Posts Tagged ‘Summerhill’

ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? a. Von der Schwarzen Pädagogik zum digitalen Zeitalter

23. Januar 2018

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ZUKUNFTSKINDER:

1. „Rousseauismus“? a. Von der Schwarzen Pädagogik zum digitalen Zeitalter

Die „Kulturdebatte“ zwischen Reich und Freud am Beispiel der Bundesliga

25. Dezember 2017

Frei nach Freud „geht die Kultur“ vor, was die Erziehung unserer Kinder betrifft. Alles, was ich als Kind wollte, war von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang durch das wilde Billwerder-Moorfleet streunen, mit meinen Spielkameraden ein haarstreubendes Abenteuer nach dem anderen zu bestehen. Aber die Wilden müssen ja zivilisiert werden und zur Schule gehen. Dabei zahlt die Gesellschaft einen hohen Preis dafür, daß sie Kinder in stinklangweilige Schulen preßt. Wir hatten immerhin noch lange Nachmittage zur freien Verfügung und unsere Eltern waren heilfroh uns nicht zu sehen. Heute ist das Leben der Kinder lückenlos durchorganisierter als das von Sträflingen!

Wie immer, wenn der gepanzerte Mensch etwas unternimmt, kommt am Ende so ungefähr das Gegenteil des Intendierten dabei raus. Die Menschen sollen auf die Erwachsenenwelt vorbereitet werden, doch tatsächlich bleiben die Erwachsenen infantil, weil sie die entsprechenden Strebungen in ihrer Kindheit nicht ausleben konnten. A.S. Neill, Gründer von „Summerhill“ und Freund Reichs, schreibt dazu:

Ich wollte, es ließe sich genau bestimmen, wieviel Schaden Kindern zugefügt wird, die man nicht spielen läßt, wie sie möchten. Ob die Menschenmassen, die den professionellen Fußballspielen zuschauen, nicht insgeheim ihren gehemmten Spieltrieb ausleben wollen, indem sie sich mit den Fußballern identifizieren, sie sozusagen stellvertretend für sich spielen lassen? Die meisten unserer ehemaligen Schüler gehen nicht zu Fußballspielen. (Neill: Theorie und Praxis der anti-autoritären Erziehung, Fischer TB, S. 79)

Offenbar konnte ich mich einigermaßen ausleben, denn mein aktiver und passiver Spieltrieb geht gegen null. Um so mehr befremden mich Menschen, die praktisch ihre gesamte so überaus kostbare Zeit mit Kinderspielen verbringen, etwa War of Soundso – oder wie die Videospiele immer heißen mögen, oder gebannt zuschauen, wie 22 „Männer“ einem Lederball hinterherlaufen.

Das, was die Gesellschaft an, wenn man so sagen kann, „Menschenzeit“ gewonnen hat, als sie Kinder vom „sinnlosen“ Spielen abgehalten hat und mit Polizeigewalt (sic!) auf Schulbänke preßte, verliert sie zigfach an den ganzen infantilen Schwachsinn, der für die meisten Menschen ihr wichtigster, wenn nicht einziger Lebensinhalt darstellt.

WR = Weltrevolution

12. Dezember 2017

Wolf E. Büntig schreibt in seinem bemerkenswert guten Beitrag über Reich zum fünfzehnbändigen Kompendium Die Psychologie des 20. Jahrhunderts aus dem Jahre 1977:

Freud (griff) am Ende seines Buchs Das Unbehagen in der Kultur Reichs Frage auf, ob nicht die Diagnose gerechtfertigt wäre, daß viele Erscheinungen der Zivilisation oder gar die ganze Menschheit unter dem Druck der zivilisierenden Einflüsse neurotisch geworden sind. Freud sah zwei prinzipielle Schwierigkeiten: Für die Untersuchung und Diagnose der Neurose der Kultur fehlten Vergleichsmöglichkeiten, wie man sie bei der Untersuchung des Einzelneurotikers hatte, den man dem Gesunden gegenüberstellen konnte, und schließlich stellte sich die Frage, was denn der Sinn der besten Analyse der sozialen Neurose wäre, wenn niemand die Macht hätte, die Gemeinschaft zu zwingen, sich der Therapie zu unterziehen. „Trotz aller dieser Erschwerungen darf man erwarten, daß jemand eines Tages das Wagnis einer solchen Pathologie der kulturellen Gemeinschaften unternehmen wird“ (Freud). Doch diese Frage blieb für Freud offen. Er selbst und die offizielle Psychoanalyse haben sich nie um eine Antwort bemüht. Insgesamt jedenfalls war die Reaktion der bei der Kulturdebatte Anwesenden Reichs Vorstellungen gegenüber kalt und ablehnend. Die Kluft zwischen Freud und Reich war tiefer denn je.

Es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten, um entscheiden zu können, was an Gesellschaften krank ist und es gibt ohnehin keinen Therapieansatz für ganze Gesellschaften. So Freuds Haltung in der Kulturdebatte zwischen ihm und Reich.

Was zunächst einmal die „Therapie“ der Gesellschaft betrifft war Reichs Ansatz von Anfang denkbar einfach. Es geht schlicht um die Aufklärung der Massen. Ein Freud hatte nicht mehr beizutragen als die sterile „Psychopathologie des Alltagslebens“. Dank seiner Kenntnisse aus der Entschlüsselung der Funktion des Orgasmus und aus der Charakteranalyse konnte Reich hingegen eine ganz andere Ebene ansprechen, nämlich die der Sexualökonomie bzw. Bioenergetik. Diese Ebene war fruchtbar, denn auf ihr bot sich unmittelbar die Möglichkeit des Vergleichs an. Zunächst einmal durch das von Bronislaw Malinowski vermittelte Wissen über die Trobriander im fernen Melanesien, deren Gesellschaft insbesondere bewies, daß der Ödipuskomplex kein unentgehbares Schicksal ist und eine geregelte Sexualökonomie möglich ist. A.S. Neills Projekt „Summerhill“ und schließlich Reich eigenes Projekt „Kinder der Zukunft“ zeigten, daß es durchaus möglich war, innerhalb der gepanzerten Gesellschaft einen entsprechenden Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Neurose zu schaffen. Und schließlich hat James DeMeo gezeigt, daß die gesellschaftliche Neurose eine innere Struktur hat, die man sowohl auf der Zeitachse, als auch auf der Raumachse entschlüsseln kann: „Saharasia“. Die gesellschaftliche Neurose hat sich entwickelt und von daher läßt sich bis in alle Einzelheiten rekonstruieren, was genau gesund und was eine Entartung ist. Bespielsweise heute die Morgenandacht, wo das Pucken (über das insbesondere DeMeo einiges zu sagen hat!) als natürlich, christlich und gut hingestellt wird. Orgonomisch braucht man sich auf solche Diskussionen gar nicht einlassen, denn wir wissen, was natürlich und gesund ist!

nachrichtenbrief90

25. November 2017

nachrichtenbrief73

28. September 2017

Dem gepanzerten Menschen ist das Lebendige grundlegend fremd. Beispiel Summerhill

18. Juli 2017

Neulich wurde hier eine der vielen konservativen Kritiken an A.S. Neill und Summerhill verlinkt. Ich wollte sofort etwas dazu schreiben, doch ist mir dazu partout nichts sinnvolles eingefallen. Manche Einwände sind derartig grundsätzlich falsch, daß man kaum mehr tun kann, als etwas hilflos auf die orgonomische Literatur zu verweisen. Und selbst dann: würden diese Kritiker sie durcharbeiten, kämen sie nur mit Stellen, die ihre Einwände weiter untermauern.

Das Problem ist argumentativ nicht bewältigbar, weil es charakterologischer Natur ist. Gepanzerte Menschen kennen kein spontanes Funktionieren. Alles muß von außen angestoßen und bewegt werden. Daß sich die Orgonenergie spontan, aus sich heraus bewegt, daß sie (arg mystisch ausgedrückt) „von selbst die Initiative ergreift“, ist ihnen wesensfremd. Entsprechend müssen in ihren Augen Kinder, die ungepanzert sind, bzw. deren Panzerung noch verhältnismäßig einfach aufzulösen ist, zu ihrem Glück gezwungen werden. Daß sie von sich aus lernbegierig sind und dafür auch manche Unbill auf sich nehmen und daß sie ihre Gemeinschaft spontan selbst organisieren und dabei umstandslos auch Sanktionen von der Gemeinschaft akzeptieren, das will nicht in den Kopf der besagten Kritiker. Wie zutiefst lächerlich und kontraproduktiv es ist, den Kindern Lernstoff und Disziplin aufzuzwingen, also daß nicht etwa Summerhill, sondern die Gesellschaft außerhalb Summerhills grotesk und entartet ist – gepanzerte Menschen werden das nie verstehen.

