darin, daß alles darauf gerichtet ist, daß sich der Patient bewußter wird, wie er sich verhält; daß er sich bewußt ist, welche Stimme, welchen Gesichts- und Körperausdruck er hat. Langfristiges Ziel ist aber ganz im Gegenteil der temporäre Verlust des Bewußtseins im Orgasmus. Danach streben aber nun auch die Menschen, die meditieren, LSD nehmen oder sich religiöser Ekstase hingeben. Ein typischer Ersatzkontakt, eine neurotische Ersatzbefriedigung.
„Mit der Ewigkeit im Blick leben“, das ist die Grundlage alles religiösen Lebens. Alles ist auf das Jenseits und das Leben nach dem Tode ausgerichtet. Hat man erstmal eingesehen, daß dergestalt deren ganzes Leben und Trachten auf das Erreichen „orgastischer Erfüllung“ ausgerichtet ist, geht einem erst die ganze abgründige Tiefe der Reichschen Sexualökonomie auf.
Im biblischen Sprachgebrauch ist „Erkennen“ ein Synonym für „genitale Umarmung“. Dieser enge Zusammenhang erklärt die jugendliche Flucht vor den pubertären Sexualkonflikten in die „Erkenntnis“ und die Phantasie. Beispielsweise ist die Hegelsche „Geistesphilosophie“ nichts als ein Ausfluß von Hegels pubertärer Agonie: der „absolute Geist“, das Ich, „erkennt“ die Welt und hebt sie so in sich auf. Von daher auch die Faszination, die stets vom Marxismus auf bestimmte Jugendliche ausgegangen ist.
In der New Age-Systemtheorie sollen sich die Individuen den höheren Manifestationen des Geistes als Untersysteme einpassen. Klingt harmlos und „philosophisch“ und gar wissenschaftlich. Tatsächlich steckt dahinter aber Freuds Tiefenpsychologie und Reichs Sexualökonomie. Die Eltern achten auf die Erhaltung der Normen. Es kommt zur Bildung des Über-Ich. Zuerst werden die Ahnen zu den Überwachern der Normen, später werden daraus die alles sehenden Götter. Die Esoterik macht aus der Welt, dem „irdischen Jammertal“, eine einzige große Erziehungsanstalt, in der wir uns alle durch hohe Moral für weitere Stufen der Existenz qualifizieren müssen. Diese Anstalt funktioniert genauso wie ein Erziehungsheim: wer sich schlecht benimmt, muß (im nächsten Leben) büßen und hat dabei „alles nur sich selbst zuzuschreiben“.
Wie anders ist Reichs Geisteshaltung:
Die Naturvorgänge kennzeichnen sich durch Mangel jeder Art von Perfektionismus bei voller Gesetzmäßigkeit ihrer Funktionen. In einem natürlich gewachsenen Walde funktioniert zwar ein einheitliches Wachstumsprinzip. Doch es gibt nicht zwei Bäume und an den hunderttausenden Bäumen nicht zwei Blätter, die einander photographisch treu gleich wären. Der Bereich der Variation ist unendlich weiter als der Bereich des Uniformen. (Äther, Gott und Teufel, S. 86f)
Moral spielt für den normalen Jungen keine große Rolle, wenn er wirklich das gesunde, junge Lebewesen ist, das er sein soll. Er sollte sich seiner Seele ebenso unbewußt sein wie seines Atems oder irgendeiner anderen Lebensbetätigung. (Ben B. Lindsey: Revolution der modernen Jugend z.n. Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 100)
Mystik und Religion bedeuten, daß das Leben ein Fehlschlag ist; der Mensch allein ist nicht gut genug. (A.S. Neill z.n. Besprechung von The Problem Family von A.E. Hamilton in Orgone Energy Bulletin 1(4), October 1949, S. 189-193)
Ihre Kraft verdankt die Kirche den mächtigen, lebensverneinenden Veränderungen der menschlichen Struktur durch die metaphysische Fassung des Lebens: Sie lebt durch das Leben, das sie tötet. (Die sexuelle Revolution, S. 267)
Ein Politiker ist in der Lage, Millionen Menschen mit der Versprechung irrezuführen, daß er ihnen die Freiheit einrichten würde, ohne es tatsächlich tun zu müssen. Niemand fordert einen Beweis seiner Kompetenz oder der Durchführbarkeit seiner Versprechungen. (…) Ein Mystiker ist ungehindert imstande, Menschenmassen mit dem Glauben eines Lebens nach dem Tode zu erfüllen, ohne die Spur eines Beweises liefern zu müssen. Übertragen wir nun die Rechte eines Politikers oder Mystikers auf einen Eisenbahningenieur. Dieser würde sofort ins Gefängnis oder in die Geisteskrankenanstalt gesperrt werden, wenn er (…) lange Reden darüber hielte, daß er zum Mond fliegen könne. Man stelle sich nun weiter vor, daß dieser Eisenbahningenieur darüber hinaus mit der Waffe in der Hand den Glauben forderte, daß seine Behauptung wahr sei, oder gar, daß er die (…) Menschen einsperren ließe, weil sie ihm den Glauben verweigerten. Der Eisenbahningenieur muß die Menschen tatsächlich, praktisch und gefahrlos von A. nach B. befördern, wenn er Eisenbahningenieur bleiben will. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 332f).
Was mich schlichtweg anwidert, ist, wie Gurus, Esoteriker und vermeintlich „Wissende“ ihr eigenes persönliches Abbild mit den tiefsten Gefühlen verbinden, die ein Mensch haben kann (nämlich die des kosmischen Kontakts). Du siehst einen Sonnenuntergang und spürst, wie die kosmische Energie durch dich strömt und genau solche Gefühle verbindest du mit Osho oder welchem Grottenolm auch immer. Wie ausgerechnet diese Gefühle genutzt werden, um als Vehikel für pathologische Machtinteressen zu dienen, ist an Widerwärtigkeit kaum zu übertreffen!
Und die Perversion geht noch weiter, während Leute wie etwa Hermann Hesse ihre geistigen Produkte ganz ehrlich als Kunstprodukte präsentieren, beanspruchen die genau gleichgearteten Geschichten (á la den Wahngebilden eines Nikolai Levashov, Rudolf Steiner oder L. Ron Hubbard) eine objektive Realität. Jeder schöpferische Mensch unternimmt „außerkörperliche Zeitreisen“, aber nur die Pestcharakter machen daraus Weltanschauung in der andere Leben müssen! Hesse ist dafür ein sehr gutes Beispiel von Demian über Steppenwolf bis zu Glasperlenspiel. Wäre er ein Modju gewesen, hätte auch er eine Religion gründen oder Anbeter um sich scharen können. Aber er hat seine orgonotische Schöpfergabe nicht mißbraucht.
Die diversen mystischen Lehren sind unvereinbar und schließen sich teilweise gegenseitig aus. Ist das nicht der Beweis dafür, daß es das spirituelle Wissen gar nicht gibt? Nur da, wo all diese spirituellen Lehren doch auf eine sehr verschwommene Art und Weise übereinstimmen, finden sich verblüffende Parallelen zur Orgonomie – auf eine sehr verschwommene Art und Weise.
Bezeichnenderweise verwahren sich diese Leute vehement dagegen, daß man ihre substanzlosen spirituellen Theorien irgendwie infrage stellt oder relativiert. Bezeichnenderweise sollen dann nicht etwa sie, sondern wir die Engstirnigen sein. Verteidigen wir die Orgonomie, sind wir engstirnig und greifen wir ihr Bezugssystem an, sind wir erstrecht engstirnig. Das erinnert mich frappant an die Argumentationsweise geschulter FDJ-Kader im Gespräch mit Westdeutschen. Geschickt brachten sie es zuwege, daß man praktisch permanent wie ein Trottel dastand, obwohl man doch die viel besseren Argumente hatte. Wie funktioniert das?
Reich hat das in Menschen im Staat wie folgt erklärt: sie nutzen geschickt unsere Schuldgefühle, Unsicherheiten und „Leichen im Keller“ aus. Wir sind dann wie kleine Jungen, denen man spöttisch-ernst sagt: „Schau mir in die Augen! Du hast doch wieder heimlich an dir rumgespielt?!“ Genauso verhalten sich die spirituellen Spökenkieker: sie haben dich wegen deiner Schuldgefühle, Unsicherheiten und „Leichen im Keller“ in der Hand. Aber was verschafft ihnen diese überlegene Position? Sie haben Macht über dich, weil sie sich über den Niederungen des bloßen Sexus in die spirituelle Welt erhoben haben, während du immer noch ein schuldbewußtes Tier bist. Diese Schuld rührt daher, weil du in dieser sexualfeindlichen Gesellschaft aufgewachsen bist und sie in deiner Struktur verankert ist. Du bist der schuldbeladene Rebell, während sie über dir thronen, „die Weisheit der Jahrtausende“ hinter sich.
Wie sich gegen sie wehren? Zu Zeiten der Sexpol hat Reich die befreiende Wirkung der Gruppe genutzt: „Wenn alle ‚es tun‘ kann es ja nicht so schlimm sein!“ Später, als er im Exil allein auf sich gestellt war, ist er seinerseits zum Angriff durch Werturteile übergegangen, d.h. er hat in seiner „sozialen Psychiatrie“ dem Opponenten die Maske vom Gesicht gerissen und dessen verborgene Motive bloßgelegt. Der bekannteste Aspekt dieses Vorgehens sind seine Anschuldigungen einer kommunistischen Verschwörung. Man darf sich nie in die Defensive treiben lassen – natürlich vorausgesetzt man hat wirklich recht.
Bioenergetisch sind Kommunismus und Mystizismus ähnlich begründet. Ein Orgontherapeut hat geschrieben, daß „wir bei der Behandlung einzelner Neurotiker sehen können, wie (…) Selbstwahrnehmung und einfaches Denken zu Grübelsucht und Intellektualismus werden” (Howard J. Chavis: „The Role of the Social Facade in Modern Life” Journal of Orgonomy 27I(2), Fall/Winter 1993, S. 208). Man braucht „intellektualismus“ nur mit „Mystizismus“ ersetzen.
Materielle Organismen sind Werkzeuge der Orgonenergie und nicht umgekehrt. An dieser Stelle ist es wichtig, sich vor dem Mystiker zu schützen. (…) Die Seele des Mystikers ist nichts anderes als die Orgonität der Orgon-Biophysik. In beiden Fällen sind der Körper, die Form, die Materie nur die Werkzeuge des Geistes. Der Mystiker mißversteht uns. Wir haben es mit greifbaren, meßbaren und sichtbaren Manifestationen von Energie zu tun. Ein „Geist“ ist weder greifbar, noch meßbar, noch sichtbar. Es liegt in der Tat im Charakter eines mystischen Geistes, daß er unerkennbar, unkontrollierbar bleibt. Der Geist des Mystikers hat nichts mit der Orgonenergie zu tun, außer dieser einen Verbindung: Was wir im praktischen Sinne zu verstehen vermögen, lebt und erlebt der Mystiker als Spiegelbild. Natürlich hat auch ein Mystiker manchmal recht. Leider weiß er nicht, wo: Der mystische Geist ist das Spiegelbild unserer Orgonenergie, unverständlich, surreal, nutzlos und unmeßbar. („The Orgone Biophysical Meaning of Bions“ Orgonomic Functionalism No. 8, Spring 2021, S. 123)
Das Fatale dabei ist, daß der Mystiker dieses Ungreifbare wie einen fixen Gegenstand behandelt. Der Geist ist sozusagen die „greifbare Wirklichkeit“, während die materielle Welt nur eine Schimäre, „Maya“, ist.
Erhellend in einem negativen Sinne fand ich Seite 99 von Jürgen Fischers Buch Orgon und DOR (Berlin 1995), wo er sich kurz mit Energiefeldern beschäftigt, die die Grundlage der materiellen Erscheinungen seien. Schön und gut, aber in seiner Beschreibung sind diese Energiefelder etwas Statisches, sozusagen eine fixe Blaupause, nach der sich dann die materiellen Strukturen richten. Wenn man dies mit bestimmten Gedankgängen bei Heiko Lassek und Arnim Bechmann ebenfalls von ca. 1995 vergleicht, dann sieht man, daß hier ein Einfallstor steckt, durch das der Mystizismus in die Orgonomie eindringt. Diese Leute können als Vertreter der Orgonomie auftreten, sogar als „orthodoxe“ Vertreter der Orgonomie, denn für sie ist ja das Orgon das Primäre, auf das alles andere beruht. Für Reich war es nur so, daß die Orgonenergie das Bewegende war, während die Materie dieser Bewegung Grenzen zog (z.B. die organismische Orgonenergie vs. die sie umhüllende Membran; oder die Überlagerung zweier vorher freier Orgonenergie-Ströme, die nun einander eine „materielle“ Grenze sind): aus diesem dialektischen Gegensatz geht die Form hervor. Bei den mystischen (vermeintlichen) Vertretern der Orgonomie ist diese Dialektik verschwunden und eine starre, undialektische Naturphilosophie an ihre Stelle getreten, bei der geistige Formprinzipien sich zunächst in „feinstofflichen“ und dann in materiellen Seinsebenen äußern.
Von Seiten der „Esoterik“ wird versucht, die Orgonenergie selbst, die durch die Erforschung der orgastischen Plasmazuckung entdeckt wurde (Orgasmusformel, bioelektrische Experimente, Bion-Experimente), für „spirituelle“ Zwecke zu instrumentalisieren. Demnach ist die Orgonenergie sozusagen eine vermittelnde Zwischenschicht zwischen dieser Welt und der „geistigen Welt“. Die Orgonenergie wird zu etwas rein Subjektivem, das weitgehend bar einer physikalisch meßbaren Realität ist. Etwas, was dem „Geist“ erlaubt, sich in der materiellen Welt zu manifestieren.
Die Orgonomie war von Anfang an mit derartigen Vorstellungen konfrontiert. Schon Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich mit vermeintlich „esoterischen“ Ansätzen in seinen Buchbesprechungen auseinander, die er für psychoanalytische Zeitschriften schrieb. In den 1930er Jahren war Reichs Freund und Mitarbeiter Roger DuTeil ein Bergsonianer und „Spiritualist“. In seinem in der Originalausgabe Die Bione von 1938 veröffentlichten Aufsatz „Leben und Materie“, billigt er dem Leben eine metaphysische Sonderstellung zu. Reich selbst wollte diesen Aufsatz aus späteren Auflagen gestrichen wissen, was ja auch geschah, und im übrigen bestritt Reich schon damals ausdrücklich, daß „das Lebendige ein vom Nichtlebenden völlig abgetrenntes, eigens metaphysisch gegebenes Gebiet“ sei (ebd.). Sechs Jahre später sagt er in seinem Artikel „Orgonotic Pulsation“:
Wenn wir nicht vorsichtig vorgehen, könnten durchaus einige Generationen von Mystikern erstehen, die das Orgon metaphysisch, losgelöst von der nicht-lebenden Natur und nicht vom Standpunkt der Naturwissenschaft her verstehen. Und ich denke, wir haben bereits mehr als genug Mystizismus in dieser Welt. (Orgonomic Functionalism, No. 5, S. 44)
Der Artikel zeigt, wie sich Reich ganz von Zugeständnissen an sowohl den („dialektischen“) Materialismus als auch insbesondere den „Spiritualismus“ befreite. In „Orgonotic Pulsation“ strebt er danach, sich langsam von allen Begriffen, die irgendwelche Konnotationen mit materiellen oder „spirituellen“ Substanzen haben, zu befreien. Entsprechend spricht er von „orgonotischer Erregung von Isolatoren“ statt „Ladung“, und von „orgonotischer Anziehung und Abstoßung“ statt „Kontraktion und Expansion“. An anderer Stelle will er den Substanz-Begriff „vegetative Strömung“ durch die funktionelle „plasmatische Erregung“ ersetzt wissen (Der Krebs, Fischer TB, S. 347).
Was machen nun die ach so innovativen „Weiterentwickler“ der Orgonomie? Sie fallen noch hinter die provisorische, von Substanzbegriffen geprägte Orgonomie der Anfänge zurück, reden von irgendwelchen Seelensubstanzen und müssen metaphysische „Formgesetze“ erfinden, die ihr „chaotisches“ mechano-mystisches Universum ordnen. Wie Reich schreibt: „Mit Zwecken läßt sich leicht alles erklären“ (ebd., S. 77f). Man braucht nicht mehr die Natur unbekannter Funktionen mühsam ergründen, vielmehr wird einem alles fertig auf dem Tablett serviert: es ist „Gottes Wille“, es ist der „Geist“, das „Naturgesetz“, dem alles folgt. Für Blitze ist der Donnergott verantwortlich! – Nichts anderes verbirgt sich hinter inhaltsleeren Begriffen wie „Wirkstruktur“. Was ist für die Struktur der Bion-Präparate verantwortlich? Jenseitige Strukturen!
In die gleiche Kategorie gehören die „Lösungen“ für das Rätsel des menschlichen Bewußtseins. Was ist Bewußtsein? Das „metaphysische Heinzelmännchen“ wie Reich es nennt,
das angeblich im Hintergrunde der Lebensfunktionen wirkt, denkt, fühlt, empfindet, reagiert. Das führt nirgends hin. (ebd., S. 400)
Nach Reich ist Bewußtsein das Zusammenfließen der diversen Sinneseindrücke und Emotionen in eine funktionelle Einheit (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 63). Sinneseindrücke und Emotionen führt Reich ihrerseits bis „auf die Bewegungsformen der Weichtiere und Protisten“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 519) und letztendlich auf die „Reizempfindlichkeit des rein physikalischen Orgons“ zurück (Äther, Gott und Teufel, S. 91). Das bedeutet nicht, daß Bewußtsein Tiefe hätte und bis „ins Orgon“ zurückreicht! Vielmehr tritt etwas ins Bewußtsein, wenn ein Impuls an die Oberfläche durchdringt. Bewußtsein ist demnach ein Oberflächenphänomen.
Vom Mystizismus infizierte Leute sprechen von einem „primordialen Bewußtsein“, das Erinnerungen etwa so speichert wie ein Magnetband. Dabei hat Reich in der Charakteranalyse lang und breit ausgeführt, daß das Ich die Summe aller vergangenen Erlebnisse ist. Da wird nichts mechanisch „abgespeichert“, sondern in der Vergangenheit wurden bestimmte Weichen für die Strukturierung des sich entwickelnden Organismus gestellt, weshalb „Erinnerungen“ nichts anderes sind als die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Wie sollte es auch anders sein? Imgrunde sagen die „Weiterentwickler“ der Orgonomie natürlich auch nichts anderes, nur daß sie die Welt überflüssigerweise verdoppeln.
Die „Orgonmystiker“ fallen der Panzerung zum Opfer. Das, was sie wahrnehmen, ist die durch die Panzerung „umgebogene“ und verzerrte Orgonenergie, die entsprechend etwas Krankhaftes, „Okkultes“ an sich hat und auf ein „Jenseits“ ihrer selbst verweist – d.h. auf jenseits der Panzerung. Die vermeintliche Wahrnehmung der Orgonenergie entspricht hier der krankhaften Transformation von Emotion in Sensation.
Wenn etwa Tantra Antisexualität ist, nämlich orgastische Impotenz, sind entsprechend „Orgonesoteriker“ Antiorgonenergie, d.h. Panzerung.
Die folgende Abbildung beschreibt in etwa was geschieht:
Hier handelt es sich um eine ebenso lange wie (teilweise…) hervorragende Gesamtdarstellung von Reichs ORANUR-Experiment. Maglione geht bis ins Detail und bezieht sich u.a. auf bisher unveröffentlichtes Archivmaterial. Durch die Lektüre habe ich viel dazugelernt.
Alles schön und gut, wenn da nicht wieder (siehe meine letzte Rezension) diese unglückselige Verquickung von Mechanismus und Mystizismus wäre, etwa wenn Maglione schreibt:
Reich entdeckte in der Natur eine neue Art von Energie, die lebensfördernde Eigenschaften hat und überall angezapft werden kann. Er fand auch heraus, daß dieses Energiekontinuum, das sich als winzige energetische Einheiten ausdrücken kann, durch verschiedene Phasen der Existenz gekennzeichnet ist, d.h. es kann sich in einem dynamischen, ungestörten, fließenden Zustand befinden, in einem erregten und chaotisch bewegten Zustand (Oranur genannt) oder schließlich in einem tödlichen und statischen Zustand (DOR genannt). (…) Allerdings stellte Reich fest, daß diese energetischen Einheiten bei einem niedrigen Erregungsgrad therapeutische Eigenschaften haben könnten. Darüber hinaus könnte der Oranur-Zustand bei einem etwas höheren Anregungsgrad eine motorische Kraft erzeugen und damit eine unendliche Anzahl von technischen Anwendungen hervorbringen. Er könnte auch radioaktive Materie in eine höchst nützliche und lebensfördernde Materie verwandeln. Kürzlich wurde die Hypothese aufgestellt, daß dieser Zustand auch zur Schaffung höherer Bewußtseinszustände beitragen kann.
Hier zeichnet sich eine bedenkliche Triade aus psycho-sozialer, technischer und schließlich spiritueller Heilserwartung in Zusammenhang mit „kontrollierten“ ORANUR-Reaktionen ab.
Der obige Absatz wurde durch eine kurze Passage eingeleitet, die bei einer Darstellung des ORANUR-Experiments eher verwundert. Es ging bei dieser nämlich um alle möglichen Utopien von Platos Politeia, über Morus‘ Utopia bis zu Bacons New Atlantis und schließlich der Französischen Revolution. Nun, im Anschluß des oben zitierten Absatzes lesen wir etwas über das sozusagen „höhere Sozialleben“ durch ORANUR:
Ich glaube, daß der erregte Zwischenzustand [ORANUR zwischen OR und DOR] dieser winzigen energetischen Einheiten von grundlegender Bedeutung für den von den Philosophen angenommenen Wandel ist, der uns zu einer neuen Art von Welt führen kann, in der das französische Motto [Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit] endlich seine wohlverdiente Entsprechung findet. Wie ein Portal [!] oder ein obligatorischer Schritt, nach dem sich eine neue Welt auftun kann.
In den daran anschließenden Sätzen gewinnt diese ORANUR-induzierte sozialistische Utopie einen mystischen Einschlag, denn derartiges habe bereits in mythischer Vergangenheit existiert, eine „Wissenschaft des Äthers“. Maglione weiter:
Ich hoffe, daß der Inhalt dieses Papiers dazu beitragen kann, friedlich den Weg zu beschreiten, der zu diesem Portal führt, hinter dem wir vielleicht endlich die utopische Insel oder Welt finden, nach der so viele der eifrigsten Köpfe auf diesem Planeten dramatisch und hartnäckig gesucht haben.
Unvermittelt werden wir in die Geisteswelt des utopischen Sozialisten Charles Fourier versetzt! Wir betreten hier die Welt des Reichianismus bzw. Blauen Faschismus, die ich in „Reichianische Bücher“ (hier, hier und hier) dargestellt habe: eine letztendlich toxische Welt aus „Spiritualität“, Freiheitskrämerei und – ORANUR.
Besonders störend ist etwas, was ich bereits in meiner Besprechung von Magliones Buch über quantitative Orgonometrie vermerkt habe (S. 269): sein Hang die Orgonenergie zu „mechanisieren“, indem er sie gewisserweise aus „Atomen“ zusammensetzt. Das wird etwa in diesem Satz deutlich: „Reich stellte anhand dieser vorläufigen Ergebnisse fest, daß Kernmaterial, welches einige Zeit konzentrierten Orgonenergie-Einheiten ausgesetzt war, seine radioaktive Potenz verlöre, und beobachtete eine Veränderung seiner radioaktiven Zerfallskonstante.“ Jeder andere hätte einfach geschrieben: „…konzentrierter Orgonenergie ausgesetzt war…“. Tatsächlich stellt sich Maglione die ORANUR-Reaktion ungefähr wie Wärmeausbreitung, d.h. die Ausbreitung von chaotischer thermischer Bewegung von Molekülen vor: „Sobald die Oranur-Reaktion einsetzt, breitet sie sich auf die benachbarten Einheiten im Raum aus, bis sie verschwindet, wenn die Energie der erregten Orgoneinheiten nicht mehr ausreicht, um die Erregung auf die benachbarten Orgoneinheiten zu übertragen.“
Es ist geradezu grotesk, wie Maglione den Gegensatz von Einsteins und Reichs Weltentwürfen illustriert:
Für Einstein bestehe die Luft, die uns umgibt, aus Atomen und das war‘s. „Reich stellte stattdessen die Hypothese auf, daß zusätzlich zu den oben genannten Komponenten eine Energie die Atmosphäre und auch das gesamte Universum so erfüllt, daß ein Kontinuum entsteht. Er fand heraus, daß dieses Energiekontinuum aus winzigen Einheiten mit unterschiedlichen Eigenschaften besteht und bestimmten Gesetzen unterliegt.“ In der Abbildung sehen wir bei Einstein tatsächlich ein Kontinuum, bei Reich „Teilchen, die ein Kontinuum bilden“.
Oder man nehme folgende Abbildung:
Es ist zu ahnen, was gemeint ist, aber… Orgonenergie-Einheiten werden dynamisch und dann zu Materie-Einheiten? Orgonpartikel werden zu OR und dann zu Materiepartikeln?
In einer daran anschließenden Abbildung stellt Maglione den Erregungslevel der Orgonenergie in Prozent dar; 0% gleich Bildung von Materie, atmosphärische Heilung und höheres Bewußtsein, 100 % der Tod, bzw. DOR. Je höher der Erregungszustand der Orgonenergie, desto toter wird sie? Maglione: „In der Grafik entspricht ein Erregungsgrad von Null (…) Einheiten, die frei und dynamisch und ungestört in der Atmosphäre oder in lebenden Organismen fließen, während ein Erregungsgrad von 100 % tödlichen und statischen Einheiten entspricht, die alle ihre Bewegungen verloren haben.“ Ähhh…
Solche Formulierungen sind „Reichianismus“ in der Tradition von Paul Ritter und Charles Kelley: Reich wird solange um und neuformuliert, bis wirklich alles hoffnungslos zerredet ist und der Leser verwirrt und paralysiert zurückbleibt.
Ein weiteres Beispiel für diesen Reichianismus:
Reich beschränkte die Qualität der Orgoneinheiten nicht darauf, durch äußere Einwirkungen nur im physischen Bereich angeregt zu werden. Er nahm an, daß, wenn alles in der Natur von Orgonenergie-Einheiten als Grundbestandteil charakterisiert ist, die auf unterschiedliche Weise zu Materieteilchen aggregiert sind, eine Reaktion auf diese aktivierenden Agenzien auch im biologischen und emotionalen Bereich der lebenden Systeme auftreten kann, indem die Einheiten innerhalb der lebenden Systeme genauso erregt sind und sich austoben, wie in der Umwelt.
Irgendwie stimmt das, aber trotzdem ist das keine Orgonomie, eine Wissenschaft, sondern die Darstellung eines naturphilosophischen Modells, das nur peripher etwas mit Reichs Forschung zu tun hat. Das schadet der Orgonomie massiv, denn jeder, der sowas liest, wird Reich unter die vielen absonderlichen Spinner einordnen, die jeweils ihr eigenes „Weltmodell“ entworfen haben.
Leider hat sich ein kleiner aber ärgerlicher Fehler eingeschlichen. Maglione zitiert aus bisher unveröffentlichten Notizen von Myron Sharaf („Historical Notes. Some Notes on Oranur – March 15, 1951“) wonach Eva Reich am 19. Februar beinahe gestorben wäre, als sie „ihre Hand“ in einen Orgonenergie-Akkumulator steckte. Tatsächlich hat sich Maglione verlesen („hand“ vs. „head“) und Eva Reich hatte ihren Kopf hineingesteckt. Ein kleines Detail, aber der eine oder andere unvorbereitete Leser wird sich an den Kopf kratzen!
Wie wenig Maglione wirklich in der Materie drinsteckt, sieht man auch daran, daß unvermittelt „DOR“ auftaucht. Zwar hatte Maglione den Unterschied zwischen OR, ORANUR und DOR vorher korrekt beschrieben, ihm fällt aber nicht auf, daß Reich im Ersten ORANUR-Bericht, also 1951, das als „DOR“ bezeichnet, was er später „ORANUR“ genannt hat, und daß das eigentliche DOR erst später von Reich entdeckt wurde. Das, was Maglione also als „DOR“ beschreibt, ist in Wirklichkeit ORANUR, auch wenn Reich selbst von „DOR“ spricht… Äh, ja!
Der Beschreibung des ORANUR-Experiments folgt eine ellenlange und extrem detaillierte Darstellung der Gesetzmäßigkeiten von Alpha- und Gammastrahlung, um zu sehen, ob Reich und seine Mitarbeiter sich schlichtweg eine Strahlenvergiftung zugezogen haben. Es ist Maglione hoch anzurechnen, diesen hanebüchenen Unsinn endgültig ins Märchenland verbannt zu haben! Das ist zwar verdienstvoll, aber es hätte schon die Überlegung ausgereicht, daß einem Privatmann bzw. einzelnem Arzt wohl kaum eine gefährliche Strahlenquelle zur Verfügung gestellt worden wäre bzw. daß es dafür wohl kaum einen allgemeinzugänglichen Markt gegeben hätte. Die „Radiumnadeln“, die Reich benutzte, waren schlichtweg radioaktive Nadeln, die Ärzte damals in Krebstumoren steckten. Das war die damalige Strahlentherapie. Selbstredend nicht ganz ohne, aber auf keinen Fall so gefährlich, daß bei unsachgemäßem Umgang Arztpraxen hätten evakuiert werden müssen!
Der Aufsatz endet mit der Analyse eines Atomunfalls/ORANUR-Ereignisses in Rußland.
Zusammenfassend schreibt Maglione ganz entsprechend dem anfangs Zitierten: „Ein richtig eingedämmtes und kontrolliertes Oranurfeld könnte technologische Anwendungen haben, wie z.B. 1. die Verringerung der Zerfallskonstante eines radioaktiven Elements; 2. Energieerzeugung (Motorkraft) und Antigravitation; 3. Heilung von Krankheiten; 4. und Entwicklung höherer Bewußtseinszustände, um nur einige der bisher bekannten zu nennen.“ Dazu führt er als weiterführende Literatur u.a. an:
Maglione R, Reichs Orgonenergie. Ein Portal zu höheren Bewusstseinsstufen? (auf Italienisch), In Glielmi N, Fontana M, Maglione R, Valleri T, Argomenti Reichiani, GEDI Gruppo Editoriale, Mailand, 2007
Maglione R, Mazzocchi A, Ätherische Energien und Orte der Verehrung. Die religiöse Stätte als therapeutischer Ort. Eine Pilotstudie an 62 antiken Stätten (auf Italienisch), Advanced Therapies, Vol VI, N 11, 2017, Nuova Ipsa, Palermo
Das Problem mit Southgates Arbeit (hier und hier) fängt bereits mit seiner Definition von Bewußtsein als jede subjektive Erfahrung an. Emotionen, Empfindungen, Kognitionen, Wollen und Ideation, Seele und Geist – wird alles zusammengeworfen. Daraus zaubert er eine Art „orgonomischen“ Panpsychismus frei nach Rupert Sheldrake, bei dem Bewußtsein und Orgonenergie schlichtweg gleichgesetzt werden. Es ist ähnlich wie bei Maglione, der die Lebensformel auch auf die unbelebte Natur angewendet hat. Auf diese Weise wird Reichs gesamte Lebensleistung ad absurdum geführt, denn dann hätte Reich gleich beim Vitalismus eines Driesch und dem Panpsychismus, der die Psychoanalyse der 1920er Jahre umwaberte (Groddeck), bleiben können. Es ist auch bezeichnend, daß Maglione mit keinem Wort das wirkliche Geheimnis des Orgonenergie-Motors erwähnt, nämlich die Kreiselwelle, und Southgate mit keinem Wort das wirkliche Geheimnis des Bewußtseins (die Funktionen Wahrnehmung und Erinnerung), nämlich die koexistierende Wirkung.
Was mich an dieser Arbeit geradezu abgestoßen hat, ist die sie prägende schizoide Weltsicht. Ein einzelner Mensch, mag jede Menge „Subjektivität“ haben und wie ein Autist in einer „psychischen Welt“ leben („Panpsychismus“), aber das ist das Gegenteil von Bewußtsein im eigentlichen Sinne. Bewußtsein im eigentlichen Sinne ist vor allem eine soziale Funktion. Herdentiere brauchen angesichts der hochkomplexen Vorgänge innerhalb einer Herde ein Konzept von „Ich“ und „Du“ und eine innere Bühne („Bewußtsein“), in dem sie ihre „Schachzüge“ im Voraus planen. Allein schon die Frage der Sprache! Bewußtsein ohne Sprache? Schwierig. Sprache ohne andere Menschen? Sinnlos. Die Psyche ist vom Sozialen nicht zu trennen. Das hat Freud gewußt („Ödipuskomplex“) und der Soziologe Reich gewußt, während Southgate, eine Art Wiedergänger C.G. Jungs, alles wieder in den autistischen Urschlamm des Okkultismus hinab zieht. Man vermeint bei der Lektüre geradezu die Ouvertüre von Wagners „Rheingold“ zu vernehmen…
Aber lassen wir Southgates Beitrag Revue passieren: Nach einer umfassenden Darstellung des wissenschaftlichen Problems „Bewußtsein“ und einer her oberflächlichen Darstellung des Reichschen Beitrags zu diesem Bereich kommt Southgate zu seiner eigenen Theorie, dem „orgonotischen [gemeint ist natürlich „orgonomischen“] Panpsychismus“, dem zufolge das Bewußtsein schlichtweg eine nicht weiter reduzierbare Eigenschaft der Orgonenergie ist. Was Southgate nicht aufzugehen scheint, ist, daß in diesem Zusammenhang „Bewußtsein“ genauso nichtssagend ist, wie „Sein“. Will sagen: das ganze bringt uns ungefähr so weit, als würde man sagen, daß „das Sein“ eine Eigenschaft der Orgonenergie ist. Es erklärt rein gar nichts!
Wenn es sich darauf beschränken würde, aber für Southgate „unterstützen Bione und die Abiogenese den panpsychischen Ansatz, daß Materie lebendig und bewußt ist“. Ich kann mir kaum einen schlimmeren Mißbrauch der Reichschen Theorie vorstellen. Die Bionforschung war nicht zuletzt ein antifaschistisches Projekt, das gegen den Mystizismus (Panpsychismus) gerichtet war, d.h. sowohl gegen das Neuheidentum der Nazis und die damalige „Erbforschung“, als auch gegen den kirchlichen Mystizismus. Reich wollte das Leben und damit auch „Geist und Seele“ (dialektisch-) materialistisch erklären. Southgate hingegen meint, daß die Beweise insgesamt darauf hindeuten, „daß sich der Geist gar nicht im Körper befindet, sondern lediglich mit ihm verbunden ist“. Dagegen hielt Reich, daß die funktionelle Einheit des Seelischen und Körperlichen „Jenseitigkeit oder auch nur Autonomie des Seelischen völlig und endgültig ausschließt“ (Äther, Gott und Teufel, S. 95).
