Paul Mathews:
Über den Terrorismus
Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte? Die Frage läßt sich ziemlich leicht beantworten, wenn man zu seinen beiden Geistesverwandten Stalin und Mao blickt, die tatsächlich „den Krieg“ gewonnen haben! Millionen sind elendig verreckt, aber Rußland sähe heute kaum anders aus, wenn es die UdSSR nie gegeben hätte. Das gleiche gilt für das heutige China. Und Hitler-Deutschland! 1975 zeigte der WDR ein interessantes Fernsehspiel, das bezeichnenderweise nie wieder die Archive verlassen hat (wenn es denn überhaupt noch existiert!): Zahnschmerzen. Hier wurde dargestellt, daß Hitler-Deutschland sich im Jahre 1975 in kaum etwas von der Bundesrepublik unterscheidet. Die Ideologie ist vielleicht anders, aber das tägliche Leben der Menschen unterscheidet sich kaum. (Siehe auch das weithin bekannte Buch bzw. den Film Vaterland!)
Oder man nehme die sogenannte „DDR“: Die Herrschenden der SED haben sich leidlich bemüht ein wahrhaft sozialistisches Land aufzubauen und die mittleren und unteren Ebenen hatten gar keine andere Wahl als mitzuspielen, aber abseits von „sozialistischen Bekundungen und Gesten“ blühte vollkommen losgelöst von illusionären „Planvorgaben“ ein reger Tauschhandel zwischen Kombinaten und Fabriken, die Menschen haben sich eng vernetzt, um die ständige Mangelwirtschaft zu umgehen, und auf ihren Datschen ein Leben geführt, das dezidiert NICHTS mit der „DDR“ zu tun hatte. Oder wie der Ost-CDU-Politiker Peter-Michael Diestel nach der Wende auf die Wessie-Kritik, warum er sich in/mit der „DDR“ widerstandlos arrangiert hatte, sinngemäß sagte: „Ich habe mir doch von diesen roten Clowns mein Leben nicht kaputtmachen lassen!“
Was immer in der Politik geschieht, was immer für großartige „Visionen“ doch der Gesellschaft aufgezwungen werden, die Arbeitsdemokratie läuft weiter bzw. reorganisiert sich stets von selbst. Das ist so, weil sie keine „Idee“ ist, sondern sie ist die Gesellschaft selbst. Solange es Menschen gibt, die arbeiten, wird es auch die Arbeitsdemokratie geben. Lenin und Stalin haben alle „Kulaken“ umgebracht, d.h. alle, die auf dem Land mehr waren als bloße Kulis und die Roten Khmer haben sogar jeden umgebracht, der auch nur ansatzweise einen eigenen Kopf hatte, aber kein Terror ist in der Lage, den Lebensfunken zum Erlöschen zu bringen. Das sieht man ja auch bei den individuellen Biopathien: selbst wenn die lebensfeindliche Erziehung, der „elterliche Terror“, beispielsweise eine Krebsschrumpfungs-Biopathie induziert hat, pulsiert der Organismus eben auf einer tieferen Ebene weiter und sei es in Gestalt eines Tumors. Das gleiche gilt für alle denkbaren individuellen Neurosen und Krankheiten. Im trotzigen „Das Leben geht weiter!“ ist eine tiefe Wahrheit enthalten.
Auch von daher kann man alle „Erlöser“ und „Heilsbringer“, auch die vermeintlich „orgonomischen“, in die Tonne treten!
Teil 2 der Massenpsychologie des Faschismus handelt von der Einführung der „Sowjetdemokratie“ durch Stalin – und das in einer angeblichen „Räterepublik“, wo alle Macht von den arbeitenden Massen ausgeht. Reich ging die ganze Verlogenheit des kommunistischen Projekts auf. Er kritisiert hier sozusagen die erste „Perestroika“, Stalin als „Gorbatschow“!
Gorbatschow war als sowjetischer Parteiführer in erster Linie Leninist, d.h. zur Machterhaltung war es für ihn geradezu Routine überkommenen ideologischen Ballast über Bord zu werfen. Es geht einzig und allein um den Machterhalt der Partei – selbst zum Preis der „Demokratisierung“, da sind Tradition und Ideologie egal. Hat doch schon Lenin den Sankt Marx einen guten Mann seinlassen und die „Neue ökonomische Politik“ ausgerufen.
Als ich damals zum ersten Mal vom neuen Generalsekretär Gorbatschow hörte, mußte ich unwillkürlich an Stalin denken. Man macht sich im allgemeinen ein viel zu finsteres Bild von Stalin. Nicht, daß er kein Modju war, sondern weil er ein Modju war, ist er am Anfang bis zu Lenins Tod, sehr jovial, menschlich und sympathisch aufgetreten und hat sich dergestalt wohltuend vom Heißsporn Trotzki abgehoben, an den das Grauen des Roten Terrors haftete und der als hochmütig und fanatisch galt. Die Leute, die Stalin unterstützt haben, hatten eine Todesangst vor einer persönlichen Machtstellung Trotzkis. Also genau vor dem, was dann mit Stalin eingetreten ist.
Bei Gorbatschow hatten wir genau das gleiche: ein energischer junger Mann, der aber trotzdem jovial und vertrauenerweckend auftrat, als Reformer, jemand der sich in die kollektive Führung einreihte, etc. Aber dann ganz plötzlich trat genau das gleiche wie bei Stalin auf: während Stalin seine persönliche Diktatur aufbaute, führte Gorbatschow das Präsidialsystem ein, trat als großer Superstar auf. Plötzlich hatte er es nicht mehr nötig den Vorsitzenden des Obersten Sowjets um das Wort zu bitten, sondern quasselte frei drauf los und machte aus Gromyko eine Witzfigur, ähnlich wie Stalin aus Kalinin eine Witzfigur gemacht hatte. Seit Stalin war Gorbatschow wieder der erste Sowjetführer, der vollkommen neue ideologische Direktiven erteilte – und er war seit Stalin wieder der erste Sowjetführer, der von westlichen Intellektuellen als Christusersatz angebetet wurde.
Gorbatschow war ein Produkt Andropows, der schon mit „Gorbatschows“ Politik schwanger ging, als niemand Gorbatschow kannte. Der KGB-Chef Andropow hatte sich über KGB-Kanäle wie Spiegel und Stern (schon damals dünnschissige Schmierblätter!) als „Liberalen“, als feinfühligen Intellektuellen präsentieren lassen, der sich für Jazz interessiert. Er wollte der SU ein neues Image verpassen, um die Wirtschaft des Westens besser anzapfen zu können und dem Kommunismus seine idealistische Dynamik zurückzugeben. Gleichzeitig wollte er das Land von innen auflockern, um die Stagnation zu überwinden. Und der Westen ist so dumm und fällt darauf rein. Ergebnis: Gorbatschow diktiert die Verteidigungspolitik des Westens, der Westen saniert den maroden Osten, der sich gleichzeitig groteskerweise als frischer Quell „neuen Denkens“ präsentieren kann. Ich erinnere an die verbrecherische „Friedensbewegung“ und die Wiedervereinigung – die uns Merkel und die DDR 2.0 geschenkt hat.
Typisch für den Kommunismus waren nicht die Panzer in Budapest, Prag und Peking, wo jeweils „Demokratiebewegungen“ blutig niedergeschlagen wurden, sondern vielmehr Leute wie Andropow und Gorbatschow, die an das vermeintlich „Gute im Menschen“, an die soziale Fassade appellieren, um dann erstrecht das Lebendige um so besser töten zu können. Typisch ist die sogenannte „Friedensbewegung’“, die, unter dem Banner des Guten, alles Natürliche zu unterdrücken trachtet, alle Bewegung. Ich denke nur an die widerwärtige Propaganda gegen das „Kriegsspielzeug“ oder das kastrierte Gehabe so mancher Friedensschwuchteln. Das ist Kommunismus – die Zerstörung des Friedens durch „Frieden“, die Unterdrückung des Volkes durch eine „Volksarmee“, die Errichtung der Tyrannei durch die „Volksdemokratie“ (die Machtstellung, die Gorbatschow zeitweise „demokratisch“ errang), die Erhaltung eines mittelalterlichen Systems (Sozialismus) und seiner Theorie (Marxismus) durch „neues Denken“.
Der Ex-DDR-RGW-Funktionär Hermann von Berg stellte damals in seinem Buch Die Antiökonomie des Sozialismus (Würzburg: Creator-Verlag, 1989) dar, daß Gorbatschows Neues Denken, was die Wirtschaft betrifft, uraltes Denken ist. Schon Stalin hat versucht, die sozialistische Wirtschaft auf Gorbatschowsche Weise zu reformieren. Breschnew war auch schon ein „Gorbatschow“! Und alles ist gescheitert, genauso wie Gorbatschow kurz darauf gescheitert ist mit seiner „sozialistischen Marktwirtschaft“. Gorbatschow hat sich verzockt, ähnlich wie es zuvor Stalin mit dem Hitler-Stalin-Pakt passiert war.
Was Rotchina betrifft hat der Kommunismus zu einer apokalyptischen moralischen Krise geführt, einen Alptraum: