Paul Mathews:
Über Panzerung, Krieg und Frieden
„Reichianer“ und Orgonomen können ziemlich Spaßbremsen sein, hängt doch immer eine schwarze Wolke über ihnen: die Menschen sind gepanzert, ja sogar die Atmosphäre, die Emotionelle Pest wütet, der Verrat an Reich und der Orgonomie ist allgegenwärtig und – die Welt ist ja so ungerecht.
Was diese finsteren Jammerlappen, die sich wohl eher einem konsequenten Antinatavismus zuwenden sollten, so unerträglich verlogen macht, zeigt allein schon ein Blick in die Geschichte der Orgonomie. Sie ging aus der Psychoanalyse hervor und emanzipierte sich sehr schnell von ihr, weil diese triebfeindlich war und Reichs psychoanalytische Kollegen moralistisch wie griesgrämige Pfaffen daher gingen. Jede unschuldige natürliche Regung wurde gnadenlos „analysiert“, jedes Verhalten und jedes Handeln als Ausdruck abgrundtief perverser infantiler Regungen „entlarvt“. Es gab keinen Raum für Lebensfreude, Spaß und schlichtes Herumalbern.
Ein zweites Kennzeichen der besagten widerlichen „Reichianer“ und Orgonomen ist, daß sie nichts wertfrei betrachten können. Alles wird instantan in irgendwelche Kategorien eingeordnet. Das merkt man etwa im Gespräch, wenn man erzählerisch auf etwas hinaus will, aber nie dort ankommt, weil der Gesprächspartner von vornherein alles kategorisiert. Kommunisten, Homosexuelle, Moslems, etc. sind böse. Punkt. Irgendwelche Gegenwahrheiten haben bei diesen angeblichen „Funktionalisten“ keinerlei Chance.
Wieder ist der Blick in die Geschichte der Orgonomie erhellend, denn die eigentliche Orgonomie fing mit der Bionforschung an, d.h. als Reich daran ging, die mikroskopische Welt vollkommen naiv, vorurteilslos und ohne jedwedes Kategorisieren zu betrachten. Auf diese Weise entdeckte er die natürliche Organisation der Protozoen, die SAPA-Bione, die atmosphärische Orgonenergie, etc. Unsere engherzigen, beschränkten, mit Scheuklappen versehenen „Reichianer“ und Orgonomen wären in ihrer doktrinären Erstarrung verharrt geblieben und hätten gar nichts entdeckt.
Es ist kein Zufall, daß sich das American College of Orgonomy (ACO) Anfang der 1980er Jahre spaltete (ein Einschnitt, von dem es sich nie wirklich erholt hat), als sein Begründer, Elsworth F. Baker, sich beklagte, daß es in der Orgonomie nicht genug Lebensfreude gäbe. Die Orgonomen, nur weil sie Ärzte sind, sollten sich nicht einbilden, im Besitz aller Weisheit zu sein.
Hier einer der Mitbegründer des ACO:
von Bernd Laska
Reich stieß mit seinen Theorien von Anfang an auf erbitterte Gegnerschaft; ob es bei den ‚aufgeklärten‘ Psychoanalytikern war; ob es bei den Kommunisten und Sozialisten mit ihrer ‚wissenschaftlichen Weltanschauung‘ war; oder ob es bei den ‚nüchternen und sachlichen‘ Naturwissenschaftlern war; von anderen Gruppen ganz zu schweigen. Jede von diesen dreien sich auf ihre Rationalität etwas zugute haltenden Gruppen ‚liquidierte‘ Reich auf ihre Art, aber keine setzte sich ernsthaft mit seinen Argumenten auseinander.
Nun ist Reich aber nie ein im eigentlichen Sinne unpolitischer Mensch geworden, der mit seiner Forschung und einer kleinen Anhängerschaft zufrieden gewesen wäre. Er war nur zu der Ansicht gekommen, daß die Veränderung der Welt zum Besseren hin nicht länger durch relativ ungerichtete Aktivität und Agitation erreicht werden kann, auch wenn diese unter den (inhaltlich nie klar ausgefüllten) Schlagwörtern „Fortschritt“, „Freiheit“, „Emanzipation“ usw. läuft; ein Problem, das heute leider noch so aktuell ist wie vor vierzig Jahren, als Reich sich vom organisierten Marxismus löste.
Und gemäß dieser Einsicht, die Reich nicht aufgrund philosophischer Spekulationen und von Wunschdenken gelenkt, sondern durch praktische und theoretische Arbeit an Mensch und Gesellschaft erlangte, arbeitete Reich an einem wissenschaftlichen Menschenbild, das den ganzen Menschen und seine Stellung in Natur und Gesellschaft erfassen sollte und den obenerwähnten Schlagworten einen konkreten Sinn geben konnte.
Ich glaube, daß die Entstehung der oft als unpolitisch bezeichneten Orgonforschung ohne diesen Gesichtspunkt nicht voll verständlich ist. Nach dem Fiasko in der Sowjetunion resignierte Reich nicht wie so viele ehemalige Sympathisanten und ‚fellow travellers‘ aus dem Westen, sondern er suchte und fand die Ursache, die allerdings sehr viel tiefer liegt als der gewöhnliche Intellektuelle akzeptieren möchte.