Witzigkeit kennt keine Grenzen!

9. Juli 2017

Charlie Chaplin wird geliebt, weil er das ewige Kind ist – das erwachsene Kind ohne jede Spur von Würde. Es fällt auf wieviel seines Humors darauf beruht, der Würde der Männer mit hohen Hüten einen Dämpfer zu versetzen. Übrigens ist es interessant, daß den Kindern in Summerhill Charlie gleichgültig ist, ob das aber auf ihrer neuen Einstellung zur Würde beruht, kann ich nicht sagen. (A.S. Neill: The Problem Teacher London, Herbert Jenkins Limited, 1939, S. 88)

Neill schrieb das Ende der 1930er Jahre. Heute in der anti-autoritären Gesellschaft geht es uns ähnlich wie den Summerhill-Kindern damals: niemand, buchstäblich niemand, kann mehr über Charlie Chaplin lachen. Seine Komik funktionierte nur in der autoritären Gesellschaft. Wir lachen heute über Mr. Bean! Was ist der Unterschied zwischen beiden?

Charlie Chaplin war ein Kind des 19. Jahrhunderts. Die Menschen nahmen sich noch selbst ernst; lachten nicht über sich selbst. Worüber sie lachten war die Umkehr der Machtverhältnisse, d.h. daß der geborene Verlierer „der Würde der Männer mit hohen Hüten einen Dämpfer versetzt“. Es ist ein Humor der subversiven Umkehr („ein Kleinkind pafft an einer Havannazigarre, ein dicker Unternehmer saugt am Schnuller“), der nur in einer autoritären Gesellschaft funktioniert, weil er den Druck nimmt.

Dem Gesunden ist dieser „karnevalistische“ Humor, der letztendlich doch dem Erhalt der Klassengesellschaft dient, ziemlich gleichgültig, da er grundsätzlich nur über einen einzigen Aspekt lachen kann, nämlich wenn sich das Lebendige mechanisch verhält. Dem Ungepanzerten erscheint alles Gepanzerte als grotesk und schlichtweg zum Lachen.

Erst recht gleichgültig ist dem Gesunden aber der Humor eines Mr. Bean, der das Mechanische vertritt, das sich mechanisch verhält. Mr. Bean ist ein Kind der Zeit nach etwa 1960, entsprechend spricht aus seinem Humor die Selbstverachtung: ein Trottel benimmt sich wie ein Trottel. Die antiautoritäre Gesellschaft identifiziert sich politisch korrekt mit dem Mechanischen.

Die Gleichgültigkeit des Gesunden gegenüber dem „Humor“ des Gepanzerten beschreibt Neill im Zusammenhang mit den Theaterbesuchen von Summerhill-Kindern. Das Publikum platzt vor Lachen, Frauen gackern hysterisch, wenn Schenkel, Büstenhalter, Unterhosen und dergleichen oder irgendwas im Zusammenhang mit den Ausscheidungsfunktionen erwähnt wird. Bei den Summerhill-Kindern verzieht sich keine Miene.

Wichser!

3. Juli 2017

In vieler Hinsicht steht es um die Sexualökonomie der Massen heute weitaus schlechter als zu Reichs Zeiten. Damals war die Wahrheit durch die sexualfeindliche Moral nur verdeckt. Heute wird die Wahrheit durch die Political Correctness explizit angegriffen, etwa was die Rolle eines normalen Geschlechtslebens für die Leistungsfähigkeit betrifft oder die Homosexualität als Ersatzkontakt.

Ein Professor J. Dueck in William J. Robinsons Essayband Sexual Truths versus Sexual Lies, Misconceptions and Exaggerations, der 1932 in New Jersey herauskam, über sexuelle Abstinenz bei Männern und Frauen:

Studenten, auch wenn sie gut vorbereitet sind, gehen in ihre Prüfungen mit viel Angst und Beklemmung. Studenten, die normalen Geschlechtsverkehr haben, sind in guter Verfassung und auch die dümmsten unter ihnen zeigen im Verlaufe der Prüfungen ein erstaunliches Maß an Selbstvertrauen. Diese Art von Männern sind erfolgreich, die Unbefriedigten und diejenigen, die der Selbstbefleckung frönen, scheitern…“ (z.n. Max Hodann: History of Modern Morals, S. 248)

A.S. Neill 1936:

Das Fortfallen des Schuldgefühls ist es, das Summerhill, wie der Zweifler sagen würde, „sicher“ macht. Dies Freisein von Schuld ist es, das die Schule seit sechzehn Jahren ohne das geringste Anzeichen von Homosexualität hat bestehenlassen. Vor ein paar Jahren hat ein Junge aus einer Volksschule versucht, Sodomie einzuführen, blieb aber erfolglos und war aufs höchste überrascht und beunruhigt, als er entdeckte, daß die ganze Schule von seiner Absicht wußte. Das Wegfallen der Homosexualität ist von größter Wichtigkeit. Das bringt mich auf den Gedanken, daß Homosexualität nichts ist als Onanieren mit einem Zweiten, man teilt dadurch die Schuld und erleichtert sich die eigene Bürde. Wenn aber Onanieren gar nicht als Schuld angesehen wird, kommt der Gedanke, die Schuld zu teilen, gar nicht auf. Die Wurzel der ganzen sexuellen Frage ist die Onanie. Wenn diese nicht von Schuldgefühlen belastet ist, geht das Kind ganz natürlich zu gegebener Zeit zur Heterosexualität über. (Selbstverwaltung in der Schule, S. 28)

Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

13. März 2017

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Diedrich: Naturnah Forschen (2000)

Der verlogene Wilhelm Reich

26. Februar 2017

Man kann sich moralisch über Leute wie Christopher Turner (Adventures in the Orgasmatron) und andere Reich-Kritiker echauffieren und deren Doppelmoral beklagen, daß sie einerseits Reich alle Schlechtigkeiten der Welt andichten, andererseits aber Kinderfickern und pseudowissenschaftlichen Ideologen wie Alfred Kinsey unendlich viel Kredit einräumen. Warum dieser abgrundtiefe Haß auf den integeren, fast schon „puritanischen“ Reich und diese auffällige Liebe für irre und schlichtweg böse Freaks wie Kinsey?

Wie James DeMeo in seinem Buch In Defense of Wilhelm Reich ausführt, sind praktisch alle Reich-Kritiker wie Turner extrem links zu verorten. Konservative wenden sich typischerweise erst gegen Reich, wenn sie durch Linke dadurch angestachelt wurden. (Man denke nur an den Untertitel von Turners Buch: „Wie Reich die sexuelle Revolution nach Amerika brachte und für die permissive Gesellschaft verantwortlich zeichnet“.) Diese Linken haben eine denkbar unglückbringende Charakterstruktur: die soziale Fassade propagiert Frieden, Gleichheit, Meinungsfreiheit, Toleranz und „Diversity“, dient aber der Durchsetzung des genauen Gegenteils (sekundäre Schicht), der erbarmungslosen Ausmerzung des ideologischen Gegners und der Etablierung eines weltweiten Konzentrationslager-Systems, in dem sie die Wächter sind.

Diese Linken identifizieren sich mit allen, die wie sie selbst ausschließlich in der sozialen Fassade und der sekundären Schicht leben, etwa einem Perversen wie Kinsey, der im Namen der Toleranz Kinderseelen zerstörte. Reich, der fast ausschließlich aus dem bioenergetischen Kern heraus agiert, muß ihnen wie jemand vorkommen, der, wie sie selbst, ein böses Spiel spielt. Entsprechend versucht Turner Reich zu „demaskieren“. Ein Mensch ohne Maske ist ihm unvorstellbar. Beispiel: ein Orgonenergie-Akkumulator in Summerhill kann nicht einfach ein „Orgonenergie-Akkumulator in Summerhill“ sein (schließlich war Neill Reichs bester Freund); nein, es müssen sich Abgründe dahinter verbergen („einge-box-te“ Kinder, Kinder im „Orgasmatron“, das Gegenteil von freier Erziehung und Selbstregulation). Charakterologische Kommunisten wie Turner schließen stets von sich auf andere