Zum Thema, daß der Kampf gegen die Emotionelle Pest selbst zur Emotionellen Pest wird, siehe unbedingt auch diesen Artikel von Kolja Zydatiss: Michael Jackson und die Exorzisten.
Zum Thema, daß der Kampf gegen die Emotionelle Pest selbst zur Emotionellen Pest wird, siehe unbedingt auch diesen Artikel von Kolja Zydatiss: Michael Jackson und die Exorzisten.
Eines der Hauptmißverständnisse, unter denen die Orgonomie leidet, ist, daß Reich für „Sex“ stand. Wenn es, frei nach Aldous Huxleys „Schöner neuer Welt“, keinen Triebstau mehr gäbe, weil Sex, frei nach Lenin, so einfach zu haben ist wie ein Glas Wasser, wären die Menschen erst recht unglücklich und – Reich hätte Unrecht. Tatsächlich haben wir dank Tinder solche Verhältnisse. Aber gemach: wer als Mann Geld hatte und als Frau Mut bzw. ausreichend Selbstverachtung konnte ohnehin schon von jeher jederzeit so viel Sex haben, wie er bzw. sie wollte. Sexualökonomisch ist das alles vollkommen wertlos, teilweise sogar kontraproduktiv, da wirkliche Befriedigung nur möglich ist, wenn die Emotionen mitspielen („Liebe“). Emotionen sind unmittelbarer Ausdruck der Bewegung der organismischen Orgonenergie. Sind sie nicht vorhanden (innere Leere), ziehen sie sich zurück (Angst) oder versuchen ganz im Gegenteil das „Liebesobjekt“ zu vernichten (Haß): was soll das mit Wilhelm Reich zu tun haben?
Eine Frau, die sich nach einer frustrierenden Ehe von ihrem Mann trennt und sich bei „Gangbangs“ austobt, kann behaupten, sie sei noch nie so sehr befriedigt wie jetzt, doch das hat NICHTS mit wirklicher genitaler Befriedigung zu tun. Sie rächt sich an ihrem Mann, letztendlich an ihren Eltern, lebt ihren Masochismus aus und „befriedigt“ ihren Narzißmus, aber dieses Ausleben der Neurose… Ausführungen erübrigen sich. Das gleiche gilt für das heutige Geschlechtsleben weiter Kreise junger Menschen, für die Sex nicht etwa die Besiegelung und Erfüllung einer romantischen Beziehung ist, sondern umgekehrt an deren Anfang stehen kann. Heute ist es für junge Frauen durchaus nicht absonderlich, beim elektronischen „Flirten“ erst mal nach einem „Schwanzbild“ zu fragen, bevor man sich trifft – um zu ficken. Bei Sympathie ist danach ein engeres (sic!) Kennenlernen nicht ausgeschlossen…
Man täusche sich nicht: die „Generation Tinder“ ist nicht freier als vorangegangene, denn die Spaltung zwischen Körper („Sex“) und Seele („Liebe“) wird aufrechterhalten, hat sich vielleicht sogar noch verschärft. In der sexualfeindlichen Welt vor der vermeintlichen „sexuellen Revolution“ gab es zumindest Anklänge an die Genitalität und ihren natürlichen Ablauf:
Alles was ist, hat seine Berechtigung, einfach weil es ist. Alles, was ist, ist da, weil es eine FUNKTION erfüllt. Bevor man sich daran machen kann, irgendetwas zu ändern, etwa ein Panzersegment zu befreien, muß man erstmal begreifen, welche Funktion die jeweilige Gegebenheit, in diesem Fall die Panzerung, hat. Erst dann kann man vorsichtige Veränderungen in Angriff nehmen – oder es gegebenenfalls auch lassen.
In diesem Sinne ist der Konservatismus funktionell. Er schlägt in Emotionelle Pest um, wenn er sich gegen den rationalen Gang der Entwicklung, also letztendlich der freien Entfaltung der Orgonenergie entgegenstemmt. Das wird insbesondere im Bereich der Sexualökonomie evident.
Heute abend läuft auf RTL wieder eine der wenigen Gelegenheiten, bei der die Genitalität öffentlich gefeiert wird. Man kann die sexualökonomische Bedeutsamkeit des Tanzes von Mann und Frau kaum überschätzen. In welcher anderen Kultur gibt es so etwas, wie daß ein Paar explizit erotisch, begleitet von explizit erotischer Musik, mit explizit erotischen Texten engumschlungen eine Kreiselwelle auf die Tanzfläche zeichnet und sich dabei rhythmisch pulsierend aufeinander zu- und wieder voneinander wegbewegt, um das gemeinsame Energiefeld zur Erstrahlung zu bringen?! Niemandem ist bewußt, was er da sieht und warum ihn das derartig fasziniert, aber alle spüren es. Die damit einhergehende bioenergetische Erregung, die durch die Spannung zwischen den beiden Geschlechtern erzeugt wird, kann aber nur ertragen werden, wenn sie gedämpft, sozusagen „abgepanzert“ wird. Diese Funktion übernehmen schwule Moderatoren, schwule Juroren oder schwule Tänzer (plakative, groteske Prägenitalität), sowie zotige Sprüche und schlagfertige Wortspielereien, die die Energie in den Kopf verlagern. Hinzu kommt billige Sentimentalität, wenn die Promis ihre „Lebenstragödien“ vor der Öffentlichkeit ausbreiten. Was aber unter allen Umständen verhindert werden muß, ist, daß über längere Zeit jener „existentielle Ernst“ aufkommt, jene echte, weil tiefe Lebensfreude, die die Genitalität auszeichnet.
Niemand sieht, was vor sich geht, niemand, wirklich NIEMAND spricht darüber, – aber ALLE wissen davon, jedenfalls tief in ihrem Inneren.
Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:
ZUKUNFTSKINDER:
6. Das sexuelle Elend der Jugend, f. Die sexuelle Revolution
Ich habe es tatsächlich geschafft! KINDER DER ZUKUNFT ist durchgelesen.
Warum der Peter so leidet? Im von Reich persönlich revidierten Originalmanuskript ist zu lesen:
Die Jungen klagen darüber, daß es an Gelegenheit, ungestört beisammen zu sein, immer fehlte, daß sie die allergrößten Schwierigkeiten hätten, sich Empfängnisverhütungsmittel zu schaffen (sic!), daß die Mädels „soviel Geschichten machen“, sich allzu lange bitten lassen (…).
In der Rückübersetzung wurde daraus – Unsinn:
Die Jungen beschweren sich, daß es nie eine Gelegenheit gibt, ungestört zu sein und daß die Mädchen nicht in der Lage sind oder nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Verhütungsmittel zu benutzen. Die Jungen beschweren sich auch darüber, daß die Mädchen „soviel Geschichten“ machen. Sich allzu lange bitten lassen (…). (S. 185)
Aus…
Dieselbe Stellung, die der Vater von seinen Kindern verlangt, wenn sie klein oder jugendlich sind, fordern oft raubgierige Unternehmer und Bürokraten, die nichts von unserem Leben verstanden haben, von den Erwachsenen.
…wurde:
Derselbe Gehorsam und die gliche (sic!) Untertänigkeit, die der Vater seinen jungen Kindern abverlangt, wird auch von staatlichen Autoritäten, wie auch von gierige (sic!) Unternehmer und Bürokraten gefordert, die nichts über unser Leben wissen, also von den Erwachsenen. (S. 188)
Es geht nicht um „die spirituelle Unterdrückung durch die Kirche“ (S. 190), sondern, so das Originalmanuskript, um „die geistige Verdummung durch die Kirche“! Es geht nicht darum, „den sexuellen Streß der Jugendlichen zu beseitigen“ (ebd.), sondern darum, „die sexuelle Not der Jugend zu beheben“. Es geht nicht um „liebesbedingte Selbstmorde“ (S. 194), sondern um „Selbstmorde aus sexuellen Motiven“. Reich will „das Sterbende töten, in jeder Hinsicht und wo immer wir es treffen, um daraus eine neue Ordnung der menschlichen Beziehungen zu bauen“, während in dieser „Übersetzung“, oder was immer das sein mag, davon die Rede ist, „bei allem Respekt die absterbende Ordnung, wo immer wir sie antreffen, [zu] vernichten, sodaß wir dann eine neue Ordnung der menschlichen Beziehungen aufbauen können“ (ebd.). Wo kommt plötzlich der „Respekt“ her? In der amerikanischen Ausgabe lesen wir: „(…) if we kill off the dying order in every respect and wherever we come across it so that we can create from it a new order of human relationships (…)”. Nein, bei allem was Recht ist! Da kann man sich doch nur noch die Haare raufen! Und sowas mußte der arme Peter über fast 200 Seiten hinweg über sich ergehen lassen!
Bei dieser Gelegenheit möchte ich zwei Sätze aus dem [teilweise skizzenhaften] Originalmanuskript zitieren, die alles widerlegen, was Reichs Kritiker gerne vorbringen, nämlich, daß Reich die „ver-Sex-te“ Gesellschaft nicht vorausgesehen hat, in der alle noch unglücklicher sind, „obwohl“ doch alles voller „Sex“ ist, – und daß Reich ein Prophet der Zerstörung der Familie war:
Eingehende Erfahrung lehrt, daß je mehr die sexuellen Erscheinungen sich in einer Gesellschaftsgruppe vordrängen, desto gestörter, zerrissener, unbefriedigender für jeden einzelnen das Geschlechtsleben im Inneren und in Wirklichkeit ist. (Entsprechung im Buch: S. 187f)
[Der] Unterschied zwischen Familiensklaverei und familiärer Liebe, die auf gegenseitiger Achtung und natürlicher Verwandtschaft beruht, [wird] nicht begriffen. Die erste, die uns zerbricht, wollen wir zerbrechen; doch die Liebe von Vater und Mutter zu ihren Kindern und der Kinder zu ihren Eltern wollen wir unter allen Umständen schützen und bewahren. (Entsprechung im Buch: S. 189)
Es ist eine Tragödie, daß dem deutschen Publikum das vorenthalten wird, bzw. daß es mit einer schlichtweg unbrauchbaren „Übersetzung“ abgespeist wird.
P.S.: Ich wollte gerade dieses Kapitel endgültig abschließen, da stelle ich fest, daß das LIED DER JUGEND, ausnahmsweise keine Rückübersetzung, am Ende des Buches falsch abgedruckt wurde!
Die erste Strophe ist korrekt, desgleichen die dritte und vierte, doch in der zweiten Strophe wurde die letzte Zeile mit der vorletzten vertauscht. Warum? Schaut man im amerikanischen Original nach, ist es dort genauso, ABER AUS GRÜNDEN DES ENGLISCHEN REIMES.
Übrigens ist die amerikanische Übersetzung falsch: „Unser das Kampfrecht, wenn man uns zwingt“ ist nicht dasselbe wie: „Ours the just fight (= der gerechte Kampf, was der Übersetzer wohl mit „Kampfrecht“ verwechselt hat!) against all who suppress us.“ Das ist etwas ganz anderes als schlichtweg: „Ours the right to fight if you force us.“
Das Kampfrecht der Jugend fürs Lebensglück entspricht dem Streikrecht der Arbeiter (Arbeitskampfrecht) für gerechten Lohn.