Das Thema verlockt zur weiteren Ausführung; ich muß aber im Rahmen dieser Vorbemerkung hier abbrechen. Nur noch soviel: Wenn Reich sich später z.B. um die Entwicklung eines Orgonmotors bemühte, so sicher nicht, um den herkömmlichen Motoren Konkurrenz zu machen. Er wollte damit sowohl das wissenschaftliche Fundament seiner Entdeckungen (also auch der Funktion des Orgasmus) verbreitern, als auch die Menschen dazu bringen, daß sie sich damit auseinandersetzen. Gerade er wird sich dabei voll bewußt gewesen sein, daß dies noch lange nicht genügt hätte; aber es hätte ein Anfang sein können.
Ähnliche Motivationen kann man vielen seiner Aktivitäten in der Orgonforschung unterstellen, ob es nun die Experimente zum Krebsproblem, zur Immunisierung gegenüber der Radioaktivität (Oranur) oder zur Wetterbeeinflussung waren. Die Orgonforschung war in einem höheren (oder tieferen) Sinn immer hochpolitisch (zumindest intentional), weil sie nie zu trennen war von Reichs Person und seinem Menschenbild, das vielen „linken“ Idealen erst eine wissenschaftliche Grundlage liefern und sie damit ihres illusionistischen Charakters entledigen könnte.
/1/ The Einstein Affair, Rangeley USA 1953
/2/ Ilse Ollendorff-Reich, Wilhelm Reich, München 1975
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 2/76N.
Neulich habe ich Teile eines Interviews mit Gregor Gysi auf N3 mitgekriegt. Er erzählte, wie er in den 1990er Jahren mit den „Republikanern“ (der damaligen „Afd“) umgegangen sei. Ohne Scheu habe er auf ihren Versammlungen gesprochen, billigte ihnen zu, daß man in Deutschland vielleicht tatsächlich eine Milliarde D-Mark einsparen könne, wenn man alle „Ausländer“ rauswerfe. Die „Republikaner“ hätten begeistert geklatscht, doch habe Gysi danach für betretenes Schweigen gesorgt, als er ihnen sagte (ich paraphrasiere): „Warum glaubt ihr, daß ausgerechnet IHR von dieser eingesparten Milliarde profitieren würdet?“ Er meinte damit die Deutschen aus der Unterschicht. Man könne, so Gysi weiter, die AfD nur erfolgreich bekämpfen, wenn man den Menschen klarmache, daß sich die Armen untereinander solidarisieren müßten, statt sich (von der Oberklasse) gegeneinander aufhetzen zu lassen.
Klingt gut, ist aber vollkommener Schwachsinn:
Der Kapitalismus funktioniert so gut, weil der Zwang zu Unternehmungen, die sich rentieren, für hohe Effizienz sorgt. Ein Effekt ist, daß dadurch manche märchenhaft reich werden. Und es ist vollkommen natürlich, daß sie diesen Reichtum an die Träger ihres Erbguts weiterreichen wollen. Gemäßigte sozialistische Gesellschaften wie die Bundesrepublik und beispielsweise Schweden versuchen dieses Ungleichgewicht zumindest etwas auszugleichen, indem sie Steuern und Abgaben erheben, die schlichtweg eine Enteignung darstellen. Und dann kommen Leute wie Gysi, die den Unterschichten weißmachen wollen, dieser Staat wäre nicht für sie da, sondern die Steuererträge würden für die Reichen ausgegeben (bzw. zur Finanzierung von Steuererleichterungen für die Reichen). Leute wie Gysi wollen den Mechanismus, d.h. den mörderischen Zwang zur Rendite (die kapitalistische „Ausbeutung“) abdrehen, der diese Steuererträge erwirtschaftet. Beispielsweise kämpft man gegen die „unsoziale“ Schließung von nicht mehr profitablen Werken. Auf diese Weise garantiert man, daß der Kapitalismus schon bald nicht mehr den grotesk ausufernden Sozialstaat aufrechterhalten kann. Und schließlich sollen die deutschen Profiteure dieses sterbenden Sozialstaates ihre staatlichen Zuwendungen auch noch mit vollkommen fremden Parasiten teilen.
Das Erschreckende ist, daß die Massen die ganze Perfidie und abgrundtiefe Bosheit eines Kommunisten wie Gysi nicht erfassen können. Sie kapitulieren vor einem „Denken“ und einer Pseudologik, das bzw. die von der Wirklichkeit vollkommen abgetrennt ist. Ich verweise auf meinen gestrigen Blogeintrag. Irgendein isoliertes Element wird herausgegriffen, seines funktionellen Zusammenhanges beraubt und um es herum eine Scheinwirklichkeit errichtet. Das nennt sich Demagogie.
Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die Polarisierung der Gesellschaft:
Politik ist ein Symptom, keine Krankheit
Was Konia für die USA beschreibt, nämlich die breite Unterwanderung durch den roten Faschismus, sieht in Deutschland wie folgt aus: