Im Zentrum von Hegels Philosophie steht die Frage, wie Bewegung überhaupt möglich ist. Man kennt das Paradoxon von Zenon: Ein Pfeil kann sich vom „philosophischen“ Standpunkt aus nicht bewegen, weil der Pfeil in jedem Moment, in dem wir den Pfeil mit unserem „philosophischen Auge“ betrachten, stillsteht. Wie die Bilder eines Filmes. Nach Hegel ist die Bewegung nur möglich, weil zwei sich gegenseitig ausschließende Tatsachen (der Pfeil ist entweder hier oder er ist dort) koexistieren können (Bewegung des Pfeils). Diese Einheit von „hier“ und „da“ ist die synthetische Funktion des Geistes, und somit ist alles um uns herum eigentlich nichts als Geist oder vielmehr die Entfremdung des „reinen Geistes“ der Logik und seiner Bewegungsgesetze in Zeit und Raum hinein: These, Antithese, Synthese. Dieser „Geist“ ist autonom, d.h. weder mein Geist („hier“) noch dein Geist („dort“), sondern der universelle Geist.
Der zunächst reine und dann entfremdete Geist wird zum „absoluten Geist“, wenn er sich in Kunst und Musik, Religion und Philosophie manifestiert, wo er sich schließlich seiner selbst bewußt wird. Dieser „absolute Geist“ ist die höhere Synthese des „subjektiven Geistes“ des Individuums und des „objektiven Geistes“ der Ethik: Familie, Gesellschaft, Staat. Der „objektive Geist“ manifestiert sich in der Geschichte der Welt, und die Geschichte der Welt ist nichts anderes als die Geschichte von Staaten, Reichen und Dynastien. Das Endziel dieser Entwicklung ist eben der „absolute Geist“. Daher muß das egoistische Individuum, das die Entwicklung des „objektiven Geistes“ behindert, um jeden Preis unterworfen werden, d.h. muß vollständig der Ethik unterworfen werden. Der Staat ist alles, denn der Staat ist die Manifestation Gottes, oder vielmehr der Staat führt zur endgültigen Manifestation Gottes als „absoluter Geist“.
So waren „Staaten mit philosophischem Ziel“ wie Nazideutschland und die (durch und durch „deutsche“) Sowjetunion die höchsten Manifestationen des Hegelschen Denkens. Das ist keine „Verschwörungstheorie“, sondern das Fortwirken einer besonderen Weltanschauung, die ansteckend ist. Man kann sie auf Hegel zurückführen, auf Martin Luther, auf die Gründer der römischen Kirche, auf Platon und weiter zurück auf die alten saharasischen Götterreiche, die James DeMeo beschrieben hat.
Marx war die Fortsetzung von Hegel: die völlige Unterwerfung des egoistischen Individuums unter die Idee der Menschheit, d.h. der preußischen Schule. Max Stirner war das Gegenteil von Hegel: „egoistische“ Selbstregulierung, d.h. Neills Summerhill. Stirner war ein Todfeind der Ethik an sich. Er war gegen das „Über-Ich“ und für „die Kinder der Zukunft“.
Alle Menschen sind Idioten, sie sind gepanzert, d.h. nehmen nichts richtig wahr und verzapfen nur Murks; ihre gesamte Naturwissenschaft ist Murks, da sie nichts vom Orgon weiß und so weiter und so fort… Kein Wunder, daß sich offensichtliche Psychopathen, persönlichkeitsgestörte Sonderlinge, hirnorganisch Angeschlagene, Leute, die nach einer „Weltanschauung“ suchen, „Weltverbesserer“ und unbedeutende minderbegabte aber um so narzißtischere Spinner zur Orgonomie und ganz konkret zu diesem Blog hingezogen fühlen. Leute, die an „Vril“, die flache oder an die hohle Erde glauben, an „Chemtrails“, an „reptiloide Formwandler“, all die anderen „Sinnsucher“ und Halbirren, etwa Holocaustleugner, denen das Internet endlich aus ihrer Isolation hilft.
Sie sind wie jene Leute, die, wenn Reich von der „Funktion des Orgasmus“ sprach, an Dildos, Strapse und Fußfetischismus dachten. Sie sind wie jene, die, als Reich den Mystizismus nicht nur als Sexualitätsersatz, sondern als (verzerrte!) Wahrnehmung des Orgons zu betrachten begann, Morgenluft witterten und das zum Anlaß nahmen, die Orgonomie in einer Schlammflut des „Spirituellen“ zu ersticken. Auch zu seiner Zeit begegnete Reich Gralssuchern, Anthroposophen und Anhängern der Welteislehre, aber er hätte sich wohl nie träumen lassen, daß er selbst eines Tages zu ihren Heroen zählen würde:
Es ist praktisch unmöglich sich dieser Leute zu erwehren, denn das Problem, d.h. IHR Problem läßt sich nicht mit Argumenten angehen, sondern nur biophysisch auf der Couch eines orgonomisch orientierten Psychiaters, der ihre Augen- und Brustpanzerung, etc. auflöst. Doch typischerweise unterziehen sich solche Leute niemals einer Orgontherapie. Oder mit anderen Worten: sie stellen das ganze Universum infrage, aber niemals sich selbst. Kurz gesagt sind es Kleine Männer, die alles leer und bedeutungslos machen, was sie berühren.
„Faschismusforscher“ tun den lieben langen Tag nichts anderes, als sich mit „rechtem Gedankengut“ auseinanderzusetzen, aber kaum einer wird jemals von der Kritik an der systematischen Ausmerzung der weißen Rasse beeindruckt oder wenn ihm gezeigt wird, wie ängstlich bemüht die Alliierten waren, beim Nürnberger Prozeß bestimmte Dinge draußen vor zu lassen. Wer weiß beispielsweise, daß nicht nur Deutschland, sondern auch Polen Teile der Tschechoslowakei annektiert hat? Umgekehrt: welcher Rechte hört schon gerne, daß „Freiheit“ für Millionen Menschen bedeutet, ausweglos in der Hölle vegetieren zu müssen?
Zeitungen, Sachbücher, Fernsehsendungen etc. dienen nur dem einen Zweck vorgefaßte Meinungen zu zementieren. Das ist so, weil politische Anschauungen keine Funktion des nüchternen Verstandes sind (Unterscheidungsvermögen = Autonomie), sondern der Charakterstruktur (automatenhafte Blindheit = Heteronomie). Zwingt man einen Leser der Süddeutschen Zeitung die Junge Freiheit zu lesen (oder umgekehrt) wird die Lektüre ihn nur in seiner einseitigen Weltsicht bestärken. Entsprechend ist unsere gesamte „Debattenkultur“ eine Farce.
Der einzige Ausweg besteht darin, die gesellschaftlichen Probleme als Ergebnis der Panzerung zu betrachten.
Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens – sie sollten es auch beherrschen. Sie sind weder „links“ noch „rechts“, sondern vorwärts gerichtet.