Southgate kritisiert, daß Reich nicht den Ort des Bewußtseins angeben kann. Für Southgate ist dieser „Ort“ das Orgon selbst: das Bewußtsein sei die grundlegende Realität und Geist und Orgon seien „auf der tiefsten Ebene“ identisch. Entsprechend könnten die Gesetze der Psyche auf das Orgon übertragen werden. Das heißt nichts anderes, als daß wir wieder bei Georg Groddeck angelangt sind!
Southgates ganze Argumentation krankt daran, daß er „Soma“ und „Psyche“ nicht definiert. Das Soma, das ist die Gesamtheit der Teile des Organismus („die Niere auf Zimmer 7“), während die Psyche aus dem ganzheitlichen Funktionieren des Organismus bzw. dessen Störungen hervorgeht („Charakteranalyse“). Daß die Lebensenergie strömt, erregt wird und wahrnimmt, ist davon unabhängig und bedeutet nicht, daß das Orgon so etwas wie eine „Psyche“ hat. Es ist alles eine Frage der Orgonometrie, d.h. der Klassifizierung und richtigen Einordnung:
Southgate hintertreibt genau das, indem er alles mit allem gleichsetzt:
Orgon wird von Reich als eine unbewußte, nicht lebende, aber schöpferische Energie dargestellt, während seine Schöpfungen – Lebenswesen – immer bis zu einem gewissen Grad Bewußtsein zu haben scheinen. (…) Es ist unlogisch zu sagen, daß eine Energie, die Leben erschafft, kein Bewußtsein hat, wenn überall Leben mit Bewußtsein gepaart ist und nirgendwo Leben mit Nicht-Bewußtsein gepaart ist. (…) Man kann sagen, daß die Amöbe nur wahrnimmt und kein echtes Selbstbewußtsein hat, aber solche Klassifizierungen sind in diesem Zusammenhang bedeutungslos – jede Wahrnehmung ist eine Form von Bewußtsein. Es ist bei der Amöbe dasselbe wie bei unserem Selbst – es ist nur eine Frage des Grades.
Er fährt fort – und man merkt richtig, wie alles zerfällt – die Psyche geradezu dekompensiert:
Orgon und Bewußtsein werden auf der tiefsten Ebene identisch, so wie Energie oder Materie in Sheldrakes Panpsychismus mit dem Bewußtsein identisch ist. Orgon gewinnt erst auf oberflächlicheren Ebenen an Differenzierung, die als Orgonenergie und schließlich als Materie erfahren wird, die eine Form von gefrorener Orgonenergie ist. Es gibt also ein monistisches Kontinuum in einem Dreiklang: von orgonotischem Bewußtsein zu Orgonenergie und schließlich zu Orgon-Materie. Dieses monistische Kontinuum hat drei verschiedene Aspekte: Orgon-Bewußtsein, Orgon-Energie und Orgon-Materie. Alle drei sind physisch und alle drei sind real, aber man könnte sagen, daß die Bewußtseinsebene die „realste“ oder die primäre Realität ist. Orgonenergie und -materie sind in dieser Sichtweise spezialisierte Formen eines physischen orgonotischen Bewußtseins. Energie und Materie existieren noch immer für sich, sind aber nicht vom Bewußtsein getrennt.
Alles gerät heillos durcheinander und wird auf den Kopf gestellt, Worte verlieren ihre Bedeutung. Aus der Orgonenergie wird ein bloßes Wort. Wie bei allen „Reichianern“, etwa in der „energetischen Medizin“, ist das, was sie als „Energie“ oder „Orgon“ bezeichnet, nichts anderes als Psyche:
Dieser Mystizismus, und um nichts andere handelt es sich hier, mündet schließlich in Ausführungen über, man glaubt es kaum, künstliche Intelligenz, die von Magliones Arbeit inspiriert sind.
Southgate führt aus:
Ursprünglich war es das Ziel des Autors zu untersuchen, ob das Orgon selbst ein Bewußtsein besitzt. Im Laufe einiger Jahre dämmerte die Erkenntnis, daß die einzige Möglichkeit, dies zu erreichen, darin bestand, das Orgon selbst zum „Sprechen“ zu bringen – unabhängig von jeder anderen Entität. Alles andere wäre nur eine Demonstration des Bewußtseins eines Organismus, der bereits existiert. Eine solche Einrichtung, in der das Bewußtsein von Orgon demonstriert werden könnte, müßte also jegliche Organismen oder andere Eingaben ausschließen. Sie müßte völlig künstlich sein und sich nur auf das Orgon selbst stützen, um zu kommunizieren. Dann dämmerte dem Autor, daß dieses Ziel nicht ohne die Erforschung einer starken künstlichen Intelligenz verfolgt werden könnte.
Ich erinnere an Reichs oben zitierte Aussage in Äther, Gott und Teufel über die funktionelle Einheit von Psyche und Soma. Bei Southgate kommt das kurzschlüssige mystische Denken zum tragen, das untrennbar mit dem Mechanismus verbunden ist.
Er schließt an Magliones Konzept einer Art „Orgonenergie-Motor-Einrichtung“ an: einem Orgonenergie-Akkumulator, dessen orgonotisches Potential durch eine radioaktive Quelle derartig hochgepusht wird, daß „dadurch das Orgon von seinem ‚nebligen‘ Zustand in seinen aktiven ‚spitzen‘ Zustand übergehen würde. Wenn dies geschieht, findet ein spontaner Wechsel von orgonotischen zu teilweise elektrischen Energien statt. Organismen scheinen auf einer trilateralen Basis zu funktionieren – ein nicht-energetisches Bewußtseinsfeld, das sich in Orgonenergie umwandelt, die sich wiederum in elektromechanische Bewegung umwandelt. Es gibt Parallelen zum Orgonmotor, der auf der Übersetzung von Orgonenergie in elektrische und dann in mechanische Energie beruht.“ Das ist nichts anderes als „orgonomisch“ verbrämter Mechomystizismus! Die magische-okkulte Weltsicht die letztendlich hier zum Ausdruck kommt, offenbart sich im letzten Satz des Autors: „Dieser Autor glaubt nicht, daß Bewußtsein oder bewußte Wesen erschaffen werden können, sondern daß ihnen eine Gelegenheit geboten werden kann, sich aus einem nichtmateriellen Bereich zu manifestieren.“
Wo liegen die Probleme, will man die Sexualökonomie verstehen?
Reich zufolge ist es generell so, dass Personen, die von der Psychoanalyse zum Orgone Institute kämen, dazu neigen, sich an fehlerhafte Theorien wie die der „kulturellen Anpassung“ oder die Theorie der „Sublimierung“ zu klammern. Das ist natürlich unzulässig, denn die sexualökonomische Kulturkritik leitete sich ja gerade aus dem Nachweis der Fehlerhaftigkeit dieser Konzepte ab. Man kann von einem Kind nicht erwarten, dass es seine Genitalität „sublimiert“ und es gleichzeitig sexualökonomisch erziehen. Diese beiden Dinge schließen einander aus. Da der vorherige Psychoanalytiker sich nicht von diesen fehlerhaften Konzepten befreien kann, greift er auf irrationale Rechtfertigungen zurück, um nicht klar Stellung beziehen zu müssen und auf diese Weise in Schwierigkeiten zu geraten. [Zu diesem Punkt morgen eine Ergänzung von PN.]
Ähnlich gelagert sei das Beispiel eines Lehrers, der Sexualökonom werden wolle, aber seine Position in einer autoritären Schule beibehält. Er solle sie ruhig behalten, aber er kann dann nicht die sexualnegative Haltung seiner Schule mit der sexualökonomischen Orientierung des Instituts in Übereinstimmung bringen. Wenn er sich dieses Konflikts bewusst ist, kann er sich in seiner Schule auf das Beobachten beschränken, von aktiver sexualökonomischer Erziehung absehen und warten, bis die Bedingungen es ihm ermöglichen, erfolgreich vorzugehen. Verdrängt er dagegen seine Angst, seine Position zu verlieren, würde er irrational vorgehen; er würde entweder unklugerweise auf der Anwendung seines sexualökonomischen Wissens bestehen und sich damit nutzlos in Gefahr bringen, oder er würde das Institut mit nutzlosen Kompromissen belasten oder das Institut gar irrationalem Hass aussetzen.
Ein weiterer Fall ist ein Arbeiter, der aus einer sozialistischen Organisation kommt und versucht, die sozialistische Politik in die Orgonbiophysik und umgekehrt die Orgonbiophysik in die sozialistische Politik einzubringen. Seine Versuche, einen Kompromiss zu finden, sind irrational, denn die Sozialisten werden das sexualökonomische Prinzip nicht in ihr Programm aufnehmen wollen und die arbeitsdemokratische Lebensweise des Instituts ist unvereinbar mit dem sozialistischen Prinzip des herablassenden Mitleids mit den „Armen und Schwachen“. Der Sozialist wird fordern, dass „man“, beispielsweise, den Sanitärarbeitern Gleichheit „geben“ solle. Der Arbeitsdemokrat wird hingegen fordern, dass etwa die Sanitärarbeiter selbst die Verantwortung für die Sanitärversorgung tragen und mit dem Schutz, den die Gesetze ihnen gewähren, selbst für ihre Gleichberechtigung kämpfen sollen. Vorerst wollen die Sanitärarbeiter aber nur bessere Löhne (zu Recht), aber nicht die Verantwortung für die sanitären Anlagen in ihrer Ortschaft übernehmen.
Der religiöse Mensch stelle ein schwieriges Problem dar, wenn er zur Sexualökonomie komme. „Religion und Sexökonomie können in dieser Welt nebeneinander existieren, obwohl die Kirche uns nicht mag und wir den Mystizismus der Kirche nicht mögen.“ Sicherlich könne der Geistliche versuchen, den Platz zu verstehen, den die Biosexualität in der Religion einnimmt, während die Religion ein Untersuchungsfeld für die Orgonbiophysik bietet. Wie anderswo gelten auch hier, so Reich, die Gesetzmäßigkeiten des Wettbewerbs: Wer kann Menschen in ihrem Elend besser helfen, wer kann sie besser von Krankheiten befreien und besser lebendig funktionieren lassen? Das sollte auf praktische Weise gezeigt werden. Jedoch könne man nicht glauben, dass die Seelen im Himmel sind und gleichzeitig glauben, dass die Funktion der Seele mit dem Zerfall des orgonotischen Systems aufhört. Man könne nicht, ohne irrational zu werden, die Asexualität von Kindern fordern, Sexualität als Todsünde betrachten und gleichzeitig Kinder auf eine Weise erziehen, die sie zu einem natürlichen Liebesleben befähigt.
Auch hier sei das Arbeitsprinzip entscheidend. Ein Bauingenieur darf sich durch seinen Glauben an ein Glück im Jenseits nicht in seiner Arbeit stören lassen, aber bei einem Sexualökonomen ist ein solcher Glaube verhängnisvoll. So wenig, wie ein Geistlicher es dulden würde, dass Reich von seiner Kanzel aus einen Vortrag über die Störungen der orgastischen Potenz hielte, so wenig würde das Institut einen Geistlichen beauftragen, es in religiöser Sexualethik zu unterweisen.